Archiv der Kategorie: Gourmandisen

Tellerrand als Mülleimer

Angefangen hat es mit Puderzucker auf dem Tellerrand von Nachspeisen. Weisser Schnee auf Weiss haute nicht hin, also wurden schwarze Teller angeschafft. Dann kamen Kakaopulver (wieder auf weissen Tellern), Brösel von Pistazien, grob gemahlener schwarzer Pfeffer, Gewürznelken, getrocknete Petersilie usw.
Als Kulminationspunkt dieser Leidensgeschichte erlebte ich kürzlich einen Safran-Risotto, der mir in einem honorigen Schweizer Restaurant vorgesetzt wurde. Tellerrand über und über mit ganzen Safran-Fäden belegt. Der Wert der Safranfäden dürfte den Materialwert des Risottos bei Weitem übertroffen haben. Ich ärgere mich, dass ich den Blütenrand nicht eingepackt und nach Hause mitgenommen habe. Oder lag der Blumenschmuck schon beim letzten Besteller auf dem Tellerrand ?

Eine uralte Gastronomen-Regel besagt: Der Tellerrand gehört dem Gast. Darauf haben weder Küchen-Müll noch Fingerabdrücke etwas zu suchen.

Fleur de Sel, Badesalz für Gewürzesoteriker

Ich staune immer wieder über Spitzen- und Hobbyköche, die verklärten Blickes ihr gutes, teures fleur de sel hemmungslos in Saucen und Brühen schütten oder damit den Braten einsalzen, bevor er in die Schmorflüssigkeit zu liegen kommt. Das fleur de sel freut sich auf das Wasser und löst sich sofort darin auf, wobei es in seine Ionen und die Ionen seiner Begleitstoffe zerfällt. Zwischen Salzkristallen von fleur de sel und unraffiniertem Meersalz sind gewiss geschmackliche Unterschiede wahrnehmbar. Diese beruhen auf geringfügig unterschiedlichen Begleitstoffen und morphologischen Unterschieden der Kristalle. Sind die Kristalle aber einmal aufgelöst, ist ein Unterschied nur noch von Gewürzesoterikern herauszuschmecken.
Kurz: unraffiniertes Meersalz eignet sich für wässrige Zubereitungen, fleur de sel für das Salzen von Feststoffen zum richtigen Zeitpunkt.

Im Schatten des Kerbelzweiges

Adjektive und Präpositionen entlarven die Fähigkeiten eines jeden Kochs.
Wenn mir in einer Speisekarte: „…das im Baumnussmantel sanft gegarte Zwischen-rippenstück des frohen Weidelamms, auf einem Püree von dreierlei wildgewachsenen Bohnen, mit einem fruchtigen Balsamico-Jus, serviert im Schatten eines Kerbelzweiges…“ angeboten wird, verschlägt es mir Sprache und Appetit.