Taccole e fagioli, eine Metamorphose

Taccole e fagioli

Pasta e fagioli, vor 3 Monaten gegessen im Ristorante Malakoff bei Signora Fuso in Bellinzona, erwartet habe ich suppige Bohnenkerne und pasta wie hier, im Teller waren tatsächlich braune Bohnen, die pasta aber in Form  grüner Zuckerschoten (Kefen). Das hat so hübsch ausgesehen und so gut geschmeckt, dass ich es nachmachen musste.

Die Herstellung grüner Zuckerschoten aus Pastateig war dann aber doch viel aufwendiger. Unter den Weihnachtsplätzchenausstechern wollte sich einfach keine Zuckerschote finden. Da habe ich dann eine Ente genommen, den Teig damit ausgestochen, Ente geköpft, dann mit einem ovalen Holzplättchen einen Wulst in den Bauch gedrückt: schönste Pasta-Zuckerschoten.

Taccole e fagioli: Enten mit Köpfchen
Enten mit Köpfchen
Zuckerschoten am Fliessband
Zuckerschoten am Fliessband

Dem sagt man in Natur und Kunst Metamorphose.  Der bekannte holländische Künstler Maurits Cornelis Escher hat sich in seinem Lebenswerk mit der Verwandlung von Vögeln in Fische und anderen Transformationen intensiv beschäftigt.

Taccole e fagioli

Frau L. wollte mich beim Ausstechen tapfer unterstützen. Mangels geeignetem Ausstecher hat sie ihre Zuckerschoten etwas anders, moderner interpretiert. Sieht ja aus wie Hundekuchen hab ich ihr gesagt, daraufhin hat sie mich alleine weiterarbeiten lassen. Frau L. fehlt einfach das Verständnis für meine Ernsthaftigkeit beim Kochen. Nach 200 massakrierten Enten hab ich den gefühlten restlichen 800 den Kopf belassen. Später habe ich bei mestolo gesehen, dass ich für meine Arbeit auch ein Teigrädchen hätte verwenden können. Zuviel Ernst ist hinderlich.

Zutaten
für 3 Suppenteller
150 g rote Bohnen oder braune oder Borlotti
30 ml Olivenöl extra
1 Stangensellerierippe
1/2 Peperoncino
2 Knoblauchzehen, gescheibelt
2 Elf. Tomatenpüree
1 Elf. Speckwürfelchen
Pfeffer, Salz, oder an dessen Stelle 1 Tlf. Anna Fornos Kräuterpaste
120 g Pasta-Zuckerschoten

für die Pasta:
400 g Hartweizengriess
1 Tlf. Salz
3 Eier
1 Elf. Chlorophyllextrakt,  aus Spinat extrahiert, Rezept siehe
Spinatmatte

Taccole e fagioli: Soffritto
Soffritto
Taccole e fagioli: Bohnen eingeweicht
Bohnen eingeweicht

Zubereitung
(1) Bohnen in einem Mehrfachen an Wasser über Nacht einweichen. Am andern Tag abspülen.
für die pasta:
(2) Mehl und Salz in der Kenwoodschüssel vorlegen. Kneter laufen lassen und Eier zugeben, kneten bis eine krümelige Masse entsteht,  das Spinatgrün und Olivenöl zugeben. Sobald der Teig klumpt (nötigenfalls noch etwas Eiweiss zugeben) herausnehmen, in Küchenfolie einwickeln und über Nacht im Kühlschrank reifen lassen.
(3) Pastateig maschinell auswalzen (Stufe 5/9), mit Plätzchenausstecher oder dem Teigrad kleine Formen oder Maltagliati ausschneiden, auf einer mit Hartweizengriess bemehlten Platte leicht antrocknen lassen, dann den nicht sofort benötigten Teil einfrieren.
für die Bohnen:
(4) In einer Pfanne Olivenöl, Knoblauch, Peperoncino und die Sellerierippe sanft erhitzen und 10 Minuten leicht andünsten (Soffritto). Dann das Tomatenmark zugeben und kurz mitdünsten.
(5) abgetropfte Bohnen zugeben, mit frischem Wasser (7 dl) zu etwa einem Drittel überdecken, Salz oder Anna Fornos Paste zugeben und ganz langsam köcheln lassen, bis sie weich sind. Bei meinen Bohnen ging das 20 Minuten. Dann mit Pfeffer würzen.
(6) ca. 120 g der grünen pasta zugeben und nochmals 3 Minuten leise kochen lassen.

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32 Kommentare zu „Taccole e fagioli, eine Metamorphose“

  1. Männer, die durch Ihre Ernsthaftigkeit das tägliche, schnelle Arbeiten behindern, sind in der alltäglichen Küche manchmal hinderlich. Für Sondersachen sind sie aber durchaus zu gebrauchen. 🙂

  2. Enten als Nudeln – sehr schön.
    Es wäre das erste Mal, dass ich meine Ausstecherle außerhalb der Weihnachtsbäckerei aus den tiefsten Tiefen eine Küchenschrankes wühlen würde… wobei ich leider keine Enten habe. Dafür aber Eisbären.

  3. Herrlich, da muss ich doch auch mal in meiner Weihnachtskiste kramen… Was sich damit so alles übers Jahr anfangen lässt….

  4. @kulinaria: nicht nachtragend die Mitarbeit aufgekündigt.

    @Nathalie: Derzeit bin ich immer noch Alleinherrscher über die Küche.

    @Rosa: die Form der Einlage spielt nur geschmacklich keine Rolle 😉

    @Bolli: so soll es sein 🙂

    @Eva: ist ja fast wie bei Buchstabensuppe.

    @sammelhamster: nix da, entweder wird alles gegessen oder nichts.

    @Sivie: aber gut verstecken, wenn die Fetzen fliegen 🙂

    @kochschlampe: Eisbären passeten besser zum Wetter.

    @Isi: ist ja auch bald wieder….

    @reibeisen: ich hab davon noch eine ganze Schachtel.

  5. Sowohl die Enten, mit und ohne Kopf, als auch die Hundekuchen passen doch wunderbar zu den Bohnenkernen. Erstaunlich, auf welche Ideen Du so kommst 🙂

  6. Sehr, sehr originell, kreativ und wunderschön anzusehen – ja, ich dachte erst auch an Zuckererbsenschoten. Unglaublich, was du da wieder gezaubert hast… So schön… 🙂

  7. Köstlich beschrieben und es schmeckt bestimmt auch so. Aber dafür Enten köpfen? Da neige ich doch mehr zu Frau L.s Ansichten ;-))

  8. Hach, schön! Ich hatte gerade am Wochenende eine Riesenportion Ravioli gemacht, das Rechteckschneiden ist noch im Handgelenk drin.

    Wobei Mestolos Maltagliati (welch ein Understatement bei der Präzision 😉 ) mir fast besser gefallen. Dies Schnittmuster sieht einfach mehr nach Escher aus 🙂

  9. Arme Frau L., ein Perfektionist im haus und dann sogar in der Küche… na hoffentlich haben die Enten so gut gemundet, wie sie aussehen 😉

  10. Entenmörder, du bist ein großer Geduldskünstler! Das Foto von den angestanzten Enten, hätte sehr gut in einen Kunst-Blog gepasst. Ich hoffe, die Suppe hat euch geschmeckt. Wenn ich so etwas aufwendiges mache, habe ich dann keine Lust mehr es zu essen.

  11. @Charlotte: Bürzel voran schmecken sie am besten 🙂

    @Elisabeth: Danke !

    @Buchfink: ich singe mal schon „Lo sai che i papaveri..“

    @April: für Liebhaberinnen hats noch ein paar Hundekuchen 🙂

    @Johannes: wenn man über etwas lachen kann, lohnt es sich immer !

    @bee: das stimmt, und zudem ohne Verschnitt !

    @Ellja: was mache ich nun aus den restlichen Enten ?

    @Buntköchin: sie hätte mit gekaufter Pasta vermutlich ebenso geschmeckt. Trotzdem hat es mir Spass gemacht.

  12. Einspruch!!

    Never ever 🙂 schmeckt gekaufte Pasta genauso gut wie selbstgemachte!!!

    Sehr niedlich und sehr hübsch, ich will auch ein Entenförmli.

  13. Das ist ja eine quasi-vollständige enten-penrose parkettierung! Chapeau!

  14. „Frau L. fehlt einfach das Verständnis für meine Ernsthaftigkeit beim Kochen. “ > Soll ja auch was leckeres werden. Schicke Idee, ich mag die Entenform. 🙂

  15. @Mestolo: Entenköpfe und Verschnitt werden erneut gewalzt. Hier verdirbt nichts. Bei Spaghetti und Sonderformen kaufe ich pasta zu.

    @groefaz: die möglichst vollständige Parkettierung einer Teigplatte ist ein anspruchsvolles Ziel, an dessen Erreichung ich seit Kindsbeinen arbeite.

    @gourmet: das war scherzhaft gemeint 🙂

  16. Enten geköpft.
    Ich betrete diesen Blog nur mehr schwer bewaffnet.

    Vor dieser Suppe graut mir. Verständlich, oder?
    Und dann noch das viele Blut worin das Zeugs schwimmt.
    —-schaut grimmig—- was hast du mit den Köpfen gemacht. Spucks aus!

  17. @Jutta: mit gezücktem Messer, stimmt.

    @entegut:
    Chor aus Macbeth:
    Öffne, Hölle, den Rachen und verschlinge
    in deinem Schlund die ganze Welt!
    Auf den verfluchten, unbekannten Mörder
    regne deine Flammen nieder, o Himmel!
    aus den Köpfen hab ich neue Enten geformt.

  18. Wie lustig!
    „Mit dem Bürzel voran schmecken sie am besten“-ja, wie den sonst? Man will doch nicht in die klaffende Wunde gucken! Der Chlorophyllextrakt ist echt ein Knaller. Das muß ich unbedingt mal ausprobieren.

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