CH-6130 Willisau: Stedtli

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Wenn in dem Luzerner Landstädtchen Willisau Grossmutters Unterwäsche vor den Fenstern hängt, weiss der Besucher, dass hier die Narren los sind. Letzten Samstag sind wir (endlich) wieder mal zu einer ordentlichen Ausreise aufgebrochen.

Seit dem 11. Jhdt. gehörte die Willisauer Gegend zur Grafschaft im Aar-Gau. Der letzte Aar-Graf schenkte seinen Besitz an den befreundeten Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Dieser überliess den Grafen von Habsburg das lenzburgische Eigengut im Süden des Aar-Gaus und damit auch Willisau.
Anfang des 14. Jhdts. verpfändeten die verschuldeten Habsburger ihren gesamten Willisauer Besitz an die Herren von Hasenburg (Burg in Asuel im Kanton Jura). Um ihren Besitz zu befestigen, gründeten die Herren von Hasenburg 1302/03 anstelle des bestehenden Pfarrdorfes das Städtchen Willisau. 30 Jahre später erhielt Willisau das Stadtrecht.

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Der Willisauer Zweig der Hasenburger starb Mitte des 14. Jhdts. im Mannesstamm aus. Stadt und Herrschaft Willisau wurden 1407 an den Stadtstaat Luzern verkauft. 400 Jahre lang regierten fortan patrizische Landvögte aus Luzern. 1690-95 baute Luzern ein stattliches Landvogteischloss als Residenz.

Das Rathaus wurde 1704, nach dem letzten von insgesamt 4 Stadtbränden als Kaufhaus mit Schaal (Metzgerei), Korn- und Tuchlaube erbaut. Das Schlachthaus wurde bis 1956 benutzt.

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mit blitzsauberer Köchin
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Rathaus "dekoriert"

Willisau war und blieb trotz des mittelalterlichen Stadtrechtes eine Kleinstadt (von heute etwas mehr als 7000 EW).

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Blick vom Obertor zum Untertor
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"dekoriert"

Vier grosse Feuersbrunsten zerstörten das Städtchen. 1375 liess Leopold III., Herzog von Österreich, Steiermark und Kärnten als Landesherr das Städtchen anzünden, damit die eingefallenen Guglerscharen keine Bleibe vorfinden. Die Gugler waren etwa 22’000 „arbeitslose“ französische und englische Söldner im Dienste von Enguerrand VII. de Coucy, einem Enkel von Leopold I., der seinen (an sich legalen) Erbanspruch auf den Aargau gewaltsam gegen Albrecht III. und Leopold III. durchsetzen wollte. Die Guglerheere wurden aber aus allen Teilen des Mittellandes vertrieben.

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Nach der Niederlage von Sempach gegen die Truppen der Eidgenossen (Uri, Schwyz, Unterwalden und Luzern) liess Leopold III. das Städtchen erneut anzünden. Weitere Stadtbrände fanden 1472 und 1704 statt. An der Müligass findet sich noch ein altes Holzhaus in der damals üblichen Ständer-Bohlen-Kontruktion sowie die alte Stadtmühle, deren Fundamente auf die Zeit der Stadtgründung zurückgehen.

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Blick in die Mühligass
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vom Feuer verschont

Der habsburgische Doppeladler hat längst abgedankt. Zuspruch finden weiterhin die Willisauerringli, eine in der ganzen Schweiz ausserordentlich beliebte, süsse Spezialität, die gemäss Gerichtsbeschluss nur in Willisau hergestellt werden darf. Ringförmige bräunliche Guetzli aus Zucker, Mehl, Honig und Gewürzen. Charakteristisch für das Willisauer Ringli sind der harte Teig sowie der typische Zitronen-Honig-Geschmack. 7 Pfund Zucker, 7 kleinere Tassen Wasser, Rinde von zwei Zitronen und einer Orange und etwa 5,5 bis 6 Pfund Mehl, so lauten gemäss Urrezept die Rohstoffe für das Willisauer Ringli. Hinzu kommen Gewürze und ein wenig Honig. Der hohe Zuckeranteil ist dafür verantwortlich, dass die Ringli steinhart sind. Man bricht sie mit dem Ellbogen und lutscht sie dann weich. Falls die Ringli härter sind als der Ellbogen muss letzterer 4 Wochen in Gips gelegt werden.

Erfunden wurden die Willisauerli von Martha Peyer, Köchin auf Schloss Heidegg, die das Rezept  um die1850 in die Ehe eines Bäckermeisters in Willisau einbrachte. In der Bäckerei Amrein werden heute noch die echtesten der echten hergestellt. Hier lässt sich auch der fällige Kaffee in angenehmer Umgebung trinken.

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Habsburger Doppeladler
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Stammhaus der Willisauerli

Zorra war übrigens letztes Jahr auch hier.

Quelle: wiki und eine Publikation der Einwohnergemeinde Willisau „eine runde Sache“.

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27 Kommentare zu „CH-6130 Willisau: Stedtli“

  1. Wer den Bränden entrinnt, läuft immer noch Gefahr, sich an den Ringli zu verletzen – Willisau scheint ein ganz gefährliches Pflaster zu sein 😉

  2. Ah ja, das dachte ich mir auch beim Anblick der schönen weißen Unterhosen 😆
    Ich wünsche dir einen schönen und fröhlichen Valentinstag – alles Liebe von Elisabeth

  3. @Nathalie: Ja, aber die die Basler Fasnacht findet erst eine Woche später statt.

    @zorra: wir waren erst am Nachmittag da, da war das La Strada geschlossen, wir hatten schon im Bernbiet gegessen und uns erst danach für den Umweg durchs Entlebuch nach Willisau entschlossen. Ein andermal.

    @bee: im einen Fall zahlt wenigstens die Brandversicherung, Zahnversicherungen sind hier nicht üblich.

    @Elisabeth: Valentintag ? Den feiern wir nicht. Etwas weniger an Valentinstagen aneinander denken, dafür mehr zwischen den Valentinstagen.

    @nina: es gibt auch weichere für jene, die die Technik des Willisauerringlilutschens nicht beherrschen.

  4. Das wäre doch schön, wenn Herr L. gelegentlich mal das Rezept für die Willsauer Ringli für seine Fangemeinde erarbeitet. Wir haben alle gute Zähne!

  5. @Barbara:
    @Peter:
    wenn ich in D leben würde, würdet Ihr dasselbe von D sagen müssen 🙂

    @Hannes: früher war Unterwäsche eben noch Unterwäsche.

    @Buchfink: mal sehen, ob ich etwas zuckerarmes finde. Aber erst, wenn ich meine sonstigen Pendenzen abgetragen habe.

    @Rosa: Danke, auch Dir liebe Grüsse.

  6. Das waren noch Zeiten! Mit dieser Reizwäsche! Wobei es mir sicher auch damals schon mehr auf den Inhalt angekommen wäre als auf die Verhüllung.

  7. Na, da war das Auspacken wohl noch spannend … nicht nur, dass die Wäsche eine Modellierung der weiblichen Reize verweigerte, sie gab nicht einmal nur ansatzweise etwas vom Inhalt preis 😉 Gibt es eine Begebenheit auf die dieser Brauch zurückzuführen ist?
    Schade, dass kein Foto von den Ringli dabei ist!

  8. @Erich: die geschilderte Interessenlage ist heute noch dieselbe 🙂

    @Ranger Doug: in den Bergen oder an der Ostsee. Hier im Flachland hats nur wenig oder keinen Schnee und der ist am Schmelzen.

    @Elisabeth: Hach, eine Piepschau auf dem Lande ist so aufregend. Da werden Männer zu Dieben.

    @Christina: zu diesen Zeiten galt schon als verrucht, wenn sich die Spitzen der Hosen unter dem Rock ans Tageslicht hervor wagten. Dass sich Männer an der Fasnacht als Weiber verkleiden und Wäsche vors Fenster gehängt wird, gehört zum Narrentreiben. Woher das kommt, weiss ich nicht.

  9. Es fällt mir immer wieder auf – und ich habe das auch schon mit eigenen Augen gesehen – in der Schweiz ist alles so schmuck und blitzsauber, auch die weißen Unterhosen ;-))

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