Hier essen gut

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Oft verwittert, meist etwas angegammelt, strecken uns die lustigen Küchenchefs ihre Tafeln vors Auge. Die einen zwinkern uns kumpelhaft zu, andere winken uns imperativ mit dem Finger heran,  freundlich blicken sie allemal. Viele reden Klartext, einzelne verheissen in gebrochenem Deutsch südosteuropäische Tafelfreuden:  „Hier essen gut“, Humoristiker warnen uns gar mit: „Vorsicht, hier kocht der Chef“.
In geradezu philosophische Höhen schwang sich kürzlich die im Umbau befindliche, traditionsreiche Basler Gaststätte Schlüssel mit der Aufschrift: „Wegen zu geschlossen“.

Im einschlägigen Schilderhandel billiger zu haben wäre ein Hinweisschild, das in ganz Europa eingeführt ist, sich grafisch einfach und schnörkellos präsentiert und eine allgemeinverständliche Aussage vermittelt:
Gefahr Achtung Gefahr: Essen auf eigenes Risiko

Bristner Birä (Bristner Birnen)

Bristner BirnenKürzlich in Gurtnellen gegessen und schon nachgekocht. Ein einfaches, aber wunderbar schmeckendes Rezept. Meine Frau hat das alte, traditionelle Rezept mit Birnensaftkonzentrat verfeinert und dafür auf jeglichen Zusatz von Zucker verzichtet. Orangenschalen geben dem Gericht eine frische, südliche Note, wenn auch in Bristen keine Orangenbäume wachsen. Aber das könnte ja mit dem Fortschreiten des Klimawandels bald einmal noch werden.
zum Rezept: Bristner Birä (Bristner Birnen) weiterlesen

Capunet di Celeste (Gnocchetti con spinaci)

CapunetLange habe ich nach einem authentischen Rezept für Capunet gesucht. Im Internet fast überall dasselbe Rezept. Spinatspätzli oder Spinatklösschen, mal so, mal anders, sicher sehr gut, aber nichts Aufregendes. Das gleiche in den Restaurants von Poschiavo. Da stolpere ich beim Googeln (ja das kann ich), über einen Beitrag von Rita Lorenzetti im Textatelier und habe davon Herzklopfen gekriegt: Volltreffer. Anrührende Geschichte. Authentisches Rezept. Einfache Küche. Geröstetes Mehl um das Aroma anzuheben. Ich habe das Gericht sofort nahe am Original nachgekocht und für meine Küche adaptiert. Selbst den Griff zu Schalotte und das Untermischen von Parmesan in die Spinatmasse habe ich mir versagt. Grazie, Celeste, Mille Grazie ! zum Rezept: Capunet di Celeste (Gnocchetti con spinaci) weiterlesen

Albinokalbsfonds?

AlbinokuhWeisser Kalbsfonds ? Doch, doch. Auch das gibts. Den Chemikern der Migros (Schweizer Grossverteiler) ist es gelungen, weissen Kalbsfonds zu erzeugen. Ein weisses Instant-Pulver, Farbe sagen wir mal off-white.
Zusammensetzung:
Maltodextrin, Geschmacksverstärker, Kochsalz, Aroma, Pflanzenfett gehärtet, Glukosesirup getrocknet, Gemüse getrocknet, Gewürze, Milchprotein, Stärke, Weizenmehl, Sellerieextrakt und jetzt kommts: Kalbfleisch getrocknet (EU-Raum). Wieviel steht nicht auf der Etikette, mehr als 3 % wirds nicht sein.

Frage: sind da weisse Kuhrassen wie das Maremma-Rind mit dem herzigen weissen Fell oder gar Albinokälber drin oder wurde da was gebleicht oder hat es so wenig Fleisch drin, dass mans nicht merkt ?… Fragen über Fragen.
Ich habe das Pulver in den Abguss gekippt. Falls Morgen in der Zeitung stehen sollte: „Unbekannte Abwässer setzen biologische Klärstufe der Basler ARA ausser Betrieb“ , so kennt Ihr den Täter.

Die wohltemperierte Chocolade

SchokoschmelzeMatt, grau mit weissen Schlieren. Essbar, aber unappetitlich anzusehen. Das waren meine allerersten Ingwerpralinen vor etwa 2 Jahren. Um meine Schmach auszubügeln, habe ich versucht, mich schlauer zu machen, fleissig recherchiert und Pralinen hergestellt. Offensichtlich ist das Schmelzen und Temperieren von Schokolade heikel, nicht umsonst gilt das Handwerk des Chocolatiers als Kunst. Diese Kunst ist aber auch für Nicht-Schokoladenprofis besser verständlich, wenn man weiss, was da eigentlich vor sich geht. Vielleicht hilft meine Recherche auch anderen Schokoladefreunden. Die wohltemperierte Chocolade weiterlesen

CH-6482 Gurtnellen Hotel Gotthard

Restaurant Gotthard Sommer 06Es ist ruhig geworden in Gurtnellen, seit der Eröffnung der Autobahn N2 im Jahre 1980. Die drei Schwestern Sicher: Evi, Leonie und Greta führen hier seit Jahrzehnten gemeinsam einen kleinen Betrieb, das Hotel Gotthard, den man unter Denkmalschutz stellen müsste. Die drei haben eine Lebenserfahrung von gewiss 200 Jahren vorzuweisen. Und was sie vorzuweisen haben ist einmalig. CH-6482 Gurtnellen Hotel Gotthard weiterlesen

Unser täglich Brot

glatz-brotFür gutes Brot bin ich bereit, sehr weit zu laufen. Sehr weit heisst bis Bern. Dort gibt es einen Bäcker, der im Unterschied zu allen mir bekannten Basler Bäckern weiss, was gutes Basler Brot ist. Basler Brot wird bei Glatz mit einer wunderbar knusprigen Krume hergestellt und doppelt gebacken.
Basel-Bern, das sind immerhin 100 km Distanz, Fahrtkosten bei den Schweizerischen Bundesbahnen Fr. 36.- mit dem Halbtaxabo. Dazu das Brot zu Fr. 3.20/Pfund.  Mein Brot kostet somit ohne Nebenkosten Fr. 39.20. Das nagt mit der Zeit an meiner Geldbörse, zumal das gleiche Pfund Basler Brot, in Basel gekauft, nur Fr. 2.60 kosten würde. Nicht dass das Basler-Basler Brot gerade schlecht wäre, aber das Berner-Baslerbrot ist um Geschmacks-Grössenordnungen besser.

Warum das so ist, kann ich nur vermuten. Ein Pain Paillasse kostet Fr. 3.80 /400g. Da lohnt es sich nicht mehr, besseres Mehl, längere Teigführung usw. in ein Brot zu investieren, das nur Fr. 2.60 kostet. Sollte ich irgendeinem Basler Bäcker in seiner Berufsehre Unrecht getan haben, soll er sich bei mir melden, ich werde sein Basler Brot prüfend vergleichen und das Resultat hier publizieren. Bis dahin freut sich die Schweizerische Bundesbahn.

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