Räder, Trost und Trofie

Technischer Zuwachs im Hause L.: ein neues Velo. Nicht für mich, ich hab ja schon mein gelbesgrünes, eines für Frau L. mit 4 Rädern. Zählt man die überflüssigen Schieberinge hinzu, sind es sogar 6 Räder. Mit Kippschutzrädern 10. Angetrieben durch Muskelkraft, also durch mich. Ein hässliches Ding, wenigstens nicht trauerschwarz. Klinikweiss ist auch nicht schöner, doch weniger traurig. Gelb wäre mir lieb gewesen. Oder grün. Gabs leider nicht. Gefallen tut es ihr nicht. Mir eigentlich auch nicht. Aber wer fragt nach Farben, wenn es nur noch um Mobilität geht.

Räder 20200527_152747

Trost war deshalb vonnöten. In Form eines tröstenden Tellers: Trofie mit Bohnen, Kartoffeln und Basilikumpesto. Meist nehme ich dazu hellgrüne Fave (siehe hier). Bei dem derzeit immer noch herrschenden Notstandsregime kaum erhältlich, weiche ich auf grüne Stangenbohnen aus. Die sind ehrlicher grün als die grüne Elektrizität der grünbewegten, elektromotorisierten Jugend. Ein einfacher, schneller Teller, nichts Neues, aber sowas von Trost!

Trofie

Zutaten und Zubereitung

für 3 Personen

200 g Trofie, gekaufte
150 g kleine Kartoffeln, Noirmoutier, geschält, in Achtelsspalten geschnitten
150 g Stangenbohnen, fein, Enden gekappt, in drei Teile geschnitten
100 g Basilikumpesto (eigene Herstellung, Konserve Herbst 2019)
Parmesan, Salz, Pfeffer

Meist koche ich die drei Hauptbestandteile Pasta, Kartoffeln und Bohnen separat, da sie unterschiedliche Garzeiten aufweisen. Oder brate die Kartoffeln separat an. Diesmal dürfen sie alle gemeinsam in derselben Badewanne (Topf) baden.

(1) Erst die Trofie in den Topf mit gesalzenem, siedenden Wasser geben (Kochzeit: 18 insgesamt Minuten)
(2) Nach 2/3 der Nudelgarzeit die Kartoffeln und die Bohnenstücke zugeben (dazu muss man natürlich seine Produkte kennen)
(3) einen Schöpfer Kochwasser entnehmen, restliches Kochwasser weggiessen, Pasta und Gemüse zurück in den Topf und den Pesto untermischen. Nach Bedarf etwas Kochwasser unterrühren. Würzen nach Bedarf. Parmesankäse drüberreiben

Einfacher geht nicht

37 Kommentare zu „Räder, Trost und Trofie“

  1. Das Teil ist doch iO. Ich mag weiss, für beinahe alles, auch bei Wein, Haus, meinem Velo. Das liegt vielleicht unbewusst am Namen 🤨
    Deinen schönen Teller ässe ich jetzt gerne, nach 2000 Höhenmetern, und 100km, nur noch mehrheitlich abwärts nach Hause.
    PS: Einfacher ginge schon noch, erinnere mich an Hörnli mit Aroma, als Teen beim besten Freund.

  2. kopf hoch! gekrönte laufen nicht, die lassen sich chauffieren. sänften sind unbequem wackelig, kutschen und stretchlimos unhandlich in basel….
    ritschka? wäre bunt und beide hätten räder oder motorrad mit seitenwagen? alles mit parkplatzproblemen verbunden.
    ein rollender thron schafft platz in der menge und kann mit etwas fantasie geschmückt werden. wenn ich deine teller/fotos ansehe, ist das kein problem für dich.
    „machets guet“ 👋🏼❤️🐝 und ein knicks für königin l. only

  3. Jetzt musste ich eine ganze Weile überlegen, was Trofie sein könnten … und warum mir alles irgendwie nicht ganz unbekannt erscheint … Erinnerungsblitz Cinque Terre, Ligurien! Pasta mit Kartoffeln, grünen Bohnen und Basilikumpesto! Zum Reinlegen! Also gut, auf die Kartoffeln könnte ich verzichten, aber die Kombination mit grünen Bohnen ist einfach zum Niederknien.
    Ich hoffe, Frau L. konnte damit ein bisschen getröstet werden …

  4. Alles Liebe und – trotz der Farbprobleme – gute Fahrt für Frau L. Den Trösterteller habe ich schon viele Jahre nicht mehr gegessen, trotz Trostbedarfs. Nach dieser Inspiration wird es ihn in den nächsten Tagen aber wieder geben. Danke.

  5. Hauptsache ein bißchen mobil, ein etwas größerer Bewegungsradius und ein schöner Pastateller – und für letzteren benötigt es noch nicht einmal Bescheidenheit! Zumal ich die Kombi *Nudel-Kartoffel* richtig abgefahren finde 😉

    1. Klein zusammenklappbar, der hätte sogar in meinem alten VW-Käfer Platz gehabt.
      Kartoffel-Nudel: Du warst Jene, der ich Kartoffel-Pici abgeschaut habe. Schon soo lange nicht mehr gemacht. Jetzt aber erst die Hirselinge.

  6. Troestungen dieser Art sind einfach das Beste! Sie lichten jedes Ungemach. Und das Gefaehrt… Ja, weiß wäre optisch schön, gelb optimistischer. Aber hier geht es um praktikable Hilfen, mehr nicht. Und erstmal an der Luft schaut men eh woanders hin. Alles Gute! Sunni

  7. Trost brauchts in solchen Situationen wahrlich. Meine Mama – gestorben im Jänner mit 91 Jahren – sagte immer „Alt werden ist nichts für Feiglinge“
    Leider hilft es auch nicht, weil es ausweglos ist!
    Alles Gute
    eine stille Mitleserin

    1. plötzlich wird das Einbiegen in die Einbahnstrasse augenfällig. Langsamer fahren, da und dort Verweilen, das Schöne anschauen, Geniessen. Das nimmt der Sache den Schrecken.

    2. „Trofie“ erinnert mich immer an Tränen die auf den Teller tropfen (auch wenn‘s was ganz anderes heisst) – dann wenn sich die Trauer löst: ich mag sie sehr gerne die Trofie … das Einfache sowieso;-)
      Von wegen Rollstuhl: als „Muskelkraft“ bei meiner weit über 90ig jährigen sehr dementen Mutter (sie ist vor einigen Jahren gestorben, worüber ich in dieser Corona Zeit erstmals einfach nur froh bin) habe ich den besten, praktischsten und vermutlich teuersten Untersatz besorgt in der Lieblingssfarbe (Königsblau). Sie in dieses tolle praktische Teil zu packen war immer eine kleine Freude und Ermunterung. Vielleicht wie richtig gute Messer in der Küche? Herzlich D.

        1. Oh je – keine Ahnung mehr. Wir haben den Rollstuhl nach ihrem Tod verkauft …. Ich recherchiere mal, vielleicht finde ich ihn wieder – gilt heute, nach über 10 Jahre wohl bereits als alte Kiste;-) ….
          Da ist nix Vernünftiges zu finden im Internet. Das war damals kein Sonderbau … aber hier ein Link von einem Geschäft bei uns https://lavanchy.ch/sonderbau. Sie können vielleicht weiterhelfen;-)
          Gute Nacht!

  8. Das Rezept liest sich lecker, Danke. Meine Oma sagte auch immer alt werden will keiner und jung sterben auch keiner. Vieleicht sind Fahraddekorfolien eine Möglichkeit das Gefährt aufzumotzen.

  9. Als seit Jahren (meist) stiller Mitleser: Wünsche viel Kraft, seelisch wie körperlich, fürs Schieben!
    Habe in den letzten zweieinhalb CoViD-Monaten auch dreimal Trofie al Pesto aus den Vorräten serviert – grüne Bohnen und (wenn nötig für ein weiteres P) knapp sous vide gegartes Bio-Körnli-Poulet aus der TK. Seelentröster in der Tat, aus >6 Monate Vorrat und trotzdem einigermassen anständig. Ein Schuss Zitronensaft darin, und es wird noch sonniger!

  10. Ein wunderbares Sommergericht, wird hier auch heiß geliebt. Ich freue mich, dass das zuerst mißtrauisch beäugte neue Gefährt Frau L. jetzt gefällt. Es ist doch eine neue Lebensqualität, wenn sie auf diese Weise wieder unter die Leute bzw. auf die Straße kommt. Und ein Glück, dass du durch vieles Pastarollen auf Muskelkraft zurückgreifen kannst.
    Schöne Restpflingsten wünsche ich euch.

    1. Nicht dass der Kaffee im Strassencafé besser schmeckt als zuhause, aber es ist doch ein anderes Kaffeetrinken unter Menschen als nur zuhause. Danke für die lieben Wünsche.

  11. Wieder ein Beweis dafür, dass man sich das Leben ein bisschen schöner kochen kann!
    Alles Gute für die kommenden Ausfahrten mit dem neuen Gefährt! Ich bin sicher, du sorgst dafür, dass Fr. L. sich darin fühlt wie eine Königin in der Sänfte.

  12. Nun doch mein erster Kommentar nach so vielen Jahren des leisen Lesens; bisher der geheime Schatz, um meiner Frau Gerichte zuzubereiten, die sie beglücken und dabei stets der Blick über den Tellerrand hinaus. Nun ist die Zeit Dank zu sagen und eine große Portion Zuversicht auf die Speisekarte zu setzen.

  13. tolles Rezept, wenn es einfach und schnell gehen muss, aber eine Frage habe ich da schon noch… kann es sein daß Du die Kenwood Gourmet Chef in Deiner Küche hast. Würde mir damit die 40 Köche von Ferran Adria ersparen, was übrigens sehr kurzweilig ist diese Geschichte in seinem Film anzusehen an weitaus regnerischen Tagen wie Diesen

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