wirsingundrotkraut

Wirsing auf Rotkohlfond

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Einkaufen auf dem Basler Markt macht derzeit wenig Freude. Die Pflästerung wird saniert. An kalten Winterwerktagen läuft der Betrieb ohnehin auf Sparflamme, nun droht das Flämmchen vollends zu erlöschen.  Tristesse und gähnende¹ Leere. Alles, was ich nach Hause brachte, waren 2 traurige Kohlköpfe, Rotkohl und Wirsing. Jetzt mach was draus, Robert.

¹ warum gähnt die Leere eigentlich? ein lesenswerter Artikel auf  Sprachlog gibt die Antwort.

Wirsing auf Rotkohlfond


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Zutaten/Zubereitung
Rotkohlfond
1/2 Kopf Rotkohl (ca. 300 g, 1.5 dl Saft)
1 Schalotte, geschält
1 TL Butter
1/8 L Rotwein
1/8 L roter Portwein
Prise Zucker
30 g kalte Butter
Salz, Pfeffer aus der Mühle

(1) Rotkohl vom Strunk befreien und in der Saftzentrifuge entsaften.
(2) Schalotte in der Butter glasig dünsten, mit Rot- und Portwein ablöschen und auf ca. 1/3 einreduzieren.
(3) Rotkohlsaft zugeben, nochmals etwas einkochen, durch ein feines Sieb passieren und nochmals aufkochen. Mit Salz, Zucker und Pfeffer abschmecken und mit der Butter aufmixen.

Wirsingbällchen
1 Kopf Wirsing
1 Schalotte, fein gewürfelt
1 kleine Karotte, in Brunoise geschnitten
1 kleine Petersilienwurzel, in Brunoise geschnitten
1 Scheibe Sellerie, in Brunoise geschnitten
ca. 12 piemontesische Haselnüsse, grob gehackt
1 EL Olivenöl
1 TL Verjus
1 EL Butter
Salz, Pfeffer, Muskat

(4) 6 grosse Wirsingblätter (+ 3 als Reserve und zum Flicken) vom Strunk lösen, in Salzwasser ca. 2 Minuten blanchieren und in kaltem Wasser abschrecken. Die Blätter entlang der dicken Hauptader halbieren, die herausgeschnittenen Hauptadern fein hacken.
(5) Die Blatthälften zwischen Küchenpapier legen und einmal mit dem Wallholz darüberrollen. Das entfernt das Wasser und macht das Blatt geschmeidig.

(6) Schalotte mit den Gemüsen, den gehackten Nüssen und den Blattadern (bei Bedarf dazu noch 2-4 fein gehackte, rohe Wirsingblätter) in Olivenöl andünsten, würzen und mit Verjus abschmecken.
(7) Eine blanchierte Blatthälfte auf ein kleines, reissfestes Tuch legen, eine passende Menge Füllung mittig daraufgeben, das Blatt zusammenklappen (wie für runde Laubfrösche) und nun das Tuch beidseitig gegeneinander zusammendrehen, damit eine schöne, runde Kugel in der Grösse eines 5-er Mockens entsteht (gibts die überhaupt noch?) Falls nicht gilt Walnussgrösse. Fall das Blatt reisst, das Loch mit einem Stück Blattreserve bedecken und die Kugel nochmals eindrehen.
(8) Die Wirsingbällchen vor dem Servieren in Butter schwenken und erhitzen.

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Rotkohlsalat
ca. 1/8 Kopf Rotkohl
2 TL Apfelbalsam (Gölles)
1 TL Olivenöl
Salz, Pfeffer
5 Rotkohlblätter

(9) Die Rotkohlblätter zu feiner Julienne schneiden, mit Essig, Öl und Gewürzen verrühren und 10 Minuten marinieren lassen.

Anrichten
(10) In vorgewärmte Teller einen Spiegel aus Rotkohlfond giessen, für eine Vorspeise 2-3 Wirsingbällchen darauf legen. Darauf ein wenig Rotkrautsalat

Die Idee zum Rezept stammt aus „Unsere verrückte Gemüsewelt“ von Douce Steiner. Sie verwendet hingegen für die Bällchen und  deren Füllung ausschliesslich Spitzkohl. Das war mir etwas gar einseitig grün. Wenn schon kein Fleisch in der Füllung ist, darf sie schon ein wenig bunter schmecken.

Die angegebenen Mengen reichen für ca. 12 Bällchen.

10 Kommentare zu „Wirsing auf Rotkohlfond“

    1. Double-Face ist immer Trend!
      Unterm Pflaster des Markplatzes kommt erst Sand, dann das Gewölbe des kleinen Birsigflüsschens, die sich in den Rhein ergiesst, und wohin der fliesst, ist bekannt.

  1. DIESE FARBEN! Ein Fest für meine Augen. Den 5er Mocken gibts noch als 20er Mocken! Aber mich dünkt, in seiner Grösse sei er geschrumpft. 👋🏼❤️🐝🐶

    1. Rotkrautpurpur passt sehr gut zu Wirsinggrün. Die 20 Rappen des 5erMockens gelten ja schon eine Ewigkeit. Dann lassen sie ihn halt schrumpfen. Bei den Küchenpapiertüchern hat es auch fast jedesmal ein paar Blätter weniger auf einer Rolle. Bald gibts für denselben Preis nur noch eine leere Kartonrolle.

  2. Dieses Rot! Robert, ich glaube, du hast derzeitig deine rote Phase ähnlich wie Picasso seine rosa oder blaue Phase hatte.

  3. Was für Farben, dazu Gemüse mit Gemüse, in dem sich Nüsse befinden, das sieht nach Lieblingsessen aus. Und dass du das Sprachlog gefunden hast, freut mich ganz besonders. Im Unterschied zu manchen Pharisäern der Sprachkritik, deren Namen ich hier unerwähnt lasse, schreiben Kopf, Stefanowitsch und Flach nicht nur sehr unterhaltsam, sondern zeigen interessante, oft überraschende Aspekte unserer Sprache. Das macht mir beim Lesen so viel Spaß wie deine Studie in Rotkrautrot und Wirsinggrün meinen Appetit anregt.

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