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Fondation Beyeler: Claude Monet

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Die Fondation Beyeler in Riehen/Basel präsentiert zu ihrem 20. Geburtstag vom 22.01.2017 bis 28.05.2017 eine Sonderausstellung mit Werken Claude Monets. Die Ausstellung vereint 62 Meisterwerke aus privaten Sammlungen und renommierten Museen. Es liegt mir fern, die Entwicklung des Malers hier anhand seiner Bilder nachzeichnen zu wollen. Ich verstehe nichts von Malerei. Ein paar Stimmungsbilder, alle mit dem handy aufgenommen, müssen genügen. Wer will, mag sich die Ausstellung ansehen. Sollte sie ansehen.

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La cathédrale de Rouen: Le portail, effet du matin, 1894

Der sixtinische Kapellentrick, die Ausstellung gleich nach Türöffnung vom Ende her abzuschreiten, hat sich einmal mehr bewährt. Die hintersten Räumlichkeiten stehen lange leer, während sich die Besuchermassen in den vordersten Räumen stauen.

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Gedränge vor der Prairie à Giverny
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Bilder aus der Abteilung „Die Küste und das Meer“

Die Bilder der Ausstellung sind gegliedert in die Themen: Gegenlicht, Bäume, Die Seine, Die Hütte des Zollwärters, Die Küste und das Meer, Matinee sur la Seine und Nymphéas.

1859 zieht Monet nach Paris, um dort Malunterricht zu nehmen. Die Malerei „en plein air“, in der freien Natur, mit Farbe, Pinsel und Spachtel prägt Monet nachhaltig. Keine Malerei im damaligen pingelig-heroischen Akademiestil, sondern zügiges Festhalten des flüchtigen Augenblicks, der einem Bild so viel Leben einhaucht. In den folgenden Jahren malt er oft in Le Havre u.a. Meereslandschaften und Gärten.

Zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges 1870 verlässt Monet Frankreich und zieht nach London. Dort begegnet er den Werken des englischen Landschaftsmalers William Turner, in dessen Bildern sich die Konturen im Licht auflösen. 1871 kehrt er nach Frankreich zurück und lässt sich in Argenteuil nieder. 1872 richtet er sich ein Boot als Atelier ein und malte darauf am Ufer der Seine: Wasser, Bäume, Spiegelungen.
1873 lernt Claude Monet in Argenteuil den Maler G. Caillebotte kennen, mit dem er zusammen gemeinsame Ausstellungen veranstaltet. Vom Titel eines Bildes von Monet entsteht der Begriff Impressionismus.
1878 zieht er mit seiner Familie nach Vétheuil. 1879 stirbt Monets erste Ehefrau Camille mit 32 Jahren. Die Freundin der Verstorbenen übernimmt Haushalt, Kinder und Bett. Zu Beginn der 80-er Jahre verbessert sich seine wirtschaftliche Situation. In den nördlich von Le Havre gelegenen normannischen Ortschaften Étretat, Fécamp und Pourville, findet er beeindruckende Felslandschaften als Malsujets, darunter das Haus des Zollwärters bei Varengeville. Seine einst idyllischen Landschaften werden zunehmend wilder.

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Prairie à Giverny, Automne 1886
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Morgenstimmung an der Seine. Matinée sur la Seine, 1897. Lieblingsbild

Monet reiste viel: so an die französische Mittelmeerküste, die Riviera, Holland, die Bretagne und wiederum London. 1895 nach Norwegen.

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Grosszügig gehängt: En Norvégienne, 1887
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En Norvégienne, 1887

Monets Alterswerk entstand in Giverny nahe Vernon. 1883 mietet er ein Haus mit Garten, das er 1890 erwerben kann. In der Folge wird Monet zum passionierten Gartenliebhaber. Vom Frühjahr bis zum Herbst bietet ihm sein Garten eine ständig wechselnde, sich erneuernde Blumenpracht als Inspiration für seine Malerei. 1893 kann er ein Grundstück dazukaufen, auf dem er -vom damals modischen, japanisierenden Gartenbaustil erfasst- einen vorhandenen Teich mit exotischen Seerosenarten und Wasserpflanzen samt Fussteg im japanischen Stil anlegen lässt. Der Teich mit seinen Seerosen animieren Monet zu zahllosen Bildern. Darunter über 20 grossformatige Grand Décorations.

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Seerosen, Nymphéas, Giverny, 1916-1919
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Der Seerosenweiher, Le Bassin aux Nymphéas, 1917-1920
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Jungen Menschen wird das Sehen vermittelt. Für Basler kostenlos! Kornschober im Sonnenlicht, 1891
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Der zauberhafte Garten des Museums

Quellen:
wiki Claude Monet
Kunstmuseum Basel: Nymphéas, Ausstellungskatalog, 1986
Fondation Beyeler: Monet, Begleitbüchlein zur Ausstellung, 2017

Doubs, der Unschlüssige (4): St. Hippolyte-St. Ursanne

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Mein erklärtes Ziel, von dem ich nicht weiss, ob ich es je erreichen werde: von der Quelle des Doubs bis zu seiner Mündung in die Sâone zu  wandern bzw. zu fahren. Etappe um Etappe. Diesmal kommen weitere 30 km hinzu. Vom Jurahäuschen fahre ich erst nach Goumois hinunter, über den Richtung St. Ursanne fliessenden Doubs in den französischen Teil von Goumois, dann auf die Höhen der französischen Franche-Comté, am Belvédère des fougères vorbei (Aussicht auf den Doubs im Bild oben) und nach einigen Kilometern wieder tief hinunter nach St. Hippolyte. St. Hippolyte liegt an der Einmündung des Flusses Dessoubre in den Doubs, am Arm, der kurz nach St. Ursanne die Schweiz verlässt und in vielen Windungen nach Besançon fliesst.

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Am 29. Dezember ist es bitterkalt, die Sonne flach, das kleine Städtchen St. Hippolyte friert und kauert sich eng und schattenwerfend im ohnehin schattigen Tal zusammen. Die Altstadt besteht aus wenigen Gassen, einigen schönen Häusern, einem guten Käseladen, der Kirche und dem Konvent.

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Aufwärmen in der relativen Wärme der Stiftskirche aus dem 14. Jahrhundert.

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Darin wurde im 15. Jahrhundert das Turiner Grabtuch aufbewahrt. 1452 gelangte dieses in die Hände des Herzogs Ludwig von Savoyen und damit nach Chambéry. Als die Herzöge von Savoyen 1578 ihre Residenz nach Turin verlegten, kam das Tuch nach Turin, wo es noch heute aufbewahrt wird.
1606 wurde in Dôle die Gesellschaft der heiligen Ursula, einem katholischen Frauenorden, gegründet.

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1618 zogen die Ursulinen nach Saint-Hippolyte und gründeten eine Schule für die Erziehung Jugendlicher. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1700.

Während der französischen Revolution verließen die Ursulinen das Kloster. Das Gebäude wurde danach als Präfektur, Gendarmerieposten und Schule benutzt.

Auf der im Winter wenig befahrenen Strasse entlang des Doubs fahre ich gegen St. Ursanne.  Einmal mehr an zwei Stauwehren vorbei.

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Das Stauwehr von Soulce-Cernay

Gleich danach weitet sich das enge Tal und erlaubt einen Blick auf die Burgruine von Montjoie-le-chateau. Auf der Anhöhe oberhalb des Dorfes ließ ein lokaler Adliger im 13. Jahrhundert die Burg Montjoie erbauen. Sie entwickelte sich zu einem Herrschaftssitz, der das Doubstal oberhalb von Saint-Hippolyte kontrollierte. Während des Dreissigjährigen Krieges wurden Burg und Ortschaft zerstört, danach wurde die Burg nicht mehr wieder aufgebaut. Zusammen mit der Franche-Comté und dem Elsass fiel Montjoie mit dem Frieden von Nimwegen (Nimmweg-Frieden) 1678 an Frankreich.

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Montjoie-le -chateau. Burgruine, Kapelle und Dorf

Die Strasse folgt jeder Windung des Flusses, dreimal wechselt sie von der einen auf die andere Flussseite. In der Nähe von Glère lag die Sonne im engen Tal schon so tief, dass die Fotos in der abendlichen Dämmerung einen zauberhaften Effekt erhielten.

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Doubs in der Abenddämmerung bei Glère
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Doubs in der Abenddämmerung bei Glère

Kurz nach der Schweizer Grenze erscheint die Pfarrkirche Saint-Valbert von La Motte-Ocourt im Niemandsland weitab beider Ortschaften gelegen. 1641 erbaut, besitzt sie eine bemalte Holzdecke aus der Zeit. Der Raureif im Tal lässt sich zentimetergenau dort nieder, wo die Sonne den ganzen Tag nie hinscheint.

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Pfarrkirche Saint-Valbert von La Motte-Ocourt im Raureif

Kurz vor Saint Ursanne ist der Raureif-Spuk vorbei. Hier scheint die Sonne. Kein Wunder, das Bild ist 5 Tage jünger, als ich die Strecke zum zweitenmal befuhr. Es gibt eben Phänomene, die sich nicht so einfach wiederholen lassen.

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Doubs zwischen Ocourt und Saint Ursanne
  1. Doubs, der Unschlüssige (1): Biaufond
  2. Doubs, der Unschlüssige (2): Les Brenets-Châtelot
  3. Doubs, der Unschlüssige (3): St. Ursanne
  4. aktueller Beitrag

Quellen:
wiki Convent des ursulines.
wiki St. Hippolyte

Doubs, der Unschlüssige (3): CH-2882 St-Ursanne

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Dritte Etappe meiner Alleinwanderungen in Raten am Doubs. Ein Stadtrundgang durch das Städtchen St. Ursanne. 2008 berichtete ich schon mal über das Städtchen hier. Der Ort liegt ja auch nur wenige Fahrminuten vom Jurahäuschen entfernt.

Saint-Ursanne liegt dort, wo sich der Doubs urplötzlich umbesinnt, in einer Schlaufe eine völlige Kehrtwendung macht und wieder nach Frankreich zurückfliesst. In diesem abgeschiedenen Tal errichtete 612 der Eremit Ursicinus, ein Schüler des Heiligen Columban, seine Klause. Später gründeten andere Mönche über dessen Grab ein Kloster, das gegen 850 erstmals in einer Urkunde eindeutig erwähnt ist und zur Diözese Besançon gehörte. Im 11. Jahrhundert wurde eine neue Abtei errichtet, während die alte Klosterkirche zur Pfarrkirche umgewandelt wurde. Im 12. Jahrhundert erfolgte die Umwandlung der Abtei in ein Chorherrenstift, das ab 1210 dem Fürstbistum Basel unterstand und das gesamte Gebiet des Clos du Doubs umfasste. Das um das Kloster (Sancti Ursicini) entstandene mittelalterliche Städtchen erhielt 1338 Marktrechte.

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Der Kirchturm stürzte 1365 -nach dem Basler Erdbeben von 1356- ein und wurde 1462-64 wieder aufgebaut.

Die Stiftskirche, eine romanische Pfeilerbasilika mit einer Krypta unter dem Chor, stammt aus dem 12. bis 14. Jahrhundert. Von der Abtei des 11. Jahrhunderts wurden Kapitelle und Teile des Nordportals in den Bau einbezogen. Das im 12. Jahrhundert dem Nordportal des Basler Münsters nachempfundene Figurenportal ist im Stil der burgundischen Romanik erbaut und gehört zu den bedeutendsten Vertretern dieser Stilrichtung in der Schweiz. Das etwas später entstandene Kirchenschiff zeigt Merkmale der Gotik, die Innenausstattung stammt im Wesentlichen aus dem 18. Jahrhundert. Spätbarock. Türe zu.

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Südportal
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Der frühgotische Kreuzgang

Nördlich angrenzend an die Stiftskirche befindet sich der Kreuzgang sowie in der ehemaligen Pfarrkirche St. Pierre ein Lapidarium mit merowingischen und karolingischen Sarkophagen.

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Krypta der Stiftskirche

Unter dem Altar der Stiftskirche modern die Überreste des heiligen Ursicinus in einem Steinsarg, der aus gallorömischer Zeit stammt.

Südlich der Kirche schliesst sich das enge, pittoreske Städtchen an. Die mittelalterliche Stadt besticht durch schöne Bürgerhäuser aus dem 14.- 16. Jahrhundert.
Erschlossen wird es durch 3 Stadttore: St. Peter im Osten, St. Johann im Westen und die kleine St. Paul-Pforte von der Brücke über den Doubs her.

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Porte Saint-Pierre: Osteingang mit dem Glockentürmchen von 1665

Die Stadtmauern sind im Osten weit den Hang hinauf gezogen. Während des 30-jährigen Krieges  geriet St. Ursanne  zwischen die kaiserlichen und französisch/schwedischen Fronten und wurde schwer verwüstet. Über dem Städtchen lag früher ein befestigtes Schloss, das während der Franzosenzeit als Steinbruch diente und bis auf die Grundmauern abgetragen wurde.

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La Ruelle

Einzelne Objekte stechen besonders hervor:  Die Häusergruppe um den Stift und das Maison de Staal:

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„la maison des Oeuvres“. Residenz der Stifts-Probste.
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Das Maison de Staal (Ende 16. Jahrhundert)
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Eingangspforte des Maison de Staal

Leider ist der ganze Place du mai aufgerissen. Der schöne Brunnen „fontaine du mai“ mit Baugerümpel verstellt.

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Place du mai mit Hôtel de ville und Volvo

Nehmen wir dafür ersatzweise einen andern Brunnen, jener in der rue du 23 mai, Mai bleibt Mai:

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Damit der Spaziergang doch noch den Titel „Wanderung“ verdient, kraxelte ich mit vielen Verschnaufpausen die 200 Treppenstufen hoch zur Einsiedelei des Ursicinius über der Stadt:

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Von 1793 bis 1815 gehörte Saint-Ursanne zu Frankreich. Das Kloster wurde 1803 säkularisiert. Seither ist die ehemalige Klosterkirche Pfarrkirche. Durch den Entscheid des Wiener Kongresses kam das Städtchen 1815 an den Kanton Bern und liegt heute im Kanton Jura.

Zum Schluss umwanderte ich per Auto den Doubsbogen bis hin zur Chapelle Notre-Dame-de-Lorette, die auf dem ehemaligen Pestfriedhof des Städtchen steht.

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Die bisherigen Etappen:

  1. Doubs, der Unschlüssige (1): Biaufond
  2. Doubs, der Unschlüssige (2): Les Brenets-Châtelot
  3. aktueller Beitrag
  4. Nächste Etappe: Doubs. der Unschlüssige (4): St. Hippolyte-St. Ursanne

Quellen:
wiki St. Ursanne
St. Ursanne et ses rues, 1977 par Leon Migy

CH-4052 Basel: Meriangärten

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Seit Wochen ist das Wetter von Hochnebel bestimmt. Und wenn mal die Sonne scheint, kann ich nicht raus oder muss Verpflichtungen nachrennen. An Ausreisen ist nicht zu denken, an Alleinwandern schon gar nicht. Dabei ist heute ein Reisebericht fällig. Ich könnte stattdessen auf die rechte Seitenleiste unter den Stichworten hinweisen, allwo ich meine -derzeit täglich- geposteten Instagram-Bilder veröffentliche. Unter dem account ohlamiacucina. Dabei hat es ab und zu auch mal Gekochtes. Ich könnte auch darauf hinweisen, dass sich meine Blogadresse geändert hat: neu bin ich -kürzer als bisher- unter lamiacucina.blog zu finden.  Wordpress sei Dank. Aber das wird die Reiseinteressierten kaum zufriedenstellen. Was tun? Trotz Nebelmief bin ich mit der Tram in die Grün 80 gefahren. Da war ich seit 36 Jahren nicht mehr, seit der Gartenbauausstellung im Jahre 1980. Bitte, aber mit Nebel:

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Die Orangerie von Melchior Berri aus dem 19. Jahrhundert

Die Merian Gärten liegen in der Flusslandschaft der früher in der Brüglinger-Ebene mäandrierenden Birs. Die Flussterrassen gliedern die Merian Gärten topographisch.
Christoph Merian-Burckhardt (1800-1858) stammte aus einer der vornehmsten Familien Basels. Sein Vater war Grosskaufmann im Rohbaumwolle-Handel, in Speditions-, Bank- und Spekulations-Geschäften und galt seiner Zeit als reichster Schweizer. Sein Sohn bildete sich zum Kaufmann aus, war aber mehr an Landwirtschaft interessiert und liess sich 1818–1821 im Landwirtschaftlichen Institut in Hofwil bei Münchenbuchsee sowie in der Landwirtschaftlichen Akademie von Hohenheim bei Stuttgart zum Agronomen ausbilden.
1824 kam Christoph Merian –frisch vermählt- als junger Agronom nach Brüglingen. Er hatte den Brüglingerhof samt 56 Hektar Land als Hochzeitsgeschenk erhalten und baute hier einen landwirtschaftlichen Grossbetrieb auf. Seine Frau Margarethe überlebte ihn um beinahe 30 Jahre. 1886, nach deren Tod, ging das Land in das Vermögen der gemeinnützigen Christoph Merian Stiftung über. Ein Teil davon, der Brüglingerhof, blieb noch bis 2012 ein eigenständiger landwirtschaftlicher Betrieb. Heute ist er in die Merian Gärten integriert.

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Rechts die Mühle. Oben die Villa Merian.

Die Mühle aus dem 16. Jahrhundert ist eines der ältesten Gebäude in den Merian Gärten. Seit 1980 wird hier kein Getreide mehr gemahlen, trotzdem darf das wasserbetriebene Mühlerad im inzwischen als Museum eingerichteten Bau sporadisch zu festgelegten Zeiten noch laufen.

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Die 1711 erbaute und von Christoph Merian als Sommerresidenz genutzte Villa (siehe auch headerbild) wird heute für kleinere Tagungen und Kurse vermietet. Im Erdgeschoss befindet sich das Café Merian. Novemberangebot: klassischer Afternoon Tea mit Champagner, Scones, clotted cream und Erdbeerkonfitüre, eine gefüllte Etagere mit frischem Gebäck und Tee à discretion.

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Vorder-Brüglingen

Zwischen Villa Merian und Vorder-Brüglingen ruhen im Boden die Zwiebeln von rund 2000 Sorten Iris, die bedeutendste Sammlung der Gärten. Helene von Stein-Zeppelin hatte sie in den 1920er Jahren zusammengetragen und über den  2. Weltkrieg gerettet. 1969 verschenkte die Gräfin ihre Iris nach Brüglingen, wo sie im Mai und Juni blühen.

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Ökonomiegebäude (ehemals Kutschenmuseum) mit hängenden Topfpflanzen

Schade, dass das Wetter so trostlos-trübe war. Gute Fotografen werden auch mit Nebel fertig. Ich nicht, ich brauche Sonnenlicht. Aber ich kann ja nächsten Sommer nochmals dahin. Dafür hab ich im kleinen Italienerlädeli am Dreispitzareal farina doppio zero gefunden. Hat sich die Tramfahrt doch gelohnt.

Quellen:
Merian-Gärten siehe auch den Plan der Anlage
wiki: Christoph Merian

CH-2735 Malleray: Trübe Aussicht am Moron

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Vom Jurahäuschen aus sieht man bei guter Witterung auf den Moron. Mit dem Fernglas kann man über den höchsten Baumwipfeln eine vertikale Schraube entdecken. Die Schraube ist ein Aussichtsturm. 2004 aus Kalkstein, Beton und Stahl erstellt, ist er rund 31 Meter hoch. 209 Treppenstufen führen linksdrehend zur Aussichtsplattform. Den hab ich mir alleinwandernd mal angeschaut.

Bei klarem Wetter böte sich eine Aussicht über die erste Jurakette hinaus vom Säntis über die Berner Alpen bis zum Montblanc. Im Norden könnte man die Vogesen und den Schwarzwald erkennen.

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Der Turm wurde vom Architekten Mario Botta entworfen. Das Projekt wurde zur Förderung des Maurerberufs und zur Einführung von Lehrlingen in die Steinmetzarbeit lanciert. Insgesamt arbeiteten etwa 700 Lehrlinge am Bau mit, die Bauzeit dauerte rund vier Jahre.
Von Malleray führt eine holprige Naturstrasse bis zu einem Parkplatz. Von dort ist der Turm in ca. 15 Minuten zu Fuss erreichbar.

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Mit Fernsicht war jedoch nichts los. Die Sicht getrübt. Das Fundament, obwohl gut gemauert, bietet auch keine aufregenden Einblicke. Also nehmen wir am nördlichen Abhang des Moron das kleine Dörfchen Sornetan mit. Aufnahmen unterschiedlicher Besuche.

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Sornetan ist ein kleines Dorf in der Gemeinde Petit-Val. Es liegt auf 843 Meter ü.M., 12 km westlich von Moutier. Das Dorf ist noch vorwiegend von Milchwirtschaft und Viehzucht geprägt. Hauptsehenswürdigkeit ist die reformierte Pfarrkirche aus dem Jahr 1708.

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Auffallend der schöne Frontturm mit Zwiebelhaube sowie der barocke Predigtsaal mit viel heimeligem Holz, Sitzbänke mit unbequemen, evangelischen Rückenstützen [Hier stützt Dich Gott] und einer geschnitzten Kanzel. Unweit der Kirche steht noch ein evangelisches Tagungszentrum aus hässlichem Beton der 80-er Jahre. Etwas viel Christentum für die wenigen Einwohner.

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Doubs, der Unschlüssige (2): Les Brenets-Châtelot

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Mein erster Beitrag zum Doubs liegt schon über 2 Jahre zurück. Bis vor Kurzem durfte ich nicht daran denken, dass die mit Biaufond (1) mutig angekündigte Serie je noch eine Fortsetzung finden würde. Frau L. musste Wanderungen aufgeben. Damit ich nicht auch noch immobil werde, wandere ich nun alleine. Einer muss den Kopf oben halten.

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Der Doubs fliesst grösstenteils durch naturbelassene Landschaften. Einer der schönsten Abschnitte ist die Strecke zwischen Les Brenets und der Staumauer von Le Châtelot. Direkt auf der Staatsgrenze Frankreich-Schweiz. Da ich das Auto in Les Brenets abstellte, machte ich eine Rundwanderung daraus. Erst bequem auf dem Schiff Les Brenets-Saut du Doubs. Zu Beginn lag noch leichter Herbstnebel auf dem Fluss. 3°C. Zeit für Reflexionen.

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Doubsschleife 2 Wochen vorher von einem Belvedere auf der französischen Seite aus beobachtet

Die zurückliegende Schönwetterphase ohne Niederschläge hinterliess jedoch Spuren, der Pegelstand des Lac de Brenets lag tief wie selten, die Wasserfälle des Saut du Doubs praktisch ausgetrocknet. Es sind aber noch andere, weniger augenfällige Faktoren, die dem Doubs zusetzen: Die Landwirtschaft, deren Austrag an Düngern und Pestiziden sich im Flusswasser finden, ungenügend gereinigte Abwässer, mehrere Wasserkraftwerke, die mit ihren Sperren und rasch wechselnden Wasserständen den Fluss und seine Fauna schwächen sowie zahllose Schwellen, die für die Fischfauna unüberwindlich sind. Die beiden Herren auf der französischen Kanzel sehen auch kein Wasser.

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Ein kranker Fluss, an der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz. Niemand ist zuständig, um Abhilfe zu schaffen. Der Schwarzpeter wird reihum weitergereicht, und was so malerisch aussieht, wird wohl nicht krank sein. So denken Bürokraten. Ich wandere weiter, entlang des Lac de Moron. Meist durch lichten Wald, vor etwa 40 Jahren war hier alles abgeholzt. Steinwüste.

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Und, auf dem Rückweg später von oben gesehen, das ganze Rund des Lac de Moron.

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Kurz vor der Staumauer gehts ruppig (mit vielen Pausen, bin ja völlig untrainiert) in die Höhe auf die Felsen von Moron, ausser einer Gemse niemand zu sehen. Statt einer Dose Powergetränk „das dir das Gefühl von Stärke und Freiheit gibt“, hatte ich nur 2 Äpfel dabei. Am Aussichtspunkt Les Roches de Moron. 1 Rucksack, 1 Paar Wanderstecken.

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Die Staumauer von Le Châtelot.

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Blick flussaufwärts Richtung Saut du Doubs. Oben an den zwei Aussichtspunkten Côte de l’escarpineau und Belvédère Les Recrettes vorbei und alles wieder zurück hinunter nach Les Brenets.

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Kurz vor dem Abstieg ein friedlicher Abschluss der Wanderung.

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CH-2023 Gorgier: Gorges de l’Areuse

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Wer den Creux du Van besucht, darf als Bonus gleich noch die darunter liegende Areuseschlucht „mitnehmen“. Die Areuse ist mit 31 km Länge und einem Einzugsgebiet von rund 400 km² der Hauptfluss im Kanton Neuenburg.

Das Fürstentum Neuenburg gelangte 1707 in einem cleveren Schachzug der bernischen Regierung an die preussischen Könige, um die Franzosen von einem Zugriff abzuhalten. Preussen regierte das Fürstentum an langer Leine von Berlin aus. Auch nachdem 1815 Neuenburg als Kanton in die Eidgenossenschaft aufgenommen worden war, behielt der preussische König die Hoheitsrechte über das Fürstentum als persönlichen Besitz. Nach einem royalistischen Putsch drohte Preussen der Schweiz mit Krieg, der aber durch die Vermittlung Napoleons III. vermieden werden konnte. Erst 1857 verzichtete der König von Preussen endgültig auf seinen Anspruch auf das Fürstentum Neuenburg.

Unterhalb von Noiraigue und des Creux du Van durchbricht die Areuse die südöstlichste Jurakette in einer tiefen Schlucht, die mit einem Wanderweg erschlossen ist. Der Fluss stürzt im Bereich der langgezogenen Schlucht über mehrere Wasserfälle 270 m in die Tiefe. Zuunterst, beim Saut du Brot liegt die bekannte Steinbogenbrücke über die Areuse.

Die Wasserkraft der Areuse wird seit dem 14. Jahrhundert an verschiedenen Stellen durch Mühlen, Sägereien, in neuerer Zeit auch durch Zementwerke und Elektrizitätswerke genutzt.

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Stauwehr bei Noraigue
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Wasserkraft erzeugt Elektrizität und das Smartphone freut sich

Stotzig geht es durch die enge Schlucht hinunter bis zum Saut de Brot. Von hier aus könnte man flach weiterwandern bis Champ du Moulin und mit der Eisenbahn zurück. Ich stapfte die vielen Treppenstufen wieder hoch. Wandertraining.

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Im Frühjahr, wenn die Areuse Schmelzwasser führt, ist es hier am Schönsten, dann bleibt kein Wanderer trocken.

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Quellen:
wiki Areuse