Strisce viennese

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Heut wird mal wieder an einem Denkmal gerüttelt, dem Wiener Schnitzel. Ich mache schmale Streifen (strisce) von Kalbfleisch, paniere und brate auf klassische Art, jedoch mit viel Zitronenabrieb in der Panüre. Eine Freude für Menschen, welche eine gute, knusperige Panierung ebensosehr oder fast noch mehr lieben wie das darunterliegende Fleisch. Schmeckt ausgezeichnet, auch wenn sich damit das Wiener Schnitzel überhaupt nicht beeindrucken liess und um keinen Millimeter von seinem Sockel weichen wollte. Zu diesem Gericht trägt Frau L. ihre Ofenratatouille bei.

Zutaten
Hauptgericht für 2 Personen
für die strisce:
3-4 kleinere, dünne Kalbsplätzli
1 Ei
selbstgemachte grobe Brotbrösel
Abrieb einer Bio-Zitrone, vermischt mit den Bröseln (besser zum Ei mischen)
Weichweizendunst (derselbe, den ich für Pizza nehme)
Bratbutter
Salz, Pfeffer, Zitronenschnitze

für die Ofenratatouille:
siehe Ofenratatouille.
1 kleine Zucchetti
1 mittlere Aubergine
je 1 Peperoni gelb und rot
1 Peperoncino
6-8 kleine Tomaten
1 Frühlingszwiebel (diesmal wars eine Salatzwiebel)
2 Knoblauchzehen
Salz, Thymian, Rosmarin, Puderzucker
Olivenöl
Aceto Balsamico vom etwas Billigeren und trotzdem Guten

Brösel mit Zitronenabrieb Strisce werden angebraten
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Zubereitung
für die strisce:
(1) Kalbsplätzli abspülen, mit Küchenpapier gut trocknen. In etwa 8 mm breite, lange Streifen schneiden.
(2) Bratpfanne mit schwerem Boden auf mittlere Hitze (6/9) bringen, reichlich Bratbutter schmelzen.
(3) Die Streifen durch den Dunst ziehen, abklopfen, durchs frisch aufgemixte, schaumige Ei ziehen, abtropfen lassen, in den Zitronenbröseln wälzen, abklopfen und ausbraten. Immer wieder an der Pfanne rütteln, sobald die Kruste goldgelb ausgebacken ist, nach etwa 2-3 Minuten, das Fleisch herausheben und auf einem vorgewärmten, mit Küchenpapier belegten Teller warmstellen. (Ofen 70°C). Bei grösseren Fleischmengen in zwei Portionen anbraten damit das Fett nicht abkühlt.

für die Ofenratatouille:
mit der Ratatouille beginnen. Sie braucht etwa 10-20 Minuten im Ofen, Zeit genug für die Zubereitung des Fleisches.

(4) Gemüse in 2 cm grosse Würfel schneiden, in einer Schüssel mit 3-4 Elf. Olivenöl von Hand intensiv mischen bis alles überzogen ist. Das geht nicht einfach mit übergiessen ! Die feingeschnittenen Gewürzkräuter und Peperoncino zugeben und salzen. Auf ein Backblech (mit Backpapier belegt) ausleeren.
(5) Mit einem feinen Sieb Puderzucker gleichmässig und fein aufstäuben (ein Hauch, nicht dessertmässig !).
(6) ca. 10-20 Minuten bei 230°C im Backofen in Heissluft+Grill backen.
(7) Wenn die obersten Gemüseecken anfangen braun zu werden: rausnehmen
(8) Vom Blech nehmen, abtropfen lassen, frisches Olivenöl hinzugeben, guten Balsamico zumischen und lauwarm servieren.
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31 Kommentare zu „Strisce viennese“

  1. Tolle Idee!!! 🙂

    Ich mag ja die Panade, wenn sie gut ist, aber bin kein so Fleisch-Fan – also optimal für mich. Und von der Ofen-Ratatouille nehme ich mir nochmal nach.

  2. Dacht ich`s doch dass in der Überschrift etwas österreichisches steckt. 😉
    Der Klassiker lässt sich nichtmal in den Grundmauern erschüttern, der alte Schurke aber mit solchen Ideen bekommt er was zum nachdenken.

  3. Beim Hähnchen die Haut, beim Schnitzel die Panade – das ist das Beste! Nun kann ja aus dem Vollen geschöpft werden, wie schön! Und Gesundes ist ja auch noch da.

  4. Interessante Idee mit dem Zitronenabgeriebenen, weil wir ja über Gebackenes gerne ein paar Tropfen Zitrone geben. Mich würden sie allerdings aus dem Haus jagen, wenn ich das nach Wiener Art verkaufen würde.
    Für eine luftige Panier gibt Lafer zwei Löffel geschlagenes Obers dazu und „ich-weiß-nicht-wer-weil-das-mache-immer-ich“ gibt einen Schuß Mineralwasser zum Ei.

    @rufus: Wenn fremdes Schnitzel dann mit Parmesan, ganz deiner Meinung. Wir lassen an der österr. Grundfeste nicht rütteln.

  5. Der Zitronenabrieb im Semmelmehl gefällt mir sehr gut. Auch köstlich Parmesan mit Semmelbröseln gemischt und dann Pasta und Tomatensoße zum Schnitzel – aber das ist wieder eine andere Baustelle.
    Eine schöne Woche und Grüße

  6. Die feinen Knusperstreifchen gefallen mir – für 2-3 Personen. Für größere Familien dürfte es in Arbeit ausarten 😉 Aber glücklicherweise sind wir ja derzeit nicht so viele…

  7. nur weil’s paniertes kalbfleisch ist, haben die wiener doch kein patent drauf. die kombination mit ratatouille klingt gut, ich hab‘ früher sowas ähnliches mit pute oder huhn oft gemacht, mit einem paprikagemüse mit sehr viel roten zwiebeln, sehr viel basilikum und sehr viel zitrone. ich glaube, das ist wieder einmal fällig.

  8. @Barbara: matschige Panaden sind mir ein Graus.

    @Dandu: ein Versuch ihn mit kleinschneiden klein zu kriegen.

    @Ursula:
    @BerlinKitchen:
    Ofen-Ratatouille ist knackig, das übliche, matschig gekochte mögen wir nicht.

    @the rufus: wie raspelt man Blattgold ?

    @Jutta: das ist der Pute Kern !

    @Bolli: an Calamare musste ich auch denken. Für snacks hab ich noch eine snackigere Variante.

    @Ulrike: das Gemüse werden sie auch mögen.

    @sammelhamster: auf die Schnitzel hab ich noch nie Puderzucker gestreut, aber wenn Du meinst…

    @entegutallesgut: notfalls bietet sich die Schweiz als Asylland an.

    @Petra: mit Parmesan ist es auch bei uns zugelassen. Danke, auch Euch eine schöne Woche.

    @katha: ja gerne, das klingt gut.

  9. Ach wenn´s in Bayern schon Weißwurstbrat panieren kann ein gestreiftes Wiener nicht entsetzen. Gute Idee, der Panieraufwand ist halt nicht zu unterschätzen, möchte das nicht für 50 Leute machen. Privat wird´s aber auf jeden Fall probiert. Vor allem die Zestenzugabe ist ja genial.
    Und Puderzucker über das Gemüse ist auch nicht zu Verachten.

  10. Kompliment an Frau L. und die gute Idee mit dem Puderzucker; das werde ich direkt mal ausprobieren – soll jetzt aber nicht heißen, dass ich die Kalbfleischstreifen verschmähen würde

  11. @KochSinn: Deine Rezepte sind aber nur für 10, nicht für 50 berechnet 🙂

    @Eva: der Puderzucker wird wohl in der Hitze etwas caramelisieren.

    @Jürgen: Gegenfrage, wer hat das Wienerschnitzel erfunden ? „panierte Kalbfleischstreifen“ hab ich vor ein paar Jahren bei einem Wirt in Gerzensee BE gegessen, zusammen mit Nudeln an Butterbröseln. Der hats aber auch nicht erfunden, so trocken wie das Ganze war.

    @the rufus: dann lieber gleich mit Goldnuggets überstreuen, das schmeckt gleich und zeigt, dass mans hat. Für anständiges Mehl muss ich meilenweit fahren, Goldfolie kann ich hier im Lebensmittelladen kaufen.

  12. Weil sich viele wegen der Paniererei aufregen. Eine sehr schnelle und einfache Methode:

    Einen großen Tiefkühlsack hernehmen und mit Bröseln (wieso sagen die Panier“mehl“ dazu??) füllen. Die Fleischstreifen (oder auch Champignons, etc. alles Kleinzeugs) durch Mehl und Ei ziehen, auf die Bröseln in den Sack geben. Oben zuhalten, damit aber der Sack schön bauchig mit Luft gefüllt ist und schütteln. Rückzuck fertig und man hat keine dicken Panierfinger und kann sich jederzeit überall kratzen.

  13. Wer hat das Wiener erfunden?
    Hab ich kurz nachgelesen. Über Mailand, kamen die Schnitzelhistoriker zum Schluss, die Juden haben schon im alten Byzanz Schnitzel gebacken und haben es mit den Mauren nach Andalusien gebracht. Dort haben es dann die Italiener entdeckt und gaben es inmitten von Kriegswirren an die Wiener weiter.
    Auf drei Seiten ausführlichst im Sacherkochbuch nachzulesen. 😉

  14. @entegutallesgut: Danke für die esshistorische Aufklärung. Das Buch hab ich nicht. Deine Paniermethode kannte ich nur für Zwiebelringe, die nach dem Aufschneiden direkt in den Plasticsack gesteckt werden und anschliessend ausgebraten werden.

  15. Das sieht wirklich sehr gut aus. Ohne die Diskussion über die Historie („wer hat’s erfunden?“) neu anfachen zu wollen, muss ich sagen, dass dieses Gericht auf mich eher wirkt wie Zürich(Geschnetzeltes)+Frankreich(Ratatouille) goes Wien(Schnitzel).

    Bleibt anzumerken, dass Ihr (Du & Frau L.) Küchenteamwork hinzubekommen scheint. Bei mir und der Pralinenmeisterin ist das eher die Ausnahme.

  16. @Sivie: ein Spargericht, genau. Mit Schweinefleisch spart man noch mehr. Das ist hier auch bei den richtigen Schnitzeln gang und gäbe.

    @kulinaria: das freut Frau L.

    @mipi: Küchenteamwork ? Selten bis nie. Getrennte Küche hat sich als friedenserhaltender Kompromiss bewährt.

  17. ich liebe gut-dünn-geklopftes wiener schnitzel. und so in streifenform mit leckerste panade würde ich es noch mehr lieben… tolle idee 🙂
    PS: kompliment an fr. l. zum ofenratatouille!

  18. Schnitzelstreifen hab ich vor einiger Zeit mal in Perchtoldsdorf bei Wien bei einem Heurigen bekommen. Praktisch, weil mans mit den Fingern essen kann (heissen deswegen dort auch so). Und die Kinder freuts.

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