Archiv der Kategorie: Besuch in..

CH-6218 Ettiswil: Schloss Wyher

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Das Wasserschloss Wyher liegt im Luzerner Hinterland südlich des Dorfkerns von Ettiswil. Es wurde 1304 erstmals als Sitz der Freiherren von Wediswil (Willisau) urkundlich erwähnt. Nach mehreren Handwechseln wurde das „Haus zem Wyger“ 1480 an den Luzerner Schultheiss Hans Feer (1418–1484) veräussert. Dessen Sohn, Petermann Feer führte übrigens 1499 den 800 Mann starken Luzerner Harst in die Schlacht bei Dornach gegen den Schwäbischen Bund.

Petermann Feer errichtete 1510 den Hauptbau mit einer Grundfläche von 13 mal 14 Metern. Seine Nachfahren ergänzten Mitte 16. Jahrhundert den 34 Meter langen  Ökonomietrakt mit einer Laube zum Hauptgebäude hin, das sogenannte „Klösterli“.

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Klösterli mit Hochzeitsgesellschaft

Ritter Beat Jakob Feer (1540–1598) war der letzte Besitzer aus der Familie Feer. Seine fünf Kinder verstarben alle früh, so verkaufte er Schloss und Hof 1588 seinem Schwager Ritter Ludwig Pfyffer von Luzern.

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südliche Umfassungsmauer und Haupthaus

Ludwig Pfyffer liess im ersten Stock des Herrenhauses das Prunkzimmer einbauen. Er schloss die Lücke zwischen Klösterli und Herrenhaus und ergänzte die Umfassungsmauer sowie die zwei Rundtürmchen auf der Südostseite. Die Zufahrt erfolgte von Westen her über eine dreijochige Steinbrücke.

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Klösterliseite von Aussen

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Sitz innerhalb der Familien Pfyffer-Wyher und Pfyffer-Altishofen hin- und her vererbt. Die Gattin eines der zeitweiligen Besitzer, der andauernden Abwesenheit ihres Gemahls -eines Generalleutnants in französischen Diensten-  überdrüssig, nutzte dessen Abwesenheit für umfangreiche Umbauten. Sie liess die Dachformen verändern, veränderte im Herrenhaus die Raumeinteilung und richtete den zweiten Stock im Louis XVI-Stil ein. Die Steinbrücke wurde mit Erde überschüttet, um einen breiteren Fahrweg zu erhalten. Um das Schloss wurden tiefe Gräben ausgehoben.

1837 wurde das Schloss samt Umland an eine Bauernfamilie verkauft. Die hatten kein Geld für den Schlossunterhalt, legten zur Landgewinnung bald darauf die Schlossweiher trocken. Das beeinträchtigte die Stabilität der Umfassungsmauern, Teile der Mauer brachen ein und mussten mit zweien der Ecktürme abgetragen werden. Das Schloss vergammelte zuhends. Im zweiten Weltkrieg wurden Flüchtlinge, später arme Familien einquartiert. Wertvolles Inventar wurde veräussert.

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Treppenhaus im Hauptbau

1961 wurde das Schloss zum Verkauf ausgeschrieben. Im Juli 1963 unter Denkmalschutz gestellt. Am 26. Juli 1963 brannten die oberen Stockwerke des Haupthauses ab. Im folgenden September wurde ein Kaufrechtsvertrag zwischen dem Kanton Luzern und der bäuerlichen Erbengemeinschaft abgeschlossen.

Ein 1964 gegründetes Initiativkomitee setzte sich zum Ziel, das Äussere der Schlossanlage wiederherzustellen. Das Initiativkomitee rettete und erwarb Teile der früher verkauften Inneneinrichtung, beispielsweise Böden, Täfer, Decken, Gitter, Öfen, Säulen oder Sandsteinfassungen.

1970 wurde vom Luzerner Grossen Rat die Schaffung einer mit 100’000 Franken ausgestatteten Stiftung Schloss Wyher genehmigt, die für Einrichtung, Betrieb und Unterhalt des Schlosses sorgen sollte. Die Wiederherstellung verlief, mangels Mittel, schleppend. 1973 wäre es dem zwielichtigen österreichischen Unternehmer Udo Proksch (der später als Drahtzieher des Falls Lucona 1992 wegen sechsfachen Mordes verurteilt wurde) beinahe gelungen, das Schloss im Baurechtsvertrag auf 100 Jahre zu übernehmen.

1976 wurden die Aussenmauern des Schlosses saniert und das Herrenhaus mit einem Dach versehen. 1981 bis 1983 wurde das Klösterli für Ausstellungen hergerichtet und die Umfassungsmauer mit den vier Türmchen wiederhergestellt.

In den achziger Jahren wurde ein Gönnerverein gegründet, der weitere Mittel für Renovationen und den Rückkauf der Pfyfferstube beschaffte. Seit 1996 ist der Gönnerverein Pächter der Schlossanlage und damit für den Betrieb verantwortlich. Nach wenig erfolgreichen Bemühungen hat sich das Schloss als beliebtes Hochzeits- und Tagungsschloss etabliert. Auf Voranmeldung kann man es besichtigen. Oder man macht es wie ich: man mischt sich als Hochzeitsgast mit Fotoapparat unter die Gäste. Nein, den vom Personal offerierten Sekt habe ich abgelehnt.

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Quellen:
wiki: Schloss Wyher
Wasserschloss Wyher

CH-4143 Dornach: Ruine Dorneck

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Die Ansicht von David Herrliberger aus dem Jahre 1755 zeigt das Schloss vor seiner Zerstörung durch französische Artillerie im Jahre 1798. Die Ruine befindet sich im solothurnischen Dornach in der Nordwestschweiz, wenige Kilometer von Basel entfernt. Sie steht auf einer Felsrippe, die nach 3 Seiten hin steil abfällt. Von hier hat man eine wundervolle Aussicht auf das Birstal bis Basel. CH-4143 Dornach: Ruine Dorneck weiterlesen

CH-8494 Bauma: Der alte Basler Centralbahnhof

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Da steht sie in alter Schönheit seit einem halben Jahr: eine der ehemaligen Perronhallen des ersten, im Jahre 1860 erbauten Basler Bahnhofs der Centralbahn. Die Schweizer Centralbahn, SCB, war mit einer Streckenlänge von 332 Kilometern eine der fünf grossen privaten Eisenbahngesellschaften der Schweiz. 1902 wurde die SCB in die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) integriert. Der alte Basler Bahnhof musste den heutigen, grösseren Gebäuden und Hallen weichen. Dazu wurde die Halle abgebaut und für die nächsten 110 Jahre in Olten als Schreinerei und Lagerschuppen im Industriewerk der Schweizerischen Bundesbahn wieder aufgestellt.

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Zehn Jahre war der Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland DVZO auf der Suche nach einem Unterstand für den historischen Wagen- und Lokomotivenbestand des Vereins. 2005 wurde er zufällig bei der SBB in Olten fündig: ein alter Schuppen, der exakt auf das zur Verfügung stehende Gelände beim Bahnhof Bauma passte. Kurz danach wurde die historische Bedeutung des alten Schuppens erkannt und der alte Basler Centralbahnhof konnte aus seinem Schattendasein erlöst werden. Die Halle ist ein wichtiger Zeitzeuge aus den Anfängen der Eisenbahnindustrie und steht heute unter Denkmalschutz.
Erbaut wurde sie damals im Schweizer Laubsägeli-stil des ausgehenden Biedermeiers, sie ist 101 Meter lang, rund 20 Meter breit, zehn Meter hoch und überdacht zwei Bahnhofgeleise und einen Mittelperron.

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Säulen und Giebeldach sind aus Holz, die verzierten Winkelelemente aus Gusseisen, das Giebel­dreieck beim Portal besteht aus drei im Laubsägestil verzierten, hölzernen Rhomben. Diese waren nicht mehr vorhanden und mussten nach alten Plänen, die im Basler Staatsarchiv schlummerten, nachgebaut werden.

Nach der Demontage der Halle zeigte sich, dass der Zustand  der Gusseisenträger durch Haarrisse schlechter war, als erwartet. Die Halle hatte sich in den Jahrzehnten zudem verzogen und die Statik musste verstärkt werden. Die Kosten für die Rekonstruktion der Bahnhofhalle betrugen beinahe 6 Millionen Franken, die durch Spenden, den Verein und einem substantiellen Beitrag des Kantons ZH aufgebracht wurden. Sogar Basel beteiligte sich mit 50’000.-.

Fotografierbar war nur die „moderne“ Elektrolok Be 4/4 15 , Baujahr 1931 der Bodensee-Toggenburg-Bahn BT 15. Die Dampfloks waren tief im Dunkel der Halle oder  anderweitig untergebracht.

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Quelle:
NZZ
Zanoni Architekten

CH-8376 Fischingen: Craft-Beer mit Kloster

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Ein Ausflug nach meinem Geschmack. Einfaches Mittagessen mit gutem Preis-Leistungsverhältnis im Engel in Sirnach, mitten im ländlichen Thurgau. Ein paar Kilometer südlich liegt die einzige Kloster-Bierbrauerei der Schweiz. Doch vor dem Bier erst die Pflicht:

Fischingen taucht im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts als klösterliche Gemeinschaft im thurgauischen Tannzapfenland auf. Gegründet von Bischof Ulrich II. von Konstanz als bischöfliches Eigenkloster mit Männer- und Frauenkonvent. Fischingen erlebte zu Beginn des 12. Jahrhunderts eine erste, aber nur kurze Blütezeit. Wirtschaftlich blieb das Kloster lange Zeit völlig vom Bischof in Konstanz abhängig. 1440 zerstörte ein Brand alle hölzernen Bauten. Das war beinahe das Ende.

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Mit der Eroberung der Landgrafschaft Thurgau durch die sieben eidgenössischen Orte geriet die Herrschaft Tannegg mit Fischingen bis 1798 unter die gemeinsame Fuchtel der Alten Eidgenossenschaft. Trotz Bemühungen der neuen Schirmherren gelang es aber nicht, das Kloster nachhaltig zu stärken. Die Reformation löschte das Klosterleben sogar völlig aus. Auf Betreiben der katholischen Orte wurde dem Kloster erneut Leben eingehaucht. Der Aufschwung, der gegen Ende des 16. Jahrhunderts eintrat, ist der energischen Führung zweier Aebte zuzuschreiben. Reformierte, ehemalige Klosterpfarreien konnten zur Rückkehr zum alten Glauben bewogen werden. Das Leben der heiligen Idda (Ita) von Toggenburg wurde als Legende vermarktet und verlieh dem Kloster neue Strahlkraft.

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„Hier ligt Idda in disem Grab Die eine Gräffin von Kärchberg war Vermählt dem Graff von Toggenburg. Im Jahr 1226 selig Sie sturb zum trost viller frommen Leuthen. Mit Wunderzeichen thuot Leuchten“.
Nach der Legende habe einst ein Rabe Iddas Ehering gestohlen. Ein Jäger fand den Ring im Nest des Vogels. Als Iddas Ehemann den Ring an der Hand des Jägers bemerkte, bezichtigte er Idda der Untreue. Er liess den Jäger töten und stürzte Idda im Jähzorn aus dem Fenster seiner Toggenburg. Gott habe sie aber wegen ihrer Unschuld durch einen Engel auf wundersame Art und Weise gerettet. Später klärte sich der Irrtum auf, aber Idda widmete ihr Leben Gott.

Fischingen

Mit der Gründung der St. Iddabruderschaft wuchs der Pilgerstrom ständig an. Fischingen wurde zu einer bedeutenden Stätte am alten Pilgerweg von Konstanz nach Einsiedeln.
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Klosteranlage im Barock- und Rokokostil umgebaut. 1685–1687 eine neue Klosterkirche errichtet, 1705 eine neue, der heiligen Idda geweihte Kapelle. Danach war die Schuldenlast derart gross geworden, dass das Mönchskapitel die Bauarbeiten einstellen musste. Nach dem Einmarsch der Franzosen musste das Kloster auf seine Herrschaftsrechte verzichten, durfte aber -mit Einschränkungen- zunächst weiter bestehen.

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1836 übertrug der Kanton Thurgau die Verwaltung des Klosterbesitzes dem Staat. Die Klostergüter wurden verkauft. 1848 beschloss der Kanton die Aufhebung aller Klöster.
Nach einer Zwischennutzung als Textilfabrik erwarb 1879 der katholische Männerverein St. Iddazell das Kloster und eröffnete darin die katholische Waisen-, später Erziehungsanstalt St. Iddazell, die später -nach Aufdeckung von Missbrauchsfällen- in den Fokus der öffentlichen Kritik geriet. 1976 erfolgte die Umwandlung in ein Sonderschulheim.

Die Kirche mit der Iddakapelle ist heute im Besitz der Katholischen Kirchgemeinde Fischingen. Das Kloster gehört dem Verein. Nach dem Fall des Verbots der Errichtung neuer Klöster in der Bundesverfassung, 1973, zogen 1977 wieder Benediktinermönche in die alten Gebäude ein. Sie teilen sich die Anlage mit dem Verein, der das Seminarhotel, ein Restaurant, die Töpferei, eine Schreinerei und die Schule führt. Seit 2015 ist in einem Betriebsgebäude die Brauerei Pilgrim untergebracht. Endlich sind wir bei der Brauerei angekommen. So viel nacherzählen macht Durst!

Vor über 40 Jahren übernahm Martin Wartmann, Brauer und Bier-Kaufmann, die Leitung der Actienbrauerei Frauenfeld und entwickelte das «Ittinger Klosterbräu», mein Hausbier seit Jahren. Das Ittinger Bier wurde später von einer industriellen Grossbrauerei übernommen. Es schmeckt mir immer noch, auch Frau L. benutzt es gern als Pflegespülung nach dem Haarwaschen.
Martin Wartmann, weiterhin im Brauereigeschäft aktiv, hat vor 2 Jahren im Kloster Fischingen wieder von vorne angefangen. Seine Zielsetzung ist, mit professionell hergestellten, qualitativ hochstehenden (und hochpreisigen) Bieren eine Marktnische zu besetzen. Insgesamt werden jährlich rund 300’000 Flaschen Klosterbier in 3 Kategorien „craft beer collection“, „Bière d’abbaye“ und dem flaschenvergorenen „Bière Grand cru“ anvisiert. Seit die Craft-Beer-welle von Amerika kommend Deutschland überschwemmt, und ich als Weintrinker von Bier kaum viel mehr weiss, als dass es schäumt, habe ich mir die ganze Kollektion im Doppel (9 Sorten) gekauft (wirklich!) und werde Flasche um Flasche durchprobieren. Vielleicht bleibt ja was hängen. Schon die erste Probe bestätigte den himmelweiten Unterschied zu den Lagerbieren des Schweizer Ex-Bierkartells. Ich fürchte, dass für die Haare von Frau L. nichts übrig bleiben wird.

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Quellen:

wiki Kloster Fischingen
Kloster Fischingen. Kurzer geschichtlicher Abriss von Pater Florin Cavelti
Pilgrim, Bier für Freunde
Klosteransicht aus dem 19. Jahrhundert: Benediktiner-Fischingen

CH-6216 Mauensee: Wir kaufen uns ein Häuschen…

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Das Zeitfenster, in welchem man einen Blick auf Schloss Mauensee, nordwestlich von Sursee auf einer Insel im See gelegen, erhaschen kann, währt nur kurz. Zwei Wochen später hätte sich das Schloss im dichten Blätterwerk des Naturschutzgebietes rund um den See versteckt.

Burg und Herrschaft Mauensee gehörten im 13. Jahrhundert je zur Hälfte den Grafen von Habsburg und Freiherren von Grünenberg. Nach dem Sempacherkrieg, 1388, zerstörten die Eidgenossen die Burg. Von der ursprünglichen Anlage ist nicht mehr viel übrig geblieben. 1455 kaufte die Stadt Luzern See und Insel samt dazu gehörender Lehensherrschaft. Nach Handwechseln innerhalb des Surseer und Luzerner Patriziats gelangte der Besitz 1600 an die Luzerner Patrizierfamilie Schnyder von Wartensee, die das heutige Schloss samt einer Hauskapelle errichtete. Der Bau wurde damals mit einer Umfassungsmauer mit hohem Turm umgeben, die an den vier Ecken von kleineren Türmchen flankiert waren. Die Fortschritte in der militärischen Belagerungstechnik liessen jedoch Mauern und Türme bald zum blossen Zierat werden.

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Im 17. und 18. Jahrhundert wechselte Mauensee wiederholt seine Eigentümer. 1811 gelangte Mauensee an die Zofinger Familie Eggstein, welche Kapelle, Ecktürme und Umfassungsmauer zugunsten der Seesicht abreissen liess. Nach weiteren Handwechseln kaufte 1942 der Luzerner Patrizier Karl von Schuhmacher,  Gründer und Herausgeber der Weltwoche, Schloss und See.

Der heutige Besitzer Uli Sigg (Wirtschaftsjournalist, Unternehmer mit langjähriger China-Erfahrung, Kunstsammler chinesischer Gegenwartskunst, Mäzen, in jungen Jahren Schweizer Meister im Achter-Rudern) kaufte und renovierte das Schloss 1998.

Aus der Ferne erinnert das Schloss und seine Zugänge an ein barockes Luzerner Landschlösschen.

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Unter allen bisher besichtigten Schlössern ist Schloss Mauensee das Lieblingsschloss von Frau L.. Da sitzt aber schon der Herr Sigg drin und der will es nicht hergeben. Und überhaupt haben wir kein Geld für derartige Träume. Vergeblich suchte ich ihr, die schmucke, blaue Bushaltestelle „Schloss“ der Linie 63 als Ersatz schmackhaft zu machen. Ein tüchtiger Schreiner hätte schnell ein Fenster für den Seeblick ausgespart und eine Türe, sprich Eingangportal eingesetzt. Ein paar Sitzkissen, ein Anschluss für den Teekocher…  und  fertig wäre unser Schloss gewesen. Aber das blaue Häuschen gehört der Buslinie Rottal, und die will es uns auch nicht hergeben.

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Do re mi fa so la si… wir kaufen uns ein Häuschen, ein casetta in Kanada…

Quellen:
wiki Mauensee
swisscastles: Mauensee mit Luftaufnahmen

Johann Ludwig von Erlach

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Ein verdienstvoller und doch zwiespältiger Mann, der Johann Ludwig, Schlossherr zu Kastelen. 1595 in Bern geboren, 1650 im badischen Breisach gestorben. Nach der Schule, die er als Sohn des Landvogts von Morges in Genf besuchte, diente er 1611-16 als Page am Hof des Fürsten Christian von Anhalt-Bernburg.
1618-25, zu Beginn des Dreissigjährigen Kriegs, war er Offizier unter den Fahnen deutscher, protestantischer Fürsten (Anhalt, Brandenburg, Braunschweig), wurde 1620 gefangen genommen und mehrfach verwundet. Danach trat er in den Dienst des schwedischen Königs Gustav Adolfs. 1625 war er Oberst und Generalquartiermeister im polnischen Feldzug der Schweden.

1627 kehrte er in seine Heimatstadt zurück, wurde Kriegsrat, 1629 Mitglied des kleinen Rates. Wurde von den reformierten Ständen mit der Ausarbeitung einer gemeinsamen Verteidigungsstrategie beauftragt. Darin verlangte er eine stehende Truppe, einen ständigen General und massive Aufrüstung. Doch die notorisch zerstrittenen reformierten und katholischen Stände wollten davon nichts wissen, die Angst vor dem siegreichen Oesterreich, vor den hohen Kosten und die friedensverwöhnte Beharrlichkeit waren stärker.

Mit der Entlassung Wallensteins durch den Kaiser und der Landung Gustav Adolfs zeichnete sich ein Umschwung des Kriegsglücks zu Gunsten der Reformierten ab. Die Warnung Gustav Adolfs an die Schweiz, dass er sie zum Kriegsschauplatz machen werde, falls sie den Spaniern ihre Alpenpässe öffnen würden, hatte Wirkung. 1632 einigten sich katholische und reformierte Stände auf eine bedingte Neutralitätserklärung. 1633 wurde von Erlach zum Oberbefehlshaber des Grenzschutzes im bernischen Aargau ernannt,  da im benachbarten Oberrheingebiet und im Elsass die Schweden eingebrochen waren. Nebenbei erwarb er die Herrschaft sowie die Burg Kasteln. Die Tagsatzung verpflichtete von Erlach zu strikter Neutralität. Für einen weltgewandten Kriegsmann von seinem Schlage eine unmögliche Einschränkung. Er unterstützte den schwedischen Feldherrn, Herzog Bernhard von Weimar, erst verdeckt, dann offen mit Rat, mit Aufklärung und Nachschub, geriet letztlich im Februar 1638 in der Schlacht bei Rheinfelden als kombattanter, „nebenamtlicher“ Stabschef Bernhards von Weimar in österreichische Gefangenschaft. Für die Katholiken ein krasser Neutralitätsbruch. Nach dem Sieg Bernhards und  der Kapitulation Rheinfeldens im März kam er wieder frei. Die katholischen Stände regten sich fürchterlich darüber auf, dass der Herzog die Stadt von der Schweiz aus überfallen hatte, bezichtigten Bern der Begünstigung des Herzogs. An einer ausserordentlichen Tagsatzung bat von Erlach um seine Entlassung, die angenommen wurde.

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Im Sommer 1638 trat Hans Ludwig von Erlach im Rang eines Generalmajors in Schwedisch-Weimarischen Dienst. Bernhard, obgleich offiziell schwedischer General, war durch mangelnde Unterstützung der Schweden schon 3 Jahre zuvor in Verhandlungen mit Kardinal Richelieu getreten und erhielt von den Franzosen jährliche Subsidiengelder zum Unterhalt der Weimarischen Truppen. Der innere Widerspruch, dass eine katholische Macht die Sache der Reformierten unterstützte, mag heute verwundern, dabei muss aber berücksichtigt werden, dass erstens Macht mehr gilt als Prinzipien. Zweitens die Heeresführer damals selbstständige General-Kriegs-Unternehmer waren, die für Anwerbung, Unterhalt, Besoldung und Bewaffnung ihrer Soldaten meist selber aufkommen mussten, dafür aber von ihren Auftraggebern pauschal (und fürstlich) entlohnt wurden. Blieben die Zahlungen aus, hielt sich das Kriegsvolk anderweitig und durch Marodieren schadlos nach dem Sprichwort: „Krieg ernährt den Krieg“.
Bernhard von Weimar beauftragte von Erlach mit der Fortführung der Belagerung der österreichischen Festung Breisach (Baden-Württemberg), deren Kommandant, Hans Heinrich von Reinach, sich im Dezember 1638 ergab. Danach ernannte Bernhard von Weimar von Erlach zum Stadtgouverneur.
Während der Vorbereitungen zu dem neuen Feldzug gegen die Kaiserlichen starb Bernhard von Weimar 1639 in Neuenburg. Vor seinem Tod bestellte er Ludwig von Erlach zum Vollstrecker seines Testamentes und stellte ihn an die Spitze seiner Truppen. Um Bernhards Erbe stritten alle im Krieg begriffenen Mächte. Entgegen der letzten Verfügung Bernhards, die eroberten Gebiete am Oberrhein einem seiner Brüder zu übergeben, führte Hans Ludwig von Erlach unverzüglich Unterhandlungen mit Kardinal Kardinal Richelieu.

Die weimarische Armee wurde in der Folge unter französischen Oberbefehl gestellt, die besetzten österreichischen Gebiete wurden an Frankreich übergeben, von Erlach wurde in seiner Stellung  als Gouverneur von Breisach und Oberbefehlshaber der weimarischen Truppen bestätigt und erhielt die französische Staatszugehörigkeit. Dazu eine hohe Gratifikation, die er zum Ausbau von Schloss Kastelen brauchte.

Als „Gubernator“ von Breisach hatte Erlach bedeutenden Einfluss auf die französischen Feldzüge am Rhein und in Süddeutschland. 1646 vermittelte er die Mission des eidgenössischen Gesandten Johann Rudolf Wettstein am Friedenskongress von Münster und Osnabrück.

1647 wurde Erlachs Position weiter gefestigt, indem er zum ranghöchsten Generalleutnant unter dem Oberbefehl Turennes aufstieg. Das Porträt oben stellt Erlach als Generalleutnant mit dem Kommandostab der französischen Krone dar. 1648 entschied er als Kommandant des Reservekorps die Schlacht von Lens (Flandern) gegen die Spanier.

1649 wurde er u.a. Kommandant der französischen Armee im Reich.
Die Franzosen blieben fällige Zahlungen schuldig, die Truppen murrten, verlangten Sold oder ihre Entlassung und gebärdeten sich mehr und mehr als Sauhaufen. Das notleidende Volk war der fremden Truppen überdrüssig.  Ende 1649 erkrankte Erlach schwer. Auch eine Kur im Sauerbrunnen von Bad Peterstal-Griesbach führte zu keiner Besserung. Hans Ludwig Erlach verstarb am 26. Januar in Breisach. Beigesetzt wurde er zunächst bei seinem Schloss, später in der von ihm gestifteten Kapelle in Schinznach.

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Kirche Schinznach-Oberflachs

Seine Witwe forderte vom französischen König vergeblich die noch ausstehenden 200’000 livres, kaufte sich in Basel dennoch ein Stadtpalais in der St. Johannsvorstadt, den heutigen Erlacherhof, verstarb 5 Jahre später und ruht an seiner Seite.

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Unter dem Wappenschild der von Erlach

Hier liegt der mächtige Mann, von der heutigen Wahrnehmung vergessen, im steinernen Sarkopharg. Die Glocke, die ihn dereinst erwecken wird, steht bereit. Die Engel, die ihm seinen bezahlten Platz im Himmel anweisen sollen, warten seiner.

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Quellen:
Richard Feller: Geschichte Berns, 1953, Verlag Herbert Lang, Bern
wiki: Johann Rudolf von Erlach
wiki: Bernhard von Sachsen-Weimar
Helvetiens berühmte Männer, in Bildnussen dargestellt. Leonhard Meister, 1786, Zürich

CH-5106 Veltheim: Schloss Wildenstein

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Die Schenken von Kasteln (denen sind wir letzten Sonntag begegnet) scheinen eifrige Burgenbauer gewesen zu sein. 1301 wird die Burg Wildenstein als ihr Eigengut erwähnt. Wenig später gelangte sie in den Besitz der Herren von Rinach, einem Ministerialengeschlecht, das den Grafen von Lenzburg, den Kyburgern und später den Habsburgern und Bourbonen diente. 1415 musste Henmann von Rinach den Bernern huldigen und Wildenstein von ihnen zu Lehen nehmen. Die R(e)inacher verkauften bis 1545 all ihre Besitzungen und Rechte in der Schweiz und schufen sich im vorderösterreichischen Elsass im 15. Jahrhundert eine neue Machtbasis.

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Die beiden Wehrtürme und der Ausbau des Palas entstanden gegen Ende des 14. Jahrhunderts. Die Anlage hat die Form eines unregelmässigen Vierecks. Um den Innenhof gruppieren sich die beiden Bergfriede, die Ringmauer, der Palas und Ökonomiegebäude. Die Rinacher residierten auch unter den Bernern bis 1465 weiter auf der Burg. Nach einer Reihe von Handwechseln gelangte die Anlage 1491 in den Besitz der von Mülinen, später durch Vererbung an die Effinger von Wildegg, die der Burg um die 1650 mit barockem Palas, Treppenhaus und Brunnen das heutige Aussehen gaben. Die Burg der Effinger (Wildegg) liegt übrigens gleich gegenüber, getrennt durch die Aare und ist im Hintergrund des Headers zu sehen.

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1720 verkauften die Wildegger an David Sprüngli, der das Schloss kurz nach dem Kauf auf Begehren des Schenkenberger Obervogtes zwangsweise an Bern abtreten musste, weil der Obervogt der baufälligen Burg Schenkenberg das Schloss Wildenstein als neuen Landvogteisitz beanspruchte. Bis 1798 residierten 15 Obervögte auf Schloss Wildenstein.

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Schloss Wildenstein ist im Roman von Rudolf von Tavel „D’Haselmuus“ zeitweiliger Wohnort der jungen Madeleine, da sich ihr Vormund, der Heimlicher Ryhiner (geheimer Rat) „bi der nächschte Amtsbsatzig e Landvogtei gheuschen und ds Los für Schänkebärg zoge het“:

„Uf der Abedsyte vom Schloss Wildestei im Aargau hei d’Lila blüjet, und der Guldräge het syni gääle Trüble derzwüsche ghänkt…“ Berner Poesie vom Schönsten.

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Der Eingang zeugt von bernischer Bescheidenheit

Nach dem Untergang der Republik Bern ging Wildenstein an den neu geschaffenen Kanton Aargau über, der das Schloss 1804 an Private verkaufte. Alle paar Jahre wechselten sich Bürgerliche, wie etwa der napoleonische General Jean Rapp, und Adel im Besitz des Schlosses ab. Ab 1894 besass Pauline von Sinner–von Effinger (1836–1906) das Schloss. Sie vererbte Schloss Wildenstein als Stiftung für wohltätige Zwecke. 1928 gehörte das Schloss einem Pfarrer, der darin ein Altersheim des Diakonissenhauses einrichtete, das bis 1972 existierte. Ab 1976 gehörte Wildenstein der Stiftung eines Aargauer Baumeisters, der sich mit den Kantonsbehörden in der Frage, ob das Schloss in eine Familienstiftung oder öffentliche Stiftung eingebracht werden solle, überwarf.

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Berner Bauernbarock

2010 wurde Schloss Wildenstein, nachdem es erst in der NZZ und auf ebay angeboten wurde,  konkursamtlich versteigert. Der neue Besitzer, Coiffeurmeister, Patentinhaber des berühmten Dobi-Haarschneidegerätes für Friseure (für den noch berühmteren Coupe Hardy) und mittlerweile Kosmetikahändler, unterzog sich den kantonalen Auflagen, machte das Schloss nach einer umfassenden Restaurierung in den Jahren 2012-2015 der Öffentlichkeit als Museum und Eventort zugänglich und bezog im Palas seine Privatgemächer. Der Erhalt, Unterhalt und Betrieb der öffentlich zugänglichen Schlossanlage wird durch die Stiftung Schloss Wildenstein sichergestellt. Happy end. Handwerk hat halt doch goldenen Boden.

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Eingangspforte in de Garten

Durch die alte Pforte aus dem Jahre 1696 betritt man den terrassierten Garten am Osthang des Schlosses, wo mehrere altgriechische Jugendstilnixen aus dem Gartencenter das Auge der Besucher erfreuen.

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Hellenistische Jugendstilnixen aus dem Gartencenter

CH-5108 Oberflachs: Schloss Kasteln und seine Therapieziegen

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Schloss Kasteln liegt im Schenkenbergertal im Kanton Aargau, am südlichen Rand des Juras, oberhalb von Schinznach. Umgeben von Weinbergen und Wald. Die um das Jahr 1200 auf einem Felssporn erbaute Burg war zunächst Sitz der Schenken von Kasteln, Dienstherren der Kyburger. Nach dem Aussterben der Kyburger im Jahr 1264 fiel das Gebiet um Oberflachs an die Habsburger. Die Habsburger beauftragten die Schenkenberger, auf einem im obern Teil des Tales gelegenen Höhenzug eine weitere Burg (Burg Schenkenberg) zu bauen, um damit ihre Kerngebiete um Schloss Habsburg und die Stadt Brugg abzusichern. 1311 starben die Schenken von Kasteln aus.

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Burg Kasteln wurde durch die Herren von Mülinen aus dem damals habsburgischen Brugg erworben. Die kleine Herrschaft umfasste die niedere Gerichtsbarkeit in Oberflachs und Schinznach-Dorf.

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Ausblick von der Schlossterrasse nach Oberflachs und Schinznach

1415 wurde der Aargau durch die Eidgenossen erobert und zwischen Bern, Zürich und Luzern aufgeteilt. Das Gebiet links der Aare, darunter auch das Schenkenbergertal, blieb jedoch vorerst unangetastet. Wegen andauernden Streitigkeiten mit der inzwischen bernisch gewordenen Stadt Brugg besetzten die Berner 1460 auch den Landstrich links der Aare. Im obern Teil des Tales wurde die Berner Landvogtei Schenkenberg eingerichtet, welche u.a. die strategisch wichtigen Ämter am Bözberg- und Staffeleggpass umfasste. Burg Schenkenberg war Sitz des Landvogtes. Durch Verachlässigung des Unterhaltes verfiel die Burg im Lauf der Jahrhunderte und der Rat der Stadt Bern beschloss 1720, sie aufzugeben. Der Landvogt musste ins nahe gelegene Schloss Wildenstein bei Veltheim umziehen. Bericht demnächst.
Im untern Teil des Tales blieb die Herrschaft Kastelen bis 1631 im Besitz der Familie von Mülinen. Danach wurde sie vom Berner Patrizier und General  Johann Ludwig von Erlach erworben. Als Söldnerführer in schwedisch-weimarischem, später französischem Dienst erwarb sich dieser ein erkleckliches Vermögen.

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In den Jahren ab 1642 wurde die Burg unter Johann Ludwig von Erlach zu einem repräsentativen Barockschloss umgestaltet. Der Umbau kam viel teurer als geplant und zog sich bis zu seinem Ableben, 1650, hin.

Die Nachfahren Erlachs verkauften Schloss Kastelen 1732 für 90’000 Taler an Bern. Bern schuf daraus eine weitere Landvogtei, indem es die Niedergerichte der Herrschaften Auenstein und Villnachern sowie die bisher zu Schenkenberg gehörende hohe Gerichtsbarkeit an diesen Orten zur Herrschaft Kastelen schlug.

Nach dem Untergang des Ancien Régime gelangte die bernische Staatsdomäne 1803 in den Besitz des neu gegründeten Kantons Aargau, der es 1836 an Private verkaufte. 1855 wurde darin eine „Rettungsanstalt für verwaiste und verwahrloste Zöglinge“ reformierter Konfession eröffnet. 1907 steckte einer der Zöglinge das Schloss und die benachbarte Scheune in Brand. Beide Gebäude erlitten schwere Schäden, und mussten wieder aufgebaut werden; erst 1909 wurde der Anstaltsbetrieb in Kasteln wieder aufgenommen. Die ehemals reiche Innenausstattung des Schlosses war jedoch verloren.

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Therapie-Geissli

Das Schloss wurde 1955 in ein Schulheim für verhaltensauffällige Schüler umgewandelt.  Das gesamte Schloss wurde 2009 innen und aussen umfassend renoviert und den heutigen Bedürfnissen der Sozialpädagogik angepasst. Der zugehörige, verpachtete Bio-Landwirtschaftsbetrieb liefert Fleisch und Gemüse und  u.a. die für den Lehrbetrieb benötigten Ziegen. Das Schlosscafé ist leider nicht öffentlich.

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Der Gutsbetrieb

Mehr über das Schloss und den Hackbraten des Schulheimkochs sowie die Burger-Focaccia des kochenden Tausendsassa Ivo Adam erfährt man, neben unvermeidlicher Reklame für den Sponsor des Filmchens, unter diesem link.

Quellen
wiki: Schloss Kasteln
wiki: Ruine Schenkenberg
Schulheim Kasteln

CH-4450 Sissach: Schloss Ebenrain

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In Sissach, im Kanton Baselland, unweit von Basel steht der Landsitz Ebenrain. Das Barockschloss wurde in den Jahren 1774 bis 1776 für den reichen Basler Seidenbandfabrikanten und -händler Martin Bachofen erbaut. Während rund 200 Jahren war die Herstellung der Seidenbänder (Posamenterei, französisch: „passement“= Zackenlitze“) der wichtigste Erwerbszweig in der Region Basel. Durch den städtischen Zunftzwang in ihrem Wachstum gehemmt, liessen die Basler Seidenbandfabrikanten damals ihre Ware in Heimarbeit für Hungerlöhne in ärmlichen Landgemeinden weben. Das machte die Stadtbasler (natürlich nur wenige) reich. Aus den Seidenbandfabriken und Färbereien entwickelte sich um 1900 die Basler Chemie- und Pharmaindustrie.

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Gusseisern der Kälte trotzend

Zurück zum Schloss: Die zugehörigen spätbarocken Gartenanlagen nördlich und südlich des Gebäudes entwarf der Berner Architekt Niklaus Sprüngli.  Der Landschaftgarten erfuhr anfangs des 19. Jahrhunderts und nach 1872 eine Umgestaltung zum englischen Landschaftspark.

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Die Lindenallee im Süden von Niklaus Sprüngli mit Blick in die Weite

Nach dem Tod des Fabrikanten (1814) verkaufte seine Witwe das Schloss dem Basler Handelsherrn Johann R. Ryhiner. In der Folge wechselte das Schloss durchschnittlich im 10-Jahresrythmus die Hand. Unter den vielen Nachbesitzern sind speziell zu erwähnen der hannoveranische Major Ernst Wilding (Principe di Radoli in Sizilien und Standesherr zu Königsbrück in der Oberlausitz), sowie Albert Hübner, ein elsässischer Textilkaufmann, der den Landsitz ab 1872 innen und aussen zu einer Villa im Stile des französischen Second Empire ausbaute. Nach einem Landkauf vergrösserte er den Park Richtung Osten und versah ihn mit einem Schwanenteich. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Landsitz wieder ein wenig „rebarockisiert“.

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Eingang Westseite

1930 gelangte der Landsitz in den Besitz des Basler Kaufmanns Rudolf Staechelin (1881-1946), der das Herrschaftshaus innen und aussen renovierte und darin seine berühmte Sammlung moderner französischer Meister unterbrachte. Er selbst bewohnte die heutige Schlosswartwohnung.

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Schlosswartwohnung und Taubenturm

Nach seinem Tod verkaufte sein Sohn das Schloss 1946 dem Kanton Basel-Landschaft. Dieser benützt seither den Landsitz für temporäre Kunstausstellungen, Konzerte und zu Repräsentationszwecken.

Der dazugehörige Landwirtschaftsbetrieb wurde zu einer Landwirtschaftlichen Schule und einer bäuerlichen Haushaltungsschule ausgebaut. Von 1986 bis 1989 wurde das Schloss erneut saniert.

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Ansicht von Norden

Quellen:
wiki: Schloss Ebenrain
Kanton Baselland: Kunstführer Schloss Ebenrain

CH-4305 Olsberg: Hortus Dei

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Beseits von Rheinfelden hinauß ist ein thälin, dadurch läuft ein wässerlin in Rhein zwischen zwei hohen Bergen und Wälden. Do ist gelegen ein Closter…“ So beginnt der spätmittelalterliche Text „Hunenschlacht und Gründung Olsbergs“ im Buch „Schweizersagen aus dem Aargau“.

Olsberg ist etwa seit dem 8. Jahrhundert besiedelt und wird urkundlich erstmals erwähnt in Zusammenhang mit der Gründung des Zisterzienserinnenklosters Hortus Dei. Ältere Siedlungsspuren aus Jungsteinzeit und der Römerzeit übergehen wir grosszügig.

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Der Hofhund auf Samtpfoten gibt beim Besuch den Parktarif durch

Der nördlich des Violenbach gelegene, grössere Dorfteil, das „Dörfli“, gehörte vom 10. Jahrhundert an zur Grafschaft Rheinfelden (Fricktal) und damit später zu Vorderösterreich. Das Gebiet am südlichen Ufer des Baches, das „Ländli“, war seit dem Frühmittelalter Teil des Sisgaus und fiel 1461 an die Stadt Basel. Die österreichische Herrschaft dauerte nahezu 500 Jahre. 1801 fiel das Fricktal an Frankreich und wurde 1803 dem damals neu gegründeten Kanton Aargau zugeteilt. Noch heute trennt der Violenbach in dieser Gegend die Kantone Aargau und Baselland.

Das Zisterzienserinnenkloster Olsberg ist das älteste Frauenkloster des Ordens in der Schweiz. Die Gründung erfolgte kurz vor 1234. Danach durchlebte das Kloster eine wechselvolle Geschichte. Eine erste Blütezeit währte rund zwei Jahrhunderte. Durch Legate und Zukäufe wurde ein umfangreicher Streubesitz von Äckern und Rebbergen im heutigen Baselland, im Elsass und südbadischen Raum akkumuliert. In den Städten Rheinfelden und Basel besass das Kloster diverse Liegenschaften.

Olsperg-Hof Basel
ehemaliger Olsperg-Hof Basel

1427 brannte das Kloster nieder. Kirche und Kloster wurden zwar wieder aufgebaut, damit konnte der Niedergang des Klosters aber nicht mehr aufgehalten werden. Dass es für den Adel finanziell günstiger war, Töchter im Kloster unterzubringen als diese zu verheiraten, mag für den Verfall der Sitten eine Rolle gespielt haben. Im Verlauf der Reformation verliessen die meisten Nonnen das Kloster. Im Bauernaufstand von 1525 wurde die Anlage überfallen und geplündert und blieb bis 1558 verwaist. Die Geschäfte wurden durch einen Schaffner des Mutterklosters St. Urban übernommen.
Mit Katharina von Hersberg beauftragte die vorderösterreichische Regierung eine junge Äbtissin, die Frauenzisterze innen und aussen zu reformieren. Aussen wurde viel erbaut und erneuert. Im Innern änderte sich wenig. Dafür war die Dame kulinarischen Genüssen allzusehr verfallen.

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Ritterhaus

Im 30-jährigen Krieg wurde das Kloster zweimal überfallen und verwüstet. Danach erfolgten tiefgreifende Um- und Neubauten an der Klosteranlage. Ab 1670 bis 1757 erhielt die Klosteranlage das heutige barocke Erscheinungsbild. Die Prachtentfaltung nach aussen vermochte die innere Krise nicht zu überdecken. Die Lage hart an der Staatsgrenze zur Eidgenossenschaft führte häufig zu Schwierigkeiten, lag doch die wirtschaftliche Grundlage des Klosters zur Hauptsache ennet dem Violenbach in der alten Eidgenossenschaft.

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Stolz wie ein spanischer Habsburger

Die weltliche Aufsicht oblag den Habsburgern bis ins Jahr 1803. Die Zisterzienser-Abtei in Lützel hatte bis 1748 die kirchliche Aufsicht inne, musste diese Aufgabe später an andere Zisterzienserklöster abgeben. Schliesslich führten innerklösterliche Querelen und Streitereien zur Aufhebung des Klosters. Der österreichische Kaiser Leopold II. wandelte 1790 das Kloster Olsberg in ein weltliches, adeliges Damenstift um. 1802/3 wurde das Kloster säkularisiert, die Nonnen pensioniert und die Stiftsgüter durch den neu entstandenen Kanton Aargau zum Staatsbesitz erklärt.

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Das Institut für adelige Töchter wurde 1835 geschlossen. Der Kanton verlangte die Aufnahme von Schülerinnen ohne Ansehen ihrer Herkunft, was das Institut finanziell überforderte. 1846 übernahm die Pestalozzistiftung die Klosterräume und führte eine „Zöglingsanstalt“ für verwahrloste und verwaiste Knaben, die 1860 vom Kanton übernommen wurde. Inzwischen ist daraus ein modernes Erziehungsheim für lernschwahe Kinder geworden. Die gesamte Anlage wurde durch den Kanton Aargau zwischen 1972 und 1995 umfassend renoviert.

Und zum Schluss ein Sonntags-Zückerchen: Alljährlich findet auf Initiative der bekannten Cellistin Sol Gambetta (die in Olsberg ihren Wohnsitz hat) in der Klosterkirche Olsberg ein Kammermusikfestival (SOLsberg-festival) statt. Hieraus ein sehenswerter Ausschnitt über die Variationen von „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus Mozarts Zauberflöte, von L. v. Beethoven.

Quellen:

Schweizersagen aus dem Aargau, Rochholz, Verlag Sauerländer, 1860
Gemeinde Olsberg
Kloster Olsberg

CH-3456 Trachselwald: Schloss

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Im oberen Emmental, hinter Sumiswald, steht auf einem Geländesporn Schloss Trachselwald, Wahrzeichen des Emmentals. Die einzige Burg, die oberhalb von Burgdorf im Emmental noch erhalten ist. Erbaut im 13. Jahrhundert als ehemalige Reichsburg, gehörte sie bis 1408 den Freiherren von Trachselwald, dann denen von Rüti, schliesslich den Freiherren von Sumiswald, die mit den Grafen von Neu-Kiburg liiert waren. Im Burgdorferkrieg von 1383 bis 1384, einem Konflikt zwischen der Stadt Bern und den Neu-Kiburgern um die Vormacht in der Landgrafschaft Burgund, musste Burkhard von Sumiswald das Schloss Trachselwald den bernischen Belagerern übergeben. 1408 verkaufte er die Herrschaft Trachselwald samt Schloss an die Stadt Bern, die es zum Zentrum ihrer Landvogtei machte, und damit erstmals im Emmental hinter Burgdorf Fuss fasste.

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Wehrgang der Umfassungsmauer

Nach der Reformation 1528 wurde die Landvogtei um den grössten Teil des Besitzes des aufgehobenen Klosters Trub erweitert. Bis 1798 verwalteten 71 Landvögte die Herrschaft Trachselwald.
Während des Schweizer Bauernkrieges wurde das Schloss militärisch zur Festung ausgebaut. In ihm wurde kurzzeitig auch der im Juni 1653 verhaftete Bauernführer Niklaus Leuenberger gefangen gehalten, bis er in Bern enthauptet und gevierteilt wurde. 1798 plünderte die Bevölkerung das Schloss. Seine heutige Gestalt erhielt das Schloss durch eine umfassende Erneuerung in den Jahren 1954 bis 1956.

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Palas mit Treppenturm von 1641

Die ältesten Teile von Schloss Trachselwald, Bergfried und die hofseitige Hälfte des Palas stammen aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts und prägen noch heute das Erscheinungsbild der Burg. Die ringsum erhaltene ellipsenförmige Ringmauer umschliesst von allen Seiten das Schloss und bildet damit eine der intaktesten mittelalterlichen Burganlagen der Schweiz. Das Schloss wurde bis ins 20. Jahrhundert auch als Gefängnis benutzt.

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Komfortable Zweierzelle aus neuerer Zeit. Weiter oben im Turm wurden Renitente angekettet.

Der Bergfried enthält mehrere Gefangenenzellen, sogenannte „Mörderkästen“, in denen die Obrigkeit missliebige Bürger, vor allem die aufmüpfigen Mitglieder der Täufersekten, die eine Erneuerung des Glaubens forderten, bei Wasser, Brot und Folter schmachten liess.

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Stotzige Turmtreppe, nichts für mich

Die Schweizer Täufer haben ihren Ursprung in der Zürcher Reformation. In ihrem Glaubensbekenntnis postulierten sie neben der Erwachsenentaufe die Gründung obrigkeitsunabhängiger Kirchgemeinden unter Absonderung vom bürgerlichen Leben. Das schloss die Verweigerung der Übernahme öffentlicher Aemter, Kriegsdienst und Eidleistungen auf den Staat mit ein. Damit zogen sie sich nach der Reformation den heiligen Zorn der Berner Obrigkeit zu, die mit ihrer reformierten Staatskirche die Täufer in regelrechten Hetzjagden 1529-1571 auszumerzen suchte. Die Täufer wurden von der ländlichen „rechtgläubigen“ Bauernschaft wegen ihres gottesfürchtigen Fleisses geschätzt und oft auch versteckt. Damals wurden Hunderte von Täufern gefangengesetzt, an rund 40 Täufern wurde die Todesstrafe vollzogen, viele starben im Gefängnissen, auf der Flucht oder wurden als Galeerensklaven an die Republik Venedig verschachert, wo sie, an Ruderbänke angekettet, meist an Entkräftung starben. Nach der Niederschlagung des Bauernkriegs 1653 wurden die repressiven Massnahmen verstärkt. Die Täufer wurden enteignet, verbannt oder flohen ins Elsass, in die Niederlande und in die Pfalz. Nachdem Ludwig XIV. 1712 die Täufer aus dem Elsass ausgewiesen hatte, fanden die Emigranten Zuflucht im Gebiet des Fürstbistums Basel, auf den unwirtlichen Höhen des heutigen Kanton Jura, später auch jenseits des Atlantiks in Pennsylvania, Ohio, Indiana und Ontario. Dort gründeten sie Täufergemeinden (Mennoniten, Amish) und führen heute noch ein seltsam weltabgewandtes Leben.

Das Schloss ist noch zu haben.  Falls genug Geld zusammenkommt, soll ein Seminarhotel eingebaut und der Geschichte der Täufer Platz eingeräumt werden. Schlosshof, Wehrgang und der Bergfried sind weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich.

Quellen:
wiki Schloss Trachselwald, Geschichte des bernischen Täufertums
mennonitica: Daten zur Geschichte des bernischen Täufertums

CH-3082 Schlosswil: Schloss Wyl

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Endlich wieder einmal Ausreisewetter, genau einen Tag lang. Einfaches Mittagessen bei Werni Schürch im Emmenhof in Burgdorf.
Auf einem Moränenwall zwischen Worb und Grosshöchstetten steht der alte Bergfried der Burg Wyl, der vermutlich von den Nobiles de Vilare errichtet wurde, dynastischen Freiherren, die sich -nach dem Zerfall von Hochburgund in mehr oder weniger souveräne Grafschaften- die Wyler Herrschaft aneigneten. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts zersplitterten sich Herrschaftsrechte und Gebäudeanteile, bis 1514 Burkhard von Erlach die Teile wieder vereinigte. Nach einem Brand im Jahre 1546 liess der damalige Besitzer, Niklaus von Wattenwyl, rund um den Turm einen Bau mit breiter Querfront aufführen sowie eine Ringmauer mit Ecktürmen.

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Nach weiteren Handwechseln gelangte das Gut 1719 in den Besitz der Familie Frisching. Ein Nachkomme erbaute den schönen Haupteingang. und liess den französischen Landschaftspark mit Weiher, Springbrunnen und Baumallee anlegen. 1780 wurde die Hauptfassade barockisiert.

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Mit dem Untergang der Stadt und Republik Bern 1798 gingen die Herrschaftsrechte der Patrizier an den Kanton Bern. Nach 1800 diente der Bergfried mit seinen Verliesen lange Zeit als Kornspeicher. 1831 wurde das stattliche Schloss Sitz des Regierungsstatthalters für das Amt Konolfingen, das Wappenschild über dem Eingang enthält die Wappen der Gemeinden und des letzten Feudalherren G. von Frisching.

2011 wurde das Schloss im Rahmen der kantonalen Verwaltungsreform an den Medienunternehmer Matthias Steinmann verkauft. Mit dem Kauf musste sich dieser wider Willen verpflichten, eine Stiftung zu gründen, die einen Teil des Schlosses und der Parkanlage der Öffentlichkeit für verschiedene Zwecke zur Verfügung stellt.

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„Anders als in einem Einfamilienhaus hat man hier nie richtig den Eindruck, das Haus gehöre einem. Umgekehrt schon eher. In einem historischen Haus ist man nur ein Funktionsglied in einer Kette: Es waren vor einem schon viele da, und wenn es nicht abbrennt, werden nach einem noch viele da sein.“ (Matthias Steinmann)

Oder kürzer:
Es ist alles nur geliehen, das Leben, der Wein und das Geld
(Hansi Hinterseer)

Quellen:
wiki: Schloss Wyl
Wolf Maync: Bernische Wohnschlösser. Ihre Besitzergeschichte. Bern 1980.