Dattelkekse

Muselmanische Dattel-Ravioli-Kekse

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Nicht dass mich Backlust auf Weihnachtsguetzli ergriffen hätte, aber da ich in diesem Haushalt der einzige bin, der noch aktiv zu unserer Ernährung beiträgt, wollte ich wenigstens eine einzige Sorte backen. Nichts Altbackenes: etwas Neues. Denn so gar keine Weihnachtsguetzli vorrätig zu haben, wäre in dieser dunkeln Jahreszeit gar deprimierend. Und da die geliebten, guten, weichen Medjool-datteln eben Saison haben, sollten es Dattelkekse werden. In der libanesischen Opferfesttagsküche (Eid ul-adha) wurde ich fündig. Die Maamoul-bil-tamr-Kekse werden von Hand gefüllt und in ein verziertes Formholz gedrückt. Doch woher das Formholz nehmen? Zudem wollte ich die Dinger möglichst klein haben.  Im Blog Linzersmileys fand sich eine abendländische Variante: Ravioli. Ersteinsatz für meinen allerkleinsten Ravioliausstecher.

Muselmanische Dattel-Ravioli-Kekse


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Zutaten
für ca. 50  3cm Raviolikekse:

250 g Weissmehl
1 Msp. Backpulver
125 g Butter
50 g Feinkristallzucker
1/2 Vanilleschote
50 g Milch

für die Füllung:
150 g Medjool Datten, entkernt und klein geschnitten
50 g Walnüsse, grob gehackt
2 EL Orangenblütenwasser
3 EL Rosenwasser
etwas geriebene Bio-Orangenschale
ev. Staubzucker zum Bestreuen

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Zubereitung
(1) Das Mark der halben Vanilleschote auskratzen und mit dem Kristallzucker in der Gewürzmühle cuttern.
(2) In der Rührschüssel der Küchenmaschine das Mehl, Backpulver und den Vanillezucker mischen. Kalte Butterstücke zufügen und mit dem K-Haken zu einer bröseligen Masse rühren. Dann soviel Milch unterrühren, bis der Teig zusammenkommt. Nicht kneten. In Frischhaltefolie wickeln und mind. ½ Stunde kühl stellen.
(3) In der Zwischenzeit die Füllung zubereiten: Die weichen Datteln und Walnüsse im Cutter mit soviel Rosen- und Orangenblütenwasser cuttern, bis eine einigermassen homogene, etwas zähe Masse entstanden ist. Das ging weniger leicht als erwartet. Stärker getrocknete Datteln müssen zuerst mit wenig Wasser sanft gekocht werden, bis die Masse gecuttert werden kann. Die geriebene Orangenschale hinzufügen und untercuttern.
(4) Den Teig halbieren und auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche dünn ausrollen. Auf der untern Teigplatte die Positionen mit dem Ravioliausstecher eng markieren und die Dattel-Füllung mit einem kleinen Löffel verteilen.
(5) Die zweite Teigplatte darüber legen, Teig um die Dattelhäufchen herum leicht andrücken und mit einem (runden) Ravioli-Ausstecher (oder Keks-Ausstecher) Kekse ausstechen. Diese auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen.
(6) Ofen vorheizen auf 190°C (Ober-/Unterhitze) und die Kekse auf Rille 2 ca. 20 Minuten hellgold backen.
(7) Auskühlen lassen und ev. mit Staubzucker bestreut servieren.

Klein, fein, ein richtiges Saltimbocca in Keksform. Indessen hab ich noch 2 weitere Standardsorten gebacken. Nicht perfekt, die Brunsli etwas zu lange im Ofen, die Rosinentaler etwas zu breit, aber selber gebacken und vor allem genug Guetzli bis Ende Januar.

25 Kommentare zu “Muselmanische Dattel-Ravioli-Kekse”

  1. Ach, wie zierlich das mal wieder bei dir ist! Man möchte Nachbar sein und einfach überraschend bei dir vorbeischneien können – so für ein Probe-Guetzli…u.a….

  2. Medjool-Datteln aus Kalifornien (bääähh..) Langweiliger schmecken ja fast keine anderen (imo)
    Die ganzen Tunesier werf ich in die gleiche „Schublade“ 😉
    Beide Bepflanzungen werden gewässert mit „Süsswasser“
    Dateln können jedoch Brachwasser mit bis zu 2% Salz aushalten und werden in Saudiarabien in solchen Gegenden angebaut. Leider hier selten zu bekommen, gute Saudi-Dateln die durch ihre Salzigkeit, Mineralität herausstechen. Sukari, Wannana etc. sind solche Sorten.

    Ich gehe Dienstag für mich und meine Freunde einkaufen, beim Direktimporteur!
    @ Robert: Soll ich für dich etwas mitbringen und zusenden?

    1-3 Datteln zum Tee dazu – einfach ein Kulinarischer und Ernährungsphysiologischer Traum 😀

    1. Danke für dein Angebot, aber ich hab meinen Wintervorrat bereits eingekauft. Bei coop finefood. Ich kannte bislang keine Anderen. Brackwasser klingt aber nicht gerade vertrauenserweckend.

  3. Sie sind ein Motivations – Zauberer! Erst keine Lust auf Plätzchenbacken zu haben und dann etwas so Filigranes zu erfinden…
    Bei mir ist es oft umgekehrt: erst riesige Vorfreude aufs Backen, Zutaten eingekauft, Teig hergestellt, in den Kühlschrank gelegt und dann die Lust verloren.
    Tage später mit mehr Ungeduld als Spaß aus dem Teig eine Rolle geformt und Scheibchen abgeschnitten. So gehts am Schnellsten und so sehen alle meine Guttis aus. Es schmeckt, aber es ist keine Spur von Zauberei dabei, so wie bei Ihnen.
    Hut ab und einen herzlichen Sonntagsgruß von
    Kari

  4. Dieses Rezept kommt gerade recht. Als ich vom suuadischen Nachbarn ein Kilo Datteln (die Guten) geschenkt bekam, wusste ich nichts damit anzufangen. jetzt weiss ich es. Danke für den Tipp. LG Hartmut

  5. Woher nehmen? Von mir ausleihen, denk. Die Formen gibt es neuerdings sogar aus Plastik, meine sind allerdings handgeschnitzte „Schlaghölzer“ aus dem Libanon. (Die Ma’amoul werden mit einem gemässigten Schlag auf die Tischkante aus der Form befördert. Daher der Name).

  6. Jetzt habe ich schon alle verfügbaren Dosen voll mit Hafer- und Rosinen- und Mandelgebäck, und dann kommt dies Rezept. Ich brauche eine größere Wohnung 😉

  7. Oh, Dattelkekse, das weckt ja die schönsten Gedanken an herrliche Datteln, wie sie im heiligen Land zum kardamomduftenden Kaffee gereicht werden. Oder man sie bei der jungen Simitverkäuferin am Rathaus Steglitz kauft. Kommet, ihr Hirten… Einen guten Advent!

  8. Deine Füllung lacht mich gerade ganz besonders an. Die müsste vielleicht auch in süße Teigtaschen passen, oder? Das muss ich ausprobieren!

  9. Das ist es! Gerade aus Marokko mit köstlichen Datteln zurück, direkt aus der Wüste, die mit dem Salz und dem Wasser, was aber nicht so brackig daherkommt, wie geschrieben, werde ich dieses Jahr doch noch ans Backen kommen. Vielen lieben Dank 🙂

  10. Jetzt stolpere ich bereits das 3. Mal über diese Kekse, irgendwie soll mir da wohl mitgeteilt werden ‚BACK SiE!!‘ 😉

    Jedoch reizt mich gerade diese filigrane Form. Also bitte ich um Auskunft: Wo könnte man einen solchen Löffel oder wenigstens einen geeigneten Ravioliausstecher bekommen?

    LG von der Rabin

    1. Ravioliausstecher gibts zB bei Twenga.de „Ravioliausstecher Messing“. Die haben innendrin eine Feder mit bombierter Platte eingebaut, welche die Rundung erzeugt. Sind aber teuer. Maamoulhölzer soll es in Läden mit nahöstlichen Lebensmittel geben.

      1. Vielen Dank für die ausführliche Antwort und vor allem für dich und Frau L. ein schönes ruhiges Fest – oder etwas unruhiger mit Freunden. 😉

        Ganz viele Grüße von der Rabin 🙂

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