Enzianpuffer

Enziankartoffelkäsepuffer mit rohem Apfel-Wacholder-Mus

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Schnäpse erleiden bei mir früher oder später dasselbe Schicksal: einmal im Kasten versorgt, geraten sie in Vergessenheit. Auch wenn kein Mindesthaltbarkeits- oder Ablaufdatum droht. Meinem Enzianschnaps wird es nicht anders ergehen. Also darf er nochmals ran, und dann ab in die Kiste.

Zu den Enzian-Kartoffel-Käse-Puffern ein archaischer Apfelbrei, ohne Bindemittel, ohne Mixer, ohne Zimt und Zucker, dafür mit Wacholder und Salz. Beim Versorgen des Enzianschnapses in der Kiste geriet mir eine vergessene Flasche Wacholderschnaps in die Finger. Zu spät. Schnapsideen.

Enziankartoffelkäsepuffer mit rohem Apfel-Wacholder-Mus


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Zutaten und Zubereitung
für 2 Personen

Enzian-Kartoffelpuffer:
4-500 g festkochende Kartoffeln (L.: Goldmarie)
1/2 Zwiebel
1-2 EL Sauerrahm
50 g Bergkäse, gerieben (L.: Comté)
2 EL Enzianschnaps
Salz, weisser Pfeffer, Muskatnuss

(1) Kartoffeln schälen und auf einer Bircherraffel (Trommelreibe) reiben, salzen und 15 Minuten stehen lassen.
(2) Danach in ein Passiertuch geben und den Saft ausdrücken. Saft in einem hohen Gefäss auffangen und 15 Minuten stehen lassen. Flüssigkeit vorsichtig abiessen und die abgesetzte Kartoffelstärke zu den geriebenen Kartoffeln geben.
(3) Restliche Zutaten unter den Kartoffelbrei mischen und abschmecken. Aus der Masse ca. 50 g schwere Kugeln formen.
(4) Kartoffelkugeln in eine heisse Pfanne mit Ghee und Butter geben, flachdrücken und beidseitig goldgelb anbraten. Anfangshitze tiefer schalten, damit sie nicht schneller braun als gar werden.

rohes Wacholder-Apfelmus:
3-4 säuerliche Äpfel (L.: Topaz)
Zitronensaft von 1/2 Zitrone
Prise Salz
Wacholderbeeren, 1/2 TL frisch gemahlen und 5 ganze zum Draufbeissen

(5) Äpfel ungeschält vierteln, Kernhaus entfernen, auf einer Bircherraffel reiben,  mit den restlichen Zutaten mischen, vor Verwendung kurz aufwärmen.

In eigener Sache: Da mich der Pflegeaufwand für die hinfälliger werdende Frau L. immer mehr beansprucht, muss ich im Blog und in social media (wieder einmal) kürzer treten. Aber mein Ziel ist noch nicht erreicht: handgezogene, chinesische Nudeln. Vorher höre ich nicht auf.

42 Kommentare zu „Enziankartoffelkäsepuffer mit rohem Apfel-Wacholder-Mus“

  1. Es enziant ja sehr bei dir! Sehr schöne Zubereitungen, auch die jurassischen Enziankartoffeln!
    Einen Enzianschnaps habe ich leider keinen in der Kiste, ich könnte mir jedoch auch eine andere Spirituose vorstellen!

    1. anders als bei Hiob ist mir weder das Haus zusammengestürzt noch wurden Kinder und Knechte erschlagen und Geschwüre muss ich auch keine erdulden. Also will ich mich auch nicht beklagen.

  2. Auch von mir,jahrelange Leserin und Nachkocherin deiner Rezepte,viel Kraft und auch Sonnenscheintage für die Zukunft.

  3. Als Erschts wynsch ich dr Frau L. und dir viil Kraft und e zäche Wille!
    Do i sälber bis vor Kurzem in‘ ere ähnlige Situation gsi bi, chan‘ i di letschte Absatz meh als guet verstoh. Häärzligi Griess an Beidi.
    Nichtdestotrotz bedangg i mi gärn fir das feine „Puffer-Rezäpt“. Mit däm feine Öpfelmuess zämme cha sälbscht ich – fir emol – uf mi gliebti Wurscht oder so verzichte.

  4. Enziankartoffelkäsepuffer das ist wie Donaudampfschiffahrtgesellschaftskapitän lt. Wikipedia ein Eigennamenkompositum.Aber erstere sicher wahnsinnig schmackhaft.
    Spaß muss sein in schwierigen Zeiten. Ich wünsche alles Gute.

  5. Lieber Robert, trete hier ruhig ein wenig kürzer! Du hast mein (und wahrscheinlicher vieler Blog-Leser*innen) Verständnis. Und so lange ich noch nicht mal 5% deiner Rezeptsammlung im Blog-Archiv ausprobiert habe, hast du alle Zeit der Welt, dich um Frau L. zu kümmern. Ich wünsche euch beiden viel Kraft!

  6. Schnaps im Essen ist was feines!

    Alles Gute für Deine Frau. Echtes Leben geht vor Social Media, und wir sind in Gedanken oft bei Dir.

    Für die chinesischen Nudeln fühle ich mich zu alt, meine Puddingarme schaffen das nicht. Die Jungs in China, die das machen, haben ganz schön Muskeln am Oberkörper und an den Armen. Ein super Ziel!

    1. Danke Barbara! die Chinesen verarbeiten auch viel Teig aufs Mal. 300 g Teig brauchen nicht soviel Kraft. Aber dabei kann man noch anderes lernen: Geduld. Beharrlichkeit. Ich bleibe dran 🙂

  7. Alles, alles Gute euch beiden.. Auch wenn Du nichts neues ins Netz stellst, wir vergessen euch nicht und sind auch so immer wieder auf deinem wertvollen Blog. Am Dienstag geh ich dann mal Enzianschnaps anschaffen. 👋🏼❤️🐝🐶

    1. Das ist schön und gibt mir Kraft weiter zu machen. im Moment koche ich nur noch Hörnli und Hack weil das schnell geht. Aber das wird sich schon wieder einpendeln, wenn der frühling kommt und mit dem Frühling das Marktangebot.

  8. Hallo Robert, kümmere dich gut um Frau L. Und kürzer treten heisst für mich, ab und zu lesen wir ein schönes Rezept oder einen schönen Bericht von dir. Nimm dir alle Zeit der Welt für die richtig wichtigen Dinge im Leben. Liebe Grüsse Malou

    1. Genau. Die Prioritäten liegen jetzt einfach anders. Ich muss schauen, dass ich die Alltagsabläufe besser in den Griff kriege, das Leben vereinfachen, Ballast abwerfen. Zum überflüssigen Ballast gehören insta und fb. Denn davon bleibt nichts.

  9. Hallo Robert, keine guten Nachrichten, die Du hier berichtest. Ich wünsche Dir alle Kraft der Welt und ich wünsche Dir dass Ihr Hilfe bekommt, damit das Leben erträglich bleibt. Der blog ist derweil in guten Händen deiner Leser, ich jedenfalls werde ihn in alle Winkel erforschen.

  10. Lieber Robert,
    wir wünschen trotz den widrigen Umständen noch viele schöne, gemeinsame Momente und natürlich viel Kraft (nicht nur zum Ziehen der chinesischen Nudeln 😉 )
    Dein Blog bietet weiterhin viele Inspirationen.
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

  11. Ich kann es Dir nachfühlen, es geht gerade auch in meiner Familie gesundheitlich bergab, dann ist man froh, wenn man an manchen Tagen Ruhe finden kann und sich um gar nichts mehr kümmern muss. Lasst Euch trotzdem nicht das Schöne nehmen, die kleinen Dinge und die Freude daran

    1. das tut mir leid zu vernehmen. Solange jemand da ist, der den Laden am Laufen hält, geht es weiter. Umso wichtiger, dass wir uns Sorge tragen, damit wir den Kopf über Wasser halten können. Du mit Schreiben, ich mit Lesen.

  12. „Viel Schrott, wenig Brauchbares. Ein Abbild des Lebens“. Vielleicht ist es ein kollektiver Wunschtraum, dass ein Leben viel mehr sein SOLLTE als das. Ein eigenes schlaues Wort dazu fällt mir nicht ein, aber der Faust gibt immer etwas her:
    Alles was entsteht,
    Ist wert, daß es zugrunde geht.

    Seit ich ca. 2010 zum ersten Mal hier gelandet war, auf der Suche nach einem Dörrbohnenrezept, für meine damalige baselstämmige Freundin, und viel mehr fand, nämlich Fragen, die ich mir auch stellte und viele Antworten dazu, in sympathischer Weise wissenschaftlich „herumirrend“ und nicht mit Basta! („Ich sag euch wie es ist!“), und wunderbar bebildert, bin ich ein sehr treuer, regelmäßiger Leser. Vieles was ich hier las, ist in meinem Küchenkanon (Pizza, Pasta, Tosca) längst verewigt.

    Einen nicht sehr schrottplatzhaften Platz in meinem Leben hast du dir damit verschafft. Das bringt dir nichts, aber mir schon. Danke dafür!

  13. “…es sind nicht meine besten Tage, nicht mal meine zweitbesten. Alles gleitet mir aus den Händen, Gläser, Geschirr, Kuchen manchmal meine ich sogar das Leben.“
    Diese Worte, vor 2 Jahren, haben genau meinen Zustand getroffen.
    Bedanken möchte ich mich für unzählige Inspiritationen.
    Alle guten Wünsche begleiten Sie und Frau L.
    Stubi

    1. Der Mensch ist ein anpassungsfähiges Wesen, sonst wäre die Spezies längst ausgestorben. Zum Leben gehören auch Tiefen. Mit Geduld und Beharrlichkeit lassen sich diese überwinden. Danke!

  14. Lieber Robert,
    mein Schnaps-, Likör und sonstiges Alkohol-Arsenal steht im Keller in Reih und Glied: zum Backen benötigt! Allerdings weit und breit kein Grappa, kein Enzian, doch Noilly Prat war ein würdiger Ersatz. Wir haben Deine Puffer mit Genuss und Freude verspeist, dieses Mal mit Radiccio-Romana-Salat, „normalem“ Rotkohl und Preiselbeeren. Sonntagsessen am Montag!
    Wie immer Dank und herzlichste Grüße an Dich und Frau L.,
    Herr und Frau Sandkorn

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