Doubs der Unschlüssige (9): nach Mömpelgard

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Die Grafschaft Montbéliard gehörte 1397-1793 zum linksrheinischen Besitz  des Hauses Württemberg. Abgebildet ist das Schloss mit den beiden Türmen Henriette (1424) und Frédéric (1595). Seit dem 15. Jahrhundert wird Montbéliard in der deutschen Sprache zu Mömpelgard verballhornt.

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Zusammenfluss von Doubs und Dessoubre in St. Hippolyte

Ausgangspunkt meiner Reise: St. Hippolyte, an der Stelle, wo sich Dessoubre und Doubs vereinen. Richtung Nordwest, möglichst immer dem Doubs entlang. Nach Pont-de-Roide öffnet sich die Landschaft des Jura, wird zunehmend flacher. Und langweiliger. Doch jeder Höhenflug braucht als Kontrast das Tief. Warum sollte das  bei Landschaften und Flüssen anders sein als bei Menschen? Auch Flüsse und Landschaften haben ihr eigenes Leben, ihr Gedächtnis, ihren Charakter. Der Doubs macht ohnehin, was er will, weiss wohin er gehört und wohin er will, auch wenn ihn die Menschen in seinem Fluss stören.

Ziel: Montbéliard, mitten im  flachen Sattel zwischen den Bergzügen der Vogesen und des Jura gelegen. Die Senke wird poetisch als Burgundische Pforte bezeichnet und liegt rund 400m hoch. Das milde Klima in der Nordwestschweiz und Südbaden wird massgeblich vom Durchzug mediterraner Luftmassen aus dem Rhonetal durch die Burgundische Pforte bestimmt. Auch Zugvögel kennen den bequemen Weg in den Süden, der ihnen die anstrengende Alpenüberquerung erspart.

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Das théâtre gallo-romain de Mandeure

Wenige hundert Meter vom Ufer des Doubs entfernt findet man in der kleinen Ortschaft Mandeure ein gallo-römisches Amphitheater. Ob hier Theater gespielt oder Wildsauen in der runden Orchestra herum getrieben wurden, weiss allenfalls Obelix, und der lebt nicht mehr. Ein klassiertes, nationales Monument, wohl deshalb ein wenig baufällig.

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Rasengepolsterte, akustikhemmende Sitzreihen

Nach Mandeure nimmt der Doubs einen anderen Weg als ich, wendet sich von Autobahnen, Autoindustrie (Renault-Citroen) und Mömpelgard ab und fliesst Besançon zu. Auf Wiedersehen. Man sieht sich wieder! Meine Autokarte hatte ich zuhause vergessen, das machte die Einfahrt durch die industrialisierten Aussenbezirke von Montbéliard über Nebenstrassen kurzweilig. Nach ein paar Irrwegen verhalf mir die Handyortung doch noch in das centre ville.

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Mömpelgard, centre ville

Montbéliard wurde vor dem Ende des ersten Jahrtausends gegründet und entwickelte sich rasch zum Hauptort der Grafschaft. 1397 fiel die Grafschaft durch Heirat der Henriette von Montfaucon an das Haus Württemberg. Jedoch gelang es den Württembergern nicht, ihre Besitzungen zu erweitern und zu einem geschlossenen Gebiet zu vereinigen. Die Herrschaft wurde zudem durch andauernde Machtansprüche der Burgunder Herzöge bedroht.
1538 gelang Herzog Ulrich von Württemberg die Reformation in Montbéliard durchzusetzen, die württembergischen Besitzungen blieben aber evangelische Enklaven inmitten katholischer Gebiete.
Im 17. Jahrhundert befestigte der württembergische Baumeister Heinrich Schickhardt die Residenzstadt Mömpelgard und prägte ihr architektonisches Erscheinungsbild durch mehrere bedeutende Bauten, wie das Renaissance-Schloss und die große lutherische Kirche, den Temple Saint-Martin.

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Hôtel Sponeck, Tempel der Kultur
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Tempel zum heiligen Martin

Mittagessen in einem allerliebsten, winzigen, uralten Lokal mit nicht viel mehr als zwei Dutzend Gedecken: Das Restaurant Chez Casse Graine. Essen gepflegt, kleine Auswahl im Bistrostil auf Schiefertafel.

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Tempel zum Imbiss
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Wie der Doubs macht die Uhr, was sie will

Die junge patronne, Emily Petit betreibt das Lokal mit einem Angestellten. Kocht und lässt servieren oder umgekehrt. Die Holzdecke des Lokals ist von einem talentierten, witzigen Strassenkünstler und -poeten mit Lebensweisheiten beschrieben und bemalt, was das Warten auf die Teller für Alleinreisende kurzweilig macht. Vier Beispiele (in meiner Übersetzung)

  • écrire sur la pointe des pieds… (Schreiben auf Zehenspitzen)
  • si tu regardes le ciel c’est ton reflêt que tu verras… (wenn du zum Himmel schaust, wirst du dein Spiegelbild sehen)
  • l’humain est en spirale, la symétrie chancelle et l’égarement des uns baise la naivité des autres… (Der Mensch befindet sich in einer Spirale, seine Symmetrie schwankt, die Verwirrung der einen küsst die Naivität der andern.
  • oder ganz einfach: île monde

Hier wäre ich gerne noch länger geblieben, doch der Himmel überzog sich bei bleierner Hitze dunkel-dräuend, das Glas Schampus war leer und der Regenschirm im Auto.

Das Schloss befindet sich etwas erhöht mitten im Stadtkern. In den beiden Türmen sind ein naturgeschichtliches und ein archäologisches Museum untergebracht. Im Maison des Gentilhommes auf dem Schlosshof das Konservatorium.

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Heute das Conservatoire du Pays de Montbéliard. Rechts Mäxle.
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Ancien logis des gentilhommes: Hier werden heute étuden geprobt

Der Dreissigjährige Krieg stürzte auch die linksrheinischen württembergischen Besitzungen in tiefes Elend. In der Folge suchte Frankreich unter König Ludwig XIV. diese Gebiete unter seine Herrschaft zu bringen und besetzte Teile davon mit militärischer Gewalt.
Während der französischen Revolutionswirren kam es ab 1789 in den württembergischen Herrschaften zu Aufständen. 1793 fielen Stadt und Grafschaft Mömpelgard endgültig in französische Hand. 1796 trat Friedrich Eugen, Herzog von Württemberg, die linksrheinischen Herrschaften im Pariser Sonderfrieden an Frankreich ab. 1803 erhielt er, unterstützt von Napoleon, als Kompensation große weltliche und geistliche Gebiete in Südwestdeutschland, sowie später den Titel eines Kurfürsten zugesprochen. Wie das bei den Grossen so zugeht,  keiner muss Hunger leiden.

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Les Halles de Montbéliard: Alte Markthalle mit ländlichen Dessous statt Frischgemüsen vom Land

Südlich der Altstadt speist die in der Schweizer Ajoie entsprungene Allaine, ein Nebenfluss des Doubs, zunächst den Canal du Rhone au Rhin, bevor sie in den Doubs mündet. Doch als Schönwetterfotograf hatte ich hier das Fotografieren längst aufgegeben.

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Port de Plaisance, Montbéliard

Nicht das schönste aller Jurastädtchen und doch sehenswert.

Quellen:
wiki Montbéliard

Die Liste der bisherigen Folgen findet sich hier

Testaroli mit Basilikum und Parmesan

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Mehl, Wasser Olivenöl, Basilikum und Parmesan: Viel mehr brauchts nicht, um glücklich zu werden.

Claudio wars, der mich in facebook auf die Spur im Splendido Magazin führte. Die Aussicht auf ein glücklichmachendes, schnelles Nudelgericht aus der cucina povera war zu verlockend. Testaroli sind die Urahnen der pasta, Damit hat die Erfolgsgeschichte der Nudel vor Jahrhunderten angefangen.

Testaroli mit Basilikum und Parmesan


Testaroli mit Pesto 20170702_185140

Zutaten
Vollmahlzeit für 2 Personen
100 g Weissmehl (es darf, muss aber kein 00-er sein)
50 g Hartweizendunst rimacinata (De Cecco, in der Schweiz geht auch Knöpflimehl)
ca. 3 dl Wasser, lauwarm
Prise Salz

Olivenöl
Parmesan 24 Monate, frisch gerieben
etwa 4 grosse Zweige Basilikum, die Blätter
Pfeffer

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Zubereitung
(1) Die beiden Mehle sieben und mit dem Wasser und Salz in der Küchenmaschine mit Schwingbesen 10 Minuten zu einem gut fliessenden Pfannkuchenteig rühren. 30 Minuten ruhen lassen.
(2) Beschichtete Pfanne (Bodendurchmesser 20cm) moderat erhitzen, mit wenig Öl einpinseln und aus dem Teig 3 Pfannkuchen beidseitig anbraten. Dicke zwischen einem Crèpe und einem Pfannkuchen. Zu dick werden sie gummig, zu dünn matschig. Abkühlen und in kleine Rauten schneiden.
(3) Einen grossen Topf mit gesalzenem Wasser zum Kochen bringen. Viel Basilikumblätter in das kochende Wasser geben, 3 Sekunden lang drin belassen. Mit der Siebkelle sofort herausheben und in kaltes Wasser legen. Herausnehmen, mit Küchenpapier trocknen und in feine Julienne schneiden. Wer sich an braun angelaufenem Basilikum nicht stört, kann sich das Blanchierprozedere ersparen. Ist eh besser für den Geschmack.
(4) Die in Rauten geschnittenen Testaroli im selben, siedenden Kochwasser einmal (kurz!) aufkochen lassen, abgiessen, Parmesan und die geschnittenen Basilikumblätter unterziehen, nochmals Parmesan drüber reiben und mit Olivenöl beträufeln. Pfeffern. Fertig.

Wer von dem einfachen Gericht unterfordert ist, darf sich auch aus Basilikum, Parmesan und Olivenöl einen einfachen Pesto reiben.

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Einfacher gehts nicht. Besser kaum. Und Hand aufs Herz: Der Einsatz von Pinzetten und zwei Dutzend Ingredienzien verbessert daran nichts mehr.

Basel Tattoo Parade 2017

Tattoo 2017 2017 07 22_0954Impressionen von der diesjährigen Basel Tattoo Parade durch die Innenstadt.  Wobei ich den Betrieb im Aufstellungsraum Münster-Rittergasse interessanter finde als die eigentliche Parade. Warten auf den Einsatz: Mitglieder der British Band of the Kings Division schlecken Eiscornets. Unter pinkem Ballon.

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The Kings Guard of Norway. Band and Drill Team. Der Drill ist an der Hut- und Posaunenablage ersichtlich.

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Noch mehr norwegischer Drill.

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Mit den Wasserflaschen klappts noch nicht ganz.

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Dafür wird der Unteroffizier vom Chef (rechts) gerüffelt.

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Die Basler Fraktion der Dudelsäckler löscht ihren Durst am Pisonibrunnen.

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Schweizer Kavallerie Schwadron 1972. Alles Rösseler Veteranen.

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6 kg wiegt der Trachtenhut, den die Damen des Trachtenvereins St. Georgen im Schwarzwald auf dem Kopf balancieren müssen. Ob der schmucke Hut ledigen Mädchen oder verheirateten Frauen vorbehalten ist, vergass ich zu fragen. Jedenfalls fröhliche Weihnacht!

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Die Honoratioren der Markgräfler Trachtengruppe Lörrach/Weil überzeugten mit hohlem Kreuz, gewichtigem Schritt und gnädiger Miene.

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Sauber hergerichtet ist wichtiger als medizinische Kompetenz: Fahrzeug des US Army Med Corps 1942-1945

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Der Chef der Band of the Kings Division weist den Weg: to the left. Ohne das Zeichen hätte sich sein Korps in alle Richtungen verlaufen.

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Der Dudelsack erfreut sich in Basel grosser Beliebtheit. Hier die Basel Tattoo Massed Pipes and Drums.

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La musique des sapeurs-pompiers de Paris, die Musik klingt einfach ein wenig eleganter.

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The Australian Army Band: erfrischender Umgang mit Kupferpfannen.

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The Lochiel Marching Drill Team aus Neuseeland. Beine sind immer ein guter Schlusspunkt. Im Querformat haben davon mehr Platz auf dem Bild. Und dann begann es zu regnen.

Doubs der Unschlüssige (8): Von der Quelle bis Pontarlier

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34°C. Zu heiss für lange Autofahrten, und doch musste es einmal sein. Mit der klimatisierten Benzinkutsche an die Doubsquelle nach Mouthe (F). Gerade noch rechtzeitig vor dem Quatorze Juillet, dem Ferienbeginn in F, bevor die Touristen den naheliegenden Campingplatz überfluten und die Quelle als Badeplatz benutzen.

Endlich! Endlich hat mich die Quelle gefunden und ich den Anfang meiner Geschichte. Ein hübscher, klarer, eiskalter Bach, der munter aus dem Fels strömt und danach in die Landschaft der Franches-Montagnes mäandriert. Eine halbe Stunde sass ich am Quellbecken im Wald, allein und ungestört und zählte die hier noch ungeschliffenen Kieselsteine im Wasser.

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Die Source du Doubs liegt im regionalen Naturpark Haut-Jura auf einer Höhe von 937 m am Fuße der bewaldeten, bis zu 1419 m hohen Jura-Bergkette des Mont Risoux, auf der die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz verläuft. Der Doubs entspringt einem komplexen Höhlensystem unter dem Fôret du Noirmont und dem Fôret du Risoux. Gespiesen wird er durch unterirdische Klüfte, Syphons und kleine Seen, teilweise sickert sogar Wasser aus dem schweizerischen Lac de Joux in das Quellgebiet des Doubs. Zollfrei.
Angereist bin ich vom Lac de Joux her, über den kleinen, relativ flachen Grenzpass Col de Landoz-Neuve, welcher das Vallée de Joux mit dem Val de Mouthe verbindet

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Lac de Joux

Erst läuft das Wasser des Doubs in ein tiefes Quellbecken, fällt danach über einen kleinen Wasserfall und sucht sich anschliessend ihren Weg in die dort sumpfige Landschaft. Die Quelle schüttet durchschnittlich 1740 Liter pro Sekunde aus, mir schien es eher weniger zu sein, aber ich hatte keinen geeigneten Messbecher zur Hand.

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Der junge Fluss, gleich nach der Quelle
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Doubs in Mouthe
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Doubs in Mouthe

Und alles dem Doubs entlang bis er sich zum Lac Saint-Point erweitert. Im Badeort Malbuisson durch den Wald hoch bis zum Fort Lucotte (Fort de Saint-Antoine). Erbaut von 1879 bis 1882, hätte die unterirdische Festung Einfällen von Germanen und Alemannen Einhalt gebieten sollen. Hat sie aber bekannterweise nicht: Nutzlos geworden, bröckelte das Fort leise vor sich hin, bis es 1966 von Marcel Petit, dem Chef einer grossen Käsereifungsfirma aus dem Dornröschenschlaf geküsst und als Käsereifungskeller eingerichtet wurde. Hier lagern und reifen über 100’000 Laibe Comtékäse aus verschiedenen Gebirgsmilchkooperativen zwischen 10 und 20 Monaten. An bestimmten Tagen sind die Keller zu besichtigen. Die Festungswächter hatten aber kein Einsehen mit einem spontan anreisenden, ehemaligen foodblogger und beharrten darauf, dass nur Einlass kriege, wer sich zuvor rechtzeitig im örtlichen Tourismusverein für eine 90-minütige Führung angemeldet habe. Anschluss an eine eben eingelassene Gruppe unmöglich. Impossible. Bureaucratie à la française. Selber schuld, aber ich bin ja nicht zum letzten Mal hier.

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Fort St. Antoine

Im Lac de Saint-Point macht es sich der Doubs auf einer Länge von über 7 km so richtig gemütlich. Der See ist der drittgrößte Natursee Frankreichs, Genfersee nicht mitgezählt. Im Sommer ein beliebter Badesee und Fischerort auf 885 m Meershöhe mit Hotellerie und Strandbetrieb. Im Winter ist er meist zugefroren.

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Lac Saint Point in seiner ganzen Länge
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Lac Saint Point

Am Ende des Lac Saint Point wird der See wieder zum Fluss. Von hier an mäandriert er wieder durch die Talauen bis kurz vor Pontarlier.

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Doubs in Oye et Pallet

In Pontarlier halte ich mich am Comté im Laden der Crèmerie von Marcel Petit schadlos. Alles Nachdenken, wo ich zuhause ein hydraulisches Käsemesser mit Laserstrahljustierung unterbringen könnte, führte zu keinem Ziel. Zuviel Messer für zuwenig Käse.

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Käselaib-Laserstrahljustierung

Und mache in einer Brasserie ein selfie von mir und dem Oberkellner (das Hundert im Gruselkabinett ist voll! (mit mir sind es jetzt 101). Das reicht.

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Bisherige Beiträge:

  1. Doubs, der Unschlüssige (1): Biaufond
  2. Doubs, der Unschlüssige (2): Les Brenets-Châtelot
  3. Doubs, der Unschlüssige (3): St. Ursanne
  4. Doubs, der Unschlüssige (4): St. Hippolyte-St. Ursanne
  5. Doubs, der Unschlüssige (5): La Goule-La Bouège
  6. Doubs, der Unschlüssige (6): Pontarlier-Morteau
  7. Doubs, der Unschlüssige (7): Val du Dessoubre

Randen Gazpacho

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Rote Bete Gazpacho ist im Netz bereits in zahllosen Varianten abrufbar. Der strahlende Name des Schweizer 3-Sterne-Kochs Andreas Caminada und die Möglichkeit, meinen wunderbaren Sherryessig wieder einmal einzusetzen, haben mich dazu verführt, das Rezept (Original im Gault-Millau-Channel Atelier Caminada, 22.06.2017) nachzukochen.

Randen Gazpacho


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Zutaten
für etwa 700 ml Gazpacho
2 mittlere Rote Beten, gegart
Olivenöl
Zitronenthymian
Jamaikapfeffer
Fleur de Sel

300 g Tomaten
1 Schalotte, blanchiert
1/2 Knoblauchzehe, blanchiert
60 g rote Peperoni
150 g Gurke
Estragonblätter von einem Zweig
2 Toastbrotscheiben, ohne Rinde
50 ml Sherryessig (L.: Pedro Ximénez)
10 ml weisser Balsamessig (Gölles)
ca. 1.5 dl Randensaft (Biotta)
1 EL Crème fraiche
1 Zweig Basilikum
Salz

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Zubereitung
für die Randen:
(1) Gewaschene, mit Küchenpapier getrocknete Randen mit Olivenöl einreiben, salzen, würzen mit reichlich Jamaikapfeffer, mit Zitronenthymian in je eine feste Alufolie dicht einwickeln. Im Ofen bei 180°C ca. 90 Minuten garen. Herausnehmen, abkühlen und schälen. Würfeln.
für den Gazpacho:
(2) Das restliche Gemüse in kleine Stücke schneiden, salzen und mit den Randenwürfeln, dem Toastbrot, Sherryessig, weissem Balsamessig und dem Estragon mischen und ca. 2 Stunden zugedeckt bei Raumtemperatur oder im Kühlschrank marinieren. Gelegentlich umrühren.
(3) Anschliessend den Randensaft und die Basilikumblätter zugeben und das Gemisch im Standmixer fein mixen, durch ein Sieb passieren und abschmecken. Servieren mit etwas Crème fraîche.

Gelesen, gekocht und für sehr gut befunden. So schnell verführt man mich. Man muss nicht immer alles selber erfinden wollen. Zumal wenn es heiss ist. Ich selber mag Suppen nicht eisgekühlt, sie schmecken auch bei Hitze besser, wenn man sie auf Raumtemperatur belässt. Durch die leichte Süsse der Randen schmeckt dieser Gazpacho runder als die klassische Version.

Kalbstafelspitz tonnato. Ohne Eier. Ohne Mayo.

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Es gibt einfachere Wege, eine Thonsauce herzustellen. In Italien bindet man die Sauce mit Eigelb. Mayonnaise -wie bei uns- wird dazu kaum verwendet. Nichts gegen Mayo und Eier, aber Lucas Rosenblatts Idee, stattdessen Reis zu verwenden, wollte ich einfach mal umsetzen. Lucas nimmt Kalbsnuss und gart sie völlig anders, meine Version ist nur von den Hauptzutaten her vergleichbar. Ich wollte meinen  Kalbstafelspitz im Kühler verbrauchen. Ein Fall für sous-vide.

Kalbstafelspitz tonnato


Zutaten
für das Fleisch sous-vide:
650 g Kalbs-Tafelpitz (oder kleine Nuss)
1 Stengel Zitronengras, gequetscht
1 Stange Staudensellerie, gewürfelt
10 Körner Kampotpfeffer weiss, zerdrückt
50 ml kräftiger Geflügelfond, oder kräftige Kalbsbrühe
Fleur de Sel

für die Thonsauce:
1 EL Zitronenöl (Olivenöl mit Zitrone aromatisiert)80 g Zwiebelweiss von 2 Bundzwiebeln
1 Stange Staudensellerie, gewürfelt
1 grosse Knoblauchzehe, gequetscht
2 gute (darauf kommts an) Sardellenfilets
1 dl trockener Weisswein, Chablis
30 ml Zitronensaft
2.5 dl kräftiger Geflügelfond, oder kräftige Kalbsbrühe
Fleisch-Jus aus dem sous-vide-Beutel nach dem Garen
20 g Risottoreis, geschrotet
5 Körner Kampotpfeffer weiss, zerdrückt
1 Lorbeerblatt
1 Msp. Piment d’Espelette
1 EL Salzkapern, gewässert

120 g Thon aus der Dose, gut abgetropft
1/2 Zitrone, der Abrieb

1 EL Mascarpone
abschmecken mit Salz, Cayennepfeffer und Zitronensaft
als Garnitur: Kapernäpfel, Tomatendreiecke

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Zubereitung
für das Fleisch:
(1) Fleisch waschen, trockentupfen und mit den übrigen Zutaten in einen SV-Beutel vakuumieren.
(2) 2.5-3 Stunden im SV bei 56°C (nächstesmal 58°C) garen. Ich hab mich zulange in der Stadt aufgehalten, so dass bei mir 4 Stunden draus wurden.
(3) Herausheben und unter fliessendem Wasser abkühlen. Den Jus beiseitestellen. Fleisch in Folie wickeln und kalt stellen.

für die Sauce:
(4) Die fein geschnittenen Gemüse und Sardellen in Zitronenöl 5 Minuten dünsten. Mit Weisswein, Geflügelbrühe, Zitronensaft und dem Jus aus dem SV-Beutel ablöschen.
(5) Reis und Gewürze zugeben und 10 Minuten köcheln. Gegen Ende hin, den zerpflückten Thon und die Zitronenschale zugeben und kurz mitkochen. Etwas abkühlen, im Mixer fein mixen und mit einer runden Kelle durch ein Sieb passieren. Durchkühlen.
(6) Vor dem Servieren den Mascarpone untermixen und abschmecken.
(7) Fleisch mit der Aufschnittmaschine fein aufschneiden. Mit Fleur de Sel und weissem Kampotpfeffer bestreuen.

Filetzartes Fleisch, gut schmeckend und riechend. Die Sauce zart, glatt, mit elegantem Thonaroma. Weniger rustikal als die einfache Thon-Mayo-Sauce. Gar nicht schlecht. Was sag ich: gut. Und an heissen Sommertagen bakteriologisch wahrscheinlich etwas länger haltbar als das Original.

Doubs der Unschlüssige (7): Val du Dessoubre

Dessoubre 20170608_144223

Vorgesehen war die Fahrt zur Doubsquelle, aber für solch lange Reisen wars mir zu heiss. Begnügen wir uns heute mit dem Val du Dessoubre. Ein über 30 km lang gezogenes, sehenswertes, wenig besiedeltes Tal, durch das sich der Dessoubre, ein Nebenfluss des Doubs, in vielen Windungen zieht. Der Dessoubre fliesst bei St. Hippolyte in den Doubs und versorgt den bis dahin schwächelnden Fluss mit frischem und unbelastetem Wasser.
Die Zufahrt aus der Schweiz über Morteau und Fuans gibt Gelegenheit, Würste nachzutanken. Hinter Fuans beginnt das Tal mit der Felsarena von Consolation-Maisonnettes.

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Ein steiler, ca. 150 Meter hoher Felsenzirkus, an dessen Fuss die Karstquelle des Dessoubre entspringt. Oben auf dem Fels liegt einer der beiden Aussichtspunkte, das Bellevue de Consolation, der auf stotzigem Fussweg erklimmt werden muss. Aussicht: viel Wald, wenig Kloster und fast kein Fels. Denn dieser liegt unter den Füssen. Dafür kann man sich auf einer Tyrolienne, einer 500 Meter lange Drahtseilrutsche, auf die andere Talseite rutschen lassen. Aber was soll ich dort, hier bin ich ja sowieso. Und gerutscht wird nur während der Sommermonate, sonst verirren sich hieher nur wenige Touristen.

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Das Kloster von Consolation-Maisonnettes geht auf eine der Notre Dame de Consolation (Maria Trost) geweihte Kapelle des 15. Jahrhunderts zurück. Ende des 17. Jahrhunderts wurde hier ein Kloster gegründet, das später als Priesterseminar diente. Heute ist ein spirituelles Zentrum einquartiert. Barock zweiter Klasse. In Gottes Namen. Damals kannten sie nicht anderes. Interessanter sind die Anlagen der Electricité de France. Zeugen dafür, dass die Elektrizität seit geraumer Zeit im Tal angekommen ist.

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Nach Consolation führt die Strasse abwärts, alles entlang dem Dessoubre, der die Richtung vorgibt. Manchmal wird das Tal eng, felsig, der Fluss zwängt sich durch sein schmales Bett. Hin und wieder öffnet sich das Tal, macht kleinen Weilern und Ortschaften Platz. Eine schöne, abwechslungsreiche Fahrt.

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Kurz nach Consolation trifft man auf die restaurierte Moulin Girardot, eine ehemalige Sägemühle.

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Weiter talabwärts liegt, direkt am Dessoubre, eine gute Fischbeiz (La truite du moulin, Ortschaft Cour St. Maurice) mit Zuchtforellen aus dem Fluss. Dumm nur, dass an diesem Tag gerade eine Armada Cabrioletfahrender Herrenfahrer das Restaurant belegt hatte. Muss ich nicht haben. Ein andermal. Nach den Porsches präsentierte sich das Tal wieder still, ruhig und schön.

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Gleich unterhalb der Brücke von St. Hippolyte liegt der Zufluss des Dessoubre in den Doubs.  Den sparen wir uns für die nächste Etappe, die Hungerbekämpfung mittels des vorzüglichen Comté aus dem örtlichen Käseladen hatte Priorität.

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