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Doubs der Unschlüssige (20) Besançon Teil 2

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Kapelle des Hôpital Saint-Jacques. Das Spital wurde ursprünglich für Pilger auf dem Jakobsweg erbaut. Im Titelbild der Ehrenhof desselben Spitals aus dem 17. Jhdt. Im Altbau residiert heute die Spitalverwaltung des Unispitals.

Und weiter gehts mit Geschichte: 1674, nach einem 6 Jahre zuvor durchgeführten Handstreich, marschierte die Armee des Fürsten von Condé mit 20’000 Mann endgültig in Besançon ein.
Besançon wurde in der Folge zur Hauptstadt der Franche-Comté erhoben. Schritt für Schritt wurden zahlreiche Behörden wie die Militärregierung, die Wirtschaftsverwaltung, das Parlament oder die Universität in Besançon angesiedelt. Der am 10. August 1678 unterschriebene Vertrag von Nimwegen gliederte die Stadt und ihr Umland endgültig an Frankreich an.

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Seitenflügel des Palais de Justice: Behörden schwören auf Trikoloren.

Ludwig XIV. entschied sich, Besançon zu einem Bollwerk seiner Ostverteidigung auszubauen und beauftragte Vauban mit den Planungs- und Bauarbeiten. Die Zitadelle wurde zwischen 1674 und 1688 komplett umgebaut, 1689–1695 folgten weitere Befestigungen und ab 1680 wurden zahlreiche Kasernen errichtet. Die großenteils erhalten gebliebenen Anlagen sind heute als Teil des Weltkulturerbes der UNESCO registriert.

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Blick von der Zitadelle auf die darunter liegende Altstadt
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Zitadelle: Ziehbrunnen mit Hamsterrad für Menschen, ursprünglich 130 m tief
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Tour de la Pelote
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Tour bastionné de Chamars
École d'Artillerie
École d’Artillerie: wo man die Kunst lernt, die Flugbahn von Kanonenkugeln zielgenau zu berechnen. Heute mittels Handy.
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Le Petit Hôtel Chassignet. ein Hôtel particulier (Patrizierhaus)  aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert erlebte die Franche-Comté eine Periode des Wohlstands. Die Bevölkerung von Besançons wuchs von 14’000 auf 32’000 Einwohner und prachtvolle Gebäude entstanden.

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Hauszeile entlang des Quai Vauban am Doubs
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Die Grand Rue, dort, wo weder H&M, Zara noch Benetton hinwollen
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Fontaine des Clarisses
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Fassade des Palais Granvelle
Université de Besançcon
Gebäude der Université de Franche-Comté Besançon
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Malerische Seitengassen

Nach der Französischen Revolution verlor Besançon seinen Status als Sitz des Erzbischofs und als Hauptstadt und blieb nur noch Hauptort eines Departements. Erst die Ansiedlung einer Gruppe emigrierter Schweizer Uhrmacher brachte durch die Gründung von Uhrenmanufakturen neuen Aufschwung in die Stadt.

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Erholung mitten in der Altstadt im Parc Granvelle

Ende des 19. Jahrhunderts stammten 90% der in Frankreich hergestellten Uhren aus Besancon. Die Erfindung und Herstellung von Kunstseide brachte der Stadt neue Arbeitsplätze. Nach der Ölkrise 1973 war Schluss damit. Die grösste Uhrenfabrik und die Rhodiaceta mussten schliessen. Heute sind es vor allem die Dienstleistungsökonomie, die Mikrotechnologie, die Präzisionsmechanik und die Nanotechnologie, auf die sich die Wirtschaft der Region stützt.

Quelle:
wiki Besançon

Doubs der Unschlüssige (19): Besançon Teil 1

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Zitadelle und Vauban-Bastionen am Ufer des Doubs

Nein, auf meinen Reisen entlang des Doubs bin ich immer noch nicht am Meer angelangt. Zum Ende der Reisesaison gönnte ich mir den Besuch der Stadt Bisanz. Mit dem Auto. In einer Tagesreise hin/zurück gerade noch zu bewältigen. Mit rund 120’000 Einwohnern die grösste Stadt am Doubs. Und zugleich die Schönste.
Die Altstadt ist in einer grossen Schleife des Doubs gelegen und wird von einer Zitadelle und viel Mauerwerk des französischen Festungsbaumeisters Vauban geschützt. Sie war aber schon vor Römerzeiten besiedelt.
Im 2. Jahrhundert v. Chr. wurde das Territorium zwischen Rhone, Saône, dem Jura und den Vogesen vom Keltenstamm der Sequaner beherrscht. Die Siedlung war von einem Wall (murus gallicus) eingeschlossen. Das auf Latein Vesontio genannte Oppidum war Hauptort und wirtschaftliches Zentrum der Sequaner. Es wurde zunächst durch die Sueben (einer Stammesgruppe von Germanen), später durch die Haeduer (gallische Kelten), schliesslich im Jahr 58 v. Chr. durch die Römer erobert. Letzteres durch Julius Caesar.

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Reste eines antiken Theaters

Vesontio wurde Militärstützpunkt und -an der via francigena gelegen- Handelsknoten des römischen Galliens; es erlebte eine Blütephase. Kurz nach dem Fall des Römischen Reichs wurden die gallischen Völker unter dem Merowingerkönig Chlodwig I. vereint. Bis 879 war Vesontio Teil des Westfrankenreichs.

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Porte noire: Triumphbogen zu Ehren von Marc Aurel, Symbol der Unterwerfung und Loyalität der Sequanen
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Detail der Porta nigra: Steinewerfer und sequanische Schönheit (insta-konform fotografiert)

Durch die noch weitgehend intakten Vauban-Bastionen verfügt die Stadt über viele Parks und Grünflächen und wurde daher mit der Auszeichnung „Grünste Stadt Frankreichs“ geehrt.

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La belle au bois dormant (im Parc Chamars)

Im 9. Jahrhundert fiel die Stadt an die Grafen von Burgund. Gleichzeitig wurde Besançon ein unabhängiges Erzbistum und Bischofssitz. Im 11. Jahrhundert wurde Besançon und die gesamte Grafschaft Burgund ein Teil des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation. Während des gesamten Mittelalters war Besançon eine Freistadt, direkt der kaiserlichen Herrschaft unterstellt und unabhängig von der Grafschaft Burgund. Die Freigrafen von Burgund, die die Herrschaft über die Franche-Comté erlangt hatten, wurden zur Schutzmacht für die Stadt, die in dieser Periode zu Wohlstand kam.

Nach dem Tod von Karl dem Kühnen wurde Besançon von Ludwig XI. mit Privilegien begünstigt, um sich die Stadt für Frankreich gewogen zu halten.

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Blick auf die Grand Rue mit den üblichen Modeläden.

Mit Beginn der Renaissance fiel die Franche-Comté wieder an das Deutsche Reich. Kaiser Karl V. befestigte Besançon und machte aus der Stadt ein Bollwerk für sein Reich. Ein Comtois, Nicolas Perrenot de Granvelle, wurde 1519 Reichskanzler und Justizminister. Die Region profitierte vom Wohlwollen Karls V., Besançon wuchs zur fünftgrößten Stadt des Reichs und erhielt einige Baudenkmäler wie das Palais Granvelle oder das Rathaus.

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Palais Granvelle, 1534-1547 erbaut
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Bürgerhaus. Hinterhof mit Aussentreppe und Schmal- bzw. Schmalstspurbahngleis ohne Anschluss.

Während das 16. Jahrhundert von Prosperität geprägt war, wurde das 17. Jahrhundert eine Periode der Kriege, Hungersnöte und Pestilenz.

Nach soviel altem Graffelwerk und Nöten ein Hupf in die Neuzeit. Den Rest der Stadtgeschichte streife ich in Teil 2.

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Besançon: Pont Battant, die Sainte Madeleine und die türkisfarbenen Trams (CAF Urbos)

Sind wir schon auf der Battantbrücke, sind es nur ein paar Schritte ins lebhaftere Battant Quartier.

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Épicerie orientale in der Rue Battant, das Reich des Toufik Abdelli.
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Bric à Brac: Gegenstände des täglichen Bedarfs, Plüschbären, gelbe Kunstrosen, Vasen für unter oder über die Blumen, edles Kristall aus Glas oder Plastik.

Zurück in der Altstadt links des Doubs lockt Dienstag und Freitag Morgen der offene Markt auf der place de la révolution.

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Neben dem offenen Markt gibts gleich nebenan noch eine moderne, gedeckte Markthalle, der Marché couvert des Beaux Arts. Dienstag bis Samstag, tagsüber und Sonntagmorgen geöffnet.

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Wie traurig sich dagegen der Basler Markt ausnimmt! Auf der Suche nach einer Essgelegenheit wäre ich beinahe im Café des félins (Katzencafé) gelandet, konnte mich aber nicht zwischen Gavroche, Fantine und Marius als Essensbegleiter/innen entscheiden.

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Schliesslich entschied ich mich für das Le Saint Cerf, Holztische, einfach, gut. Grosse Sterneküche findet man in Besançon eh nicht.

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Le Saint Cerf: Pastinakensuppe, Speck, Sesam

Quellen:
wiki Besançon

Doubs der Unschlüssige (18): Les Brenets bis Biaufond

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Königsetappe. Weil schön & lang. Weil Längste & Schönste. Weil schattig & kühl. Wichtig bei der herrschenden Hitze. Deshalb habe ich sie mir zum Schluss aufgespart.

Mäxle darf am Lac des Brenets im Schatten warten. Um 10 Uhr fährt das Schiff bis zum Ende des Sees. Die Fjorde des Lac des Brenets (siehe auch hier) wirken vom Schiff aus am schönsten. Deshalb dürfen die Füsse noch etwas schifflifahren und ich hänge am Schluss noch die Strecke von Maison Monsieur bis Biaufond an.

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Der ca. 27 Meter hohe Wasserfall Saut du Doubs ist Folge eines Bergsturzes vor etwa 14’000 Jahren, der an dieser Stelle das enge, tief eingeschnittene Doubstal auffüllte und den Lac des Brenets staute.

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Nach dem Anblick des Wasserfalls rettet sich die Mehrzahl der Schiffsgäste zurück in die Wirtschaft am Ende des Sees, um sich wieder einzuschiffen. Mit mir waren es nur 3 Personen, die an diesem heissen Tag die Wanderung in der schattigen Schlucht Richtung Maison Monsieur fortsetzten.

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Kurz nach dem Wasserfall öffnet sich das Tal zum Stausee des Lac de Moron hin. Schöner, leicht coupierter Wanderweg unterhalb von Felsbändern, teilweise durch kurze Galerien, fast immer mit Sicht auf den See.

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Um den See heuer noch zu füllen, müsste es wieder einmal ein paar Wochen regnen, lieber Petrus! Am Ende des Sees: die Barrage du Chatelôt, 1951-53 als schweizerisch-französisches Gemeinschaftswerk erbaut.

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Durch vom Kraftwerk angelegte Tunnel und Galerien gelangt man auf die Unterseite der 74 m hohen Staumauer.

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Und schon sind wir in „unberührter“ Natur. Allein mit dem Restwasser, das die Kraftwerke gnädigerweise dem Fluss belassen. Das im Stausee von Moron gefasste Wasser wird durch eine Druckleitung zu der vier Kilometer flussabwärts liegenden Elektrizitätszentrale geführt und dort wieder in den Fluss geführt. Immerhin wird dem Doubs seit 2005 etwa 8 mal mehr Restwasser als früher belassen. Die am Fuss der Mauer eingebaute, kleine Turbine kompensiert den Verlust beim Nutzgrad teilweise.

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Die Ausbreitung des Protestantismus auf Neuenburger Boden (1530-1536) führte zu einer Spaltung zwischen Neuenburg und der Franche-Comté. Doch vermochte sie die nachbarlichen Beziehungen nicht zu behindern. Bis ins 20. Jahrhundert deckten sich viele Franzosen unter Umgehung von Zoll- und Steuerabgaben in Schweizer Geschäften ein, die an entlegenen Stellen eingerichtet waren. Selbst Hochwasser des Doubs war kein Hindernis. Die Waren wurden an Seilen über Flussengen gehievt. So entstand auch der einsam gelegene Halte du Chatelôt, der heute noch zeitweise bewirtet wird. Anstelle von Schmugglern sind es heute Wanderer, die hier einkehren. Hier wird mit Doubswasser gewaschen. Pasta wäre gemäss Speisekarte zu haben.

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Die Wanderung folgt nun auf weiten Strecken in tiefer Schlucht, am Fuss von teilweise spektakulär überhängenden Felsbändern. Schaurig schön. An ehemalige, zerfallene oder verschwundene Mühlen, Glashütten und andere Industrieanlagen erinnern Schautafeln des Kraftwerks.

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Gegenüber das französische Ufer, steil, meist weglos.

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Zyklopische Felsenformation.

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Schattig und feucht: Im Reich der Moose. Moos überwuchert alles. Totholz. Lebendes Holz. Nur schnell raus hier, bevor mich eine Schicht Moos überwuchert.

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Doch langsam öffnet sich das Tal. Nach Umgehung der Centrale du Torret, dem Elektrizitätswerk von Le Chatelôt, das den ganzen Uferbereich für sich und eine steile Standseilbahn beansprucht -hieher führt keine Strasse-, zieht sich der Wanderweg weiter entlang des wieder breiteren Doubs bis zum kleinen Weiler Maison Monsieur.

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Früher gab es kaum Brücken über den Doubs. Zwischen Morteau und Goumois kein einzige. Waren und Reisende, die von der Grafschaft Neuenburg nach Morteau befördert werden mussten, wurden im Dorf Les Brenets auf Fähren übergesetzt. Dasselbe in Maison Monsieur für die Destination Mömpelgard. Seit 1592 lagen die Zoll und Fischereirechte bei den Herren von Neuenburg, die diese hier an einen Statthalter verpachteten, der als Fährmann, Fischer, Zöllner und Gastwirt amtete. Heute Restaurant, direkt am Ufer. Leider nur Feldschlösschen-Bier (die grösste Brauerei der Schweiz). Aber ich bin leidensfähig. Nach 5 Stunden Wanderung trinke ich alles.

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Gestärkt passiere ich den Pavillon des Sonneurs, Versammlungsort eines Freundeskreises radikaler Neuenburger Patrioten aus dem Jahre 1841. Unangefochten von den patriotischen Musen im Garten. Der Name „Sonneurs“ erinnert an die Glocke, mit der früher die Fähre gerufen wurde. Ich wechsle bei La Rasse auf die französische Seite, um die abends von Grenzgängern stark befahrene Strasse zu umgehen.

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Nach einer weitern Stunde ist die Brücke von Biaufond erreicht. Das Postauto tutet mich -Heimat wie bist du schön- mit Dreiklang im Tritonus nach La Chaux-des-Fonds. Schnell umsteigen in den supermodernen RER der französischen Staatsbahn. Bis Le Locle. Von dort mit dem Bus nach Les Brenets an den Ausgangspunkt zurück. Geschafft.

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Doubs der Unschlüssige (17) La Combe de Biaufond. Mutter aller Schluchten

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Das Hinweisschild ist nicht zu übersehen: „Nur für schwindelfreie Personen begehbar“.  Wer in die Schlucht absteigen will, muss Stege, Treppen, Brücken und nahezu senkrechte Felswände auf langen Leitern überwinden. Ein no-go für Höhenschwindler und Schwindelwanderer wie mich. Doch murkse ich nun schon soo lange an dieser Wanderung herum. Einmal muss es sein. Augen zu und niemals und nie in die Tiefe schauen. Und kein Wort über mein Vorhaben an Frau L.

Mäxle parke ich wiederum in La Goule, dem Endpunkt der Wanderung. Ein in Saignelégier angeheuertes Taxi  bringt mich wieder auf die Jurahöhen und an den Ausgangspunkt La Ferrière. Schliesslich stehen mir 5 Stunden Wandern bevor.

Von La Ferrière führen Forstwege etwa 200 Höhenmeter hinab mitten in die Combe de Valanvron, eine Schlucht, die hinter dem Friedhof von La Chaux-de-Fonds beginnt. Dunkler Wald, liebliche Lichtungen, gesäumt von mannshohem Kerbel, Mädesüss und Wildblumen. Umflattert von einem Schluchtengetümmel bunter Schmetterlinge. Stille. Einzig vernehmbarer Schluchtenlärm ist das Schluchzen, Zwitschern und Kreischen von Vögeln.

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Entwässert wird das Tal durch den Wildbach La Ronde, der aber in der warmen Jahreszeit kein Wasser führt. Am tiefsten Punkt weitet sich die Schlucht und findet in einem weitgehend verlandeten, braunen Tümpelsee mit dem sinnigen Namen Cul des Près  ihren Abschluss.

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Dann naht die Stunde der Wahrheit. Die ersten Leitersprossen sind noch harmlos.

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Und plötzlich steht man überrascht am Abgrund: halb so schlimm, entschärft durch zwei lange Treppenleitern aus brossiertem, edlem Chromstahl,  beinahe stöckelschuhgängig, solide Schweizer Wertarbeit mit ungezählten Treppentritten samt beidseitigem Geländer, immer wieder unterbrochen durch vertikale Leitertritte und kleine Podeste. Auf solchen Leitern würde ich sogar aufs Matterhorn klettern! Geht doch!

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Auch wenn sich der verwöhnte Wanderer bei den folgenden Leitern und Treppen wieder mit verzinktem Stahlblech, Steinstufen und zuletzt mit Holzbohlen bescheiden muss: mit Bedacht ist alles sicher und schwindelfrei zu bewandern.

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Feuchte Moosfetzen hängen von den Bäumen herab, modernde Baumstämme liegen kreuz und quer und erinnern an einen Tropenwald. So geht es an hoch aufragenden Felsen vorbei weiter abwärts.

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Unterwegs trifft man auf schauderliche Höhlen, die ich leise auf Zehenspitzen umgehe. Soll den schlafenden, siebenköpfigen Drachen töten wer will. Ohne dass dafür eine schöne Königstochter zu gewinnen wäre, rühre ich keinen Finger. Mein Schweizer Taschenmesser bleibt im Rucksack.

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Am tiefsten Punkt der steilen Schlucht gelangt man an den Seitenarm des Lac de Biaufond, einem Paradies für Wasservögel.

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Hier bin ich wieder am Doubs. Am Stausee entlang geht es erst über Felder dann über Forstwege wieder hoch hinauf. Alles im Wald. Weit unten hört man den Doubs rauschen. Hin und wieder sieht man ihn auch in der Tiefe glitzern. Langweilig. Ich hätte doch auf die französische Seite wechseln sollen. Dort verläuft der Weg meist näher am Ufer. Aber das lässt sich ja wiederholen.

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Nach weiteren 3 Stunden winkt endlich das einsame Gasthaus in La Bouège mit Wasser und Kaffee.

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Nun fehlt noch die Königsetappe mit 6 Stunden Marschzeit. Dann fühle ich mich fit für 3 Tage Wandern in Strassenschluchten: Mitte September in Berlin. Ick freu mir.

Doubs der Unschlüssige (16) Von La Goule nach Goumois und zurück

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Schattenwandern. Wandern im Schatten einer Schlucht. Eine kurze Etappe, deshalb laufe ich sie hin und zurück: einmal auf der Schweizerseite mit Morgenlicht auf der französischen Seite des Doubs. Zurück auf französischer Seite mit Nachmittagslicht auf Schweizer Seite. Details, die zu beachten sind, wenn man schattenwandern will.

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La Goule, ein winziger Weiler, ein verlassenes Zollhaus, eine kleine schmale Brücke auf die französische Seite, eine Barrage aus Beton die den Fluss zum See staut und ein Parkplatz. Den Mäxle lasse ich hier stehen.  Im unterhalb des Staudamms erstellten Kraftwerk wird seit 1894 Strom erzeugt und fernverteilt. Damit waren die Mühlen und Sägereien nicht mehr an die Ufer des Doubs gebunden. Sie konnten näher an Siedlungen und Transportwege angebunden werden.

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1356, während des Erdbebens zu Basel, brach in La Goule eine ganze Felswand weg, verschüttete und staute den Fluss zu einem See. Hat man einmal das unterhalb der Staumauer gelegene Elektrizitätswerk passiert, ist man mitten in der Natur. Die enge Schlucht bietet viel Schatten, hohe Luftfeuchtigkeit, moosbehangene Äste und Bäume, viel Farn und führt durch das Waldreservat von Theusseret. 1992 vom Kanton, der Gemeinde und von Pro Patria gestiftet, umfasst das Reservat heute 89 ha.

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Felsen und Seeli von Theusseret.

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Nach einer knappen Stunde erreicht man, zwischen Felsen gezwängt, das Restaurant Vieux Moulin du Theusseret. Davor der Wasserfall (siehe auch Headerbild), der durch ein altes Stauwehr gebildet wird, der Rest des ersten Kraftwerks, das 1892 am Doubs erbaut und 1972 durch die Bernischen Kraftwerke stillgelegt wurde. Doubs und Felsen bilden hier eine unglaublich malerische Szenerie. Das alte Gebäude der Mühle und Sägerei ist angelehnt an die Felsen der engen Schlucht. Heute steht der Mahlstein als Deko in der Gaststube. Zeit für die Mittagspause bei schönstem Sonnenschein auf der Terrasse: Einmal Forelle an Beurre Ciboulette trotz Proviant im Rucksack und ein Galopin als Stärkung.

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Weiter bis nach Goumois, über die Brücke nach Frankreich und wieder flussaufwärts zurück. Erst auf einem Fahrweg, der aber vor dem eben noch als malerisch gefeierten Felsklotz zu Ende ist. Auf Trampelpfaden und Felsstufen steil hoch. Immerhin darf man vom ungesicherten Felsen den gegenüber essenden Gästen auf die (Reklame)-Sonnenschirme gucken.

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Der Rückweg auf französischer Seite ist weiterhin nur bedingt Kinderwagengängig, meist auf Trampelpfaden über Stock, Stein und umgestürzte Bäume. Sogar eine Leiter ist zu überwinden.

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Jede Biegung des Tals lässt immer wieder neue Perspektiven entstehen. Das Wasser des Doubs strömt an einigen Stellen wild schäumend, an andern Stellen leise vorüber. Verharrt an flachen Stellen, um die Bäume sich im Wasser hoffärtig spiegeln zu lassen: Eine wundervolle Palette in schönsten Grüntönen. Noch viel schöner im Herbst nach einem trockenen Sommer.

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Kurz vor La Goule, mitten im Felststurzgebiet von Bief d’Étoz, neben einer Kapelle die Skulptur einer offenherzigen „Madonna mit Malerpalette“, Schutzpatronin und Fürsprecherin der bildenden Künste, die den Felssturz im Jahre 1356 weitgehend unbeschadet überstanden hat und heute noch dem müden Wandersmann den rechten Weg weist. Hach wie schön, mitten im Wald auf solch erhabene Kunstwerke zu treffen!

 

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Doubs der Unschlüssige (14) Von Soubey nach St. Ursanne

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Frühling ist’s. Winter hat sich auf die Gelenke gelegt, sich schmerzhaft  in die Knochen gefressen. Die wollen nicht mehr wie ich will.  Seit Wochen trainiere ich sie mit Stadtwanderungen, um wieder wandern zu können. Denn ich bin noch lange nicht am Ende meiner Reise, am Ende meines Flusses angelangt. Vor ein paar Tagen galt es ernst: 16 km Anfängerstrecke, flach, durch Wiesen, Wälder und Auen, meist auf schmalen Pfaden dem Fluss entlang wandern. Einlaufen. Und die Gelenke hielten. Diclofenac sei Dank.

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Das Auto bleibt in St. Ursanne. Mit dem kleinen Postauto nach Soubey, einem verschlafenen Dorf am Fluss. Die Glasbilder in der Kirche hätte ich mir gerne noch angeschaut, doch die Knie wollten laufen, nicht knien.

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Seit dem 15. Jahrhundert waren Mühlen Haupteinnahmequelle des Dorfes. Gespiesen von einer Karstquelle, deren Wasser dem Hochplateau der Freiberge entspringt, trieb der Wildbach Bief de l’Envers drei Mühlen, zwei Sägereien, eine Ölmühle und einen Maschinenhammer an. Mühlen und Maschinen sind längst stillgelegt, der ungestüme Wildbach wird nun von einer Forellenzucht genutzt, bevor er sich mit dem Doubs vereinigt.

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An den wenigen Stellen, wo sich das Tal weitet, liegen einsame Bauerngehöfte. Blühende Natur. Stille. Kaum ein Mensch. Leider auch keine einzige Morchel.

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Die Wanderstrecke liegt grösstenteils in einem Naturschutzgebiet. Das Tal ist auf dieser Wanderstrecke lieblicher und offener als die weiter flussaufwärts gelegenen Abschnitte, wo sich der Fluss durch enge, dunkle, teils schroffe Schluchten frisst.

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Kurz nach La Charbonnière wechsle ich über einen Metallsteg auf die linke Seite des Doubs, von der Strasse auf den Wanderpfad.

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Beim Weiler La Tariche ist Schluss mit Einsamkeit. Durch Rufen und Winken macht man auf sich aufmerksam. Mit etwas Glück kommt des Wirtes Töchterlein und setzt einen mit einer Fähre am Seil über. Und nach einer Stärkung wieder zurück auf den linksseitigen Wanderpfad. Wer auf der rechten Seite bleiben will, wandert auf Asphalt. Wer am Wochenende oder in der Ferienzeit kommt, muss den Fluss mit Wasser- und Freizeitsportlern, Campingbesuchern und Sonnenbadenden teilen.

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Tanz der Todgeweihten: Fest umschlungen würgt der Efeu den Apfelbaum langsam zu Tode, will ihm die blühende Lust ein für allemal austreiben. Daneben versucht die siechende Esche ein paar Tanzschritte. Doch auch sie ist vom Tod gezeichnet. Die Eschenpest wird Sieger des Ringens, überwältigt alle.

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Schlussstein einer wunderschönen Wanderung.

Die weiteren, bisherigen Etappen sind unter dem tag „Doubs“ auf der rechten Seitenleiste abgelegt.

Doubs der Unschlüssige (13) Vallée de la Loue

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Die Loue, als wasserreichste Karstquelle des Jura, ist einer der wichtigsten Zuflüsse des Doubs. Sie entspringt im Gemeindegebiet von Ouhans in 535 m Höhe  und fliesst dann in weit ausholenden Schleifen durch die Region Bourgogne-Franche-Comté, um letztlich bei Parcey, südlich von Dole, in den Doubs zu münden.

Die Quelle der Loue besitzt einen magischen Reiz. Am Fuss einer gewaltigen Felswand bricht der junge Fluss aus einer grossen Höhle tosend und voller Leben hervor. Das Quellwasser stammt unter anderem vom oberen Doubs, der bei Pontarlier teilweise versickert. Dieses Phänomen wurde 1901 entdeckt, als eine Absinth-Destillerie in Pontarlier in Brand geriet und größere Mengen Absinth in den Doubs ausliefen. Einige Tage später roch das Wasser der etwa 14 km entfernten Louequelle stark nach Anisschnaps.

Spricht man vom Vallée de la Loue, muss man auch vom französischen Maler Gustave Courbet (1819-1877) sprechen. Im verschlafenen Kleinstädtchen Ornans wurde er geboren, er studierte in Besançon und Paris Malerei. In Ornans entstanden seine wichtigsten Bilder. Courbet erregte mit seiner einfachen, realistischen Bildsprache Aufsehen und Widerstand in künstlerischen und politischen Kreisen. Courbet war der Hauptvertreter der realistischen Malerei in Frankreich und hatte damit einen grossen Einfluss auf die Entwicklung der nachfolgenden Malerei. 1870 floh er vor der französischen Justiz in die Schweiz, wo er im Waadtland seine letzten Lebensjahre verbrachte.
Die Loue-Quelle inspirierte G. Courbet zu einem seiner schönsten, aber auch dem berüchtigsten Gemälde der Kunstgeschichte: L’Origine du monde, der Ursprung der Welt. Das Bild wird von facebook&Co. nach wie vor blockiert, google versteckt es notdürftig zum Schutz der Jugend. Ach ja…, die Jugend ist natürlich findiger, als sich das IT-Spezialisten erdenken können.

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Gedenkplakette der Gebirgsstrasse nach Ornans. Immerhin ist erwähnt, dass auch die Bevölkerung zur Kasse gebeten wurde.

Genug der hehren Kunst. Vom Plateau oberhalb der Quelle führt eine steile, in den Fels gehauene Gebirgsstrasse über Lods in das Tal der Loue (Vicky Leandros besingt übrigens mit „Theeeo, wir fahr’n nach Lodz“  eine andere Stadt).  Lods ist als Bilderbuchstädtchen in der Liste der „Les plus Beaux Villages de France“ klassifiziert. Daher besteht hier Anhaltezwang mit Fotografierpflicht zu Beweiszwecken.

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Lods, Brücke und die wieder aufgebaute Burg
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Lods, einige Bürgerhäuser, die Kirche und die Loue-Schwelle

Im Talboden angelangt, führt die Strasse entlang der Loue nach Ornans. Die Loue erreicht dasselbe Ziel etwas langsamer, dafür mit mehr Andacht.

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La Loue, kurz nach Lods

Ornans, der Hauptort des Départements Doubs. Rund 5000 Einwohner.

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Ornans, Unterstadt

Sigismund, nachmaliger König der Burgunder, gründete 515 die Abtei von Agaune (Saint Maurice) und schenkte ihr einen großen Teil der Grafschaft Warasch (Varais), die das ganze Gebiet des Oberlaufs des Doubs bis Besançon hin umfasste. Der Ort Ornans ist erstmals 1151 urkundlich erwähnt und gehörte zu dieser Zeit den Grafen von Burgund.

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Ornans: Stadtkirche St. Laurent, 16. Jahrhundert

Im Zentrum der Altstadt an der Loue sind die Adels- und Bürgerhäuser aus dem 15. bis 18. Jahrhundert und die Brücke Grand Pont sehenswert.

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Ornans: Das Ancien Hotel de Grospain aus dem 15. Jahrhundert
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Ornans: Die Rue St. Laurent mit ihren Bürgerhäusern

Zu allen Zeiten immer wieder das Wüten von Mensch gegen Mensch: Kriege, Verwüstungen, Plünderungen und Brandschatzungen. Hin und wieder Pestilenz. Im 19. Jahrhundert erlebte der Ort durch seine Lage am Fluss und dessen gewerbliche Nutzung  einen Aufschwung. Heute sind die Alstom und eine Verpackungsfirma die grössten Arbeitgeber.

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Ornans: Postkartenmotiv Grand Pont im „Petit Venise“
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Links das Musée Gustave Courbet

Am Place Gustave Courbet und in dessen Verlängerung, der verkehrsreichen Rue Vernier, befindet sich die Restaurantzeile. Der Guide Michelin empfiehlt das Restaurant Courbet mit Blick auf die Loue. Ich hätte gerne im Griotte in Saules gegessen, ein paar Kilometer ausserhalb von Ornans. Wenn es denn nicht gerade geschlossen gewesen wäre.

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Ornans: Place Gustave Courbet

Winterreisepause.

Quellen:

La Loue wiki (f)
Gustave Courbet wiki
Ornans wiki (f)
Headerbild: La Reflexion, G. Courbet

Doubs der Unschlüssige (12): Combes de Punay

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Wer im Auto kein Navi sein Eigen nennt, verfährt sich zuweilen. Wie ich zum Beispiel. Auf dem Weg vom Doubs zur Loue, einem Zufluss des Doubs, passierte ich auf Irrwegen ein eigenartiges Gebäude, das mich auf den ersten Blick faszinierte und anhalten hiess: wie sich später zuhause beim Recherchieren herausstellte, die Anciennes tuileries des Combes de Punay. Ich fühlte mich dabei ein wenig wie der britische Archäologe Howard Carter bei der Entdeckung der Grabkammer von Tutanchamun.

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Wer sich die Mühe macht, über allerhand Zivilisationsschutt in den Tempel einzudringen, wird von einer Zauberwelt empfangen. Eine alte, ehemalige Ziegelstein- und Klinkerfabrik. Dem Verfall preisgegeben. Aufgegeben. Verlassen. Denkmalgeschützt. Ein „édifice classé au titre des Monuments historiques“. Wie schön das in der Sprache der Pariser Verwaltungsaristokratie doch klingt.

Die ersten Gebäude der Fabrik wurden 1839 von Charles Guyot de Vercia erbaut. Die Fertigung war damals noch handwerklich. 1845 wurde eine Dampfmaschine in einem eigens entworfenen Gebäude installiert, um „tuiles perfectionnées“ zu produzieren.  Die Dampfmaschine betrieb die Mühle zum Zerkleinern des Mergeltons und später eine Pressmaschine zum Formen von Ziegel- und Klinkersteinen. Das Werk verfügte über 2 Brennöfen zur Herstellung von Ziegeln und Backsteinen, sowie einen Kalkbrennofen.
1884, Jahre nach dem Tod von Guyot de la Vercia, kaufte der Holzhändler Firmin Mourot die Fabrik und ergänzte die Brennöfen mit einem Sägewerk, um mit dem Holz die Öfen zu betreiben.

Um die 1930 war Schluss mit Fliesen.  Die Säge wurde noch ein paar Jahre weiter betrieben. 1965 stellte die Firma ihre Aktivitäten vollends ein.

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1978 und 1988 wurden Restaurierungskampagnen durchgeführt. Das Werk wurde am 31. Juli 1979 zum historisches Denkmal deklariert.

Die Gebäude sind immer noch in Privatbesitz eines Nachkommen von Firmin Mourot. Doch fehlt es an Geld zum Unterhalt. Ideen zur Einrichtung eines Ecomusée scheiterten. Anfängliche Unterhaltsbeiträge verschiedener Körperschaften des Pays d’Ornans mussten aus gesetzlichen Gründen 2012 wieder gestoppt werden. Langsam zerfällt die Anlage.

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Die Brennöfen und Maschinen sind längst ausgebaut und versilbert

Von einer eigenartigen Schönheit sind die Unterlagsbrettchen, auf denen die feuchtgeformten Ziegel und Steine unter dem Dach langsam trockneten, bevor sie im Ofen während ca. 5 Tagen gebrannt werden konnten. Lagerung unter dem Dachstock, weil sich dort wohl die Abwärme der Brennöfen staute.

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Unterlagsbrettchen

Die Trockenracks wurden wohl mit Seilzügen unter den Dachstock hochgezogen (?) und auf Querträgern gelagert.

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Gewaltig der Dachstock mit den Trockenracks. Ein Hochregallager aus dem 19. Jhdt.

Die Unterlagsbrettchen wurden offensichtlich in dieser Werkstatt handgefertigt. Heute haben die Spinnen das Regime übernommen.

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Der Dachstock mit dem Zugang zu den Trockenracks ist morsch. Katzen sind hingegen, wie im alten Aegypten, nicht nur geduldet, sondern werden offensichtlich als heilig verehrt. Schliesslich stehen sie unter dem Schutz der Göttin Bastet. Tochter des Sonnenkönigs Re.

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Allfällige Besucher bitte Katzenfutter nachfüllen!

Ganz zum Schluss meiner archäologischen Expedition stiess ich auf  ein antikes Reklameschild „Buvez les vins Grappe Exquise“. Das Siegel einer Schatzkammer? Was würde die Kammer bergen? Gold und Edelsteine? Sarkopharge? Mumien? weingefüllte Amphoren oder bloss den vergessenen Weinkeller des verblichenen Tempelbesitzers?  Aufgeregt schob ich das Siegel beiseite.

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Nichts von alledem. Die dahinter liegende Kammer war bereits von Grabräubern leergeräumt. Und enthielt alte Traktorenpneus statt Weinflaschen. Wäre doch zu schön gewesen.

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Anmerkung: Ich bin mir bewusst, dass ich mit solchen Themen die Mehrzahl rezepthungriger foodblog-Leser vergraule. Doch damit muss und kann ich leben.

Quelle:
Patrimoine en Bourgogne-Franche-Comté (mit Plänen)

Doubs der Unschlüssige (11): Baume-les-Dames

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Baume-les-Dames: Kirche St. Martin

Baume-les-Dames liegt auf halbem Weg zwischen Montbéliard und Besançon in einer Talweitung des Doubs, zwischen zwei Höhenzügen der Jura-Randketten. Rund 5000 Einwohner. 3 Apotheken.

Die Kirche Saint-Martin geht ursprünglich auf einen Bau aus dem 9. Jahrhundert zurück. Sie wurde von 1617 bis 1621 im gotischen Stil neu erbaut und im 19. Jahrhundert renoviert und teilweise neu erbaut.

An diesem Ort siedelten schon die Römer, die Abtei von Baume wurde wahrscheinlich von Germanus, Bischof von Besançon, um 400 gegründet. Sie entwickelte sich zum geistlichen Zentrum der Region. Die Nonnen stammten beinahe ausschließlich aus dem Adel, entweder Töchter aus Adelsfamilien (die sich damit die teurere Mitgift an einen Bräutigam sparten) oder verwitwete Adelsfrauen. Sie führten fernab der Männerwelt ein wohlversorgtes Leben, genossen gesellschaftliches Ansehen, arbeiteten an ihrer Bildung, kopierten Bücher und stickten geistliche Textilien.

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Abteikirche im romanischen Stil

Die zweite Kirche, die Abteikirche, wurde von 1738 bis 1760 in Anlehnung an romanische Stilformen erbaut, blieb jedoch infolge Geldmangels unvollendet und ist heute von Autos umlagert.

Unter Friedrich Barbarossa wurde Baume-les-Dames ab 1153 mit einem Mauerring umgeben und erhielt das Stadtrecht zugesprochen. Anfang des 13. Jahrhunderts übernahmen die Herren von Neufchâtel-Bourgogne die Stadtherrschaft. In der Folge entwickelte sich Baume-les-Dames zu einer Handelsstadt am Verkehrsweg von der Rhône zum Rhein. 1448 wurde die erste Papiermühle am Doubs gegründet.  Während der vom Drahtzieher Ludwig XI. initiierten Burgunderkriege wurde das Schloss von Baume 1476 durch bernische und französische Truppen zerstört. 1501 zerstörte ein Grossbrand weite Teile der Stadt. Immer wieder aufflackernde Pestepidemien dezimierten die Bevölkerung.  Ab 1546 war Baume-les-Dames Sitz einer Vogtei. Zusammen mit der Franche-Comté gelangte der Ort mit dem Frieden von Nimwegen 1678 definitiv an Frankreich. Die Abtei wurde während der Französischen Revolution aufgehoben.

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Maison des frères Grenier

Der Kern von Baume-les-Dames hat sein mittelalterliches Erscheinungsbild mit zahlreichen schönen Bürgerhäusern und Repräsentationsbauten bewahrt. Hier zwei Beispiele:  das Maison der Frères Greniers (16. Jhdt., im 19. Jhdt renoviert im Stil eines Manoirs), einer der Brüder war Dichter, der andere Maler, heute sind beide vergessen. Sowie das aus der Renaissance stammende Maison à Tourelle (1574).

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Maison à Tourelle
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Rue du Levrault

Wie überall verschwinden im alten Kern die kleinen Läden. Werden verdrängt durch supermarchés an den Ausfallstrassen.

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Rue des Granges

Pizza hatte ich 2 Stunden zuvor in L’Isle-sur-le-Doubs gegessen. Derlei gibt es auch hier, dazu noch Kebab, Spaghetti und Sandwiches. Als Nummer eins am Ort empfiehlt der Adweiser das Charleston, 11 GM-Punkte.

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Quelle:
wiki Baume-les-Dames (fr)

Doubs der Unschlüssige (10): Montbéliard-Besançon

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Neue Etappe entlang des Doubs. Ein schöner Streckenabschnitt für Fahrer und Auto. Start im Hafen „La Petite Hollande“ von Montbéliard. Da wo die „FIN“ voreilig das Ende verheisst. Dabei ist meine Doubs-Reise hier noch lange nicht zu Ende. Zunächst gehts meist dem Rhein-Rhonekanal entlang, bis zum Wasserfünfeck von Voujeaucourt, einem kleinen See mit 3 Zu- und 2 Abflüssen. Hier mischt sich die aus der schweizerischen Ajoie kommende Allaine mit dem Doubs und mitten durch führt der Rhein-Rhone-Kanal, der sich hier kräftig am Flusswasser erlabt, auf dass die Freizeitkapitäne nicht trockenlaufen.

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Weiter dem Doubs entlang, den ich hier erstmals als richtig grossen Fluss wahrnehme.

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Rechtsseitig des Doubs bis L‘ Isle-sur-le-Doubs, dem bekannten Postkartenidyll. Ein kleiner hübscher Ort, dessen winzige Altstadt entlang des Doubs und auf einer kleinen, langgezogenen Insel mitten im Fluss liegt.

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L‘ Isle-sur-le-Doubs mit einem der hier so häufig geschmückten Brückengeländer
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Der clocher comtois. Eine in der Franche-Comté verbreitete Kirchturmform aus dem 18. -19. Jhdt.

Mittagessen im einzigen, geöffneten Lokal des Ortes, einer Pizzeria. Mit Pizza Franc-comtoise à la cancoillotte et à la saucisse de Morteau. Eine Kartoffelpizza mit Wurststückchen, überzogen mit einem flüssigen Sauermilch-Kochkäse, einer Spezialität der Franche-Comté.  Das muss ich zuhause unbedingt nachbacken, das kann ich bestimmt auch und vermutlich besser.

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Zeit fürs Mittagsschläfchen. Das Glas Aligoté tut seine Wirkung. Gelb hin oder her.
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Clerval: Le clocher comtois, again
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Clerval

Weiter über den kleinen Ort Clerval nach Beaume-les-Dames, einem grösseren Hauptort.

Der Kern von Baume-les-Dames hat sein mittelalterliches Erscheinungsbild mit zahlreichen schönen Bürgerhäusern bewahrt und kriegt dafür einen eigenen Beitrag in der nächsten Folge .

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Baume-les-Dames: L’eglise Saint Martin und Maison des Frères Grenier

Zwischen Montbéliard und Besançon verlaufen Doubs und der Kanal weitgehend parallel, mischen sich immer wieder. Während der Doubs über unzählige Schwellen fällt, muss der Kanal den Höhenunterschied Richtung Saone und Rhone durch viele Schleusen ausgleichen.

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Schleuse bei Baumes-les-Dames

Nimm uns mit, Kapitän, auf die Reise!
Nimm uns mit in die weite, weite Welt!
Wohin geht, Kapitän, deine Reise?
Bis zum Südpol, da langt unser Geld!…. Fernweh mit Hans Albers

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nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise!

Nach Baume-les-Dames wechsle ich auf die linke Doubsseite  bis Laissay, danach wieder rechtsseitig bis Vaire-Le-Grand und wieder linksseitig bis Chalèze. Kleine, enge Strässchen, die auch als Radweg dienen.

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Doubs bei Cugney-Douvot
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Schleuse nach Vaire-Arcier

Mitgenommen hat mich keiner der Kapitäne. Besançon: ein andermal. Dafür fand ich auf der Heimfahrt in Pontarlier den cancoillotte-Käse für meine Pizza. Wozu schleppe ich bei jedem Ausflug eine Kühlkiste mit? Genau dafür!

Liste der bisherigen Beiträge:

  1. Doubs, der Unschlüssige (1): Biaufond
  2. Doubs, der Unschlüssige (2): Les Brenets-Châtelot
  3. Doubs, der Unschlüssige (3): St. Ursanne
  4. Doubs, der Unschlüssige (4): St. Hippolyte-St. Ursanne
  5. Doubs, der Unschlüssige (5): La Goule-La Bouège
  6. Doubs, der Unschlüssige (6): Pontarlier-Morteau
  7. Doubs, der Unschlüssige (7): Val du Dessoubre
  8. Doubs, der Unschlüssige (8): Von der Quelle bis Pontarlier
  9. Doubs, der Unschlüssige (9): Nach Mömpelgard
  10. Doubs, der Unschlüssige (10): Montbéliard-Besançon, aktuell

Doubs der Unschlüssige (9): nach Mömpelgard

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Die Grafschaft Montbéliard gehörte 1397-1793 zum linksrheinischen Besitz  des Hauses Württemberg. Abgebildet ist das Schloss mit den beiden Türmen Henriette (1424) und Frédéric (1595). Seit dem 15. Jahrhundert wird Montbéliard in der deutschen Sprache zu Mömpelgard verballhornt.

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Zusammenfluss von Doubs und Dessoubre in St. Hippolyte

Ausgangspunkt meiner Reise: St. Hippolyte, an der Stelle, wo sich Dessoubre und Doubs vereinen. Richtung Nordwest, möglichst immer dem Doubs entlang. Nach Pont-de-Roide öffnet sich die Landschaft des Jura, wird zunehmend flacher. Und langweiliger. Doch jeder Höhenflug braucht als Kontrast das Tief. Warum sollte das  bei Landschaften und Flüssen anders sein als bei Menschen? Auch Flüsse und Landschaften haben ihr eigenes Leben, ihr Gedächtnis, ihren Charakter. Der Doubs macht ohnehin, was er will, weiss wohin er gehört und wohin er will, auch wenn ihn die Menschen in seinem Fluss stören.

Ziel: Montbéliard, mitten im  flachen Sattel zwischen den Bergzügen der Vogesen und des Jura gelegen. Die Senke wird poetisch als Burgundische Pforte bezeichnet und liegt rund 400m hoch. Das milde Klima in der Nordwestschweiz und Südbaden wird massgeblich vom Durchzug mediterraner Luftmassen aus dem Rhonetal durch die Burgundische Pforte bestimmt. Auch Zugvögel kennen den bequemen Weg in den Süden, der ihnen die anstrengende Alpenüberquerung erspart.

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Das théâtre gallo-romain de Mandeure

Wenige hundert Meter vom Ufer des Doubs entfernt findet man in der kleinen Ortschaft Mandeure ein gallo-römisches Amphitheater. Ob hier Theater gespielt oder Wildsauen in der runden Orchestra herum getrieben wurden, weiss allenfalls Obelix, und der lebt nicht mehr. Ein klassiertes, nationales Monument, wohl deshalb ein wenig baufällig.

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Rasengepolsterte, akustikhemmende Sitzreihen

Nach Mandeure nimmt der Doubs einen anderen Weg als ich, wendet sich von Autobahnen, Autoindustrie (Renault-Citroen) und Mömpelgard ab und fliesst Besançon zu. Auf Wiedersehen. Man sieht sich wieder! Meine Autokarte hatte ich zuhause vergessen, das machte die Einfahrt durch die industrialisierten Aussenbezirke von Montbéliard über Nebenstrassen kurzweilig. Nach ein paar Irrwegen verhalf mir die Handyortung doch noch in das centre ville.

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Mömpelgard, centre ville

Montbéliard wurde vor dem Ende des ersten Jahrtausends gegründet und entwickelte sich rasch zum Hauptort der Grafschaft. 1397 fiel die Grafschaft durch Heirat der Henriette von Montfaucon an das Haus Württemberg. Jedoch gelang es den Württembergern nicht, ihre Besitzungen zu erweitern und zu einem geschlossenen Gebiet zu vereinigen. Die Herrschaft wurde zudem durch andauernde Machtansprüche der Burgunder Herzöge bedroht.
1538 gelang Herzog Ulrich von Württemberg die Reformation in Montbéliard durchzusetzen, die württembergischen Besitzungen blieben aber evangelische Enklaven inmitten katholischer Gebiete.
Im 17. Jahrhundert befestigte der württembergische Baumeister Heinrich Schickhardt die Residenzstadt Mömpelgard und prägte ihr architektonisches Erscheinungsbild durch mehrere bedeutende Bauten, wie das Renaissance-Schloss und die große lutherische Kirche, den Temple Saint-Martin.

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Hôtel Sponeck, Tempel der Kultur
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Tempel zum heiligen Martin

Mittagessen in einem allerliebsten, winzigen, uralten Lokal mit nicht viel mehr als zwei Dutzend Gedecken: Das Restaurant Chez Casse Graine. Essen gepflegt, kleine Auswahl im Bistrostil auf Schiefertafel.

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Tempel zum Imbiss
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Wie der Doubs macht die Uhr, was sie will

Die junge patronne, Emily Petit betreibt das Lokal mit einem Angestellten. Kocht und lässt servieren oder umgekehrt. Die Holzdecke des Lokals ist von einem talentierten, witzigen Strassenkünstler und -poeten mit Lebensweisheiten beschrieben und bemalt, was das Warten auf die Teller für Alleinreisende kurzweilig macht. Vier Beispiele (in meiner Übersetzung)

  • écrire sur la pointe des pieds… (Schreiben auf Zehenspitzen)
  • si tu regardes le ciel c’est ton reflêt que tu verras… (wenn du zum Himmel schaust, wirst du dein Spiegelbild sehen)
  • l’humain est en spirale, la symétrie chancelle et l’égarement des uns baise la naivité des autres… (Der Mensch befindet sich in einer Spirale, seine Symmetrie schwankt, die Verwirrung der einen küsst die Naivität der andern.
  • oder ganz einfach: île monde

Hier wäre ich gerne noch länger geblieben, doch der Himmel überzog sich bei bleierner Hitze dunkel-dräuend, das Glas Schampus war leer und der Regenschirm im Auto.

Das Schloss befindet sich etwas erhöht mitten im Stadtkern. In den beiden Türmen sind ein naturgeschichtliches und ein archäologisches Museum untergebracht. Im Maison des Gentilhommes auf dem Schlosshof das Konservatorium.

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Heute das Conservatoire du Pays de Montbéliard. Rechts Mäxle.
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Ancien logis des gentilhommes: Hier werden heute étuden geprobt

Der Dreissigjährige Krieg stürzte auch die linksrheinischen württembergischen Besitzungen in tiefes Elend. In der Folge suchte Frankreich unter König Ludwig XIV. diese Gebiete unter seine Herrschaft zu bringen und besetzte Teile davon mit militärischer Gewalt.
Während der französischen Revolutionswirren kam es ab 1789 in den württembergischen Herrschaften zu Aufständen. 1793 fielen Stadt und Grafschaft Mömpelgard endgültig in französische Hand. 1796 trat Friedrich Eugen, Herzog von Württemberg, die linksrheinischen Herrschaften im Pariser Sonderfrieden an Frankreich ab. 1803 erhielt er, unterstützt von Napoleon, als Kompensation große weltliche und geistliche Gebiete in Südwestdeutschland, sowie später den Titel eines Kurfürsten zugesprochen. Wie das bei den Grossen so zugeht,  keiner muss Hunger leiden.

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Les Halles de Montbéliard: Alte Markthalle mit ländlichen Dessous statt Frischgemüsen vom Land

Südlich der Altstadt speist die in der Schweizer Ajoie entsprungene Allaine, ein Nebenfluss des Doubs, zunächst den Canal du Rhone au Rhin, bevor sie in den Doubs mündet. Doch als Schönwetterfotograf hatte ich hier das Fotografieren längst aufgegeben.

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Port de Plaisance, Montbéliard

Nicht das schönste aller Jurastädtchen und doch sehenswert.

Quellen:
wiki Montbéliard

Die Liste der bisherigen Folgen findet sich hier

Doubs der Unschlüssige (8): Von der Quelle bis Pontarlier

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34°C. Zu heiss für lange Autofahrten, und doch musste es einmal sein. Mit der klimatisierten Benzinkutsche an die Doubsquelle nach Mouthe (F). Gerade noch rechtzeitig vor dem Quatorze Juillet, dem Ferienbeginn in F, bevor die Touristen den naheliegenden Campingplatz überfluten und die Quelle als Badeplatz benutzen.

Endlich! Endlich hat mich die Quelle gefunden und ich den Anfang meiner Geschichte. Ein hübscher, klarer, eiskalter Bach, der munter aus dem Fels strömt und danach in die Landschaft der Franches-Montagnes mäandriert. Eine halbe Stunde sass ich am Quellbecken im Wald, allein und ungestört und zählte die hier noch ungeschliffenen Kieselsteine im Wasser.

Doubs (8) Quelle 20170705_131756

Die Source du Doubs liegt im regionalen Naturpark Haut-Jura auf einer Höhe von 937 m am Fuße der bewaldeten, bis zu 1419 m hohen Jura-Bergkette des Mont Risoux, auf der die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz verläuft. Der Doubs entspringt einem komplexen Höhlensystem unter dem Fôret du Noirmont und dem Fôret du Risoux. Gespiesen wird er durch unterirdische Klüfte, Syphons und kleine Seen, teilweise sickert sogar Wasser aus dem schweizerischen Lac de Joux in das Quellgebiet des Doubs. Zollfrei.
Angereist bin ich vom Lac de Joux her, über den kleinen, relativ flachen Grenzpass Col de Landoz-Neuve, welcher das Vallée de Joux mit dem Val de Mouthe verbindet

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Lac de Joux

Erst läuft das Wasser des Doubs in ein tiefes Quellbecken, fällt danach über einen kleinen Wasserfall und sucht sich anschliessend ihren Weg in die dort sumpfige Landschaft. Die Quelle schüttet durchschnittlich 1740 Liter pro Sekunde aus, mir schien es eher weniger zu sein, aber ich hatte keinen geeigneten Messbecher zur Hand.

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Der junge Fluss, gleich nach der Quelle
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Doubs in Mouthe
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Doubs in Mouthe

Und alles dem Doubs entlang bis er sich zum Lac Saint-Point erweitert. Im Badeort Malbuisson durch den Wald hoch bis zum Fort Lucotte (Fort de Saint-Antoine). Erbaut von 1879 bis 1882, hätte die unterirdische Festung Einfällen von Germanen und Alemannen Einhalt gebieten sollen. Hat sie aber bekannterweise nicht: Nutzlos geworden, bröckelte das Fort leise vor sich hin, bis es 1966 von Marcel Petit, dem Chef einer grossen Käsereifungsfirma aus dem Dornröschenschlaf geküsst und als Käsereifungskeller eingerichtet wurde. Hier lagern und reifen über 100’000 Laibe Comtékäse aus verschiedenen Gebirgsmilchkooperativen zwischen 10 und 20 Monaten. An bestimmten Tagen sind die Keller zu besichtigen. Die Festungswächter hatten aber kein Einsehen mit einem spontan anreisenden, ehemaligen foodblogger und beharrten darauf, dass nur Einlass kriege, wer sich zuvor rechtzeitig im örtlichen Tourismusverein für eine 90-minütige Führung angemeldet habe. Anschluss an eine eben eingelassene Gruppe unmöglich. Impossible. Bureaucratie à la française. Selber schuld, aber ich bin ja nicht zum letzten Mal hier.

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Fort St. Antoine

Im Lac de Saint-Point macht es sich der Doubs auf einer Länge von über 7 km so richtig gemütlich. Der See ist der drittgrößte Natursee Frankreichs, Genfersee nicht mitgezählt. Im Sommer ein beliebter Badesee und Fischerort auf 885 m Meershöhe mit Hotellerie und Strandbetrieb. Im Winter ist er meist zugefroren.

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Lac Saint Point in seiner ganzen Länge
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Lac Saint Point

Am Ende des Lac Saint Point wird der See wieder zum Fluss. Von hier an mäandriert er wieder durch die Talauen bis kurz vor Pontarlier.

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Doubs in Oye et Pallet

In Pontarlier halte ich mich am Comté im Laden der Crèmerie von Marcel Petit schadlos. Alles Nachdenken, wo ich zuhause ein hydraulisches Käsemesser mit Laserstrahljustierung unterbringen könnte, führte zu keinem Ziel. Zuviel Messer für zuwenig Käse.

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Käselaib-Laserstrahljustierung

Und mache in einer Brasserie ein selfie von mir und dem Oberkellner (das Hundert im Gruselkabinett ist voll! (mit mir sind es jetzt 101). Das reicht.

Doubs (8) Quelle 20170705_152649

Bisherige Beiträge:

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  2. Doubs, der Unschlüssige (2): Les Brenets-Châtelot
  3. Doubs, der Unschlüssige (3): St. Ursanne
  4. Doubs, der Unschlüssige (4): St. Hippolyte-St. Ursanne
  5. Doubs, der Unschlüssige (5): La Goule-La Bouège
  6. Doubs, der Unschlüssige (6): Pontarlier-Morteau
  7. Doubs, der Unschlüssige (7): Val du Dessoubre