D-79219 Staufen im Breisgau: wie man 500 Jahre überdauert

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Blick auf die Burgruine Staufen

Weite Reisen sind nicht mehr unsere Sache. Zumal bei Hitze. So haben wir unsern wöchentlichen Ausflug, auch schon wieder ein paat Wochen her, in den südlichen Schwarzwald gemacht. Wo es aber nur unwesentlich kühler war, als in Basel. Die Reise führte uns erst durchs Wiesental hinauf bis Todtnau, dann über den Notschrei auf die Schauinslandstrecke, von dort wieder hinab in das Münstertal nach Staufen. Vorbei am Restaurant Spielweg, das von Arthurs Tochter so warm empfohlen wurde. Ich wusste gar nicht, dass das hier und so nahe an Basel liegt.

Staufen liegt am Ausgang des Münstertales, wo sich das Tal zur Rheinebene hin ausweitet. Weit sichtbar liegt die Burgruine der Herren von Staufen auf dem Schlosshügel. Hier oben verwalteten die Herren von Staufen einst ihre Lehensgüter während beinahe 500 Jahren. Seit Beginn des 12. Jhdts. bis 1602. Eine bemerkenswerte Kontinuität.  Die Herren von Staufen waren übrigens nicht verwandt mit dem Adelsgeschlecht der Hohenstaufen.

Zunächst traten die Herren von Staufen als Ministerialen der Zähringer in Erscheinung, mit dem Aussterben der Zähringerherzöge 1218 als Gefolgsleute der Grafen von Freiburg. Mit dem Ausweiten der Herrschaftsgebiete der Habsburger im Breisgau schlossen sie sich diesen an. So hält man sich für lange Zeit oben. Unter den gefallenen Gefolgsleuten der Habsburger bei der Schlacht bei Sempach von 1386 sind übrigens zwei Herren von Staufen verzeichnet. Die Stadt Staufen (wie auch Freiburg) wurde ein Teil des habsburgischen Vorderösterreichs; die Freiherren bekleideten ab dem 15. Jhdt. verschiedene habsburgische Verwaltungsposten in Vorderösterreich.

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Hauptstrasse mit Blick auf Burgruine

Seinen Besitz hatte das Geschlecht in den umliegenden Gemeinden des Breisgaus und des Dreisamtals. Die Herren von Staufen lebten eine zeitlang recht gut an den beiden Haupteinnahmequellen aus dem Münstertal: der Vogtei über das Kloster St. Rudpert sowie an den ihnen verliehenen Schürfrechten an einigen Silber/Blei-Minen.

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Rathausplatz
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Rathaus
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Rathausplatz

Dadurch entwickelte sich Staufen in der Mitte des 13. Jhdts. von einem Dorf zu einem prosperierenden Städtchen. Eine Marktstrasse wurde angelegt, eine Stadtmauer mit Toren wurde hochgezogen. Die brauchte es aber auch bald wegen Streitigkeiten mit der Stadt Freiburg ums liebe Geld.  Von Mauern und Toren gibt es leider nur noch sehr wenige Spuren.

Im 14. und 15. Jhdt. gerieten die Herren von Staufen zunehmend in eine finanzielle Schieflage. 1602, nach dem Tod des Freiherrn Georg Leo von Staufen fielen Burg, Stadt und sämtliche Besitzungen, mittlerweile alles österreichische Lehen, an die Habsburger zurück. Schwedische Truppen besetzten im Dreißigjährigen Krieg die Stadt und brannten 1632 die Burg nieder. Vorübergehend wurde Staufen an die Herren von Schauenburg verpfändet und kam 1738 an das Kloster St. Blasien im Hochschwarzwald.

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Hauptstrasse mit Bächle, mediterran gepägt
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Altes Haus an der St. Johannesgasse

1806 kam Staufen an das Großherzogtum Baden. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, am 8. Februar 1945, wurde Staufen durch einen Luftangriff der Alliierten in Schutt und Asche gelegt, Krieg.

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Spitalstrasse, rechts das Stadthaus der Äbte von St. Rudpert

Das Stadtbild ist neben einigen repräsentativen Gebäuden eher das einer kleingliedrigen, dörflichen Siedlung. Ein kleines, aber sehenswertes Städtchen. Pech dass bei kleineren geothermischen Bohrungen durch eine Gipskeuperschicht eine Wasserschicht angebohrt wurde, die unter grossem Druck stand. Durch die Wasseraufnahme wandelt sich das Anhydrit im Gipskeuper zu Gips um und verdoppelt dabei sein Volumen. Beinahe 250 Häuser wurden durch die Erdhebungen zum Teil schwer beschädigt.

Gegessen haben wir auf der Herfahrt an der Schauinslandstrasse im Hotel Die Halde. Ein Tipp von Lucas Rosenblatt. Hier haben wir gutbürgerlich und ausgezeichnet gegessen. Pfifferlingssuppe, Tomatenterrine mit Ziegenkäse, rosa gebratene Rindsfiletstreifen mit Spätzle und Pfifferlingen, als Dessert Schwarzwälder Heidelbeeren mit Joghurt-Holunder-sorbet. Ein sehr schönes, sehr ruhig gelegenes Hotel.

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Dunkel getäferte Gaststube
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Blick vom Hotel Die Halde zum Feldberg

Quellen:
wiki
Badische Seiten

22 Kommentare zu „D-79219 Staufen im Breisgau: wie man 500 Jahre überdauert“

  1. In dieser Gegend halten wir uns meist im Vorwinter auf, um das ein oder andere deutsche Produkt nach Frankreich zu schaffen. Im Hotel *die Halde* waren wir bisher nur auf ein Stück Schwarzwälder Kirsch – die war, auch schon wieder ein paar Jährchen her, SEHR mächtig.

  2. Was für feine Fotos; und die Geschichte der Gegend kurzweilig zusammen gefasst Und dieses Wetter! Hier gießt es den zweiten Tag in Filge in Strömen! Ist nicht Faust im Gasthaus Löwen vom Teufel geholt worden?! Wegen chemischer Experimente?

  3. In Staufen machten wir früher häufig Rast, auf dem Weg in den Süden. Daran musst ich in den letzten Jahren immer denken, wenn die Berichte über diese Katastrophenbohrungen im tv kamen. Das Städtchen war günstig auf unserer Strecke gelegen und lud zum kurzen Spaziergang ein. Es gab eine sehr schöne Metzgerei, die wir plünderten, so gut wir konnten.

    Interessant fand ich immer, dass der historische Georg Faust, also das Vorbild für die Tragödie von Goethe, in Staufen gelebt hat. Das beschauliche Städtchen habe ich mir immer als Kulisse vorgestellt.

    Außerdem ist Staufen die Heimat eines ziemlich bekannten Herstellers von Obstwässerchen aller Art.

  4. Ich kann das Hotel „Die Halde“ auch sehr empfehlen. Nicht nur das Essen ist hervorragend, man kann sich dort auch bei ein paar Tagen Wellness wunderbar vom Alltagsstress erholen.

  5. Ein schöner Bericht, sehr gelungene Fotos und offensichtlich auch wieder das passende Wetter, so dass Frau L. ihren hübschen Hut ausführen konnte 😉

  6. Hoi Robert

    Das interessanteste in Staufen hast du übersehen (oder verscheigst es): Die Gusseisenbrücke über die Neumagen. Die einzige erhalten gebliebene Gusseisenbrücke in Deutschland.
    Sie wurde um 1845 als Eisenbahnbrücke über die Elz bei Kenzlingen-Hecklingen gebaut. Sie wies aber massive technische Mängel auf und wurde deshalb schon 1871 durch eine neue Brücke ersetzt. Teilen der alten Gusseisenbrücke fanden eine zweite Verwendung als Strassenbrücke in Staufen. Für Gusseisen-Freunde aus aller Welt DER Höhepunkt in Deutschland.

    liebe Grüsse vom Muger

  7. eure ausflüge bereichern meinen alltag immer wieder! eine wahre freude: die fotos, der text – und das grüne flatterband 😉

    habt einen schönen sonntag noch!
    e.

  8. @Micha: man hat so seine Essensgewohnheiten, die man auch in der Fremde nicht gerne aufgibt 🙂

    @Sylvia: ja, der Herr Doktor soll hier durch eine Explosion beim Goldmachen verstorben sein. Hier scheint die Sonne, leicht herbstlich, aber sie scheint.

    @nata: der ruhelose Herr Doktor kam weit umher. Hätte er sich in der Staufener Wässerchenfabrik mit Danziger Goldwasser eingedeckt, würde er vielleicht heute noch leben 🙂

    @mipi: wir ziehen das Baden in der eigenen Badewanne vor, aber das Haus macht wirklich den Eindruck, als ob man ein paar Tage Wellness gut vertragen könnte.

    @Ti saluto Ticino: der Tschäpper muss immer mit, wenn die Sonne scheint 😉

    @der Muger: ich muss gestehen, dass mich Gusseisen bisher nur interessiert hat, wenn es in Pfannenform gegossen wurde. An der Schweiz ältester (1854) Eisenbahnbrücke fahren wir häufig vorbei. Wir haben auch einen solchen Höhepunkt: http://www.baselland.ch/fileadmin/baselland/files/docs/bud/zeitung-bud/pdf/buz_43.pdf

    @ellisillus: Danke für die guten Wünsche, die ich gerne erwidere. Das Flatterband war einst Teil einer Pralinenverpackung. Aufgeknotet und geplättet dient es nun zum aufbrezeln des Hutes.

  9. A beautiful place! I really love those magnificent houses and that mountain landscape.

    Grüsse and have a great Bundesfeier,

    Rosa

  10. Sehr stimmungsvolle Fotos hast Du da wieder gemacht – DANKE! Und das Hutband von Frau L. – sehr kreativ, das gefällt mir 🙂

  11. Danke für die Erinnerungen.
    Ich bin häufiger über den Stohren vom Notschrei ins Münstertal oder die andere Richtung gefahren. Es ist für mich eine märchenhafte Strecke und nach oben musste ich in einer Spitzkehre oft mit meinem Diesel in den ersten Gang schalten.
    Im Spielweg hatten wir das Essen nach unserer standesamtlichen Trauung ganz im kleinen Kreis. Wir waren nur 10 Personen.
    Das „Nachbarkloster“ heisst übrigens St. Trudbert.

  12. Bei deinen Geschichten über eure Ausflüge bekomme ich Heimweh! Als ich noch in Freiburg gewohnt habe, sind wir oft mit Gästen für einen kleinen Ausflug nach Staufen gefahren, einfach weil das Städtchen so schön und urig ist. Tolle Bilder hast du davon gemacht. Am „Haldenköpfle“ habe ich übrigens Skifahren gelernt, bevor ich – nachdem ich nagelneue Ski zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte – auf´s Snowboard umgestiegen bin.

  13. Es ist wirklich wunderschön dort im Südschwarzwald. Stammt der Hut von Schloss Beuggen? Dort haben sich zwei Damen meiner Familie mit Strohhüten eingedeckt. 🙂
    Herzliche Grüsse und einen schönen Sonntag!

  14. Vielen Dank für diesen wunderbaren Ausflug in den Südschwarzwald, den ich sehr liebe. In Staufen war ich noch nicht, nur in Freiburg, wo es auch überall die netten Bächle gibt. Du hast uns ja schon ganz viel von der schönen Schweiz gezeigt, obwohl ich Laufenburg CH immer noch vermisse. Was hälst du von Ausflügen ins nahe Elsass?

  15. Aprospos Schieflage, wo sind denn die anderen Bauten für die Staufen mittlerweile Berühmt ist?? 😉

  16. @Rosa May: we are in the jurassic mountains, far away from firework.

    @Hanne: Frau L. sammelt leidenschaftlich Geschenkbänder

    @mamiluise: auf 10 Personen hatten wirs damals auch gebracht. Danke für den Hinweis auf den Verschreiber.

    @Christina: tollkühn, sich da runter zu stürzen. Ich kann nicht skifahren, als Flachländer schlägts mich immer hin.

    @Brigitte: nein, gesehen und gekauft in Basel. Das heisst aber, dass wir die Kommende Beuggen auch noch besuchen müssen.

    @Nathalie: Freiburg hat mehrere, Staufen eins oder zwei, und sogar das Schweizerische Delsberg hat eins.

    @Buchfink: Laufenburg ? da war ich doch mal…. suchsuchsuch…. sowas, nichts darüber berichtet. Wird nachgeholt. Im Elsass waren wir früher oft, ist uns igendwie aus dem Blickwinkel geraten. Mal sehen, ob die auch Postleitzahlen haben.

    @the rufus: wo immer es ein Glas Wein gibt, ist es gemütlich.

    @schniko: meine Reiseberichte entsprechen unserm Reisestil: willkürlich, persönlich unsystematisch und sind nicht in der Absicht auf kompendiale Vollständigkeit verfasst oder fotografiert. Das denkmalgeschützte Freibad kann ich auch noch beim nächsten Besuch knipsen 🙂

  17. Danke für den tollen Reisebericht. Die grösste Atraktion von Staufen ist für mich allerdings immer noch das „Cafe Decker“. Bessere Torten und Kuchen gibt es im Umkreis von 50 Kilometer nicht.
    Grüsse

    Ralf

  18. Das artet nun richtig in Arbeit aus, denn deine Tipps und auch noch die deiner Kommentatoren sind aufhebenswert. Ich hab gerade eine Datei erstellt, gerade das Richtige bei Regenwetter (nur dass ich jetzt mächtig Hunger kriege).

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