Aspromonte (2): Gallicianò

Neuer Tag. Neues Wanderziel. Gallicianò, ein Dorf mit 40 Einwohnern (wenn alle da sind), das seinen grekanischen Charakter gut bewahrt hat. Doch erst muss der Fiumare Amendolea überquert werden. Barfuss durchs kalte Bergwasser. Danach gehts 600 Meter obsi.

Unterwegs treffen wir auf viele wilde Artischockensträucher, deren Blüten aber noch zu wenig entwickelt sind sowie die kleinblütige Bergminze, Nepitella (Calamintha Nepeta).

Duftende Verführung: Der Ginster ist in voller Blüte, obwohl die Natur auch in Kalabrien gute zwei Wochen dem Normalfahrplan hinterherhinkt.

Optische Verführung: durch die leuchtend rote Schmetterlings Orchis (Anacamptis papilionacea)

Optisch-haptische Verführung: In Felsritzen lockt der Nabel der Venus (Umbilicus)

Wenig verführerisch: Opuntien, hier mit Meersicht, ein invasiver Neophyt. Bei Kühen und Ziegen trotz ihrer Stacheln beliebt.

Und immer wieder die Fiumare, hier der Zusammenfluss des Fiumare Amendolea (links) mit dem Fiumare di Condofuri (rechts)

Hinter einem Bergvorsprung, gut versteckt vor räuberischen Sarazenen, liegt das grekanische Gallicianò. Der Blick auf Ikonen, Himmel und Meer.

Mittag und wir am Ziel: Grekanisch, italienisch und Neugriechisch.

Mittagessen in der Cooperativa: Schöner Antipastoteller und nahrhafte Pasta (Ditali) mit Kartoffeln, Bohnenkernen, grünen Bohnen und Pancetta, gewürzt mit Fenchel, gekocht von Frauen des Dorfes. Wasser und der allgegenwärtige (gute) Rotwein aus Plastikflaschen.

Nach dem Mittagessen führt uns der Griechisch-orthodoxe Ortskundler Mimmo (ein pensionierter Architekt) durch sein (mit Mitteln der EU) schön herausgeputztes Dorf, das Ortsmuseum und das winzige, orthodoxe Kirchlein. Die katholische Kirche will er uns nicht zeigen, über die falschgläubige Konkurrenz redet man lieber nicht.

Die öffentlichen Kommunikationsmittel sind nicht mehr auf dem letzten Stand der Technik, doch besitzt hier fast jeder sein telefonino.

Abstieg durch die blumenreichen Weiden des Aspromonte. Die kalabresischen, krummhörnigen Ziegen waren leider eher dem Fressen als den Touristen zugewandt.

Nachtessen in der Azienda: Als Primo frische, hausgemachte Fileja calabrese mit Ceci, Tomatensauce und Ziegenschmorsud. Bestreut mit geriebener Ziegenricotta salata. Hauptgang: (Unmengen) von zart geschmortem Ziegenfleisch.

Wird fortgesetzt.

27 Kommentare zu „Aspromonte (2): Gallicianò“

  1. Lieber selten als nie: einen grossen Dank für die immer wieder so unterhaltsamen und infomativen Reiseberichte – grad wenn man solche wunderbaren Wanderungen nicht mehr machen kann, ist es doppelt schön. D

    1. ich halte meine Eindrücke hier gerne fest. Der Blog ist ja sozusagen mein Tagebuch. Ich war mir nicht sicher, ob ich all diese Wanderungen durchhalte, aber die (wanderfreudige) Gruppe spornt einen an, wenn man schlapp machen will.

  2. Die Gegend ist ein Traum von 1984. Urlaub in Brancaleone und von dort im Aspromonte gefahren. Ohne Internet, privat unterwegs und kaum Information war das eher abenteuerlich.
    Die Früchte der Opuntien sind sehr lecker!! und für mich damals ein Novum.
    Ach ja, Rotwein wurde mit Cola gemischt und getrunken, Tomaten in großen Fässern zur Haltbarkeit für den Winter über Stunden gekocht. Damals ein Abenteuer und ich hätte so gerne die blühenden Frühlingswiesen erlebt.

  3. So viel Schönheit! Aber hart erkauft mit eiskalten Fußbädern. Sicher auch eine Erfrischung nach langer Wanderung. Ich nehme an, dass euer Gepäck transportiert wurde.
    Schönen Sonntag.

    1. wir waren vorgewarnt. Frotteetuch und Badeschlappen waren im Rucksack. Wir waren jeweis 2 Nächte am selben Ort. Gepäck wurde mit den Kleinbussen transportiert. LG

  4. Ließt sich wie ein Roman für Feinschmecker! Wunderbar! Ich bin auch Fan von Peter Maile! Hotel Pastis etc! Freue mich schon auf die Fortsetzung

  5. auch von mir danke fürs Mitnehmen nach Kalabrien! Wir waren vor Jahren im Februar dort unten im Süden, am Aspromonte oben viel Wind und Unmengen an Schnee, weiter unten Bergamotten auf den Bäumen…

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