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Der Doubs und seine Cousinen (26): La Seille

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La Seille. Nächste Cousine, neuer Bach. Oder umgekehrt. Das Bächlein Seille, das im Felsentalschluss des Cirque de Ladoye entspringt, kriegt nach wenigen Kilometern Verstärkung durch ihre Zwillingsschwester aus einem Seitental, die Seille de Baume, die ihrerseits von Dard, dem kleinen Bruder der Schwestern begleitet wird. Geschwisterlich vereint mündet das Trio nach 100 km Reise durch die Bresse südlich von Tournus in die Sâone und begegnet dort ihrem, mit Sâonewasser verdünnten Cousin zweiten Grades, dem Doubs. Kurz: furchtbar komplizierte Verwandschafts-verhältnisse.
Von Dole über Land her kommend, begegne ich dem Bach bei der Passage durch Arlay, einem historischer Ort, Liebhabern des vin jaune ein Begriff.

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Die alte Burg von Arlay

Seit dem 9. Jahrhundert existiert hier eine Burg, deren Bau einem fränkischen Edelmann zugeschrieben wird. 1269 gelangte sie in Besitz der Herren von Chalon-Arlay und Salins, den damals mächtigsten Herren des mittelalterlichen Jura in der Grafschaft Burgund. Die Ausbeutung der Salzminen von Salins sichertr ihren Wohlstand. Die damals noch salzarmen Schweizer waren für ihren Käse auf das weisse Gold aus dem Jura angewiesen. Doch hatte die Burg nicht lange Bestand. 1479 wurde sie von König Ludwig XI. auf dessen Rachefeldzug gegen Burgund zerstört. Die Chalon-Arlay-Linie war aber zäh, widerstand mit ihrem Wahlspruch „Je maintiendrai Chalon“ allen Anfechtungen, einer heiratete gar die Erbin des Fürstentums Orange und die Chalon-Arlay wurden zur Linie der Prinzen von Orange. Sein letzter Nachfahre Philibert wurde Vizekönig von Neapel und Heerführer von Kaiser Karl V.. Nach seinem Tod, 1530, in der Schlacht bei Pavia gegen den französischen König, Franz I,  fiel sein Erbe testamentarisch an seinen Neffen René de Nassau aus dem Hause Orange-Nassau.

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Rue du Bourg Dessus im alten Teil von Arlay
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La Chevance d’Or, Adelsquartier in Arlay aus dem 16. Jahrhundert

Doch letztlich setzten sich die Franzosen im Jura durch. Im Frieden von Nimwegen musste Habsburg-Spanien 1678 die Freigrafschaft an Frankreich abtreten. Nach jahrzehntelangen Erbstreitigkeiten willigte William III. von Nassau 1684 widerwillig zu, die Domaine d’Arlay an französische Adlige abzutreten. Frankreich anerkannte 1697 im Frieden von Rijswijk Wilhelms Herrschaft über die britischen Inseln und sicherte sich dafür einige Gebietszugewinne. Nach weiteren Rechtshändeln einigte man sich 1730 definitiv: Die neuen Besitzer behielten Arlay und die Nassau alle Titel. Deshalb nennt sich der heutige König der Niederlande, Willem-Alexander (der mit dem oranje Vollbart) u.a. Baron van Arlay.

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Chateau d’Arlay, 18. Jahrhundert

1770 kaufte eine Nachfahrin der Besitzerfamilie, Gattin des Prince d’Arenberg, das Areal um die alte Burg und liess 1774 ein neues Château mit romantischem Park erbauen und gestalten.

Während der französischen Revolution wurde das Schloss enteignet, die Ausstattung geplündert oder verschachert und die Gräfin um ihren Kopf gekürzt. 1825 gelang ihrem Enkel, Prinz Pierre d’Arenberg sich wieder in Besitz des Anwesens zu bringen. Er liess das leere Haus neu ausstatten und revitalisierte die heute rund 30 Hektar umfassenden Weinberge. Heutiger Besitzer ist ein Nachkomme, Graf Alain de Laguiche.

Auf alte Navigationssysteme ist heute noch Verlass, sie funktionieren auch offline.

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offline Wegweiser

An alten Wegen begegnet man immer wieder wunderschönen Alleen. Schattenspender ehemals für die Soldaten Napoleons. Schattenspender auch für mich.

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Platanenalle bei Arlay

In Voiteur, am Fuss von Chateau Chalon, gibt es nicht viel zu sehen, ein Schloss, von 1208 bis 1848 in Privatbesitz, danach gekauft von Ursulinerinnen, die hier ein Mädchenpensionat installierten. Heute ist darin eine Privatschule (Collège Privé Notre Dame De La Salette) untergebracht. Interessanter ist die Fruitiere vinicole de Voiteur, die Winzergenossenschaft mit guten Juraweinen zu anständigem Preis, die man ohne Reue auch verkochen darf.

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Schloss ohne Mädchen als Mädchenpension

Weiter, immer schön dem Bach Seille entlang:

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La Seille de Baume

Mein Ziel ist Baume les Messieurs. Ort einer Klostergründung aus merowingischer Zeit im siebten Jahrhundert. Die „cella“ war im neunten Jahrhundert der Abtei von Château-Chalon unterstellt. Im 12. Jahrhundert kontrollierte die Abtei in Baume acht Priorate und 65 Kirchen, verfügte über sprudelnde Einnahmen aus Weinbergen, aus Salinen in Lons-le-Saunier und Mühlen an der Seille.

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Abbaye Saint-Pierre

In ihrem Streben nach mehr Autonomie kam es zum Streit mit Cluny. Die Abtei musste sich den Cluniazensern unterwerfen. Kaiser Friedrich Barbarossa stellte 1153 den Rang der Abtei zwar wieder her, sie durfte  den Titel einer Reichsabtei (Abbaye impériale) tragen und erhielt Freiheiten in der Wahl ihrer Äbte. Die Abtei prosperierte bis ins 16. Jahrhundert. Im 30-jährigen Krieg erlitt die Abtei grosse Schäden, die Gemeinschaft zerfiel. Die monastischen Regeln wurden aufgelöst.

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Seille, Karstfelsen und Stützmauern

Die Säkularisation im Jahre 1759 beendete die Auseinandersetzungen: Der Papst machte die Abteikirche zu einer einfachen Stiftskirche  mit gewöhnlichen Kanonikern, meist aus Adelsfamilien. Aus dem Dorf, das sich ursprünglich Baume-les-Moines nannte, wurde ab 1759 Baume-les-Messieurs. Für die Bauern änderte sich nichts, sie waren nun statt den Mönchen den Herren tributpflichtig.

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der grosse Hof (cour abbatiale) aus dem 16. Jahrhundert. Im Hintergrund de mächtigen Karstfelsen der reculée de Baume.
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Kirche aus dem 11. Jahrhundert romanisch mit gotischen Kreuzgewölbe aus dem 15. Jahrhundert
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Gottvater persönlich aus dem 15. Jahrhundert begrüsst seine Schäfchen am Hauptportal

Die französische Revolution brachte das Ende der Feudalherrschaft. Der Besitz wurde zu Nationalbesitz erklärt und an Privatpersonen verscherbelt, die Stiftskirche wurde Dorfkirche. Der überflüssige gewordene Kreuzgang wurde im 19. Jahrhundert abgerissen.

 

Quellen: diverse Fundorte in wikipedia.

Der Doubs und seine Cousinen (25): Château Chalon

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Château Chalon, von Voiteur aus gesehen

La Seille. Die nächste Cousine. Ein kleines Bächlein, dem ich von Arlay bis Voiteur am Fusse des Burghügels von Chateau Chalon folge. Mehr über die Seille in einem der nächsten Beiträge.

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Die Katarakte von Arlay

Etwa 200 m hoch über der Ebene von Voiteur liegt Château-Chalon. Ein kleines, pittoreskes Bauerndorf mit rund 150 Einwohnern und eine vielbesuchte touristische Attraktion im südlichen Jura. Das Dorf liegt hart am Rand eines hohen Felsplateaus und dominiert die Weinberge von Nevy-sur-Seille, Voiteur und Menétru-le-Vignoble, die den Ruf der Weine von Château-Chalon, des berühmtesten der Juraweine, begründet haben.

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Chateau Chalon, hart am Abgrund

Ein grandioser Ort von atemberaubender, ewiger Schönheit. Hier spürt man den Atem einer langen, faszinierenden Geschichte.

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Chateau Chalon mit Kirche Saint-Pierre und dem Areal der ehemaligen Abtei
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Chateau Chalon mit Meerblick: Ein Bild des Künstlers Alain Plésiat

Die Weinberge von Château-Chalon und der umliegenden Dörfer wurden schon zu Zeiten der Sequaner, einem keltischen Stamm der Gallier, geschätzt und unter dem Einfluss des römischen Reiches weiter entwickelt.

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Blick auf die Rebberge von Menétru von Chateau Chalon aus
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Rebberg am Burghügel Mitte Oktober
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Savagnin

Die Festung Château-Chalon (eine der ältesten der Franche Comté) wurde im 9. Jahrhundert vom karolingischen Kaiser Karl II. dem Kahlköpfigen gegründet und im 13. Jahrhundert von Graf Jean I. von Chalon, dem Gründer des mächtigen Maison de Chalon-Arlay, wieder aufgebaut. Heute ist von der Festung ausser ein paar Steinmauern und dem verfallen Donjon nichts mehr zu sehen.

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Gemüse- und Blumengarten mit dem verfallenen Burgfried der einstigen Burg
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Wohnhäuser und Scheunen in Chateau Chalon
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Dorfbrunnen vor der Mairie
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Das Mittelalter ist nah

Während der karolingischen Zeit im 7. Jahrhundert wurde in Château-Chalon die Abtei von Château-Chalon errichtet, worin etwa zwanzig Ordensfrauen nach den Regeln des Benedikt lebten. Ab dem 13. Jahrhundert wurde die Abtei zum Damenstift, dem Aufenthaltsort nicht zur Verheiratung bestimmter,  jüngerer Töchter aus dem Hochadel der Comté. Mit der Versenkung in einen Stift ersparte sich die Familie die Mitgift. Die Kanonissen führten ein gemeinschaftliches geistliches Leben unter einer Oberin, waren aber nicht an die monastische Gemeinschaft gebunden. Ihr Vermögen und ihre Renten halfen mit, der Abtei einen grossen Landbesitz zu sichern, der dem einträglichen Weinbau gewidmet war. Die Abtei war der Kirche Saint-Pierre de Château-Chalon angegliedert, die im 11. Jahrhundert auf den Grundmauern der ehemaligen Abteikirche Notre-Dame errichtet wurde.

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Saint-Pierre de Château-Chalon
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Maison du Froid-Pignon (Maison de la Haute Seille). Ehemals Hotel der Abtei.

Die Französische Revolution fegte die Stiftsdamen weg. Von der prächtigen Abtei sind nur noch Reste erhalten, wie der Eingang zur Abtei, die Grundmauern des Hauses der letzten Äbtissin, Mme de Stain de Watteville (auf gut Deutsch: vom Stein-von Wattenwyl, gewöhnliche Berner Aristokratie), Fassaden und ein paar umgebaute Häuser.

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Der ehemalige Zugang zur Abtei
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Nebenstrasse zwischen Chateau Chalon und Poligny

Auch für mich wird es Zeit zu verschwinden, bis nach Hause ist es noch weit und geht über kleine und enge Strassen, die ich den Schnellstrassen vorziehe, weil sie verkehrsarm sind, schön und immer wieder Überraschungen am Wegrand bieten.

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Carole I. die Gehörnte

[Meine Aufnahmen stammen von 2 Besuchen: September und Oktober]

Der Doubs und seine Cousinen (24): Arbois

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Arbois liegt nicht am Doubs, doch an einem kleinen Fluss, der Cuisance. Die beiden Karstquellen der Cuisance entspringen dem hufeisenförmigen Felsentalschluss Cirque du Fer à Cheval. Nach Arbois windet sich das Flüsschen munter durch den Jura, bis es bei Souvans, süd-östlich von Dole, in die Loue mündet. Die Loue selber vereinigt sich wenige Kilometer weiter unten mit dem Doubs. Die Cuisance ist somit eine Cousine des Doubs.

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Le Cirque du Fer à Cheval. Arbois liegt am Ausgang des Tales.

Wer vom nördlichen Burgund oder vom südlichen Doubstal wieder nach Hause fahren muss,  dem liegt Arbois fast immer am oder im Weg. Arbois lässt sich mit der N83 umfahren, aber wer will das schon, wo die Stadt doch Zentrum des jurassischen Weinbaus ist. Wo Reben wachsen, ist gut trinken. Wo gut getrunken wird, ist auch gut essen.

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Wo Reben wachsen, wachsen auch die Kirchtürme höher als anderswo

Die Appelation Jura (Arbois und 13 umliegende Gemeinden), die bedeutendste der jurassischen Weinbauregionen, misst rund 900 ha. Die jurassischen Weine sind in der Schweiz wie in Deutschland  jedoch schwer zu finden, doch wer danach sucht, wird immer fündig. Die jurassischen Weine sind nicht nach jedermanns Gaumen, man mag sie, oder eben nicht, kantige Charakterweine, um es mal so zu umschreiben. Wer den Jura liebt, wird sich früher oder später auch mit den Jura-Weinen befassen. Und wer gerne gut kocht, kommt an einem Vin jaune eh nicht vorbei.

Rund die Hälfte der Gesamtproduktion in dieser Appellation sind rote, autochthone Rebsorten wie Poulsard und Trousseau, Zechweine, die heute aber gegenüber dem Pinot noir einen schweren Stand haben. Zudem werden Roséweine erzeugt.

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Wein- und Festfreuden in der Altstadt von Arbois

Die Spezialität der Region ist der Vin Jaune aus der weissen Savagnin-Rebe, der im Geschmack an einen trockenen Sherry erinnert und 50 Jahre oder länger lagerfähig ist. Im Unterschied zu diesem wird jedoch der Vin jaune nicht aufgespritet, hat einen Alkoholgehat von rund 15%.
Nach der Vergärung des Mosts wird der Wein noch mindestens sechs Jahre und drei Monate in Barriquefässern gelagert. In dieser Reifezeit verdunsten bis zu 40 % des Weines. Die Fässer werden jedoch nie nachgefüllt, wie das sonst üblich ist. Auf der Oberfläche des Mostes bildet sich bald eine natürliche Hefeschicht, die den Wein vor übermäßiger, unerwünschter Oxidation durch die Luft schützt und seinen typischen Geschmack entstehen lässt. Aus einem Liter Most entstehen so 0.62 Liter Wein. Dass der Nenninhalt des Clavelins, der speziell geformten Flasche, die es nur hier gibt, 620 ml beträgt, ist kein Zufall.

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Beim Produzenten kommen die Clavelins gehäuft vor, passen aber auch hier in keine Schublade

Die mit der langen Reifezeit einhergehende Verdunstung und die Nachfrage erklären den hohen Preis des Weines, der etwa zwischen 25€ – 70€ liegt. Daneben werden noch andere Weissweine angebaut: Chardonnay, Vin de paille und Crémant.

Besuchenswert sind nicht nur die Weinhandlungen in und um Arbois, im 2-Sternelokal Maison Jeunet, das heute vom Belgier Steven Naessens geführt wird, isst und (wie man mir sagte) schläft es sich sehr gediegen.

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Lieu Jaune de Ligne et Coriandre, haricot coco et courgette, jus d’arêtes grillées beurré

An der berühmten Patisserie Hirsinger ist eh kein Vorbeikommen. Ich hab immer eine Kühlbox dabei.

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Eingangs von Arbois fährt man gleich nach der Brücke über die Cuisance am Elternhaus des hier allgegenwärtigen Louis Pasteur vorbei, näher dem Zentrum trifft man auf sein Denkmal und andere Reliquien. Pasteur wurde in Dole als Sohn eines Gerbers geboren und verbrachte seine Jugend im Elternhaus in Arbois, heute befindet sich ein Museum drin. Pasteur ließ das Gebäude mit der ehemaligen Gerberei seines Vaters umbauen und vergrößern, um sein Labor darin unterbringen zu können.

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Rückseite von Louis Pasteur, wie er so dasitzt und studiert
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Auch an andern Häusern scheint der grosse Chemiker in Studien versunken

Die Tour Gloriette wurde ursprünglich im 13. Jahrhundert als wichtiges Element der 1,2 km langen Stadtbefestigung von Arbois erbaut. Nach schweren Beschädigungen durch ein Hochwasser der Cuisance im Jahr 1503 wurde er neu errichtet.
Der quadratische Turm ist 17 m hoch und 11 m breit

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Tour Gloriette und Pont des Capucins

Das Château Pécauld stammt aus dem 13. Jahrhundert und beherbergt heute das musée de la vigne et du vin du Jura.

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Château Pécauld

Das Vieux Château, heute Château Bontemps, wurde im 13. Jahrhundert anstelle einer herzoglich-burgundischen Burg erbaut und in die Stadtmauer eingebunden. 1479 wurde es während der Streitigkeiten um die Erbfolge Karl des Kühnen zusammen mit der Stadt Arbois (und an die hundert weiterer Städte und Burgen) durch  Truppen von König Ludwig XI. von Frankreich zerstört.
Ein kirchlicher Würdenträger aus Arbois, Pierre Bontemps, kaufte die Ruinen und baute sie zu Beginn des 16. Jahrhunderts als Schloss wieder auf. Seine Erben wurden in der Folge der französischen Revolution enteignet, das Schloss an Private verscherbelt.  Seither hat es einige Besitzerwechsel und Restaurationen hinter sich, ist aber in seiner Struktur unverändert erhalten. Den verglasten Wintergarten muss man einfach ignorieren.

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Château Bontemps, Blick über die Cuisance hinweg ins private Schlossgärtchen
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Blick durchs verrammelte Eingangsgitter auf den Privatparkplatz des Schlossherrn

Die dem Stadtheiligen geweihte Kirche Saint-Just wurde im 13. Jahrhundert in romanischer Architektur mit einem 75 m hohen Wach- und Wehrturm gebaut, der in die Stadtbefestigung integriert war. Im dreizehnten Jahrhundert wurden, im Sinne von „Jedem Turm seine Kirche“, weitere Elemente wie das Kirchenschiff im gotischen Stil hinzugefügt. 1651 geriet der Glockenturm durch ein zur Volksbelustigung fahrlässig gezündetes Feuerwerk in Brand. 1716 wurde er wieder aufgebaut. Die Spitze um 20 m niedriger, näher an der Erde, weiter von Gott entfernt.

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Pfarrkirche Saint-Just

Teils fliesst die Cuisance lieblich durch das Städtchen.

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Teils diente sie auch zur Energiegewinnung.

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„Wenn ich einmal reich wär, baut ich hier ein Häuschen, mit festem Dach“

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Quellen: wikipédia en français

Kalbsbäckchen in Gewürztraminer geschmort

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William Shakespeare sei Dank. Ohne ihn und seinen dümmlichen Junker Christoph Bleichenwang (aus Was ihr wollt) wäre ich nie auf die Idee gekommen, Kalbswangen bleich zu schmoren. Jeder Gastronom schmort sie in dunklem Rotwein. Jeder. Auch die deutsche Bäckchenkönigin. Spätburgunder, Lemberger, Dornfelder, Syrah, roter Portwein, ausnahmsweise werden auch hellere Sorten, wie Barolo oder Gamay verwendet. Niemand will Kalbsbacken in Weisswein schmoren. Warum eigentlich ? Ich probiers einfach ! Das Licht ist in dieser Jahreszeit so dunkel, dass auf dem Teller eine kleine Aufhellung durchaus erlaubt ist.

Zutaten
3 parierte Kalbsbacken (à 200 g)
1 weisse Karotte oder gelbe Pfälzer (farblos ist Trumpf)
1 kleines Stück Lauch (weiss)
1 kleine Peterliwurzel
2 Stangen Staudensellerie
1 mittelgroße Zwiebel, geschält
1 gehackte Dörrtomate
3 dl Gewürztraminer, trocken (Kloster Sion, Weingut zum Stenen)
3 dl von meinem druckgegarten Geflügelfond (mangels hellem Kalbsfond)
50 ml weisser Portwein
Bratbutter
Salz, Pfeffer
10 zerdrückte Koriandersamen
6 zerdrückte Pfefferkörner (Kampot)
1 Lorbeerblatt
1 Zitronengrasstengel

zum Abschmecken:
30 ml Apfelbalsamessig (Gölles), der ist allerdings dunkelbraun
ein Hauch Cayennepfeffer
Salz

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Zubereitung
(1) Den Backofen auf 130°C O/U-hitze vorheizen.
(2) Kalbsbäckchen parieren, waschen, trocken tupfen, mit Küchengarn in Façon binden, mit Salz und Pfeffer würzen und in einem Bräter in wenig Bratbutter von allen Seiten hell anbraten. Herausnehmen und beiseite stellen.
(3) Das Gemüse zu Mirepoix würfeln und im selben Topf andünsten. Bäckchen wieder dazugeben. Alles mit Portwein ablöschen, reduzieren. Wenn der Portwein fast verdampft ist, den Fond und den Gewürztraminer aufgiessen. Kurz aufkochen und mit geschlossenem Deckel in den Ofen stellen. 3-4 h. Gelegentlich wenden. Im Topf soll es nur ganz leicht blubbern.

(4) das Fleisch herausnehmen, beiseitestellen, den Jus durch ein feines Sieb abgiessen.
(5) den Apfelbalsam zum Jus geben und auf die Hälfte des Gewichts einkochen, abschmecken, auf kleinstem Feuer die kalte Butter unterschlagen. Abschmecken.

Dazu gabs Bramata-Polenta mit einem Löffel Trüffelbutter untergezogen.

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Zarte Backen, eine wunderbare Sauce, die ihren dunkeln Vettern in keiner Weise nachsteht. Ein kleiner Schönheitsfehler: beim zusammengiessen von Gewürztraminer und Geflügelfond flockte Eiweiss aus, welches den Jus von Anfang an eintrübte. Nach dem Ofenaufenthalt müsste man das Eiweiss aufrahmen lassen und abschöpfen. Oder den Wein in kleinen Portionen zugeben. Da werde ich dran bleiben. Denn diese bleichen Backen wird es noch einige Male geben.

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und der Rest in der Flasche lässt sich dazu trinken

Was Ihr Wollt: Akt I, 3. Szene, Junker Bleichenwang:  Aber ich bin ein großer Rindfleischesser, und ich glaube, das tut meinem Witz Schaden.

ich muss unbedingt mehr Kalbsbacken backen, hier meine bisherigen:

Papet vaudois

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Papet vaudois (Potée vaudoise aux poireaux) gilt als das Waadtländer Nationalgericht.  Ein traditioneller, bäurischer Eintopf, bei dem Lauch und Kartoffeln in Weisswein (Chasselas/Gutedel) auf kleiner Flamme längere Zeit zu einem Brei (papette) gekocht werden. Einmal im Jahr, am 24. Januar, sollte man sich diesen gar nicht deftigen Eintopf schon gönnen. Am 24. Jänner 1798 erklärten die Waadtländer nach dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen ihre Unabhängigkeit von den gnädigen Herren in Bern und riefen die République lémanique aus. Seither würgen die Berner ihren Aerger über die abtrünnigen Untertanen mit  Berner Platte hinunter (historisch nicht ganz korrekt interpretiert, ich weiss).
Zu dem papet gehört entweder ein Waadtländer Saucisson, eine Saucisse aux choux (Waadtländer Kabiswurst), eine saucisse au foie (geräucherte Schweinswurst mit Leber, eine Boutefas vaudois oder gleich alle zusammen.
In der Regel wird der Laucheintopf lange zu Brei verkocht. Kann, muss nicht sein. Bei Kompliziertheimern wie mir wird der Eintopf zum Vieltopf bzw. Viertopf. Ich trenne den Lauch in einen hellen und einen dunkeln Anteil, gare den hellen Teil weich, den dunkeln blanchiere ich nur kurz, koche die Wurst separat, damit das Gemüse nicht wurstelt, koche die Kartoffeln separat, damit sie nicht zerfallen. Béchamel oder Rahm lasse ich weg, das macht ihn nur schwer, die Bindung kriegt man auch mit geriebenen Kartoffeln hin. Aufgeschnitten wird die Wurst in der Waadt meist der Länge nach, bei mir quer in Rädchen, die dem weiblichen Appetit besser angepasst sind, dann aus der Haut gepellt und mit dem Lauchgemüse serviert.

Zutaten
leichtes Hauptgericht für 2-3 Personen, nur die Wurst ist schwer
1 Zwiebel, 80 g
1 Knoblauchzehe
500 g Lauch, grün und weiss
250 g festkochende Kartoffeln (Amandine)
1 Elf. Butter
1 dl Weisswein Chasselas vaudois (bei mir aus dem Wallis, in D geht auch Badischer Gutedel)
2 dl Geflügelbrühe, selbstgemacht
1 Lorbeerblatt, Muskatnuss
½ Tlf. gequetschte Fenchelsamen
Salz
Pfeffer
1 Elf. Weissweinessig (weisser Balsam von Gölles)
1 Waadtländer Saucisson (Metzgerei Ledermann, Payerne)

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Der Eintopf/Vieltopf braucht Zeit und Chasselas. Der hier gewann Gold am Grand prix du vin suisse

Zubereitung
(1) Zwiebel und Knoblauch fein hacken. Lauch der Länge nach halbieren oder vierteln, waschen, helle Anteile von den dunkeln trennen (halb hell, halb dunkel)  und in ca. 1 cm breite Streifen schneiden.
(2) Die Zwiebeln in Butter andünsten, den Knoblauch und den hellen Lauchanteil zugeben und etwa 10 Minuten mitdünsten. Mit Salz, Muskat und Pfeffer würzen, mit dem Weisswein ablöschen und fast vollständig einkochen. Geflügelbrühe und das Lorbeerblatt zugeben und ca. 40 Minuten bei kleinem Feuer leise köcheln. Ich reibe zur Bindung noch eine halbe, kleine Kartoffel dazu. Falls der Lauchbrei einkocht, 2-3 Elf. Wasser angiessen.

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Lauchgrün und Lauchbrei, kurz vor der Vereinigung

(3) Indessen die Wurst (ungestupft, deutsch: nicht angepiekst) in 75-80°C heissem Wasser ca. 40-50 Minuten garziehen lassen. In der Zwischenzeit wird nebenbei dem guten Chasselas zugesprochen.
(4) Kartoffeln schälen und in 1-2 cm grosse Würfel schneiden. In einer Schüssel mit Wasser bedecken, damit sie nicht braun werden.
(5) Die Kartoffeln 10 Minuten vor dem Servieren in kochendem Salzwasser ewa 7-8 Minuten garen. Abgiessen, zum hellen Lauchanteil geben.
(6) den dunkeln Lauchanteil in kochendem, gut gesalzenem Wasser 2 Minuten blanchieren und unmittelbar vor dem Servieren unter die Lauchkartoffeln mischen. Einen Elf. Essig untermischen, nachwürzen mit Salz und Pfeffer und mit der Wurst servieren. [Essig und Pfeffer dient zum Ausgleich der Lauchsüsse]

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Papet vaudois

Anmerkung
Fenchel gehört an sich nicht zum Original, aber ich finde, der gibt dem bäurischen Gericht erst den besonderen Pfiff. Superb.

Ankunft Basler Staatswein 2011

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Wein, Kutscher und Pferde auf dem Münsterplatz

Anfang Juni gab sich die Bezirkskellerei Markgräflerland (Deutschland) zum siebten Mal die Ehre, den Basler Staatswein mit Pferdefuhrwerk im Basler Rathaus abzuliefern. 500 Flaschen. Nicht nur abzuliefern, sondern zu schenken. Und weil solche Geschenke in Basel nicht einfach kassiert werden, wird das Pferdefuhrwerk von einer zünftischen Abordnung Pfeifer und Trommler ehrenhaft empfangen und feierlich ins Rathaus geleitet. Unterwegs wird Wein ausgeschenkt. Als Gegenleistung für die 500 Flaschen verpflichtet sich die Stadt Basel, den Wein an Staatsbanketten und -empfängen auszuschenken.

Bei der Gelegenheit gleich ein Bild des eben renovierten Platzes geschossen. Menschenleer, weil sich alle um das Fuhrwerk bzw. den Gratisweinausschank samt Gratisbrezeln beim Pisonibrunnen drängeln.

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Menschenleerer Münsterplatz
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Domhof

Die Herren der Zunft zu Brodbecken (Bäckerzunft) scheinen in Würde erstarrt. Wäre die Badische Weinkönigin (wie früher auch schon) mitgelaufen oder -gefahren, würde der Umzug bestimmt weniger hüftsteif ausgesehen haben.

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Vertreter der Zunft zu Brotbecken, die vorderen Herren präsentieren Würde
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Die andern trommeln Trommel oder pfeifen Pfeife
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Schneller Blick auf den Basler Markt

Eigentlich wollte ich beim Entladen zuschauen, wurde aber von einem strengen Staatsdiener aus dem Keller gewiesen.

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Die wasserspeiende Brunnenfigur im Rathaushof scheint sich auch schon über den Wein zu freuen.

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Wasser statt Wein. Bäh.

Im Rathaushof stund alles bereit. Dort freute sich die Basler Staatsschreiberin im offiziellen Akt über das Geschenk und liess danach auch Vertreter des Bäckergewerbes, der Bezirkskellerei und ihrem Ableger in Basel, der Weinhandlung Wyhus am Rhy, zu Wort kommen, derweil ich mich lieber an das Gläschen Staatswein und den Speckgugelhopf der Zunft hielt.

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zum Empfang bereit, draussen vor dem Rathaus ist Samstagsmarkt

Der Staatswein stammt aus einer Parzelle am Isteiner Kirchberg, die früher jahrhundertelang im Besitz des Basler Fürstbistums war. Damals mussten die Winzer dem Bischof alljährlich ihren Zehnten abliefern. Da er auch für gewöhnliche Bürger gegen Bezahlung erhältlich ist, hab ich mir ein paar Fläschchen geleistet: ein leichter, guter, süffiger Sommerwein, der gefällt. Einzig das Staats-Etikett erinnert mich an den Kopf der Steuererklärung bzw. noch schlimmer, der Steuerrechnung. Was waren das doch goldene Zeiten, als man nur seinen Zehnten abliefern musste.

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