Doubs(14) Soubey

Doubs der Unschlüssige (14) Von Soubey nach St. Ursanne

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Frühling ist’s. Winter hat sich auf die Gelenke gelegt, sich schmerzhaft  in die Knochen gefressen. Die wollen nicht mehr wie ich will.  Seit Wochen trainiere ich sie mit Stadtwanderungen, um wieder wandern zu können. Denn ich bin noch lange nicht am Ende meiner Reise, am Ende meines Flusses angelangt. Vor ein paar Tagen galt es ernst: 16 km Anfängerstrecke, flach, durch Wiesen, Wälder und Auen, meist auf schmalen Pfaden dem Fluss entlang wandern. Einlaufen. Und die Gelenke hielten. Diclofenac sei Dank.

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Das Auto bleibt in St. Ursanne. Mit dem kleinen Postauto nach Soubey, einem verschlafenen Dorf am Fluss. Die Glasbilder in der Kirche hätte ich mir gerne noch angeschaut, doch die Knie wollten laufen, nicht knien.

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Seit dem 15. Jahrhundert waren Mühlen Haupteinnahmequelle des Dorfes. Gespiesen von einer Karstquelle, deren Wasser dem Hochplateau der Freiberge entspringt, trieb der Wildbach Bief de l’Envers drei Mühlen, zwei Sägereien, eine Ölmühle und einen Maschinenhammer an. Mühlen und Maschinen sind längst stillgelegt, der ungestüme Wildbach wird nun von einer Forellenzucht genutzt, bevor er sich mit dem Doubs vereinigt.

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An den wenigen Stellen, wo sich das Tal weitet, liegen einsame Bauerngehöfte. Blühende Natur. Stille. Kaum ein Mensch. Leider auch keine einzige Morchel.

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Die Wanderstrecke liegt grösstenteils in einem Naturschutzgebiet. Das Tal ist auf dieser Wanderstrecke lieblicher und offener als die weiter flussaufwärts gelegenen Abschnitte, wo sich der Fluss durch enge, dunkle, teils schroffe Schluchten frisst.

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Kurz nach La Charbonnière wechsle ich über einen Metallsteg auf die linke Seite des Doubs, von der Strasse auf den Wanderpfad.

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Beim Weiler La Tariche ist Schluss mit Einsamkeit. Durch Rufen und Winken macht man auf sich aufmerksam. Mit etwas Glück kommt des Wirtes Töchterlein und setzt einen mit einer Fähre am Seil über. Und nach einer Stärkung wieder zurück auf den linksseitigen Wanderpfad. Wer auf der rechten Seite bleiben will, wandert auf Asphalt. Wer am Wochenende oder in der Ferienzeit kommt, muss den Fluss mit Wasser- und Freizeitsportlern, Campingbesuchern und Sonnenbadenden teilen.

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Tanz der Todgeweihten: Fest umschlungen würgt der Efeu den Apfelbaum langsam zu Tode, will ihm die blühende Lust ein für allemal austreiben. Daneben versucht die siechende Esche ein paar Tanzschritte. Doch auch sie ist vom Tod gezeichnet. Die Eschenpest wird Sieger des Ringens, überwältigt alle.

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Schlussstein einer wunderschönen Wanderung.

Die weiteren, bisherigen Etappen sind unter dem tag „Doubs“ auf der rechten Seitenleiste abgelegt.

27 Kommentare zu „Doubs der Unschlüssige (14) Von Soubey nach St. Ursanne“

  1. Oh, wie schön – du warst wieder unterwegs! Manchmal geht es nicht ohne Diclofenac ( ist mir beim Laufen auch hin und wieder ein treues Helferlein).
    Wunderschön auch wieder dieser Teil deiner Doubs-Wanderung und dann noch mit dem herrlichen, von der Sonne beschienenen Frühlingsgrün!
    Danke fürs virtuelle Mitnehmen 😊

  2. wunderschön ist es nun wieder in der natur. danke für den hinweis der fehlenden morcheln 😀, denn meine füsse laufen nicht mehr soweit. aber halb so wild, sürmeli schätzt nun auch eher die kürzeren spaziergänge. dir und deinen knochen alles gute und auch liebe grüsse an frau l.

    1. hab zwar eine Bauernfrau suchen gesehen, hinter ihrem Rücken versteckte sie eine Tüte. Aber wer hier unten wohnt, soll auch die Morcheln finden. Wir Städter können sie ja kaufen. Danke für die Grüsse. Frau L. wandert leider nur noch in der Wohnung.

  3. Wunderschöne Wege! Danke, dass wir mitlaufen durften!

    (Bei mir hilft gerade bei den Gelenken übrigens Teufelskralle ganz gut.)

    1. hab mich eben mit Inhaltsstoffen und Wirkung dieser Heilpflanze ein wenig vertraut gemacht. Das dürfte einen Versuch wert sein. Danke!

  4. Oh, der Doubs ist wieder an der Reihe. Wie schön, das Frühlingsgrün. Viel Freude bei den nächsten Touren!

  5. Was für eine schöne Wanderung! Und was bin ich froh, dass ich heute einen stillen Tag hab, auch, um hier zu lesen. (Einen kleinen Sonntagmorgenweg ging ich früh, als die meisten Jogger noch schliefen.) Danke für die grünen Bilder und für das Wort „gespiesen“, das ich bislang nur von einer gebürtigen Münsteranerin kannte. Hab nachgesehen und gelernt, dass es im Schweizerischen gebräuchlich ist, „speisen“ stark zu deklinieren. Was für untergründige Verbindungen zum Münsterland es wohl geben mag. Sprache ist eben doch das Interessanteste. Herzlicher Gruß, P.

      1. heute wird „gespiesen“ eher im Zusammenhang mit Quellen verwendet. Im Kontext mit Essen klingt es veraltet. Der Basler Rudolf Wettstein hielt sich in Münster während der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden längere Zeit auf.

        1. So also könnte es gewesen sein? Nun, die Dame, die das oft sagt, ist älter, sogar betagt, aber keineswegs veraltet. Vielleicht ist ein Augenzwinkern dabei.

  6. Wunderschönes Grün, so schön gün wie unsere jungen Reisfelder, und schön der Bericht, wie bei Dir die Norm. Bald wird sich zeigen, ob wir Deinen Spuren folgen werden.
    Die vom Wasser getriebenen Sägereien und Mühlen waren fortschrittlicher als die Maismühle, die ich hier vor kurzem hier in den Bergen sah, von Vater und Tochter über einen Exzenter mit Muskelkraft angetrieben. Wäre mein Blog noch, würde ich ein Video davon hochladen.

    1. Das Grün ist dasselbe, doch liege ich lieber unter einer Buche statt unter einer Reispflanze 🙂
      Interessant, in Europa wurden zum Antrieb von Mühlen auch Esel und Pferde benutzt.

      1. Ja, und die Bezeichnung für den Mechanismus wurde in der Ostschweiz für ein lottriges Fahrrad, klappriges Auto und dergleichen verwendet, ein Göppel. Ob die jungen Leute das Wort noch kennen?

  7. Was für ein schöner Bericht und wie froh bin ich, dass Sie wieder wandern. Diclo muss immer wieder sein, die Steigerung ist Arcoxia…Aber wir sind ja alle keine Feiglinge und schnüren immer wieder die Schuhe zum Laufen. Herrliche Fotos! (Auch ohne Morcheln!)

  8. Vielen herzlichen Dank für die kleine Wanderung. Mindestens so gut wie die ganzen Leckereien ist doch so ein Tag in der Natur! Alles Gute!

  9. Vielen Dank für den schönen Bericht 🙂 Da bekommt man direkt Lust selber los zu wandern.
    Gute Besserung für die Knie!

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