Grüne Suppe

Allerleigrün&Unkrautsuppe

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Kaum ist der letzte —heuer imaginäre— Schnee geschmolzen, beginnt der Jura zu blühen. Der Sommer so kurz, der nächste Herbst nah, so bleibt der Pflanzenwelt nur wenig Zeit, um sich zu entfalten. An den Rändern überwuchert der Giersch meine geliebten, gelben Lysimachien, das einst gepflanzte Immergrün hat den Kampf gegen das Scharbockskraut längt verloren. In der Hecke hangelt sich das klebrige Kletten-Labkraut meterhoch. Löwenzahn geniesst —wegen seiner gelben Blüten— lebenslanges Bleiberecht,  in der eben noch braunen Wiese ducken sich die Veilchen vor dem Sensemann mit dem Elektromäher, während die Brennesseln das ganze Treiben mit gutem Grund unberührt lässt. Brennesseln waren schon vor meiner Zeit da und werden nach mir immer noch da sein.

Inspiriert durch die immer anregenden Gerichte und Gedanken aus der Küche von Micha (grain de sel) wollte ich mich zwischen Speck und Pasta auch einmal in Gartenküche probieren und brachte eine grosse Plastikdose mit diversem Gartenabraum nach Basel. Zwischen feuchten Papiertüchern einigermassen frisch gehalten.

Ein Süppchen sollte es werden. Ein Schreibtischsüppchen aus der Feder von Tanja Grandits, im Wochenblatt eines Grossverteilers abgedruckt. Davon übernahm ich die Grundlage aus Spinat, Brennesseln und Kokosmilch, ergänzte mit Giersch und Fenchel und bestreute das Tellerufer mit einem Blütenteppich aus Gartenabraum. Wenn einem selber nichts einfällt, muss man sich die Inspirationen halt dort zusammensuchen, wo man sie findet.

Allerleigrün&Unkrautsuppe


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Zutaten und Zubereitung
3 EL Butter
2 Frühlingszwiebeln, mit den grünen Stengeln
1 grosse Knoblauchzehe, gewürfelt
1 TL Korianderkörner, gemörsert
1 TL Mekeleshagewürz, Frau Grandits nimmt 1 TL Kreuzkümmel, der schmeckt mir zu aufdringlich, mit dem äthiopischen Mekelesha tut sich eine andere, vielschichtigere Welt auf.
300 g frischer Jung-Spinat
1 kleiner Fenchel, gehackt
1 handschuhbewehrte Handvoll Brennesselblätter, ohne Stiele, die zähen Fasern wickeln sich sonst um die Mixmesser und blockieren den Mixer. Eigene Erfahrung.
1 handschuhlose Handvoll Gierschblätter
6 dl Gemüsebrühe
250 g Kokosmilch, fett, nicht die magersüchtige
Salz, Pfeffer

Kleine Blättchen und Blüten aus dem Repertoire das Gartens: u.a. blaue Wiesenveilchen, gelbe Scharbockskrautblüten und sonstiges Unkraut. Einfach immer erst probieren obs schmeckt und nicht zu bitter oder gar giftig ist 🙂

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(1) Frühlingszwiebel und Knoblauch, sowie die gemörserten Gewürze in der Butter 5 Minuten dünsten. Fenchel zugeben und mitdünsten.
(2) Brennesselblätter, Giersch und Spinat in einem grossen Sieb mit kochendem Salzwasser übergiessen. Die Blätter kalt abbrausen, abtropfen lassen, leicht ausdrücken und in den Topf geben, aufgiessen mit Gemüsebrühe. Einmal kurz aufkochen lassen, Kokosmilch zugeben und dann im Standmixer fein mixen. Durch ein Sieb passieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
(3) Blüten und Blättchen an den Rand der Suppenteller legen und mit  heisser Suppe angiessen.


Ein grüner Suppentraum und so einfach. Meine Rezepte werden immer kürzer. Genau da will ich hin.

33 Kommentare zu „Allerleigrün&Unkrautsuppe“

  1. Und wieder möchte ich mit dem Stuhl gen Tisch rücken – mit Blumen im Essen hat man mich ja umgehend -, den Suppenlöffel greifen, zuerst tief inhalieren vor dem Kosten und dann unsere Unterhaltung dort aufgreifen, wo sie stehengeblieben ist…

    einen schönen Sonntag, lieber Robert!

  2. So schön, urschön. Morgendliche Dankesgrüße aus der Gartenwohnung 1040 Wien. Mein Immergrün ist auch ein schüchternes. Aber warum mein Stadtgärtchen keine Brennnessel hervorbringt und nur drei sich zurückhaltende Löwenzahnpflänzchen zwischen wildem Wein und Thujenbaum erzählt etwas, ich weiß aber noch nicht was.

  3. Was für ein traumhafter Teller, das frische Grün in Schattierung mit dem Blümchendekor! Das Einfache, das uns schier verloren scheint…Genau das. Leider war ich bezüglich Brennnesseln neulich unbehandschuht und hatte noch die kurzzeitige Reaktion der Kindheit im Sinn“naja, brennt halt kurz“. Weit gefehlt. Die haben scheinbar ordentlich nachgelegt an Abwehrhaltung, was bleibt ihnen auch sonst! Alles Gute und eine freundliche Zeit trotz allem! Sunni

    1. Lange zurückliegende Schmerzen verblassen mit der Zeit. Die Brennesseln sind bestimmt noch dieselben. Wenn die Zeit schon unfreundlich zu uns ist, machen wir sie doch einfach freundlich 🙂

  4. «… immer erst probieren… oder gar giftig ist. » Du bist lustig 😅 Es soll tatsächlich Leute geben, die sich mit Herbstzeitlosen oder Maiglöckchen ins Jenseits befördern. Wer nicht mal Bärlauch richtig bestimmen kann, dem rate ich dringend ab, selber Kräuter oder Blüten zu sammeln. Oder sie dann wenigstens zum Schluss von einem Apotheker oder Drogisten kontrollieren zu lassen.
    Aber nichtsdestotrotz ist dein Süppchen eine Augenweide. Gab es so ähnlich während des Lockdowns öfters, da ich derzeit wegen Kurzarbeit endlos Zeit habe, mich in Wald und Wiesen rumzutreiben.

    1. Dieser Ratschlag war sowohl in Formulierung wie ikonisch mit Augenzwinkern versehen, ich hoffe gerne, dass das jedermann versteht und sich deswegen nicht vergiften wird. Ich erinnere an Donald Trump. Apothekern und Drogisten würde ich bezüglich Unkrautkenntnissen nicht in jedem Falle trauen, bin ja selbst ein (ehemaliger).

  5. Ich bin da ganz bei der „Wilden Henne“
    Als Kräuterexpertin kann ich nur davon abraten Unkräuter zu probieren „obs giftig ist“. Das kann böse enden..Gift schmeckt man nicht unbedingt und was bitter oder scharf auf der Zunge ankommt ist wiederum nicht zwingend giftig. Paracelsus erklärte außerdem schon vor langer Zeit „Die Dosis macht das Gift“…
    Entspannt ausprobieren sollte man das ohne fundierte Kenntnisse lieber nicht.
    Scharbockskraut hat enorm viel Vitamin C, aber man isst die Blätter und nur so lange es noch nicht blüht -auch wenn die Blüten auf dem Teller hübsch aussehen und uns nicht tot umfallen lassen. Übrigens: in derselben Pflanzenfamilie der Hahnenfussgewächse findet man eine der giftigsten Pflanzen Europas : den blauen Eisenhut.
    Man nehme nur was man sicher kennt.
    Hierzulande kam vor Jahren einmal jemand zu Tode weil er in seiner Bärlauchsuppe zu viele Herbstzeitlosenblätter verarbeitet hatte. Geht garnicht, weil unterschiedliche Standorte? Oh doch – ich kenne so einen Platz an einem Waldrand da wächst beides bunt durcheinander…
    Die Suppe ist aber auf jeden Fall lecker und eine Augenweide.
    Bleiben Sie alle vorsichtig und gesund.

  6. Ha? Was ist denn hier los? Was sind denn das für komische Kommentare? Noch sind wir hier nicht in Amerika (wie Robert bereits schrieb)!

    Denn weder war in irgendeiner Form Gefahr in Verzug, weil Robert drauf und dran war sich zu vergiften, noch rief er zur ahnungslosen Massenvergiftung auf! Reicht es nicht, an den gesunden Menschenverstand/ Aufmerksamkeit/ Respekt zu appelieren, oder ist Angst jetzt die neue Währung. Mag jetzt vielleicht noch jemand darauf hinweisen, dass man beim Kräuter-Sammeln auch auf Zecken achten muss? Oder aber die Anweisung *bleiben Sie zuhause und bleiben Sie gesund* wurde zu sehr verinnerlicht… Tssss….

    Also ich bin großer Fan von diesem tiefgrünen Suppenwunder! Dann weiße ich mal darauf hin, dass Brennessel mehr Vitamin C als Zitrusfrüchte enthält und er zudem reich an Mineralien wie Eisen, Kalium und Magnesium ist! Jawohl!

    1. Halb so schlimm, Micha, der gesunde Menschenverstand reicht als Orientierungshilfe nicht aus. Schön wärs ja, wenn man bei jedem Menschen gesunden Menschenverstand in Alltagsfragen voraussetzen könnte. Das ist aber nicht der Fall. Ich rede jetzt extra nicht von der Wissenschaft, dort hat er eh nichts zu suchen. Fällt mir eine Anekdote ein: Während des Studiums zeigte ich mit einem Kollegen auf dem Bahnhofsplatz ein chemisches Wundermittel, um gespritzte Äpfel von Bioäpfeln zu unterscheiden. Der gespritze (präparierte) Apfel färbte Wasser giftig blau, beim Bioapfel blieb das Wasser farblos. Das war natürlich völliger fake, aber du glaubst nicht, wieviele Menschen uns das Mittel abkaufen wollten 🙂

      1. Tsss, Menschen … 🙂
        Da habe ich es mir wohl zu einfach gemacht, indem ich alljene, die Katzen zum Trocknen in die Mikro stopfen, in Amerika verorten wollte…

        Wie habt ihr euren Scherz denn wieder aufgelöst?

    1. das ist wie mit Horoskopen und Wetterregeln: ein Spruch passt immer.

      mit einem Veilchen aus dem Poesiealbum möcht ich grüssen:
      „So bescheiden wie die Veilchen im Grase stehn,
      so bescheiden sollst du durchs Leben gehn“

  7. Meinen Löwenzähnen geht’s wie Deinen – so schön gelb…
    Ansonsten sieht Deine Suppe megagrün und megalecker aus!

    Liebe Grüße, Sus

    1. Mein allererster Kommentar:die Suppe sieht nicht nur megagrün und megalecker aus, sie ist es auch: einfach, schnell und trotzdem extraordinary … definitiv ganz mein Fall. Mein skeptischer Nichtvegetarier Gatte war ob des vollmundigen Geschmacks überrascht, oder irritiert 🤔; aber 6dl GemüseBrühe sind doch 60ml, damit konnte ich die Menge an Gemüse-„Unkraut“ nicht wirklich aufkochen. Kann hier ein Tippfehler s. eingeschlichen haben? Es sind dann doch 60dl geworden und es hat fantastisch gemundet. Danke für dieses Rezept.

      1. 6 dl sind 600 ml oder 0.6 L. Dezi kommt aus dem Latein (decimus) und bedeutet Zehnter. Also bestimmt kein Tippfehler. Dezi ist nicht dasselbe wie das in Österreich verwendete Deka (Abk. da) = zehn.

        1. Ja, mein Göttergatte (Steirer) hat mir schon den Kopf verdreht, du hast meinen Denkfehler in der richtigen Ecke vermutet. Danke für die Aufhellung. Dann hab ich’s schlussendlich richtig gemacht.

  8. Selbiges spricht man auch Schlehenblüten oderGänseblümchen zu. Es ist wohl einfach die Freude an den ersten Blüten die Sonne und Wärme verheißen.
    Ja und gesunden Menschenverstand darf man heutzutage lieber nicht voraussetzen. Das erlebe ich selbst bei Menschen wo man ihn vermuten würde… Die Leute kennen es nicht mehr – das Einfache und Naheliegende, das kleine Glück vor der Haustüre und das wilde Kräutlein, das oft noch viel mehr kann als in einer köslichen Suppe die Seele zu erwärmen. Und ja, es gibt sie tatsächlich auch hierzulande, Spezilsten die zwar keine Katzen in die Micro stecken aber denen anderes Zeug einfällt auf das man mit besagtem gesunden Verstand nicht im Traum käme. 😉
    Morgen gibts bei mir Wiesenbocksbart in Butter geschwemkt mit frisch gemahlenem Pfeffer, Gartenunkräutersalz (natürlich selbst gemacht mit Gartenabraum) und einem Hauch Zitronenschale und Muskatnuss.

    1. Wiesenbocksbart sieht man hie und da, aber man muss schon in einer ursprünglichen Landschaft wohnen, um solche Kräuter sammeln zu können. Hier sind die Wiesen meist zugedüngert. Einheitsgrün und Einheitsklee versprechen mehr Futterertrag für das Vieh.

  9. Hier (Thailand) ist unter der Landbevölkerung noch sehr viel bekannt über essbare Pflanzenteile. Ich sehe auf meinen Veloausfahrten oft Menschenabseits von Dörfern und Plantagen irgendwelche Blätter und Früchte von wilden Bäumen und Sträuchern pflücken. Dieses Wissen müssen wir in Europa wohl auch mal gehabt haben. Diese Produkte sind auf dem Markt selten erhältlich, in Bangkok nie, niemand würde sie dort kaufen, wie wohl niemand Brennessel-Blätter im Migros kaufen würde (oder ist solches ein Hype geworden?). Meine Frau kennt zu meinem Glück viele, wir haben die Sträucher sogar im Garten. Aus meiner Kindheit erinnere ich mich der Sauerampfern, die ich mit meiner Grossmamme in noch nicht überdüngten Wiesen des Appenzellerlandes pflückte und aus denen sie dann Ampfere-Zonne kochte, sowie an Tanneschössli für Gomfi mit meiner Mama 🙂

    1. Das ist ein über Jahrhunderte aufgebauter Erfahrungsschatz, der von unserer Zivilisation zugeschüttet wurde. Das Interesse an Kursen, Führungen ist zwar wieder am Zunehmen begriffen, doch in die Migros werden es Wildpflanzen nur schaffen, wenn sie im grossen Stil angebaut werden. Immerhin gibt es vereinzelt Modelle, die funktionieren, etwas Ricola oder Vogel, die (Berg)Bauern unter Vertrag haben, die ihnen Heilpflanzen anbauen.

  10. Wir habe rd 1ha Garten und Streuobst. Dort habe ich vo über 20 Jahren begonnen all das (wieder) anzusiederln, was die Zivilisation mittels maschinenrationalisierten Bearbeitunsformen, Pestiziden und Hirnlosigkeit vertrieben und lokal ausgerottet hatte. In seinen Garten kann man sich statt pflegeintensiven Rasen leicht eine bunte Kräuterwiese holen, die auch bei Trockenheit grün/bunt ist – ohne Düngung und Bewässerung!
    Wiesenbocksbart in Freiheit ist auch in Bayern eine von vielen Stecknadeln im Heuhaufen…. leider.
    Vielleicht bringt die aktuelle Krise die Menschen wieder mehr dazu zu schätzen was die Natur bietet wenn man sie lässt. Hoffen darf man ja…

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