CH-6460 Altdorf: Zwieback und Anderes

Altdorf
Altdorf

Kein Interesse an Kultur und Bildung ? Macht nichts. Die Neandertaler hatten auch keine und mehr wie ein Schädel bleibt von uns auch nicht übrig. (Danke, Matthias Richling). Hier gehts mit einem Hupf direkt zum Zwieback.

Altdorf wird wohl von den meisten Gotthardtunnelbenutzern nur als Autobahnausfahrt wahrgenommen. Von der Autobahn aus könnte man wenigstens einen raschen Blick auf das sehenswerte Wasserschlösschen A Pro erhaschen, rundum von Wassergräben und einer historisierenden, zinnenbewehrten Umfassungsmauer umgeben. Oder den mächtigen Bau des im Mittelalter gegründeten Lazariterklosters, ebenfalls in Seedorf. Noch besser, man benützt die Autobahnausfahrt zweckgemäss zum Ausfahren und schaut sich etwas um. Das Schlösschen A Pro wurde 1555 bis 1558 von Jakob und Sohn Peter A Pro erbaut, ein Geschlecht, das im 15. Jhdt. aus der Leventina zugewandert und hier später mit Handelsgeschäften über den Gotthard reich geworden war. Peter A Pro, Landamman, Haudegen und Militärunternehmer (Soldatenwerbung für die französische Krone) blieb ehelich kinderlos, soll aber über 70 Nachkommen hinterlassen haben. Unweit davon die um die 1200 durch Ritter Arnold von Brienz (nein, den Sbrinzkäse hat er nicht erfunden) gestiftete Niederlassung des ritterlichen Lazariterordens, ein Spitalorden zur Pflege der Aussätzigen in Siechenhäusern. Das Gebäude wird seit 1559 bis heute als Frauenkloster des Benediktinerordens genutzt.

Schlösschen A Pro
Schlösschen A Pro
Kloster St. Lazarus
Kloster St. Lazarus

Altdorf, Hauptort des Urschweizerkantons Uri. Mitten drin das vom Solothurner Bildhauer Richard Kissling geschaffene Telldenkmal. 1895 mit einer grossen Feier und einem eigenen Festspiel eingeweiht. Interessanterweise ziert die Jahrzahl 1307 den Sockel des Telldenkmals und nicht etwa das sagenumwobene Gründungsjahr der Eidgenossenschaft 1291. Überlieferung und Historiker sind sich da nicht einig. Den Hintergrund bildet das Türmli, ein mittelalterlicher Wohnturm, der für das Denkmal mit historischen Darstellungen ausgemalt wurde.

Neben dem Rathausplatz ist der Lehnplatz ein weiterer wichtiger Platz in Altdorf. Dominiert wird er vom 1806 erbauten Zeughaus (Arsenal).

Telldenkmal
Telldenkmal
Zeughaus, gut bewacht
Zeughaus, gut bewacht

An der Herrengasse am nördlichen Dorfausgang sind die grossen Altdorfer Bürgerhäuser (Herrenhäuser) zu finden. Ihre Erbauer sind die Altdorfer Magistratenfamilien, die ab dem 17. Jahrhundert durch die Reisläuferei, den Kriegsdienst in spanischen, neapolitanischen, französischen und anderen Heeren zu Reichtum gekommen sind. Im Bild das Besslerhaus, Vinzenz von Müller-Haus, und das Crivellihaus.

Herrengasse
Herrengasse
Herrengasse
Herrengasse

Am Spitalplatz die Kapelle Heiligkreuz mit dem neckischen Zwiebeltürmchen. 1629 gelobten die Kirchgenossen, hier zur Abwendung der Pest dem Pestheiligen eine Kapelle zu bauen. Mit Erfolg.
Vom leicht erhöht über Altdorf gelegene Kapuzinerkloster Allerheiligen Kapuzinerkloster bietet sich ein herrlicher Rundblick über den gesamten Talkessel bis zum Urner See. Das Altdorfer Kloster wurde 1581 erbaut und ist das älteste Kapuzinerkloster der Alpennordseite. Bei einem verheerenden Dorfbrand im Jahre 1799 wurde es vollständig eingeäschert. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1806. Am Hang unterhalb des Klosters wurden vor einigen Jahren wieder Reben für den Altdorfer Chlooschterwyy gepflanzt.

Kapelle Heiligkreuz
Kapelle Heiligkreuz
Kapuzinerkloster Allerheiligen
Kapuzinerkloster Allerheiligen

Direkt neben dem Josefsbrunnen auf dem Gemeindehausplatz liegt der Eingang zum neuen „Haus für Kunst Uri“. Das eigenartige Gebäude war während Jahrzehnten Sitz einer Druckerei.
Und was liegt daneben ? Eine Bäckerei: gross überschrieben mit „Zwiebackbäckerei“. Seit Jahren habe ich keinen Zwieback mehr gegessen. Kunst und Kultur links liegenlassend habe ich mir ein Paket hausgebackenen Zwiebacks beschafft und nach Hause gerettet. Den Zwieback gibts mit Butter, gekaufter Orangenmarmelade und Schwarztee.

Kunst & Zwieback
Kunst & Zwieback
Zwieback, Orange Marmelade
Zwieback, Orange Marmelade

Der Tee ist fertig und jetzt wünsche ich allen Leserinnen und Lesern einen schönen Sonntagmorgen.

Der Schwarztee zum Zwieback
Der Schwarztee zum Zwieback

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19 Kommentare zu „CH-6460 Altdorf: Zwieback und Anderes“

  1. Tee und Zwieback – ich mags gern, obwohl es manche ja für Krankenessen halten. Ich mag sogar Kamillentee – wenns ein Guter ist, mit ganzen Blüten. 😉 Zwieback nehme ich immer in Italien mit nach Haus.

  2. Danke, dass du uns wieder auf diesen interessanten Ausflug mitgenommen hast – schön war’s! – Zwieback..immer gerne und hatte ich schon viel zu lange nicht mehr, den Tee brauch ich nicht unbedingt, aber das Foto ist erstklassig! Dir auch einen schönen Sonntag (mit hoffentlich besserem Wetter – hier in Norddeutschland gibt es seit Tagen fast nur Regen und Sturm 😦 )

  3. Das heute gefällt mir doch wieder deutlich besser als der seltsame Gruselkabinettkoch gestern… 😉

    Wir sind vor ein paar Jahren auch mal extra nach Altdorf rausgefahren und haben uns umgeschaut (um Tell nicht nur aus dem Theater zu kennen…), sind auch gleich etwas bei Flüelen am Urnersee spaziert. Hat mir gut gefallen. 🙂

  4. Kultur und Bildung- so hübsch verpackt und dazu noch mit geistreichen Worten und sehr schönen Fotos geschmückt – das lasse ich mir gefallen.

    Hätte mich auch sehr gewundert, wenn mir hier anderes unter die Augen gekommen wäre.

    Na dann, auch dir einen wunderschönen Sonntag ! 8)

  5. Danke für den schönen Ausflug am Sonntag morgen. Das Tee-Bild ist genial! Und ich nehme sehr gerne eine Tasse guten Schwarztees bei dir – ein bißchen Milch vielleicht noch und der Morgen ist gerettet.
    Viele Grüße

  6. Thanks for the great virtual visit and interesting post! I always enjoy what you have to show us…

    Cheers and have a nice week,

    Rosa

  7. Danke für’s Mitnehmen. Als Innerschweizerin schlägt da das Herz höher. 😉

    Das nächste Mal noch einen Stop in Attinghausen im Hotel Burg machen, dort gibt’s die besten Poulet im Chörbli, vor allem die Sauce *yummie*.

  8. Er kann nicht nur ausgezeichnet kochen, er kann auch sehr gut fotografieren. Die Fotos faszinieren mich jedesmal aufs Neue.

  9. @Nathalie: römischen Kamillentee mag ich auch. Uns wenn dann wieder mal Erdbeersaison ist, Zweiback mit Erdbeeren belegt.

    @Eva: Deichbewohnerin ohne Tee ? heut ist hier wieder voll sonnig hab aber nix davon, stehe schon seit 6 Uhr in der „Backstube“.

    @Barbara: Samstag gibts hier nur Schreckmümpfeli. Ich war dafür schon am Deutschen Eck.

    @Ultraistgut: 9 Uhr, um die Zeit hast Du ja noch einiges vor 🙂

    @Petra: das sind wohl Dampftröpfchen, die an feinen Staubteilchen kondensieren. Ich müsste wieder mal staubsaugen.

    @Rosa: I borrowed this idea from you countryside reports 🙂

    @zorra: da sind wir kürzlich vom Klausen herkommend, unwissend, vorbeigefahren.

    @katha: Deiner sieht besser aus, als ich das Wort Zwiebackbäckerei gelesen hatte, konnte ich einfach nicht anders.

    @lafida: wenn das Objekt still hält und nicht kalt wird…

  10. der zwieback scheint mir anders wie den, den ich kenne. zwieback nur wenns meinem magen nicht gut geht 😉 das foto mit der teetasse und dem dampfenden tee ist ja toll 😉 hoffe, du hattest auch einen schönen sonntag. guten wochenstart wünsche ich 😉

  11. Durch Altdorf sind wir in Vor-Autobahnzeiten auf der Fahrt in die Ferien immer durchgefahren – und haben jedes Mal nach dem Tell-Denkmal Ausschau gehalten. Und bei der Fahrt am See entlang aufgesagt: Vierwaldstätterseesalondoppelschraubendampferaktiengesellschaftsbürodienermützenschild 😉

  12. Zum Schwarztee-Foto muss ich mich doch mal äußern: technisch einwandfrei aufgenommen. Selbst ich, die nicht unbedingt der Teefan ist, verspüre direkt Lust auf eine Tasse Tee. Wenn sie denn so präsentiert wird. 😉

  13. Bevor ich zum Neandertaler werde, habe ich noch schnell hier auf Kultur gemacht.
    Nettes aufgeräumtes Städtchen – irgendwie hat das so sauberen schwäbischen Charakter bei euch daheim.
    (Zwieback mag ich nicht so, ohne Tee staubt der aus den Ohren raus – dafür tragen dann Neandertaler Mützen, damit es nicht so rausstaubt! hört, hört!

  14. @entegut: für den „schwäbischen Charakter“ wirst du möglicherweise mit Einreiseverbot belegt. Leider nichts mit dem Job als Script-Girl 🙂

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