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Galette des Rois

Mein heutiges Blog-Titelbild, aufgenommen im Basler Theater (nur im Blog zu sehen) zeigt eine Krone als Sinnbild für Machtstreben und Ruhm… aus Pappe. Die Krone von König Claudius, dem Bruder des verstorbenen Königs Hamlet. Claudius gelangte durch die Ermordung seines Bruders auf den dänischen Thron und heiratete dessen Witwe Gertrude.  Danach versucht er, Hamlet Junior loszuwerden, indem er diesen nach England schickt, wo er ermordet werden soll. Hamlet Junior sinnt auf Rache, täuscht Wahnsinn vor, um Claudius zu überführen, was zu einer Kette von tragischen Ereignissen führt, die im Tod fast aller Hauptfiguren enden. Hamlet, seine Geliebte Ophelia, König Claudius und Gertrude, der Vater Ophelias und Hamlets Freund Laertes: Alle tot.

Zu einer anderen Krone: Die Geschichte des Dreikönigskuchens geht auf das Mittelalter zurück. In Anknüpfung an die Idee des Königtums Christi feierte man den Dreikönigstag mit einer rituellen Königsfeier. Durch Wahl oder mit einem Losverfahren wurde ein symbolischer König „für einen Tag“ ermittelt. Oft wurde in einen Kuchen eine Bohne eingebacken und der Kuchen verteilt. Demjenigen, in dessen Kuchenstück sich die Bohne befand, fiel das Königsamt zu. Der Brauch entwickelte sich regional wie sozial unterschiedlich. In Südeuropa werden unterteilte Hefekränze gebacken, so auch in der Schweiz, wo das Gebäck als Briochekranz seit 1950 von Bäckern propagiert wird.

In Frankreichs Norden sind Blätterteigkuchen mit Frangipane-Füllung seit dem 18. Jahrhundert beliebt. Ein einfacher Kuchen: eine Schicht Blätterteig dient als Boden, eine Zweite als Deckel, dazwischen eine Mandelfüllung. Im Kuchen eingebacken ist eine kleine Figur aus Porzellan oder heute aus chinesischem Plastik. Wer nach dem Teilen in das Stück mit der Figur beisst, wird für einen Tag lang König oder muss zum Zahnarzt.

Frau H. hat eben eine Galette gebacken, Nicht in der klassisch-französischen Version mit Crème Patissière, sondern einer vereinfachten Variante, mehr Mandeln, dafür zucker- und butterreduziert. Einfach passt besser zu uns. Die Bohne lassen wir weg, die Pappkrone überlassen wir ihrer Hoheit, King Trump.

Galette des Rois simple et facile

Zutaten und Zubereitung

Teig:
1 Fertig Blätterteig (25×42 cm)
1 Eigelb zum Kleben und Bestreichen

Füllung:
120 g Zucker
375 g Mandeln, geschält, fein gemahlen
45 g weiche Butter
1 grosses Ei (L)
ca. 1/2 TL Bittermandel extrakt

fakultativ: 1 EL Amaretto

(1) Aus dem Teig zwei Kreisflächen von 22 cm Durchmesser ausschneiden.
(2) Zucker, Mandelmehl und Butter in der Küchenmaschine zu einer Paste rühren.
(3) Ei mit Bittermandelextrakt homogen aufschlagen und unter die Mandelmasse rühren.
(4) Bodenplatte einstechen, Masse gleichmässig und flach darauf ausstreichen, 1-2 cm Rand freilassen.
(5) Rand mit wenig Eigelb bestreichen, Deckel auflegen und andrücken. Mit einer Gabel andrücken. Mit einer Messerspitze ein Muster (wie eine Pithiviertarte) einritzen (Teig nicht durchschneiden).
(6) Mit Eigelb bestreichen und im auf 190°C vorgeheizten Ofen 40-45 Minuten backen.

Und dann ab nach draussen, wenn schon mal Schnee liegt!

Personalessen, nachgekocht

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Auch in bewegten Zeiten wie diesen, hilft Essen zu überleben. Einfach, nur einfach, ja nichts kompliziertes. Fasnachtsflüchtig erwarb ich in der Molkerei von Réussilles im Jura 1 Pfund tagesfrischen (noch warmen) Sérac (Ziger, Molkenkäse). Mein Gott, was mach ich denn mit dem wieder? Da kam mir eine Rezeptidee des 2-Sternekochs Stéphane Décotterd, die er in seiner Küche als Personalessen realisierte, gerade recht. Bin ich doch in unserem Haushalt nicht nur Geschäftsführer, sondern besorge gleichzeitig Haushalt, Küche, Wäsche, Glätterei, Büro, Reinigung, Gartenarbeiten im Jura, die Pflegestation und Therapieabteilung sowie als Fuss- und Velokurier die Beschaffung des Betriebsmaterials in Personalunion. Und das viele Personal ist ständig hungrig, will verpflegt sein und murrt, wenn die Zeit nur noch für Fertigpizza reicht.

Buchweizen-Galettes mit Ziger, Honig und Rauke


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Zutaten und Zubereitung
für 2 Personen und 4 Pfannkuchen resp. 5 Galettes

für die Galettes:
110 g Buchweizenmehl
250 g Wasser, lauwarm
3 g Salz
1 kleines Ei
20 g Butter, geschmolzen

für die Füllung:
200 g Sérac (Ziger)
100 g Rucola, geputzt
1-2 EL flüssiger Honig
ein paar Walnusskerne
Salz
Pfeffer
1 Ei pro Galette

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1) Salz im Wasser lösen, das Mehl gut unterrühren, zudecken und über Nacht im Kühlschrank quellen lassen.
2) Anderntags das Ei, danach die Butter untermixen. Eine grosse, beschichtete Pfanne einbuttern, wenig Teig in der Pfanne verteilen und Galettes backen, die bei mir meist zu Pfannkuchen werden. Danach wenden. Die Rückseite nur noch kurz backen, damit der Teig nicht bricht. Auf einem vorgewärmten Teller im Ofen bei 70°C zugedeckt warm halten.
3) Den Ziger in grosse Würfel schneiden und in einer beschichteten Pfanne in wenig Olivenöl allseitig anbraten, Honig und Nüsse zugeben, würzen mit Pfeffer und Salz und leicht karamellisieren.
4) Spiegeleier braten, würzen.
5) Rucola in wenig Butter ganz kurz anziehen und leicht würzen.
6) auf warme Teller anrichten und servieren.


Vier Pfannen, von wegen einfach. Das Personal war mit dem Essen für einmal zufrieden und sicherte mir zu, auf Zusehen hin weiter bleiben zu wollen.

Eigenartiges von Puffern, Rösti und Röstigaletten

Kartoffelgaletten NT
Kartoffelpuffer, Backers, Röstigaletten: Daniel Düsentrieb aus Entenhausen war wieder mal zu Besuch. Mich stört bei der Bereitung der Kartoffelpuffer&Co.  jedesmal, dass die roh geriebenen Kartoffeln nach dem Reiben Saft ziehen, der ausgedrückt und weggeworfen, oder durch Mehl gebunden werden muss. Zudem laufen die Kartoffeln beim Stehenlassen rasch braun an. Das Anlaufen kann man zwar mit Vitamin C verhindern oder durch Zugabe von Zwiebeln verzögern.

Seit geraumer Zeit gare ich die Kartoffeln in der Schale vor. 30 Minuten bei 72°C (+/-2 °C) in Wasser, lasse sie unter fliessendem Wasser vollständig erkalten und bereite daraus meine Kartoffelpuffer zu: entweder mit der Bircherreibe gerieben als Reibekuchen oder auf dem Juliennehobel gehobelt als Röstigaletten: Die Kartoffeln saften überhaupt nicht mehr, kein Vitaminverlust, kein Anlaufen, Mehl brauchts im Prinzip keines, Eier auch nicht, die Zwiebel belasse ich im Rezept wegen dem Geschmack. Der Geschmack wird nicht verändert, Kartoffel bleibt Kartoffel. Selbst eine richtige Rösti schmeckt mir mit derart vorgegarten Kartoffeln besser. Einbildung ?

Was bei diesem Vorgaren mit den Kartoffeln passiert, habe ich vor einigen Monaten im Artikel Kartoffelpüreeologie beschrieben.

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Kartoffeljulienne

Zutaten und Rezept ? Soll jeder nach eigenem Gusto wählen. Egal, ob Puffer mit Ei, Eigelb oder ganz ohne Ei, mit oder ohne Mehl, mit oder ohne Zwiebel. Egal ob das deutsche Rösti oder die echte Schweizer Rösti.

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Masse für meine Kartoffelpuffer. Sieht aus wie trockenes Sauerkraut

Und wer dazu kein Apfelmus dazu mag, darf durchaus auch Rahmschnitzel essen.

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Rahmschnitzel mit Röstigaletten

Ob der zusätzliche Arbeitsschritt des Vorgarens den Aufwand lohnt, weiss ich selber nicht. Gerade in trockenen Jahren wie heuer, in denen die Kartoffeln wenig saften und klein sind. Bestimmt aber bei der Rösti, weil die dicken Röstistreifen damit eine festere Textur aufweisen. Schluss mit pampiger Wirtshausrösti.  Nur eines bin ich mir ganz sicher: Warum denn einfach, wenns auch kompliziert geht ?