Um eines gleich klarzustellen: bei diesem Beitrag handelt es sich um eine seriöse Koch-Glosse, nicht um eine Kontaktanzeige.
Für einmal habe ich mich in der Lebensmittelabteilung eines Basler Warenhauses nachhaltig amüsiert. Steht doch da ein Gestell mit 8 Sorten Hülsenfrüchten im Offenverkauf. Fave, Borlotti-Bohnen, Linsen usw. Die Kistchen präsentieren sich dem Kunden in Schräglage, sind jedoch tief aufgestellt, bis zum Boden hin. Kommt ein entlaufener, junger Mann (etwa 3 Jahre alt) daher, entdeckt die zum Abfüllen bereitliegenden Plastikschaufeln, und beginnt—, zu schaufeln. Sandkasten. Farbiger Sandkasten. Grüne Linsen zu Fave, Borlotti zu roten Linsen. Ich freue mich des Anblicks mit schadenfrohem Behagen, bis der Grossvater den Jungen wieder abholt und vorsichtig den Tatort verlässt. Ich mag die Primitivität meines Verhaltens nicht in Abrede stellen und hoffe auf Nachsicht. Vielleicht sucht das Warenhaus jetzt ein Aschenputtel, das den Schaden durch fleissiges Sortieren wieder ausbügelt. Ob sich dann ein Prinz hinter dem Gestell verbergen wird, weiss ich nicht.
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Mehr Zeit zum Leben
Unter diesem nicht mehr ganz taufrischen Slogan wirbt Grossverteiler Migros in der Schweiz für seine Convenience-food Linie Anna’s Best. Mit ganz appetitlich aussehendem Green Curry Beef. Ähnlich bewirbt Coop unter seinem Lifestyle-Label Idee Betty Bossy die young urban people, deren Koch- und Essgewohnheiten durch den Berufsalltag geprägt sind (auch das ein Zitat):
Essen mit viel Genuss, aber ohne grossen Aufwand, diese Einstellung liegt im Trend. Und der hat einen Namen: „Frischconvenience“… usw.
Was ist denn Leben ? Gehört hingebungsvolles Kochen denn nicht mehr zum Leben ? Zeit haben, für was denn, bitte ? Für laufende Standortdurchsagen am Handy, den weekend-trip in die Karibik ? SuperStar am TV ? Warum sich nicht Zeit nehmen ? Zeit um eigene Pasta zu machen, eigenen Teig, eigene Fonds. Viele werden mir jetzt entgegenhalten: Woher denn die Zeit nehmen ? Meine Antwort: vom auch nicht mehr ganz taufrischen, italienischen Sprichwort
A tavola non si invecchia mai.
Während man tafelt, altert man nicht. Wer das begriffen hat, braucht keine „Frischconvenience“.
Meme: Les quatre vérités
Da sendet mir Bolli ein Meme aus Frankreich zu. Ich blogge ja erst seit Kurzem, bin zwar schon da und dort auf diese Fragebögen gestossen, kenne aber die Regeln nicht und mache deshalb, was alle andern tun: Ich beantworte die Fragen und werfe es weiter. Memes werden zugeworfen, nachgeworfen und angeworfen. Soviel weiss ich schon. Zunächst bin ich erschrocken, hab das Ding aber gerade noch auffangen können. Meine Antworten: Meme: Les quatre vérités weiterlesen
Fremdkochen
Im Blog Hüttenhilfe läuft derzeit der Kochevent Fremdkochen. Dort ist heute mein Beitrag Kohlrabi-Abfall-Beutel publiziert worden. Bis nächsten Sonntag werden jeden Tag 2 Gastrezepte publiziert. Da hats ganz tolle Sachen dabei. Am Ende der Serie wird über den Favoriten abgestimmt. Mein Favorit ist süss. Mehr sage ich nicht.
Mühlentag 19. Mai 2007
Auf der Suche nach Weichweizen-dunst für meinen Pizzateig bin ich endlich in einer kleinen Mühle im Emmental fündig geworden. Was uns die Grossverteiler an Vielfalt der Mehlqualitäten anzubieten haben, wird ja immer dürftiger. Dabei fiel mir eine Anzeige auf, die eine Erwähnung wert ist. Schweizer Mühlentag 2007. Mit dem alljährlich jeweils am Samstag nach Auffahrt stattfindenden Mühlentag, werden über hundert Mühlen als vorindustrielle Zeugen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Informationen und die Liste der teilnehmenden Mühlen unter: Vereinigung Schweizer Mühlenfreunde.
Einen analogen Anlass gibts auch in Deutschland am 28. Mai 2007 (Pfingstmontag), siehe Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und -erhaltung. Hier nehmen rund 1600 Mühlen teil. Mühlentag 19. Mai 2007 weiterlesen
Pizza (1): Mein Ideal
Die Geschichte der Pizza, genauer des Pizzabodens, ist eng mit der Geschichte des Brotes verflochten. Die geniale Erfindung eines unbekannten Bäckers aus Neapel, einen Teig dünn auszuziehen, mit Zutaten zu belegen, ihn knusprig, aber nicht hart zu backen, hat sich, ähnlich den Hamburgern, in der ganzen Welt erfolgreich durchgesetzt. Überspitzt gesagt, gehört eine gute Pizza zu den kulinarischen Grundrechten. Pizza (1): Mein Ideal weiterlesen
Recondita armonia di bellezze diverse
Ich habe eine Idee für ein neues Panna cotta al caffè. Bei der Recherche nach Vorhandenem, stosse ich auf ein schönes (und schön fotografiertes) Rezept von Ilva aus agliolio, vermutlich in schwedischer Sprache geschrieben. Ein paar clicks weiter finde ich in dem italienischen Lifestyle-Blog frizzifrizzi die genau gleichen Bilder, Text auf italienisch. Unverschämt, der armen Ilva das schöne Rezept zu klauen. Ein Fall für Commissario Brunetti ? Die Internetpolizei muss her, das Plagiat mit einer Abmahnung zu büssen. Im letzten Moment fällt mein Blick auf das Impressum, Ilva wohnt in Pistoia, Italien, und hat ihr Rezept italienisch übersetzt und völlig korrekt zweitverwertet. Immerhin kann ich das Rezept jetzt wenigstens lesen und verstehen.
Mehr kochen, Herr lamiacucina, weniger Krimis lesen. Im audiofile, das uns die Metropolitan Oper zum Mithören offeriert, singt Giuseppe di Stefano die Arie „Wie sich die Bilder gleichen..recondita armonia..“ aus der Oper Tosca von G. Puccini. Das Bild stammt ebenfalls von der Metropolitan Opera, zeigt aber Placido Domingo. Aber das ist ja egal, wer hört, hört sowieso mit geschlossenen Augen.
Chästeilet in Zürich
Im September, am Schluss des Alpsommers, bevor die Hirten sich mit den Kühen in die tieferen Lagen zurückziehen, wird Bilanz gezogen. Die während der Sömmerung hergestellten Käslaibe werden nach einem komplizierten Ritual anteilig auf die einzelnen Bauern aufgeteilt. Der Chästeilet gibt Anlass für ein urwüchsiges Fest mit Folklore, Musik, Fahnenschwingen, Alphornblasen und Tanz und lockt alljährlich viele Zuschauer an. (Bild: Thunersee.ch).
Ein Teilet der etwas andern Art findet alljährlich mitten in Zürich statt. Ende April versammelten sich weit über 3000 Anteilhaber (von 11000) der Schokoladenfabrik Lindt&Sprüngli zu einem Volksfest, der sog. Generalversammlung (de: Hauptversammlung). Am Schluss wird jedem Anteilhaber ein blaues Köfferchen überreicht. Chästeilet in Zürich weiterlesen
Picknick bei der Jungfrau
Gestern wurde nicht gekocht, sondern gewandert. Und gepicknickt. Die crew von genussmousse machts fast jede Woche vor. Tagesausflug ins Lauterbrunnental. Fahrt mit der neuen Luftseilbahn nach Grütschalp. Von dort mit der Mürrenbahn in 10 Minuten nach Mürren. Wer zuerst aus der Luftseilbahn aussteigt, hat die Chance die beiden Plätze im Führerstand des Triebwagens zu belegen. Von Mürren aus wird zum Ausgangspunkt gewandert (Wanderkarte). Nach 10 Minuten ist der erste Stundenhalt fällig und der Wanderproviant, der von Ostern übriggebliebene Goldhase, erlegt und gegessen.
Für die leicht abfallende Wanderung, die normalerweise in 1 Stunde zu bewältigen ist, lassen wir uns 2.5 h Zeit. Der Blick zurück auf Eiger, Mönch und Jungfrau ist grandios. Der Wanderweg ist auch im Winter begehbar. Nach der Wanderung: mein Bergrucksack wiegt knapp 200 g weniger, also immer noch etwa 15 kg. Da hat Frau lamiacucina als ehemalige Piz Palü-Bezwingerin sicher wieder das Notzelt und die Steigeisen eingepackt. Man weiss ja nie bei diesen unberechenbaren Bergen.
Eidg. dipl. Pizzaiolo
Montag, 23.04.07 9:00h. Bäckereifachschule Richemont in Luzern. Ausbildungskurs Pizza Traditionale. Ich darf endlich wieder mal die Schulbank drücken und lasse mich in einem Eintageskurs zum pizzaiolo ausbilden. Referenten: Peter Stähli, Leiter F&E bei Richemont und Danilo Sangrigoli von der italienischen Kochschule pizzaok, der sich sich in seinem Video schon mal warm trainiert. Teilnehmer: Bäckereifachleute aus der Schweiz und Deutschland und ich als Laie. Zwar backe ich seit 3 Jahren eigene Pizzas die uns bislang ausgezeichnet geschmeckt haben, aber man lernt ja gerne was dazu. Eidg. dipl. Pizzaiolo weiterlesen
Autoreifenprofil und Flammkuchen
Eine der eher nützlichen Errungenschaften im Sammelsurium unserer Küchengeräte ist dieses Plastik-Werbe-Geschenk der Reifenfirma DUNLOP. Damit messe ich nicht nur ob meine Auto-reifen genügend Profil haben. Damit messe ich seit Kurzem auch die Dicke meiner Pizza-, Focaccia- und speziell der dünnen Flammkuchenteige, wie gestern beim Elsässer Flammkuchen mit Spargel. Die Marke bei 1.6 mm, die vor flachen Pneuprofilen warnt, erlaubt das kontrollierte und präzise Auswallen dünner Flammkuchenteige. Schweizer Präzision eben. Ein geübter Pizzaiolo würde mich auslachen. Ich lache gerne mit.
Von fast vergessenen Gemüsen
Die Stiftung ProSpecieRara wird 25 Jahre alt. Dahinter steckt die Idee einiger Idealisten, die bedrohte Vielfalt an verschiedenen Gemüsen, Früchten und Tieren für die kommenden Generationen zu sichern. Die Förderung der genetischen und kultur-historischen Artenvielfalt kann aber nur gelingen, wenn die gefährdeten Arten einem breiten Publikum bekannt gemacht und von diesem auch genutzt werden. Die Idee hatte und hat Erfolg: Weit über hundert Obstgärten, fast 30 Nutztierrassen, verschiedene Samen- und Datenbanken befinden sich heute unter der Obhut der Stiftung. Ein schönes Ausflugsziel für Gourmets ist der barocke Schlossgarten im Schloss Wildegg (CH-5103 Wildegg, Aargau). PSR bewirtschaftet im Auftrag des Schweizerischen Landesmuseums im Schlossgarten eine Schaupflanzung mit unzähligen seltenen Gemüsen, Kräutern und Blumen. Von fast vergessenen Gemüsen weiterlesen