CH-6745 Giornico: Chiesa San Nicolao

Chiesa San Nicolao. Innen
Chiesa San Nicolao. Innen

Vom Verkehr der naheliegenden Gotthardautobahn umbraust, steht hier, inmitten eines Weinberges, eines der schönsten Kleinode der Südschweiz: die Kirche San Nicolao in Giornico. Wahrscheinlich Anfang bis Mitte des 12. Jhdts. erbaut. Geweiht dem legendenumwobenen Bischof Sankt Nikolaus von Myra, der in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts in Kleinasien gelebt hat.

Betritt man die Kirche durch das Hauptportal, wird auch der nichtreligiöse Betrachter sofort von der gewaltigen Architektur von Chor und Krypta am hintern Ende des Raumes gefangengenommen. Vorausgesetzt, man findet im Dunkel den Lichtschalter hinten links beim Aufstieg in den Chor. Der Chor liegt sehr hoch und verengt sich hinten zu einer halbkreisförmigen Apsis. Die tief darunter liegende Krypta ist gleichzeitig in voller Breite einsehbar.

Die spätgotischen Fresken der Apsis stammen von Nicola da Saregno, 1478. in der Wölbung eine Majestas Domini mit Mandorla und den Evangelistensymbolen (Löwe, Mensch, Stier, Adler), an den Wänden die heiligen Godehard, Viktor und Petrus. Nikolaus von Myra wird mit einem Bottich gezeigt, in dem drei Knaben sitzen. Der Legende nach hat Nikolaus drei von einem Wirt zerstückelte und eingepökelte Jünglinge wieder zum Leben erweckt.

Altar und Apsis
Altar und Apsis
Apsisdetail
Apsisdetail
Altardetail
Altardetail

Die Kapitelle der acht Säulen sowie der Wandvorlagen der Krypta tragen eigenartige, plastisch gehauene Tiergestalten, Tierfratzen oder geometrische Motive.

Krypta
Krypta
Hase auf Kapitell
Hase auf Kapitell
lombardische Arkaden im Weinberg
lombardische Arkaden im Weinberg
archaische Figur am Seitenportal
archaische Figur am Seitenportal
Merlot Giornico Oro
Merlot Giornico Oro

Die Chiesa San Nicolao gibts sogar in verflüssigter Form: als Rotwein  aus den Rebhalden von Giornico. Ein guter, herzhafter Merlot, obwohl hier oben im engen Tal die Sonnenscheindauer merkbar kürzer ist als weiter unten im Tal oder im Mendrisiotto. Ein Reisebericht von Ende September, den ich mir auf Allerheiligen aufgespart habe.

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13 Kommentare zu „CH-6745 Giornico: Chiesa San Nicolao“

  1. Ich mag so alte Kirchen, allerdings nur zum Angucken 😉 Interessante Bauweise, insbesondere die Aufteilung im Innern, aber Buntglasfenster gibt es nicht, oder? Aber doch schick schick!
    Aus der Ostseeheimat kenn ich nur Kirchen in Backsteingotik, hat auch sehr viel Charme. Vielleicht einfach mal „Marienkirche Rostock“ bei Wikipedia eingeben, sehr beeindruckendes Exemplar aus der Heimat 🙂
    Lamiacucina: link zugefügt http://marienkirche-rostock.de/

  2. Thanks for the interesting post! Those pictures are great! I really like the archaïc figures (rabbit and man)…

    Cheers,

    Rosa

  3. Diese Kirche ist einen Halt wert, wenn wir mal wieder über den Gotthard nach Süden fahren.
    Gotische und romanische Kirchen mag ich viel lieber als unsere bayrischen Barock-Kirchen – überladen bis zum „Geht-nicht-mehr“.

    Aber wie immer: Alles ist Geschmackssache.

  4. Ich kann immer wieder nur sagen: durch dich und deine Reiseberichte komme ich derzeit wenigstens ein bisschen in der Welt ‚herum‘! Danke dafür – und wie Natalie sagt: diese Kirche wäre einen Halt wert!

  5. Ich bin sicher schon 100x mit dem Zug da dran vorbeigefahren … Und von Bisaca aus zu Fuß nach Bodio auf den Berghang gelatscht, um über die Strada Alta Richtung Airolo zu wandern. Und somit habe ich Giornico immer weitläufig umgangen. Ich kenne die eine oder andere sehr hübsche mittelalterliche Kapelle dort in der Gegend (das nahe Valle di Blenio nimmt mich ja immer wieder gastfreundlich auf), aber diese Komposition aus Halbbögen ist ja wirklich außerordentlich schön und herausragend. Wahrscheinlich muss man den Schlüssel irgendwo im Ort abholen?

  6. Wunderbar, daß ich neben Ihrer fantastischen Küche auch noch die Geheimnisse der Schweiz erfahre. Ich wünsche mir gelegentlich einen Ausflug nach Laufenburg!

  7. Vor der nächsten Routenplanung in den Süden werde ich sicher auch bei Dir ein paar lohnende Abstecher finden. Sehr schön, vielen Dank.

  8. Wooow. Eine Orgel haben die aber nirgends rein gepresst, oder? – sag mal: testest Du an solchen Orten auch hin und wieder einmal die Akustik?

    Warum hat mich bloß der Wein nicht gewundert … 😉

  9. Anikó: Die Buntglasmalerei im sakralen Bereich erreichte erst in der Gotik ihren Höhepunkt. Ich weiss nicht, obs da farbige Fenster hatte oder sie von durchziehender Soldateska zerschlagen wurden. Ich gucke sie auch nur an 🙂

    @Rosa: there are a couple of other strange figures.

    @Nathalie: hab ich auch so, Türe auf Barock ??, Türe zu. In Rom hatten wir einen Stadtplan, in welchem die Kirchenstile in unterschiedlichen Farben eingedruckt waren. praktisch.

    @Eva: leider zehren wir auch nur von Vergangenem.

    @Martina: War bis jetzt immer offen, aber die etwas modernere Dorfkirche mit der Pfarrei ist gleich nebenan.

    @Buchfink: ich bin schon tausendmal an Laufenburg vorbei gefahren, das hat einen ganz netten Altstadtkern, aber als Hauptziel einer Reise in die Schweiz würde ich nicht hin wollen. Weder kulturell noch gastronomisch.

    @Franz: Zweck erreicht 🙂 Es hat noch ein weiteres altes Kirchlein in der Nähe.

    @the rufus: Georgelt wird in der Dorfkirche nebenan. Akustik, nein, ich erschrecke mich dabei. Das ist dann immer gleich so laut. Der Wein erlaubt mir die Kurve in den Fressblog zurück. Die eingepökelten Knaben schienen mir dazu weniger geeignet.

  10. Stadtplan in Rom gekauft oder zuhause? Wenn bei Dir, kannst Du mir die Daten schicken?

    Bei der Masse von Kirchen in Rom, wäre ich froh, wenn ich ein paar Türen beim nächsten Mal nicht aufmachen müßte (und gleich wieder zu).

  11. @Nathalie: J.M. Wiesel, Rom, ein Kunst und Reiseführer, W. Kohlhammer Stuttgart. 3. Auflage, 1960. Hinten im Buch, in einer Lasche, war der Plan beigelegt. Übrigens der beste Reiseführer für Rom, damals.

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