Archiv der Kategorie: Besuch in..

CH-4052 Basel: Meriangärten

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Seit Wochen ist das Wetter von Hochnebel bestimmt. Und wenn mal die Sonne scheint, kann ich nicht raus oder muss Verpflichtungen nachrennen. An Ausreisen ist nicht zu denken, an Alleinwandern schon gar nicht. Dabei ist heute ein Reisebericht fällig. Ich könnte stattdessen auf die rechte Seitenleiste unter den Stichworten hinweisen, allwo ich meine -derzeit täglich- geposteten Instagram-Bilder veröffentliche. Unter dem account ohlamiacucina. Dabei hat es ab und zu auch mal Gekochtes. Ich könnte auch darauf hinweisen, dass sich meine Blogadresse geändert hat: neu bin ich -kürzer als bisher- unter lamiacucina.blog zu finden.  Wordpress sei Dank. Aber das wird die Reiseinteressierten kaum zufriedenstellen. Was tun? Trotz Nebelmief bin ich mit der Tram in die Grün 80 gefahren. Da war ich seit 36 Jahren nicht mehr, seit der Gartenbauausstellung im Jahre 1980. Bitte, aber mit Nebel:

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Die Orangerie von Melchior Berri aus dem 19. Jahrhundert

Die Merian Gärten liegen in der Flusslandschaft der früher in der Brüglinger-Ebene mäandrierenden Birs. Die Flussterrassen gliedern die Merian Gärten topographisch.
Christoph Merian-Burckhardt (1800-1858) stammte aus einer der vornehmsten Familien Basels. Sein Vater war Grosskaufmann im Rohbaumwolle-Handel, in Speditions-, Bank- und Spekulations-Geschäften und galt seiner Zeit als reichster Schweizer. Sein Sohn bildete sich zum Kaufmann aus, war aber mehr an Landwirtschaft interessiert und liess sich 1818–1821 im Landwirtschaftlichen Institut in Hofwil bei Münchenbuchsee sowie in der Landwirtschaftlichen Akademie von Hohenheim bei Stuttgart zum Agronomen ausbilden.
1824 kam Christoph Merian –frisch vermählt- als junger Agronom nach Brüglingen. Er hatte den Brüglingerhof samt 56 Hektar Land als Hochzeitsgeschenk erhalten und baute hier einen landwirtschaftlichen Grossbetrieb auf. Seine Frau Margarethe überlebte ihn um beinahe 30 Jahre. 1886, nach deren Tod, ging das Land in das Vermögen der gemeinnützigen Christoph Merian Stiftung über. Ein Teil davon, der Brüglingerhof, blieb noch bis 2012 ein eigenständiger landwirtschaftlicher Betrieb. Heute ist er in die Merian Gärten integriert.

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Rechts die Mühle. Oben die Villa Merian.

Die Mühle aus dem 16. Jahrhundert ist eines der ältesten Gebäude in den Merian Gärten. Seit 1980 wird hier kein Getreide mehr gemahlen, trotzdem darf das wasserbetriebene Mühlerad im inzwischen als Museum eingerichteten Bau sporadisch zu festgelegten Zeiten noch laufen.

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Die 1711 erbaute und von Christoph Merian als Sommerresidenz genutzte Villa (siehe auch headerbild) wird heute für kleinere Tagungen und Kurse vermietet. Im Erdgeschoss befindet sich das Café Merian. Novemberangebot: klassischer Afternoon Tea mit Champagner, Scones, clotted cream und Erdbeerkonfitüre, eine gefüllte Etagere mit frischem Gebäck und Tee à discretion.

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Vorder-Brüglingen

Zwischen Villa Merian und Vorder-Brüglingen ruhen im Boden die Zwiebeln von rund 2000 Sorten Iris, die bedeutendste Sammlung der Gärten. Helene von Stein-Zeppelin hatte sie in den 1920er Jahren zusammengetragen und über den  2. Weltkrieg gerettet. 1969 verschenkte die Gräfin ihre Iris nach Brüglingen, wo sie im Mai und Juni blühen.

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Ökonomiegebäude (ehemals Kutschenmuseum) mit hängenden Topfpflanzen

Schade, dass das Wetter so trostlos-trübe war. Gute Fotografen werden auch mit Nebel fertig. Ich nicht, ich brauche Sonnenlicht. Aber ich kann ja nächsten Sommer nochmals dahin. Dafür hab ich im kleinen Italienerlädeli am Dreispitzareal farina doppio zero gefunden. Hat sich die Tramfahrt doch gelohnt.

Quellen:
Merian-Gärten siehe auch den Plan der Anlage
wiki: Christoph Merian

CH-2735 Malleray: Trübe Aussicht am Moron

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Vom Jurahäuschen aus sieht man bei guter Witterung auf den Moron. Mit dem Fernglas kann man über den höchsten Baumwipfeln eine vertikale Schraube entdecken. Die Schraube ist ein Aussichtsturm. 2004 aus Kalkstein, Beton und Stahl erstellt, ist er rund 31 Meter hoch. 209 Treppenstufen führen linksdrehend zur Aussichtsplattform. Den hab ich mir alleinwandernd mal angeschaut.

Bei klarem Wetter böte sich eine Aussicht über die erste Jurakette hinaus vom Säntis über die Berner Alpen bis zum Montblanc. Im Norden könnte man die Vogesen und den Schwarzwald erkennen.

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Der Turm wurde vom Architekten Mario Botta entworfen. Das Projekt wurde zur Förderung des Maurerberufs und zur Einführung von Lehrlingen in die Steinmetzarbeit lanciert. Insgesamt arbeiteten etwa 700 Lehrlinge am Bau mit, die Bauzeit dauerte rund vier Jahre.
Von Malleray führt eine holprige Naturstrasse bis zu einem Parkplatz. Von dort ist der Turm in ca. 15 Minuten zu Fuss erreichbar.

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Mit Fernsicht war jedoch nichts los. Die Sicht getrübt. Das Fundament, obwohl gut gemauert, bietet auch keine aufregenden Einblicke. Also nehmen wir am nördlichen Abhang des Moron das kleine Dörfchen Sornetan mit. Aufnahmen unterschiedlicher Besuche.

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Sornetan ist ein kleines Dorf in der Gemeinde Petit-Val. Es liegt auf 843 Meter ü.M., 12 km westlich von Moutier. Das Dorf ist noch vorwiegend von Milchwirtschaft und Viehzucht geprägt. Hauptsehenswürdigkeit ist die reformierte Pfarrkirche aus dem Jahr 1708.

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Auffallend der schöne Frontturm mit Zwiebelhaube sowie der barocke Predigtsaal mit viel heimeligem Holz, Sitzbänke mit unbequemen, evangelischen Rückenstützen [Hier stützt Dich Gott] und einer geschnitzten Kanzel. Unweit der Kirche steht noch ein evangelisches Tagungszentrum aus hässlichem Beton der 80-er Jahre. Etwas viel Christentum für die wenigen Einwohner.

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Doubs, der Unschlüssige (2): Les Brenets-Châtelot

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Mein erster Beitrag zum Doubs liegt schon über 2 Jahre zurück. Bis vor Kurzem durfte ich nicht daran denken, dass die mit Biaufond (1) mutig angekündigte Serie je noch eine Fortsetzung finden würde. Frau L. musste Wanderungen aufgeben. Damit ich nicht auch noch immobil werde, wandere ich nun alleine. Einer muss den Kopf oben halten.

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Der Doubs fliesst grösstenteils durch naturbelassene Landschaften. Einer der schönsten Abschnitte ist die Strecke zwischen Les Brenets und der Staumauer von Le Châtelot. Direkt auf der Staatsgrenze Frankreich-Schweiz. Da ich das Auto in Les Brenets abstellte, machte ich eine Rundwanderung daraus. Erst bequem auf dem Schiff Les Brenets-Saut du Doubs. Zu Beginn lag noch leichter Herbstnebel auf dem Fluss. 3°C. Zeit für Reflexionen.

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Doubsschleife 2 Wochen vorher von einem Belvedere auf der französischen Seite aus beobachtet

Die zurückliegende Schönwetterphase ohne Niederschläge hinterliess jedoch Spuren, der Pegelstand des Lac de Brenets lag tief wie selten, die Wasserfälle des Saut du Doubs praktisch ausgetrocknet. Es sind aber noch andere, weniger augenfällige Faktoren, die dem Doubs zusetzen: Die Landwirtschaft, deren Austrag an Düngern und Pestiziden sich im Flusswasser finden, ungenügend gereinigte Abwässer, mehrere Wasserkraftwerke, die mit ihren Sperren und rasch wechselnden Wasserständen den Fluss und seine Fauna schwächen sowie zahllose Schwellen, die für die Fischfauna unüberwindlich sind. Die beiden Herren auf der französischen Kanzel sehen auch kein Wasser.

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Ein kranker Fluss, an der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz. Niemand ist zuständig, um Abhilfe zu schaffen. Der Schwarzpeter wird reihum weitergereicht, und was so malerisch aussieht, wird wohl nicht krank sein. So denken Bürokraten. Ich wandere weiter, entlang des Lac de Moron. Meist durch lichten Wald, vor etwa 40 Jahren war hier alles abgeholzt. Steinwüste.

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Und, auf dem Rückweg später von oben gesehen, das ganze Rund des Lac de Moron.

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Kurz vor der Staumauer gehts ruppig (mit vielen Pausen, bin ja völlig untrainiert) in die Höhe auf die Felsen von Moron, ausser einer Gemse niemand zu sehen. Statt einer Dose Powergetränk „das dir das Gefühl von Stärke und Freiheit gibt“, hatte ich nur 2 Äpfel dabei. Am Aussichtspunkt Les Roches de Moron. 1 Rucksack, 1 Paar Wanderstecken.

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Die Staumauer von Le Châtelot.

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Blick flussaufwärts Richtung Saut du Doubs. Oben an den zwei Aussichtspunkten Côte de l’escarpineau und Belvédère Les Recrettes vorbei und alles wieder zurück hinunter nach Les Brenets.

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Kurz vor dem Abstieg ein friedlicher Abschluss der Wanderung.

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CH-2023 Gorgier: Gorges de l’Areuse

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Wer den Creux du Van besucht, darf als Bonus gleich noch die darunter liegende Areuseschlucht „mitnehmen“. Die Areuse ist mit 31 km Länge und einem Einzugsgebiet von rund 400 km² der Hauptfluss im Kanton Neuenburg.

Das Fürstentum Neuenburg gelangte 1707 in einem cleveren Schachzug der bernischen Regierung an die preussischen Könige, um die Franzosen von einem Zugriff abzuhalten. Preussen regierte das Fürstentum an langer Leine von Berlin aus. Auch nachdem 1815 Neuenburg als Kanton in die Eidgenossenschaft aufgenommen worden war, behielt der preussische König die Hoheitsrechte über das Fürstentum als persönlichen Besitz. Nach einem royalistischen Putsch drohte Preussen der Schweiz mit Krieg, der aber durch die Vermittlung Napoleons III. vermieden werden konnte. Erst 1857 verzichtete der König von Preussen endgültig auf seinen Anspruch auf das Fürstentum Neuenburg.

Unterhalb von Noiraigue und des Creux du Van durchbricht die Areuse die südöstlichste Jurakette in einer tiefen Schlucht, die mit einem Wanderweg erschlossen ist. Der Fluss stürzt im Bereich der langgezogenen Schlucht über mehrere Wasserfälle 270 m in die Tiefe. Zuunterst, beim Saut du Brot liegt die bekannte Steinbogenbrücke über die Areuse.

Die Wasserkraft der Areuse wird seit dem 14. Jahrhundert an verschiedenen Stellen durch Mühlen, Sägereien, in neuerer Zeit auch durch Zementwerke und Elektrizitätswerke genutzt.

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Stauwehr bei Noraigue
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Wasserkraft erzeugt Elektrizität und das Smartphone freut sich

Stotzig geht es durch die enge Schlucht hinunter bis zum Saut de Brot. Von hier aus könnte man flach weiterwandern bis Champ du Moulin und mit der Eisenbahn zurück. Ich stapfte die vielen Treppenstufen wieder hoch. Wandertraining.

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Im Frühjahr, wenn die Areuse Schmelzwasser führt, ist es hier am Schönsten, dann bleibt kein Wanderer trocken.

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Quellen:
wiki Areuse

CH-2023 Gorgier: Creux du Van

CH-2023 Gorgier
Affenfelsen

Fährt man von Neuchatel durch das Val de Travers im Kanton Neuenburg, eröffnet sich links plötzlich der Blick auf eine imposante Felsenarena: den Felsenzirkus des Creux du Van. Ein riesiges Halbrund mit bis zu 200 Meter hohen und fast senkrechten Felsen aus Kalkstein.

Die Felsenwände des Creux du Van geben einen guten Einblick in den geologischen Aufbau des Faltenjuras. Entstanden sind die Kalkschichten vor ca. 160 bis 140 Millionen Jahren aus Sediment Ablagerungen im Meer der Jurazeit (Malm). Die Kollision der afrikanischen mit der europäischen Kontinentplatte -die immer noch andauert-, führte zu hohen Aufwerfungen. Vor rund 10 Millionen Jahren wurden -neben den Alpen- auch die Schichten im Jura aufgefaltet. An der Entstehung des Creux du Van sind sowohl ein Ableger des Rhonegletschers während der Glazialzeit, wie später vor allem das Flüsschen Areuse beteiligt. Sie erodierten weiches Material (Mergel) und transportierten es in tiefer gelegene Gebiete. Dabei wurden die Flanken des Creux du Van destabilisiert und ein Erosionskessel ausgeräumt und geformt. Der Boden des Kessels ist heute mit Moränen- und Bergsturzmaterial bedeckt, auf dem Tannen und Buchen wachsen.

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Aufgrund der nord-östlichen Orientierung des Kessels erhalten einzelne Stellen im Talkessel kaum Sonne, so dass hier Permafrostböden vorhanden sind und aus einer Quelle ganzjährig 4°C kaltes Wasser fliesst.

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Gedränge am Affenfelsen

An schönen Wandertagen ist man hier nie allein, ganze Heerscharen steigen von einem der Parkplätze aus auf den Rand hoch, vereinzelte, tapfere Wanderer tun dies vom Talboden des Kessels aus, umwandern den Krater, blicken in die Ferne und in die Tiefe und heutzutage via Selfiekamera vor allem auf sich selbst. Besonders am Affenfelsen (heisst der so?) herrscht reges Gedränge.

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Da Frau L. keine Wanderungen mehr schafft, wanderte ich alleine. Weil nur ein Mensch die Dimensionen des Kessels auf Bildern sichtbar macht, durfte eine mir völlig fremde Frau als Modell mit aufs Bild. Ist allemal schöner als ein selfie von mir. Gewarnt vor allein wandernden Wandersfrauen, die es faustdick hinter den Ohren hätten, zog ich aber rasch wieder allein meiner Wege. Erfahrene Creux du Van Wanderer gehen in der Frühe, am Abend oder im Winter. Dann hat man die Gelegenheit, die hier lebende Tierwelt zu sehen. Steinbock, Gämse und Luchs fühlen sich hier zu Hause.

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Am unbewaldeten oberen Rand des Kessels wurde von Freiwilligen eine ca 2 km lange Trockensteinmauer erbaut, die Furchtsame und Kühe vor dem Absturz in die Tiefe bewahren soll. Die Mauer ist durch schmale „fat mans misery“-Durchgänge unterbrochen.

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In 2 Woche gehts hier im Blog in die Areuseschlucht.

Quellen:
wiki Creux du Van

 

CH-7451 Alvaschein: Mistail. Im Altersheim und die Bergkartoffeln

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Zwischen Tiefencastel und Alvaschein im Kanton Graubünden liegt auf einem kleinen Plateau über der Albulaschlucht das verborgene, wenig bekannte Kirchlein St. Peter Mistail. Auch ich wusste davon bislang nicht, erfuhr erst durch eine Teilnehmerin in den Kochkursen bei Lucas davon. Danke, Erika. Kochen bildet.
St. Peter Mistail (Mistail stammt vom Wort monasterium) ist die einzige karolingische Dreiapsidenkirche der Schweiz im baulichen Originalzustand. Die zweite karolingische Anlage, das Benediktinerkloster St. Johann in Müstair, ist durch den Einbau spätgotischer Gewölbe stark verändert.
Ein stotziger, mit Fahrverbot belegter Waldweg führt hinab auf die Lichtung zum kleinen Kirchlein. Der Zugang zur Kirche wird durch eine Prätorianergarde von scharf fauchenden Gänsen bewacht. Doch wer mit Raben spricht, kann auch mit Gänsen sprechen. Die Schar beruhigte sich: ich durfte passieren.

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Die genaue Entstehungszeit geht auf das 7. bis 8. Jahrhundert zurück. Indirekt wurde auf die Anlage hingewiesen im Jahre 823. Explizit erwähnt wird das Kloster 926 in einer Schenkungsurkunde. Die Kirche dürfte in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts erbaut worden sein. Nach der Auflösung des Karolingischen Reichs scheint ein Niedergang eingetreten zu sein. 1154 wurde das Kloster aufgehoben. Die Güter gingen an ein Kloster in Chur. Mistail fiel im 14. Jahrhundert an die Gemeinde Alvaschein. Bis 1679 war Mistail Bestattungskirche von Alvaschein. Pfarrkirche war jedoch bis 1739 die Kirche von Tiefencastel.

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Näheres zur Baugeschichte lässt sich nur aus archäologischen Untersuchungen ableiten. Der bestehende Dreiapsidensaal der Kirche wurde auf den Grundmauern eines Vorgängerbaues errichtet.  Vom Konventgebäude sind nur noch Grundmauern vorhanden.  Die ursprüngliche, äusserst schlicht gehaltene Anlage wurde in spätgotischer Zeit durch den Glockenturm, eine Sakristei und ein Beinhaus erweitert.

Das Innere ist ein schlichter, rechteckiger Saal mit hoch sitzenden Fenstern, der eine unglaubliche Ruhe ausströmt. Gerne wäre ich ein Stunde geblieben, aber ich konnte die geduldig im Auto verbliebene Frau L. nicht warten lassen. Die drei hufeisenförmige Apsiden liegen ostwärts, architekturgeschichtlich  gehen sie auf alte, orientalische und römische Bauformen zurück.

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Die karolingischen Malereien sind nur in spärlichen Fragmenten erhalten. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde die mittlere Apsis neu ausgemalt. In der Kalotte der thronende Christus. Im darunter liegenden Fries die 12 Apostel. Im untersten Fries der Drachenkampf des Georg, ein stehender Heiliger mit Fahne und Schild. Rechts die Anbetung der drei Könige.

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An der Nordwand ein 7 m hoher Christophorus mit Jesus und Reichsapfel. Der Anblick des Heiligen bewahrte nach der Überlieferung vor unerwartetem Tod und damit vor ewiger Verdammnis.

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Auch die drei weiteren Wandmalereien über dem Seitenportal stammen aus dem Beginn des 15. Jahrhundert).

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Da ich nichts gestohlen, die behändigte schweizerische Kunstbroschüre ordnungsgemäss bezahlt hatte, liessen mich die Gänse wieder durch.

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Davor Mittagessen im Restaurant Vabene in Chur, das in eine noble Altersresidenz integrierte Restaurant (14 Gault-Millau Punkte). Hier parkt es sich gut im Schatten, man isst ausgezeichnet, findet eine gut dotierte Weinkarte auf ipad und man muss keine Stufen überwinden. Einen Moment musste ich mir überlegen, ob ich uns hier nicht gleich bis ans Lebensende einquartieren sollte.

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Kalbsgeschnetzeltes, Kohlrabi, Taglierini

Wären da nicht die Bergkartoffeln  aus Filisur gewesen, die ich noch unbedingt haben musste. Und die in Basel verbliebenen Zahnbürsten. Zuletzt gings entlang der Rheinschlucht wieder nach Hause. Effizient, nicht wahr? Altersheim muss noch etwas warten.

Quellen:
wiki St. Peter Mistail
Schweizerische Kunstführer GSK,  Kirche und ehemaliges Frauenkloster St. Peter Mistail, 2011, ISBN 978-3-85782-884-3

Unser Grand Canyon: CH-7104 Versam, Rheinschlucht

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Die Wäsche ist echt. Doch das Headerbild stimmt nicht. Das Versamer Tobel ist nicht die Rheinschlucht. Die liegt am Ende des Tobels, wo die Rabiusa, die wild Tobende, in den Rhein mündet.
Die Rheinschlucht (Ruinaulta) ist eine bis 400 Meter tiefe und rund 13 Kilometer lange Schlucht des Vorderrheins zwischen Ilanz und der Mündung des Hinterrheins bei Reichenau.
Die Schlucht entstand vor etwa 10’000 Jahren als Folge eines Bergsturzes. Dabei brachen zwischen dem Flimserstein und dem Piz Grisch über 10’000 Mio. Kubikmeter Fels ab und begruben das Vorderrheintal zwischen den heutigen Dörfern Castrisch und Reichenau unter einer mehrere hundert Meter dicken Schuttmasse.

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Versamer Tobel, im Hintergrund: der Flimserstein

Der Vorderrhein konnte nicht mehr abfliessen, ein See staute sich auf, mit den Jahrhunderten schnitt sich der Fluss tief in die Bergsturzmassen ein und der See floss ab. Zurück blieb die Ruinaulta mit ihren steilen Kalksteinklippen und imposanten Felsformationen.

 

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Die Rheinschlucht bietet dem Fussgänger eine wunderschöne Wanderstrecke. Schade, dass wir wegen dem Handycap von Frau L. nur noch mit dem Auto wandern können. Ich würde gerne, mag noch, sollte und kann doch nicht. Im Alter drängt sich halt das Bewusstsein der zunehmenden, eigenen Unfähigkeiten mehr und mehr in den Vordergrund. Die schmale, rechts-rheinische Autostrasse verläuft hoch über der Schlucht und erlaubt nur wenige, aber spektakuläre Ausblicke.

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Hoch über dem Versamer Bahnhof: Chli Isla und Las Ruinas sut Crestaulta
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Dieselbe Schlinge von weiter unten

Quelle: wiki Ruinaulta