Remake: Balsamicokirschen

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Immer wenn die Kirschen reif sind, wird es Zeit für die ciliege al balsamico von Lucas Rosenblatt. Letztes Jahr hatte ich sie verpasst. Das soll mir heuer nicht nochmal passieren. Ein einfaches Rezept, aber mit gutem Balsamico eine Köstlichkeit. Deshalb ein Klassiker in unserer Küche.

Zutaten
500 g Kirschen (herbe, feste Sorte zB. Duroni, Kracher)
50 ml Aceto Balsamico, 3-5 Jahre (vom Halbteuren, kein billiger Salatessig !)
100 ml Rotwein (mein guter Gigondas zum Kochen)
50 g Zucker (bei Rosenblatt 80g)
Je 1/2 abgeriebene Schale von Orange und Zitrone (diesmal waren es eingefrorene Zesten)

Balsamicokirschen 0_2012 06 02_5284

Zubereitung
(1) Kirschen entsteinen.
(2) Rotwein, Aceto, Zitrusfruchtschalen und Zucker aufkochen. Kirschen zugeben, einmal aufkochen, Pfanne vom Herd auf ein Holzbrett ziehen und zugedeckt abkühlen lassen.
(3) Kirschen über ein Sieb abgiessen, den Fonds in einer flachen Pfanne auf etwa 1/4 (etwa 50 ml) einkochen.
(4) Kirschen zum Fonds geben und etwas auskühlen lassen.

Anrichten
(5) das Kompott lauwarm mit Vanille- oder Karamel-Eis servieren.

Risotto agli Ovoli, Risotto mit Kaiserlingen

Risotto agli Ovoli 1_2012 06 13_5360
Welcher Vogel hat mir denn seine Eier in die Kräutertöpfe gelegt ?

Eier ? Pilze ! wachsen in meinem Kräutertopf ! Kaiserlinge sinds ! Meine Lieblingspilze ! Scherz, ich kaufte sie auf dem Markt. Fein aufgeschnitten sind sie weiss bis zitronengelb und können, abgeschmeckt mit Pfeffer, Salz und Zitronensaft roh gegessen werden. Leicht angebraten mit Olivenöl verfärben sie sich goldgelb.  So schmecken sie noch besser. Hatten wir schon, hier (mit allem Wissenswerten um diesen Pilz) und hier. Probieren wir es doch mal mit einem Risotto. Weil sich der erwartungsgemäss goldgelb färbte, darf er am Gelb-Event teilnehmen.

Risotto agli Ovoli 0_2012 06 13_5396ed

Zutaten
200 g Risottoreis (Carnaroli)
20 g Butter
30 g Schalotten, geschält und fein gehackt
40 ml weisser, trockener Sherry
500 ml Gemüsebrühe, leicht gesalzen
nochmals 20 g Butter
30 g Parmesan, frisch gerieben
250 g Ovoli
2 Zweige Thymian
Pfeffer, Salz
Zitronensaft

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Kaiserlinge, aufgeschnitten

Zubereitung

klassischer Risotto, den mach ich nur noch in meiner Maschine, die rührt ohne mein Zutun den Reis zu einem tollen, samtigen Risotto.

(1) Schalotten in der Butter farblos andünsten, Reis zugeben, 2 Minuten mitdünsten. Mit dem Sherry ablöschen. Den Sherry weitgehend eindampfen, dann über die gesamte Kochzeit mit etwa 4 Portionen Gemüsebrühe ablöschen. 20 Minuten rühren bei 100°C  (bzw. rühren lassen)
(2) Inzwischen die Pilze putzen, in feine Scheibchen schneiden. Wenn der Reis gut 10 Minuten gerührt ist, die Pilze in einem Gemisch aus Butter und Olivenöl mit einem Zweig Thymian beidseitig anbraten. Dabei wird die zartgelbe Farbe intensiv goldgelb. Ein Drittel der Pilze nach kurzem Anbraten zum Risotto geben und mitkochen, den Rest fertigbraten, salzen, pfeffern.
(3) Nach insgesamt 20 Minuten die restliche Butter und den Parmesan im Reis unterrühren.
(4) Risotto mit Pfeffer und ggf. Salz abschmecken.

Mein Beitrag zu Uwes Farbenevent.

HighFoodality Blog-Event Cookbook of Colors

Schokoladeneis, der grosse Test

Schokoladeneis 0_2012 06 25_5617

Das Schweizer Geniessermagazin „al dente“ publizierte kürzlich einen grossen Schokoladeneistest, in welchem Schokoladeneis aus gewerblichen Manufakturen im Blindtest gegen industriell gefertigtes Eis antreten musste. Das war für mich der Anlass, das sonst verschmähte Magazin zu kaufen. Ein Magazin, das von der Zweitverwertung der im selben Verlag erscheinenden Gault-Millau-Testberichte und redaktionell verbrämter Produktewerbung lebt. Sechs (L.: immerhin vertrauenswürdige) Experten prüften die Produkte von Sprüngli am Paradeplatz, Mövenpick, Ben&Jerry’s, Giolito sowie die Hausmarken von COOP, Migros, Aldi und Lidl. Das Ergebnis war erstaunlich: Platz 1: Lidl, Nobilissima. Das billigste Schokoladeneis war zugleich das Beste. Die teuren Produkte (Sprüngli, Giolito) belegten die hintersten Ränge, andere waren Mittelmass.

Wenn zur selben Zeit ein anderer Schokoladeneisexperte (Herr G., Erfinder der Schokoladeneis-Skala GSS und Gatte der Sabine) ein Schokoladeeis mit 9.5 GSS-Punkten bewertet, dann ist das eine eindeutige Aufforderung, die Rührschüssel anzuwerfen, um das nachzuprüfen. Zumal das Eisrezept von niemand Geringerem als von Joël Robuchon aus dem Buch Le Grand Livre de Cuisine stammt.

Und weil das thematisch passt, lasse ich das selbsthergestellte Schokoladeneis nach Joël Robuchon antreten gegen den Testsieger Nobilissima von Lidl. Dazu musste ich erstmals in meinem Leben einen Lidl-Laden betreten.  Nach einigem umherirren zwischen Holzpaletten wurde ich fündig. Den Blindtest habe ich selbst vorbereitet. Einziger Experte: Frau L.  Dann gingen mir die Experten aus.  Mit den Patisserie-Weltmeistern, Glacièren, Chocolatiers und Küchenchefs des Magazins kann ich nicht mithalten.

Doch erst das Eis:

Schokoladeneis 1_2012 06 24_5630

Zutaten
3 Eigelb
75 g Zucker
250 ml Vollmilch
20 g Glucosesirup (L.: Invertzucker)
125 ml Vollrahm (Sahne)
140 g Valrhona Schokolade 70 % (L.: Lindt 75%)

Zubereitung
ohne Maschinchen siehe bei … Bonjour Alsace

(1) Eigelb und Zucker in die Rührschüssel der Kenwood Cooking Chef geben und mit dem Schneebesen weiß schaumig schlagen (Stufe 4, ca. 10 min).
(2) Die Milch in einen Topf geben zusammen mit dem Invertzucker und der in Stücke gebrochenen Schokolade. Alles unter gelegentlichem Rühren schmelzen lassen. Die heiße Schokolade-Milch portionsweise in die Ei-Zucker-Masse rühren.
(3) Die Kenwood auf 92°C stellen. Sobald der Rührer den Sicherheitsstopp macht, die Impulstaste drücken, bis die Drehzahl wieder erreicht ist. Sobald die Temperatur erreicht ist, die Creme etwa 3 Minuten auf 92°C rühren lassen.
(4) Den Rahm zugeben, rühren, bis die 92°C wieder erreicht sind, dann abstellen und durch ein Spitzsieb filtrieren.
(5) Über Nacht im Eiskasten kalt stellen. Anderntags in der Eismaschine zu Eis rühren. 5 h in der Tiefkühle reifen lassen.

Resultat

Kriterium Nobilissima Lidl Hausgemacht nach Joel Rebouchon
Farbe schöne, dunkle Farbe, Braun mit Grau-Violettstich schöne, dunkle Farbe, reines Braun
Geruch gut nach Schokolade gut nach Schokolade
Konsistenz luftige Konsistenz eher dichte Konsistenz
Schmelz gutes Schmelzverhalten gutes Schmelzverhalten
Süsse intensiv süss ausgewogen süss
Geschmack lang anhaltend nach Schokolade, Schokolade-nibs lang anhaltender, runder, voller Schokoladegeschmack
Entnahme nach einer Woche im TK fest, aber gut entnehmbar ziemlich hart, muss 15 Minuten angetaut werden

Wieweit ein Vergleich einer hausgemachten, eierhaltigen Glace mit grossindustriell gefertigten, eierfreien Glacen sinnvoll ist, will ich offen lassen. Die Zusammensetzung des Lidl Produktes ist dunkelblau auf mittelblau in Miniaturschrift gedruckt, so dass ohne Lupe gar nichts geht: Invertzucker, Wasser, entrahmte Milch (11%), Zucker, fettarmer Kakao (5%),, Kakaobutter,  Kakaomasse, Traubenzucker, Mono- und Di-glyceride von Speisefettsäuren, Guarkernmehl, Johannisbrotkernmehl, natürliches Vanillearoma, Kakaotrockenmasse (49%).

Fazit

wer nicht viel Geld ausgeben mag, ist mit dem Lidl-produkt gar nicht schlecht bedient. Hausgemacht ist das Eis mindestens doppelt so teuer, schmeckt aber auch eindeutig besser, wenn auch nicht doppelt so gut wie das von Lidl. Wie so oft hat das hausgemachte Eis die Macke des Hartwerdens bei Lagerung im Tiefkühler. In guten Restaurants wird das Eis jeweils frisch zubereitet. Vor dem Servieren ca. 15 Minuten antauen, dann wird es wieder weich und cremig.

CH-8400 Winterthur: Stippvisite in die Neuzeit

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Stadthaus, erbaut von Gottfried Semper, mit roter und gelber Giesskanne

Wir wollten einen Einkauf im nahen Flaach nur mal schnell benutzen, um nachzusehen, ob am gemeinsamen, alten Studienort immer noch dieselben, alten Labortische stehen: sie stehen immer noch. Für mich schaute zusätzlich noch ein kleiner Besuchsbericht heraus.

Anfangs des 19. Jahrhunderts wurden in und um Winterthur mehrere Firmen gegründet, die das Kleinstädtchen an der Eulach in das Industriezeitalter beförderten. Eine chemische Fabrik, die Maschinenfabrik Rieter, Spinnereien, 1834 die Eisengiesserei Johann Jacob Sulzer, später die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM).

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Der Kunst und Wissenschaft geweiht

Die veralteten militärischen Schanzen wurden um 1800 eingeebnet, später die vier nach Nord-Süd ausgerichteten Tortürme abgebrochen. Nun durfte sich die Bau- und Erweiterungswut ausserhalb der Stadtmauern austoben und der Stadt einen markanten Wachstumsschub bescheren. 1865 wurden dann auch noch die letzten vier, an der West-Ost-Achse gelegenen Tore, dem Durchgangsverkehr geopfert.

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Marktgasse

Seit 1467 die ehemalige Kyburgerstadt Winterthur durch die Habsburger an die Zürcher verpfändet wurde, war das Verhältnis der beiden Städte getrübt. Jahrhundertelang liess das starke Zürich die Unterlegenen ihre Übelegenheit durch Schikanen aller Art fühlen. Winterthur wurde in der Neuzeit aber immer bedeutender und entwickelte sich zu einer Wirtschaftsmacht. Innerhalb weniger Jahre vervielfachte sich die Einwohnerzahl (heute ca. 100’000). Die Stadt versuchte, sich durch mächtige private und öffentliche Repräsentationsbauten von Zürich abzugrenzen, so zum Beispiel mit dem Stadthaus, das vom berühmten Architekten Gottfried Semper (der mit der Semper-Oper in Dresden) erbaut wurde.

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Museum am Stadtgarten

Politisch stand Winterthur in Opposition zum Wirtschaftsliberalismus von Zürichs. Die Winterthurer Demokraten versuchten, mit einer eigenen Eisenbahngesellschaft (Schweizerische Nationalbahn) eine Paralell-Linie vom Bodensee bis zum Genfesee zu bauen. Die Absicht, Zürich ins Abseits zu setzen, scheiterte aber am Widerstand des Zürcher Eisenbahnkönigs Alfred Escher und dessen Nordostbahn.

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Haus zur Gedult in der Altstadt

Die zunehmend starke Industrialisierung von Winterthur führte zu Eingemeindungen umliegender Dörfer. Das Gesicht der Stadt veränderte sich zu einer Arbeiterstadt. Der grösste Teil der Arbeitsplätze war abhängig von der Metall- und Maschinenindustrie. Die Wirtschaftskrise 1930 traf die Stadt denn auch besonders hart, die Krise wurde jedoch im Konsens zwischen Sozis und Demokraten ohne grössere, politischen Grabenkämpfe ausgestanden. Nach dem zweite Weltkieg erfuhr Winterthur eine zweite Blütezeit, die aber mit der zunehmenden Globalisierung ein rasches Ende fand. Der damit einhergehende Abbau des industriellen Sektors führte zu einem starken Abbau der Arbeitsplätze, der jedoch zu einem guten Teil durch den Wandel zu einer  Dienstleistungs- und Handelsstadt aufgefangen werden konnte.

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Stadtkirche St. Laurentius. Dumme Perspektive, die Kirche hat zwei Türme

Die Altstadt besitzt die grösste zusammenhängende Fussgängerzone der Schweiz. Winterthur verfügt über eine bemerkenswerte Dichte an herausragenden Kulturinstitutionen, die teils von wohlhabenden Mäzenen aus Handel und Industrie begründet wurden. U.a. das Kunstmuseum, das Fotomuseum, das Museum Reinhart und die Sammlung Oskar Reinhart am Römerholz. Etwas ausserhalb liegt das Technorama, ein Museum über Technik und Wissenschaft zum Anfassen.

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Rathauspassage
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Einkaufsparadies Markthalle am Schluuch (Marktgasse)

Wo einst Schiffsdieselmotoren und andere Spitzenerzeugnisse der Schweizer Maschinenindustrie gebaut wurden, sind nun Lofts, Trendsportanlagen, Kartbahnen, Kultur, Kultuur, nochmals Kultuuhr und die dazugehörigen Lokale, Einkaufszentren und andere Freizeiteinrichtungen zu finden. Wo einst hart gearbeitet wurde, werden Dienstleistungen angeboten, wird gehandelt. Arbeiten lässt man in China. Ein Staat, in dem nur noch gehandelt und konsumiert, statt produziert wird, schafft auf die Dauer keinen Mehrwert für eine Volkswirtschaft. Siehe Griechenland. Die goldenen Zeiten sind vorbei, auch wenn das abgestellte Fahrrad anderes suggerieren möchte. Ich habs mir verklemmt, eine Speiche mitzunehmen. Wenn das ein jeder tun würde.

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Wohlstand: güldenes Veloziped

Die Sempersche Treppe zum Stadthaus, einst Sinnbild für den wirtschaftlichen Aufstieg, kann auch andersherum interpretiert werden. Oder sehe ich das nur zu pessimistisch ?

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Aufstieg oder Abstieg ?

Quellen:
Winterthur wiki

Weinrallye 52: Klimawandel, Malbec aus dem Kanton Neuenburg

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Im Drei-Seen-Gebiet mit Neuenburger See, Bielersee und Murtensee hat der Weinbau Tradition. Urkundlich ist er bereits seit dem Jahre 998 belegt. Diese drei grossen Binnengewässer beeinflussen das Klima der an den Südhängen der Juraausläufer gelegenen Weingärten. Neuenburg erliess im Jahre 1993 ein AOC-Statut und führte als erster Schweizer Kanton eine Ertragsbeschränkung ein. Zu ca. 55 % werden Weissweine, zu ca. 45 % Rotweine produziert. Bei den roten Sorten sind es in erster Linie Pinot noir (Blauburgunder), Gamaret, Garanoir, und… in Kleinstmengen auch Merlot, Cabernet Franc und Malbec.

Ich musste mich diesmal nicht weit bemühen, im Keller liegen noch ein paar Flaschen Malbec von Grillet. Ein Betrieb, den ich bei früherer Gelegenheit hier schon mal in einer Weinrallye dokumentiert hatte.

Malbec ist eine Rebsorte, die heute vor allem in Argentinien (71,5 %) und Frankreich (19,5 %), in kleineren Mengen auch in Chile und den USA angebaut wird. Man kennt sie vor allem aus Südamerika, wo sie vollmundige, aromatische Qualitätsweine liefert. Ich war erstaunt, als ich in der Schweiz gewachsenen Malbec erstmals bei einem Schweizer Produzenten entdeckte.

Klimawandel 0_2012 06 23_5579

Auf Initiative des ehemaligen Besitzers de Domaine, Jean-Pierre Mürset, der 1998 das Gut übernahm und mit seinem eigenen Rebbesitz arrondierte, setzte Grillette von Beginn weg auf die Karte Qualität und sortenreinen Ausbau. Auf 20 ha werden ausschliesslich eigene Weine produziert. Gemäss Mürset wird auf Grillette nicht bewässert, bei Neu- und Ersatzpflanzungen nicht umgebrochen. Auf Herbizide und Akarizide wird verzichtet. Die Barriques werden alle 3 Jahre ausgetauscht.

Mein Wein:

Malbec 2006 Grillette Vernissage, Les Palins, Landeron

Ertrag: 541 g/m2
Alkohol: 13%
Ausbau: 18 Monate in neuen und zweijährigen Barriquen

Intensives, sehr tiefes Granatrot. Welch dunkler Schweizer Rotwein ! Nase tiefgründig. Die Allier-Barrique lässt grüssen: Zimt, Nelke, Schwarze Schokolade, Brombeeren. Schwarze Beeren im Gaumen, kräftige, mundfüllende Tannine, kantiger als seine argentischen Namensvettern. Langer, eindrucksvoller Abgang. Ein Wein, der (immer noch) ein paar Stunden dekantiert werden will, um sich voll zu entfalten. Der Nachweis, dass auch Schweizer Weine einen Platz auf der globalen Weinkarte erringen können, ist mit diesem Wein erbracht.

Seit 1.11.2011 ist der Betrieb in die Hände eines Weinhandelshauses in Meggen übergegangen. Abwarten, wie es mit dem Gut unter neuer Leitung nach dem altersbedingten Abgang des Qualitätsfanatikers Mürset weitergeht.

Mein Beitrag zum Weinrallye 52, betreut vonTorsten Goffin in Glasklare Gefühle

In Karottensaft glasierte Karotten

Glasierte Karotten 0_2012 06 04_5302
bei mir steht niemand am Pass und putzt die Flecken weg

Kleines Intermezzo, weil morgen Weinrallye ist. Wie wenig braucht es doch, um den Geniesser in uns zufrieden zu stellen: Zwei Gemüse auf einem Teller. Das reicht. Die Karotten sind inspiriert durch ein Rezept, das ich hier gefunden habe.

Zutaten
350 g Rüebli
15 g Butter
1.5 dl Biotta Karottensaft mit 10 % Orangensaft, oder selber mischen.
Prise gemahlener Kardamom
5 Scheiben frischer Ingwer
5 Salbeiblätter in Julienne geschnitten
Salz, Pfeffer
150 g Kefen (Zuckerschoten)

Knoblauchöl: 2 junge Knoblauchzehen feinst geschnitten mit 20 ml Olivenöl versetzen und zugedeckt 4 Stunden stehen lassen. Ein Tag haltbar.

Zubereitung
(1) Rüebli schaben, in 5 mm dicke, ovale Scheiben schneiden. Butter in einem Topf schmelzen, Ingwer und Kardamom zugeben, 2 Minuten andünsten, die Rüebli zugeben und weiter dünsten. Ablöschen mit dem Karotten/Orangensaft, würzen und knackig garen. Dabei soll der Rüeblisaft sirupartig einkochen. Die Rüebli darin glasieren. Unbedingt pur probieren ! Salbei unterrühren. Falls die Rüebli zu schnell weich sind, absieben und den Saft separat einkochen. Dann die Rüebli darin wärmen.
(2) Kefen fädeln, quer halbieren. In kochendem Salzwasser blanchieren bis sie gar sind. Mit der Siebkelle in ein gewärmtes Pfännchen mit etwas Knoblauchöl geben und darin schwenken.
(3) Servieren

Marillenknödel im Brandteig. Das erste Ma(h)l.

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Knödel habe ich noch nie zubereitet. Kaum je welche gegessen. Allein die regionalen Bezeichnungen, wie: Klöße, Klopse, Klumpen, Klüten bleiben mir schon beim Lesen im Halse stecken. Die Lücke zwischen den Stichworten Knoblauch und Kochtopfevents habe ich denn bisher auch ohne Mangelerscheinungen überstanden. Nun legt nata von pastasciutta ihre Finger in diese Lücke. Sie will eine Premiere zum Mahl, das Mahl zum ersten Mal.

Fieberhafte Suche in der Ahnentafel nach Böhmischen oder Österreichischen Tanten, die mich in die Geheimnisse des Knödelns einweihen könnten. Nichts. Auf einem zweiglosen, verdorrten Ast des Stammbaumes zu sitzen, macht jede Suche zu einem sinnlosen Unterfangen. Weit und breit kein badisches Küchenmädchen, keine Südtiroler Köchin in Reichweite, die mir Gneedel oder wenigstens canederli beibringen könnten.

Wäre da nicht das trostspendende Internetz mit diversen Knödelfreudigen Lesefreundinnen. Wäre da nicht das neue Maschinchen, das Brandteig von alleine kneten kann. Probieren wir es doch einfach ! Rezept nach Bolliskitchen bzw. Ellja, wobei der Ursprung bei der Oma von Frau Genussmousse liegen dürfte.

Marillenknödel 2_2012 06 23_5589

Zutaten
für den Brandteig:
125 ml Milch
125 ml Wasser
60 g Butter
2 Elf. Zucker
250 g Mehl
Prise Salz
2 Eier (L.: 100 g Eimasse, gewogen !)
Vanillemark (L.: aus eine halben Schote)
von mir gespendet: Zitronenabrieb einer halben Zitrone

ferner:
reife Aprikosen aus Frankreich
Würfelzucker
Butter
Semmelbrösel
Pistazienkerne
Zucker
Marillenbrand

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Zubereitung
(1) Im Rührtopf der Kenwood mit eingesetztem K-Haken die Milch, das Wasser, Salz, den Zucker und die Butter zum Kochen bringen (140°C/Intervall 1).
(2) Das Mehl im Sturz dazugeben, Stufe 4 einstellen und weitere 3 Minuten rühren  (Teig gut abbrennen, das ist wichtig, sonst wird der Teig klebrig wie bei Bolli).
(3) Temperatur auf 0 stellen, Stufe 4 einstellen, weiterrühren bis die Temperatur in der Masse 60°C erreicht.
(4) die verquirlten Eier langsam unter Rühren zugeben, bis ein weicher, glänzender, nur wenig klebriger Teig entsteht. Weitere 3 Minuten weiterrühren.
(5) 30-60 Minuten zugedeckt im Kühlschrank kalt und fester werden lassen.

wer kein Maschinchen hat:
„In einem Topf bringt man die Milch, das Wasser, den Zucker und die Butter zum Kochen. Dann sofort den Topf vom Herd ziehen und mit einem Male das Mehl dazugeben und wieder auf den Herd stellen. Mit einem Holzlöffel rühren und rühren bis der Teig trocken wird und nicht mehr am Topfrand kleben bleibt. Dann wieder vom Herd ziehen und nun die verquirlten Eier langsam zugeben, dabei darauf achten, dass jede Eizugabe gut verarbeitet ist, ehe man die nächste Portion zugibt. Das ist harte Körperarbeit, denn man muss schön rühren. Der Teig ist fertig, wenn er schön elastisch ist und glänzt.“

(6) Marillen entsteinen (Kochlöffelstiel durchstoßen) und halbierten Würfelzucker reinstecken. Mit Marillenbrand beträufeln.
(7) Mit nassen Händen den Teig mit Marillen füllen. Gibt gut 8 Knödel.

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(8) Wasser mit etwas Salz zum Kochen bringen, runterschalten. Die Knödel 10 – 15 Minuten in heißem Wasser ziehen lassen, nicht wirklich kochen.
(9) Butter in einer Pfanne zerlassen. Brösel mit Zucker darin karamellisieren, nicht zu braun werden lassen. Die gegarten Knödel direkt in die Pfanne hieven und in der Bröselmischung wenden.

Und, wie wars beim ersten Mal ? Hmm. So schmecken also Marillenknödel. Nicht schlecht. Die Teighülle kann aber ihre Verwandtschaft zu Mehlspeis (Spöhlmeis…) nicht ganz verbergen, das sind wir als Frischfrucht(fr)esser nicht gewöhnt. Hab mich an die Anleitung gehalten, nach der sich Hülle und Fülle die Waage halten sollen.

Blog-Event LXXIX - Das erste Ma(h)l (Einsendeschluss 15. Juli 2012)

und weil derzeit mehr events laufen, als der Monat Tage hat, dürfen die Marillen als Aprikosen auch bei der Sus noch mitlaufen:

Garten-Koch-Event Juni 2012: Aprikosen [30.06.2012]

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