Fromme Reben

Sant' Antonio im hohen Gras
Teglio: Sant' Antonio im hohen Gras

Von Bianzone führt uns eine enge direttissima auf verschlungenen, schattigen Wegen durch Kastanienhaine direkt nach Teglio. Wir haben die Reise dreimal gemacht, im Regen und im Sonnenschein. Das erklärt die Lichtwechsel der Fotos. Die Pfarrkirche Sant’Eufemia in Teglio hat einen prachtvollen Portalbogen. Das Innere mit Fresken, die von der Romanik bis ins Barock reichen. Der Ort mit rund 5000 Einwohnern hat im Zentrum und in den umliegenden Weilern 16 Kirchen zu bieten. Erbe der tiefverwurzelten Religiosität der Veltliner. Die kann man nicht einfach per Dekret aus der Welt schaffen. Das hatten die protestantischen Bündner Glaubenseiferer in der Zeit der Reformation nicht begriffen.

Portal zur Kirche Sant'Eufemia
Teglio: Portal zur Kirche Sant'Eufemia
Fresken gegenüber Sant'Eufemia
Teglio: Weltliches Portal
San Pietro
Teglio: San Pietro
San Martino
Teglio: San Martino

Weiter über die Panoramica-strasse nach Tresivio. Während der Herrschaft der Mailänder Visconti und Sforza (1325 bis 1500) war Tresivio der Hauptort des Tales und eine bedeutende Pfarrei. Mit der Einnahme durch die Bündner 1512 wurde die Verwaltung nach Sondrio verlegt. Die gewaltige Kirche ist weitherum im Tale zu sehen. Beeindruckend die vielen terrassierten, steilen Rebhänge in der Weinbauzone Grumello. Das Veltlin weist eine durchschnittliche Sonnenscheindauer von ca. 1900 Stunden pro Jahr aus, deshalb gedeihen hier nicht nur Reben, sogar Zitrusfrüchte sind neben Kernobst anzutreffen.

Steile Rebhänge im Grumello
Steile Rebhänge im Grumello
Santa Casa
Tresivio: Santa Casa

Oberhalb der Steillagen der Zone Inferno fahren wir über Poggiridenti in die Weinbauzone Sassella zur Madonna del Sassella, eine aus dem Beginn des 16. Jhdt. stammende Kirche. Rundum Reben. Schön. Hier ruhen die Gebeine von Nicolò Rusca, dessen führende Rolle in der Gegenreformation durch die Bündner Behörden grausam bestraft wurde. Weniger schön. Dessen Tod war eine der Ursachen für den Veltliner Mord, der 600 Protestanten das Leben kostete und die weitere Ausbreitung der Reformation im Veltlin zum Erliegen brachte.

S. Fedele in den Reben
Poggiridenti: S. Fedele in den Reben
Madonna della Sassella
Madonna della Sassella

Mittagessen in Sondrio, im Ristorante Sale e Pepe, das Montags geöffnet hat. Gut waren die Ricottaravioli, hingegen war die Vorspeise, gebackene Zucchiniblüten mit Sardellenfüllung zu schwer. Die Piazza Garibaldi immer noch eine riesige Baustelle. Ein Spaziergang in der Altstadt von Sondrio, dann Schluss mit Kultur und ab ins Schlemmerparadies nach Morbegno. Demnächst.

Ristorante Sale e Pepe
Sondrio: Ristorante Sale e Pepe
Ricottaravioli mit Tomaten
Ricottaravioli mit Tomaten

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5 Kommentare zu „Fromme Reben“

  1. Danke für den abermals sehr interessanten Reisebericht….macht Spass so mit euch zu reisen! und die Ricottaravioli hätt‘ ich sicher auch nicht verschmäht!

  2. Auch früh am Sonntagmorgen schau ich gerne schöne Bilder an. Sassella, Grumello, da schweben die Gedanken zu den Pfiffli – flüssige Sonne – getrunken als Gipfelwein vor X Jahren und an WKs in Graubünden. Schmackhaft sehen sie aus, die Ricottaravioli.

  3. @eva: ich schreib mir das einfach gerne auf, als Erinnerungsalbum.

    @Houdini: die Veltlinerweine sind über das Pfiffli-stadium hinausgewachsen und konkurrieren mit Barolo &Co

    @Der grüne Tisch: am kommenden Freitag.

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