Weinrallye 30: Naturwein

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Der Einkauf in einem Basler Bioladen erinnerte mich an das heute laufende Weinrallye, den Tag, an dem von an Wein interessierten Weblogs über ein zuvor bestimmtes Thema geschrieben wird. Heute: Naturweine. Der event durch Matthias Metze von socialwine betreut.

Naturweine waren bisher kein Thema für mich.  Ein Winzer, der gute Weine herstellen will, der seine Weine  und Böden liebt, wird schon deshalb verantwortungsvoll mit Spritzmitteln umgehen. Und andere als gute Weine trinke ich nicht. Wieviel Natur  in den vom Bioladen angebotenen Weinen drin ist, weiss ich nicht. Das Knospen-Label muss genügen. Einige der im Laden angebotenen Weine stammten von Dieter Meier. Den kenne ich zwar kaum, weiss von ihm allenfalls, dass er in der Öffentlichkeit elegant mit Schnurrbart à ma façon, Halstuch und Zigarre auftritt und das, was Claudio von Anonyme Köche von einer Begegnung mit ihm berichtet hat. Dieter Meier, Sohn einer Bankiersfamilie, Theaterautor, Pokerspieler, Konzeptkünstler, Individual-Anarchist und Avantgardist,  gründete in den Achtzigerjahren zusammen mit dem Musiker Boris Blank die Band „Yello“. Mit neuartigen sounds feierte er als Sänger-Darsteller internationale Erfolge. Kurzum ein Mensch, der dem Teufel vom Karren gefallen zu sein scheint. Hier ist er:

Heute gilt seine Passion seiner 1995 gekauften Farm Ojo de Agua in Argentinien. Dort führt er mit unbestritten nachhaltigem Erfolg eine Bio-Zucht von Hereford-Rindern, die er vor allem in der Schweiz erfolgreich vermarktet.  Ich habe auch schon welches gebraten. Und, da die Ranch im Mendozagebiet liegt, produziert er seit 2003 auch Wein, der hierzulande ebenso erfolgreich Absatz findet.  Seit 2006 ist das Weingut für Bioweine zertifiziert. Dafür engagierte er als flying winemaker den jungen Louis Mitjavile, winemaker des Clos Dubreuil und Sohn der Weinlegende François Mitjaville (Chateaux Tertre-Rôteboeuf und Roc de Cambes.)
Dieter Meier baut hauptsächlich Malbec (60 Prozent) sowie Cabernet Sauvignon und Merlot an. Seine Weine sind für ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis bekannt. In der nzz erschien unlängst ein Artikel, in welchem er schildert, wie er auf den Wein gekommen ist.

Mein Wein:
Ojo de Agua 2007, Cuvee spéciale,
Malbec, Merlot, Cabernet Sauvignon

Eine Stunde dekantiert. Jugendliches Violett-Purpur. In der Nase fruchtig, rote Beeren, Pfeffer, Gewürze und Vanille vom Holz. Im Antrunk eine überraschende Fülligkeit bei gleichzeitig weicher Tannintextur, Kirschen und Pflaumen im Aroma. Bei rund Fr. 20.- ein preisgünstiger, sehr guter Wein. Den hohen Alkoholgehalt merkt man erst beim Lesen der Rückseite der Flasche.

26 Kommentare zu “Weinrallye 30: Naturwein”

  1. wenn Du wüsstest, wieviel gerade die Winzer, auch die Nobelwinzer!! im Bordelais und der Bourgogne mit verbotenen Pestiziden spritzen, würdest Du davon keine Flasche mehr anrühren………..( In F. wurde gerade eine Studie veröffentlicht, da wurde es einem schlecht!)

    Tja, eigentlich schade, dass leider nur sehr wenige vignerons an die Umwelt denken und behutsam mit den Reben umgehen!

  2. ich kann nicht anders, ich schliesse mich bolli’s kitchen an. als importeur von naturweinen (gefällt mir übrigens besser als biowein) habe ich viel mit winzern diskutiert. es kann einem schon grauslich werden dabei (siehe auch hier http://nosenfantsnousaccuseront-lefilm.com/bande-annonce.html, wenn’s auch leider ein bisschen polemisch ist).
    nun zu deiner auswahl: deinem fazit stimme ich voll und ganz zu. zu was hast du ihn denn genossen?

  3. Schön, einen solchen Exoten gefunden zu haben, Robert – und vor allem, wenn er schmeckt. Ob ein flying winemaker jetzt aber unbedingt Garant für den „natürlichen“ Umgang mit Wein im Keller ist, weiss ich nicht zu beurteilen, da ich den Namen nicht kenne – bio als label bezieht sich ja im Moment noch ausschließlich auf den Weinberg – was einer der Hauptgründe ist, dass sich die Bewegung der „vins naturels“ überhaupt entwickelt hat.

    Bolli, das Problem ist, dass all diese Pestizide aus der Studie eben NICHT verboten sind, sondern ganz offiziell zugelassen und alle Benutzer argumentieren, dass die Dosen der Rückstände eben nicht „letal“ sind und die Rückstandsnormen der staatlichen Gesundheitsbehörden durchaus respektieren….

  4. @Mestolo: den wirst Du in D vermutlich nicht kriegen.

    @Bolli’s Kitchen: ohne Spritzungen geht im Rebbau gar nichts mehr, auch bei den Biowinzern nicht. Mit Schachtelhalmextrakten und Kuhdung in Rinderhörner im Boden eingegraben, kann man den falschen Mehltau nicht mehr vertreiben.

    @Elisabeth: etwas mehr als 85%.

    @gourmeur: zu Fleischbällchen. Was mich mehr stört, ist die Tatsache, dass man auch anerkannt guten Bio-Labeln, wie der Schweizerischen Knospe, die über deum europäischen Biostandard liegen, nicht mehr voll trauen kann.

    @Iris: irgendwo habe ich mal gelesen, dass sich die Pestizidrückstände mehrheitlich an den Trester binden würden. Ob das stimmt ?

  5. N<aturweine weine werden immer interessanter. Vor allem die, die gar nicht vordergründig mit dem Label "Bio" operieren, sondern seit Jahrzehnten möglichst naturnahe Weinproduktion als selbstverständlich erachten. Und davon gibt es gerade in Frankreich auch viele und berühmte Weingüter.
    so wie bei anderen Lebensmitteln ist Bio bei Wein nicht per se ein Genuss. Die Produzenten müssen ihr Handwerk können.
    Einen argentinischen Naturwein hab ich noch nie getrunken, weil ich unter Naturnahe auch Regionalität verstehe, das ist bei Wein für mich Europa. Aber neugierig wäre ich schon auf diesen Wein!

  6. Das ist ein interessantes Thema! Ich bin völlig deiner Meinung, gute Winzer gehen verantwortungsvoll mit den Ressourcen um. Da gibts viel drüber zu erzählen, ich versuchs mal in nem eigenen Post…

  7. Also, was ein Einzelner alles für Dinge in seinem Leben zustande bringt. Völlig abgefahren, das Video ist ein Brüller. So, ich mach jetzt einen Mittagsschlaf und träum von einem eigenen Weinberg.

  8. Sehr schön! Meine erste Platte von Yello habe ich, glaube ich, 1982 gehört. Damals noch ein Geheimtip. Dieter Meier habe ich seitdem immer ein bisschen verfolgt, ist ja durchaus eine schräge Karriere eines Sohnes aus gutem Hause. Er hat als Künstler auch an der Dokumenta Kassel, ich glaube 1974, teilgenommen und wahr zwischenzeitlich zu allem anderen auch noch Mitglied der eidgenössischen Golf-Nationalmannschaft. Leider habe ich es noch nicht in seinen Laden in Zürich geschafft um mal einen seiner Weine zu probieren. Aber das wird bestimmt noch kommen.

  9. Robert … was für eine Überraschung: Yello! Mein persönlicher Ohrwurm war „Vicious Games“ und heute begegnet mir der Sänger als Bauer wieder … einen Weinberg will ich auch haben und ne erfolgreiche Single sowieso und noch viel, viel mehr … zu allererst ein biblisches Alter, damit ich all meine Talente, Energien etc. ausprobieren bzw. umsetzen kann, denn Zeit brauchts, wenn man von kleinauf nicht mit reichlich finanziellen Mitteln ausgestattet war.

  10. @Eline: Das stimmt. Wenn ich zwischen verschrumpeltem Biogemüse und frischem lokal produzierten Gemüse wählen muss, nehme ich immer das frische. Wenn ich zwischen einer Flasche Cheval Blanc (kommt morgen) und einem Biowein aus der Schweiz wählen darf… nehm ich das Weisse Rössl. Auch wenn Bordeaux weiter entfernt liegt 🙂

    @Claus: bei Weinen bin ich längst aus dem Probierstadium heraus, ich habe meine Hausweine, die ich regelmässig kaufe und trinke. Von denen bin ich überzeugt.

    @Poulette: Von einem Weinberg zu träumen, lohnt nicht. Der gibt sehr viel Arbeit.

    @Christoph: von Menschen, die ihre Ziele mit Engagement verfolgen, bin ich immer beeindruckt. Vielleicht schaffe ich es auch noch in den Laden in Zürich.

    @Chrsitine: erst die single, damit spielst Du Dir das Geld rein für den Weinberg 🙂 dann geht das sehr schnell.

  11. Lieber Robert,
    mit 21 hab ich mal mit Dieter Meier in einer Dokumentation von r.dornhelm über Luxushotels in Wien gespielt. Er war der golfbesessene Bräutigam ich die frustrierte junge Braut.
    Während ich im Ballsaal weinen musste, spielete er im Garten des Palais Schwarzenberg Golf. Getrunken wurde über alle Maßen….
    liebe Grüße
    elisabeth

    1. @elisabeth: wer mit einer solchen Berühmtheit (Dornhelm) einen Doku- Film „gedraht“ hat muss an einer Schauspielschule studiert haben. Hast Du ?

  12. Lieber Robert, danke für diese Erinnerung an Dieter Meier und Yello! Beim Ansehen des Videos fühlte ich mich gleich 20 Jahre zurück versetzt…

    Er hat doch auch ein Restaurant in Zürich – habe ich das nicht bei Claudio gelesen? Sollte ich vielleicht mal bei einem meiner nächsten Schweiz-Aufenthalte besuchen.

    Vielen Dank für deinen Beitrag!

  13. Hallo Robert, wirklich lesenswerter Artikel! Muss ich dringend mal probieren, wenn ich wieder in Züri bin!
    Lieben Gruss, Stefan

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