Pici mit Waldpilzragout

Und plötzlich stolpert man während des täglichen Hundespaziergangs im tiefen Wald Ende August über einen Hexenring. Die Pilzkundige weiss zwar, dass der Stielige Rübling kein besonders herausragender Speisepilz ist, dennoch durfte er ins Körbchen. Besser als nichts. Hinzu kamen milde Semmelstoppelpilze, zwei kleine Eierschwämmchen, ein Reizker und giftviolette Lacktrichterlinge, die von Frau H. zuhause mit der Lupe untersucht und als essbar bestimmt wurden. Wäre ja schade um meine Pici, wenn uns wegen einer Handvoll violetter Pilze übel geworden wäre. Da weder Rahm noch Petersilie im Hause waren, mussten Sauerrahm und Salbei in die Lücke springen. Cuisine spontanée.

Zutaten und Zubereitung

Pici:

250 g Hartweizendunst (semolina rimacinata).
1 Eigelb
2 EL Olivenöl
125 ml Wasser
1 TL Salz


(1) Zutaten mit der Küchenmaschine 10 Minuten zu einem weichen Teig kneten. In Folie eingewickelt 1-2 h ruhen lassen.
(2) Einen kleinen Streifen Teig abschneiden und zu einer ca. 1 cm dicken Rolle formen. Diese wiederum in kleinere Stücke schneiden. Daraus mit beiden Händen gleichmässig dünne, ca. 2 mm dicke Spaghetti ausrollen. Länge ca. 20 cm. Kein Mehl zum Ausrollen verwenden. Falls der Teig zu trocken ist, die Holzbrettfläche mit 2-3 Tropfen Wasser befeuchten.
(3) Die gerollten Pici sofort mit Hartweizengriess bemehlen und auf ein mit Griess bestreutes Brett oder ein Leinentuch legen.
(4) Pici in gesalzenem, leicht siedendem Wasser 3 Minuten al dente kochen.

Waldpilze

ca. 200 g Waldpilze: Stieliger Rübling, ein paar Lacktrichterlinge und ein Reizker
1 Schalotte, fein geschnitten
1 Knoblauchzehe, fein gehackt
Butter
weisser Portwein
1 dl Crème fraîche
einige Salbeiblätter
Kräutersalz, weisser Pfeffer

(5) Schalotte und danach die Knoblauchzehe in etwas Butter farblos andünsten, Pilze zugeben und mitdünsten.
(6) Mit wenig Portwein ablöschen und den Wein langsam einkochen. Sauerrahm und Salbei zugeben und die Pilze köcheln bis sie gar sind.

Semmelstoppelpilze und die 2 Eierschwämme

Waldpilzsuchen benötigt Geduld und Ausdauer. Ob man etwas findet, ist von Zufälligkeiten und der kurzen Vegetationszeiten abhängig. Das hab ich inzwischen gelernt. Und wenn dann noch der ältere der beiden Hunde (weil nahezu blind und taub) im Wald verloren geht, richtig aufregend.

Aus den Semmelstoppelpilzen und Pfifferlingen gabs übrigens ein ähnliches Pilzragout, jedoch zu Gerstenrisotto mit einer missratenen Sauce aus Giersch. Pilze finden ist das eine, eine gute Sauce zubereiten das andere. Geduld, auf der Wiese hinter dem Haus hats noch genügend Giersch zum Üben.

25 Kommentare zu „Pici mit Waldpilzragout“

  1. Pici habe ich gar nicht gekannt. Und in die « Schwammerl gehen » habe ich mir für morgen vorgenommen. Die Witterung hier ist günstig: Einige Regentage werden durch sonnige abgelöst.

  2. Ich liebe Pilze und konnte zweimal an einer Pilzwanderung teilnehmen. Stolz und begeistert sammelte ich, was das Zeug hält. Mein Korb war sehr gut gefüllt.
    Mein Enthusiasmus wurde nach der Pilzschau dann in große Enttäuschung umgewandelt, denn es war nur ein einziges Exemplar genießbar und selbst von dem wurde mir abgeraten, da er nur genießbar und nicht schmackhaft war.
    Seitdem fotografiere ich gerne Pilze und erfreue mich an der mittlerweile großen Auswahl an Pilzen bei meinem Obst und Gemüse Händler auf unserem Wochenmarkt.

    Ich habe auch schon einmal Pilzkenner gefragt, ob sie mich mitnehmen oder mir ein paar Pilze abgeben, aber da ist leider hier in Wuppertal nix zu machen. Ich ernte mit meinem Anliegen nur mitleidige Absagen.

    Dann eben nicht!! Denke ich mir und schwing mich auf mein Rad zum Markt!!

    Viel Spaß noch beim Sammeln, Suchen und Finden
    Und natürlich dem Kochen und Genießen!

    Conni

    1. Pilzsammler sind verschwiegene Menschen. Man erkennt sie bei Begegnungen daran, dass sie ihr Sammelgut hinter ihrem Rücken verstecken. Ihr Wissen über gute Pilzstandorte nehmen sie in der Regel mit ins Grab. Da entlang bequemer Wanderwege ohnehin kaum etwas zu finden ist, bleibt dem Neuling nur, sich auf allen Vieren kriechend durch das Unterholz zu bewegen oder an gefährlich steilen Abhängen entlang zu hangeln. Jedenfalls bleibt auch bei uns der Korb meist leer. Aber uns wie den Hunden gefällt die Bewegung in freier Natur und der Kühlschrank ist auch ohne Pilze voll. Liebe Grüsse.

    2. Schade, wen bei der Pilzwanderung der „Leiter“ erlaubte alles auszureißen! Alles hat in der Natur seinen Sinn und soll belassen werden. Nur das sicher verwendbare gesammelt werden… Bücher oder Webseiten helfen!

      Ebenso: Wenn Sie die auf dem Markt sehen – dann können Sie diese auch im Wald bestimmen.

  3. Pilze sammeln ist herrlich! Wir haben Glück: dieses Jahr ist uns bei mehreren Walddurchstreifungen schon eine feine Auswahl an Pilzen in den Korb gegangen: viele Pfifferlinge und Steinpilze, flockenstielige Hexenröhrlinge, Maronen, Trompetenpfifferlinge, Herbsttrompeten, Reifpilze, Perlpilze, Frauentäublinge und zweimal eine Krause Glucke. Und sehr viel haben wir stehen lassen und einfach bewundert 🙂

    1. Im bayrischen Wald ist die Pilzdichte gewiss viel höher und die Sammlerdichte tiefer als bei uns im kargen Jura. Glücklich waren wir heuer über die Wild-Brombeer-Ernte. Das kalte Frühjahr hat beim Kernobst grosse Verluste verursacht. Das lehrt einen, dier Natur zu akzeptieren. Herzlich, Robert

  4. Ein beneidenswertes Pilzwissen! Ich trau‘ mich nur an Maronen, Birken- und Steinpilze. Letztere habe ich im Geiste schon zigmal erfolgreich in unserem Garten kultiviert. Vor einer Woche kam dann Herr S. tatsächlich mit zwei winzigen Exemplaren aus dem Garten in die Küche. Träume werden eben doch manchmal wahr…! 🙂

  5. Wer einen grossen Garten mit schattigen Winkeln hat und gerne kocht empfehle ich Pilze selbst zu züchten. Ein faszinierendes Hobby mit einem kulinarischen „happy end“. Ohne Garten kann man bei frisch abgeholzten Wurzelstöcken etwas nachhelfen, hat dann ein schmackhaftes Geheimnis im Wald, das man besuchen und manchmal abernten kann.
    Link: http://www.Pilzgarten.info

  6. Pilze sind faszinierend! Ich bin allerdings absolute Banausin und müßte auch mal von jemand an der Hand genommen werden. Meine Nachbarin macht derzeit einen Kurs als Pilzcoach. Vielleicht darf ich nächstes Jahr mit ihr in die Wälder. Wie war das Pflanzendreschen?

  7. Ja, ja
    Natürlich weiß ich heute wie wertvoll unsere Mutter Erde ist. Meine Geschichte des Pilzsammelns ist schon über 35 Jahre her, damals war vieles anders.
    Heutzutage gibt es so etwas zum Glück nicht mehr!
    Conni

  8. Falls Du noch mehr Giersch brauchen sollte, ich hab‘ auch noch welchen. Und Brennnesseln, die wachsen auch im Frühherbst super, wenn man sie zwischendurch etwas kürzt.
    Mit Pilzen hatte ich dieses Jahr auch noch nicht viel Glück, nur ein paar bisher. Aber ich kenne auch nicht so viele wie Ihr; da traue ich mich dann nicht ran…

    1. Weder an Brennesseln noch an Giersch haben wir Bedarf. Im Moment sind wieder die Leihschafe auf der Weide. Die verwerten den Überschuss. Im Verhältnis zum Suchaufwand ist auch unser Pilzergebnis bescheiden. Aber es geht ja weniger ums Finden als um die Bewegung in der Natur. LG

  9. Schön. Es reizt mich jetzt, Pici zu machen, noch nie gehört vorher. Am besten fange ich gleich damit an, so lange mein Enthusiasmus anhält, sonst wird’s nichts.
    Schön auch, wieder mal bei Dir vorbeizuschauen. Alte Bekannte sind hier nach wie vor zu sehen 🙂

    1. Beim Lesen war mir bewusst, dass ich die Zutaten hatte, deswegen der gute Vorsatz. Semola rimacinata von La Molisana ist hier erhältlich. Die Pici liegen nun auf den Tüchern. Deine Pici sind so schön gleichmässig. Meine kommen auch nach Übung, gegen Ende des Teiges, bei weitem nicht an Deine heran. Gratuliere.

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