CH-9050 Appenzell: Von Glockensattlern und Käsefladen

St. Mauritius
Appenzell: St. Mauritius

Die Wurstmitbringsel vom Besuch der Alpabfahrt in Urnäsch waren längst aufgegessen, Nachschub dringend benötigt, ein erneuter Ausflug ins Appenzellische fällig. Mit Wurst und Speck gefüllter Kühlbox brachen wir von Urnäsch auf ins Dorf Appenzell, dem Hauptort des Halbkantons Appenzell-Innerrhoden, dem, an der Bevölkerung gemessen, kleinsten Schweizerkanton. Ein Viertel der 17’000 Einwohner lebt noch heute von der Landwirtschaft.

An unserm kleinen Rundgang durch die Hauptgasse sind uns die vielen farbenfreudig bemalten Zugladenkästen und Holzfassaden aufgefallen. Imposant das nach dem Dorfbrand von 1560 erbaute Rathaus mit Fassadenmalereien von 1928. Abgebildet sind Auszug und siegreiche Heimkehr der Appenzeller, Schwyzer und Glarner im Jahre 1405 von der Schlacht am Stoss, nahe dem Passübergang vom Appenzell ins Rheintal. Diese militärische Auseinandersetzung mit Herzog Leopold IV. von Österreich bildete eine wesentliche Etappe in der Befreiung des Landesteils von der klösterlichen Herrschaft aus St. Gallen.

Löwendrogerie
Hauptgasse: Löwendrogerie
Rathaus
Rathaus

An der Poststrasse zeugt das Haus Salesis als einziger freistehender Steinbau (nebst dem Schloss) für ein wohlhabendes dörfliches Patriziat. Das „Schloss“ wurde 1563 von einem Arzt im Renaissancestil erbaut. Der Erbauer wurde rund 20 Jahre später wegen Rechtsstreitigkeiten hingerichtet. Nachher fiel der Bau in den Besitz des Klosters St. Gallen, später des Kantons und ist seit 1708 Privatbesitz.

Haus Salesis (rechts)
Haus Salesis (rechts)
Schloss
Schloss

Unweit davon stolpert man in die Werkstätte eines der in Appenzell noch tätigen Glockensattler, eine alte, niedrig gebaute Werkstatt in welcher traditionelle Glockenriemen, beschlagene Gürtel, Hosenträger und Hundehalsbänder in Handarbeit hergestellt werden.  Die Metallplatten gibts in Weissblech, Messing und Silber. Je mehr Platten ein Mannsbild trägt, als desto reicher gilt er. Orientierungshilfe für heiratswillige Jungfern. Die orientieren sich heutzutage aber lieber an der Automarke.

Werke der Glockensattlerei
Werke der Glockensattlerei
für Appenzeller Hunde
für Appenzeller Hunde

Nachdem wir uns zuerst eine Kuhglocke, mangels Kuh ein Hundehalsband, mangels Hund einen normalen Gürtel anschaffen wollten, haben wir letzlich dann doch davon abgesehen. Wir sind nun mal keine reichen Leute.
Zufällig waren wir an einem Viehmarkttag (Fechschau) hier. Überall Bauern und Sennen mit ihren beschlagenen Gürteln und Hosenträgern. Daneben zahlreiche Touristen und Einheimische, die sich, wie wir, die Schönheitskonkurrenz der Kühe nicht entgehen lassen wollten.

Ziseliertes für Appenzeller Männer
Ziseliertes für Appenzeller Männer
gelbe Lederhosen
Markttag: gelbe Lederhosen

Auffallend die vielen Wirtschaften, an Speis- und Trank herrscht hier keine Not. Der überall angebotene Appenzeller Käse-/Zwiebelfladen hat es Frau L. besonders angetan. Den will sie unbedingt nachbacken. Darum gibts Morgen Käsefladen mit dem eigens dazu gekauften Appenzellerkäse extra. 

fast jedes Haus eine Beiz
fast jedes Haus eine Beiz
Das Angebot
Das Angebot

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12 Kommentare zu „CH-9050 Appenzell: Von Glockensattlern und Käsefladen“

  1. Ein schweizer Genießer – immer mit offenen Augen und natürlich auch Appetit unterwegs .

    Es gibt so viele schöne Plätze auf der Welt, und immer wenn ich das sehe, denke ich, ich muss auch mal wieder……………………….

    Danke für den interessanten Rundgang mit scheinbar kompetenter Führung. 8)

  2. Auch ich sage danke für den kleinen, aber feinen Rundgang ….so komme ich wenigstens virtuell ein wenig in der Welt herum!:-) Und dann immer noch die feschen Burschen in den gelben Lederhosen! – Aber ich bin auch schon sehr gespannt auf den Käsefladen von Frau L.

  3. ich hätte jetzt gerne einen Käsefladen!

    Und, so ein Halsband hatten auch immer die Hunde meiner Mutter….jetzt weiss ich, woher die kommen!!!!!

  4. @ultraistgut: das geht mir bei Deinen Meerbildern auch so.

    @Eva: Ausreisen werden in nächster Zeit leider rar werden 😦

    @Nathalie: Leder ist Leder.

    @Bolli: hoffentlich Sennenhunde, passend zum Halsband 🙂

    @Rosa: thanks. Probably the last journey for a couple months.

    @the rufus: ein Volk von Helden 🙂

    @Jutta: 🙂 der Käsekuchen ist schon weg !! Ich hinke mit meinen Beiträgen immer hinterher. Es gab Gemüsepastetchen und danach wurde was Süsses gebacken.

  5. Ja? Schade…dann gibt es keine Reiseberichte mehr? Tut mir dann auch leid für euch…und natürlich für uns, deine Leser! 🙂

  6. Als wir heute im Zug saßen, wurde angesagt, dass beim Aussteigen am Gleis gegenüber ein ICE nach Basel steht. Och, habe ich gemeint, dann steigen wir da ein und besuchen Robert. Norbert hat nachgeschaut, gegen 15.00 Uhr wären wir dort gewesen.

    Wir haben uns vorgestellt, wie Frau L. und Du schaut, wenn wir mit Gepäck, sechs Kilo Büchern, einer Leberwurst, einer Blutwurst, einer Menge Schwarzbrot und einer riesigen Papierrolle unterm Arm vor eurer Tür stehen. Sehr amüsant!

    Euer Essen hätte uns gefallen ;-)).

  7. Wie eindrucksvoll der wikipedia Eintrag den Sieg der Schweizer schildert. Ich habe wohl noch nie einen längeren Bericht gelesen, wie sieg- und ruhmreich man die Österreicher schlug.

    Arm sind jetzt die Hunde, die Kuhhalsbänder tragen müssen. Ob man in Appenzell versucht, sie zu melken?

  8. @Eva: kurze Reisen gehen schon noch, aber längere nicht mehr. Irgendwas fällt mir dazu schon noch ein.

    @Jutta: nachdem ich bei Dir die Wurst- und Brotherrlichkeiten abgebildet gesehen habe, kannst Du ermessen, was ich verpasst habe.

    @entegut: was mich noch mehr wundert ist, dass all diese Siege jährlich mit Schlachtenfeiern begangen werden. Die meisten im Sommer, da ist der Durst am grössten. Ich werd mal eine Schlachtenfeier besuchen 🙂

    Die Kühe merken, wenn sie was Schönes tragen dürfen, bei den Hunden ist das vielleicht auch so.

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