Archiv der Kategorie: Besuch in..

CH-9063 Stein: Wo der Appenzeller wächst

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Typisches Appenzellerhaus in Gonten

Auch wenn es zu Appenzellerkäse in meiner Familie verschiedene Ansichten gibt, genau genommen zwei, möchte ich mir doch eingestehen, dass ich die Gegend dennoch sehr gerne bereise. Diesmal ins Ausserrhodische nach Stein. Das war noch vor unsern Ferien. Wegen der langen Anreise hatten wir in Herisau Mittagshalt gemacht, in einem Restaurant, das auf seiner Internetseite Gemüsecurry im Reisring im Angebot hatte. Was nimmt man doch für die Beste aller Ehefrauen nicht für Entbehrungen auf sich. Das Appenzellerland ist hügelig, stotzig gings den Berg hinauf. Wunderschöne Rundumsicht, ein Panoramarestaurant, alles sehr modern, nichts mit heimeliger Käseschnitten-Romantik. Sehr freundlicher Empfang, aber leider kein Gemüsecurry auf der Tageskarte. Kein Problem, machen wir für Sie. Wie oft passiert einem das in der hiesigen Gastronomie ! Als Vorspeise assen wir Pfifferlinge mit Taglierini, das Getränk war ein frischer grüner Veltliner, das Dessert ein Steirisches Vanilleeis. Alles sehr gut, beim Eis war die Portion etwas gar üppig bemessen. Das Wirteehepaar Seifried stammt aus Oesterreich. Dort weiss man, was Gastfreundschaft ist.

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Restaurant Rüti. Bequemer Ausblick über Herisau
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Gemüse-Frucht-Curry

Hernach gings nach Stein. Hier gibts neben ein paar Holz- und Beton-Brücken den hübschen Dorfkern aus dem 18. Jahrhundert mit Kirche aus dem Jahre 1749 zu sehen.

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Ländliche Idylle: Dorf Stein
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Alte Wohnhäuser im Appenzeller Stil

Und dann eben die vielbesuchte Appenzeller Schaukäserei. Von der Galerie aus kann man, getrennt durch Glas, dem Käsen zusehen:
Unter ständigem Rühren wird die Milch auf die Einlabungstemperatur von 31°C erwärmt, Lab und Milchsäurebakterien zugegeben. Nach 30-40 Minuten gerinnt die Milch, die Dickete, die anschliessend mit der Käseharfe zu maisgrossen Körnern, dem Käsebruch, geschnitten wird. Dieser wird weiter erwärmt, bis er die notwendige Festigkeit besitzt.

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Käsekessi

Danach wird die Bruchmasse in die runden Formen der Presswanne gepumpt und zu frischen Käselaiben gepresst. Sobald genügend Sirte abgepresst ist, werden die Laibe automatisch und pneumatisch auf die Abtropfgestelle gelegt.

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Press- und Hebevorrichtung, vollautomatisch

Grundlage für die Rindenbildung ist das Salzbad. In den Käsekellern vollzieht sich dann die Reifung bei 14-15°C und bei einer relativen Luftfeuchte von über 90%. Die Käselaibe werden regelmässig gewendet und mit der geheimnisvolle Kräutersulz gepflegt.

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Das vollautomatische Käsehochregallager

Der obligate Besuch im Käseladen, pardon „Shop“. Wozu schleppt man bei warmem Wetter eine Kühlbox mit sich herum.

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Nach soviel Käse gings über Stock und Stein, bzw. über Heiden und Wiehnacht (bald ist Weihnachten !) hinunter an den Bodensee zum wohlverdienten Bier zu Salzbrezen und Radi, wie immer, wenn wir in der Gegend sind, im Frohsinn in Arbon.

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Quellen zur Käsebereitung: Flyer der Appenzeller Schaukäserei

Und weil die zorra wie der Dirk auch schon im Appenzellischen waren, folgen hier die links auf ihre Beiträge: Kochtopf und cucinaepassione.

CH-4302 Augst: Augusta Raurica

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Augusta Raurica: Aussenmauer des antiken Theaters

Die Gemeinde in der Nähe von Basel trägt den Namen des ersten römischen Kaisers Augustus (63 v. Chr-14 n.Chr.). In der Folge der Eroberung der Zentralalpen und Ausweitung der Reichsgrenzen bis zu Rhein und Donau kam es hier um 15 v. Chr. zu einer Koloniegründung. Soldaten wurden nach dem Ende ihrer Dienstzeit als Veteranen mit einer Landparzelle abgefunden und in den neu eroberten Gebieten angesiedelt. Jede Kolonie verfügte über ein beträchtliches Umland mit mehreren Siedlungen und Gutshöfen.

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Augusta Raurica: Säulenreste

Augusta Rauricorum liegt auf einer Hochfläche, nahe des Rheines. Der Ort entwickelte sich zu einer lebhaften, römischen Stadt mit zeitweise über 10’000 Einwohnern. Während der langen Friedenszeit vom 1. bis zum 3. Jahrhundert n.Chr. wurde Augusta Raurica zu einem wichtigen Wirtschafts- und Handelszentrum. Die Stadt lag am Knotenpunkt von drei wichtigen Verkehrsrouten. Hier trafen sich die Süd-Nord-Verbindung über den Grossen St. Bernhard in die nordwestlichen Grenzgebiete des Reiches, die West-Ost-Verbindung von Gallien an die obere Donau und nach Rätien. Ein Grossteil des Personen- und Warenverkehrs gelangte hier an den Rhein, der selbst einen wichtigen Verkehrsweg bildete. In der Antike wurden Güter, wenn immer möglich, auf dem Wasserweg transportiert.

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Augusta Raurica: Halbrund des Theaters
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Augusta Raurica: Blick durch das Theater auf das gegenüberliegende keltische Heiligtum

Augusta Raurica bot seinen Einwohnern alles, was zum römischen Leben gehört. Blühendes Handwerk, Kunstschaffen, Delikatessen aller Art: Schinken, Speck, Brot, Wein. Zur Unterhaltung gab es für die Gebildeten ein Theater, für die Unterschichten ein Amphitheater, verschiedene Foren, gedeckte Einkaufszentren, diverse Tempel, mehrere öffentliche Bäder und eine unterirdisch geführte Kloake.

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Augusta Raurica: Gang durch die Kloake

Die verkehrsgeografische Lage und das fruchtbare Umland brachten der Stadt bis gegen die Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. einen kaum unterbrochenen Aufschwung. Das überbaute Gebiet umfasste schliesslich mehr als 100 ha. Siehe Stadtplan

Ein Grossteil der Bevölkerung der Kolonie lebte in den zahlreichen Gutshöfen der näheren und weiteren Umgebung. Was diese Gutshöfe über ihren Eigenbedarf hinaus produzierten, wurde in der Stadt gehandelt oder weiterverarbeitet. Archäologisch belegt sind neben Händlern insbesondere Bäcker, Metzger, Gerber, Beindrechsler und -schnitzer, die alle auf landwirtschaftliche Erzeugnisse angewiesen waren. Aber auch das Kleingewerbe lässt sich belegen, u.a. durch Töpfer, Ziegler, Bronzegiesser, Schmiede, Maler, Schreiner und Zimmerleute und Glasbläser.

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Augusta Raurica: rekonstruierte Getreidemühle in der Bäckerei
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Augusta Raurica: Holzbackofen

Im Mittelpunkt römischer Koloniestädte stehen stets öffentliche Bereiche und Bauten. Jedes wichtige Gebäude erhielt seinen Platz angewiesen. Zentrum der Stadt war der Marktplatz (forum) mit Jupitertempel und Rathaus (curia). Während die Gebäude in de Gründungsjahren noch mehrheitlich aus Holz erstellt waren, wurden ab den Jahren 50-80 n. Chr., hauptsächlich in Stein gebaut.

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Augusta Raurica: Grundmauer der curia
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Augusta Raurica: Jupitertempel als 1:1 Maquette
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Augusta Raurica: eines der im Keller der curia gezeigten Mosaike
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Gerümpelschuppen mit antiken Stützen

Die Gründe für den Niedergang der Koloniestadt sind vielfältig. Die Krise des römischen Reiches führte zwangsläufig auch in der Provinz zu einem politischen, wirtschaftlichen und sozialen Niedergang. Mit dem Fall des Obergermanisch-Rätischen Limes im späten 3. Jahrhundert n.Chr., musste die Reichsgrenze aufgrund des militärischen Drucks der nach Süden drängenden Germanen wieder an die Ufer von Donau, Iller und Rhein zurückgenommen werden. Die häufigen Alemanneneinfälle führten zu massiven Zerstörungen in der Oberstadt, zu einer Abnahme und Verarmung der Bevölkerung. Manche der Verbliebenen zogen sich in den Schutz des inzwischen stark befestigten Kastells am Rhein zurück.

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Augusta Raurica: Statue eines Bürgers aus echtem Stein gehauen

Das Ende der Römerzeit an der Rheingrenze begann mit dem Abzug der Truppen im Jahre 401. Doch lassen sich  römische Traditionen und Strukturen bis ins frühe Mittelalter nachweisen. Augusta Raurica diente der Stadt Basel über Jahrhunderte als Bezugsquelle für behauene Steine.

Noch heute lassen sich bei einem verstohlenen Blick in die Gärtchen der Einfamilienhäuser im heutigen Augst wahre antike Kunstschätze entdecken. Kunst ist eben zeitlos  ;-).

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Statue einer Bürgerin, aus Kunststein

Quellen:
Augusta Raurica

CH-6403 Küssnacht: Durch diese hohle Gasse muss sie kommen…

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…es führt kein andrer Weg nach Küssnacht.
Hier Vollend ichs – Die Gelegenheit ist günstig.
Dort der Holunderstrauch verbirgt mich ihr,
Von dort herab kann sie mein Blitz erlangen,
Des Weges Enge wehrt den Gaffern.
Mach deine Rechnung mit dem Himmel, Frau,
mit etwas Glück wird es nicht regnen
Denn heut will ich den Schnappschuss wagen,
und das schönste Bild mir
Im ganzen Umkreis des Gebirgs gewinnen.
auf dass wir still und harmlos weiterziehen können,
Denn fünf nach fünfe fährt das Schiff
Nach einem Bierchen ziehn wir unsres Weges fort,
Böses denkt, wer denkt an Mord.
(frei nach Schiller)

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Tells Kapelle

In der Hohlen Gasse soll Wilhelm Tell 1307 den habsburgischen Landvogt Hermann Gessler erschossen haben. Nach Aegidius Tschudi (1505-1572), dem ersten Schweizer Geschichtsschreiber, wurde um die 1530 zur Erinnerung an die Tat an der Hohlen Gasse ein Heilig Hüsli (Kapelle) erbaut, die 1638 vollständig neu errichtet wurde. Die heutige Hohle Gasse war einmal die Strasse von Küssnacht nach Immensee. Als der Verkehr zunahm, wurde 1937 eine Umfahrungsstrasse gebaut, welche die Hohle Gasse vom motorisierten Strassenverkehr entlastete. Die alte Strasse wurde mit Steinblöcken verengt.

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Küssnacht: Rathaus 1, erbaut 1728 als Pfarrhaus
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Rathaus 1 und Rathaus 2 (1725 erbaut als Wohnhaus für den Sigrist und den Schulmeister)

Der ach so romantische Name Küssnacht lässt sich ganz banal auf eine Siedlung des römischen Gutsherrn Cossinius zurückführen, die um das Jahr 830 dem Kloster St. Leodegar in Luzern vermacht wurde. Später nahm der Einfluss von Luzern ab, als sich die Schwyzer hier festsetzten und noch vor dem Sempacherkrieg eine Zollstätte errichteten.

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die barocke Pfarrkirche St. Peter und Paul und der alte Dorfkern von Küssnacht

1424 wurde Küssnacht ein Bezirk des Kantons Schwyz mit eigenem Rat und Gericht. 1833 und 1847 führten parteipolitische Kämpfe zu kurzzeitigen Besetzungen durch Schwyzer- und Tagsatzungstruppen. Küssnacht galt von jeher als berühmte Reisedestination. Goethe und Uhland statteten Küssnacht einen Besuch ab. Auch der bayrische König Ludwig II. sowie der portugiesische König Dom Luis weilten hier. Die belgische Königin Astrid verunglückte 1935 in der Nähe. Was die hier alle suchten, ist mir nicht bekannt. Die Aussicht auf den See ist zwar durchaus hübsch. Der Seeplatz ist jedoch mit Autos verstellt. Das Luzerner Eichhof-Bier aus dem Heineken-Konzern ist trinkbar. Am Seeplatz und im Unterdorf liegen mehrere Gasthöfe, Bürger- und Fachwerkhäuser. Alle proper und nett.

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Das Bi Chilen Huus, 1620
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Engel. Hier logierte Goethe am 7. October ano 1797 eine Nacht
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an Gasthäusern fehlts hier wahrlich nicht
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Sogar dem Bierschaum war zu heiss
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und wo getrunken wird, wird auch Alphorn geblasen (oder umgekehrt)

CH-8252 Schlatt: Paradies statt R(h)einfall

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Rheinfall, viel Wasser, ungeheuer viele Menschen, und doch keiner zu sehen

Bei schönem, warmem Wetter wollten wir nach der Schneeschmelze wieder einmal an den Rheinfall. Fallendes Wasser wäre genug da gewesen, das den Besuch gelohnt hätte. Doch seit unserm letzten Besuch vor etwa 20 Jahren scheint der Rheinfall ein „must“-Besuchsziel vieler Europareisender aus China, Japan und Amerika geworden zu sein. Heerscharen von Touristen belagerten die Uferpromenade. Das Restaurant im Schlössli Wörth war völlig ausgebucht. Nichts für uns. Bild geknipst und weg von hier. Die Schaffhauserin Frau L. wusste Rat, Mittagessen in dem bei Touristen kaum bekannten Restaurant Paradies, etwas oberhalb Schaffhausen direkt am Rhein gelegen.

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Restaurant zum Paradies

Hier liess sich im Schatten von Kastanien behaglich, direkt am Wasser speisen: einfach, gut, friedlich, ohne Menschenmassen.

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Rhein mit Kursschiff und Tellergericht

Das Klostergut Paradies wurde im Jahre 1253 als Frauenkloster des Klarissenordens gegründet, finanziert mit einer Spende von Graf Hartmann IV. von Kiburg. Wie die meisten Klöster war auch das Paradies Selbstversorger und somit auf einen landwirtschaftlichen Gutsbetrieb angewiesen. Der Gutsbetrieb des Klosters Paradies umfasste vor der Säkularisation um 1803 rund 500 Hektaren Wald, Äcker und Wiesen.

1330 erwarb das Klostergut in der Stadt Schaffhausen das Burgrecht und geriet allmählich unter städtische Verwaltung. Während der Reformation hob die Stadt Schaffhausen das Kloster auf. 1574 teilte die eidgenössische Tagsatzung dessen Rechte und Güter auf und beendete damit jahrelange Streitigkeiten.

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Klosterhof

1578 erfolgte die Neugründung durch die fünf katholischen Orte (Kantone), 1587 wurde es nach einem Brand wieder aufgebaut. 1799 erlitt das Paradies erhebliche Verluste durch Kriegsschäden und Requisitionen. Im Zuge der Aufhebung der Klöster im Jahre 1836 wurde der Klosterbetrieb nach dem Tod der letzten Äbtissin erneut eingestellt.

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Süd-West-Flügel des Klosters
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Ost-Flügel mit Kirche

Nach der Säkularisierung wurde das Gut vom Kanton versteigert. Nach verschiedenen Besitzerwechseln erwarb die Schaffhauser Eisengiesserei Georg Fischer AG im Kriegsjahr 1918 das Klostergut samt der damals noch etwa 50 Hektar grossen Landwirtschaftsfläche, um ihre Arbeiter mit Nahrung und Unterkunft zu versorgen. 1952 wurde die Anlage restauriert, 1974 ein Ausbildungszentrum im Klostergut eröffnet und das Restaurant Paradies am Rhein als öffentliche „Betriebskantine“ hinzugekauft.

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Mühle und Säge waren Teil des Gutsbetriebes
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Der Brunnen aus Eisenguss dürfte wohl aus der Giesserei GF stammen
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Die 1726 barock umgestaltete Klosterkirche wurde 2001-02 vollständig restauriert

Am Rhein erinnert ein Gedenkstein an 55 Jahre Kriegszustand. Immerhin sinds keine 1000 Jahre geworden.

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Kriegsende 1994

Quellen:
GF Klostergut Paradies
wiki Paradies
HSL Paradies

Basel Tattoo 2012 Parade

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Gestern Samstag war ich, wie schon die Jahre vorher, an der Basel Tattoo Parade. Etwas Sonne, Regen, dann wieder Sonne. Hier ein paar Bild-Impressionen, auf dem Titelbild demonstriert die New Zealand Army Band, Neuseeland, ihren berühmten Maoritanz.

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Echte Schotten mit pipes and drums
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Schweizer-Schotte in gravitätischem Schritt

noch mehr Schotten, die Röcke jedoch etwas kürzer:

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Lochiel Marching Drill Team Neuseeland
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Präsidialorchester des Dienstes des Kdt. des Moskauer Kremls
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Ehrengarde des Präsidentenregiments der Russischen Föderation
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noch ein paar Russen
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unzweifelhaft Japaner, die A.I.T. Meiden High School Band Japan
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Schlummerrolle, Tornister und Gamelle der Vieux Grenadiers de Genève
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Ein Zunftherr der Källerwäntelezunft
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Ein wackrer Eidgenoss mit Häkelöhrchen. Berittene Artilleriemusik Solothurn
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Historische Radfahrerkompanie mit modernem Göppel und ebensolcher Panzerfaust
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Top Secret Drum Corps aus Basel, wie immer ein Höhepunkt

CH-6285 Hitzkirch: Gefallene Engel

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Megalithturm von Richensee, erbaut nach 1237 von den Kyburgern

Die Ebene zwischen Hallwiler- und Baldeggersee ist schon seit 8000 v. Chr. besiedelt. Zwischen 400 v. Chr. bis ca. 500 n. Chr. wanderten nacheinander Kelten, Römer und Alemannen ein.
Die Grafen von Kyburg erwarben um 1237 vom Stift von Beromünster ein Grundstück in Richensee. Die Handelswege von Nord nach Süd verliefen durch das Seetal, somit war der Ort geeignet, die Kaufleute durch Zölle zu schröpfen. Die Kyburger veranlassten den Bau einer Turmburg samt Stadtmauer und Städtchen. Nach dem Aussterben der Kyburger erbten die Habsburger Richensee. Richensee war durch eine Stadtmauer befestigt, erhielt Stadt- und Marktrechte. Das Dorf hielt jährlich vier Märkte ab und wurde Amtshauptort.

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Richensee: Die alte Schmitte, frühes 15. Jahrhundert

Im 14. Jhdt. begann die Stadt Luzern damit, sich das Umland zu unterwerfen. Rothenburg, Baldegg, Grünenberg, Nünegg und Oberreinach waren von den Luzernern bereits zerstört worden. Das Städtchen Richensee beugte sich den Stärkeren, sagte sich vom österreichischen Herzog Leopold III von Habsburg los, und verband sich mit Luzern. Das liessen sich die Habsburger nicht bieten, am 9. Februar 1386 wurde in Richensee gemordet und gebrandschatzt. 5 Monate später war das österreichische Heer bei Sursee komplett versammelt und wurde bei Sempach vernichtend geschlagen. Richensee verfiel der Bedeutungslosigkeit eines kleinen Bauerndorfes. Zu sehen gibt es den Megalithturm der Kyburger mit einer Mauerdicke an der Basis von 3.5 Metern, aus weitgehend unbehauenen Steinen (Megalithen) erstellt. Der Turm trug vor seiner Zerstörung einen Obergaden aus Holz, der die Wohnräume enthielt. Die alte Schmitte, früher das Zehntenhaus, ist das älteste Haus in Richensee. Nach der Zerstörung 1386 wurde das Haus wieder aufgebaut.

Ab 1425 gehörte Richensee zum Freiamt und wurde von den sieben (später 13) alten Orten der Eidgenossenschaft gemeinsam verwaltet. 1803 wurde Richensee dem Kanton Luzern zugeteilt. Danach beteiligte sich Richensee am Bau der Seetalbahn und verschuldete sich dadurch sehr tief. Deshalb entschloss sich der Kanton die Gemeinde Richensee aufzulösen. Richensee wurde mit der Nachbargemeinde Hitzkirch zusammengelegt Auch wenn der Name zur meteorologischen Lage passt. Hiltischilche hiess der Ort im Frühmittelalter.

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Deutschordenskommende Hitzkirch mit Barockgarten

Die Deutschordenskommende ist heute eines der ältesten Gebäude in Hitzkirch. Die Kommende wurde 1237 vom Kyburger Ordensritter Konrad von Tüffen gegründet, der Hof und die seit 1084 bestehendeKirche erwarb. Ab 1245 bis 1806 wurde das Deutschordenshaus immer von einem Komtur geleitet. Unter der Leitung der Deutschordens-Kommende Hitzkirch trat 1528 das Tal zum neuen, reformierten Glauben über, wurde aber durch die katholischen Innerschweizer Kantone bereits 1532 gewaltsam wieder rekatholisiert. Dabei wurden die Gebäude zerstört. Deutschordensbaumeister Bagnato erbaute die Kommende neu, wobei sie erst 1744-68 ihre endgültige Form erhielt. 1806, nach dem Aussterben der letzten Ordensmitglieder, riss der Kanton Luzern das Gebäude an sich und nutzte es erst als Lehrerseminar, ab 2007 als interkantonale Polizeischule.

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Hitzkirch: Pfarrkirche St, Pankratius

1237 erfolgte durch Ritter Konrad von Tüffen, einem Ritter des Deutschritterordens der Bau der ersten Kirche. Im weiteren Verlauf der Geschichte wurde die Kirche mehrere Male Richtung Westen und Osten erweitert. 1679 wurde die heutige Kirche unter dem Deutschordenspriester Jeremias Schmid von Grund auf neu erstellt. Sie hat ihre äussere Form bis heute beibehalten und wurde letztmals unter Architekt Hanauer 1914/18 erweitert. Auch der Kirchturm wurde im Fundament gefestigt und vom einstigen Käsbissenturm zur heutigen Form geändert.

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An der Stirnseite des Dorfbrunnens steht ein mächtiges granitenes Kreuz, in dessen Sockel unter anderem zwei gekreuzte Skelettknochen und ein Totenschädel eingemeisselt sind; Zeichen, dass in diesem Dorf vor Zeiten die Pest ihre Opfer gefordert hatte.

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Hitzkirch: Dorfbrunnen

Das erste Haus am Platz, ein zur Pizzeria-Pub gefallener Engel, vermochte unsern bescheidenen Ansprüchen nicht zu genügen. Wir zogen es vor, zuhause zu essen.

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Gefallener Engel

Im Ortsteil Mosen kauften wir im Hoflädeli der Frau Isenschmid wie schon so oft, Salat, Kefen, Him- und Erdbeeren.

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Im Hoflädeli: Aufrechter Engel beim Kirschenpflücken vom Kastanienbaum

Quellen:
wiki Richensee
wiki Hitzkirch

D-79837 St. Blasien: Pantheon im Schwarzwald

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Auf den Heiligen Blasius ist Frau L. nicht gut zu sprechen. Wenige Tage, nachdem ihr als Kind der Blasiussegen verabreicht wurde, erkrankte sie an Diphterie und wurde für ein paar Wochen in Quarantäne gelegt. Dabei hätten die gekreuzten, brennenden Kerzen sie doch vor Halskrankheiten und allem Bösen bewahren sollen. Aber wir sind nicht nachträgerisch, auch Heilige haben ihre schlechten Tage. So haben wir ihn, bzw. seinen Dom im südlichen Schwarzwald aufgesucht. Dass am Weg dorthin ein Fabrikladen der schwäbischen Wäschefabrik liegt, will ich nicht unterschlagen. So waren am Ende des Tages der Heilige, Frau L. und Herr L. höchlichst zufrieden.

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Der Märtyrerbischof aus Sebaste, Armenien, als moderne Brunnenfigur (1714)

Im waldigen Albtal im südlichen Schwarzwald liessen sich schon im 9. Jahrhundert Mönche nieder. Schenkungen adliger Familien erlaubten im 11. Jahrhundert die Gründung einer Abtei und den Bau eines romanischen Münsters. Nach dem Anschluss an die Cluniazenserbewegung fand das Kloster einen grossen Zulauf an Mönchen und Brüdern, so dass das bestehende Kloster durch einen grössern Neubau auf dem heutigen Gelände des Doms ersetzt weden musste. Die folgenden Jahrhunderte brachten Brandkatastrophen, Pest, Um- und Neubauten in dem der jeweiligen Epoche entsprechenden Baustil, also von romanisch bis Baock. Im dreissigjährigen Krieg flohen die Mönche zeitweilig in die nahe Schweiz. Bis in die 1760er Jahre entstanden weiträumige, barocke Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude. 1768 zerstörte ein Gross-Feuer Teile der Klosteranlage und das Münster. Der rührige Fürstabt Martin II Gerbert liess die Klosterbauten weitgehend auf dem alten Grundriss wiederherstellen.

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Der Dom mit den gestutzt geratenen Seitentürmen

Beeindruckt von Kuppelbauten und dem damals neuen, klassizistischen Baustil, die er auf Reisen nach Rom und Paris gesehen hatte, beauftragte Gerbert den Franzosen Pierre Michel d’Ixnard aus Nîmes, eine gewaltige Rotunde, ein Pantheon ins einsame Schwarzwaldtal zu stellen. 1772 entworfen,  bereits 1781, trotz mannigfacher Querelen und Schwierigkeiten, eingeweiht.

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La Rotonda

Wer aus der Vorhalle in die Rotunde tritt, kann sich der harmonischen Wirkung von Grösse, Klarheit und Lichtfülle nur schwer entziehen. Das reine Weiss und die scheinbare Schmucklosigkeit der Innenarchitektur scheinen die Helligkeit zu reflektieren, gar zu verstärken.

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Die Kuppel mit Jugendstilmalerei

Nach der Aufhebung des Klosters 1806 wollte man die Kuppelkirche erst abreissen. Dagegen wehrte sich der damalige badische Baudirektor. So blieb der Dom als einfache Pfarrkirche weiterbestehen, bis er durch einen neuen Brand 1874 weitgehend vernichtet wurde. Zwischen 1878 und 1883 ließ der Großherzog von Baden die Außenkuppel wieder errichten. Aus Geldmangel in vereinfachter Form, mit Stahlträgern statt Holzfachwerk. 1910 wurde die Innenkuppel in Stahlbeton gespannt, 1913 die Kirche wieder eingeweiht. Den zweiten Weltkrieg überstand der Dom unbeschadet, wenn auch 4 Glocken dem Kanonenbau gespendet werden mussten. Die Kanonen wurden 1951 wieder zu Glocken umgegossen. Der immer gleiche Kreislauf.

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Der Chor, ein basilikaähnliches Langhaus mit Silbermannorgel im Hintergrund

Der ehemalige Mönchschor war zu Klosterzeiten von der Rotunde aus, dem Gebetsraum des Volkes, nicht einsehbar. Das Tonnengwölbe war früher mit Frauenfiguren geschmückt 😉

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Korinthische Säulen im Pantheon des Nordens

Mal sind es korinthische Elemente, an andern Stellen ionische. Alles passt und fügt sich harmonisch zusammen, sogar die modernen Stühle.

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Licht- und Schattenspiel im Gestühl

1977 brach erneut ein Grossbrand aus, der weite Teile des West- und Südflügels zerstörte. Die Feuerwehr konnte dabei wenigstens die Kirche retten. Die zerstörten Bauteile wurden aus Kostengründen teilweise nur in vereinfachter Form wiederhergestellt. 1981-1983 wurde die Kirche im Auftrag des Landes Baden-Württemberg umfassend renoviert. Dabei wurde eine glückliche Verbindung von Rekonstruktionen nach alten Bauplänen d’Ixnards und der vorhandenen Bausubstanz aus der Jugendstilzeit (1913) gesucht und gefunden.

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1988 wurde der Vorplatz neu gestaltet
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Die mächtige Klosteranlage mit zwei Innenhöfen
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Torgebäude der alten Abtei, heute Rathaus und Hotel

Nach einem wirkungslosen Blasiussegen vor Jahren heute Friedenschluss mit dem Heiligen: ein Bier als wahrer Segen. Kultur macht bekanntlich Durst.

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Tannzäpfle, der wahre Segen zum Abschluss

Quellen:
wiki Dom St. Blasien
Dr. Josef Adamek SJ im kleinen Domführer

CH-8400 Winterthur: Stippvisite in die Neuzeit

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Stadthaus, erbaut von Gottfried Semper, mit roter und gelber Giesskanne

Wir wollten einen Einkauf im nahen Flaach nur mal schnell benutzen, um nachzusehen, ob am gemeinsamen, alten Studienort immer noch dieselben, alten Labortische stehen: sie stehen immer noch. Für mich schaute zusätzlich noch ein kleiner Besuchsbericht heraus.

Anfangs des 19. Jahrhunderts wurden in und um Winterthur mehrere Firmen gegründet, die das Kleinstädtchen an der Eulach in das Industriezeitalter beförderten. Eine chemische Fabrik, die Maschinenfabrik Rieter, Spinnereien, 1834 die Eisengiesserei Johann Jacob Sulzer, später die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM).

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Der Kunst und Wissenschaft geweiht

Die veralteten militärischen Schanzen wurden um 1800 eingeebnet, später die vier nach Nord-Süd ausgerichteten Tortürme abgebrochen. Nun durfte sich die Bau- und Erweiterungswut ausserhalb der Stadtmauern austoben und der Stadt einen markanten Wachstumsschub bescheren. 1865 wurden dann auch noch die letzten vier, an der West-Ost-Achse gelegenen Tore, dem Durchgangsverkehr geopfert.

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Marktgasse

Seit 1467 die ehemalige Kyburgerstadt Winterthur durch die Habsburger an die Zürcher verpfändet wurde, war das Verhältnis der beiden Städte getrübt. Jahrhundertelang liess das starke Zürich die Unterlegenen ihre Übelegenheit durch Schikanen aller Art fühlen. Winterthur wurde in der Neuzeit aber immer bedeutender und entwickelte sich zu einer Wirtschaftsmacht. Innerhalb weniger Jahre vervielfachte sich die Einwohnerzahl (heute ca. 100’000). Die Stadt versuchte, sich durch mächtige private und öffentliche Repräsentationsbauten von Zürich abzugrenzen, so zum Beispiel mit dem Stadthaus, das vom berühmten Architekten Gottfried Semper (der mit der Semper-Oper in Dresden) erbaut wurde.

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Museum am Stadtgarten

Politisch stand Winterthur in Opposition zum Wirtschaftsliberalismus von Zürichs. Die Winterthurer Demokraten versuchten, mit einer eigenen Eisenbahngesellschaft (Schweizerische Nationalbahn) eine Paralell-Linie vom Bodensee bis zum Genfesee zu bauen. Die Absicht, Zürich ins Abseits zu setzen, scheiterte aber am Widerstand des Zürcher Eisenbahnkönigs Alfred Escher und dessen Nordostbahn.

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Haus zur Gedult in der Altstadt

Die zunehmend starke Industrialisierung von Winterthur führte zu Eingemeindungen umliegender Dörfer. Das Gesicht der Stadt veränderte sich zu einer Arbeiterstadt. Der grösste Teil der Arbeitsplätze war abhängig von der Metall- und Maschinenindustrie. Die Wirtschaftskrise 1930 traf die Stadt denn auch besonders hart, die Krise wurde jedoch im Konsens zwischen Sozis und Demokraten ohne grössere, politischen Grabenkämpfe ausgestanden. Nach dem zweite Weltkieg erfuhr Winterthur eine zweite Blütezeit, die aber mit der zunehmenden Globalisierung ein rasches Ende fand. Der damit einhergehende Abbau des industriellen Sektors führte zu einem starken Abbau der Arbeitsplätze, der jedoch zu einem guten Teil durch den Wandel zu einer  Dienstleistungs- und Handelsstadt aufgefangen werden konnte.

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Stadtkirche St. Laurentius. Dumme Perspektive, die Kirche hat zwei Türme

Die Altstadt besitzt die grösste zusammenhängende Fussgängerzone der Schweiz. Winterthur verfügt über eine bemerkenswerte Dichte an herausragenden Kulturinstitutionen, die teils von wohlhabenden Mäzenen aus Handel und Industrie begründet wurden. U.a. das Kunstmuseum, das Fotomuseum, das Museum Reinhart und die Sammlung Oskar Reinhart am Römerholz. Etwas ausserhalb liegt das Technorama, ein Museum über Technik und Wissenschaft zum Anfassen.

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Rathauspassage
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Einkaufsparadies Markthalle am Schluuch (Marktgasse)

Wo einst Schiffsdieselmotoren und andere Spitzenerzeugnisse der Schweizer Maschinenindustrie gebaut wurden, sind nun Lofts, Trendsportanlagen, Kartbahnen, Kultur, Kultuur, nochmals Kultuuhr und die dazugehörigen Lokale, Einkaufszentren und andere Freizeiteinrichtungen zu finden. Wo einst hart gearbeitet wurde, werden Dienstleistungen angeboten, wird gehandelt. Arbeiten lässt man in China. Ein Staat, in dem nur noch gehandelt und konsumiert, statt produziert wird, schafft auf die Dauer keinen Mehrwert für eine Volkswirtschaft. Siehe Griechenland. Die goldenen Zeiten sind vorbei, auch wenn das abgestellte Fahrrad anderes suggerieren möchte. Ich habs mir verklemmt, eine Speiche mitzunehmen. Wenn das ein jeder tun würde.

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Wohlstand: güldenes Veloziped

Die Sempersche Treppe zum Stadthaus, einst Sinnbild für den wirtschaftlichen Aufstieg, kann auch andersherum interpretiert werden. Oder sehe ich das nur zu pessimistisch ?

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Aufstieg oder Abstieg ?

Quellen:
Winterthur wiki

Ankunft Basler Staatswein 2011

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Wein, Kutscher und Pferde auf dem Münsterplatz

Anfang Juni gab sich die Bezirkskellerei Markgräflerland (Deutschland) zum siebten Mal die Ehre, den Basler Staatswein mit Pferdefuhrwerk im Basler Rathaus abzuliefern. 500 Flaschen. Nicht nur abzuliefern, sondern zu schenken. Und weil solche Geschenke in Basel nicht einfach kassiert werden, wird das Pferdefuhrwerk von einer zünftischen Abordnung Pfeifer und Trommler ehrenhaft empfangen und feierlich ins Rathaus geleitet. Unterwegs wird Wein ausgeschenkt. Als Gegenleistung für die 500 Flaschen verpflichtet sich die Stadt Basel, den Wein an Staatsbanketten und -empfängen auszuschenken.

Bei der Gelegenheit gleich ein Bild des eben renovierten Platzes geschossen. Menschenleer, weil sich alle um das Fuhrwerk bzw. den Gratisweinausschank samt Gratisbrezeln beim Pisonibrunnen drängeln.

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Menschenleerer Münsterplatz
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Domhof

Die Herren der Zunft zu Brodbecken (Bäckerzunft) scheinen in Würde erstarrt. Wäre die Badische Weinkönigin (wie früher auch schon) mitgelaufen oder -gefahren, würde der Umzug bestimmt weniger hüftsteif ausgesehen haben.

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Vertreter der Zunft zu Brotbecken, die vorderen Herren präsentieren Würde
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Die andern trommeln Trommel oder pfeifen Pfeife
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Schneller Blick auf den Basler Markt

Eigentlich wollte ich beim Entladen zuschauen, wurde aber von einem strengen Staatsdiener aus dem Keller gewiesen.

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Die wasserspeiende Brunnenfigur im Rathaushof scheint sich auch schon über den Wein zu freuen.

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Wasser statt Wein. Bäh.

Im Rathaushof stund alles bereit. Dort freute sich die Basler Staatsschreiberin im offiziellen Akt über das Geschenk und liess danach auch Vertreter des Bäckergewerbes, der Bezirkskellerei und ihrem Ableger in Basel, der Weinhandlung Wyhus am Rhy, zu Wort kommen, derweil ich mich lieber an das Gläschen Staatswein und den Speckgugelhopf der Zunft hielt.

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zum Empfang bereit, draussen vor dem Rathaus ist Samstagsmarkt

Der Staatswein stammt aus einer Parzelle am Isteiner Kirchberg, die früher jahrhundertelang im Besitz des Basler Fürstbistums war. Damals mussten die Winzer dem Bischof alljährlich ihren Zehnten abliefern. Da er auch für gewöhnliche Bürger gegen Bezahlung erhältlich ist, hab ich mir ein paar Fläschchen geleistet: ein leichter, guter, süffiger Sommerwein, der gefällt. Einzig das Staats-Etikett erinnert mich an den Kopf der Steuererklärung bzw. noch schlimmer, der Steuerrechnung. Was waren das doch goldene Zeiten, als man nur seinen Zehnten abliefern musste.

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CH-3047 Bremgarten BE: entlang der Aare

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Das Fahr von Reichenbach an der Aare

Unsere „Wanderung“ entlang der Aare begann an der Emme, genauer: in Burgdorf, im Restaurant Gedult.

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Danach wechselten wir den Flusslauf, bei Reichenbach, nahe bei Bern, fanden wir die junge Aare. Reichenbach gehört zwar zu Zollikofen, aber wen stört das schon, wenn das Wasser so schön blau ist ?

In Reichenbach steht ein Schloss. Früher eine einsame Burg an einem der Aarebogen, in der der Sieger der Schlacht bei Laupen, Rudolf von Erlach, 1360 in hohem Alter verstarb oder ermordet wurde, so genau weiss man das nicht mehr. 1683-1688 wurde die trutzige Burg vom Berner Patrizier Beat Fischer zu einem Schloss in hochbarockem, französischem Stil umgebaut. Beat Fischer war der Gründer des Postwesens in der alten Stadt und Republik Bern. Er baute die bernische Post zu einem der schnellsten Postdienste Europas aus und nutzte sein Informations-Netzwerk, um die erste Berner Wochenzeitung, die 1677 begründete Gazette de Berne herauszugeben. Für seine Verdienste wurde er 1680 von Kaiser Leopold I. mit dem erblichen Reichsritterstand geadelt. Die Postkutscher und -knechte stammten damals mehrheitlich aus Bayern. Als vorbildlicher Arbeitgeber liess er zu deren Erfrischung nördlich an das Schloss angrenzend eine Brauerei errichten.

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Schloss Reichenbach, von der Aare aus gesehen

1890 wurden Schloss und Brauerei an einen bayerischen Braumeister verkauft, dessen Rechtsnachfolgern Brauerei und Schloss noch heute gehören (Rugenbräu). Die Zufahrt zum Schloss ist eingerahmt von einem Sammelsurium von Gerümpel, Bierlastwagen, einem Getränkehandel, einem Brockenhaus, einem Autopneuhändler, einer Schlosserei, Abstellräumen aller Art. Herr Beat von Fischer würde sich im Grabe umdrehen, müsste er das noch mitansehen.

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Occasions-Terrine

Frau L. wurde im Brockenhaus fündig und schleppte mir eine Ententerrine an. Günstig, wahrlich, das war sie. Ich habe sie in unsern Zoo aufgenommen unter der Bedingung, dass ich sie einmal mit Ente befüllen darf. Schlaues Kerlchen !

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Blick auf die Aare

Wenn man die Zufahrt beim Fotografieren ausblendet, sieht das Schloss hingegen hübsch aus.

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Schlosseingänge mit Wappenfisch „von Fischer“

Anschliessend wandten wir uns Aareabwärts, nach Bremgarten. Der alte Kern von Bremgarten liegt auf einer Halbinsel in einer Aareschleife. Hier wurden in der Karolingerzeit (10. Jahrhundert) eine Kirche im romanischen Stil sowie eine Burg samt Burgstädtchen erbaut.

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Bremgarten: Kirchturm aus dem 13. Jahrhundert

Kirche, Burg und Ortschaft bildeten in den beiden folgenden Jahrhunderten das Zentrum einer mittelalterlichen Herrschaft, welche die nordwestlich von Bern gelegenen Ortschaften umfasste und den Herren von Bremgarten gehörte. Die aufstrebende Stadt Bern eroberte 1298 Bremgarten, brandschatzte Burg und Kirche und verkaufte die Herrschaft 1306 an den in Münchenbuchsee residierenden Johanniterorden. Als Folge der Reformation von 1528 gelangte der geistliche Besitz erneut an die Stadt, die ihn 1545 an den Berner Patrizier Hans Franz Nägeli verkauft. Der baute die Burg zu einer Schlossanlage im Stil der Zeit um. Nach vielen Handwechseln wurde das Schloss im 18. Jahrhundert durch Albrecht Frisching, einem Professor der griechischen Sprache, in spätbarockem Stil weitgehend neu erbaut.

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Das neue Schloss des Albrecht Frisching. Zutritt verboten.

Reiche Berner erbauten hier habliche Landsitze. Bauernhöfe, Kleingewerbe und Kleinbauern siedelten sich an.

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Bauernhaus

Die kleine romanische Eigenkirche wurde im 12. Jahrhundert erweitert, der Turm 13. Jahrhundert hinzugefügt. Im 14./ 15. Jahrhundert wurde die halbrunde romanische Apsis durch ein hoch aufstrebendes, gotisches Chorhaus ersetzt.

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Kirche Bremgarten BE

Hoffentlich hab ich nichts vergessen. Schliesslich wohnt hier eine eifrige Leserin 😉

Tief unten an der Aare liegt die Neubrügg (Neue Brücke) die trotz ihres Namens die älteste erhaltene Holzbrücke im Kanton Bern ist. Die Neubrügg ersetzte 1534/35 eine im Jahre 1466 erbaute, ältere Brücke, die Aarburg mit Bern verband. Sie ist gedeckt und steht auf vier Steinpfeilern.

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Bremgarten: Neubrück

Früher war die Überwindung der Anhöhe nach Stuckishaus für Pferdefuhrwerke recht anstrengend. Für unsere Rösser kein Problem. Wenige Kilometer westlich lohnt eine wunderschöne Aussicht den Betrachter. Was sollen wir denn auf den Malediven ?

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Berner Panorama ob Meikirch

Quellen
Neubrügg wiki
Beat Fischer wiki
Bremgarten wiki

CH-3432 Lützelflüh: Besuch beim streitbaren Pfarrherrn

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Grabstein von Jeremias Gotthelf in Lützelflüh

Unsere Geranien kaufen wir immer im Emmental. Hier werden die Stecklinge ordentlich gezogen, sind feiss, gut angewurzelt und blühfreudig. Nach Überwindung von Last und Hitze der Autofahrt (auch schon wieder 4 Wochen her) setzten wir uns in Madiswil in den Schatten eines wilden Tieres, irgendeines Bären, Löwen oder Hirschen, assen Kalbsschnitzeli mit Spargeln an Orangenschaum. Nicht schlecht, leider entsprach der Empfang nicht dem Renommee und dem schönen Garten des Hauses. Danach gings in einem, dem wortgewaltigen Pfarrherrn aus Lützelflüh einen kurzen Besuch abzustatten. Alles was kursiv gedruckt ist, sind Zitate aus seinen Werken (Eugen Rentsch Verlag, Gesamtausgabe).

Ich glaube nicht, dass zwei zusammenkommen in der Welt, die sich nicht mehr oder minder ändern müssen, wenn sie glücklich bleiben wollen.

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Kirchenportal in Lützelflüh

Es ist ein grosser Unterschied, ob man mit Besonnenheit Schritt vor Schritt einem bestimmten Ziele zu durch das Leben gehe, seine Tage mit Weisheit zähle, wie Salomo sagt, oder aber, ob man sich willenlos treiben lasse durch äussere Anregungen und innere Gelüsten, hierherum und dortherum, jeden Morgen sturm aufwache, halbsturm den Tag verbrauche, ganz sturm endlich wieder ins Nest krieche. Wer Verstand hat, begreift dieses.

Unterhalb des Dorfes liegt die Kulturmühle, „Herr behüt diese Mühle vor Sturm und Wind, und vor Gesellen die langweilig sind”. Der Hausspruch steht im 1. Stock über dem Eingang der 1821 erbauten Mühle, eine der schönsten Mühlen im Emmental.

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Kulturmühle Lützelflüh, eine der schönsten Mühlen des Landes

Wenn Ärger im Menschen ist, so macht er selten das Klügste, sondern gewöhnlich das Dümmste.

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Oberwasser am Mühlenkanal der Kulturmühle

Wie oft verglimmen die gewaltigsten Kräfte, weil kein Wind sie anbläst.

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Das ruhig sich drehende Wasserrad der Mühle

Ach, die gute Staatskasse, das ist ein liebenswürdig, geduldig Ding; wem die hold ist, ach, der ist eine glückliche Seele, dem ist für einen warmen Rock gesorgt, dem fehlen nicht Fischeli zMorge und Krebseli zNacht, ach, wie so eine Staatskasse auf so liebenswürdige und mannigfaltige Weise liebkosen kann ! Da ist kein Wunder, dass ihr die Liebhaber nie ausgehen…

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es tropft und gyxt

Wäre Bäbi ein Pfau gewesen, es hätte das Rad so schön geschlagen, dass es den Schweif sein Lebtag nicht wieder hätte zusammenziehen können.

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Keine Kulturmühle ohne Kultu(h)r

Es ist, ihr möget wollen oder nicht, das Haus der Spiegel eurer selbst.

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Bauernhaus ob der Kirche

Es ist sehr merkwürdig, wie zuverlässige Menschen ein Haus verlassen, das unzuverlässig wird, zu wanken anfängt, von einem flüchtigen Luftgeist besessen wird; es wird ihnen unheimlich darin, graulicht, sie laufen draus, und das flüchtige Gesindel zieht ein, wie an einen faulenden Baum aussen die Spechte klopfen und inwendig die Würmer sich lustig machen,

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noch ein Haus

Nahe dem Grabe zu stehen, ist für alle ein Greuel, die keine Hoffnung haben wie die Heiden, sondern bloss Durst und andere Lust.

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Der Mensch kennt alle Dinge der Erde, aber den Menschen kennt er nicht.

CH-8193 Eglisau: Städtchen am Rhein und andere Fundsachen

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Eglisau, Rheinfront, bei trübem Wetter

Wer von Schaffhausen herkommend mit der Bahn nach Bülach fährt, darf über die alte, in den Jahren 1895 bis 1897 durch die damalige Schweizerische Nordostbahn erbaute Eisenbahnbrücke fahren. Die ist 457 Meter lang und über dem Rhein 50 Meter hoch. Wer mit dem Auto kommt, muss sich die Brücke von unten ansehen.

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Eglisau: Eisenbahnbrücke der Nordostbahn

Älter ist das zur Eisenbahnbrücke gehörende Städtchen. Schon zu Kaiser Valentinians Zeiten standen hier Wachttürme am Rhein, hielten Wacht am Rhein und sicherten damit die Grenzen des spätrömischen Reiches. 700 Jahre später errichteten die Freiherren von Tengen am linken Ufer einen Wehrturm an der Rheinfähre. Die Stadt entstand später, etwa gleichzeitig mit der Brücke über den Rhein, 1248. Im Jahre 1542 wurde die Brücke erneuert und gedeckt, 1799 stritten sich Russen und Franzosen nach der Schlacht bei Zürich um den Besitz der Brücke und brannten sie nieder. „Wenn wir sie nicht kriegen, sollen die sie auch nicht besitzen“. 12 Jahre später wurde sie wieder aufgebaut. Doch genügte sie dem wichtigen Warenverkehr aus dem süddeutschen Raum Richtung Zürich bald nicht mehr. Die „Schwabenwagen“ brachten u.a. Korn, Wein, zuweilen Heringe und Glas aus dem Schwarzwald. Der steile Weg durch das enge Städtchen führte über die Brücke direkt in den Schlosshof und die Zollstation des linksufrig stehenden Schlosses Eglisau. Als 1919 durch den Bau eines Stauwehrs der Rheinpegel um rund 7 Meter angehoben wurde, wurde eine Umfahrungsstrasse mit einer höher gelegten Brücke notwendig, die alte Holzbrücke und das Schlossgebäude wurden abgerissen. Die alten Stadttore waren schon längst dem Zeitgeist geopfert.

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Untergasse bei Sonnenschein

Die Grund- und Gerichtsherrschaft lag bis 1463 bei den Freiherren von Tengen, die ihren Sitz in der vorderösterreichischen Hegau hatten. Zürich erwarb 1496 die Herrschaft Eglisau aus der Hinterlassenschaft des Freiherrn Gradner von Windisch-Grätz. Zürich respektierte die Selbstverwaltung der Landstadt und bestätigte 1510 das seit der Gründung bestehende Markt- und Stadtrechte.

Der historische Kern des Städtchen ist klein: zwei Gassen, teils mit spätgotischen Häusern. Aus dem 14. Jahrhundert datieren die Kernbauten des Hauses zum Törli, der Gasthöfe Krone und Hirschen, eindrucksvoll die Fassadenmalerei von 1662 am Gasthof Hirschen.

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Untergasse wolkenverhangen, links das historische Gasthaus Hirschen

Die mit der Stadt erbaute erste Leutkirche, eine romanische Saalkirche, war der Gottesmutter Maria geweiht. Sie wurde nach 1337 durch eine Kirche mit gotischem Chor ersetzt, die im 15. Jahrhundert reichen Freskenschmuck erhielt. Der Übertritt zur Reformation (Bildersturm) erfolgte 1523.

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Stadtkirche vom Kirchhof aus gesehen
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Eingangsportal der Stadtkirche
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Gasthof Hirschen an der Untergass

Im historische Gasthof Hirschen wollten wir Einkehr halten, gemäss angeschlagenen Öffnungszeiten hätte geöffnet sein müssen. Alles dunkel. Nachfrage an der Hotelrezeption ergab den Bescheid, dass man aufgrund des kühlen Wetters geschlossen habe, um 17 Uhr sei man wieder für uns da. Was Frau L. zur Bemerkung veranlasste, dass wir um 17 Uhr für das Restaurant nicht mehr da seien. Ein Glücksfall, so gerieten wir in das VIVI-KOLA-Cafe.

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im VIVI KOLA Cafe an der Untergass

Wiederbegegnung mit VIVI-KOLA, dem schweizerisches Kultgetränk unserer Jugend. Der braune Trank wurde erstmals im Jahr 1938 in Eglisau abgefüllt, geriet später in die Hände der Brauereigewaltigen des Landes, diese liessen das im Kampf gegen Coca-Cola unterlegene Getränk 1986 aus marktstrategischen Gründen fallen. Amerika, Du hast es besser. [wirklich ?] Vor zwei Jahren erwarb sich ein junger Eglisauer die Rechte an Rezeptur und Marke und lässt, im luzernischen Hinterland, wieder abfüllen. Angenehmes Café mit integrierter Kaffeerösterei, geröstet wird jeweils montags. Wir kehrten mit einem Harässli VIVI-KOLA heim.

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Reklame aus einer Zeit, in der man vom Arbeiten noch ins Schwitzen kam

Im Städtchen selbst geht es heute recht ruhig her und zu. Ganz anders vor der Stadt auf der heutigen Strassenbrücke. Laster um Laster donnert vorbei. Kies statt Wein, Korn und „vlämische Wolle“. Kies für die Betonhungrige Schweiz.

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Nur eine Katze, ist ja angeschrieben

Quelle:
Historisches Lexikon der Schweiz