CH-6430 Schwyz: Kein Schwan auf Schwanau

Blick auf die Schwanau und Schwyz

Wie im Bilderbuch präsentierte sich Ende März die kleine Insel Schwanau im flachen Lauerzersee, im Kanton Schwyz. Schwanau leitet sich von schwenden ab, urbar machen durch Rodung. Anders als Neu-Schwanstein in Bayern. Die Burganlage geht etwa auf das Jahr 1200 zurück, das Inselchen war im Besitz der Lenzburger, Kyburger, später der Habsburger. Vom Bergfried aus hatte man den Weg durch das Tal zum Gotthard unter Kontrolle. 1684 wurde die kleine Kapelle St. Johann errichtet, 1799 wurde alles durch die Franzosen zerstört. Lange war die Insel im Besitz eines Landeshauptmanns von Schwyz und Johann Wolfgang von Goethe war auch schon da. Aber wo überall war der nicht ?  Hier kann man sich, wäre das Gasthaus derzeit nicht in Sanierung begriffen, mit einer Glocke am Ufer bemerkbar machen und wird mit einem kleinen Boot zu Speis und Trank abgeholt.

Daraus wurde nichts, so haben wir im Rössli in Lauerz zu Mittag gegessen. Alles von guter Qualität, ordentlich gekocht oder vielmehr recht, wie man hier sagt. Nichts zu klagen. Der Wirt und Küchenchef jammert am Stammtisch über den schleppenden Geschäftsgang, während die Küchencrew über die gesamte Mittagszeit auch ohne ihn locker zurecht kommt. Wie war das in Sursee ? Volle Bude. Eigenartig.

Weiter in den Kantonshauptort, die Gemeinde Schwyz. Die geschichtliche Entwicklung des Fleckens Schwyz ist eng mit der Gründung und dem Werdegang der Eidgenossenschaft verbunden. 972 wurde er erstmals urkundlich als Suittes erwähnt. Spuren einer merowingischen Kirche aus dem 8. Jh. und noch ältere Alemannengräber verweisen auf eine Besiedelung aus dem Norden. Frühmittelalterliche Steuerflüchtlinge.

 

Schwyz Hauptplatz
Schwyz Hauptplatz
Hauptplatz Brunnen-mändl
Hauptplatz Brunnen-mändl

Ein verheerender Brand im Jahre 1642 vernichtete einen Grossteil der zentral gelegenen Bauten, meist Holzbauten. Aber auch die gotische Kirche St. Martin und das alte Rathaus. Nur wenige Häuser, darunter das Haus „Bethlehem“, als ältestes Gebäude von Schwyz, blieben verschont. Das neue Schwyz wurde danach in barockem Stil wieder aufgebaut. Der prachtvolle Dorfplatz, umsäumt von der dominierenden Pfarrkirche, dem Rathaus und den Herrenhäusern ist ein schöner, aber auch verkehrsumbrauster Platz. Eindrücklich das bereits 1643 auf den alten Grundmauern wieder aufgebaute Rathaus. 1891 wurden zur 600-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft zwei Fassadenseiten mit pathetischen Darstellungen zur Gründungsgeschichte der Eidgenossenschaft vom Münchner Historienmaler Ferdinand Wagner bemalt. (u.a. bemalte er auch den Passauer Rathaussaal) 

Schwyz: Rathaus
Schwyz: Rathaus
Schwyz: Rathaus
Schwyz: Rathaus

Typisch für Schwyz sind nicht nur das historische Zentrum, sondern auch die am Rande des Dorfes verstreuten stattlichen Patrizierhäuser aus dem 17. und 18. Jhdt., die meisten noch in Privatbesitz. Zeugen des durch Reisläuferei in fremden Armeen erworbenen Wohlstandes. Das schönste dieser Herrensitze ist die Ital Reding Hofstatt. Ital Reding der Jüngere, ermordet 1466 in Oberarth, war Schwyzer Landammann, Heerführer der Acht alten Orte und Hauptverantwortlicher für die „Bluttat von Greifensee“. Ein  an der 62-köpfigen Zürcher Besatzung von Burg und Städtchen Greifensee 1444 verübtes Massaker während des alten Zürichkriegs, ein Konflikt zwischen dem aufstrebenden Zürich und den sieben alten Orten der Eidgenossenschaft um das Erbe der Grafen von Toggenburg. Gottfried Keller hat den Stoff im ersten Band der „Züricher Novellen“ beschrieben (Der Landvogt von Greifensee).

Schwyz: Metzghofstatt
Schwyz: Metzghofstatt
Schwyz: Ital Reding Hofstatt
Schwyz: Ital Reding Hofstatt

Zum Abschluss des Besuches einen Kaffee im ersten Haus am Platze, der Confiserie Haug, 1889 durch den aus Stuttgart zugewanderten Gustav Haug gegründet. Heute echte Schwyzer mit einem Angebot ebensolcher Törtchen und Confiserie.

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11 Kommentare zu „CH-6430 Schwyz: Kein Schwan auf Schwanau“

  1. Danke für den interessanten Artikel. Die Confiserie Haug mit ihrem vielseitigen Angebot scheint mir auch nicht zu verachten zu sein.
    Keine Mitbringsel erworben?

  2. Ach ja, die Franzosen; haben sie auch in der Schweiz alle Burgen zerstört? Und Goethe, da muss ich auch immer lachen. Überall, wo man hinkommt, war er schon.

  3. Thanks for the beautiful pictures! Another place I’ll have to visit some day in the future…

    Grüsse,

    Rosa

  4. Auf Deinen Blidern sieht Schwyz richtig nett aus, so habe ich es leider nicht in Erinnerung.Als ich dort war, da war ich ziemlich gelangweilt und müde, wußte garnicht diese Häuser zu würdigen.Und was ich noch so schrecklich daran fand, bestimmt fünf mal mußte ich mir anhören, dass hier, ja, genau hier die Eidgenossenschaft,für mich dann noch mal deutlicher, die Schweiz, entstanden sei.Und dann bekam ich die ganzen “ Urkantone“ in den Schädel gedrängelt . So war das da…

  5. Danke für den schönen sonntäglichen Ausflug! Wie gerne wäre ich gerade jetzt an der Stelle, an der du das erste Foto gemacht hast – wunderschönes Panorama!

  6. @Ursula: eine Flasche Zuger Kirsch fürs Fondue 🙂

    @Johannes: verschweizert, vermutlich.

    @april: fällt mir erst seit Kurzem auf, wo sich Goethen überall aufgehalten hat. Daneben soll er ja noch Bücher geschrieben haben 🙂

    @Rosa: about 6000 places to come 🙂

    @nina: da hast Du erfahren, wie wir hier leiden müssen. In Schweizer Schulen beschränkt sich der Geschichtsunterricht auf die Zeit zwischen Pfahlbauern und französischer Revolution. Schlachten, Siege und zugehörige Daten. Ich versuche diesen Kindheitsschaden, kulinarisch unterstützt, aufzuarbeiten 🙂

    @kulinaria: klingt plausibel, in ihrem Wintertarnkleid.

    @Eva: hier ist es zum Laufen aber etwas stotzig 🙂

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