Apfel

Der Apfel und die Mutterhefe

Apfel

Mutterhefe und ich. Ein gestörtes Verhältnis. Ich bin weder Bäcker noch Mutterhefepfleger, viel eher Todesengel. Kaufe deshalb mein Brot. Und bins zufrieden.

Doch nun soll alles anders werden: Ein Apfel muss her. Maestro Claudio will das so haben. Kein gewöhnlicher Apfel, leicht angeschrumpelt muss er sein. Und Bio. Leichter gesagt als beschafft. Meine Äpfel wachsen in Plastikkartons zu 6 Stück im Supermarkt. Alle glänzen, keiner schrumpelt. Was nun?

Ich lasse schrumpeln. Eingebettet und bedeckt mit weissem Linnen darf er in der warmen Küche ein bis zwei Wochen vor sich hin altern. Drei Wochen. Der Apfel glänzt und strahlt weiter. Von Lederhaut und Schrumpeln keine Rede. Sechs Wochen…. neun Wochen… ein Bioapfel, versehen mit allen Insignien und Inkunabeln der Bioindustrie.  Glänzt wächsern, wie frisch. Und das Ende Lagersaison im Mai.

Nach zwölf (12) Wochen… endlich… erste Anzeichen leiser Fältchen. Ich rieche schon den Duft meiner künftigen Baguettes. Höre das Krachen der knusprigen Rinde. Prüfe meinen Mehlvorrat. Denke mir einen Namen für die lievito madre aus.

Doch wo ist der Apfel? Verschwunden. Weg. Nicht mehr auffindbar. Unsere fleissige Spitex-Hilfe hat ihn „… dachte, der muss endlich weg“ mit Ingwer und einem  Granatapfel in der Saftpresse  versaftet. Ex und weg.

Mutterhefe zurück auf Feld eins.

29 Kommentare zu „Der Apfel und die Mutterhefe“

  1. Danke für diesen amüsanten Sonntagsgruss!
    Mir würde es wahrscheinlich ähnlich gehen, denn hier in Thailand wächst zwar viel, jedoch keine Äpfel. Diese werden importiert angeboten und nicht etwa nach Gewicht, sondern per Stück verkauft. Meistens stecken sie in diesen netzartigen Polsterhüllen, damit sie ja keine Druckstellen bekommen. Diese Äpfel sind ebenfalls zu ewig prallem Dasein verdammt!

  2. Mir fällt dazu die Geschichte von der Badewanne von Joseph Beuys ein. „„Wir dachten, das alte Ding könnten wir schön sauber machen und benutzen, um darin unsere Gläser zu spülen, … so wie die aussah, konnten wir sie nicht gebrauchen. Deshalb haben wir die Wanne geschrubbt.“ Immerhin gab es damals 58000 DM Schadensersatz.
    Immerhin hattet ihr einen frugalen Genuss!
    Schöne Pfingsttage!

  3. Dafür waren noch meine Augen heute früh verschrumpelt, als ich deinen lustigen Eintrag noch im Bett gelesen habe. Habe ich gelacht…Herrlich!

  4. dafür kriegen wir hier etwas zum lachen 😂. in unseren zwei bioläden hier, wären die chancen sehr hoch, einen verschrumpelten 🍎zu finden. schöne pfingsten 👋🏼❤️🐝🐶

    1. das ist auch so ein Thema: warum Bioware so selten frisch ist, müde, lampelig und verschrumpelt aussieht und bis zum gehtnichtmehr verkauft wird.
      Danke, wir lassen es heute vor sich hin tropfen.

  5. Gut Ding braucht (manchmal) Weile.
    Meine Lievito Madre blubbert schon ein Jährchen und hat noch keinen Namen. Das wird jetzt nachgeholt. Danke für die Erinnerung und die Freude beim Lesen. Wie so oft.

  6. 🙂 Danke für den amüsanten Bericht. Bei dir ist es Spitexhilfe, bei mir „Mäuse“, die seltsamerweise die Reste von dem, was sie wegknabbern sauber und ordentlich in Müll und Kompost verräumen. Mit meinem Lievito ist das genau einmal passiert und dann wusste Herr C. dass mit den Marmeladengläsern im Kühlschrank nicht zu spassen ist. Lass mich wissen, wenn ich dir einen Ableger zuschicken soll! Meiner kriegt auch ab und zu eine Apfel-Wellness-Kur. Auf Schrumpligkeit schaue ich dabei allerdings nicht. LG Alice

  7. Schöne Geschichte! Nicht aufgeben, Bioapfel im Bioladen einzeln kaufen und von vorne beginnen.Gut verstecken und uns dann das
    Pane Pugliese vorführen, das daraus geworden ist. Schöne Rest-Pfingsten!

  8. Lieber Robert,
    so wie ich Dich kenne, ist aufgeben nicht Dein Ding. Und vom Feld eins ist der Weg ja nicht mehr weit … 😉
    Liebe Grüsse aus Zürich, von einem Leidensgenossen, der es auch noch nicht geschafft ha,
    Andy

  9. Wie schön zu lesen! 🙂

    Unsere Äpfel aus dem Garten schrumpeln bzw. sind natürlich schon lange nicht mehr da. Im Herbst wieder.

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