Schlagwort-Archive: Jura-Home

Gartenarbeit mit Tütensuppe

Obdachlosensuppe 5_2012 05 04_4584
wenn die Kühe nicht mehr zu sehen sind, reicht das Holz für den nächsten Winter

Anstelle von Ausreisen ruft der Garten. Unkraut jäten, Gemüse pflanzen, Holz spalten. Da bleibt keine Zeit zum grossartig Kochen. Da bin ich jeweils froh, auf die gesammelten Tütensuppen der Heilsarmee zurückgreifen zu können. Jedes Jahr, kurz vor Weihnachten, sammelt hier die Heilsarmee in einer Topfkollekte Geld für Obdachlose. Wirft man eine Münze in den Topf ein, die schwer genug klingt, wird einem von einer, zumeist älteren Heilsarmistin ein Tütchen Tütensuppe überreicht. Dafür bedanke ich ich mich jeweils artig, und lege sie zuhause zu den andern. Ich meine die Tütchen. Früher waren die Tütchen anders bedruckt.  Früher war ein schmuddliger, bärtiger Clochard abgebildet. Bildhaftig. Der Wink mit dem Zaunpfahl: Das könnte auch Dir passieren. Die Vorstellung, im zerschlissenen Anzug von Armani die Mülleimer der Stadt nach Essbarem abzusuchen, lässt mir den kalten Schweiss den Rücken hinunter rinnen. Damit verglichen ist eine Tütensuppe geradezu Luxus. Seit einem Jahr lässt die Herstellerin, die rot-gelbe Tütensuppenfabrik, neun verschiedene Frisch-Gemüse darauf abbilden. Edel. Proper. Wer Heilsarmeeobdachlosensuppe isst, prasst sozusagen für Obdachlose.

Obdachlosensuppe 0_2012 05 04_4589
Heilsarmeeobdachlosensuppe mit 9 Gemüsen und eigenen Kräutern

Item. Wenn dann im Frühling der Garten ruft, lebe ich von diesen Tütensuppen, solange der Vorrat reicht. Wegwerfen tue ich sie nicht. Hingegen bessere ich sie mit den Angeboten des Gartens auf. Heute mit viel gehacktem Giersch und Pimpinelle. Die gelben Knöllchen haben sich beim Rühren nicht ganz aufgelöst, offenbar habe ich die Gebrauchsanleitung nicht richtig befolgt.

Obdachlosensuppe 1_2012 05 04_4591
Die fertige Suppe, das Gelb kommt von Maggi bzw. von Gelbwurz

Und nach dieser Suppe fühle ich mich richtig gestärkt, aufgedreht durch das Glutamat, schone Zierkräuter, reisse gnadenlos alles Unkraut aus und pflanze Nutzkräuter und -gemüse.

Obdachlosensuppe 2_2012 05 04_4586
Zierkraut
Obdachlosensuppe 3_2012 05 04_4587
Unkraut
Obdachlosensuppe 4_2012 05 04_4596
Nutzkraut

Geschafft. Suppe wie Garten. Ich auch.

Landleben

Landleben 2_2011 08 01_5243
Früh am Morgen. Das Licht ist anders geworden. Der schöne Herbst hat begonnen

Wir machen einige Tage Ferien. Zuhause auf Balkonien, und da wir keinen Balkon besitzen, im Jurahäuschen. Einmal hier, einmal dort. Auch Ferien vom Blog. Und diesmal richtig. Soziale Existenz ist nicht abhängig davon, jederzeit online zu sein. Es geht auch ohne. Und, anders als in den Vorjahren: ohne Dauerberieselung der geschätzten Leserschaft aus vorbereiteten Einträgen. Auch LeserInnen müssen sich mal erholen dürfen. Bevor man ihnen auf den Nerv geht.

Gartenhumus 0_2011 03 25_3078
Nur wer ruht, kriegt keinen Muskelkater ! Gell, Herr L.
Landleben 1_2011 07 31_5261
Kaum ist man wieder ein paar Tage in der Stadt, wächst hier alles zu
Landleben 8_2011 06 15_4261
Steine gibts hier viele, vor allem Steine
Landleben 5_2011 07 15_4945
Der Lavendel ist inzwischen geerntet
Landleben 3_2011 08 01_5249
Meine geliebten Lysimachien blühen noch: Goldfelberich (Lysimachia punctata)
Landleben 7_2011 07 15_4954
zu Essen hat es immer genug, man muss es nur suchen
Landleben 9_2011 04 11_3288
und auch zu Trinken, es muss ja nicht unbedingt von der Ziege sein

Auf Wiederlesen !

Zwangsurlaub im Jura

ImJura 0_2009 01 15_7687

Das Duett von Betonschneidmaschine und Presslufthammer, unterstützt von Hammerschlägen, war nicht mehr auszuhalten. Die neuen Besitzer des Erdgeschosses wollen offensichtlich durch Entfernen tragender Mauern die Statik unseres Basler Wohnhauses testen. Dass die Hütte nicht zusammenkracht, verhindern Eisenspriessen. An Kochen und Schreiben ist nicht mehr zu denken. Ab in den Jura. In unser winziges Wochenendhäuschen am Rand der Freiberge. 30 m2 Wohnfläche. Kein Telefon. Kein Internet. Nichts.

anklicken für grössere AnsichtUns erwartet Schnee, für uns der erste richtige Schnee dieses Jahr. Und Hochnebel, gerade so hoch, dass man auf 900 m ü.M. mittendrin steckt. Gegen Mittag macht er der Sonne Platz. Ich liebe dieses eigenartige, goldene Leuchten des Nebels, kurz vor dem langsamen Durchbrechen der Sonne.
Der Jura ist eine rauhe Gegend. Im Oktober fällt der erste Schnee, im April der letzte. Dazwischen eine kurze, aber intensive Vegetationsperiode mit Sonne, Regen, Nebel und stürmischen Winden. Karge Böden, Steine, Steine und nochmals Steine.

 

ImJura 000_2009 01 15_7690

ImJura 00_2009 01 15_7695
Hier noch ein Blick ums Haus und in unsere Miniküche:

leicht verzuckert
leicht verzuckert
Stillleben mit Schneeschaufel
Stillleben mit Schneeschaufel
Küchenzeile
Küchenzeile
Auszugs-Kühlschrank
Auszugs-Kühlschrank
Hütten- statt Gourmetküche
Hütten- statt Gourmetküche
Stützen des Hauses (Spriessen)
Stützen des Hauses (Spriessen)

Eine runde Spüle, ein Bioloch, zwei Klapp-Elektroherdtafeln, ein Umluft-Backofen in halber Bauhöhe. Gegenüber eine kleine Anrichte, der eingebaute Kühlschrank mit Auszugstablaren. Praktisch, weil man sich nicht so tief bücken muss. Hier wird nie gross gekocht, eher aufgewärmt. Heute aufgetaute, selbstgemachte Knöpfle mit Dosenerbsen und Spiegeleiern. Hier fällt der elektrische Strom wegen umgekippter Tannen oft aus, darum Dosengemüse.
Die Freiberge, überhaupt der ganze Jurabogen von Basel bis Genf sind ein grosses, wunderschönes Wandergebiet, ich sollte mehr darüber berichten, leider ist Frau L. nicht mehr in der Lage, an grösseren Wanderungen teilzunehmen. Darum wandern wir solidarisch mit dem Auto.

Und keine Geschichte ohne Geschichte:
Bis ins Mittelalter waren die Jurahöhen der Freiberge kaum besiedelt. Durch eine Schenkung Rudolfs III. von Burgund wurde das Gebiet im Jahr 999 dem Bischof von Basel übergeben. 1384 stellte der damalige Fürstbischof Imer von Ramstein einen Freibrief für die kaum besiedelte Region aus, um die Gegend urbar zu machen. Der Freibrief erliess Ansiedlern und ihren Nachkommen Zinsen und Zehnten auf dem von ihnen gerodeten Grund und Boden. Und das für ewige Zeiten. Deshalb bekam das Gebiet den Namen Franches Montagnes (auf deutsch: Freiberge). Im 16. bis zum 18. Jahrhundert liessen sich hier viele Täuferfamilien (Mennoniten) aus dem Emmental nieder, die dort wegen ihres Glaubens verfolgt wurden und denen der (katholische) Bischof von Basel Glaubensfreiheit zusicherte.

Ewige Zeiten dauern auf der Erde meist recht kurz. Die zugesicherten, ewigen Freiheitsrechte wurden mit dem Einmarsch der napoleonischen Truppen 1792 beendet. 1678 hatte sich Ludwig XIV schon die angrenzende Franche-Comté von Habsburg-Spanien abgeluchst. Die Freiberge wurden annektiert, dem französischen Département du Mont Terrible, später dem Département Haut-Rhin zugeschlagen. Der Wiener Kongresses sprach die Region 1815 dem Kanton Bern zu, als Ersatz für den von Bern losgelösten Kanton Waadt. Seit 1974 bilden die Freiberge einen Bezirk des damals neu gegründeten Kantons Jura.

Au revoir, wenn die Handwerker am Montag wieder anfangen.

AddThis Social Bookmark Button

Gartenstraflager

Nicht dass ich gerade einen grünen Daumen hätte. Wer immer sich in meine gärtnerische Obhut begibt, wird einem schlimmen Ende entgegenserbeln. Aktuelle Beispiele gefällig ? Links meine Geranien von einem selten leuchtenden Braun-Rot, rechts die Johannisbeeren, die auch heuer wieder eine Grossernte von etwa 3-4 Beerenrispen erwarten lassen.
Geranien in voller BlüteJohannisbeeren ???
Derartige Unbotmässigkeiten lasse ich mir natürlich nicht gefallen. Wer nicht pariert, wird ausgerissen und lieblos in ein Straflager, ein leerstehendes Gartenbeet versetzt, genauer verscharrt. Ohne Wasser. Und Brot schon gar keins. Und doch: Kaum meiner gärtnerischen Fürsorge entronnen, beginnen die undankbaren Pflanzen sich zu erholen, gedeihen, blühen. Beispiel: die Straflagerecke des Gartens. Salbei, Thymian, wildes Bohnenkraut, Lysimachien.
Gartenstrafkolonie
Auch die Wildpflanzen und all das sonstige Unkraut, das sich im Garten eingenistet hat, gedeihen prächtig, dürfen sie doch, unbehelligt von mir vor sich hin wuchern. So auch der Bibernell, der sich frech mitten in der Mähwiese anfängt breitzumachen. Da er mir schmeckt, komme ich ihm immerhin etwas entgegen, indem ich ihn mit dem Rasenmäher in gehörigem Abstand umfahre. Gartenschuhe ab, Kochschürze an

Daraus leite ich die Legitimation ab, am laufenden Garten-Blog-Event: Wildkräuter erstmalig mitzumachen. Das Rezept kommt Morgen. Bibernell-Spinat-Gnocchi. In die Stiefel Herr L.! Ich bin dabei !