CH-3633 Amsoldingen: Von der Basilika zur Dorfkirche

Stockhornkette und Niesen
Blick ins hintere Gürbetal. Am Horizont: Stockhornkette und Niesen

Amsoldingen wird den meisten Schweizern unbekannt sein. Mir auch, bis vor 4 Jahren. Eine kleine Ortschaft, im hintern Gürbetal gelegen, auch das kennen nur wenige. Bekannt noch allenfalls vom Gürbetaler Weisskohl, der hier gerne angebaut und zu gutem Sauerkraut verarbeitet wird. Amsoldingen, an einem kleinen See gelegen, den auch kaum jemand kennt. Auf halber Strecke des Jakobsweges zwischen Brünig und Romont. In der Altjahrwoche waren wir da, haben der wunderschönen Basilika einen Besuch abgestattet. Der See, 38 Hektar gross, unter Naturschutz, war fast zugefroren, das Dorf, hart an der Nordseite der Stockhornkette, schon ab 14 h in tiefem Schatten liegend.

Amsoldinger See, Schloss und Kirche
Amsoldinger See, Schloss und Kirche
Kirchturm, Apsis
Kirchturm, Apsis

Der Legende nach wurde die ottonische Basilika von Rudolf  II. von Burgund und Berta von Alamannien gestiftet, angeschlossen war ein weltliches Chorherrenstift. Die Basilika war im Mittelalter dem Heiligen Mauritius geweiht, und gehört zu einer um das Jahr 1000 am Thunersee entstandenen Kirchengruppe, deren Baustil lombardische Einflüsse zeigt. Sie wurde anstelle eines um 700 entstandenen Vorgängerbaus errichtet. Die Bauten des Chorherrenstifts wurden bei der Eroberung des Berner Oberlandes durch die Zähringer zerstört, später wieder aufgebaut, 1484 übersiedelten die Chorherren nach Bern. Der gotische Kirchturm stammt aus dem 14./15. Jhdt. 1501 wurde die Stiftskirche zur Dorfkirche. Das unmittebar neben der Kirche gelegene, ehemalige Probsteigebäude wurde von den Berner Chorherren 1496 mit ausgedehntem Grundbesitz inklusive See dem reichen Berner Bürger und Kaufherrn Barthlome May (ein schweizerischer Fugger) verkauft und später zum Schloss umgebaut. Es ist heute noch in Privatbesitz.

Die drei-schiffige Basilika
Die drei-schiffige Basilika

Die dank dem reformatorischen Bildersturm schlichte Pfeilerbasilika ohne Querschiff bietet mit ihren 3 Apsidien und dem hochgelegenen Chor eine eindrückliche Raumwirkung. In der Krypta finden sich eingemauerte  römische Bauteile und Überreste aus Aventicum und Allmendingen. Sie diente bis 1876  auch als Pfarrhauskeller und Käselager. Die Nordwand birgt eine schöne Malerei: die Darstellung des Heiligen Christophorus datiert um etwa 1300. Der mit einem Kranz von Tiermedaillons verzierte Taufstein stammt aus dem 14. Jahrhundert, die Holzdecke und der Abendmahlstisch datieren aus dem 17. Jhdt. Die Aussenfassade der Apsidien ist gegliedert durch lombardische Mauerblenden (Lisenen) und Rundbogenfriese.

Christophorus
Christophorus
Krypta
Krypta

Das Mittagessen haben wir in Münsingen, im Gasthaus zum Bären, dem ältesten Wirtshaus des Kantons (1371) eingenommen. Suure Mocke, mit Kartoffelstock. Die Sauce mit zuviel Saucenverdicker angerührt, das Rotkraut mit Äpfeln zu Brei verkocht. Dem Renommee des Hauses angepasster Service. Vergessen.

Blinde Katze auf der Kirchenbank
Blinde Katze auf der Kirchenbank

 

Erfreulicher die wohl nicht nur von Kirchenmäusen wohlgenährte, blinde und doch zutrauliche Katze auf der Holzbank vor der Kirche sowie die Entdeckung einer für mich neuen Käsesorte in Belp. Mehr darüber in einem separaten post.

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16 Kommentare zu „CH-3633 Amsoldingen: Von der Basilika zur Dorfkirche“

  1. Ah, Jakobsweg light und das an diesem Ausnahmewochenende im Blog 😉

    Und der erste Konzertzuhörer ist auch bereits hier …

  2. Schön – diese schlichte Kirche, ich mag so etwas! (Trau‘ mich das aber als Katholikin aus dem Süden kaum zu äußern) – Was ist denn Suure Mocke? – Danke fürs Mitnehmen auf den Ausflug, so kommt man wenigstens virtuell mal aus den eigenen vier Wänden raus 😦

  3. Wie sieht es denn mit den guten Vorsätzen aus?! 😉 Nur so zur Erinnerung – heute ist Sonntag.

    So eine Kirche gefällt mir – massiv ohne SchnickSchnack.

  4. Wie schön, wenn die Küche kalt bleibt, so bleiben uns doch die schönen Ausflüge und Berichte über unbekannte Schweizer Kostbarkeiten erhalten. Vielen Dank

  5. Stimmt NATHALIE. Heut ist Sonntag. Aber vielleicht ist er sich ja noch nicht so ganz sicher….. Im WELCOME oben rechts steht auf jeden Fall noch TÄGLICH! Und das läßt mich hoffen 😉

    Wunderschöne, stimmungsvolle Bilder, die einem zur Ruhe kommen lassen.

    Und dazu rieselt leise der Schnee…… 🙂

    Schönen Sonntag!

  6. @Dandu: nein, sie hat nicht gebettelt, nur ihren Platz an der Sonne verteidigt.

    @the rufus: -zuhörerin. Nein, absolute Stille, das tut im Lärm der Welt gut, und wenn auch nur für 10 Minuten.

    @Eva: Suure Mocke mit Härdöpfustock gibts, wie nicht anders zu erwarten, auch bei mir. Ende der Reklame.

    @Nathalie: Sonntag ?…wie die Zeit vergeht.

    @Buchfink: solange unser Auto fährt und wir mit ihm 🙂

    @Rosa: extra für Katzenfreunde &-innen.

    @Hanne: mein Dilemma, was schreib ich denn da hinein ? Es darf nicht länger sein, sonst hats keinen Platz auf einer Zeile. werktäglich, häufig, werktags, M0-FR, gefällt mir alles nicht…. Ich lass es stehen, mit Ausnahmen 🙂 Auch Dir schönen Sonntag !

    @Sivie: es ist ein Glück, alles so nahe zu haben.

  7. Eure Ausflüge gefallen mir jedesmal ausnehmend gut. Die Schweiz hat natürlich auch einige Schätze zu bieten… 🙂

    Und das Foto mit der Katze ist toll!

  8. @Nathalie: wer einer geordneten tätigkeit nachgeht, hats einfacher.

    @lavaterra: das geht mir bei Deinen Berichten genauso.

    @Barbara: ich hoffe, dass ich bis zu meinem Lebensende die Schweiz bereist haben werde 🙂

    @Poulette: wenn die Strassenverhältnisse besser sind, wird wieder gereist 🙂

  9. Das war wieder ein wunderschöner und interessanter Ausflug, an dem ich teilnehmen konnte. – Die Basilika in ihrer Schlichtheit ist beeindruckend (ich liebe solche Kirchen) und die blinde Katze auf der Bank berührend. Hat sie sich streicheln lassen?

  10. @Charlotte: erst hat sie sich ungefagt auf den Schoss von Frau L. gesetzt, Streicheleinheiten aber mit ausgefahrenen Krallen abgewehrt und sich dann wieder in ihre Ecke zurückgezogen.

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