Fiori d’amore: aphrodisische Gaumenfreuden

Kochtopf_aphro0_redc2008_1365
Mit hochgeschlagenem Mantelkragen und aufgesetzter Sonnenbrille habe ich mir bei einbrechender Dämmerung eine Packung moschusduftenden Büffelmozzarella gekauft. Ihn mir diskret unter der Ladentheke in die geöffnete Einkaufstasche schieben lassen. Atemlos zuhause angekommen, verheisst schon das Öffnen der verschliessenden Cellophanfolie knisternde Spannung. Endlich offen bzw. aufgerissen entfaltet sich ein erotischer Anblick, der sich nur dem reinen Kunstfreund erschliesst: der von keiner Hand verstellte Blick auf die Venus von Mozzarella, wenn auch nur auf den oberen Teil. Wer mag da noch kochen ? Nur die rauhe Wirklichkeit des aktuellen Kochtopf-events kann mich von weiteren Kunstbetrachtungen losreissen. Für mein Rezept brauchts Büffelmozzarella, Mozzarella di bufala oder wie ich ihn lieber nenne: fior d’amore. Nicht etwa den banalen, kuheutrigen fior di latte, den Kuhmozzarella.
Blog-Event XXXII - Aphrodisische Gaumenfreuden

Zutaten
ca. 250 g Mozzarella di Bufala, siehe Anmerkungen
2 Zucchetti mittelgross
1 junge Knoblauchzehe
2 rote oder gelbe Peperoni
2 Peperoncini auch rot
natives Olivenöl
Beurre ramolli (weiche Butter)
Salz, Pfeffer

Mise en place Zucchinibänder schamlos angegrillt
Kochtopf_aphro3_redc2008_1557 Kochtopf_aphro2_redc2008_1555

Zubereitung
(1) Peperoncini der Länge nach halbieren, entkernen und in feinste Brunoise schneiden. Knoblauch in feinste Würfelchen schneiden.
(2) Zucchetti mit einem Gemüsehobel längs in ca. 3 mm dicke Streifen schneiden. Die Streifen in einer heissen Grillpfanne ohne Öl beidseitig anbraten bis ein Grillmuster entsteht. Die Streifen noch heiss mit wenig Olivenöl sanft einpinseln, pfeffern und salzen. Behutsam auf die Seite legen.
(3) Zwei eherne Ringe (8cm) innen mit beurre ramolli einstreichen. Den innern Rand mit 3-4 kräftigen Zucchettistreifen auslegen und jeden Ring auf eine gebutterte kleine Gratinform legen. Den fior d’amore (Büffelmozzarella) in flache Stücke schneiden und mit den Zucchettistreifen, Knoblauch und Peperoncinowürfelchen schneckenartig aufrollen und den Ring damit satt auslegen. Grob pfeffern. Mit den übriggebliebenen Mozzarellastücken bedecken und mit Peperoncinowürfelchen bestreuen. Schon halbfertig sehen sie doch aus wie Venusblumen:
Kochtopf_aphro00_redc2008_1366

(4) Peperoni den Einbuchtungen entlang aufschneiden, entkernen und mit einem Sparschäler von allen Hüllen befreien. In Streifen schneiden. Dann in Olivenöl andünsten, salzen, pfeffern und mit einem Tlf. Honig süssen. Bei mittlerer Hitze dünsten bis sie gar sind und die Flüssigkeit eingekocht ist, etwa 10 Minuten.
(5) Parallel dazu die Venusblumen liebevoll in die Gluthitze eines von oben und unten auf 200°C vorgewärmten Ofens stellen und unter dem Grill etwa 10-15 Minuten schmelzen lassen. Ein voyeuristischer Blick durch das Guckfenster, auf dass sich das makellose Weiss des Büffelmozzarella nicht schamrot verfärbe. Auf dem Höhepunkt der Verschmelzung die Ofentüre öffnen, die Venusblumen herausziehen, den Ring abziehen, mit dem Beigemüse verzieren und dann genüsslich mit dem Vernaschen beginnen. Leider sind die Hügel durchs Schmelzen flach geworden und der letzte Bissen erkaltet und mozzarellaschlaff, ganz wie im richtigen Leben.

Venusblume, halb gefüllt Venusblume, frisch erblüht auf dem Teller
Kochtopf_aphro4_redc2008_1560 Kochtopf_aphro6_redc2008_1572

Anmerkung
Büffelmozzarella einzukaufen ist gar nicht so einfach. Die einen sind durch wilde Abfallverbrennungen Dioxinverseucht, andere von venerischer Brucellose befallen oder von der Mafia kontrolliert siehe hier. Der neue Blog Fressen und Trinken empfiehlt uns ausschliesslich tagesfrischen im Latium oder der Campagna zu kaufen und erklärt alles andere als Schwachsinn. Ich empfehle in der Schweiz wohnenden den Schweizer Büffelmozzarella, von diesen Tieren, den würde zwar kein Neapolitaner essen wollen. Dafür ist er Brucellose-, Dioxin- und Mafiafrei. Nur die hübschen Zipfelchen gibts halt leider nur bei der Importware. Ich alter Narr.
Kochtopf_aphro7_redc2008_1573

AddThis Social Bookmark Button

25 Kommentare zu „Fiori d’amore: aphrodisische Gaumenfreuden“

  1. Schrill!!!!!!!!!!

    Dass die Schweizer Zensur noch nicht auf dieser Seite war und mit schwarzen Balken alles zugekleistert hat….Ist ja noch früh, kommt sicherlich noch!!!!!!!!!
    Die Sitte hat Dich im Auge!

  2. Robert, Robert, ich vermute mal das letzte Bild unten soll die Schamröte darstellen

    Wie sollen wir da auch nur annähernd konkurrieren 😉

  3. @da hats wohl Einigen die Sprache verschlagen 🙂

    @Bolli: meine Hauszensur hätte nicht nur Balken aufgeklebt, die hätte gleich den ganzen Beitrag löschen lassen. Wobei mich meine Hauszensur aber schon manchmal vor grösseren Dummheiten bewahrt hat.

    @Ilka: konkurrieren lieber mit guten Rezepten, wo führte das hin 🙂 Hätte doch mehr gelbe Peperoni verwenden sollen.

  4. Für mich hast du gerade schon gewonnen… ich muss immer noch schmunzeln nachdem ich einige male laut lachen musste 🙂 die fiori sind perfekt geworden und sicher auch so ohne scham und hochgekrempelten kragen vorstellbar. nur eine sache möchte ich noch wissen: wie war die wirkung???? 🙂

  5. Schon auf den ersten Blick bin ich Deiner Venus von Mozzarella rettungslos verfallen. Wie Du die hübschen, kleinen Dinger mit raffiniertem Vorspiel souverän zur entfesselten Klimax führst, um Dich endlich hemmungslos mit ihnen zu vereinigen. verrät den erfahrenen Könner und lebensweisen Genießer.
    Bravo, Robert!

  6. @nysa: das ist ein kulinarischer Wettbewerb, da gelten andere Massstäbe. Die Wirkung ? ja was soll ich da sagen, hab nicht drauf geachtet, der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt, bin eher Theoretiker. Schreiben ist immer nur die Darstellung einer Sache, nie die Sache selbst 🙂

    @reibeisen: das nächstemal würde ich sie eher mit Ziegenkäse machen oder einer Béchamel mit Mozzarellawürfeln.

    @TheoH: Ging mir gestern beim Schreiben auch so.

    @plappermäulchen: wirkt vielleicht auch gegen Husten ?

    @Franz: Danke, noch jemand der mich versteht.

    @lavaterra: das braucht den Blick des Kenners, den Dreh haben nicht alle Mozzarellaproduzenten raus 🙂

  7. Die Verwickelungen nicht uninteressanter Art lassen den Hauch einer angenehm in Erscheinung tretenden prickelnden Wahrnehmbarkeit durchaus geschmacklich erahnend auf der Zunge erschmecken.

  8. Da war heute früh echt die Sprache weg, so baff war ich ob dieses meisterlichen Beitrags – aber das konnten inzwischen einige weit besser formulieren! 🙂

    Darauf trinke ich ein Glas Champagner (mein erster Test mit Gravatar…, mal schauen, ob es klappt)

  9. hat nicht geklappt – da hätte eigentlich dieses andere Foto sein sollen…

  10. @kulinaria: genauso hab ichs gemeint, aber die Formulierung nicht zuwege gebracht.

    @Petra: schmunzeln, so wars gedacht.

    @ultraistgut: Ab Morgen wird wieder ganz normal gekocht 🙂 Ich beneide Dich um das schöne Wetter !

    @Barbara: als Ausrichterin des Events hat man natürlich eine gewisse Mitverantwortung für die Auswahl der publizierten Texte, aber auch das Recht Texte zurückzuweisen 🙂
    Das Foto vom frühen Morgen gefällt mir besser als die letzten zwei.

  11. Das Foto kam mit Verzögerung nach – hier musste es Champagner sein… Ich fand, dass das passte.

    Welches vom frühen Morgen meinst Du, das leere hier auf der Seite oben oder mein Macaron-am-Morgen?

  12. Dass die furiose Einleitung noch vom nachfolgenden Rezept getoppt werden könnte, habe ich nicht für möglich gehalten. Is aber so – Applaus, Applaus, Applaus! Ich grinse wie ein Honigkuchenpferd….

  13. Lieber Robert,
    hast du schon mal daran gedacht ein Buch zu schreiben?
    *Köstliche Verführungen* oder umgekehrt! So ein tolles Rezept! Wunderbar!!!
    She

  14. @Barbara: das Foto mit dem weissen Umriss im grauen Hintergrund entspricht nicht der Wirklichkeit 🙂

    @Wortmann: das oberste oder das unterste Foto ?

    @Jutta: ich lache auch gerne

    @She: mir fehlt die Aura des Verführers, bin nicht so wie ich mich hier auf ein paar Zeilen präsentiert habe und Schriftstellern möchte ich auch nicht. Mir fliessen zwar Ideen zu, bis die in einen Text umgesetzt sind, muss ich mich aber schwer damit abmühen.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.