Archiv der Kategorie: Besuch in..

CH-1163 Etoy

2021 wird vielen Winzerinnen und Winzern als katastrophal schlechtes Jahr in Erinnerung bleiben. Im Waadtland, wie an manch andern Orten in der Schweiz, führten heftige und häufig wiederkehrende Niederschläge zu riesigen Ernteausfällen. Der falsche Mehltau war nur schwer unter Kontrolle zu kriegen, denn bei Regen können Fungizide kaum ausgebracht werden, weil sie gleich wieder abgewaschen würden.

Dass man mit Intelligenz und akribischem Einsatz auch schwierige Zeiten überwinden kann, beweist unser (Einkaufs)-Besuch bei Marco, einem befreundeten, passionierten Winzer.

Wir verbanden unseren Besuch im Waadtland mit einem Malakoff-Essen. Frau H. kannte die regionalen Käsebeignets noch nicht, inzwischen ist auch sie davon begeistert. Während der Coronazeit hatte ein Wirt die geniale Idee, vor der Türe seines über Wochen geschlossenen Restaurants einen Tiefkühler aufzustellen, in welchem er vorgebackene, tiefgekühlte Malakoffs take-away anbot. Aufzuwärmen im Backofen. Wir haben sie probiert. Toll. Handeln statt Jammern.

Danach fuhren wir zu Marco. Die 4000 Flaschen Merlot und Chasselas, die er jährlich produziert, heimsen Jahr für Jahr Medaillen ein. Die produzierte Menge ist jedoch zu klein, um Werbung dafür zu machen. Zu gross ist die Nachfrage.

In seinem originalen 1943-er Jeep fuhr er uns in seinen Rebberg. Rundum waren viele Rebberge bis zu 100% von Mehltau verwüstet. Sein Rebberg hingegen: ein Oase. Sein Merlot (dessentwegen er von den Nachbarn anfangs belächelt wurde), steht Ende September in voller Pracht da. Noch ein paar Sonnentage, dann kann geerntet werden. Dasselbe gilt für den Chasselas, dieser mit bewusst dichter gehaltener Laubwand.

Merlot
Chasselas

Marcos Erfolgsrezept:
Zum Einsatz kommen nur die für den biologischen Weinbau erlaubten Kupfer und Schwefelbrühen. Keine synthetischen Pestizide und Herbizide.
Halbierung der Konzentration der ausgebrachten Kupfer- und Schwefelbrühe, dafür etwas häufigere Spritzeinsätze.
Tägliche Kontrolle des Rebzustandes und konsequente Eliminierung befallener Pflanzenteile bereits im Anfangsstadium.
Der Rebsorte angepasste Laubarbeiten, die zu einer lockeren, luftigen und schnell abtrocknenden Laubwand führen.
Begrünung des Bodens.
Die erste Reihe überlässt er den mutigen Vögeln, ein zentral aufgestellter Lautsprecher mit Raubvogelkreischen hindert sie am tieferen Vordringen in den Rebberg.

Zwei kleine Beispiele für: Think positive & positive things will happen…

Gougères jurassiennes fürs Dorffest

Dorffest. Fête du village. Von und für die knapp 60 Einwohner, die in unserem Weiler wohnen. Wer mag, bringt selbstgemachte Esswaren an die Mitbringparty bzw. das Buffet canadienne, wie man das in der französischsprachigen Schweiz nennt. Die Dorfstrasse wird gesperrt. Das Kreuz am Brunnstock trägt Bunt. Der Dorfbrunnen kühlt die Getränke. Wir entschieden uns, Cougères jurassiennes herzustellen. 170 gleichmässig geformte Brandteigkugeln mit jurassischem Käse (Roche d’or der Bio Ferme la Vaux) und Jurawein. Gefüllt mit Bio-Kräuterfrischkäse. Zum Schluss musste ich als Einstand in die Dorfgemeinschaft noch als Feuerspeiender Drache auftreten. Wohl eine Art Initiationsritus, den ich jedoch ohne Verbrennungen überlebte.

Zutaten und Zubereitung

Pâte à choux salée – Salziger Brandteig

Mengen für ca. 85 Stück
50 g Jurassischer Savagnin, (ersatzweise ein anderer trockener Weisswein)
3-4 Eier (evtl. 3 Eier + 1 Eigelb)
1 Prise Zucker
1 Prise Salz
1 Prise Muskatnuss
85 g Butter
125 g Mehl Type 405, gesiebt
100 g Roche-d’Or (ersatzweise Gruyère). Grob reiben oder feinst würfeln.

(1) 150 g Wasser, Weißwein, Salz, Zucker, Muskatnuss und die Butter in einem Topf aufkochen. (L.: in der Rührschüssel der Kenwood Cooking Chef, K-Haken, Stufe 4, 110 °C .
(2) Sobald die Flüssigkeit kocht, Mehl im Sturz zugeben und mit einem Holzlöffel bei reduzierter Hitze solange kräftig rühren, bis sich der Teig vom Topfboden löst und eine weisse Schicht bildet. (Cooking Chef: 5 Minuten bei 100°C, dann Temperatur abstellen).
(3) Weiterrühren bis der Teig eine Temperatur von ca. 60°C aufweist.
(4) Ofen auf 220 °C Umluft vorheizen.
(5) Eier in kleinen Portionen nach und nach in den Teig rühren bis ein glatter und glänzender Teig entstanden ist . Danach den geriebenen Käse in den Teig rühren.
(6) Teigmasse in einen Spritzbeutel füllen und etwa 3 cm grosse Häufchen mit Abstand auf ein mit Backpapier belegtes Blech setzen. In den Ofen geben und Temperatur sofort auf 190°C reduzieren. Backzeit etwa 20 Minuten. 


oder L.: in 3 cm sphärische Silikonformen (48 Stück pro Form) füllen und glatt verstreichen. Formen 2-3 Stunden im Tiefkühler gefrieren.
(7) Aus der Form nehmen, auf ein mit Backpapier oder mit Silpatmatte belegtes Blech legen und im Ofen backen.

Kräuterkäse

200 g Frischkäse
3 TL Zitronensaft
3 EL fein geschnittenene Schnittlauchröllchen
3 EL frischer Liebstöckel und Origano
2 Knoblauchzehen, gepresst
Salz, weisser Pfeffer

Alle Zutaten mischen. Abschmecken.

Finish

Cougères seitlich einschneiden, einen TL Kräuter-Frischkäse in die Hohlräume streichen und wieder verschliessen.

Die Cougères sollten frisch zubereitet werden, halten sich aber (ohne Füllung !) ein paar Tage im Kühlschrank oder können tiefgefroren werden. Sie müssen dann aber vor Verwendung bei 140°C ca. 10 Minuten im Ofen aufgebacken werden.

Die Idee mit dem Gefrieren der sphärischen Branteigkugeln stammt vom amerikanischen 3-Sternekoch Thomas Keller (The French Laundry).

Bilder vom Dorffest

Für bunte Beleuchtung ist gesorgt
Die wundersame Verwandlung von Wasser zu Wein und Bier
le village et ses habitants
L. als feuerspeiender Drache.

Märkte an der Drôme II

So kurz die Woche in der Drôme war, reichte sie doch, neben Wandern und Essen auch noch die malerischen Märkte in den naheliegenden Orten am Flüsschen Drôme zu besuchen.

Den Anfang machte der Sonntagsmarkt in Seillon. Buntes Marktgeschehen, viel Tand und Krempel neben Brot, Käse und Gemüse.

ein Einkaufskorb musste her.

Langes Anstehen vor dem Bäcker aus Beaufort verheisst gutes Brot.

Nougat: gut gegen Zucker- und Eiweissmangel.

Dienstagmorgen: Crest. Nach 20 Minuten intensivster Denk- und Programmierarbeit gelang es uns, nicht zuletzt dank reger Anteilnahme und Mitwirkung der einheimischen Bevölkerung, die vielfältigen elektronischen Zahlhürden des Parkplatzes zu meistern und den der Stadt geschuldeten Obulus loszuwerden. Im 52 m hohen Bergfried des Städtchens waren früher Protestanten eingekerkert, wir sehen ihn mit den Augen eines unbekannten Fotografen.

Der kleine Dienstagsmarkt verteilt sich in die Gassen der Altstadt. Kleiner als der grosse Samstagmarkt geht es am Dienstag ruhiger her und zu und mit wenigen Touristen. Das Plakat sah ich schon vor etwa zehn Jahren auf einer Aufnahme von Micha.

Blickfang.

Kein Markt ohne frische Eier.

Vorzüglich der Picodon bleu dieses Händlers, der uns der Vordermann in der Warteschlange anempfahl.

In jeder Ecke hat es Platz für eine Kaffeebar.

Mittelalterliche Schwibbögen halten die Häuser zusammen (arc diaphragme)

Dem Römer Petersdom nachempfunden: Die neo-klassizistische Kirche Saint Sauveur)

Mittwochmorgen: Markt im Schatten der Kathedrale von Die. In der Fromagerie kauften wir uns wunderlich-winzige ravioles du dauphiné, die ich zuhause auf den Nachkochplan nehme.

Die Kartoffeln kommen hingegen von der Atlantikküste.

Buntes Treiben, gestapelt.

Abgepackt.

Licht unter Platanen und Sonnenschirmen.

Stuhlflechten, ein Handwerk mit Tradition (Jonc-Sitzflächen)

Drôme, Teil I

Anfang Juni war es soweit, beide waren wir geimpft, die französische Bürokratie mit ausgefüllten Formularen und negativen PCR-Tests zufriedengestellt, die Grenze offen. Die von Micha versprochenen Wolken vorhanden. Der Himmel zunächst leicht verhangen, dann Tag für Tag sonniger, gegen Ende der Ferienwoche flaute der Mistral ab, um frühsommerlicher Hitze Platz zu machen.

Zuweilen ballen sich die Wolken zu winkenden Teddybären zusammen

oder kokettieren mit bemalten Hauswänden, wie hier in Chatillon-en-Diois

Gigors liegt unterhalb eines steilen Felsmassivs, bewacht von den Resten einer mittelalterlichen Burg, hoch über einem hügeligen Tal

Die preisgekrönten Croissants „meilleur croissant de France 2021“ aus Mirabel-et-Blacons mit der schönsten Aussicht von Gigors.

Für foodies sind die lokalen Märkte sehenswert. Hier der Blick in die Kiste mit Chèvre bleu auf dem Mittwochsmarkt in Crest

Die Gegend ist reich an Naturschönheiten und ladet zwingend zum Wandern ein.

Zahlreiche Badestellen verheissen Kühlung. Der Biber in der rechten Ecke ist kein Biber (Castoridae) sondern der mutigere unserer beiden Norwich-Terrier.

oder man wandert in den Schluchten des Omblèze und lässt sich von den cascades „la pissoire“ von oben benetzen. Die 72 Meter hohe Cascade de la Druise war leider wegen verunfallter Wanderer gesperrt.

Orchideenfreunde brauchen sich nur zu bücken um schönste Exemplare zu finden. Hier eine Orchis purpurea (Purpur Knabenkraut)

oder eine Orchis italica (italienisches Knabenkraut). Aufgenommen von Frau H. , Blumenfotografie ist ihre Domäne.

Wildblumen wuchern um die Wette (Lonitsera periclymenum)

und wer des Wanderns, Kletterns, Suchens und Bewunderns müde ist, macht eine Siesta, wie diese Katze vor der Épicerie in Beaufort-sur-Gervanne

Und Siesta machen macht Hunger. Entweder bescheidene Curry-Suppe in der Ferienwohnung

oder ein grandioses Essen in zehn Gängen im Gourmet-Restaurant der Anne-Sophie Pic in Valence. Spiegelselfie mit Frau H.

Die amuse bouches, die im neu gestalteten Garten serviert werden.

oder ihr signature dish: Berlingots, gefüllt mit Banon Ziegenkäse in einer Matcha-sauce mit Kresse.

Kurzum: eine tolle Woche.

Dank an die Gastgeber Micha und Fried. Gerne wieder. Künstlerisch anspruchsvolle Fotos der Drôme findet man unter grain de sel.

Winter & Salat oder umgekehrt

Erst der Salat, zum Schluss der Winter. Zugegeben, ich habe schon aufwendiger gekocht, aber in meiner jetzigen Situation als Alleinesser muss es schnell und einfach und nach unten skalierbar gehen. So ist mein derzeitiger Lieblingssalat kein Ausbund an Originalität (ich vermute, seine Wurzeln hat er irgendwo zwischen Coop oder Migros) doch so, wie ich ihn heute zubereite, kriegt er die Ohrmarke „L.“ und gilt bei mir als Hauptmahlzeit. Fragt sich bloss, wo der Salat seine Ohren hat.

Zutaten und Zubereitung


Mengen für 4 Personen, für 1 Person nach Belieben weniger

1 Trevisano, chiffoniert
1 Birne (zB. Kaiser Alexander), ohne Kernhaus in kleine Spalten geschnitten
50-100 g Fourme d’Ambert, ersatzweise ein anderer, passender Bleue Käse (Roquefort, Bleu d’Auvergne etc.), in kleine Stücke geschnitten
1 Handvoll Baumnüsse (Walnüsse), aus dem Jura (Séprais) geviertelt
Olivenöl
Birnenbalsamessig, Gölles (ersatzweise ein milder Apfelessig, mit etwa 1/3 Birnensaftkonzentrat (Birnel) gemischt. Nicht ganz dasselbe, schneidet aber im direkten Vergleich gut ab).
Salz
Pfeffer

Das wars schon mit Salat.

Der grosse Schnee in Basel

Nach dem ersten und einzigen genehmigten Besuch am Spitalbett von Frau L. spazierte ich durch den zuckrig verschneiten Kannenfeldpark, ein ehemaliger Friedhof, nach Hause. Der Park ist mit 9,1 Hektaren die flächenmässig grösste Grünanlage von Basel. Hier ein paar Impressionen:

Gang entlang der Hauptachse.

Ein gelb-grüner Schneeherabschüttler an der Arbeit. Heissen die so?

Der lachende Riese (oder Mädchenschreck?), Skulptur von Markus Böhmer, 1990

Was vom Herbst übrigblieb…

Eindeutig ein Schnee-Mann (wegen der Krawatte)

Das Kreuz mit dem Beton bzw. Das Kreuz aus Beton. Antoniuskirche, erbaut 1925-27

Frau L. darf nach 4 Wochen Spitalaufenthalt am kommenden Freitag auf ihren dringenden Wunsch vorzeitig nach Hause. Heimwehkrank. Sie weiss zwar nicht mehr, wo „daheim“ ist. Gezeichnet, hinfällig, erschöpft an Leib und Seele. Wirr. Aber ich gebe nicht so schnell auf. Mit dem Schicksal habe ich noch nicht abgeschlossen.

Dijon IV: Abseits des Doubs (35)

Zweite Reise nach Dijon. 09.10.2020. Kurz vor dem erneuten confinement in Frankreich. Ohne Regen zu Besuch bei Johann Ohnefurcht. Dem gottesfürchtigen Herzog, der auf dem Headerbild neben seiner bayerischen Gattin das eigene Grabmal schmückt. Zuvor noch einmal in die Markthalle, auch diesmal wieder ein betörender Anblick.

Dijon Markt 20201009_100908

Welcher Jambon persillé darf mit in die Kühltasche? Letztlich hab ich mich für den Jambon einer boucherie entschieden, die dafür schon mehrere Preise gewonnen hat. Denn im Burgunds gibt es für alles und jedes eine Brüderschaft, für den Jambon die Confrèrie des Chevaliers de St. Antoine, die einem die Qual der Wahl mit einem jährlich verteilten Medaillensegen abnimmt.

Vor der Halle reges Treiben. Die billigsten klinischen Masken sind für 5 € pro 50 Stück zu haben. Die Schweizer Preise lassen grüssen.

Dijon Markt 20201009_122134

Vor der Kunst noch zu Besuch bei der mittelalterlichen Eule, die will gestreichelt werden, bevor sie Wünsche erfüllt. „Caresser la chouette“ nennt man das hier.

Dijon chouette 20201009_102439

Danach ins Musée des Beaux-Arts, eines der ältesten Museen Frankreichs. Es befindet sich im Ostflügel des Palais des Ducs de Bourgogne. Modern eingerichtet. Kostenlos zugänglich, beherbergt es Kunstwerke aus altägyptischer Zeit bis zum 20. Jahrhundert. Schwerpunkte sind die burgundische Kunst des Spätmittelalters, französische Skulptur und Malerei des 17., 18. und 19. Jahrhunderts sowie Werke regionaler Künstler.

Begrüsst wird man im Treppenhaus von Moritz von Sachsen (1696–1750), Maréchal de Saxe, illegitimer Sohn von August dem Starken, der ab 1720 als Brigadegeneral in französische Militärdienste trat und 1747 -oberste Sprosse seiner Karierre- zum Maréchal général des camps et armées du roi befördert wurde. Unbesiegt eine Legende. 1745 überliess ihm der König Schloss Chambord zu lebenslanger Nutzung. Die jedoch nur noch 5 Jahre dauerte.

Dijon Maréchal de Saxe 20201009_104643

Beeindruckend ausdrucksvoll der schlafende Johannes (Saint Jean dormant), eine Holzskulptur um die 1515, geschnitzt vom deutschen Bildhauer Martin Hoffmann, der 1507 das Basler Bürgerrecht erwarb, sich hier mangels Aufträgen neben der Bildhauerei auch als Schreiner durchschlagen musste.

Dijon St Jean Endormi 20201009_105014

Im grossen Salle des Gardes des Herzogspalastes stehen heute die Prunkstücke der Sammlung, die Grabmale zweier Herzöge des Burgund, die nach der französischen Revolution aus der Chartreuse de Champmol hieher umplatziert wurden.

Dijon Salle des Gardes 20201009_110143

Philipp II le Hardi, der Kühne +1404 gab sein Grabmal bei seinem Hofkünstler Jean de Marville gleich selber in Auftrag. Während 25 Jahren arbeiteten daran nacheinander weitere Künstler der Werkstatt, u.a. Claus Sluter, der geniale niederländischen Bildhauer der Gotik. Hervorzuheben sind die Arkaden des Sockels mit dem Cortège von 41 naturalistisch dargestellten Trauernden (pleurants). Was Jan van Eyck (ebenfalls burgundischer Hofkünstler) für die Malerei, war Sluter für die Bildhauerei.

Dijon Phlilipp Le Hardi 20201009_110003

1443 gab Philipp III le Bon, der Gute (+1467), ein weiteres Grabmal für seinen Vater Jean sans Peur (Johann Ohnefurcht +1419, ermordet) neben dessen Gattin Margarethe von Bayern in Auftrag. Das Kunstwerk sollte sich im Stil am älteren Grabmal orientieren. Auch daran arbeiteten verschiedene Künstler bis ins Jahr 1470.

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Prunkvoll auch die 3-flügligen Altaraufsätze aus der Chartreuse de Champmol.

Dijon Flügelaltar 20201009_105341

Älteren Eidgenossen noch gut bekannt ist der Sohn Philipps III des Guten: Karl der Kühne, le téméraire (1433-1477), auf dem Bild gerade mal 14 Jahre alt. Allzu kühn, allzu hochfahrend, allzu machtgierig verlor er sein Leben im Krieg mit den Eidgenossen. Schade um das Herzogtum. Europa würde heute anders aussehen, hätte sich Burgund gegen Frankreich behaupten können.

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Stundenlang kann man sich in diesem Museum durch alle die räumlich separierten Kunstepochen bewegen. Ein Gewinn, der nach Wiederholung ruft.
Trotz der vielen Kunst im Kopf erinnert mich der Gang durch die leere Palastküche an meinen vom vielen Laufen leeren und flauen Magen. Der wohlgekühlte Schinken bleibt im Garderobenkasten des Museums eingeschlossen.

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Der eine oder andere Ort wenig einladend, auch das gibt es, setze ich mich müde gelaufen und hungrig in dasselbe Lokal wie schon beim ersten Besuch. Zu „Jambon persillé“ und „L’emblematic volaille de Bresse“ mehr oder weniger selon la mère Blanc. Gute Bistroküche.

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Nach dem Mittagessen ziellos Umherschlendern. Wieder mit dem Schinken und Kühlakkus im Gepäck. Meteorwasser fliesst auch aus herzoglichen Dachabflüssen standesgemäss in den Gully.

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Neogotische Garagentore, blaue Pigmente waren im Mittelalter gesucht, schwer zu beschaffen und entsprechend teuer. Das gilt hier wohl nicht. 

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Alle Wege führen in Frankreich in die Präfektur.

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Hier lässt sich gut wohnen. Falls sie frei wird, erhebe ich Anspruch auf die Wohnung mit dem Viertelsbalkon. Hotel Legouz de Gerland.

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Am südlichen Rand der Altstadt liegt der Couvent des Bernardines. Das Kloster wurde im 17. /18. Jahrhundert gegründet um der Gegenreformation Auftrieb zu geben. Die zuvor desorganisierten, verstreuten Zisterzienserinnen wurden hier untergebracht. 1792 vertrieb die Revolution die Bernardinerinnen (deutsch mit h) aus dem Kloster. Der Staat beschlagnahmte den Besitz, konnte das Kloster aber nicht verkaufen. Heute beherbergt es das ethnologische Musée de la vie bourguignonne. In der Kirche ist das Musée d’Art sacré de Dijon untergebracht

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Der Kreuzgang des ehemaligen Bernardinerinnenklosters

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Herbst, auch an den Wänden.

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Herbstliche Wandkunst in Dijon

Am späten Nachmittag fahre ich mit dem Bus noch in die etwa 3 km südwestlich des Bahnhofs vom Zentrum entfernte Kartause von Champmol, ein riesiges Gelände, heute eine ummauerte, psychiatrische Anstalt. Herzog Philipp II der Kühne wünschte sich eine Nekropole, ähnlich wie sie die französischen Könige in Paris in Saint-Denis hatten. 1378 wurde mit dem Bau begonnen. Kirche, Konventsgebäude, Wirtschaftsgebäude, 24 Mönchszellen umgeben von einem grossen Kreuzgang. 10 Jahre später waren die Bauten fertig. Am zentralen Brunnen samt der längst zerstörten Kalvarienbergsdarstellung mit Christus am Kreuz, Maria, Johannes und Magdalena zu Füßen wurde bis 1405 gearbeitet. Die Kirche wird derzeit restauriert, ist geschlossen. Nur der Brunnen, seit dem 16. Jahrhundert in einem Glashaus geschützt, ist zu besichtigen. Sechs Prophetenfiguren (Moses, David, Jeremia, Sacharja, Daniel, Jesaja) stehen auf dem hexagonalen Brunnensockel. Ein Werk des Bildhauers Claus Sluters. Auffallend die (zufällige) Ähnlichkeit einzelner Figuren mit den rund 100 Jahre früher entstandenen Pendants von Michelangelo.

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Links seitlich: Moses, Mitte:David. Rechts seitlich: Jeremia mit dem Buch
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Links seitlich: Daniel, Mitte: Jesaja, Rechts seitlich: Moses

Die Anstaltsküche sah nicht aus, als ob sie mich bewirten wollte. Dann halt ohne Nachtessen zurück zum Bahnhof.

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Mein Jambon wird, ebenso wie meine Beine, immer schwerer, müde erreiche ich abends mit einer Stunde Zugsverspätung Basel. Am folgenden Tag „koche“ ich den Jambon. Mit einer aus dem Pré aux Clercs nachempfundenen Senfsauce. Essen wie Gott in Frankreich, aber Zuhause. Ich sollte mich mal an einen Jambon persillé wagen. An Rezepten fehlt es mir nicht.

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Wie lange das noch dauern wird, bis ich wieder einmal nach Dijon komme?

Wandkunst

Jede Velofahrt durch Basel lässt mich neue Kunstwerke entdecken. So wurde die Mauer des Schlachthofs Ende August während eines von @urbanekunst organisierten Jam „Change of Colours“, neu gestaltet. Internationale Streetart-Grössen sprayten und malten auf einer Fläche von ca. 800m2 drei grosse Murals.

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Das Headerbild „Home Sweet Home“ von @artofbust mit einem Bildzitat von Andy Warhol.

Der Blumenstrauss mit Spraydose von @bane und @chromeo.paintings. Darunter kleinere Normalformate anderer Künstler.

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Eine der ätherischen freestyle Schönheiten von @mrcenzone.

Murals 20200922_154130

Nicht weniger beeindruckend auch einzelne -nicht alle- der unter den 3 grossflächigen Wandbildern angebrachten „Miniaturen“, die insgesamt Flächen über weitere 200 Laufmeter füllen.

„La vie est belle“: Kälber, die künftigen Würste der Firma Bell von pollo 7 @p.ll.7

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Mein Lieblingsmaler fafa mit dem Bild „La vida puede ser bella“ @rafaelmarquezceldran. Am event teilnehmende Künstler beim Verzehr von hotdogs (nach einer ein paar Tage zuvor aufgenommenen Fotografie). fafa als Zweiter von links mit auf dem Bild.

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Auf der Heimfahrt gleich nochmal fafa am Auslaufbauwerk des Abwasser-Dükers, der unter dem Rhein durchführt (Bildteil rechts) in Kollaboration mit @davidbuckinghamart (Bild links)

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auf der Hinterseite des Baus das Thema Abwasser: Küchenspüle von @emiliocerezo beidseitig eingerahmt von Saugglocken (Pömpel), wiederum von Pollo 7.

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Leider scheint das ungeschriebene Gesetz, wonach künstlerisch wertvolle Spraykunst nicht überschmiert werden darf, heute nicht mehr zu gelten. Die Spraydosenrache unberücksichtiger Stümper?

Dijon III: Abseits des Doubs (34)

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Dijon: Place de la Libération mit Blick auf die Cathedrale Saint-Michel

Heute fröne ich wieder einmal der Geschichte. Uninteressant für die meisten Leser. Also bitte wegklicken! Bevor die Dame im Headerbild mit der historischen Keule zuschlägt.

Noch eine halbe Runde um das Halbrund des Platzes. Die zuführenden Strässchen öffnen neue Blickachsen auf den Platz.

Aus dem Herzogtum Burgund, der Freigrafschaft Burgund und der Grafschaft Flandern, die er geerbt hatte, formte Philipp der Gute (1396-1467) ein einheitliches Staatsgebilde von Gebieten beiderseits der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Dabei versuchte er, sich von der Lehenshoheit des französischen Königs bzw. des römisch-deutschen Kaisers zu lösen. Philipp schloss eine Allianz mit England, dem Erzfeind Frankreichs (im Kontext des Hundertjährigen Krieges). Der kriegerische Konflikt zwischen Frankreich und Burgund endete erst 1435 mit dem Vertrag von Arras. Burgund erhielt einige zusätzliche Gebiete und wurde faktisch zu einem unabhängigen Staat.

1465 übergab Philipp der Gute alle Regierungsgeschäfte an seinen Sohn Karl, der die Politik sowie den überschwänglichen Luxus und die Prachtentfaltung seines Vaters fortführte. Legendär waren u.a. die berühmten Tapisserien, die der Herzog zu jeder Gelegenheit anfertigen ließ. Aus der Burgunderbeute von Grandson sind einige dieser für die damalige Zeit sehr luxuriösen Wandteppiche erhalten und im Berner Historischen Museum zu besichtigen.

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Dijon: Rue Vauban

Der Konflikt mit Frankreich entflammte von Neuem. Karl schloss ein Bündnis mit Eduard IV. von England zur Eroberung Frankreichs, Ludwig XI. verhandelte mit dem deutschen Kaiser, den Habsburgern und der Eidgenossenschaft. Karl verstrickte sich in erfolglose Kämpfe, überwarf sich mit Sigismund von Österreich und den Eidgenossen. Das Intrigennetz des französischen Königs zog sich zusammen. Die Burgundischen Söldnerheere wurden von den durch Ludwig mit Geld verführten Eidgenossen geschlagen. Karl liess dabei sein Leben.
Nach seinem Tod zog der französische König das Lehen des Herzogtums Burgund wieder ein, das fortan zur französischen Domaine Royale gehörte. Im Frieden von Arras (1482) erhielt Frankreich dazu die Freigrafschaft Burgund, Artois, die Picardie, Ponthieu, Boulogne, Vermandois und Mâcon. Während Maximilian Flandern und die übrigen Besitzungen Karls im heutigen Belgien und den Niederlanden erhielt. 

Der Herzogspalast wurde danach zeitweise von den französischen Königen als Residenz genutzt. Später auch durch die Gouverneure der Provinz.

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Dijon: Rue du Palais

Pompöser Kulminationspunkt der Rue de la Libération ist die Opéra de Dijon. Wegen Covid derzeit noch geschlossen.

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Dazu passt ein Blick ins Musée Rude, einem kleinen Annex des Musée des Beaux-Arts mit den Werken, bzw. Gipsabgüssen des Dijonnaiser Künstlers François Rude. Hier die moulage des vom Arc de Triomphe in Paris bekannten „Départ des Volontaires de 1792„, La Marseillaise, 1938 vom Staat in Gips gegossen, da man damals befürchten musste, dass der Triumphbogen in Paris während des erwarteten Krieges zerstört werden könnte.

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La Marseillaise: in Gips wirken kriegende Weiber hässlich
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Rue des Forges: Hôtel Aubriot

Wozu die hochmütig herabblickende, weibliche Schildhalterin am Hôtel Aubriot in der Rue des Forges ihre Keule trägt (siehe Headerbild), erschloss sich mir erst zuhause nach Recherchen. Erst dachte ich an ein Emblem, das die soziale oder politische Stellung des Hausbesitzers symbolisch oder real charakterisieren soll. Das Hôtel Aubriot steht auf einem alten Gebäude des Namensgebers aus dem 13. Jahrhundert. 1739 wurde es vom Staat gekauft und darin die Gerichtsbarkeit des Präsidialamtes untergebracht. Die beiden weiblichen Schildhalterinnen repräsentieren die Gewalt und die Gerechtigkeit.

Bei der Strassengabelung der Rue Jean-Jaques Rousseau mit der Rue Auguste Comte trifft man auf eine hübsche trompe l’oeil Wandmalerei als bildhafte Fortsetzung der Bäume des kleinen Platzes. Versteckt hinter einem Schuppen ein weisser Kopf in Carraramarmor mit rotem Halstuch. Den kennen wir doch?? Tatsächlich: Giuseppe Garibaldi. Was der Haudegen in Dijon zu tun hatte?

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1870/71, während des Deutsch-Französischen Krieges, stellte Garibaldi ein italienisches Freischärlerkorps zusammen. Er griff damit in Burgund gegen die Deutschen ein, um die neue Französische Republik zu unterstützen. Er blieb in 3 Schlachten um Dijon ungeschlagen aber doch erfolglos, konnte den Durchmarsch der Deutschen in die südlich gelegenen, burgundischen Weinkeller der Côte-d’Or stoppen, aber weder den Kriegsverlauf noch den Waffenstillstand oder die Kapitulation beeinflussen. Vom Waffenstillstand wurde der Südosten mit Dijon übrigens ausgeschlossen. Die Rache der Preussen wegen entgangener Weinfreuden.

Und zum Abschluss noch eine schöne Türe. Closed. Dann halt „Prima le parole, e dopo la musica“ Und Abschluss schon gar nicht. Nein, nach Dijon muss ich wieder. Zur (bisher) Schönsten der Schönen.

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Quellen: wiki diverse

Dijon II: Abseits des Doubs (33)

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Dijon: Hõtel de Berbis

28.08.2020: Dijon regennass.

Die Église Notre-Dame aus dem 13. Jahrhundert mit ihrer seltsamen Westfassade kann nicht übersehen werden. Drei Arkadengeschosse und drei Reihen merkwürdiger Wasserspeier, Grotesken, Menschen, Tiere und Monster darstellend (siehe Headerbild). Schon 1240 wurden die Speier wieder entfernt und erst im 19. Jahrhundert -ihrer Funktion beraubt- als Dekoration neu geschaffen und wieder eingesetzt. Die Fassade ist flankiert von zwei säulenartigen, runden Türmen.
Hinter der Kirche Notre-Dame hat ein Steinmetz im 15. Jahrhundert eine Chouette (Eule) auf einem Strebepfeiler verewigt. Streichelt man mit der linken Hand die Eule und legt die rechte Hand aufs Herz, erfüllt sich einem ein Wunsch. Gewiss ein Herzenswunsch. Das muss sein. Kein einfaches Unterfangen, wenn die dritte Hand den Schirm, die vierte das Fotohandy halten, die fünfte Hand das Desinfektionsmittelfläschchen danach öffnen und die sechste Hand der fordernden Bettlerin einen € spendieren sollte. Deshalb kein Bild von der Eule.

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Moutarderie Edmond Fallot

Gleich dahinter der Laden der Moutarderie Edmond Fallot, die aus kanadischer Senfsaat in ihrer Mühle in Beaune Moutarde de Dijon erzeugt und im 2014 eröffneten Laden in einem historischen Dijoner Fachwerkhaus aus dem Jahre 1483 verkauft. In gefühlten 100 Geschmacksrichtungen. Ich kaufe das, was der Bauer kennt: 2 Steinguttöpfe mit Dijonsenf als Mitbringsel.

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Dijon: Moutarderie Edmond Fallot, grün oder rosa?

Nieselregen fegt die Strassen leer. Nicht ganz. Di-Do-FR-Sa ist Markttag.

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Dijon: La Pharmacie Croix blanche mit ihren magistralen Präparationen. Ein Paradies für Quacksalber

In einzelnen meiner Bilder dominieren Einkaufswägelchen die dahinterliegenden Hôtel particuliers (Herrschaftshäuser). Kein Wunder, denn Lebensmittelgeschäfte gibt es in der Altstadt kaum. Alles ist in der Markthalle und drumherum konzentriert. Leben in Lebensmitteln.

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Dijon: Hôtel de Vogüé
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Dijon: Rue Verrerie. Mittelalterliche Fachwerkhäuser
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Dijon: Hôtel Aubriot
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Dijon: Rue de la Chouette

11 Uhr. Markthallen erzeugen Hungergefühle: Hallenhunger. Nach soviel totem Getier ist mir eher nach etwas Leichtem: das Telefonat mit dem Origine von Tomofumi Uchimura leider erfolglos: heute ausgebucht. Denselben Bescheid erhalte ich im Loiseau des Ducs, einer Filiale aus dem Imperium des Bernard Loiseau, der 2003 nach der Herabstufung durch Gault-Millau und Michelin aus dem Leben schied. Ein weiteres Restaurant meiner Wahl (L’un des Sens) ist geschlossen, öffnet erst im September. Na dann, lassen wir uns treiben. Ich finde immer etwas Essbares.

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Dijon: Place de la Libération. Im Hintergrund der Palais des Ducs de Bourgogne 14. 15. und 18. Jhdt. samt Turm, erbaut unter Philip le Bon (1450-1460)

12 Uhr: Place de la Libération. Wasserspiele, im Hintergrund der herzogliche Palast. Mit dem Bau wurde 1364 unter der Herrschaft Herzog Philipps II (le Hardi) begonnen, der in seiner Dynastie der Valois die jüngere Herrschaft Burgund begründete. Die heutige Anlage wird durch einen 52 Meter hohen Turm überragt, der in der Regierungszeit Philipps III des Guten (1419-1467) errichtet wurde. Die meisten der heute sichtbaren Gebäude wie auch der Platz wurden im 17. und vor allem im 18. Jahrhundert im klassischen Stil erbaut.

1799 wurde im Ostflügel anstelle der Privatkapelle der Fürsten von Burgund, der Sainte-Chapelle, das Musée des Beaux-Arts eingerichtet, das neben Gemälden insbesondere die Grabmäler der burgundischen Herzöge ausstellt. Heute befinden sich auch die Mairie, die Touristeninformation, eine Kunsthochschule und das Regionalarchiv im Gebäude.

Im weiten Halbrund vor dem Palast Bistrots und Brasserien. Das Le Pré aux clercs gehört zum Imperium des Georges Blanc, dem 3-Sternekoch aus Vonnas am Ain. Die Sonne bricht zaghaft aus den Wolken. Unter Gartenschirmen lässt es sich draussen tafeln. U.a. ein unglaublich zarter, gut schmeckender Jambon persillée an Senfsauce. Freundlicher Service. Keine schlechte Wahl.

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Dijon: Das Halbrund gegenüber dem Herzogspalast
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Gut gestärkt lässt sich der Nachmittag mit einem Rundgang abschliessen. Wird fortgesetzt.

Quellen: wiki (diverse)

Dijon I: Abseits des Doubs (32)

Steigende Coronafallzahlen in Frankreich, wie überall. Bevor die Grenze wieder unpassierbar wird, wollte ich meinen monatlichen Tagesausflug am 30. August „einziehen“. Regen war angekündigt, doch die Betreuung für Frau L. bereits organisiert. Autofahrten im Regen sind mir zu anstrengend. Dann halt bequem mit dem TGV in die nahe liegende, mir völlig unbekannte Stadt. Ankunft um 9 Uhr in Dijon: es regnet.

Jardin de Darcy

Vorbei am Jardin de Darcy, eine Garten- und Brunnenanlage aus dem Jahre 1880. Die Anlage umschliesst einen 40 Jahre älteren, grossen Trinkwasserspeicher, der durch Ing. Darcy für die Bewohner der Altstadt erbaut wurde. Die Bassins, der Wasserfall, Treppen und Balustraden erinnern ein klein wenig an die Wasserspiele der Villa d’Este in Tivoli/Rom.

Porte Guillaume

Vor der Porte Guillaume, 1788 auf den Fundamenten eines mittelalterlichen Stadttores errichtet, machen Plakate auf die in der Altstadt geltende Maskenpflicht aufmerksam. Es regnet immer noch.

Halles de Dijon

Mit Regenschirm und angenässter Kleidung rette ich mich an der Masken- und Desinfektionswache vorbei in die gedeckte Markthalle. Hier ist es trocken. Und angenehm. Ein Paradies auf Erden. Mein Gott, wie armselig ist unser Basler Markt. Unter dieser von Ingenieur G. Eiffel inspirierten Struktur aus Glas und Eisen findet man alle burgundischen Köstlichkeiten, für die das Land bekannt ist und die einem den Mund wässrig machen: Epoisses, Jambon persillée, Geflügel, Fleisch von Charolais-Rindern, Wein.

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Halles de Dijon
Halles de Dijon: Poulets de Bresse

Geplant und erbaut wurde die Halle auf dem Gelände eines alten Dominikanerklosters in den Jahren 1873 – 1875 durch lokale Ingenieure, inspiriert durch Bauten von G. Eiffel. Fläche: 4.400 m2, Gesamthöhe: 13 Meter. Die Halle ist in zwei Hauptkreuzschiffe mit vier Pavillons gegliedert und beherbergt bis zu 246 Geschäfte.

Halles de Dijon: Le „petit“ Persillée. Immerhin etwa 30 x 20 cm Querschnitt.
Halles de Dijon: Hier scheint alles grösser
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Halles de Dijon: nur mit dem Emmentaler wills nicht richtig klappen
Halles de Dijon: 4 Poissonniers für eine Stadt, die kleiner ist als Basel
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Halles de Dijon: Goûts et Saveurs

Schade, dass ich nicht an eine Kühltasche gedacht hatte. Das passiert mir kein zweites Mal. Trosttee zum Aufwärmen und Trocknen: ein Kännchen vorzüglichen Yunnans, im Le Paï-Sho mit einer grossen Auswahl und zuvorkommender Bedienung durch den Inhaber.

Gegen 11 Uhr bricht die Sonne durch die Wolken, gleich neben den Hallen treffe ich auf Wandkunst, die das Thema der Hallen reflektiert, davor noch mehr Kunst. Kunst der andern Art. Da ich keinen Jambon persillée nach Hause tragen konnte, wollte ich auch keinen weiblichen Torso unter dem Arm mitschleppen. Ohne Schinken und Kunst läuft es sich entschieden leichter. Wird fortgesetzt…

Halles de Dijon: Wandmalerei mit weiblichen Torsi im Regen

Cascades du Hérisson: Abseits des Doubs (31)

Zurück aus Freiheit und Selbstbestimmung in die Tretmühle des Internets. Das Headerbild zeigt die Krone der Gefängnismauer von Lons-le-Saunier. Denn dort war ich Ende Juli nochmals. In der Stadt, nicht im Gefängnis, wiewohl man sich die Frage stellen könnte, ob in einem internetfreien Raum, wie ihn das maison d’arrêt oder ein Kloster bietet, eine andere Art von Freiheit existieren könnte. Müssige Gedanken. Direttissima bis Besançon. Kurz danach hinab zum Doubs. Freudiges Wiedersehen mit dem Fluss morgens um Neune.

Doubs bei Fraisnans

Danach gemächlich südwärts nach Lons. Parken beim Maison d’Arrêt. In der Klosterkirche der Franziskaner (église des cordeliers) liegen die Gräber und Gebeine der Familie Chalon. Für Touristen leider unzugänglich. Also nichts wie raus. Lassen wir dem edlen Geschlecht die ewige Ruhe und wenden uns dem Leben zu: Vis-à-vis eine schöne Haustüre mit der Lieblingshausnummer 22. Daneben locken Schönheiten für die Restauration von Nägeln, Teint und Lippen. Kein Bedarf.

Lons-le-Saunier: Haus Nr. 22

An einer Hauswand präsentiert ein junges Graffito-Mädchen selbstbewusst die Lösung ihrer Mathe-Aufgaben an der Wand. Toll.

Lons-le-Saunier, Graffito

Doch mein Ziel sind die hübschen, kleinbäuerlichen Winzerhäuschen in der Rue de Balerne hinter der Comédie. Die vielen Rebmesser (Hippe, Gertel) in den Türstürzen (schon wieder die Nummer 22!) zeugen davon. Lons gehört zu den Côtes du Jura, wenngleich der Weinbau im Stadtgebiet heute keine Bedeutung mehr hat.

Lons-le-Saunier, Rue de Balerne Nr. 22
Lons-le-Saunier, Rue de Balerne, Pariserbrunnen

Unerwartetes Wiedersehen mit dem Pariserbrunnen aus der Zürcher Bahnhofstrasse. Die meisten dieser teils noch erhaltenen Brunnen stehen in Paris. Sie wurden nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 von dem englischen Mäzen Richard Wallace gestiftet, um armen Menschen Zugang zu trinkbarem Wasser zu verschaffen, da die Wasserversorgung durch die Zerstörungen des Kriegs teilweise unterbrochen war. Die vier gusseisernen Karyatiden verkörpern Einfachheit, Güte, Nüchternheit und Nächstenliebe. Heiss ist es heute 35°C. Doch der Brunnen spendet kein Wasser.

Mich ziehts zum Wasser. Erst an den berühmten Aussichtspunkt „Belvédère des quatre lacs“. Es sind tatsächlich 4 Seen, von mir nachgezählt, doch der Versuch, mich mit allen Vieren auf einem Bild abzulichten, misslang. Mein Arm war zu kurz.

Danach in die schattig-kühle Schlucht der Hérisson-Wasserfälle. Eine imposante Schlucht mit 7 unterschiedlich hohen Wasserfällen und einer gesamten Höhendifferenz von 250 Metern. Die Franzosen feiern Ferien, Corona-bedingt im eigenen Land und viele mit derselben Absicht wie ich. Ich begann die Wanderung von oben, weil ich schon oben war. Die einheimischen Touristen, ganze Familienverbände, unter Masken hochkeuchend, meist von unten. An den vielen Engstellen ist gleichzeitiges Passieren nicht möglich. Warten bis die Familien alle Kinder über die Felsstufen der Schlucht hochgewuchtet haben. Warten, die Grossmutter will auch noch hoch, Warten auf den Nachzügler mit dem Essen und den Campingstühlen. Die ganze Schlucht ein Picque-nique Platz. Im Hochsommer führen die Gewässer der Karstgebirge wenig oder gar kein Wasser. Ich hätte es besser wissen müssen.

Zuoberst, am Saut Girard, dem Beginn meiner Wanderung, tropfen die letzten Tropfen hör- und sichtbar aus dem Fels.

Weiter unten, am Saut de la Forge reicht das Wasser gar für ein dünnes Rinnsal.

Saut de la Forge
Gour bleu

Der 60 Meter hohe Grand Saut war trocken. Ich ersparte mir den weitern Abstieg in die Tiefe, musste ja bei der Hitze wieder rauf, und brach die Übung ab. Gerne nochmals, aber ausserhalb der Feriensaison im März nach der Schneeschmelze.

Le Grand Saut, 60 Meter tief

Die Heimfahrt führt mich über den Ain bei Pont-du-Navoy Richtung Poligny und Arbois. Der Ain übernimmt übrigens das Wasser des Hérisson und mündet Nähe Lyon in die Rhone. Alle Wasser führen zum Meer. Das Leben hat mich wieder.

Pont du Navoy aus dem 18. Jahrhundert

Poligny: Abseits des Doubs (30)

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Belvédère de Crançot: Blick in die Reculée de Baume

Ausreisen bedeutet immer auch Heimreisen. Heimkehr zwingend. Irgendwo in der französischen Provinz zu verweilen, gar zu stranden: unmöglich. Von Lons-le-Saunier umfahre ich auf der D471 den Talkessel von Baume-les-Messieurs Richtung Schweiz. Bei Crançot bietet sich ein schöner Blick ins Tal. Und warum nicht gleich nochmals hinunterfahren. Ich bin noch nicht fertig hier. Mit einem Abstecher nach Granges-sur-Baume, wo mitten im Dorf ein Aussichtspunkt samt angeschlossener Laiterie mit Butter und hauseigenem Comté lockt. Die Laiterie Poulet war, um 14 Uhr kein Wunder, geschlossen, der Aussichtspunkt immerhin zugänglich.

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Belvédère de Granges-sur-Baume, Blick auf Baumes-les-Messieurs
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Baume-les-Messieurs: Benediktinerabtei Saint-Pierre

In Baumes-les-Messieurs fahre ich bis in den hintersten Teil des Felsenschlusstales. Mäxle parkiere ich auf dem letzten Schattenplatz inmitten einer Armada von Caravan-Schlachtschiffen. Der Tuffstein-Wasserfall (Wasserfälle schliessen nur selten) wird von einem unterirdischen Bach, dem Dard, alimentiert, der sein Wasser inmitten einer grünen und magischen Landschaft aus Moosüberwachsenen Felsen in die Freiheit entlässt. Um die Cascade des tufs zu besichtigen ist es Ende Juni schon zu trocken, im Frühjahr sind die Wasserfälle eindrücklicher. Unweit davon ist der Eingang zu den Grottes de Baume. Grosse Höhlen, mit viel Licht und Lumière bunt und kitschig (sprich: eindrucksvoll) angestrahlt. Disneyland unterirdisch. Nur mit Voranmeldung auf eine Covid-Sondernummer und Führung in Kleinstgruppen zu besichtigen. Muss nicht sein.

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Cascade des tufs
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Cascade des tufs

Nächster Halt in Poligny, la Capitale du Comté. Im Stadtgebiet entspringt der Bach Orain, der nach 39 km in den Doubs mündet. Eine mittelalterliche Kleinstadt, kleiner als Lons, 8 Käseläden mit rund 4000 Einwohnern. 3 Monate musste ich ohne Comté auskommen. Meine Wahl fiel auf den Laden Essencia. Ein Besucher aufs Mal. Ein kleiner, altmodischer Laden mit sehr guter Auswahl u.a. der Comtés des grossen Affineurbetriebs Vagne. Ein Grund, um wieder hieher zu kommen.

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Das Lächeln der Tante (Mamie Vagne?) von Monsieur Philippe Bouvret

Gleich vor der Türe des Käseladens liegt die Kirche des ehemaligen Cluniazenserpriorats. Gegründet 1083 durch Bernard, Abt in Baume-les-Messieurs. Unklare Besitzverhältnisse führten zu einem langen Streit mit den Bischöfen von Autun, der erst 1523 durch Jeanne de Bourgogne entschieden wurde. Kirche und Kirchengut blieben bei Baume. Im 15. Jahrhundert wurde die Pfarrei mit jener der Kollegiatskirche Saint-Hippolyte in Poligny zusammengelegt, was letztlich zum Verfall des Priorats führte. 1450 wurde das Prioratsgebäude demoliert. Die Kirche scheint nicht mehr in Betrieb zu sein: Geschlossen.

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Église Notre-Dame de Mouthier-le-Vieillard
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Turm der ehemaligen Kollegiatskirche Saint Hippolyte

Poligny lebt heute noch vom Handel, dem Weinbau und der Verarbeitung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus der Umgebung. Wie in vielen anderen, kleinen Städten der Provinz sind die Anzeichen für den fortschreitenden Verfall von Angebot und Nachfrage unübersehbar: Geschlossene Läden, vergammelte Bars, Supermarchés auf der grünen Wiese.

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Eingangsportal Hôtel de Fauquier-Beauffremont, 17. Jahrhundert
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Hotel d’Astorg, 18. Jahrhundert

Prachtvoll die Bürgerhäuser aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, an der Grande-Rue teils mit Renaissanceportalen. Prachtvoll die Statue von General Travot, einem Sohn der Stadt. Liebenswert die kleinen Wohnhäuschen in der Rue de Boussières. An der Nordseite ein Wehrturm (Tour de la sergenterie).

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Hausglocke an der Rue de Boussières
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Durchgang zum Tour de la Sergenterie
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Tour de la Sergenterie

Zum Abschluss noch die obligate Stippvisite in Arbois, 3 Flaschen Savagnin zum Kochen.
Fazit: Es ist noch alles da, wie ich es vor 8 Monaten verlassen hatte. Und doch von einem Schleier aus Mehltau überzogen.