Die kurze Gruppenreise nach Wien führte uns zu den Themen Geologie, Botanik, Biodiversität und Gegenwarts-Literatur. Nebenberuflich organisiert durch eine kleine Gruppe von Profi-Botanikern Botanik-Reisen. Wir hängten noch 2 Tage vornedran und erweiterten den Themenstrauss um Kulinarik und Operistik, sprich einem Besuch in der Staatsoper.
Jenen, die meine Reiseberichte nicht interessieren, sei der eben publizierte Juli-Vegi-event von 6plus6 empfohlen: lucasrosenblatt.net
Zum Einstimmen erst ein langer Brauner in einem traditionellen Kaffeehaus:

Hungrig und mit schwerem Herzen vorbei an der Heimat des Schnitzels zum Steirereck.

Das Steirereck liegt an keiner Ecke, sondern mitten im grünen Stadtpark. Alles modern und sehr chic eingerichtet. Freundliche und kompetente Bedienung. Umwerfend die Brotauswahl, mein Favorit, das Krustenbrot, von dem allein wir uns zu Mittag hätten ernähren können.

Insgesamt sechs elaborierte, hochkomplexe Gerichte. Durch die bei jedem Gang existierende „oder“-Option konnten wir uns fleischlos durch das ganze Menu bewegen. Hier nur ein Beispiel mit dem Titel:
Allium: Lauchgewächse mit Marille, Steinpilz & Heu.
Eine auf Salz gebackene, mit Marille und Distelöl marinierte, weisse Zwiebel. Darauf Steinpilz-Marillen-Lauch-Gemüse mit eingelegten Gurken und Schönbrunner Zitrone. Die 3 Zwiebelschalen liegen auf Scheiben von gedämpftem Serviettenknödel, dazu eine weisse Zwiebelcreme und als Saucenspiegel eine Beurre Blanc aus fermentierten Heu-Kräutern. Das soll mal einer Nachkochen!

Die Komplexität der Gerichte spiegelt sich in jedem Gang wieder. Ein toller Einstand. Der letzte Gang in den washroom im Untergeschoss setzt voraus, mit der Weinbegleitung Mass gehalten zu haben:

Abends Besuch in der Staatsoper, Donizettis Don Pasquale in einer burlesken Inszenierung: ein richtig lustiger Anlass. Vorzüglich die kleinen Pausen-Canapées des k.u.k Hofzuckerbäckers Gerstner, die wir ohne Anstehen an einem reservierten Tischchen sitzend geniessen durften.

Anderntags Besichtigungstour in der Innenstadt: Marsmenschen allüberall. Sie stehen am Tatort der Geschichte. Blind für die Stadt und ihre Bauwerke. Und schauen sich Geschichte in Form animierten 3D-Filmchen durch ihre elektronischen Brillen an. Virtual Reality? Fake Reality! Hätten sie sich auch zuhause auf dem Kanapee angucken können.

Das nicht durch virtuelle Sehhilfen verstellte Auge bietet doch jede Menge an Schönheiten, wie hier die weiblichen Karyatiden, die auf ihren Häuptern schwere Architrave tragen oder…

… junge Männer, die jedoch nur leichte Wasserschalen zu tragen haben, wie hier beim Parlamentsgebäude.

Mit der Strassenbahn fuhren wir um den Ring: Sightseeing by Strassenbahn u.a. die von Grün überwucherten Hundertwasserhäuser.

oder wurden an der Hand einer freundlichen Frau mit grünem Herz bei Fussgängerstreifen hilfreich über die Strasse geführt.

Nach einem heissen Stadttag winkte uns zum Abendessen an der Himmelpfortgasse im TIAN (chinesisch für „Himmel“) reine, vegetarische Küche, von Paul Ivićs gekonnt inszeniert:
Nach dem hübschen Amuse in Form einer gestickten bzw. gebackenen Sonnenblume:

Acht (mit den separat servierten Versionen zehn Gänge. Hier als Beispiel: verschiedenartig fermentierte Gurkenkugeln (u.a. Dill, Limonenzeste) auf einem Ring von aromatisiertem Kefir und einem Spiegel von Gurkenessenz serviert: Klasse.

Lag es da nicht nahe, diese zwei farbenfrohen Tage mit einem Schlummertrunk ausklingen zu lassen?

Teil 2 folgt später: A-1000 Wien: Donau, Ziesel, Zilk, Ernst&Friederike
Lieber Robert
Herzlichen Dank für den unterhaltsamen Bericht aus Wien und überhaupt die Reiseberichte! Sie zaubern mir so oft ein Schmunzeln ins Gesicht und Wasser in den Mund. Sie sind mir eine Freude und Geschenk auch weil mir die schönen Bilder Gegenden ins Haus „liefern“, die ich lieben würde aber leider nicht mehr erwandern kann. 🌺💫💛
Auch ich hätte mir vor 2 Jahren nicht gedacht, dass ich wieder zum Reisen komme. Doch bin ich mir dieses Glücks und seiner Vergänglichkeit wohl bewusst.
Lieber Robert,
„hungrig und mit schwerem Herzen vorbei an der Heimat des Schnitzels zum Steirereck.“
Warum essen Sie kein Wiener Schnitzel, wenn Sie schon mit schwerem Herzen vorbeischleichen?
Wie Sie schreiben, sind Sie sich der Vergänglichkeit des Lebens bewußt.
Frau H. wird es ertragen, wenn Sie mal „sündigen“.
Gönnen Sie sich ein Schnitzel, wenn Sie das wünschen.
Frau H. bekommt vielleicht währenddessen ein vegetarisches Schnitzel und ist glücklich damit.
Erlauben Sie sich das, denn das Leben ist endlich.
In Ihrem Alter ist alles erlaubt, Sie müssen sich nichts verbieten und sich auch nichts verbieten lassen oder jemanden „gefallen“, dies wäre in Ihrem Alter sehr ungut.
Wenn Sie das Bedürfnis haben, ein Schnitzel zu genießen, dann gehen Sie bitte nicht schweren Herzens an so einem Lokal vorbei.
Enjoy Life!
Danke für die Fürsorge. Frau H. und ich leben einen vernünftigen modus vivendi. Sie isst wieder Fleisch… und ich esse vegetarisch. Je nachdem, wie es sich ergibt. Für Wien hatte ich schon alles verplant. Und Schnitzel kann ich auch zuhause backen, wenn auch nicht tellergrosse. Wie hiess der Leitspruch im TIAN?: „Es lebe die Neugier. Es lebe das Leben“
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div dir=“ltr“>Lieber Robert
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div dir=“ltr“>
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div dir=“ltr“>Schnitzel?? Deine Antwort ging an die falsche Adresse … Mit flexitarischen Grüssen;-) Doris
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div>P.S.: wenn dann lieber Hinterwäldler Hohrückesteak (oder Voressen, oder so) v
Den Figlmüller links liegen zu lassen ist nicht unbedingt der Kardinalfehler schlechthin.
Grüße aus Wien und Umgebung!
Das Briefzentrum in Wien hat die Postleitzahl A-1000, für die Innere Stadt/ 1. Bezirk ist A -1010 richtig, da in Wien alle 23. Bezirke eine eigene Postleitzahl besitzen.
Wer eine Stadt besucht, bewegt sich zwangsläufig durch mehrere Bezirke mit unterschiedlichen PLZ. Diese in einem Blogtitel alle zu nennen, wäre doch etwas arg sperrig.
eine fülle von schönen worten und bilder, die staunen und lachen hervorrufen. ❤️lichen dank. die zusammenführung von stickrahmen und backwaren ist natürlich mein favorit. 👋🏼❤️🐝👑🐶
Eine echte Sonnenblume gabs dann als eines der Gerichte nochmals. Die war aber eher zäh.
ach lieber commendatore sprenger, welche SCHMACH für mich, daß sie MEINE stadt besucht haben, ohne daß ich ihre wege in speziellere, andere bahnen lenken durfte, weniger touristenüberströmt, dafür noch ziemlich echt! steirereck und tian bieten gewiß außergewöhnliches, aber das hawelka hat seine gute zeit schon etwa 40 jahre hinter sich..
ich folge ihnen ja schon viele jahre TREULICH, einmal hab ihnen ein flascherl feines kürbiskernöl geschickt, und immer gehofft, sie würden mal hier in die gegend kommen.
nun denn, vielleicht ein nächstes mal…..
herzlichste grüße
elly förster
Mein bisher einziger, kurzer Besuch in Wien liegt 40 Jahre zurück. Wir hoffen, wieder einmal nach Wien zu kommen. Wer an Gruppenreisen teilnimmt, bewegt sich in einem zeitlich engen, vorgegebenen Korsett. Dennoch besuchten wir nicht nur touristische hotspots. Mehr darüber später. LG
Schon beeindruckend, wie Sie sich aufrecht an den Steierecker Schnitzel vorbeizerren. 😉
schon deswegen sollte ich Wien nochmals besuchen.
mein erster Wien-Besuch fand vor ca. 60 Jahren statt.
Damals dirigierte ein gewisser Karajan vom Cembalo aus : Die Krönung der Poppea von
Monteverdi. Ich hatte nur Stehplatz aber trotzdem waes unvergesslich. Ich hab deinen Bericht genossen und freue mich auf den 2. Teil.
„von“ Karajan, darauf legte der eitle Porschefahrer hohen Wert. Aber das kann man ihm, in Betracht seiner Leistungen, ja verzeihen.
Wien ist für mich eine der Städte in den wenig bis fast keine Hecktig herscht. Und der Figlmüller gehört natürlcih dazu 😉. Was ich mir nicht angetan habe ist das Café Sacher. Zu gross war die Warteschlange vor dem Eingang
Warteschlangen wie vor Sacher und Demel mögen wir auch nicht. Und Modepaläste, in denen ein security einem den Eintritt verweigert, weil gerade ein arabischer Prinz mit Familie einkauft, auch nicht.
Pflanzenkost im Steirereck
soweit ich mich erinnere, kennen Sie sich mit den zentralen Molekülen sehr aus.
„Chlorophyll ist dem Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff des Menschen, sehr ähnlich. Beide Stoffe sind fast identisch. Der einzige Unterschied ist, dass sich im Zentrum der chemischen Struktur beim Chlorophyll ein Magnesium-Molekül befindet, bei der Hämoglobinstruktur ein Eisen-Molekül“
ähnlich, nicht ganz identisch. Der Mensch ist ein eigenartiges Pflänzchen.
Wie immer wieder, vorzügliche und begeisternde Schilderung
Danke, wir waren auch begeisterrt von Wien
Danke für das Mitnehmen! Herzlich, Sunni
bald werde ich mich mitnehmen lassen müssen. LG
Dafür ist noch lange nicht die Zeit gekommen! LG
Lieber Robert, ich hätte den Glauben an die Kulinarik verloren, wenn ihr zum Figlmüller gegangen wärt. Danke, dass ihr euch anders entschieden habt.
Glauben an die Kulinarik ? Den hab ich schon lange beiseitegelgt. Wenn ich unsere Mahlzeiten nicht schon von Basel aus reserviert hätte, wäre ich glatt Schnitzel essen gegangen. Da habe ich überhaupt keine Hemmungen 🙂
Als Wiener esse ich schon ganz gerne mal ein Schnitzel, aber dafür gibt es wirklich gute Adressen, die auch leicht zu finden sind. Das Ur-Steirereck war aber aber tatsächlich ein typisches Ecklokal an der Weißgerberlände/Rasumofskygasse am Donaukanal. Liebe Grüße Robert
Das nächstemal werde ich mich besser vorbereiten müssen.
Ja, unser Brot kann schon was….
genau wie die SkifahrerInnen.