CH-5630 Muri: Kloster

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Die Klosteranlage von Muri gehört, mit den Klöstern Königsfelden und Wettingen, zu den wichtigsten Kulturdenkmälern des Kantons Aargau. Die Gründung geht auf das Jahr 1027 zurück. Ita, Gräfin von Lothringen, Gattin des Grafen Radbot von Habsburg, stiftete ihre Morgengabe in Form von Grundbesitz zur Gründung des Klosters. Ein Sühneopfer, weil dieser Besitz unrechtmässig in die Hände der Habsburger gelangte,  anders gesagt geklaut war.  Benediktinermönche aus Einsiedeln besiedelten das Kloster. Während acht Jahrhunderten entwickelte sich die Benediktinerabtei zur heutigen Form und Grösse.

Das Herzstück des Klosters ist ein im Barockstil gebauter, oktogonaler Zentralbau aus dem 17. Jahrhundert, der der Kirche ihre einzigartige Ausstrahlung gibt. Dazu musste die aus dem 11. Jhdt. stammende romanische Basilika teilweise abgerissen werden. Querschiff, Chor und Krypta sind romanischen Ursprungs. Die weiss schimmernde Kuppelkirche, einer der grössten Kuppelzentralbauten der Schweiz, mit ihren ringsum begleitenden Nadelhelmen von Türmen und Dachreitern ist in der Hügellandschaft des Freiamtes weitherum sichtbar.

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Eingangspartie
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links Singisenflügel

Nach der Schlacht von Sempach im Jahr 1386 brandschatzten die Eidgenossen das Kloster; nach der Eroberung des Aargaus im Jahr 1415 übernahmen sie die Schutzherrschaft von den Habsburgern. Während der Reformation wurde das Kloster 1531 durch bernische, reformierte Truppen verwüstet. Die Bekanntschaft des damaligen Abtes mit dem Zürcher Reformator Heinrich Bullinger rettete das Kloster vor der Auflösung..
Unter der Führung von Abt Johann Jodok Singisen (1596–1644) erlebte das Kloster eine zweite Blütezeit. 1701 wurde die Abtei in den Rang einer Fürstabtei (mit Sitz unter den Reichsfürsten) erhoben. Damals galt Muri als das reichste Kloster der Schweiz. 1750 wurde die Klosterkirche mit Rokoko-Elementen ausgestattet. Die Zeit der Aufklärung überstand das Kloster unversehrt.
Nach der Ausrufung der Helvetischen Republik im Jahr 1798 wurde das Kloster aufgehoben. Die Franzosen beschlagnahmten den Klosterschatz, entliessen die Untertanen in die Freiheit und verboten die Aufnahme neuer Novizen. 1803 erfolgte die Wiederherstellung des Klosters. Nach religiös motivierten Unruhen beschloss das Aargauer Kantonsparlament 1841 die Auflösung des Klosters. Ein Teil der Mönche zog nach Sarnen. Ein anderer Teil des Konvents liess sich 1845 in Gries bei Bozen/Südtirol nieder. Bekannt ist der dortige Ableger u.a. auch durch seine Weine, insbesondere den hervorragenden Lagrein, der von Kellermeister Bruder Christian Werth mit Traditionsbewusstsein und konsequentem Qualitätsdenken produziert wird.  Moment, ich gehe gleich in den Keller. Seit 1961 leben wieder Benediktiner im Hospiz in Muri.

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Probe zur Marienvesper von Claudio Monteverdi

Im Kreuzgang befindet sich die Habsburger-Gruft. Hier ruhen bzw. liegen die Herzen des letzten Kaiserpaars der österreichischen Monarchie, Kaiser Karl I. und Kaiserin Zita von Bourbon-Parma und einiger weiterer Mitglieder der Habsburgerfamilie. Beeindruckender sind die bedeutenden Renaissance-Glasmalereien, die von geistlichen und weltlichen Würdenträgern, den sieben eidgenössischen Schirmorten, Städten und Privaten dem Kloster geschenkt wurden. 19 dreiteilige Masswerkfenster mit 57 Kabinettscheiben und Masswerkscheiben schmücken die drei Arme des Kreuzganges. Die meisten der Scheiben stammen von Carl von Aegeri (ca. 1510-1562) und Heinrich Leu, seinem ehemaligen Lehrling. Im Gewölbekeller sind die Gemälde des Alpenmalers Caspar Wolf (1735-1783), der aus Muri stammte, zu sehen.

Quelle: wiki und Klosterkirche Muri

 

Hier ein paar Beispiele der prachtvoll farbigen Scherben:

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19 Kommentare zu „CH-5630 Muri: Kloster“

  1. Muss doch mal wieder in der Schweiz vorbei schauen, wo mein Lieblingskoch sein Unwesen treibt ! 😉

    Schöne Bilder, schöne Schweiz, schön, ab und an hier zu sein ! 8)

  2. schön ist es da! spannend wo die Ausflüge jeweils hinführen 🙂
    ganz in der nähe hat es auch einen tollen Bio-Hof kennst du den? Als ich noch im Aargau am schönen Hallwilersee zu Hause war, waren wir oft da anzutreffen, weil es auch einen grossen Kinderspielplatz hat 🙂
    http://www.murimoos.ch/
    Grüsse aus dem solothurnischen
    Irene

  3. Dank dir bin ich via Muri CH im Weinkeller von Muri-Gries gelandet. Dabei habe ich ein neues Wort gelernt. Trinkig, das ist wohl die hochdeutsche Version von süffig. Interessant sind die empfohlenen Trinktemperaturen.
    Höchste Temperatur: Lagrein, 14-16°
    Gewürztraminer, 13-15°
    Kalterersee und Sylvaner, beide 12-14°
    In der Schweiz werden sehr oft Weissweine zu kalt und Rotweine zu warm getrunken. Trotzdem, einen frischen Epesses vom Genfersee mag ich am liebsten bei 8-10°.

  4. @ultraistgut: ich blicke auch ab und zu kurz bei Dir in die Ostsee. Das Meer scheint unverändert, das Design wechselt hin und wieder 😉

    @mestolo: Du bist am Sonntag im Internet unterwegs ?

    @Irene: Danke für den link, wir werden in der nächsten Gemüsesaison vorbeischauen, in Muri hats ein grosses, schönes Blumen-Selbstpflückfeld (Klosterhof), da gehen wir auch oft hin.

    @Hunk: Leichte, spritzige Weine trinkt man gerne kühl. Die gehaltreicheren Sylvaner und Gewürztraminer dürfen schon wärmer sein. Rotweine werden bei uns leider oft auf Raumtemperatur temperiert, was bei zentralbeheizten Räumen schnell mal 22-23°C bedeutet. Dann schmecken sie nur noch alkoholisch. Furchtbar. Ich halte Rotwein immer im Weinkühlschrank auf 14°C, im Glas werden sie schnell warm.

  5. Das erste Foto ist, was das „Einfangen“ der Architektur angeht, besonders schön! Was verstehn die Schweizer unter „Hospiz“ für Mönche? Schöner Sonntagsausflug auch iVm den Kommentaren: Bio-Bauernhof, Blumenfeld, Kinderspielplatz!
    Apropos Farbanstrich: Dein Häuschen will (nachvollziehbar) einfach nicht von Dir lassen 😉

  6. Dass Muri schon lange auf meiner Liste der begehrten Reiseziele steht, hat außer der Architektur noch einen anderen Grund. Zwei bis drei Orgeln sind in unseren norddeutschen Patrizierkirchen immer mal wieder zu finden, auch gut erhaltene historische Instrumente. Aber fünf Orgeln, das muss ein ganz besonderes Erlebnis sein.

  7. @Rosa: Danke, wünsche ich auch Dir !

    @Sivie: bei euch herrscht das Wort, hier das Bild 😉

    @Christine: hospitium = Herberge. Ich hab das Hüttchen auch ein wenig vernachlässigt, bloghalber. Am Montag noch 2 kg Farbe drauf, dann wird es den nächsten Winter wieder aushalten.

    @bee: für die Marienvesper wurden die Sänger auf die Emporen aufgeteilt, das hat wundervoll getönt.

    @Jutta L.: bei mir ist es gerade umgekehrt. Wenn ich in Rom die Türe einer Barockkirche in der Hand hatte, schlug ich sie naserümpfend gleich wieder zu. Barock. Die braunen, dunklen Tuffsteine der altrömischen Basiliken sind wundervoll.

    @Nathalie: wenn nur deren Lagrein Riserva nicht so rar wäre. Ich bekomm ihn selten.

  8. Von innen gefällt es mir ja gar nicht, weil ich dieses überladenen Barock nicht leiden kann, aber von außen ist es wirklich eine perfekte Schönheit, eime eigenartige Mischung zwischen dem gedrungenen Kuppelbau und den nadelspitzen Türmen. Da haben die relativ runden Fenserbögen schon eine kleine Tendenz zum Spitzen, zum Gotischen. Alles in allem von außen ein Augengenuss.

  9. @april: Barock mag ich auch nicht besonders, aber wenn die fröhliche Feierlichkeit so wirkungsvoll inszeniert ist, schau ich mir sie gerne an.

    @Nathalie: Danke, ich hab eben noch einen Anbieter im Internet gefunden, mal sehen, ob der liefern kann.

    @Buchfink: insgesamt sind es 4 Spitzen, die in den Himmel ragen.

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