Currywurst, veredelt

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Currywurst gibts hier kaum, wird von Schweizern nicht geliebt. Und wo sie hier angeboten wird, möchte ich sie nicht essen. Wir haben unsere Cervelats oder Bratwürste mit und ohne Senf und mit und ohne Ketchup. Das reicht. Wenigstens mir. Aufgrund des Importstops der EU für brasilianische Zebu-därme (weil mit BSE-Risiken verbunden) droht der nachvollziehenden Schweiz aber ein ernsthaftes Cervelatversorgungsproblem. Die schweizerische Nationalwurst in existenzieller Gefahr. Nationaler Darmnotstand. Kunstdärme ungeniessbar, Schweinedärme nicht schälbar, andere Därme nicht in ausreichender Menge verfügbar. Die Vorräte reichen eben noch für 3 Monate.

Die entschlossene Tat von Bolli’s Kitchen, die Currywurst kulinarisch zu verbessern und anspruchsvollen Schweizer Gaumen erträglich zu machen, kann deshalb nicht genug gewürdigt werden. Andere Blogger wie Kochknecht und Küchenlatein haben das längst erkannt und gleich nachgekocht. Mit Verspätung habe ich mich überwunden, gehe aber gleich noch einen Schritt weiter und veredle die schon so mannigfach veredelte Wurst noch weiter mit occhi neri Bohnen anstelle der Fritten. Früher hätte ich gutschweizerisch von Verfeinerung oder allenfalls hochdeutsch von Verleckerung gesprochen. Aber belassen wirs bei Veredelung. Edel ist mir fein genug.

Was wollte ich eigentlich kochen ? Ach ja ! Cipollatawürstchen auf Schwarzaugen-Bohnen an Curry-Tomatensauce. Sehr frei nach siehe oben. zur Veredelung

Zutaten
Vollmahlzeit für 2 Personen
10 Cipollata-würstchen, etwas Milch
2 dl occhi neri Bohnen
1 Zweig Bohnenkraut, 2-3 Blatt Salbei. Alternativ hätte ich lieber einen Zweig Currykraut verwendet. Hätte.
1 Dose ganze pomodori pelati (ca. 400 g)
Ketchup
1 Elf. Aceto balsamico, vom Guten
1 Zweig Oliven- oder Kirschtomätchen
Salz, Puderzucker
Piment d’Espelette
Currypulver Madras
1 Knoblauch
Olivenöl zum Anbraten

Occhi neri Bohnen im Brackwasser Sauce mit schiffbrüchigem Knoblauch
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Zubereitung
(1) am Vorabend -gute Gerichte beginnen immer am Vorabend- die Bohnen in viel Wasser einweichen. Wasser abgiessen.
(2) Cipollata aus dem Kühlschrank nehmen und in wenig Milch einweichen.
(3) Weisse Bohnen in frischem, gesalzenem Wasser mit Bohnenkraut und Salbei aufsetzen und während ca. 40 Minuten leise köcheln lassen bis sie gar, aber noch bissfest sind.
(4) Kirschtomätchen halbieren, auf ein Blech legen und mit wenig Puderzucker fein bestäuben. Salzen, Pfeffern und ca. 30 Minuten bei 100°C im Ofen anconfieren.
(5) Pelati samt Saft in einen Topf geben, mit dem Rührlöffel zerstossen und ca. 10 Minuten leise kochen lassen.
(6) Den Tomatenbrei in eine zweite Pfanne sieben um die Kerne und Häute wegzubekommen. Eine halbierte Knoblauchzehe zufügen.
(7) Evtl. noch etwas einkochen, so dass eine dickliche Tomatensauce entsteht. Abwürzen mit Salz, Pfeffer, Ketchup, Aceto Balsamico, Espelette, und soviel Curry, bis der Gaumen HALT sagt.
(8) Würstchen in Olivenöl langsam beidseitig anbraten.
(9) Wenn die Bohnen gar sind, mit der Tomaten-Currysauce mischen, in tiefen Tellern anrichten und die Cipollata und Kirschtomätchen drauf legen.

Anmerkung
Vorzüglich. Darmnotstand als Chance ! Hoffentlich sind meine Cipollata nicht in Zebu-Därme gehüllt.

9x Cipollata plus Dienstverweigerer Tomatierte Schwarze Augen
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17 Kommentare zu “Currywurst, veredelt”

  1. Meine erste richtige – nicht edle – aber superleckere Currywurst habe ich während meines Studiums in (West)-Berlin gegessen. und bin ihr verfallen….

    Edel ist aber auch nicht schlecht!

  2. Es sieht so aus als wäre die „Currywurst“-Grippe ausgebrochen!

    Ich muß Euch alle heftig widersprechen, eine edle Currywurst ist nicht angebracht. Ich hab vor kurzem eine Luxus-Currywurst gegessen bei einem Currywurststand für Promis am Ku´damm, da gibt es auch Champagner dazu. Ja, sie war gut gemacht. Aber ich war nicht überzeugt davon!

    Eine echte Currywurst ißt man z.B. am Bahnhof Zoo mit fragwürdigem Publikum und fragwürdiger Qualität………

  3. Lecker!!
    Es soll irgendwo im Ruhrpott einen Sternekoch geben, der nebenbei auch eine Currywurstbude betreibt, weiss nicht, ob das noch stimmt.
    Da ich ja eh bei Dir unten einen BUde aufmache, darfst Du das bitte auch kochen!!!!

  4. @Ulrike: ich habe zwar das Buch von Uwe Timm „Die Entdeckung der Currywurst“ gelesen, aber noch nie eine gegessen.

    @BerlinKitchen: da nützt keine Grippeimpfung, Du kennst den Ansteckungsherd.

    @Bolli: bis dann ist die Currywurst-Grippe wieder überstanden.

  5. @Martin: ich finde auch, dass Currywurst nur schmeckt, wenn man sie an so einem versifften Wagen holt und in der Schlange 100 Jahre Knast stehen hat…und dann auf die Hand!

  6. Your version of that dish looks very yummy! I love beans paired with sausages… Luxus Currywurst!!!

    Cheers,

    Rosa

  7. P.S. Eine kleine Geschichte kann ich noch erzählen. Es ist sozusagen eine Art Ritual. Ich esse eigentlich keine Currywurst, aber vor jeder Weinverkostung esse ich eine Currywurst mit Pommes an einem Stand um die Ecke. Damit ich was im Magen habe…….

  8. @Bolli: aber aufpassen, dass die Sauce nicht über die Gucci-tasche tropft 🙂

    @Rosa: luxury is just a few steps more 🙂

    @Martin: daher also die Weinbeschreibungen wie „spicy“ und „crisp“… 🙂

  9. Prada Robert!!!!
    Zum Glück hat Vuitton jetzt Plastiktaschen herausgebracht…..

    Hhhmmm, Martin, Thunfisch in öl wäre auch eine gute Basis…

  10. Für alle Zweifler ein Tip:
    Die ultimative Currywurst gibt es bei „Snackpoint“ in Frankfurt/Main, Grüneburgweg.
    Erstklassige Wurstqualität (Brat- oder Rindswurst), selbstangerührte Ketchup-Mischung und – das wichtigste – selbstgemachte Gewürzmischungen wei z.B. Lemon-Curry, Weihnachtscurry etc. dazu die besten Pommes und frisches Bauernbrot.
    Nachschauen unter http://www.snack-point.com.

  11. Genau, fressack: Ich hab schon etliche Currwurstgeheimtipps genossen, in der Hauptstadt oder an der Rur. Nicht eine kommt an „Best Worscht in town“ ran. Weder in der Qualität, dem Geschmack und der Originalität noch im Flair und dem Service. Außer einem gewissen Vorstadtengel ein weiterer Grund, mal nach Bankfurt zu kommen. Aber mittags viel Zeit mitbringen. Die Schlange ist wirklich lang.

  12. Normalerweise esse ich keine Wurst, aber Dein hier präsentierter Teller ist wieder so lecker mit weißen Bohnen und Tomaten, ich glaube, da würde ich wieder mal eine Ausnahme machen.

    Danke ! 8)

  13. Da musste doch erst mal recherchiert werden, was eine Zebu eigentlich ist 😉 Und damit werden Würste verpellt?
    Warum werden die eigentlich in Milch eingelegt? Die Bohnen darunter sehen so lecker aus, die können auch so als schmackhafter Esatz für BSE durchgehen.

  14. @Bolli: egal, Hauptsache es steht drauf und ist sauteuer 🙂

    @fressack: wenn ich schon dahin reise dann gleich in den Engel.

    @ultraistgut: dazu wurden die Löffel erfunden, damit kann man sich die darunterliegenden Bohnen hervorklauben und die Wurst dem Partner rüberschieben. Ich spreche aus Erfahrung.

    @kulinaria: Zebudärme sind sehr elastisch und haben einen kleinern Durchmesser als die argentinischen Rinderdärme. d.h. es geht weniger Wurst rein. Rechne.
    Milch weicht den Darm auf, so dass er beim unvorsichtigen Anbraten nicht so schnell platzt. Das vermute ich.

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