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Aspromonte (6) Palizzi

von Bova aus wandern wir nach Palizzi. Erst auf blumengesäumten Maultierpfaden das Val dei mulini runter, an der Azienda agricola La valle dei mulini vorbei, die uns täglich den vorzüglichen Ziegenkäse zu unsern Picknicks liefert.

Dort dürfen wir uns en passant noch frische Mandarinen einer späten Sorte vom Baum pflücken.

Frisch gestärkt wieder Berg hoch. So ist das hier, wo immer man hin will, immer geht es wieder hoch, zwischendurch eine nette Begegnung mit der frei herumlaufenden autochtonen Schweinerasse „Nero di Calabria“ bis zum Picknickplatz, diesmal in der Remise eines Bauern. Denn inzwischen ist der Himmel überzogen und ein starker, kalter Wind bläst. Zum Picknick gibt es u.a. Fleisch vom Grillfeuer.

Danach am Monte Grappida vorbei nach Palizzi, von oben fällt der Blick auf das leere, baufällige Schloss.

Bereits seit dem Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. spielte Palizzi eine wichtige Rolle als Grenzort der beiden wichtigsten Städte der Magna Graeciaebiet in diesem Gebiet: die beiden Poleis Reghium (Reggio) und Lokroi Epizephyrioi (Locri).

Palizzi wird erst im 15. Jhdt. als Lehen der Familie Ruffo schriftlich greifbar, zwischenzeitlich gehörte es der Familie Colonna, zuletzt der Familie de Blasio. Die aus dem Mittelalter stammende Burg wurde im 17. Jhdt. von der Familie Colonna als Palast umgebaut, 1866 von den letzten Besitzern vergrössert.

In der Altstadt Palizzi wohnen noch rund 300 Einwohner, in der Fraktion Palizzi Mare rund 1900 Einwohner. Die Altstadt wirkt, im Gegensatz zu Bova, weniger herausgeputzt und teilweise verfallen und könnte noch ein paar Millionen Zuschuss von der EU vertragen.

Die Weine von Palizzi gehören zu den Besten Südkalabriens. Das will uns denn auch Antonio, unser Chef-Guide, bei einem Zwischenhalt in einem Lokal der Trekkingorganisation beweisen.

Danach Bezug des neuen Quartiers in Palizzi Marina, direkt am Meer. Mare mosso, Vento freddo.

Als Nachtessen reichhaltige Antipasti. Danach Spaghetti con mollica e alici alla calabrese und Muscheln.

Zuletzt überraschten uns die Guides Antonio und Pietro mit einem Konzert: eine Tarantella calabrese mit Tamburello und Zampagno, dem selbstgebauten Hirten-Dudelsack aus der Haut einer ganzen Ziege. Das war wegen Corona lange nicht mehr möglich. Leider fiel das organetto (Örgeli) aus.

Wird fortgesetzt.

Aspromonte (5): Vecchia Rughedi, das tote Dorf

Heute gehts in die Mitte des rauen, trockenen Aspromonte. Letzter Blick zurück auf die Burgruine von Bova. Tief unten am Meer Bova Marina, Bahnstation und Meerbad.

Aetna mit Wildbirne. In der Ferne glänzt der Schnee am Nordhang des Aetna. In der (sehr tiefen) Tiefe das Kieselbett des Fiumara Amendolea.

Vorbei an Pinienprozessionsspinnern samt zugehörigem Wäldchen.

Grossblütige Scheinkrokusse (Romulea bulbocodium) begleiten uns.

Aetna mit Kuhschädel.

Aetna mit Badewanne. Der Vulkan erfindet sich immer wieder neu. An der nahen Bergflanke klebend sieht man das grekanische Dörfchen Gallicianò.

Nach 500 Metern hinauf folgt ein Abstieg über 700 Meter auf Maultierpfaden, das tote Dorf Rughedi ist schon aus der Ferne sichtbar. Eingezwängt auf einem schmalen Felssporn zwischen der Fiumara Amendolea und einem kleineren Nebenarm.

von Süden aus erfolgt der Zugang mit einer weiteren Bachüberquerung.

Vecchio Rughedi liegt abgelegen und schwer zugänglich inmitten des Aspromonte. Erdrutsche im Zusammenhang mit dem bei Schneeschmelze und Unwettern häufig auftretenden Hochwasser der Fiumara zerstörten das Dorf 1972 teilweise. Frühere Abholzungen begünstigten Erosionen in dem geologisch instabilen Gebiet. Die Provinzregierung beschloss, die Bewohner aus Sicherheitsgründen zu evakuieren und baute Nähe Meer eine Ersatzsiedlung, Nuovo Rughedi, oberhalb Melito di Porto Salva. Doch aus aus einem alten Bergler wird kein junger Fischer. Einzelne Bewohner begannen ihre Behausungen mit Beton und Backsteinen zu renovieren, bis 1973 erneute Unwetter das begonnene Werk zerstörten und das Dorf auf Anordnung der Provinzregierung endgültig geräumt und aufgegeben werden musste. Heute sind die meisten der Häuser zerfallen. Zuerst fällt das Dach in sich zusammen, dann übernimmt die Natur.

Die steil ansteigende Hauptgasse des Ortes wirkt unheimlich, besonders wenn der Wind offene Türen und Fensterläden zuschlägt. Die 1972 von Bewohnern begonnenen Renovationsarbeiten wirken auf den Betrachter meist planlos und architektonisch seltsam.

Blick in eine offene Küche mit Abwaschbecken und vier Keramikplatten.

Ob die Spülung noch funktioniert?

Nur der Vorplatz der Kirche lädt zu kurzer Rast ein.

Als eines der wenigen Häuser verfügt die Kirche noch über ein Dach. Der Taufstein, ohnehin von zweifelhaft künstlerischem Wert, wird dennoch keine Kindstaufe mehr erleben.

Auf der Schotterstreckenheimfahrt nach Bova passieren wir eigenartige, durch Erosion entstandene, geologische Felsformationen: Caldaie del latte, Milchtopf. Sie gleichen den in der griechischen Antike verwendeten, henkellosen, kugelförmige Töpfen, sog. Ollae.

Gleich daneben die Rocca del Drago (Rokka du Traku), nicht dem ET-Film von Steven Spielberg entsprungen, doch -angeblich- von der Natur geformt.

Abends in der Cooperativa zu Bova u.a. Fideja mit Sugo sowie Capuccio (Weisskohl).

Wird fortgesetzt.

Aspromonte (4): Bova

Am Südhang des Aspromonte befindet sich auf rund 800 Meter ü.M. die Kleinstadt Bova. Knapp 500 Einwohner. Hauptstadt des Griechischen Kalabriens, grekanisch Chòra tu Vùa.

Der Legende nach wurde Bova von einer armenischen Königin gegründet, die, nachdem sie an der Küste gelandet war, ins Landesinnere stieg und ihre Residenz auf dem Hügel von Bova errichtete. Ihr Fussabdruck wird noch heute gezeigt. Wenn der Fuß eines Mädchens mit dem Fußabdruck der griechischen Königin perfekt übereinstimme, würde sich der Felsen öffnen und einen Schatz freigeben. Die zugehörigen, weiteren Anforderungen an das Mädchen seien nur am Rande erwähnt: Fußanprobe um Mitternacht bei Vollmond, Jungfrau und nackt, Ich habs dennoch probiert, nichts passte, aber was brauche ich einen Schatz, meiner begleitete mich ja.

Die Besiedlung von Bova ist sehr alt, wie zahlreiche Funde von Obsidianwaffen aus der Jungsteinzeit in der Region belegen. Im 8. bis 6. Jhdt. v. Chr. entstanden im Rahmen der großen Wanderungsbewegung von Griechenland nach Westen zahlreiche griechische Kolonien an der ionischen Küste Kalabriens. Mit dem Sieg Roms über die Karthager wurden die kalabrischen Ländereien von den Römern unterworfen, trotzdem waren die Ortschaften in der Nähe des Meers häufig barbarischen Invasionen ausgesetzt.

Seit dem neunten Jahrhundert wurde Bova häufig von den (nordafrikanischen) Sarazenen, aus dem von ihnen besetzten Sizilien her kommend, belagert und geplündert. Die Einwohner massakriert oder als Sklaven nach Nordafrika verschifft. Das 16. Jahrhundert brachte ein erneutes Aufflackern der Seeräuber, diesmal Türken, was weitere Festungsbauten erforderte. Im nächsten Bild die Reste der Normannenburg.

Die Feudalzeit (ab dem 10. Jahrhundert) begann mit der normannischen Herrschaft. Auf dem Felsen, der das Städtchen überragt, befinden sich die Reste einer normannischen Festung, die das Ionische Meer dominiert. Auf die laizistisch-normannische Periode folgte der kirchlich dominierte, schwäbische Feudalismus der Staufer, und Bova wurde dem Erzbischof von Reggio belehnt, der das Lehen bis 1806, dem Jahr, in dem die Feudalherrschaft aufgehoben wurde, innehatte.

Schriftliche Zeugnisse bestätigen die Einflüsse der byzantinischen, arabischen und normannischen Kultur.

Ein Erdbeben im Jahre 1783 verursachte in Bova erhebliche Schäden. 1943 wurde Bova von Angloamerikanischen Flugzeugen bombardiert und schwer beschädigt. Dank grosszügigen Investitionen der EU ist das noch vor 25 Jahren vom Aussterben bedrohte Städtchen heute zu einem Kleinod geworden. Kirchen und Stadtpaläste wurden restauriert, Gassen und Plätze sorgfältig gepflastert und nachts LED-ausgeleuchtet, Museen eingerichtet. Hier eines der schönen Häuser, der Palazzo Toscano. Auffallend die landestypische Verwendung alter Bruchziegel im Bruchsteinmauerwerk.

Eher skurril mutet im Schienenlosen Bergdorf die Dampflok der Ferrovie Italiane an. Ein ehemaliger Bürgermeister wollte damit an die vielen Gastarbeiter erinnern, die mit der Eisenbahn Arbeit im Norden suchen mussten.

Auf dem Weg in das Ristorante Grecanico der Cooperativa San Leo war die Sonne am Untergehen. Kitsch as Kitsch can. Ein Blick über Berge und die Straße von Messina hinweg zum Aetna in Sizilien. Im Mittelteil die fünf Zacken von Pentadattilo.

Eines der Menus in Bova, Primo: ciceri e tagghiarini (R). Ceci e tagliatelle fatte a mano.

Secondo: Teller mit polpette di ricotta (R), Peperoni e Patate, fagioli e funghi, erbette selvatiche und als Brötchen Lestopitte (R). (R=Rezept folgt)

Bova by night. Hier die Piazza Roma mit dem Palazzo Nesci Sant’Agata aus dem 18. Jhdt., links. Die schöne Eingangspforte fand auf dem Bild leider keinen Platz mehr.

Heimwegsuche ins Bett. Wie hiess unsere Strasse gleich wieder? Nachts gar nicht so einfach.

Aspromonte (3): Il Bergamotto

Das ist Ugo Sergi, studierter Anwalt, Besitzer der Zitrusplantage Azienda agrituristica „Il Bergamotto“. Die Azienda ist seit über 100 Jahren im Eigentum der Familie. Dieser Mensch hat mich bei unserem Besuch tief beeindruckt: bescheiden, sympathisch, gastfreundlich, intelligent, ruhig, durch nichts zu erschüttern, den Werten der Tradition verpflichtet und doch umsichtig und respektvoll im Umgang mit Natur und Biodiversität. Die Plantage liegt am Rande des Fiumare Amendola, auf Schwemmboden aus Kies, Sand und Lehm.

Das „Grüne Gold Kalabriens“, wie es einst benannt wurde, ist zwar längst -Dezember/Januar- abgeerntet, doch lässt Ugo jedes Jahr die Früchte an 1-2 Bäumen hängen. Die Bergamotte ist nach Ugo eine Zufallsmutation, sie kann nur durch Aufpfropfen (auf den Stamm einer Bitterorange) vermehrt werden. Die Bergamotte ist eine anspruchsvolle Pflanze, sie gedeiht nur auf einem rund 100 km langen Küstenstreifen in Südkalabrien, da, wo das wärmere ionische Meer mit dem nördlichen, kühleren Tyrrhenischen Meer zusammentrifft: an der Meerenge von Messina. Der Meeres-Mischvorgang der Gezeiten bewirkt ausgeglichene Tag-/Nachttemperaturen. Allen Versuchen, die Bergamotte andernorts anzusiedeln, war wenig Erfolg beschieden. Auch in Sizilien nicht. 90 Prozent der globalen Produktion stammen aus der Gegend zwischen San Giovanni und Siderno.

Zitronen, die letzten

Die Blütezeit des „Kalabrischen Goldes“ reicht ins 18. Jahrhundert zurück. Der Italiener Giovanni Maria Farina kreierte 1704 in Köln ein „Aqua Admirabilis“, das später als „Kölnisch Wasser“ weltweit bekannt wurde. Sein Duft war der Duft des Adels im 18. Jahrhundert. So musste man sich nicht mehr waschen. Doch die Zeit ist nicht still gestanden. Der chemischen Industrie gelang es, zwei, drei der Hauptkomponenten des Öls künstlich herzustellen. Das „Gold“ verlor seinen Glanz.

Ich selber kenne Bergamottöl nur aus dem Earl Grey Tee, den ich bislang überhaupt nicht mochte: Badewasser. Der Legende nach soll bei einem Schiffstransport von Tee für die Firma Twinings eine Flasche Bergamottöl zerbrochen und über die Teekisten verschüttet worden sein. Der Tee wurde als untauglich zum Verkauf betrachtet und an Fabrikarbeiterinnen verschenkt. Die tranken den Tee gerne, genossen die stimmungsaufhellende Wirkung der Bergamotte, so dass sich Twinings entschloss, den parfumierten Tee unter klangvollem Namen zu vermarkten.

Nach wie vor ist Bergamottöl in qualitativ hochstehenden Parfumeriewaren und dem Earl Grey enthalten. Doch die goldenen Zeiten sind vorbei. Der Anbau rentierte sich lange Zeit nicht mehr. Der Vater von Ugo (gesegnet mit dem kalabresischen testa dura) wollte von den Traditionen nicht lassen, die Anbaufläche wurde sogar vergrössert, auch wenn das Unternehmen keinen Gewinn mehr abwarf. Andere Bauern bezeichneten ihn deshalb als verrückt. Als Ugo den Betrieb von seinem Vater übernahm, verstand er das Vorgehen seines Vaters lange nicht. Mit einem zweiten Standbein, dem Agritourismus, versuchte er den Betrieb über Wasser zu halten. Zusätzlich verkauft er in seinem Lädchen allerlei Bergamotteprodukte. So kocht er u.a. den Saft zu Sirup ein, mit Wasser verdünnt ein grandioser Aperitiv.

Heute, Jahre später, weiss er, warum sein Vater nicht vom Anbau der Bergamotte lassen wollte und handelt genau gleich. Lachend meint er, die Bergamotte sei eben eine Art Droge, der er verfallen sei. Tatsächlich besitzt die Bergamotte verschiedene pharmakologische Eigenschaften: ist stimmungsaufhellend, senkt den Blutzucker und Cholesterin, lindert Schmerzen, wirkt antibakteriell, angeblich sogar antiviral (weshalb in Italien die Verkäufe von Bergamottensaft während der Covidzeit anstiegen). Die üblichen Zitrusfruchtschädlinge meiden die Bergamotte, der Anbau erfolgt ausschliesslich ohne Spritzmittel. Bergamottöl wird in Aromatherapien eingesetzt. Das Innere der Bergamotte galt lange Zeit als ungeniessbar, die Pulpe wurde an Ziegen verfüttert, die das Zeug lustvoll frassen und dabei physisch wie psychisch gut gediehen. Glückliche, statt meckernde Ziegen. Kurz, die Nachfrage ist wieder am Steigen. Damit sind die Probleme jedoch nicht alle gelöst. Sorgen bereitet Ugo der Klimawandel, die alljährliche Trockenheit, die den Grundwasserspiegel sinken lässt. Denn die Bergamotte ist eine wasserdurstige Pflanze: ein Baum benötigt alle paar Wochen etwa 2000 Liter kostbares Nass. Früher wurden die Felder von der Fiumara geschwemmt, heute werden sie mit dem Tropfenzähler ernährt. Genug zum Überleben, zu wenig zum Gedeihen.

Orangenblüte, die erste

Wenn die Bergamotten blühen, etwa anfangs Mai, soll ihnen ein betörender Duft entströmen. Alljährlich packt ein deutscher Imker aus dem Schwarzwald (den Namen hab ich mir leider nicht gemerkt) seine Bienen in den Lieferwagen, fährt die 1000 km zu Ugo, und lässt seine fleissigen, deutschen Bienen dort weiden.

Mit dem Segen von Ugo hab ich mir eine der wenigen, überreifen Bergamotten vom Baum gepflückt. Zuhause machte ich einen Aufguss meines besten Yünnantees mit einem kleinen Reiber der Bergamottschale: mein eigener Earl Grey. Ich will der Teeindustrie gewiss nichts unterstellen, doch mein Teeaufguss schmeckt weder nach billigem Teestaub (dust), noch nach Chemie, so gefällt er sogar mir. Und wenn es der Tee schafft, mir die Ruhe und Ausgeglichenheit von Ugo zu vermitteln, werde ich fortan mit dem von Frau H. gekauften, echten Bergamottöl einen Teevorrat anlegen. (ist inzwischen geschehen: 3-4 Tropfen Bergamottöl in eine leere Teedose, 50 g Yünnan dazu, täglich ein paar mal umdrehen, nach einer Woche trinkbereit).

And here is Ugo as he lives and breathes:

Voller Eindrücke machten wir uns auf die heutige Wanderung, nach Bova. 5 Stunden, 750 Höhenmeter. Vorbei an alten Olivenbäumen.

an den Mühlsteinen eines verlassenen Klosters.

vorbei an Wegweisern aller Art

Bis zum verdienten Mittagessen, dem Picknick im Garten von Francesco. Die Ragazzi richten das von uns mitgetragene Essen her. Den Wein trug ich.

Ein Tellerbild nach Art von Barbara Spielwiese. Allerdings auf Blech und in Plastik. Vorzüglicher Capocollo, Ziegenkäse, Oliven und Tomaten.

Da die mitgeschleppte Flasche Wein nicht reichte, spendierte Francesco eine seiner im Garten vergrabenen Flaschen des selbst hergestellten Hausweins. Danach einen Caffè aus der Bialetti Moka mit angekokeltem Handgriff.

Die letzten 200 Höhenmeter nach Bova waren danach ein Klacks. Das Gepäck wurde nachgeliefert. Auf uns wartete ein wunderschönes, modern eingerichtetes Apartement.

Wird fortgesetzt.

Aspromonte (2): Gallicianò

Neuer Tag. Neues Wanderziel. Gallicianò, ein Dorf mit 40 Einwohnern (wenn alle da sind), das seinen grekanischen Charakter gut bewahrt hat. Doch erst muss der Fiumare Amendolea überquert werden. Barfuss durchs kalte Bergwasser. Danach gehts 600 Meter obsi.

Unterwegs treffen wir auf viele wilde Artischockensträucher, deren Blüten aber noch zu wenig entwickelt sind sowie die kleinblütige Bergminze, Nepitella (Calamintha Nepeta).

Duftende Verführung: Der Ginster ist in voller Blüte, obwohl die Natur auch in Kalabrien gute zwei Wochen dem Normalfahrplan hinterherhinkt.

Optische Verführung: durch die leuchtend rote Schmetterlings Orchis (Anacamptis papilionacea)

Optisch-haptische Verführung: In Felsritzen lockt der Nabel der Venus (Umbilicus)

Wenig verführerisch: Opuntien, hier mit Meersicht, ein invasiver Neophyt. Bei Kühen und Ziegen trotz ihrer Stacheln beliebt.

Und immer wieder die Fiumare, hier der Zusammenfluss des Fiumare Amendolea (links) mit dem Fiumare di Condofuri (rechts)

Hinter einem Bergvorsprung, gut versteckt vor räuberischen Sarazenen, liegt das grekanische Gallicianò. Der Blick auf Ikonen, Himmel und Meer.

Mittag und wir am Ziel: Grekanisch, italienisch und Neugriechisch.

Mittagessen in der Cooperativa: Schöner Antipastoteller und nahrhafte Pasta (Ditali) mit Kartoffeln, Bohnenkernen, grünen Bohnen und Pancetta, gewürzt mit Fenchel, gekocht von Frauen des Dorfes. Wasser und der allgegenwärtige (gute) Rotwein aus Plastikflaschen.

Nach dem Mittagessen führt uns der Griechisch-orthodoxe Ortskundler Mimmo (ein pensionierter Architekt) durch sein (mit Mitteln der EU) schön herausgeputztes Dorf, das Ortsmuseum und das winzige, orthodoxe Kirchlein. Die katholische Kirche will er uns nicht zeigen, über die falschgläubige Konkurrenz redet man lieber nicht.

Die öffentlichen Kommunikationsmittel sind nicht mehr auf dem letzten Stand der Technik, doch besitzt hier fast jeder sein telefonino.

Abstieg durch die blumenreichen Weiden des Aspromonte. Die kalabresischen, krummhörnigen Ziegen waren leider eher dem Fressen als den Touristen zugewandt.

Nachtessen in der Azienda: Als Primo frische, hausgemachte Fileja calabrese mit Ceci, Tomatensauce und Ziegenschmorsud. Bestreut mit geriebener Ziegenricotta salata. Hauptgang: (Unmengen) von zart geschmortem Ziegenfleisch.

Wird fortgesetzt.

Aspromonte (1): Amendolea

Blumenwandern im Aspromonte. Eine organisierte Gruppenreise für 14 Botanikfreunde. Eigentlich nichts für mich, doch Frau H. schwärmte so vom südkalabresischen Nationalpark, dass ich mich anstecken liess. Wir wandern, die botanisch allwissende Reiseleiterin erklärt und übersetzt, die kalabresischen Ragazzi des lokalen Trekkingunternehmens organisieren: Wanderrouten, Unterkunft, Gepäck, Abendessen, Picknick, Birra, Vino, Caffè, Alles. Im angenehm modernisierten Schlafwagen werden wir nach Kalabrien gerollt. Kaffee inbegriffen. Ab Milano Centrale.

Ankunft in Villa San Giovanni am späten Morgen. Gegenüber werden wir von Messina und dem Aetna begrüsst. Transfer in das grekanische Bergdorf Pentedattilo (Pente Daktylos = fünf Finger) am Fusse des Nationalparks Aspromonte. Fünf hohe, weithin sichtbare Felstürme überragen das Dorf. Wie andere, strategisch gut gelegene Dörfer im Aspromonte, ist es eine griechische Gründung, die aus dem 7. Jhdt. vor Chr. datiert.

Die griechischen Ansiedler, auch spätere Zuzüger aus dem mittelalterlich-byzantinischen Raum, haben ihre Sprache über mehr als zwei Jahrtausende als Alltagssprache beibehalten und fast ausschliesslich oral weitergegeben. Das waren ja auch meist Hirten. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich daraus, vermischt mit Italienisch, ein eigenständiger Dialekt, das Grekanisch, herausgebildet, der von wenigen Einheimischen immer noch gesprochen wird. Wer der Altgriechischen Sprache mächtig ist, wird wohl einige Sprachfetzen verstehen können. Mit der Zeit wurden die Griechisch-Kalabrier zu einem vergessenen Volk in Italien und Europa. Den Bemühungen des deutschen Philologen Gerhard Rohlfs (1892-1986) um Erhalt und Verschriftlichung dieser Sprache ist es zu verdanken, dass das Grekanisch noch nicht ausgestorben ist.

Unwetter und Erdbeben verursachten in vergangenen Jahrhunderten schwere Schäden. Die Einwohner emigrierten an die Küste, der Ort entleerte sich. In den vergangenen Jahren wurden einige Häuser wieder restauriert.
Wir wandern um die 5 Felstürme herum in die Blumen. Unglaublich schön und berührend.

Nach dem Rundgang um und durch Pentedattilo Transfer mit dem Kleinbus in die Unterkunft, die Azienda agrituristica von Ugo Sergi in Amendolea. Umgeben von eigenen Plantagen mit Zitronen, Mandarinen, Orangen und vor allem (abgeernteten) Bergamotten.

Bezaubernder Blick auf Meer und die Fiumara Amendolea. Fiumare bilden tief in die Gebirge eingeschnittene Täler mit einer breiten Schotterebene. Fiumare werden nicht von Quellen gespeist, sondern leiten Regen ab. In der niederschlagsarmen Zeit sind sie meist ausgetrocknet, können sich aber bei starkem Regen in reißende Gewässer verwandeln.

Nach einem Picknick und als Einstimmung klettern wir gefühlte 400 Meter hoch auf die Ruinen von Alt-Amendolea, auch das eine griechische Gründung. Die Tafeln sind hier oft 3-sprachig angeschrieben: Oben Grekanisch. Mitte Italienisch. Unten Neugriechisch.

In der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts war die Apenninenhalbinsel politisch zersplittert. Nach der Einwanderung der Langobarden blieben Apulien, Kalabrien und Sizilien zunächst noch unter byzantinischer Herrschaft, doch konnten die Byzantiner die Einwohner nicht vor den ab dem 9. Jhdt. zunehmenden, arabischen Einfällen schützen. Da weder die römisch-deutschen Kaiser noch die oströmischen Herrscher wirksamen Schutz vor Einfällen der „Sarazenen“ boten, griffen die lokalen Machthaber zur Selbsthilfe. Sie nahmen normannische Söldner in ihre Dienste (Pilger, nicht erbberechtigte Söhne, Glücksritter und sonstige Abenteurer). Die Söldner aus dem Norden nutzten das Machtvakuum aus und begannen sich dauerhaft zu etablieren, begannen eigene Herrschaftsbereiche aufzubauen.

Der Ursprung der Burg Amendolea liegt in der normannischen Zeit; die Gründung wird Richard von Amendolea, einem Normannen, zugeschrieben. Die Burg wurde im 13. Jahrhundert auf Anordnung von Friedrich II. (der Staufer) zerstört. In den folgenden Jahrhunderten wurde sie wieder aufgebaut, war Zankapfel zwischen lokalen Adelsfamilien (u.a. Amendolea und Ruffo). Nach dem Ende der Feudalzeit 1806 verfiel die Burg.

Gemeinsames Abendessen mit den Ragazzi in der Azienda: Salat, Gemüsefrittata, Catalognagemüse, Parmigiana di Melanzane, Peperonata. Wasser (volles Glas) und roter Gaglioppo (leeres Glas).

wird fortgesetzt.

F-25150 Pont-de-Roide (Doubs 34)

Wenn schon nicht Paris, dann ein Katzensprung über die französische Grenze, nach Pont-de-Roide. An den Ufern des Doubs. Wieder einmal. Frau H. kennt hier eine schöne Gratwanderung entlang der Crêt des Roches in einem Naturschutzgebiet. An den Schattenhängen über Goumois liegt noch Schnee, tief unten glitzert der Doubs. Der Himmel blau, eiskalt.

Wieder runter nach Saint Hippolyte und nach wenigen Kilometern sind wir in Pont-de-Roide. Natürlich kein Vergleich mit Paris. Rund 4000 Einwohner. Schönstes Gebäude der Stadt: das Hôtel de Ville.

Hässlichstes Gebäude: der Lidlschuppen (links daneben, ohne Bild). Die übrigen Häuser irgendwie dazwischen. Mittagessen im Restaurant La Tannerie am Ufer des Doubs. Einfach, ordentlich, freundlich. Danach hoch zum Parkplatz des Fort des Roches auf 615 Meter Höhe.

Die Festung Fort des Roches wurde zwischen 1874 und 1880 am Rande einer Klippe errichtet, die sie an seiner Nord- und Westseite unzugänglich macht. Sie überwachte das Doubs-Tal, die Straße von Vesoul nach Saint-Hippolyte, die umgebenden Plateaus und sicherte das südlich von Montbéliard gelegene Fort Mont-Bart vor Umgehung. Die Kommunikation erfolgte zu Beginn mit optischer Telegrafie.

Als Folge der Niederlage von 1871 und des Verlusts von Elsass-Mosel (im französisch-deutschen Krieg) wurde von Dünkirchen bis Nizza ein neues Verteidigungssystem von isolierten polygonalen Forts errichtet. Insgesamt wurden 212 Forts, 18 Schanzen und 156 Festungen neu erbaut.

Endlose Gänge,

die teils an verlassene psychiatrische Kliniken erinnern. Sinnbild des kriegerischen Irrsinns.

Das Design der Latrinen scheint seit 2000 Jahren keine Fortschritte gemacht zu haben; jene z.B. in Ostia antica im alten Rom waren in Marmor gehauen und auf Sitzhöhe angebracht. Siehe Bild bei wiki

Nur in der Küche wächst hoffnunfsfrohes Suppengrün aus dem Festungsgraben in den Fensterausschnitt.

Nach dem Rückfall des Elsass-Mosel 1918 an Frankreich verschob sich die Grenze wieder an den Rhein. Die meisten Fortifikationen der Nord-Ost-Flanke verloren an militärischem Wert, weil sie zu tief im Landesinneren lagen. Sie wurden grossenteils aufgegeben oder 1936 in die spätere Maginotlinie integriert.

Nach soviel Düsternis & Dunkelheit durften wir auf der Wanderung entlang der Felskrete Sonnenschein und erste Frühlingsblüten (unten das immergrün Felsenblümchen) geniessen. Die Welt könnte ohne Kriege so schön sein.

CH-2953 Château de Pleujouse

Wenn nach 2 Tagen harter Arbeit im Garten der Kühlschrankinhalt am Sonntag vor Saint Valentin an Schwindsucht leidet, der Supermarkt in Bassecourt geschlossen ist, der eigene Garten ausser Feldsalat noch nichts liefert, ja, dann überlassen wir das Kochen gerne wieder einmal dem Schlossherrn im nahen Jura-Schlösschen Pleujouse.

Hoch über den Caquerellepass (830 m.) via La Malcôte hinunter in das kleine Dörfchen, das sich am Eingang des engen Talkessels nach der Baroche hin öffnet, einem Teil der Ajoie (dt. Elsgau). Im Dorf (das sich dt. Blitzhausen nannte) wohnen keine 100 Einwohner mehr.

Auf einem felsigen Gebirgsvorsprung hoch über dem gleichnamigen Dorf steht die um 1100 erbaute Burg der Herren von Pleujouse und dominiert die Umgebung. Die Familie gehörte zu den Edelfreien und besass mehrere Güter in der Ajoie. Ab dem 13. Jhdt. gehörte die Burg den Fürstbischöfen von Basel, die sie -in steter Geldnot- den Herren von Pleujouse, nach dem Aussterben des Geschlechts an weitere Adlige verliehen bzw. verpfändeten.  1444, im Verlauf des Konflikts zwischen Basel und dem oberrheinischen, habsburgischen Adel, wurde die Burg von den Eidgenossen abgebrannt. Die Burg wurde durch die damaligen Lehensmänner, die Grafen von Ortenburg wieder aufgebaut und blieb bis 1792 in der Herrschaft Ajoie des Fürstbistums Basel.

1792-1813 gehörte das Territorium der Freiberge zu den französischen Departementen Mont-Terrible bzw. Haut-Rhin. Das Schloss Pleujouse wurde als französisches Nationaleigentum verscherbelt. Seit dem Wiener Kongress 1815 gehörten die Freiberge bis1978 zum Kanton Bern, ab 1979 zum Kanton Jura.

Der Rundturm stammt aus dem 13. Jahrhundert, das mächtige Wohnhaus, das heutige Schloss, aus dem 16. Jahrhundert.

1924 kam das heruntergekommene Schloss in den Besitz der Association des Amis du Château de Pleujouse. Der Verein renovierte und gestaltete es mehrmals um. 1980 fiel das Schloss erneut einem Brand zum Opfer, wurde 1988 als Gasthaus wieder hergestellt. Lange Zeit stand es leer, wer will schon in einem derart abgelegenen Gasthaus wirten? Seit 2002 wird das Haus vom Ehepaar Catherine und Gérard Praud geführt, beides erfahrene Gourmetköche, sie einheimisch, er Bretone. Trotz der einsamen Lage, weitab von den Heerstrassen des Tourismus, sind die beiden mit ungebrochenem Enthusiasmus am Kochen. 

Hier der dritte Gang des Valentinsmenus:

La gourmande turbotin, poularde de Bresse, truffe noire en osmose. Le parfum suave du basilic, baies de Pondichéry

Am hinteren Ende des Tälchens liegt das Dörfchen Asuel (dt. Hasenburg), Ein Strassendorf mit rund 200 Einwohnern, einer Sägerei, einer Wirtschaft und einer Kirche aus dem Jaher 1839 mit dem typischem Burgunderhut.

Hoch über dem Dorf wiederum eine verfallene Burg. Die Burg war mit andern Familiengütern vom letzten Hasenburger (1479) gegen eine Leibrente an den Bischof von Basel gekommen, der schon früher Herrschaftsrechte innehatte. Der Bischof liess die Burg allmählich zerfallen; im 16. Jahrhundert wurde sie verlassen und diente den Bauern fortan als Steinbruch.

Viel zu sehen gibt es von der Burg nicht mehr. Besser erhalten als die Burg ist der zu Füssen der Ruine angelegte Weltkriegsbunker aus Beton. Aber auch der bröckelt, und das nach erst 80 Jahren.

Und ich bin wieder einmal völlig am Thema „Valentinstagmenu“ vorbei geschrammt.

CH-7530 Im Nationalpark

Auch das eine Remineszenz an unsere Herbstferien im Engadin. Die schöne Wanderung im Nationalpark. Von der Ofenpasshöhe aus um den Il Jalet, via Fop da Buffalora südlich am Munt Chavagl und Munt la Schera vorbei mit dem berühmten Ausblick auf den Lago di Livigno und durch Arvenwälder zum Parkplatz Il Fuorn. Happige Wanderung. Am Anfang Nebel. Die Sonne hinter dem Piz Daint versteckt. 0 Grad.

Nach einem Kilometer Ratlosigkeit. Links oder rechts am Il Jalet vorbei? Linksherum grässliche Abgründe. Entlang aufsteigender Felswände. Nichts für mich Schwindelhaften. Also rechts herum. Kräftiger Anstieg. Alles gefroren.

Nach Anstieg im kalten Schatten des Il Jalet stehen wir plötzlich über dem Nebel. Wunderschön. Wenn nicht der exponierte, steile Abstieg gewesen wäre. Frau H. voraus. Ich mit zittrigen Knien mehr oder minder mutig (nur nie nach unten schauen) hintendrein.

Und es ging. Wieder auf sicherem Weg hinunter zur Schlucht im Val Murtaröl.

Il Jalet, 2389 m ü.M. rechts der Bildmitte. Mitten durch schröckliche Felszacken und Geröllhalden führte der Trampelweg in die Tiefe. Im Vordergrund die Alpe Buffalora.

Auf den Munt La Schera mochten die Beine nicht mehr. Der Ausblick ist aber auch von der Direttissima schön.

Die Schrecknisse der wilden Berge waren bei einem guten Abendessen im Restaurant Stüva Colani unter Chef Paolo Casanova rasch vergessen. Hier nur ein Beispiel aus dem Menu. Der Chef kann seine Weiterbildung bei Massimo Bottura nicht verleugnen:

Salmerino

Seesaibling auf Tannennadeln gegart, Stangenpfeffer, Chimichurri der Lärche, Haselnüsse, „Guter Heinrich“ Spinatspitzen, fermentierte Himbeeren, violette Kartoffeln aus Madulain und fermentierter Bio Radieschen Salat.

CH-7442 Val di Campo

8 Jahre ist mein letzter Beitrag unter dem Schlagwort „Grenzland“ her. Seither hat sich so vieles geändert. Doch meine Sehnsucht nach Ferien im Engadin hat sich unverändert gehalten. Heuer war es wieder soweit: 5 Tage in einem guten Hotel: In Lain. Mit Frau H.. Das tat gut. Sehr gut. Liegt aber bereits wieder 3 Monate zurück.

Ich plante eine leichte Bergwanderung in eines der schönsten Alpentäler der Schweiz, einem Seitental des Puschlav auf der Südseite des Berninapasses, das auf drei Seiten von Italien umgeben ist. 

In Sfazù, 1623 m ü.M., wollte ich den kleinen Postbus besteigen, der uns auf 2065 m ü.M. hätte bringen sollen. Doch ohne Platzreservierung ging bei schönem Herbstwetter nichts. Wir waren etwas spät dran, ich fuhr im Stil von Michael Schuhmacher mit Mäxle III über die Bernina, doch war nichts mehr zu machen. Postbüsli „completo“. 2 Stunden zusätzlicher Fussmarsch, bergauf. Wohlan, mit den auf dem Geröll der Calanques trainierten Beinmuskeln ist das machbar. Nach steilem Anstieg öffnet sich der wundervolle Ausblick auf Biancograt, Piz Palü, Bellavista und den einzigen 4000er der Ostalpen: Piz Bernina.

Friedliche Eselweide. Nur Fressen, nicht Laufen.

Auf 1943 m ü. M. der erste der Val da Campo Seen.

Der noch junge Fluss Poschiavino bei Poz da Rugial.

Lärchenhain bei Saoseo.

Und endlich, der schönste der Val da Camp-Seen: Lagh da Saoseo, 2029 m ü.M.

Baum Friedhof im Saoseo-See.

Unweit davon der kleine Lagh da Scispadus.

Am Rücken eines starken Partners lässt sichs gut anlehnen.

Lagh da Val Viola. 2160 m ü.M. Meine Begleiterin gönnt sich den Blick auf die Alpen durch den Feldstecher.

während ich als Gipfelstürmi (nicht zu verwechseln mit Gipfelstürmer) den letzten Meter, notabene 2162 m ü.M., erklimme.

Zurück rechts des Bächleins auf die Alpe Campo, wo wir mit müden Knochen den letzten freien Sitzplatz im Postbüsli ergatterten.

F-13000 Marseille (3)

2013 wurde der alte Hafen von den Architekten Norman Foster und Michel Desvigne umgebaut. Die umgebenden Strassen der Quais auf 2 Spuren reduziert und der freiwerdende Platz zu einer Fussgängerzone umgestaltet. Attraktiver Blickpunkt der offene Pavillon, dessen polierte Dachunterseite das Treiben auf dem Platz spiegelt und Licht und Farben intensiviert.

Ein paar Kutter entladen ihren täglichen Fang (auch Sonntags) im Hafen.

Brassen
Mittelmeer- und Tigermuränen

Auf einem stillen Platz eine eindrückliche Lesung aus Büchern von Anna Seghers (Transit) und Günther Lier (Marseille), die beide über die Hölle tausender Menschen berichten, die im zweiten Weltkrieg auf ihre Papiere warten, um endlich ausreisen zu können. Geflüchtet vor den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, vor den Nazis, gestrandet in Marseille. Bittstellen und endloses Warten in Konsulaten, die nervenzehrenden Berichte und Gerüchte in den Cafés und Restaurants am Hafen und wie sie die Betroffenen zermürben. Das ständige Auf und Ab zwischen Hoffnung und Todesangst. Ein Leiden, das man sich beim heutigen Anblick des Hafens kaum mehr vorstellen kann.

Blick vom Fort in den alten Hafen

Wanderung zum Fort Saint Jean, das 1660 unter Louis XIV am Eingang zum Alten Hafen erbaut wurde. Es sicherte die rechte Hafenseite gegen das Meer, die Kanonen konnten aber auch gegen die Stadt und ihre aufmüpfige Bevölkerung gerichtet werden. Während der Französischen Revolution wurde das Fort als Gefängnis genutzt, danach diente es als Stützpunkt für die Fremdenlegion. Heute ist das Fort Teil des Musée des Civilisations de l’Europe et de la Méditerranée, kurz: MuCEM und beherbergt u.a. einen wunderschönen botanischen Garten mit den im westlichen Mittelmeerraum gedeihenden Pflanzen.

Tour du Fanal vom Botanischen Garten aus gesehen
Reife Oliven im botanischen Garten
Die vorgelagerten Inseln If und Frioul

Mit der U-Bahn ins 9. Arrondissement zu der vertikalen Stadt, der betongewordenen Idee einer Wohneinheit (Unité d’Habitation), die vom Schweizer Architekten Le Corbusier 1925 erdacht wurde.
Mit standardisierter, modularer Serienproduktion (ein Vorgänger der Plattenbauten) wollte er den Bewohnern einen erhöhten Wohnkomfort zu erschwinglichen Preisen anbieten. Seine Idee wurde in Marseille mit der Cité radieuse 1947-1952 erstmals realisiert. In Frankreich entstanden weitere 3 Einheiten, eine in Berlin. Das Haus hat 337 doppelstöckige Appartements, Lift, Hotel, Wäscherei und ein Restaurant. Der Beton bröckelt, Armierungseisen liegen bloss. Die Aussicht ist schön, der Pool auf dem Dach war jedoch für die Bewohner reserviert.

Nach dem Lunch (eingekauft bei Aldi) im Parc Borely, wo nebeneinander ein französischer Barockgarten und ein englischer Landschaftsgartern angelegt sind, ging der Stadtspaziergang an einem im Rahmen des urbanistischen Erneuerungsprogramms angelegten Weg entlang des Flüsschens Huveaune wieder zur Metrostation. Abends gutes Essen mit Frau H. im L’Épuisette, einem besternten Fischrestaurant. Erinnerungswürdig der Aspic de Boullabaisse und meine nette Begleitung.

Am Sonntag war schon wieder Kofferpacken angesagt. Der Kopfbahnhof wurde bereits 1848 eröffnet, später ausgebaut. Marseille-Saint-Charles war einst eine wichtige Etappe auf der Seereise nach Afrika, in den Nahen und Fernen Osten, bevor das Fliegen populär wurde. Er ist über eine monumentale Treppe mit dem Stadtzentrum verbunden, die 1925 eröffnet wurde und von zahllosen Statuen gesäumt wird, die von all den entfernten Orten inspiriert sind, zu denen die Menschen vom Hafen von Marseille aus segelten.

Escalier Gare Saint Charles: die prunkvolle Treppe

Nicht die Schönste aller Städte der Welt, doch gewiss viel schöner und ergiebiger als Hollywood.

Ende

F-13000 Marseille/ F-13260 Cassis (2)

Ausflug nach Cassis und Wanderung im Nationalpark Calanques. Die Calanques sind fjordähnliche Buchten im Kalkgestein des Mittelmeers. Sie sind seit 2012 in einem Nationalpark geschützt und liegen rund 20 Kilometer entlang der Küste zwischen Marseille und Cassis. Im kleinen Fischerstädtchen Cassis besuchten wir den Markt. Etwa zwei Dutzend Stände, am Hafen bieten Fischer täglich ihren Fang an. Eine Augenfreude.

Es fiel mir schwer, nichts einzukaufen, doch eine anstrengende Wanderung in die Calanques stand bevor. Zunächst zur Calanque Port Miou, die früher als Steinbruch benutzt wurde, ganz Marseille wurde aus deren Steinen erbaut. Heute dient sie als Seglerhafen.

Vorne, am Zugang zum Meer, sieht Port Miou viel hübscher aus.

Der Blick auf das östlich gelegene Cap Canaille ist hinreissend.

Mittagessen aus dem Rucksack in der Calanque Port Pin. Zufällig 🙂 hatte ich die Badehose eingepackt und konnte mich bei angenehmster Temperatur mit ein paar Zügen im Meer erfrischen.

Herr L., mitte links mit Brille, Bauch und Badehose aus dem Jahr 1985

Nach der Mittagsrast gings den Berg steil hoch, mit vielen Zwischenhalten. Zeit für botanische Betrachtungen und Erläuterungen der Eigenheiten der Flora in den Calanques. Inmitten der Macchia u.a. Aleppoföhren, Strandföhren, Stech-Wacholder, Phönizischer Wacholder, stacheliger Dornginster, kleinblütiger Stechginster, Mastix-strauch, Terebinthe, Kermeseichen und echter Thymian. Da wir dafür zuviel Zeit benötigten, blieb uns nur noch der Blick hinab in die Schönste der Calanques, die Calanque d’En-Vau. Der Abstieg in die tiefe Schlucht hätte zu lange gedauert.

Nach der Rückkehr nach Cassis folgte eine Dichterlesung und ein Empfang im kleinen Amphitheater der Camargo-Foundation. Die Gründung eines amerikanischen Eisenbahn-Milliardärs und Philanthropen, die Schriftstellern, Musikern, Künstlern und Wissenschaftlern einen mehrmonatigen Aufenthalt an schönster Lage am Meer zur Verfolgung und Entwicklung ihrer Projekte finanziert. Nach diesem anstrengenden Tag hatten auch wir uns einen Pastis am Ufer verdient. Nachdenken, mit welchem wissenschaftlich-geistigen Projekt ich mich bei der Foundation um einen Aufenthalt bewerben könnte. Doch trotz hochgeistigem Pastis fiel mir dazu nichts ein. Ausser ein bisserl Kochen kann ich ja nichts.

Gutes Nachtessen mit der Gruppe im Yachtclub Cassis.

Fortsetzung folgt.