Gritlis Schokoladekuchen

Gritlis Schokoladekuchen

Gritlis Schokoladekuchen aus dem Kochbuch Gritli in der Küche. Das Kochbuch erschien erstmals 1906 als zweiter Teil einer Anleitung zur Führung eines bürgerlichen Haushaltes (Titel: Wie Gritli haushalten lernte). Autorin: Emma Coradi-Stahl; Mitbegründerin des Gemeinnützigen Frauenvereins und der Haushaltungsschule Zürich. Der für die damalige Zeit typische Hausmütterchenratgeber erlebte viele Auflagen bis etwa in die dreissiger Jahre.
Der Kuchen ist praktisch mehlfrei, schmeckt wirklich ausgezeichnet nussig-schokoladig, behält eine gewisse Feuchtigkeit, ohne nass zu sein. Hätte man damals dieses Kochbuch verfilmen wollen, dann bitte mit Lilliane Herman, dem Gritli aus dem Schweizer Film von 1940:  S’Margritli und d’Soldate. Nur sie kann so herzergreifend weinen, dass davon ein Kuchen feucht wird, Jahre später nur noch durch die Tränen der Maria Schell überboten. Wer zuhört, kriegt Teddy Stauffer mit seiner Bigband zu hören. Wer hinschaut, sieht, neben kullernden Tränchen, die von mir kürzlich vorgestellte Stadt Murten, dort wurde der Film gedreht.

seufz, schluchz, wo ist mein Taschentuch, ach ja, der Kuchen:

Zutaten
125 g Butter
250 g Zucker
6 Eier, getrennt in Eigelb und Eiweiss
125 g Schokolade 65%, gerieben
125 g Haselnüsse, gemahlen
125 g Mandeln, gemahlen
1 Klf. Maizena
1-2 Elf. Kirsch

Zubereitung (Originaltext 1909)
„Der Zucker und die Eigelb werden gerührt, Butter ebenfalls für sich; dann werden sämtliche Zutaten gut untereinander gemischt, der Schnee der Eiweiss zuletzt daruntergezogen, zum Schluss der Kirsch beigegeben und die Torte in gut ausgestrichener Form 3/4 Stunden in mässig warmem Ofen gebacken. Sie ist sehr feucht und kann lange aufbewahrt werden.“

übersetzt:

(1) Butter, Zucker und Eigelb mit der Küchenmaschine schaumig hellgelb rühren, Schokolade, Nusspulver und Maizena zumischen, Eiweisse zu Schnee schlagen, unterziehen, in eine gebutterte und bemehlte Springform (24-26cm) füllen und im gut vorgeheizten Ofen (180°C) ca. 45 Minuten backen, (Ober-/Unterhitze, Schiene 2).

Anmerkung
Eine Kochkollegin besitzt dieses Buch. Sie fand den im Kochkurs kürzlich gebackenen Schokoladenbiskuit der Sachertorte aus dem Buch Leckeres aus der Wiener Küche, Havelka, 1984 als zu trocken und empfahl Gritlis Schokoladekuchen als much better. Der wurde in der Kochschule nun auch nachgebacken. Mir hat er ausgezeichnet geschmeckt, Frau L. mag lieber trockene Kuchen, ohne die Tränen von Gritli.

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38 Kommentare zu „Gritlis Schokoladekuchen“

  1. So viel Gefühl am frühen Morgen – was tut das gut! So kann es ja nur ein guter Freitag werden…
    Und der Schokoladekuchen muss für meinen Schokoholic hier natürlich nachgebacken werden – danke! 🙂

  2. Das sonnige Lächeln des wackeren Soldaten wiegt die Tränen von Gritli wieder auf. 🙂 In Murten war ich doch etliche male ein Murtenbier (so heisst doch das Ortsgebräu?) trinken aufgrund meiner Kochsaison im naheliegenden Interlaken. War das eine schöne Zeit!

  3. Ich habe auch so ein altes Kochbuch, 50. Auflage, 80 Jahre alt. Das muß ich mal vorstellen. Da ist alles drin, was man/frau braucht. Und so Sachen, die keiner mehr kann: Pudding nicht aus der Tüte

  4. Machte mir ernsthafte Sorgen über deine Tränen, jetzt, da ich beruhigt sein kann, dass der Kuchen gesiegt hat, kann ich wieder von dir gehen.

    Zum Kuchen kann ich weniger sagen, da ich kein Kuchen-Esser bin, aber – wie ich dich kenne – ist er bestimmt rasant gut, wie alles von dir, gell ?

  5. Mehlfrei ist immer gut, wenn frau mal Gäste hat, die Allergien aller Art haben. Aber auch ohne Allergien lieben wir einen solchen Schoko-Nusskuchen, der wirklich schön saftig ist!
    Viele Grüße

  6. @Eva: in Sachen Schokoladegehalt kann er mit den heutigen Schokobomben nicht mithalten.

    @Dandu: Gurtenbier, der Hausberg von Bern, für Bären ab 18 Jahren 🙂

    @mipi: die Kameraden hattens auch mit Schinken.

    @Rosa: die Mandeln. Danke und auch Dir schönes WE

    @Nathalie: erbaulich, was in diesen Büchern so alles drin steht 🙂

    @sammelhamster: mit Holz beheizt kann aun gusseiserner schamotteausgelegter Ofen schon glühend werden, das wäre dann heiss.

    @Bolli: dafür hat man die Kirschflasche.

    @ultraistgut: bei alten Filmschnulzen weine ich immer mit 🙂 Der Kuchen ist von Gritli, nicht von mir.

    @Petra: Nuss-Schoko, in dieser Reihenfolge. schönes WE.

    @BerlinKitchen: Den Kuchen schon, den Blogtext liest Frau L. nicht 🙂

    @katha: gerieben, danke, werds ergänzen.

  7. Da ich sogar bei „Bambi“ weine, muss ich stark an mich halten, um hier nicht im Tal der Tränen zu versinken – das ist zuviel für mich am Vormittag. Der Kuchen reisst es wieder raus, mehlfreie Varianten sind immer Highlights für mich. Passt gut, dass er mit Tränen getränkt wird, da braucht es keine Prise Salz mehr zur Abrundung.

  8. Der Kuchen sieht gut aus, ich mag die „Kruste“, erinnert mich so ein bisschen an Russisch Brot. Könnte ich mal für die Kollegen backen. Einfrieren kann man den aber bestimmt auch, oder?

  9. Mit Gritlis Tränen (ach, diese alten Filme…) und einem guten Schuß Kirsch wird der Kuchen bestimmt so saftig, wie ich ihn mag (trockene Kuchen gibt es bei mir nicht). Vielleicht schneide ich vorher extrascharfe Zwiebeln, damit ich das mit den Tränen hinbekomme 🙂
    Mit einer Backtemperatur von 180 – 190 °C sollte es dann klappen.

  10. Der Trockenheitsgrad von Kuchen ist eine heikle Geschichte, gerade wenn Nüsse, Schokolade im Spiel sind. Meine Mutter beispielsweise bäckt Kuchen gern gnadenlos trocken und bringt die Feuchtigkeit mit einer Alkoholdusche genannt „Tränken“ zurück, das ist oft ganz lecker, aber irgendwie auch nicht Sinn der Sache.

  11. Herrlich! Aber kapieren tue ich das nicht so ganz. Weiß S´margritli nicht wen sie will und veräppelt erstmal die anderen? Verstehe immer: Wir Soldaten, vor Salaten….

    Mag es auch gerne, wenn die Kruste so aussieht. Schmeckt dann besonders lecker. Halbsteif geschlagene Sahne könnt ich mir gut dazu vorstellen.

  12. @Jutta: also kein Bambi-Geschnetzeltes für Dich 🙂

    @entegut: wie so ein Kuchen halt aussieht.

    @Anikó: ich habs bei dem nicht probiert, aber wir frieren sonst alle Kuchen ein.

    @Charlotte: das Gritli hat mich ganz verwirrt, nicht mal die Backtemperatur hatte ich angegeben. So, jetzt stehen Backtemperatur und Herz wieder wo sie hingehören.

    @duni: von tränken und vorher löchern, damit noch mehr reingeht, halte ich auch nichts. Für etwas hat man ja den Kaffee oder Tee.

    @Poulette: alle meinten, sie hätten ihr Herz erobert, aber nur einem hat sie zugenickt. Der ist dann aber auch verschwunden, wie bei Soldaten üblich. Im Dialekt wird von Kameraden, nicht von Salaten, gesungen 🙂

  13. Aha, der Flugkuß ging ganz nach links. Verstehe. Aber die singen da doch nicht Kameraden. Fast am Ende: Wir Soldaten, ?????

  14. Der sieht köstlich aus und das Rezept klingt gut. Jetzt, wo die Weihnachtsbäckerei vorbei ist, muss man ja was tun. Und ich mag saftige Kuchen lieber.

  15. Na wenn das nicht niedlich ist!!! So ein schluchzendes Margritli und die hübschen Soldatle dazu:-)
    Der Kuchen hätt sie sicher über den Verlust hinweggetröstet. Den hätte ich Silvester gut gebrauchen können, da hatte ich ein Kind mit Zöliakie zu Besuch.

  16. @Poulette:
    hier der Originaltext…
    Margritli i lieb di vo Härze mit Schmärze,
    I weiss nid was isch mit mir gscheh.
    Was cha mer do mache bi settigne Sache,
    oh hätt‘ i di doch gar nie gseh.

    Mir Soldate und Kamerade
    hei di alli so gärn.
    Margritli i lieb di vo Härze mit Schmärze,
    I weiss nid was isch mit mir gscheh.

    @Buchfink: mutigmutig, einen unbekannten Kuchen für das grosse Fest auszuwählen. Aber Buchfinken mögen Haselnüsse. Das weiss ich.

    @april: ist ja noch nicht Fastenzeit.

    @Heidi: Kochen bei Z. ist eine Spezialwissenschaft, die ganze Bücher füllt.

  17. Bei Schokoladen-Kuchen kann ich einfach nicht wiederstehen. Ich werd dein Rezept am Sonntag gleich mal ausprobieren und wenn ich mich von dem Kuchen trennen kann ( was ich nicht glaube) kriegt ihn mein Lieblingskollege am Montag zum Geburtstag auf den Tisch gestellt!

  18. sehr lecker erscheint mir dieser schoko-nuss-kuchen und ich kann mir gut vorstellen wie er schmeckt! mir wäre er lieber ohne die kullertränen, die machen das ganze immer so salzig!!

  19. *schluchz* Aber mit ihrem Schokokuchen hat sie vielen Soldaten eine große Freude gemacht, nicht wahr? Und nun auch uns, weil du uns das Rezept preisgegeben hast! *freu* Dankeschön – werde ich diese Woche noch ausprobieren! 🙂

    1. @Elisabeth: Das Filmchen stammt aus einer Zeit, in der die Leute etwas fürs Gemüt brauchen konnten 🙂

      @Buchfink: Verbreitung von Freude durchs Internet 🙂

      @musi: Danke, gute Wünsche auch an Dich. Frau L. isst lieber Salzstangen und wird nicht auf die süsse Seite wechseln.

  20. Lieber Herr L., der Kuchen ist wirklich einsame Klasse, und dann auch noch so einfach zu bewerkstellen. Herr B. war begeistert, und so wird das wohl unser Standard-Geburtstagskuchen!

  21. Ein gutes neues Jahr für den Koch und die kritische Frau L. von einer unbekannten Musi!

    Im Falle des Kuchens muss ich der Frau L. leider in den Rücken fallen: Heute morgen (mit hochprozentiger italienischer Schokolade und großzügigem Kirsch-Schuss) gebacken und heute nachmittag verspeist: KÖSTLICH!!!

  22. Ich weiß, du Lieber – und ich spüre, dass die Menschen es heute auch wieder brauchen könnten… Es ist so viel verloren gegangen, so viel in den Hintergrund gedrängt worden, weil andere Werte wichtiger geworden sind…
    Aber mit Schokokuchen sieht die Welt gleich wieder ganz anders aus! 🙂

  23. Oh, das ist eine website nach meinem Geschmack! Wunderbar!
    Darf ich fragen, was sich hinter der Maßeinheit „klf“ verbirgt?
    Maizena scheint wohl Mondamin zu sein?
    Vielen Dank und Grüße aus dem Norden!

  24. Danke! Jetzt, wo ich die Antwort kenne, ist mir die Frage etwas peinlich…..
    Der Kuchen wird dennoch gebacken!
    Ich werde mich nun langsam und genüsslich durch Ihr Blog lesen.
    Salute!

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