CH-4051 Basel: Gang um den Münsterhügel

weisses und blaues Haus
Rheinsprung: weisses und blaues Haus

Der Blitz hat mich auf der letzten Ausfahrt ins Val de Travers getroffen. Der rote Blitz. Bescheid: fast 200 €. Das bedeutet 2 Wochen zuhause absitzen, kein Restaurantbesuch im betreffenden Kanton, bis das Bussgeld wieder kompensiert ist. Das hält den Schaden im Rahmen. Spaziergang statt Ausgang.
Der Münsterhügel liegt im Zentrum der Stadt Basel. Der kleine Hügel unmittelbar am Rhein war aufgrund seiner strategischen Lage schon zur Römerzeit besiedelt. Ich beginne die Wanderung frühmorgens (im Winter ist das ja noch nicht so früh) am Fuss des Rheinsprungs, einer engen Gasse, die von der mittleren Rheinbrücke auf den Münsterplatz führt. Vorbei an der Gänseliesel, einem Kunstwerk von Samuel Buri, der das früher hier angebrachte Reklamebild einer Bettfedernhandlung hinter einem realistisch gemalten Baugerüst neu und witzig interpretierte. Südwärts exponierte Fotos stammen natürlich von einem Nachmittagsspaziergang.

Mittlere Rheinbrücke erbaut 1905
Mittlere Rheinbrücke erbaut 1905
Gänseliesel von S. Buri
Gänseliesel von S. Buri

Vorbei am weissen und blauen Haus, zwei imposanten Barockgebäuden, erbaut 1763-1775 für die Seidenbandfabrikanten Lukas und Jakob Sarasin. Die Masken über den Fenstern an der Rheinfassade sind Allegorien für die Jahreszeiten. Auf der Rückseite der Gebäude zeigen sich die beiden Palais mit zwei grossen Ehrenhöfen.

Allegorie am weissen Haus
Allegorie am weissen Haus
Ehrenhof weisses Haus
Ehrenhof weisses Haus

auf kleinem Umweg durch die Martinsgasse wieder in die Augustinergasse Richtung Münsterplatz.

Martinsgasse, Martinskirche
Martinsgasse, Martinskirche
Augustinergasse, Münster
Augustinergasse, Münster

Der Münsterplatz wurde im Mittelalter, während des Baus des Basler Münsters, und während Umbauten im 18. Jhdt. in seiner heutigen Form angelegt. Er wird von vielen spätgotischen Domherrenhäusern gesäumt, die nach dem Übertritt Basels zum Protestantismus von reichen Kaufleuten erworben und im 18. Jahrhundert in spätbarockem und klassizistischem Stil umgebaut wurden.

Die Bedeutung des Münsterplatzes nahm mit der Erweiterung der Stadt ab, er wurde zu einem ruhigen, noblen Wohnquartier, danach zum Verwaltungszentrum und für viele Jahre zum Parkplatz. So ist auch heute noch kein einziger Laden vorhanden, immerhin zwei gute Gaststätten. Zum mittelalterlich gepflästerten Münsterplatz liegt seitlich ein quadratischer Rosskastanienhain, in welchem der vom Tessiner/Solothurner Architekten Paolo Antonio Pisoni entworfene, 1784 eingeweihte Brunnen sprudelt.

Münsterplatz

Münsterplatz Pisonibrunnen
Münsterplatz Pisonibrunnen
CH 4051 Basel Münsterhügel 11_ 2009 01 10_7601
Münster

Der Grosse Kreuzgang des Münsters mit seinen gotischen Masswerkfenstern birgt zahlreiche, kunstvolle Grabplatten bedeutender Basler, hier jenes des Mathematikers Jakob Bernoulli (1655–1705).

Münster Kreuzgang
Münster Kreuzgang
Grabmal J. Bernoulli
Grabmal J. Bernoulli

weiter durch die Rittergasse, vorbei am Olsperger Hof Richtung Bankenplatz.

Rittergasse, Zivilstandsamt
Rittergasse, Zivilstandsamt
CH 4051 Basel Münsterhügel 7_ 2009 01 17_7833
Rittergasse, Olsperger Hof

Der Schilthof, ehemaliges Wohnhaus eines Teilhabers der Seidenbandfabrik Hoffmann-Forcart als Spiegelung in der Fassade einer Bank, deren Name mir entfallen ist. Weiter an den Theaterplatz mit dem humorvollen Fasnachtsbrunnen von Tinguely.

Bankenplatz, Schilthof
Bankenplatz, Schilthof
Knöpflisieb
Fasnachtsbrunnen: Knöpflisieb

Tinguelybrunnen. An der Stelle der Bühne des alten Basler Stadttheaters, hat Jean Tinguely 1977 verspielte Maschinenskulpturen in ein grosses, flaches Wasserbecken gesetzt. Das Kunstwerk sprudelt, spritzt, schöpft ohne Unterlass und hüllt sich im Winter in einen zauberhaften, dicken Pelz aus Eis. Das Eis ist jetzt Mitte Februar leider schon wieder geschmolzen. Mit Fotoapparat sieht man die Stadt mit andern Augen an, als ohne. Der Spaziergang dauert keine halbe Stunde. Ich könnte denselben Spaziergang ein zweites und drittes Mal machen, ohne mich in den Bildern zu wiederholen.  

Fasnachtsbrunnen von Jean Tinguely, leicht vereist
Fasnachtsbrunnen von Jean Tinguely, leicht vereist

27 Kommentare zu „CH-4051 Basel: Gang um den Münsterhügel“

  1. Robert – du fährst zu schnell??

    Da ich Basel noch nicht kenne, kannst du gerne noch öfters spazieren gehen – gefällt mir gut!

    Das Bild vom „leicht“ vereisten Fasnachtsbrunnen ist dir wunderbar gelungen!

    Vielen Dank für die Gästeführung.

  2. LieberRobert,

    was für eine interessante, kurzweilige Führung.

    Die ersten Fotos erinnern mich an Florenz: schmale Gassen, hohe Häuser, schöne Fotos (wie immer), interessante Führung mit sympathischem Guide !

    Danke !

    Liebe Grüße von der Ostsee – es schneit mal wieder !

    Und dann gehe ich mal eben………….

    weißt Bescheid ! 😉

  3. Sehr schöne und beeindruckende Fotos! Warum haben wir Basel in Richtung Italien immer nur gestreift? Das wird beim nächsten Mal anders!

  4. Ein Fremdenführer der wunderbar kocht und genauso wunderbar fotografiert! Was für ein Glück daß du das alles mit uns teilst:-)

  5. Ja, Baselberichte mögen wir auch! 🙂

    Die Bescheide für Schweizer werden aber noch nicht in Euro ausgestellt, oder? Ich kenne jemanden, der statt 50 mit 51 km/h geblitzt wurde, der Bescheid wurde aus der Schweiz nach Deutschland geschickt.

  6. Einen ähnlichen Stadtspaziergang haben wir vor einem Jahr in Basel gemacht. Eine sehr schöne Erinnerung daran, es war hoffentlich nicht zum letzten mal. Schöne Sonntagsgrüße aus dem tiefverschneiten oberbayerischen Voralpenland.

  7. Thanks for the geat visit! Your pictures are beautiful! That’s really a town I have to see in the near future… Basel is extremely photogenic.

    Cheers,

    Rosa

  8. danke für den herrlichen sonntagsspaziergang!
    der vereiste tinguely-brunnen ist ja herrlich 🙂
    wenn ich in ein paar wochen in bs bin, hab‘ ich
    für solch luxuriöse ausflüge leider kaum zeit …

    übrigens: es soll wieder eine fress:publica ge-
    ben im mai oder so 🙂

  9. So ein schöne Spaziergang am Sonntagmorgen! Vielen Danke und dir heute einen schönen Tag.
    Grüße in die Schweiz und das mit der Strafe in Euros hat mich auch schon stutzig gemacht. Oder hast du das uns zu liebe umgerechnet?

  10. Ein schöner Spaziergang. So eine, wenn auch ärgerliche Zwangspause bringt einem manchmal das Nahe wieder näher.

  11. Was für ein wunderbarer Spaziergang (aus leider nicht so schönen Gründen). Besonders das oberste große Foto gefällt mir sehr, tatsächlich eine richtige Morgenstimmung mit diesem leichten Dunst. Und wie schön die Altstadt von Basel ist! Das wusste ich gar nicht. Ein leicht hügeliges Gelände ist natürlich immer sehr reizvoll.

  12. @Eva: nein, ich halte mich mit Hilfe des Tempomats an die Vorschriften, aber eine kleine Unachtsamkeit, und schon ist es passiert.

    @Nathalie: dann weisst Duch, warum die archimedische Spirale auf seinem Epitaph nichts zu suchen hat 🙂

    @ultraistgut: hier ist wieder schön, gestern hatte es einen Zentimeter geschneit. Ich habe Kochdienst, Spaziergang gibts am Abend, wenn die Strassen leer sind.

    @Kochundbackoase: wer Italien vor Augen hat, lässt sich nicht mehr bremsen. Geht mir auch so.

    @Heidi: singen kann ich auch noch, nur beim Jodeln muss ich passen 🙂

    @Barbara: in Franken warens 250.- womit man mein Zuviel an Tempo im Internet nachlesen kann 🙂 Auf Deinen 🙂 Wunsch marschiere ich die Strecke nochmals ab.

    @Buchfink: das Hässliche ist bei diesen Fotos ausgeblendet.

    @Rosa: when you live in a particular place, you have all the time to make the most of the daylight. Same in your countryside pics.

    @ellis.illus: an der fress:publica bin ich sicher wieder dabei. Vielleicht sehen wir uns dort ?

    @Petra: umgerechnet. Habt einen schönen Sonntag in der Familie.

    @Sivie: selbstauferlegter Zwang 🙂

    @april: Lieblinge dürfen sich immer zuoberst hinstellen 🙂

  13. 200 Euro – wie viel warst du denn da drüber? Das ist schon sehr viel Geld. Ich heule mit!

    Die Fotos sind ausgesprochen gelungen! Bravoooo!
    Versuche die Bildrechte zu verscheppern, dann kannst du vermutlich ein Vielfaches lukrieren und wieder im Kanton essen gehen.

    (Dieses Hutgesicht, bist das du?)

  14. Ach wie schön – während des Spaziergangs duftet einem der Kuchen im Ofen um die Nase und man sitzt ohne Mantel am Tisch, trinkt Kaffee und begleitet Dich. Obwohl, real wäre ja noch schöner!

  15. Griezi Robert (do i scho di Vorname gläse ha)

    Nachdäm i geschdert über Google binere Rezäptsuechi uf die Bloggsite gschtosse bi, hann’i mi zerscht emol bis in spoote Obe köschtlig über dini Biiträg amüsiert. Mes compliments! Dini Rezäpt und dini Hintergrundinformatione sin vom Feinschte.
    Natyrlig het mi dr Teyfel gschtupft was du hyt z’brichte waisch. Und lueg au do, e wunderscheene Bricht vom Härze vo Basel. I ha dä Morge ebeso gnosse und lieb die Stimmig wo du so gewaltig in dine Foteli dokumentiert hesch.

    I hoff du kasch die 300 Schtutz verschmärze au wenn’s natyrlig weh tuet. Im witere dängg’i, dass du nit muesch mit dr Frau L. in nägschter Zyt vo Wasser und Brot läbe …
    E Tipp: In dr Gassekuchi gits jede Daag gratis e Zmorge und s’Ässe am Obe isch au nit tyyr. Wenn de hilfsch d’Kuchi mache liggt sogar e Gratismenü dinne 😉

    Alles Gueti us em Neybad und bis zu de nägschte Ziile.

  16. @entegut: ja, das Hutgesicht bin ich. Seit ein paar Tagen fahre ich nur noch mit Hut, zur Warnung anderer Verkehrsteilnehmer.

    @ellis.illus: ich bin nur schwer loszueisen, aber einmal im Jahr darf ich gehts.

    @Jutta: hier duftet kein Kuchen, aber wenigstens Kaffee.

    @Basler Dybli: oh, was fir en Ehr, eine vo de ganz sältene Basler Veegel luegt duurs Fänschter: Dannggschön fir d’Komplimänt, als Binniger blib i aber lieber bim hauchdütsch 🙂

  17. Basel ist ja richtig schön! Meine werte Familie sagte immer, da brauchst Du nicht hin, fahr lieber nach Zürich. Da finde ich mich bald blind zurecht, auch wo es das geräucherete Euter gibt!

  18. @Nathalie: sowas fragt man keine Mathematikerin 🙂

    @ellis.illus: Danke !

    @entegut: meide die Schweiz mit dem Auto !

    @nina: bei Prétôt an der Kuttegasse ?

  19. Einer meiner Lieblingsspaziergänge durch Basel, tags bei jedem Wetter und in zwei Wochen auch in der Nacht, wenn aus den engen Gassen die Kakophonie der Piccoloflöten schallt … Gestern war ich nur auf der Durchreise Richtung Riehen und dachte mir wieder, was für ein nettes Städtchen dieses Basel ist und dass ich viel zu selten dort bin.

    Du solltest Postkarten herausgeben …

  20. du machst mir basel richtig schmackhaft. sehr schöne stadt und schöne fototour, die du da gemacht hast. schade wg. den 200 euro, aber was solls 😉 man gönnt sich ja sonst nichts!

  21. Hallo ,

    Ich danke Dir für den Link zu dieser Seite , tja der rote Blitz hat mich auch schon mal getroffen … meiner war teurer ;o( leider .
    Aber beim zu Fuß gehen kann man eh besser fotografieren ;o)
    Ich glaube ich muss mich mal in mein Auto setzen u. wieder eine Visite durch die Schweiz machen .
    Übrigens … das dein Tannenspitzenexperiment so nicht geklappt hat , kann ich mir vorstellen , die Arbeit die Ich mir gemacht habe , ist echt gelungen u. man hat vielseitige Verwendungsmöglichkeiten .
    Hierzu Lande ist das Produkt noch fast unbekannt .

    Lg Kerstin

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