Tarte Tatin mit Quitten und Hagebuttensauce

Tarte Tatin von Quitte mit Hagebutten 2013 10 29_2060

Früchte des Herbstes: Eben kochte ich aus einem Kilo Buttenmost (Hagebuttenmark) nach einer Idee von Lucas Rosenblatt eine unglaublich gute Hagebuttensauce. Die wollte ich zu Quittenwürfeln servieren, dann war da aber noch ein Reststück Fertig-Butter-Blätterteig zu verbrauchen. Danke an die Zuckerprinzessin Jushka für die Idee zu einer kleinen Tarte Tatin. Anstelle von Zucker und Zimt verwendete ich zum Süssen jedoch meine Hagebuttensauce. Sogar die sonst eher Essiggurken zugeneigte Frau L. griff beim Nachmittagstee freudig zu. Das will etwas heissen. Quitte und Hagebutte: Ein Traumpaar. Vergleichbar mit „Himmel un‘ Erd„. Wobei die rostbraunen Hagebutten die Rolle der Blutwurst übernehmen. Die Tarte kommt auf die Bistrotkarte.

Tarte Tatin von Quitte mit Hagebutten 2013 10 29_2058

Zutaten
Reststück Fertig-Butter-Blätterteig 25x25cm
1 schöne Quitte (400 g)
25 g geröstete, frisch gemahlene Haselnüsse
25 g alte, getrocknete Briochescheiben, fein gehackt und mit den Haselnüssen gemischt.

60 g Zucker
30 g Butter
1 Schuss Quittenschnaps
3 Elf. Hagebuttensauce

Tarte Tatin von Quitte mit Hagebutten 2013 10 29_2056

Zubereitung
(1) Quitte schälen, vierteln. Kernhaus entfernen. Auf dem Gemüsehobel in 3 mm Spalten schneiden.
(2) Ein 20cm (oben gemessen) Wähenblech mit einem runden Backpapier auslegen (mit einem Tropfen Speiseöl ankleben). Den Zucker in einem schweren Pfännchen mit einem Tlf. Wasser hellbraun karamellisieren, vom Feuer ziehen, mit einem kleinen Schuss Quittenschnaps oder Orangensaft ablöschen, die Butter einrühren, bis ein homogener, flüssiger Karamell entstanden ist. Diesen sofort gleichmässig auf das vorbereitete Blech giessen.
(3) Die Quittenspalten leicht überlappend nebeneinander einlegen. etwas Nuss-Briochebrösel aufstreuen und eine zweite Lage Quitten darauf legen. Zuletzt die Hagebuttensauce darauf verteilen und mit dem Rest der Nuss-Briochebrösel abdecken.
(4) Die Blätterteigplatte rund ausschneiden und darauf legen. Mit Hilfe eines Messerrückens seitlich in die Form drücken.
(5) Im Ofen bei 200°C ca. 30 Minuten backen.
(6) Herausnehmen. Einen Moment abkühlen lassen. Teller drauf und beherzt umdrehen. Nichts klebt. Die Tarte ist saftig, obwohl man sie wegen der Brösel gut schneiden und servieren kann. Mit einem Klacks Hagebuttensauce servieren. Wer braucht da noch Rahm ?

Anstelle von Schwarztee passt auch:

Tarte Tatin von Quitte mit Hagebutten 2013 10 27_2062

Hagebuttensauce

1 kg Hagebuttenmark (meines von Fam. Vögtli aus Hochwald)
200 g Zucker (ich nehme etwas weniger als Lucas. Dann kann ich die Sauce vielseitiger einsetzen)
4 Zacken Sternanis
2 dl Orangensaft
2 Elf. Scorze di Arance (süsse Zubereitung von Orangenschalen), ersatzweise 1 Elf. Bioorangenbrieb
Abschnitte der Quitte

Buttenmost, Zucker, Orangensaft, Quittenabschnitte und Sternanis während einer Stunde auf leisem Feuer kochen unter häufigem Umrühren (ich lasse das die Cooking Chef machen). Das Kochen ist nötig, um den mehligen Geschmack zum Verschwinden zu bringen.
Zum Schluss durch ein Sieb passieren, abfüllen und für den Winter sterilisieren oder einfrieren.

Buntes Gemüseallerlei mit Polenta: Der Schrecken aller Vegetarier

Buntes Gemüseallerlei 2013 09 26_1790

Im Pöschtli (der Stüva da la Posta) in Sils-Maria assen wir während unserer Ferien wieder einmal das „Bunte Gemüseallerlei“. Der Name scheint auf ein deutsches Gericht oder einen deutschen Koch hinzuweisen. Seit Jahren steht es unverändert auf der Karte. Untrügliches Indiz für  eine schweizerische Pensionsküche.
Nach Hause heimgekehrt, setzte Frau L. mich/uns auf Diät. Schluss mit Wurst. Als u.a. vollamtlicher Küchenchef muss/darf ich nun zweimal die Woche „Buntes Gemüseallerlei“ zubereiten. Kombiniert mit körnig-cremiger Polenta schmeckt das gar nicht so schlecht und wässrig, wie der Name im ersten Moment suggeriert. Mit einem Glas Wein noch besser und kommt deshalb gleich als vegetarisches Gericht auf die Karte meines Bistrot.

Buntes Gemüseallerlei 2013 09 26_1792

Zutaten
für 2 Personen
ca. 400 g möglichst vielfältig zusammengesetzte, bunte Gemüse
z.B. Bohnen quer halbiert oder gedrittelt, Erbsen, Bluko-, Romanesco- oder Broccoliröschen, Karotte, rote Peperoni geschält, Fenchel, Lauch, Peterliwurzel, alles blättrig oder in Streifen geschnitten, Champignons in Scheiben. Cherrytomätchen etc..
1 Elf. Butter
Salz, Pfeffer
1 Msp. Currypulver
1 Knoblauchzehe, fein gewürfelt
1 Bund Kerbel der Petersilie

blaue Pommes Chips aus den blauen St. Galler Kartoffeln (aus der Migros)

für die Polenta:
70 g Polenta (Bramata, grob gemahlen)
350 ml Milch/Wasser (1:1)
1/2 Tlf. Gemüsebrühegranulat Bio oder Gemüsebrühe anstelle des Wassers
Rahm
Salz, Pfeffer und Muskat

Zubereitung
mit der Polenta anfangen
(1) Ofen auf 95°C aufheizen.
(2) Milchwasser in einem ofenfesten Topf mit dem Gemüsebrühegranulat aufkochen. Grobes Maisgriess unter ständigem Rühren einrieseln lassen und während etwa 5 Minuten zu einem homogenen Brei kochen. Würzen.
(3) Gut schliessenden Deckel auflegen und den Topf für ca. 40 Minuten in den Ofen stellen. Während dieser Zeit zweimal umrühren.
(4) Vor dem servieren nach Bedarf Rahm unterrühren, nachwürzen.

Buntes Gemüseallerlei 2013 09 24_1783

(5) dann die Gemüse (Ausnahme Tomaten und Pilze) auf dem Dampfsieb knackig vorgaren. Selektiv herausnehmen, kalt abschrecken und abtropfen lassen.
(6) Butter, Knoblauch und wenig Currypulver im Wok oder einem Topf erhitzen, erst die Champignons kurz anbraten, dann die Cherrytomätchen, dann die härteren Gemüse zugeben und kurz mitdünsten, zuletzt die weichen Gemüse beifügen und warm werden lassen. Würzen mit Salz und Pfeffer.
(7) Kerbelblättchen unterziehen und mit ein paar blauen Pommes-Chips servieren.

Gemüseallerlei mit Polenta 2013 09 23_1772
mit vielen Bohnen
Buntes Gemüseallerlei 2013 10 03_1808
mit Tomätchen, wer hat denn die blauen Pommes Chips weggefuttert?

So zubereitet schmeckt Polenta weder nach Parmesan, Safran noch nach Rosmarin, Mango oder sonst was, einfach wundervoll nach körnig-cremiger Polenta. Und das reicht völlig. Das Koch/Kondenswasser im Dämpftopf nicht wegwerfen, das gibt gleich die Gemüsebrühe für den nächsten Tag. Wer danach noch Hunger hat, darf die hellen Pommes Chips essen. Die Migros verkauft nämlich als „blaue Chips“ eine Mischung aus blauen und normalen, hellen Kartoffeln. Typisch für konsumentenfreundliche Migros.

CH-8840 Einsiedeln: Raben und Schafböcke

CH-8840 Einsiedeln 2013 10 17_1908

Nach einem eher verregneten Herbst zwischendurch ein ungewöhnlich schöner Tag. Nun ist Einsiedeln ein Wallfahrtsort, der eigenartigerweise auf gastronomischen Reisekarten nicht mehr zu finden ist. Die Abtei ist aber mit ihrer gewaltigen Barockanlage auch ohne gastronomische Zerstreuungen eine Reise wert. Für Pilger wie für Touristen.

CH-8840 Einsiedeln 2013 10 17_1910
Kaiser Otto der Grosse

Hätten die Limburger ihrem Fürstbischof Tebartz-van Elst ein paar Jährchen mehr Zeit und einige Milliönchen mehr Geld zugestanden, würde der fromme Mann mit seinem barocken Selbstverständnis den Limburger Bischofssitz gewiss zu einer mit Einsiedeln vergleichbaren Touristenattraktion umgebaut haben. Menschliche Ungeduld und Geiz haben das vereitelt. Nun muss halt die Badewanne von Philippe dem Starcken den Limburgern zu mehr Fremdenverkehr verhelfen.

Zurück zu Einsiedeln.

CH-8840 Einsiedeln 2013 10 17_1899
Galerie auf den halbkreisförmigen Arkaden

Gegründet wurde der Ort durch den heiligen Meinrad im Jahre 835 als Einsiedelei, bestehend aus einer Klause und einer Kapelle. Nach einer Sage wurde Meinrad 861 von zwei Räubern erschlagen. Daraufhin sollen zwei Raben die Mörder verfolgt und dem Gericht zugeführt haben. Deshalb haben es die zwei Raben auf das Einsiedler Wappen geschafft. Mein Rabe, den ich täglich vor dem Küchenfenster füttere, benimmt sich unheiliger und schafft es lediglich, meine Haselnüsse zu futtern.

CH-8840 Einsiedeln 2013 10 17_1898
Gartenpforte
CH-8840 Einsiedeln 2013 10 17_1896
Die Bank gegenüber wollte auch Barock
CH-8840 Einsiedeln 2013 10 17_1913
steingewordener Geist der jeweils entsprechenden Zeit

Die Gründung der Benediktinerabtei geht auf das Jahr 934 zurück. Durch Schenkungen des ostfränkischen Königs und nachmaligen deutschen Kaisers Kaiser Otto I. sowie später Kaiser Heinrich II. gelangte das Kloster in den Besitz grosser Ländereien. Das führte in der Folge zu andauernden Grenz- und Nutzungskonflikten mit Bauern aus der Talschaft Schwyz. 1314 wurde das Kloster von den Schwyzern erobert und geplündert. Herzog Leopold I. von Österreich, als Schirmherr des Einsiedler Klosters, griff danach die Innerschweizer an, unterlag aber 1315 in der Schlacht am Morgarten. Der Konflikt wurde 1350 beigelegt. Das Kloster verlor damals einen beträchtlichen Teil seines Landbesitzes. 1394 ging die hohe Gerichtsbarkeit an Schwyz, Einsiedeln wurde Landschaft des Standes Schwyz. Die niedere Gerichtsbarkeit lag beim Kloster. 1798 wurde die Landschaft Einsiedeln dem Land Schwyz politisch gleichgestellt und später als Bezirk dem Kantons Schwyz eingegliedert. Das Kloster behielt zunächst seinen starken Einfluss.

CH-8840 Einsiedeln 2013 10 17_1901
Fotografieren verboten

Das heutige, barocke Kloster entstand von 1674 bis 1735 als vollständiger Neubau in drei Etappen nach den Plänen von Caspar Moosbrugger, einem Einsiedler Mönch und Mitbegründer der Vorarlberger Barockbauschule. Gleich beim Eingang steht die Gnadenkapelle mit der schwarzen Madonna. Im Innern der Kirche gibt es das grösste Deckenfresko der Schweiz zu sehen. Barock. Seit der Renovation der Fresken sieht hier alles licht und hell aus. Nicht mein Fall, aber unbedingt sehenswert. Die Wallfahrt hat in Einsiedeln eine grosse Bedeutung. Kreuzgänge und Pilgerfahrten sind schon ab der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts dokumentiert.

CH-8840 Einsiedeln 2013 10 17_1905
Herbstlicher Gemüseteller

Mittagessen. Ich hatte mir, einer Pilgerfahrt angemessen, den Besuch in einer noblen Gaststätte im nahegelegenen Euthal vorgenommen, Frau L. wollte sich hingegen mit einem frugalen Käsebrot in einem Tea Room bescheiden. Nach einigem hin und her einigten wir uns auf einen Kompromiss: das Gasthaus Linde. Gut-bürgerlich, wie das hier so schön heisst.

CH-8840 Einsiedeln 2013 10 18_1887
Einsiedler Schafböcke

Im Klosterladen fand ich zwischen Bergen von Devotionalien zwei Fläschchen Klosterwein und Schafböcke. Das eine ein frischer, angenehmer Räuschling vom Zürichsee, das andere ein traditionelles Gebäck für Pilger, angeblich aus aromatischem Honigteig, Wer genau hinsieht, entdeckt ein im Gras liegendes Lamm (Agnus Dei). Falls er nicht schon vorher an dem trockenen Kuchen erstickt ist.

CH-8840 Einsiedeln 2013 10 17_1918
Dösen an der Etzelstrasse am Sihlsee
CH-8840 Einsiedeln 2013 10 17_1922
Paracelsus-Gedenkstein vor der Sihlbrücke an der Egg

Der Heimweg führte uns über den enge Etzelstrasse an die Egg, dem Geburtsort des Paracelsus, Teophrast von Hohenheim, vorbei über den Seedamm nach Turbenthal stracks in den Fabrikladen der Firma mit den feinen Schlaf- und Badetextilien. Da mir beim Waschen unserer weissen Badetücher versehentlich meine schwarzen Trauersocken in die Maschine gerieten, mussten die Tücher ersetzt werden. Saudumm ? Schafdumm !

Quellen:

Kloster Einsiedeln wiki
Einsiedeln Historisches Lexikon der Schweiz

Pasta mit Kürbisblütensauce

Salsa di fiori di zucca 2013 10 04_1801

Dass ich für das Gericht Zucchiniblüten verwendet habe ist nicht meiner Zurückhaltung gegenüber Kürbis zuzuschreiben, sondern lag einfach an der fehlenden Verfügbarkeit in meinem Gemüseladen. Die Sauce ist mir in „La Cucina, die originale Küche Italiens“ gleich aufgefallen. Eine regionale Spezialität aus Sulmona in den Abbruzzen. In der Provinz L’Aquila wächst ja auch der italienische Safran. Den brauchts offenbar, um den gelben Langweilern Leben einzuhauchen. Ob sich die beiden Blüten im Geschmack gross unterscheiden, weiss ich nicht.

Zutaten
für die Salsa di fiori di zucca:
1 Knoblauchzehe
Olivenöl zum Anbraten
Kürbisblüten, gehackt (L.: 12 grosse Zucchiniblüten)
Wasser (L.: 3 dl Gemüsebrühe)
ein paar Safranfäden
1 Eigelb
Pecorino, gerieben (L. junger, ca. 25 g)
1 Tlf. Zitronensaft
(L.: ein Elf. Butter, Salz, Pfeffer)

220 g Penne rigate

und da gelbe Sauce mit hellgelber pasta langweilig aussieht, versuchte ich, das Ganze mit einer kleinen Pilzhaube anseh(n)lich zu machen:
150 g Trompetenpfifferlinge
1 Schalotte
1 Knoblauchzehe
Zitronenthymian
Olivenöl-Butter-gemisch 1:1
Petersilie (war keine mehr da, nur noch altersschwacher Kerbel)

Salsa di fiori di zucca 2013 10 04_1798

Zubereitung
(1) Knoblauch in Olivenöl hell anschwitzen, die fein gehackten Blüten zufügen, mit der Gemüsebrühe ablöschen, den Safran zugeben und 15 Minuten köcheln. Mit dem Mixstab durchmixen. Vor dem Servieren das Eigelb, Käse, Butter und Zitronensaft zugeben und würzen.
(2) Die Pilzchen putzen und während 10 Sekunden in kochendem Salzwasser blanchieren. Das entfernt den Sand. Abgiessen und trocken schütteln. In einer beschichteten Pfanne die Schalotten und den Knoblauch in Butter andünsten, Pilze und Zitronenthymian zugeben, mitdünsten, Würzen mit Salz und Pfeffer.
(3) Gleichzeitig die Penne in Salzwasser al-dente kochen.
(4) Die Penne abschütten und mit der gelben Sauce mischen. Pilze obendrauf kippen.

Salsa di fiori di zucca 2013 10 04_1805

Der leichte Safranton der Sauce harmonierte wider Erwarten gut mit den Pilzchen und dem Zitronenthymian.

Salat von Gelber und Roter Bete mit Picandoumousse

Rote Bete Salat mit Picandou 2013 08 27_1506

Nach vielen schnellen Rezepten wollte ich wieder einmal ein grosses Feuer im Kochherd entfachen: für einen kalten Randensalat. Dazu angeregt hat mich ein Rezept von Daniel Humm aus seinem KöcheKochBuch Eleven Madison Park (Matthaes). So ganz ohne Küchenhilfe musste ich daran jedoch einiges weglassen und vereinfachen. Auch wenn im Buch die Rezepturen bereits für 8 Personen heruntergerechnet sind (erkennbar an Mengenangaben wie z.B.  83 g Mehl), kann man in diesem Stil nicht für 2 Personen kochen. Ein Restaurant mit 50 Plätzen kann es sich leisten, all die benötigten Komponenten für ein Tellergericht in einer für den täglichen Verbrauch vorgesehenen Menge anzufertigen. Wenn ich das zuhause für 2 Personen versuche, sitze ich am Schluss auf jeder Mengen Resten, für die man kaum mehr Verwendung findet. Hübsch ausgesehen und gut geschmeckt hat es aber trotzdem.

Zutaten
für 4 Vorspeisen (wir haben je 2 Teller nacheinander gegessen)
für die Beteknollen:
1 gelbe und eine rote Beteknolle (je ca. 300 g)
Salz, Pfeffer, 1 Lorbeerblatt, Koriander und Piment
Olivenöl, weisser Balsamessig, Fleur de Sel

für die Ziegenkäsemousse:
2 kleine Picandou Ziegenfrischkäse (80 g)
ca. 4-5 Elf. Joghurt (Bifidus), etwas abgetropft
ca. 10 ml Limettensaft
ca. 1 Tlf. Salz

für die Rote Bete Vinaigrette:
150 ml Rote Betesaft (Biotta)
50 ml weisser Balsamessig Gölles
3 g Kümmelsamen
ein paar schwarze Pfefferkörner
40 g Himbeeren
1 g Salz
1 schwacher Tlf. Maizena
1 Elf. Olivenöl

Rote Bete Salat mit Picandou 2013 08 27_1509

Zubereitung
für die Beteknollen:
(1) Den Backofen auf 200°C vorheizen. Die gewaschenen Bete separat in Alufolie packen, dabei mit Salz, Pfeffer, 1 Lorbeerblatt, Koriander und Piment würzen. Die Päckchen je nach Größe für 60-90 Minuten in den Backofen legen (Garprobe: Die Bete müssen sich mit einem Messer leicht einstechen lassen). Abkühlen, dann unter fließendem Wasser schälen.
(2) Die Beten (gelbe zuerst) auf einem Gemüsehobel in 2-3 mm dicke Scheiben schneiden und mit runden Ausstechern… aber lassen wir das… Die Scheiben mit wenig Olivenöl-Essig-Mischung (1:1) bepinseln. Beiseite stellen.

für die Rote Bete Vinaigrette:
(3) Rote Bete Saft auf etwa 80 ml einkochen, Maizena zugeben und 2 Minuten weiterkochen. Vom Feuer ziehen, die Himbeeren zugeben, mit einem Löffel zerdrücken, während 15 Minuten ziehen lassen, dann durch ein Sieb passieren.
(4) In einem separaten Topf den Essig aufkochen, vom Herd ziehen, Kümmel und Pfeffer zugeben und 20 Minuten ziehen lassen. Damit den geleerten, klebrigen Himbeertopf ausspülen und ebenfalls durchs Sieb passieren. Salzen und ggf. mit etwas Essig adjustieren. Olivenöl kurz vor dem Servieren unterrühren.

für die Ziegenkäsemousse:
(5) Ziegenkäse und Joghurt in einer kleinen Schüssel mit dem Schwingbesen glattrühren. Mit Limettensaft und Salz abschmecken.
(6) In eine Patisseriespritze füllen und kalt stellen.

für den finish:
einen Klacks Rote Bete Vinaigrette vorlegen. Gelbe und Rote Betescheiben überlappend im Teller auslegen. Etwas Fleur de Sel aufstreuen. Die Ziegenkäsemousse aufspritzen und dekorieren mit Rote Bete Panko Bröseln und Zucchinikaviar (beide Rezepte siehe hier).

Rote Bete Salat mit Picandou 2013 08 27_1513

Ich glaube, die Glut ist noch nicht ganz erloschen. Ich werde noch ein paar Späne zulegen, damit das Feuer nicht ausgeht. Eine einfacere Alternative hat Micha gestern zubereitet: Rohkost-Randensalat mit Trauben.

Artischocken-Oliven-Agnolotti mit Pilzchen

Artischocken-Oliven-Agnolotti 2013 08 11_1286

Eigentlich war ich vorgewarnt. Artischocken-Ravioli können nach der Erfahrung von Eline (Küchentanz) langweilig-banal schmecken. Da wir Artischocken ebenso lieben und gerade sehr gute Taggiasca-Oliven (in Olivenöl eingelegt) im Hause waren, wollte ich den Artischocken eine Chance geben, sich im Verbund mit Oliven etwas aufzuhübschen. Beim Abschmecken der Füllung musste ich jedoch feststellen, dass sich die Artischocken beleidigt in die Rolle des Texturgebers zurückgezogen hatten. Im Teller haben die Ravioli jedoch wider Erwarten ganz ordentlich geschmeckt, besser als erst befürchtet.

Zutaten
gibt ca. 70 mittelgrosse Agnolotti, 4 Mahlzeiten
für den Ravioliteig:
120 g Weissmehl
30 g Hartweizendunst (Semolina di grano duro rimacinato)
1 Ei
2 Eigelb und evtl. noch wenig Eiweiss
1 Elf. Olivenöl
Prise Salz

für die Füllung:
3 grosse Artischocken, geputzte Böden: 300 g
20 Taggiascaoliven, entsteint
3 Elf. Olivenöl (aus dem Olivenglas)
1 Schalotte (20 g)
1 Knoblauchzehe
Abrieb einer halben Zitrone
ein paar Tropfen teurer Balsamico
Piment d’Espelette
weisser Pfeffer
Salz

für die Pilze:
200 g Eierschwämme
2.5 dl Geflügelfond (druckgegart)
1 Frühlingszwiebel
Butter
Olivenöl
Salz, Pfeffer
3 Zweige Thymian
je 1 kleines Zweiglein Majoran und Liebstöckel
5 Zweige Petersilie

Zubereitung

für den pastateig:
(1) nach diesem Rezept: Ravioliteig. 1 Stunde, in Folie eingewickelt, kühl stellen.

für die Füllung:
(2) Artischocken putzen und die Böden sauber freilegen. in Zitronenwasser zwischenlagern. Im Dampfsieb kurz garen, damit sie nicht mehr anlaufen. Grob hacken.
(3) Schalotte, dann Knoblauch in Olivenöl anschwitzen, Artischocken zugeben und mitdünsten. Am Schluss die gehackten Oliven zugeben. Abkühlen. Dann nicht allzu fein cuttern.
(4) Den erdenschweren Geschmack mit Zitronenabrieb, Balsamico, Salz, Pfeffer und Piment d’Espelette aufhellen.

für die Agnolotti:
(5) Den Teig auf der Maschine zu dünnen, ca. 7 cm breiten Bändern (8/9) auswallen. Eine Längsseite des Bandes mit wenig Eiweiss bestreichen. In kurzen Abständen je ein Tlf. Füllung auf die eine Seite des Bandes verteilen, die zweite Teighälfte darüber klappen, Luft herausdrücken und rund um die Füllung herum festdrücken.

Artischocken-Oliven-Agnolotti 2013 08 10_1307

Das Band (Naht nach oben) aufsetzen, Zwischenräume etwas zusammenstauchen und mit dem Teigrad die Agnolotti voneinander trennen. Bis zum Verbrauch auf Hartweizengriess aufbewahren.

Artischocken-Oliven-Agnolotti 2013 08 10_1302

für die Pilze:
(6) Pilze putzen. Geflügelfond mit 3 Blättchen Liestöckel und einem kleinen Zweiglein Majoran aufkochen, die Pilze darin kurz schwenken und auf einem Sieb abtropfen lassen. Die Pilzabschnitte zum Fond geben, und 5 Minuten auskochen, dann alles durch ein Kaffeefilter filtrieren. Das Filtrat auf etwa 80 ml einreduzieren. Salzen, pfeffern.
(7) Pilze in Butter/Olivenöl dünsten, gehackte Frühlingszwiebel mitdünsten, mit Salz, Pfeffer und Thymianblättchen würzen. Mit der Hälfte des Pilz-Geflügelfond ablöschen und fertig garen. Am Schluss die gehackte Petersilie zugeben.

finish:
(8) 35 Agnolotti in kochendem Salzwasser garen (ca. 3-4 Minuten). Restlichen Pilz-Geflügelfond mit etwas kalter Butter aufschwingen. Agnolotti abgiessen und darin schwenken. Mit den Pilzchen servieren.

Artischocken-Oliven-Agnolotti 2013 08 11_1288

Kürbis- und Kichererbsensalat mit Tahini-Sauce

Pumpkin, Chickpea, Tahini Salad 2013 10 11_1857

„Der Kürbis, der war kerngesund,
Ein dicker Kerl und kugelrund,
Er hatte Backen rot und frisch;
Püriert stand er als Suppe auf dem Tisch.
Und wieder fing ich an zu schrei’n:
„Ich esse keinen Kürbis! Nein!
Ich esse meinen Kürbis nicht!
Nein, meinen Kürbis ess’ ich nicht!“

Heinrich Hoffmann (der Struwwelpeterautor) sah das Verhängnis schon 1845 voraus: Alle Jahre wieder Kürbis. Wild und Kürbis. Kürbis und Wild. Kürbis als Suppe. Kürbis als Risotto, Stampf, Gnocchi und Ravioli. Alle Jahre wieder Kürbis. Alles schon gekocht, (siehe hier). Alles schon probiert. Nein, meinen Kürbis ess’ ich nicht!

Jahr um Jahr wird das Kürbis-Angebot grösser und meine Lust auf Kürbis geringer. Wenn nur dieses unverschämt leuchtende Orange nicht wäre, das mich jedes Jahr wieder dazu verlockt, einen letzten, allerletzten Kürbis einzukaufen. So soll es denn auch heuer wieder sein: diesmal als warm servierter Salat, mit einer Zitrus-Tahinisauce. Das Originalrezept stammt aus dem 2004 herausgegebenen Buch Casa Moro der Autoren Sam und Samantha Clark, die zuvor einige Zeit im River Café arbeiteten und seit 1997 in London ihr eigenes Restaurant führen. Von diesem Buch aus zog das Rezept seine Kreise, erst nach den USA, u.a.  von Smitten Kitchen nachgekocht, später nach Deutschland, u.a. zu Katharina kocht.

Zutaten
für 2 Personen

400 g festes Kürbisfleisch, entkernt, z.B. Butternut geschält, oder oranger Knirps, ungeschält
2 Knoblauchzehen
2 Elf. Olivenöl (L.: Zitronenöl)
Salz, Pfeffer, 1/4 Tlf. Piment gemahlen
130 g Kichererbsen (wer lieber Dosen öffnet, darf. Ich weiss aber nicht wieviel darin ist)
1/2 kleine, rote Zwiebel
1 Handvoll Korianderblättchen (L.: gemischt mit viel Petersilie, zur Geschmacksdämpfung)

für die Tahinisauce:
doppelte Menge für 4 Personen angesetzt:
1 Knoblauchzehe
3-4 Elf. Zitronensaft
3 Elf. Tahinipaste
2 Elf. Olivenöl (L.: Zitronenöl)
1-2 Elf. Wasser
Salz, Pfeffer

Zubereitung
(1) Tags zuvor die Kichererbsen in reichlich Wasser mit einer Prise Natriumhydrogencarbonat einweichen.
(2) Die Kichererbsen abgiessen, mit Wasser spülen und in frischem, gesalzenem Wasser ca. 1 Stunde gar kochen, zwischendurch entschäumen.
(3) Backofen auf 220°C vorheizen.
(4) Kürbis (wenn notwendig schälen) und entkernen, in 2 cm grosse Würfel schneiden. Die Knoblauchzehen fein würfeln und zusammen mit den Kürbiswürfeln in einer Schüssel mit Olivenöl, etwas Salz, Pfeffer und dem Piment gut vermischen. Auf ein Backblech legen und etwa 15-20 Minuten rösten, bis der Kürbis gar, aber nicht allzuweich ist.
(5) Indessen die Zwiebel hacken und das Grünzeug klein zupfen.
(6) Die Zutaten der Sauce zusammenrühren. Die Knoblauchzehe hacken, zugeben und alles mit dem Mixstab mischen. Abschmecken, dabei eine Balance zwischen Zitronensaft und Tahini anstreben. Wenn die Sauce zu dick ist, wenig Wasser unterrühren.
(7) Die Kichererbsen abgiessen und auf dem heissen Blech mit den Kürbiswürfeln, den Zwiebeln und dem Grünzeug mischen. Die Sauce reichlich aufträufeln.

Pumpkin, Chickpea, Tahini Salad 2013 10 11_1854

Was andere sagen:

Deb von smitten kitchen: Glad you’re all as excited about this as I am!
Katharina kocht:  Und die Empfehlung, in Großbuchstaben: NACHKOCHEN!

Nun hab ich ihn doch gegessen und sage nicht mehr dazu als:  Kürbis bleibt Kürbis, siehe ganz oben. Mein allerletzter Kürbis. Bis auf Weiteres.

CH-7545 Guarda: Häuser

CH-7545 Guarda 2013 09 18_1655

Guarda liegt im Unterengadin auf einer sonnigen Terrasse, nordseitig hoch über dem Inntal. 164 Einwohner. Hier stehen rund 70, teils prächtige, sgraffito-geschmückte Engadinerhäuser aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

CH-7545 Guarda 2013 09 18_1650

Der Ort ist nahezu autofrei, das Ortsbild gut erhalten, Guarda zählt zu den architektonisch wertvollsten Dörfern der Schweiz und steht unter nationalem Schutz. Heute ist Guarda jedoch zunehmend vom Aussterben bedroht; immer mehr Bewohner suchen ihr Auskommen in grösseren Ortschaften oder Städten. Von etwas Landwirtschaft und etwas Tourismus mögen nur noch Wenige zu überleben.

CH-7545 Guarda 2013 09 18_1644

Das Dorf ist in der Schweiz vor allem bekannt durch die Bildergeschichte des „Schellenursli“. Hin und wieder sieht man Touristen, die verstohlen das Buch konsultieren, um die Häuser in der Geschichte mit der Realität zu vergleichen. Die Geschichte spielt im Dorf und handelt vom Brauch des „Chalandamarz“, der alljährlich am 1. März durchgeführt wird. In einem Umzug durchs Dorf vertreiben die Kinder mit Kuhglockengeläut den Winter. Ursli, die Hauptperson der Geschichte, erhält bei der Verteilung der Glocken nur ein kleines Geissenglöckchen und wird deshalb von den andern Buben gehänselt und darf nur am Ende des Zuges mitlaufen. Am Tag vor Chalandamarz erinnert er sich, dass in der sommerlichen Alphütte der Eltern noch eine grosse Kuhglocke hängt. Durch tiefen Schnee watet er in die verschneite Maiensäss hinauf. Indessen wird es dunkel, der kleine Ursli wird vermisst, das ganze Dorf sucht ihn besorgt, aber erfolglos. Am nächsten Tag kehrt er mit der schweren Glocke ins Dorf zurück, alle sind erleichtert. Da er nun die grösste Glocke hat, darf er den Umzug anführen.

CH-7545 Guarda 2013 09 18_1651

CH-7545 Guarda 2013 09 18_1648
Unter argwöhnischer Beobachtung

CH-7545 Guarda 2013 09 18_1643

Kaffeepause im herrlich altmodischen Hotel Meisser.

CH-7545 Guarda 2013 09 18_1641
Jugendstil-Speisesaal im „Meisser“ aus der Jahrhundertwende (1893)

CH-7545 Guarda 2013 09 18_1632

Eine der Inschriften besagt auf deutsch übersetzt: Wir errichten schöne Häuser und wissen, dass wir nicht ewig bleiben; an den Ort, wo wir für immer zu bleiben hingehen, denken wir aber nur selten.

Das Raclette des Herrn Daniel Humm

Raclette Humm 2013 10 09_1836

Vacherin Mont d’Or. Kartoffeln. Senf. Wenn einer meint, das Raclette sei schon längst erfunden, so irrt sich der. Im Buch Eleven Madison Park des in Schinznach im Aargau aufgewachsenen Daniel Humm (3 Michelin-Sterne in New York) wird ein Vacherin Mont d’Or mit Kartoffeln präsentiert, aber mit was für Kartoffeln ! Senf-marinierte, confierte-Kartöffelchen zum Niederknien !

Erst in Würzöl 90 Minuten lang confiert, dann in einer Marinade aus aufkonzentriertem Hühnerfond, Senf und Essig über Nacht mariniert. Frau L. wunderte sich, dass ich einen halben Tag in der Küche werkle, nur um die paar mickrigen Kartöffelchen gar zu kriegen. Sie hätte dazu keine 10 Minuten gebraucht. So ist das halt mit kochenden Männern und ihren Frauen. Aber nach dem ersten Teller nickte sie mir zu. Wunderbar. Einfach wunderbar. Verlangt unbedingt nach Wiederholung.

Raclette Humm 2013 10 09_1824
Rohmilch Vacherin

Zutaten
für 2 Personen und 4 Teller
450 g kleinste Drillinge oder Rattes, Stück für Stück handerlesen, etwa 60 Stück
1 dl Olivenöl (D. Humm badet seine 160 Kartöffelchen für 8 Personen in einem Liter Öl)
1 Knoblauchzehe, gequetscht
1 Thymianzweig
1 Elf. Fleur de Sel

800 ml Hühnerbrühe (mein bester Geflügelfond, druckgegart, der immer noch darauf wartet, gepostet zu werden)
1 Elf. grober Körnersenf
1 Elf. weisser Balsamessig (Gölles)

1 Handvoll Silberzwiebeln (aus dem Glas)
noch mehr vom weissen Balsamessig
noch mehr Körnersenf
Schwarzer Pfeffer aus der Mühle
und ein paar grüne Senf- oder andere Blättchen

1 Mini Vacherin Mont d’Or

Zubereitung
(1) Backofen auf 135°C vorheizen. Die gewaschenen, abgetrockneten Kartöffelchen mit dem Olivenöl, Salz, Thymian und Knoblauch in einer Auflaufform mischen und zugedeckt [15.10: während ca. 90 Minuten] in den Ofen stellen. Alle 15 Minuten die Kartoffeln im Öl wenden, (wer die Kartoffeln mit Öl bedeckt, kann sich das sparen). Kartoffeln im Öl auf Raumtemperatur erkalten lassen. Öl abgiessen (nicht verwerfen) und die Kartoffeln schälen. 60 Stück. Viel Vergnügen. Zu meinem Erstaunen sind sie nicht zu Brei zerkocht, noch sehr fest, aber gar. Danach wieder ins Öl geben, um antrocknen zu verhindern.
(2) Inzwischen die Hühnerbrühe in einer flachen Pfanne auf 10% herunterreduzieren (auf ca. 80 ml) mit dem Senf und dem Essig mischen, mit Fleur de Sel nachwürzen.
(3) Die abgetropften Kartoffeln in diese Marinade legen und über Nacht im Kühlschrank marinieren -der Fond geliert-.
(4) Silberzwiebeln gibt es bei uns auf dem Markt keine mehr. Nehmen wir halt eine Handvoll aus einem Glas, schütten den scharfen Industrieessig ab, bedecken die Zwiebelchen mit weissem Balsamessig und lassen das Glas über Nacht im Kühlschrank „umsäuern“.

am Tag danach:
(5) Den Vacherin 2 Stunden vorher aus dem Kühlschrank nehmen. Später 4 Teller vorwärmen. Backofengrill auf 200°C vorwärmen.
(6) Die confierten Kartöffelchen mit den abgetropften Silberzwiebeln im Topf kurz aufköcheln. Davon je 2-3 Elf. auf zwei Teller schöpfen. 2 Elf. Vacherin drauflöffeln und kurz unter den Grill legen.
Herausnehmen, etwas Körnersenf und die Blättchen dazulegen. Schwarzen Pfeffer drüber mahlen.

Raclette Humm 2013 10 09_1839

Auch wenn ich mit der Menge des Olivenöls und den Silbezwiebeln etwas geschummelt habe. Auch wenn bei meinen Kartöffelchen der Käse nicht dran haften bleiben wollte (ich hätte sie nach dem Aufwärmen auf einem Küchenpapier abtrocknen sollen): grandios, was der Herr Humm da kocht.

Dill-Sauerkraut mit Wurst

Dill-Sauerkraut 2013 09 25_1779

Würde ich je ein Bistrot eröffnen wollen, -will und kann ich aber mangels Befähigung nicht-, wäre das eines der Gerichte auf meiner Herbstkarte. Ein pfiffiges Sauerkraut mit einer gekochten, mager ausschauenden Rohwurst aus Rind- und Schweinefleisch von Ludwig Hatecke. Die Wurst kaufte ich den Ferien in der winzigen Hatecke-Filiale in Zernez. Das Sauerkraut ist nahe angelehnt an eine früher zubereitete Version von Lucas Rosenblatt. Das zu Beginn angedünstete Soffritto wie der Dill zum Schluss geben dem Sauerkraut den besonderen Geschmack.

Zutaten
für 2 Personen
50 g Speckwürfelchen
1 geschälte, gehackte Zwiebel
½ Elf. Butterfett
zwei Karotten, fein gewürfelt
ein Stück Lauch, fein gewürfelt
1 Selleriestange, fein gewürfelt
10 leicht angedrückte, schwarze Pfefferkörner
5 zerdrückte Wacholderbeeren
300 g Sauerkraut (aus dem Beutel, roh)
2 dl Gemüsefond
1 dl Apfelwein
etwas trockener Weisswein
1 mittlere Kartoffel
1 Elf. grober Senf
1 Bund (10 Stengel) gezupfter, gehackter Dill
½ Elf. Kräutersalz

Zubereitung
1) Die Speckwürfelchen im Butterfett knusprig braten. Die Gewürze, Zwiebeln und Gemüsewürfel dazugeben und wie für ein soffrito mitdünsten.
2) Das Sauerkraut mit einem Messer etwas zerkleinern und zu den Gemüsewürfelchen geben.
3) Den Gemüsefond und 1 dl Weisswein zum Sauerkraut geben. Kräftig durchrühren und bei mittlerer Hitze zugedeckt 50 Min. leicht kochen lassen.
4) Die Kartoffel fein reiben, mit dem Apfelwein vermischen, dann unter das Sauerkraut ziehen und offen 15 Min. bei kleiner Hitze simmern lassen. Immer wieder rühren, da das Sauerkraut nun leicht anbrennt. Bei Bedarf etwas Weisswein nachgiessen.
5) Das weich gekochte Sauerkraut vor dem Servieren mit Senf und Dill verfeinern. Wer will, kann noch geschlagenen Rahm oder Schmand unterziehen.

(6) In der Zwischenzeit die Wurst in Wasser 30 Minuten bei 80°C ziehen lassen.

Dill-Sauerkraut 2013 09 25_1778

CH-7742 Poschiavo: Am Lago di Poschiavo

Ferien 2013 2013 09 09_1766

In zahllosen Windungen fällt die Pass-Strasse vom Berninapass nach Poschiavo hinunter. Angelangt, umfängt einen das Licht des Südens. Häuser haben und machen Gesichter. Sie sind älter als ihre Bewohner, sind dadurch Zeugen von Weisheit oder Torheit der Menschen. Aus manchem Hause scheint die Laune der Bewohner zu strahlen. So ganz anders als in unsern Städten, wo die Architekten ihre anonymen Betonburgen mit Menschen auf- und zufüllen. Mit Menschen, die ihren Häusern ewig fremd bleiben.

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Etwas südlich von Poschiavo liegt Le Prese, am Rand des Lago di Poschiavo. Ein paar Jahre ist es her, dass wir hier unsern letzten Tee schlürfen durften. Danach war Schluss, das Hotel wurde geschlossen und an einen Mailänder Immobilienhändler verkauft, der es vergammeln liess.

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Dank der Initiative einer betuchten Baslerin konnte das Haus zurückgekauft werden, es befindet sich nun wieder in festen Händen, wurde total renoviert und strahlt in hellem Glanze. Wir haben hier bei schönster Aussicht u.a. gute, hausgemachte Capunet gegessen.

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Ristorante La Perla im Hotel Le Prese

Da das Wetter mitspielte, gabs noch eine kleine Wanderung nach Miralago, entlang der bequemen Seeseite. Das Herz mag keinen Sport mehr. Die an einem Leitungsmast der Berninabahn kunstvoll angebrachten drei Besen haben übrigens eine spezielle Funktion. Welche wohl ?

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Einmal mehr unerreichbar für uns, da nur nach längerem Fussmarsch erreichbar: San Romerio, auf 1800 m.ü.M, hoch über dem See, angeblich einer der schönsten Orte der Schweiz.

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San Romerio, das Unerreichbare

Einheimische wollen wissen, dass, wer einmal vollständig um das Kirchlein San Romerio gelaufen sei, niemals mehr krank werde. Schlaumeier. Das im 11. Jahrhundert erbaute Kirchlein liegt unmittelbar an der Felskante, die steil in die Tiefe abfällt. Umrundung unmöglich, dabei hätten wir uns so gerne ewige Gesundheit eingetauscht.