I-23017 Morbegno: Gourmetparadies F.lli. Ciapponi

F.lli Ciapponi
Morbegno: F.lli Ciapponi

Morbegno liegt an der SS38 zwischen Colico und Sondrio. Wer durchs Veltlin fährt, muss hier durch. Die Aussenquartiere trostlos, bislang kein Anreiz, ins centro storico vorzudringen. Wäre da nicht das Gourmetparadies der Fratelli Ciapponi, mitten in der Altstadt. Erstmals sind wir hieher gekommen. Und welche Überraschung. Die Altstadt pittoresk, eng, etwas verlottert. Die Gebrüder Ciapponi betreiben in dem alten, verwinkelten Haus ein 1883 gegründetes Handelsgeschäft mit den guten Erzeugnissen des Veltlins: Käse, Wein, Spezereien, Delikatessen, Grappe, Salumi.

Hier scheint noch in Lire gerechnet zu werden
Hier scheint noch in Lire gerechnet zu werden

Die Einrichtung stammt noch aus den Gründerjahren, nichts wurde weggeworfen, alte Registrierkassen, Waagen, Berkel-Aufschnittmaschinen und Behältnisse bilden einen fast musealen Rahmen für die angebotenen Waren. Als ob hier die Zeit stehengeblieben wäre.

Hochregallager
Hochregallager
manual computing
manual computing

Die alten Gebrüder laden einen herzlich ein, die Gewölbekeller, Kammern und Winkel des Hauses frei zu durchstöbern und gucken derweil im Kontor auf den Bildschirm der Telekamera. Die aktuellen Registrierkassen sind topmodern. Die Zeit also doch nicht stehengeblieben. Die Waren sind thematisch gruppiert im Haus (Parterre und zwei Untergeschosse) verteilt. Bekannt ist der Laden vor allem durch die vorzüglichen Veltlinerkäse. Im Herbst kaufen sich die Ciapponis direkt ab Alp die besten Laibe und affinieren sie in den eigenen Kellern. Bittokäse wird während der Alpsömmerung vom 1. Juni bis 30. September aus Rohmilch über offenem Holzfeuer in Messingkesseln hergestellt. Er lagert hier bis zu 10 Jahren.

Casera, Bitto & Co
Casera, Bitto & Co
Die Kleinen
Die Kleinen

Wie die Bilder aus den Weinkellern zeigen, lagert hier alles, was in Italien und im Veltlin Rang und Namen hat. In den verstaubten Winkeln warten vergessene Flaschen darauf, gehoben zu werden. Oder wurden sie absichtlich verstaubt und hingelegt ?

Im tiefen Keller
Im tiefen Keller
Gaja & Co.
Gaja & Co.

Öl, Essige, Konserven, Spezereien locken. Nur eines blieb mir bis heute ein Rätsel. Etwa ein Dutzend auf der Ladentheke aufgeschichtete Dosen mit der Aufschrift „Cloppenburger Bockwurst„. Habe ich da etwas verpasst ?

Feinwaage für Safranfäden
Feinwaage für Safranfäden
Konservatorium für Konserven
Konservatorium für Konserven

Ein, zwei Stündchen kann man in diesem Laden problemlos verbringen. An den Samstagen weniger empfehlenswert, wenn sich Carladungen von Touristen in den Gewölben tummeln. Lohnenswert ein Gang durch die pittoreske Altstadt, der Atmosphäre wegen.

Morbegno Altstadt
Morbegno Altstadt
Idylle
Morbegno: Idylle

Zwei Kirchen, die ältere S. Antonio und S. Giovanni Battista mit einer theatralischen Barockfassade. Den Palazzo Malacrida sparen wir uns auf nächstes Jahr. Wie der Löwe von San Marco sieht mein Brunnentiger ja nicht gerade aus, obwohl das Gebiet südlich von Morbegno im 16/17. Jhdt. direkt an venezianisches Hoheitsgebiet grenzte. Wasser oder Wein spendete er auch nicht, so gabs den espresso im Caffè gegenüber dem theatrum sacrum.

S. Giovanni Battista
S. Giovanni Battista
secco
Ecco il leone: secco

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12 Kommentare zu „I-23017 Morbegno: Gourmetparadies F.lli. Ciapponi“

  1. Was ist das für eine Wohltat, nach einer Dusche aus Starkregen im Freien (wo ist nur der Sommer?), vor dem PC zu sitzen und deinen Reisebericht zu lesen….du gibst einem damit immer ein kleines Stück Urlaub – danke dafür 🙂

    Für das Geschäft der Gebrüder Ciapponi würden mir wohl zwei Stunden auch nicht genügen – ich liebe es in solchen ‚Schatzkästlein‘ zu stöbern; schön, dass es so etwas noch gibt!

  2. Toll. Danke für deinen Bericht. Wie findest du nur immer diese kleinen versteckten Läden mit köstlichen Dingen?
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende

  3. So schön…. In dem Laden möchte ich einmal an einem regnerischen Wochenende (diesem?!) eingeschlossen sein. Vielen, vielen Dank für den Bericht aus den Ferien. Mich würde ja noch sehr interessieren, was Ihr denn so alles mitgebracht habt.

  4. @Eva: etwas Regen würde uns hier auch guttun.

    @Petra: eine Weinzeitschrift berichtete vor 2 Jahren über das Veltlin. Da war eine kurze Notiz über den Laden. schönes WE.

    @Der grüne Tisch: Nachts im dunkeln Keller: unheimlich. Mitgebracht: Bittokäse, Feigensenf, Unmengen Rotweinessig, etwas Wein, Antipasti im Glas, eine Kochkelle. Den Heidelbeerkamm habe ich wieder zurückgestellt, ich geh ja doch nie Heidelbeersammeln.

  5. Toller bericht. Dem grünen Tisch würde ich mich gerne anschließen und von dem Regen gebe ich Dir gern was ab. Eva bestimmt auch.

  6. Das ist ja herrlich! Wohin du uns überall mitnimmst – sagenhaft 🙂

    Ich geh dann ab Sonntag mal schauen, was die Tessiner Trauben machen! Wenn sie reif sind, melde ich mich.

  7. Hach, das war ja wieder mal schön. Danke für den Ausflug! Zunächst dachte ich: Museum ohne Eintritt – aber gezahlt wird ja beim Verlassen und ich brauche nicht viel Phantasie, um mir die riesige Austrittskarte vorzustellen. Die Angebote im Museum sind einfach zu verführerisch.

  8. @Sivie: danke, der Wunsch ging bereits in Erfüllung.

    @Cascabel: schon wieder Traubenzeit ?

    @Jutta: sanfte Verführung, schlau und clever gesteuert.

  9. Fantastisch, dieser Laden und Regale und Dosen und Gläser und geräte. Hab ich nicht früher schon von einer Berkel-Aufschnittmaschine gelesen? Eine Berkel-Waage sieht man ja auch noch. Thanks for sharing it with us.

  10. Dieser Laden ist wirklich ein Schmuckstück in einem ansonsten relativ normalen, Städtchen im Norden Italiens.

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