CH-5224 Linn: Nur ein Baum

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Fährt man, wie ich, statt via Autobahn auf der Landstrasse von Basel nach Brugg, führt der Weg über den Bözberg (569 ü.M.). Etwa ein Kilometer seitlich der Passhöhe steht auf dem luftigen Jurakamm eine einsame, alte Linde. Die Linner Linde. Der Baum ist mit 25 Metern Höhe und 11 Metern Stammumfang einer der größten Bäume der Schweiz. Sie wurde vor rund 500 bis 600 Jahren (wiki), gemäss der Denktafel um 1668 nach einem verheerenden Pestzug zum Gedenken an die Opfer der Epidemie gepflanzt; das genaue Alter ist nicht bekannt. Ein typischer Brauch, nach Kriegen oder Pestepidemien sogenannte Friedenslinden zu pflanzen.

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Die Überlieferung weist dem Baum prophetische Kraft zu: Leit d’Linde-n ihr’s Chöpfli uf’s Ruedelis Hus. Se-n-isch alli Welten uus. Mit Ruedelis Huus ist der Stammsitz von Rudolf von Habsburg gemeint. Übersetzt:  Wenn der Schatten der Linde auf die (weit unten im Tal sichtbare), gegenüberliegende Habsburg falle, so sei das Ende der Welt gekommen. Berechnungen des Sonnenstandes haben gezeigt, dass das, könnte man den Kernschatten des Baumes überhaupt soweit verfolgen, jedes Jahr ein paarmal der Fall wäre.

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Wie immer auch, ich sitze gerne ein Viertelstündchen unter dem Schutz dieses Baumes und staune an Föhntagen das Alpenpanorama an.

Quelle: Denktafel beim Baum.

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37 Kommentare zu „CH-5224 Linn: Nur ein Baum“

  1. Wow, ich staune auch, lieber Robert… Diesen Baum würde ich gerne kennenlernen, umfassen, mit beiden Armen… Linden üben auf mich sowieso eine Anziehung aus, und dieser Baum hat etwas ganz besonders Magisches… Danke dir für diese schönen, magischen Fotos! Wir haben in Wien übrigens schon wieder Neuschnee…
    Herzliche Sonntagsgrüße zu dir, Elisabeth

  2. Solche alten, großen Bäume haben etwas tragendes, majestätisches – was sie wohl schon alles gehört und gesehen haben.

  3. Ein schöner Baum – der hat was. Das kommt sogar auf dem Foto rüber, aber lieber noch wäre es mir, den mal anfassen zu können. Der Ausblick auf das Alpenpanorama gibt dann noch das übrige dazu. Schön. 🙂

  4. Die Herren von Habsburg bewahren uns also regelmäßig vor dem Weltenbrand – mit Lichtschutzfaktor 1668 😉

  5. Was mir an Linden am besten gefällt, das ist ihr Duft. Diese Linde kann man sogar auf Google Maps ansehen. Ich habe es gerade getan.

  6. Das ist ein Baum, den ich gerne in jeder Jahreszeit neu sehen möchte!

  7. @Elisabeth: unter Linden war es früher u.a. üblich, Brautschau abzuhalten 🙂 Der Baum liegt etwas abgelegen, ist wenig bekannt, deshalb bin ich froh, dass kaum jemand Herzen in seine Rinde geschnitzt hat.

    @Nathalie: wenn der Baum Blätter trägt und der Wind in den Blättern rauscht, dann hört man, was er uns zu sagen hat.

    @kitchenroach: our mammoth trees 🙂

    @Barbara: warme Jacke anziehen, es zieht hier oben.

    @SchnickSchnackSchnuck: der Bözberg würde im flachen Hamburg bestimmt schon als Berg gelten 🙂

    @sammelhamster: Hamster sind sonst eher Bodengebunden.

    @bee: an regelmässig auftretende Schrecken gewöhnt sich der Mensch rasch.

    @nata: weit uninteressantere Objekte und Menschen haben es geschafft, in google zitiert zu werden 🙂

    @Backoase: ich nehm das gerne als Auftrag an, wieder mal vorbeizuschauen.

  8. Jeden Frühling bin ich besoffen vom Duft der in B. allgegenwärtigen Linden, ein bisschen kopfschmerzig, aber betörend. Und das ganze Jahr werfen sie was zu einem runter, Blüten, klebrige Läusespucke, Blätter und im Winter all ihre Früchtchen, ja, ich mag das. So ein altes weises Exemplar wie dieses hier gibt es natürlich in engen Straßen nicht, nur in der freien Landschaft. Danke für die schönen Bilder!

  9. oh ja da würd ich auch gerne sitzen wollen…..ein schönes Plätzchen, vielleicht auch für ein Picknick! Gabi

  10. „nur“ 😉 Das ist ein ganz wunderbarer Baum, eine Persönlichkeit sozusagen. Man sieht ihm auf den ersten Blick an, dass er sehr alt ist. Ob er oben mal geschnitten wurde? Es sieht so aus. Jedenfalls kann man nur hoffen, dass er noch lange leben wird.

  11. That is a splendid tree so imposing and ancient! Thanks for sharing those gorgeous shots of it!

    Grüsse,

    Rosa

  12. ein wunderschöner und imposanter Baum ! ich wünsche ihm noch ein ganz langes Leben
    Um dieses Plätzchen und den Ausblick beneide ich Dich, genieße ihn sooft Du kannst!

  13. @DerSilberne Löffel: ein Föhnhimmel, man hat bis an die Alpen gesehen.

    @Poliander: so ist es, bei Sturm bewirft sie einen zudem mit dürren Ästen. Früher hatten wir in Basel mehr Linden, denen ist es in den letzten Jahren zu heiss geworden (sagen die Stadtgärtner), sie leiden Durst (sagen die Stadtgärtner), nachdem sie ihre Baumscheiben zugeteert haben, um Platz für parkierende Autos zu schaffen. Personal um sie zu begiessen, sei keines vorhanden (sagen die Stadtgärtner). Nun wird Linde um Linde durch ein anspruchsloses libanesisches Dorngestrüpp ersetzt.

    @speedy: Bänkchen sind ja da.

    @April: mich wird er überleben. Keine Ahnung, ob er geschnitten wird.

    @Rosa: gern geschehen 🙂

    @Karin: wir fahren oft über den Bözberg.

    @the rufus: die gleiche Assoziation hatte ich gestern auch, musste sie aber fallen lassen. Ich habe irgendwie die Audiofunktion an meinem PC abgeschossen. Trotz überprüfen und neuladen des Audiotreibers, sogar neuinstallierens von windows 7 kriege ich keinen Ton mehr aus meiner Kiste. grrr.

    1. Vielleicht ein Kabel innen, das sich gelöst hat … aber Du kannst Dir die Kommentare zum Video durchlesen – da gibt es wirklich einen Textfehler, den er hatte. Alles andere, was in die Richtung geht, er könne die Winterreise oder eines der Stücke daraus nicht singen … was soll ich zu so einem Blödsinn sagen, tststs…

  14. Der große, alte Baum sieht wie der materialisierte „Große Geist“ schlechthin aus, vielleicht deshalb diese „magische“ Note …

    Weißt du, dass Bäume
    reden? Ja, sie
    reden. Sie sprechen
    miteinander, und sie sprechen
    zu dir, wenn du zuhörst.
    Aber die weißen Menschen
    hören nicht zu.
    Sie haben es nie der Mühe
    wert gefunden, uns Indianer
    anzuhören, und ich fürchte,
    sie werden auf die anderen
    Stimmen in der Natur nicht
    hören. Ich selbst habe viel
    von den Bäumen erfahren:
    manchmal etwas über das
    Wetter, manchmal über
    Tiere, manchmal über den
    Großen Geist.

    Tatanga Mani

  15. @ Lamiacucina: Mein Mitgefühl! Linden sind doch wunderbare Stadtbäume, wenn ich um Pfingsten herum in unsere Straße einbiege, wird mir ganz grün im Innern. Wissen die Gärtner nicht, dass das Klima in der Stadt auch von den Bäumen kommt? Warum setzen sie nicht wenigstens Platanen? Die vertragen Wärme und haben auch viel Charakter. Wir gießen auch, jedenfalls wenn’s sein muss. Es muss öfters, da Berlin notorisch pleite ist (liegt nicht an zuviel Gärtnerei). Im letzten verregneten Sommer haben sich allerdings die meisten Bäume etwas erholt, sogar die Kastanien.

  16. Wunderschöne Bilder von einem prachtvollen Baum. Ich mag solche alten knorrigen Bäume sehr und finde, dass ihr imposantes Astwerk gerade zu dieser Jahreszeit besonders gut zur Geltung kommt.

    Herzliche Grüße und einen angenehmen Start in die neue Woche,
    Iris

  17. @Christine: auch für einen rational denkenden Menschen enthalten diese Worte viel Wahrheit.

    @Poliander: hier fehlt es nicht an Geld, sondern an Verstand. In den Jahren, die ich hier wohne, wurden die Linden in unserer Strasse wie folgt traktiert:
    1) Baumscheiben zuteeren
    2) Baumscheiben wieder aufreissen um Stellriemen anzubringen.
    3) rund um die Baumscheibe das Wurzelwerk abhacken, damit ein Ring aus Beton-bewässerungsröhren um jeden Baum einbetoniert werden konnte.
    4) in den vergangenen 15 Jahren wurden diese Bewässerungsröhren noch nie benutzt ! (Personalmangel)
    5) Ausgraben des ganzen Humus im Wurzelbereich, um diesen durch Grobkies zu ersetzen, der eine bessere Wasseraufnahmefähigkeit für Regenwasser habe.
    Leider sind auch die Kastanien schlecht dran durch Befall mit der Kastanienminiermotte.

    @Iris: das stimmt. Im Sommer sind solche Baumkronen auch schön, weil sie kühlen Schatten geben, im Unterschied zu Sonnenschirmen. Auch Dir wünsche ich eine gute Woche.

  18. @ Lamiacucina: Ja, wenn die Wurzeln abgehackt sind, muss man sie auch nicht mehr belüften. Danach wäre das Zuteeren der Scheiben durchaus folgerichtig gewesen, man hätte zuvor gleich noch die Linden fällen können. Der Aberwitz der Maßnahmen allerdings spricht dafür, dass jede Verwaltung dieser Welt zu ihnen fähig wäre, und ob es mit den Verwaltungen jener Welt besser bestellt ist, wer weiß.
    Dennoch und sowieso einen freundlichen Wochenbeginn wünscht P.

  19. @kulinaria: Bauern bewirken dasselbe mittels Vogelscheuchen.

    @Poliander: blicken wir lieber in die neue Woche, wenn man etwas nicht ändern kann, soll man sich nicht aufhalten 🙂

  20. Wow, wirklich beeindruckend. Ich genieße diesen Beitrag und dessen Kommentare. Bäume können unfassbar schön sein. Von meinem Computerplatz aus, schaue ich durch eine breite Balkontür auf eine Birke. Bei starkem Sturm biegt sie sich fast bis zum Boden. Ein manches Mal hatte ich schon Angst um meinen Baum. Doch immer wieder richtet sie sich auf, um der Tanne zu trotzen. Wir wissen viel voneinander und seit ein paar Tagen schaue ich ganz aufgeregt, ob die ersten grünen Spitzen zu erkennen sind.

    Jetzt warte auch ich, auf das Frühlingsfoto von der Linde. Das wäre toll.

    Kann es mir einfach nicht verkneifen: Etwa drei Winter wären mit der Linde gerettet. Aber mit meinem rostigen Fuchsschwanz komm ich wohl nicht weit.

    1. Schleiertag sage ich dem, wenn die Blattspitzen als grüner Schleier sichtbar werden. Ich weiss, Du musst in Kilokalorien rechnen, bald wird der Sonne Auge mit wärmendem Licht in Dein Zimmer strahlen. Die Linde bleibt.

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