Über Nacht hat sich eine dicke Schneeschicht leise auf unsern Garten gelegt. Sous la neige, notre jardin se repose. Die Natur ruht und doch weisen die Spuren im Schnee auf ein reges Nachtleben hin. Frau H. hat sich die letzten Karten für die grosse Retrospektive der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama in der Fondation Beyeler gesichert. Kusama? Neuland für mich Kunstbanausen. Wenns denn sein muss, die SBB (Schweizer Bundesbahn) bringt uns ja auch bei widrigen Wetterbedingungen sicher nach Basel.


Die japanische Künstlerin Yayoi Kusama (*1929 in Japan) hat in ihrer 70-jährigen Karriere eines der einflussreichsten Lebenswerke der Gegenwartskunst geschaffen. Sie verbindet Avantgarde, Pop-Art und Minimalismus, wobei autobiografische und psychologische Elemente im Zentrum stehen.
In Kusamas Kunst verarbeitet sie traumatische Kindheitserlebnisse, lebenslange Halluzinationen und Zwangsstörungen. Sie zog 1958 nach New York, wurde dort zu einer Avantgarde-Figur der Kunstszene neben Andy Warhol. Hier sorgte sie mit Happenings, Akt-Performances und Soft Sculptures für Aufsehen, fand aber wenig Anerkennung. 1973 kehrte sie, depressiv, nach Japan zurück, wo sie seither auf eigenen Wunsch in einer psychiatrischen Klinik lebt und arbeitet.
Bekannte Merkmale ihrer Werke sind u.a. Netzstrukturen (Infinity Nets) und repetitive Punktmuster (Polka Dots).





Der Kürbis ist ein wiederkehrendes Motiv, das für Yayoi Kusama Geborgenheit und Persönlichkeit symbolisiert. Die Punkte (Polka Dots) sind die Markenzeichen, mit denen sie ihre Körper, Objekte und sogar ganze Räume bedeckt,

1961 erschloss sich Yayoi Kusama Stoffskulpturen (Soft Sculptures) als künstlerisches Mittel. Sie überzog, Möbel, Puppen, Kleider und Haushaltsgegenstände mit phallusartigen Stoffwülsten. Die Auseinandersetzung mit phallischen Formen wird von manchen Betrachtern als Aufarbeitung sexueller Ängste interpretiert.


Insgesamt 12 Jahre arbeitete Yayoi Kusama an der Serie „my eternal soul“ von 38 Gemälden. Oft an mehreren tableaux gleichzeitig, intuitiv und ohne Gesamtkonzept.


In ihren Infinity Mirror Rooms nutzt sie Spiegel, um den Eindruck eines grenzenlosen, kosmischen Raums zu erzeugen. Mit Selbstauslöschung (Self-Obliteration) beschreibt Yayoi Kusama das Gefühl, die Grenze zwischen sich selbst und der Umgebung zu verlieren, indem sie sich durch obsessive Wiederholung von Mustern, wie ihren Punkten (Polka Dots), in die Unendlichkeit auflöst. Das wird in ihren Spiegelräumen begehbar und erfahrbar.



Die Spiegelboxen (Mirror Boxes) von Yayoi Kusama entführen den Betrachter in eine kaleidoskopische, endlose Welt.


Ein eindrückliches, empfehlenswertes Kunsterlebnis, das jede, auch noch so weite, Anreise wert ist. Nächste Station der Ausstellung: Köln. Museum Ludwig von 14. März – 2. August 2026
Vorher unbedingt den Film Yayoi Kusama Infinity, gezeigt im Schweizer Fernsehen, anschauen:
„Ich hoffe, dass die Kraft der Kunst die Erde friedlich machen kann“ Y.K.
[grosser Abstand]
Zuhause ein dilettantischer Versuch, die Polka Dots auf einen Teller zu bringen: Kürbiskugeln, Vollkorn-Pizokel, Kürbissauce und Wirsing mit Speck.
