Garganelli alla Sorrentina

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Garganelli sind feine, zu Röhren gedrehte, gerillte Nudeln aus der Emiliana. Ich kombiniere sie zu einer Salsa alla Sorrentina, einer Tomaten-Basilikum-Sauce mit Mozzarella. Mein Beitrag zum Blog-Event Mozzarella-Revolution. Wer sich jetzt wundert, was denn eine Tomatensauce mit Revolution zu tun habe, den vertröste ich auf später. Nur keine Gewalt. Stilles Unterlaufen der Vormacht des allgegenwärtigen Mozzarella Caprese ist das Gebot der Stunde.
Blogevent | Mozzarella Revolution | 1.10.-31.11.09

Mein Revolutionsbeitrag wäre beinahe gescheitert. Umsonst habe ich alle Haushaltläden des Veltlins abgeklappert. Einen pettine per Garganelli (eine Art Kamm, mit Fäden bespannt)  hatte niemand anzubieten. Zuhause kam dann auch mir die Erleuchtung: mein Gnocchibrett. Die schmerzlich vermisste Peppinella nahm dazu einen gewöhnlichen Kamm, geht auch.

Zutaten
2 Portionen
für den Teig:
200 g Hartweizendunst (Pastamehl)
100 ml Wasser
Prise Salz
1 Elf. Olivenöl

für die Salsa alla Sorrentina:
500 g gute Tomaten, entkernt, in Würfeln
1 Schalotte
2 Knoblauchzehe
1 Büffel-Mozzarella, möglichst frisch, in 1 cm Würfeln
2-3 Zweige Basilikum
1 Msp. Origano
2 Elf. Olivenöl extra
1-2 Peperoncino
Pfeffer
Salz
1 Prise Zucker
30 g Parmesan, frisch gerieben

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Vorbereitung
(1) Zutaten mischen, einen Teig kneten, zugedeckt 2 Stunden ruhen lassen.
(2) Den Teig auf der Pastamaschine sukzessive zu feinen Bahnen auswalzen (Stufe 7/9).  Aus den mit Weizendunst leicht bemehlten Teigbahnen Quadrate von max. 4 cm Kantenlänge schneiden. Unterseite der Teigplättchen nochmals mit Weizendunst bemehlen und mit bemehlter Seite nach oben auf das Rillenbrettchen legen.
(3) Das Teigplättchen mit einer dicken Stricknadel von einer Ecke des Quadrates beginnend, unter leichtem Druck auf das Rillenbrettchen satt aufrollen und die Stricknadel herausziehen. Das geht recht schnell, wenn mans los hat. 
(4) Wer sie nicht frisch verwenden will, kann sie Auf ein Kuchengitter legen und an einem warmen Ort oder in der Umluft bei 40°C trocknen, damit sie ihre Form behalten. (ed: 31.10.09)

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Zubereitung
(5) Die Tomaten waschen und entkernen und in Würfel schneiden. Schalotte, Peperoncino und Knoblauchzehe würfeln, den Mozzarella in 1 cm Würfel schneiden.
(6) Die Garganelli in siedendem, gesalzenen Wasser al dente kochen (frisch 3-4 Minuten)
(7) Schalotten, Peperoncino und Knoblauch in heißem Öl andünsten, Tomaten zugeben, kurz miterhitzen, würzen und mit Pfeffer abschmecken. Die Tomatensauce vom Herd nehmen, die Mozzarellawürfel und den gezupften Basilikum zugeben, einmal umrühren, dann die Garganelli mit der Sauce anrichten und mit Parmesan bestreuen. Vorsicht, sobald der Mozzarella in der Sauce ist, darf nicht mehr gross geheizt und umgerührt werden, sonst verklebt sich der Käse zu Kaugummi.

Anmerkung
Ich werde langsam vergesslich, tauge nicht mehr zum Revolutionär. Nach dem Essen, beim Zusammenräumen, habe ich in der Küche den bereits vorbereiteten, gezupften Basilikum vorgefunden. Der hätte auch reingehört und niemand hats gemerkt. Peinlich. Als pastateig habe ich einen Teig ohne Eier gewählt, weil ich die pasta trocknen wollte.  Garganelli werden original mit einem Eier-haltigen Pastateig gemacht. Und über die salsa Sorrentina kann man sich streiten. Die einen überbacken sie im Ofen, bis der Mozzarella Fäden zieht, andere, wie ich, essen sie lieber halbroh.

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33 Kommentare zu “Garganelli alla Sorrentina”

  1. Bildschoen die Nudeln! Das mit der Vergesslichkeit passiert mir schon seit 20 Jahren. Heute habe ich das benoetigte Ei fuer einen suessen Hefeteig vergessen und mich gewundert warum ich mehr Fluessigkeit wie sonst brauch…aber es war genug Fett im Teig als Emulgator und kein Mensch merkts. Mach dir mal keine Sorgen.

  2. Ob revolutionär oder nicht, die Nudeln sehen wirklich schön aus. Mal sehen, ob ich die Kinder als Ferienaktion zum Nudelrollen motivieren kann.

  3. Wow, selbstgemacht – hätte ich beim ersten Foto nicht gedacht. Du könntest glatt nach Italien gehen und dort Pastamacher werden. Oder in der Schweiz erste Adresse für frische Nudeln.

  4. Oh danke für die Kaugummi-Warnung!! Ich ärgerte mich schon oft über diese zähe Mozzarellamasse, die da so in meinem Topf entstanden ist 😦

    Lieber Tipps als Revolución 😛

  5. Auch bei mir gabs keinen Garganelli-Kamm im Urlaub. Dafür ein Gnocchi-Brettchen mit Stäbchen „zum Drüberrollen“ Also steht jetzt auch meinen Garganellis nichts mehr im Weg.

  6. Ich bewundere Dich, die Geduld für das Herstellen solcher Nudeln habe ich nicht. Aber irgendwann einmal, wenn ich gaaanz viel Zeit habe…. Lecker siehts aus, ein richtiges Kunstwerk! LG

  7. @karine: ärgerlich dabei ist, dass ich die Zutaten im mise en place schön bereitstelle… und trotzdem stehen lasse.

    @Eva: an der Luft etwa eine Woche.

    @Sivie: ideale Bastelarbeit für Kinder, wichtig ist bloss, dass der Teig dünn ist, weil sich beim Aufrollen die gegenüberliegenden Ecken überlappen.Allenfalls kannst Du statt Quadrate Rauten ausschneiden, damit sich nicht soviel Teig überlappt.

    @Rosa: Danke für den pastamaker !

    @Claudia: es wird noch ein Weilchen dauern, bis ich mich durch alle 1000 italienischen pastasorten genudelt habe.

    @sammelhamster: Wenns trotzdem passiert, alles unter den Grill schieben.

    @Nathalie: sogar mit Stäbchen ! Habs bei Eva gesehen.

    @Andrea: eine halbe Stunde muss man für das Drehen obiger Portion schon rechnen.

  8. Es sieht zu lecker aus! Die Nudeln sind wunderschön geworden! Und außerdem wird die Soße auch ohne das Basilikum gut geschmeckt haben, da bin ich mir sicher!
    Che, ran an die Töpfe! 🙂

  9. *seufz*

    Ich will auch mal wieder bekocht werden. Besonders wenn ich sehe, was andere für schöne Sachen machen, zu denen ich im Moment einfach nicht die Zeit finde. Irgendwie scheint mein Zeitmanagement schief zu laufen.

  10. Boah du bist einfach ein Kochkünstler und ich hätte gerne deine Zeit und Muße zum Kochen! bei mir geht es derzeit nur schnell schnell und ans Selbermachen von Nudeln ist gar nicht zu denken…
    Viele Grüße und ein schönes Wochenende

  11. Einmalig schön sind Deine Garganelli geworden; perfekter kann man sie wohl gar nicht machen. Was das Vergessen von vorbereiteten Zutaten anbelangt: da bist Du nicht alleine :-). Hauptsache, die Salsa hat trotzdem geschmeckt.

  12. Ein Kunstwerk, jede einzelne Nudel für sich!!! Der Duft dieses köstlichen Gerichts dringt in miene Nase und aktiviert das Hungergefühl, das nach einem reichlichen Frühstück eigentlich gar nicht vorhanden sein dürfte… 😉

  13. Klasse, die Garganelli, bin schon auf der Suche nach einem passenden Vehikel zur Herstellung, ein Gnocchibrett habe ich nicht, aber mir wird schon was einfallen.

  14. Völlig egal ob da was vergessen wurde oder noch rein gehörte. Das Gericht ist PHANTASTISCH zubereitet und alles SUPER-PASTA!

  15. Robert, du gniessisch (eimol mehr) mi Bewunderig! Ei Garganelli isch scheener als s‘ Andere. Das gränzt bigoscht an Perfeggtion.
    Bim Koche und Ässe vo dene Dingerli würd‘ i sogar vergässe, dass eigentlig no e Sösli derzue gheert.

  16. Oja, so etwas Gutes zur Mittagszeit anzusehen ist wirklich kritisch. Mein Kühlschrank ist leer und mein Magen auch. Würde momentan gerne eine echte Revolution anzetteln um an diesen Teller ranzukommen. Danke fürs Mitmachen und die tolle Anleitung zur Erstellung dieses Kunstwerks.

  17. Oh nein, hätte ich nur der Versuchung widerstanden, mal ebend bei lamaicucina vorbei zu schauen! Jetzt kann ich vor lauter Appetit und knurrendem Magen nicht mehr vernünftig arbeiten…

  18. Nach einer komplett pastafreien Woche – die Zeit, die Zeit! – planen meine Küchengeräte bestimmt schon den Aufstand. Ob sie nach dem Orechiette-Schwamm auch den Garganelli-Kamm in ihre Reihen aufnehmen? Ich sehe schon, wie sich Küchenschublade und Werkzeugkasten gegen mich verbünden zum Standgericht: Nudel-Auflauf 😉

  19. für diese Pasta ein “ dickes Kompliment “ !!!!
    ich versinke bald vor lauter Bewunderung solcher Künste hier vor meinem PC tief in dem Sessel !!!
    das muß lecker sein und ich hätte jetzt gerne eine nicht zu kleine Portion…. trotz gerade eben gehabten Abendessen ( gab Heute nur Käsespätzle aus Zeitgründen )
    mein Glas “ Chianti Reserva “ aus der Fattoria Vialla neben mir würde ausgezeichnet dazu passen 🙂

  20. @nina: der Oregano hat die Sache gerettet. Muss mir erst eine Zigarre anzünden, dann will ich mal sehen, was sich noch machen lässt.

    @Kochschlampe:
    @Petra:
    Was ihr neben der Erwerbstätigkeit in Sachen foodbloggerei leistet, ist mehr als bewunderungswürdig. Ich bin frei von beruflichen Verpflichtungen.

    @Charlotte: hat sie, sonst wäre mir das vorher aufgefallen.

    @Susa: Sorgfalt und Kopflosigkeit.

    @Eline: Fliessbandarbeit, eines ist wie das andere. Man muss nur aufpassen, dass man absolut gerade (in der Rille) rollt.

    @Elisabeth: virtuelle Magie 🙂

    @Claus: irgendetwas mit feinen Rillen.

    @Hannes: ich fühle mich auch als pastakoch. Nicht mehr, nicht weniger.

    @Basler Dybli: 400 g Tomaten ziehen genug Wasser für die Sauce 🙂

    @Buntköchin: Du kannst dich aber nicht über schlechte Küche beklagen.

    @multikulinaria: solange ich die Lohnausfallkosten nicht übernemen muss 🙂

    @bee: Orecchiette und Garganelli im Auflauf vereint. Nennt man das nicht Eheglück ?

    @kulinaria: durchs andrücken beim Aufrollen hat sich kein einziges entrollt.

    @Karin: Käsespätzle mit Zwiebelschweitze sind kulinarisch keineswegs geringer zu bewerten.

  21. So ein Brett fehlt mir noch. Über der Gabel gerollte Gnocchi gelingen mir nicht wirklich 🙂
    Schaut gut aus, was sehr bodenständiges.

  22. ..ich gebe es ja gern zu, lamiacucina
    Deine Seite lese ich sehr oft.
    Da gibt es immer was leckeres wie jetzt.

    HBG
    eibauer

  23. @Mestolo: in italienischen Haushaltwarengeschäften billig zu kriegen. Kann Dir eins besorgen nächstes Jahr.

    @eibauer: es gibt soviele leckere Seiten, dass Leser sehr diszipliniert vorgehen müssen, um nicht der Esssucht zu verfallen.

    @barcalex: ach herrje, Küchengehilfe in der Vorhölle, Abteilung pasta

    @Isi: die Dinger sind sehr leicht zu drehen. Denken darf man dabei, was man will.

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