
Zufällig sind wir Ende September in Urnäsch in die Viehschau geraten. Kuhfladen wiesen uns den Weg. Die Viehschau findet alljährlich nach dem Alpabtrieb statt (siehe mein Beitrag Appenzeller Streetparade). Die Tiere werden, nachdem sie von Experten in verschiedenen Klassen eingeteilt (rangiert) sind, einem Schönheitswettbewerb unterzogen, bei dem es kaum weniger ernsthaft als an Misswahlen zugeht. Gruppenweise werden sie den (männlichen) Preisrichtern vorgeführt, die das Exterieur der Schönheiten: deren Fundament, Schönheit, Aufhängung und Drüsigkeit der Euter, Fitness, Lebensmilchleistung, Breite des Beckens, Brustbreite, Gang und mehr der Dinge, die auch bei richtigen Misswahlen im Vordergrund stehen, säuberlich in Bewertungsblätter eintragen.


Insgesamt habe ich, grob geschätzt, etwa 500 Models gezählt, die ihren Anspruch auf den Titel mit lautem Gemuhe und nackten Hintern unterstrichen. Neben dem Platz lud ein Jahrmarkt zum Verweilen


Die Urnäscher Siegerin, wenn ich mich recht erinnere, heisst sie Aline, ist ungleich schöner und besitzt einen noch braunern Teint als Alina, die Schweizer Miss 2011



Zur Appenzellertracht gehört am rechten Ohr eine Ohrschuef(fl)e getragen, ein kleiner Schöpflöffel aus vergoldetem Silber, Nachbildung der hölzernen Rahmschöpfkelle. Wozu der Schmuck dient, ist mir nicht klar. Vielleicht zum Schnapstrinken ? Das Rauchen von Krummen (einer Art gewundener Virginia-Zigarre) ist Buben an solch hohen Feier- und Festtagen ja auch erlaubt.

Neben der Viehschau waren noch Dutzende bemalter Milcheimer aus geschnitztem, hellem Ahornholz der teilnehmenden Bauernfamilien zu bewundern.

Nami.So viel steak auf einem Platz;)
Das sind wieder usgsuecht scheeni Bilder und Bildusschnitt. Au d‘ Mischig passt. Chapeau !
Thanks so much for sharing those very Swiss pictures with us!
Grüsse,
Rosa
Wenn es mich nicht täuscht, ist die Ohrschuefe ein altes Standeszeichen der Bauern, das einen Löffel zum Abrahmen darstellt. Um damit tatsächlich über die Milch zu fahren, dürfte der Anhänger wohl zu klein sein, als Erkennungszeichen reicht er aber wohl.
schöne tiere! weder ohrmarke noch nasenring – das ist ja schon eine seltenheit heute. (in ö trägt jedes tier so eine gelbe plastik-ohrmarke.)
@Dzoli: ja, und alle in freier Wildbahn.
@Basler Dybli: Danke, wenn irgendwo Kühe herumstehen, bin ich immer dabei.
@Rosa May: it’s easy in Switzerland to capture such pictures.
@bee: also eine Art öffentlicher Geheimbund.
@katha: Irrtum, ohne Ohrmarke und Eintrag ins Stammbaum-Register ist die Teilnahme an einer Zucht-Viehschau nicht möglich. Die Tiere werden zuvor geputzt, gestriegelt und frisiert.
Ob des bäuerlichen Interesses war ich nun doch überrascht. Was Bruder Zufall manchmal so parat hält… Ich finde die Augen einer Kuh ja besonders sanftmütig!
Ich war als Kind in der Schweiz immer auf die Orangeringe der Buben neidisch – ich durfte mir damals keine Löcher stechen lassen.
Schöne Fotos mit fein eingefangener Stimmung: Was ist denn die Bedeutung eines Ohreschuefe?
„Die Hintern der Missen“ ist wohl ein Bild rauf gerutscht 😀
@Micha: der Bauer lebt von und mit der Kuh, Interesse ist da mehr als verständlich.
@Nathalie: die meisten Ohrplempel sind ja aber auch so etwas von Kitsch.
@Margit Kunzke: ein altes Standeszeichen der Bauern, das einen Löffel zum Abrahmen darstellt (nach Bee)
@the rufus: kommt darauf an, ob man hinter oder vor den Missen steht 😉
nach vergleichendem betrachten der beiden missis (link gefolgt) sind für mich beide wunderschön .assoziativ an das lied “ zwei dunkle augen“ gedacht
danke für die bilder gelebter tracht. als oberbayer feue ich mich immer wieder, wenn dieser stolz, seine regionale identifkation über das aussehen deffinierbar zu machen, dokumentiert ist.
durch gelebtes leben und nicht nur für die touris.
@Richard: das mit der regionalen Identität hast Du schön gesagt !
Was für ein herrliches Brauchtum, von dir hier sehr humorvoll präsentiert. ‚Miss Urn…ä(r)sch‘ 😉 ist aber wirklich eine Schöne …
das gefällt mir immer besonders, wenn wir unewartet in so etwas geraten.