Archiv der Kategorie: Gourmandisen

It’s not too hot for wine

too hot for wine
too hot for wine

Endlich wieder etwas weniger heiss warm, Grund, wieder einmal eine Flasche Bordeaux zu öffnen, die letzte von 6 Flaschen die ich loswerden will: Chateau Mouton-Rothschild 1993. Im kühlen Keller hatte die junge Dame noch etwas papierenen Tüll am Leibe, doch kaum auf dem Tisch, zeigt sie sich in allerleichtester Sommerbekleidung. Peinlich. Sowas kann man niemandem aufstellen. Weniger peinlich der Inhalt, aber dennoch nicht Mouton-like. 6 Flaschen schlechtes Preis/Leistungsverhältnis.
Dichtes Granat, in der Nase zunächst angenehm, schwarze Früchte, Kaffee, feuchte Erde, im Gaumen dann Erde, Tabak, Leder, Kaffee, die Frucht verhalten, kurz.

Das Etikett wurde von Balthus gestaltet, derzeit läuft in Martigny eine Ausstellung in der Fondation Gianadda zu seinem 100-ten Geburtstag. Die Vorliebe des Künstlers für adoleszente Modelle wurde ihm zeitlebens angekreidet, der Import des Mouton 93 in die USA sogar verboten, bzw. nur mit weissem Balken erlaubt. Was  in den USA zu einem regen Schwarzhandel mit saftigem Preiszuschlag führte. Nichts für mich, die leere Flasche habe ich entsorgt in der Sammelstelle hinter dem Migrosmarkt. Wer sich für Balthus‘ Kunst interessiert, bediene sich in der Altglastonne oder gehe in die Ausstellung.

AddThis Social Bookmark Button

Die Küchenhilfe

Lange hat sich Frau L. gegen die Anstellung einer Küchenhilfe, gar noch einer weiblichen, gesperrt. Dabei kann ich die ganze Kocherei für den Blog einfach nicht mehr alleine bewältigen. Das ist nun endlich Vergangenheit, Salatwaschen erledigt Fräulein E. schon alleine und das recht ordentlich, sie sieht zwar nicht ganz so fesch aus… quietscht aber herzerfrischend, wenn ich sie in frivoler Absicht kneife.

Die Küchenhilfe weiterlesen

Fundsachen (4)

Fundsachen (4)
Fundsachen (4)

Gefunden am 6. Juni 2008 in Soglio.

Klettert der kleine Kerl doch eine senkrechte Bruchsteinmauer hoch, hangelt sich an die verrostete Angel einer Gartentüre um mir zuzuwinken ! Nimm mich mit ! Ich musste ihn zurücklassen. Was würden die Nachbarn sagen, wenn ich mit einem farbigen Kind nach Hause käme ?

Heute koche ich fremd, im Rahmen der Afrika-Aktion der Hüttenhilfe. Hier der link zu meinem äthiopischen Pouletgericht mit Alidschasalat.

Pouletgericht
Pouletgericht
Mekeleischa
Mekeleischa
Alidscha-salat
Alidscha-salat

 
Fremdkochen für Afrika
 

AddThis Social Bookmark Button

Bergwandern mit lamiacucina

Wanderwege
Wanderwege

Ferien am Meer: Sonnenbaden, Schwimmen, Faulenzen. Eine Selbstverständlichkeit. In den Bergen gilt das alles nicht. Hier herrscht der unausgesprochene und von allen stillschweigend akzeptierte Zwang, jeden Tag Wanderwege begehen zu müssen, Bergspitzen zu benennen oder schlimmer noch, zu besteigen. Schlechtes Wetter gibt es angeblich nicht, also wird das Wanderritual auch bei schlimmsten Unwettern abgehalten. Hier meine Erfahrungen und Impressionen aus den letzten Ferien:

1) Einer reichhaltigen Verpflegung ist grösster Wert beizumessen. Spaghetti, wie diese ein Meter langen aus Poschiavo, haben sich als Wanderproviant bei uns nicht bewährt. In Bergbahnen, Engpässen stösst man damit immer an und wenn sich der Hunger meldet, sind weder Wasser noch Kessel noch Feuer zur Stelle.

Spaghetti Giganti
Ungeeignet: Spaghetti Giganti

Zweckmässiger sind Wurstbrote: hier meines mit Salami und Bresaola und Butter. Noch besser Alpsennereien, in denen frische Milch und Alpkäse im Überfluss vorhanden sind.

Wurstbrote
sehr gut: Wurstbrote
Alpsennereien
ideal: Alpsennereien

2) Wandern in Berggebieten ist mit grossen Gefahren verbunden. Ständig ist man von Bergstürzen, Schnee- und Schlammlawinen bedroht. Frau L. hat grosses Glück gehabt, als die vielen Felsbrocken haarscharf neben ihr niederkollerten.

Achtung Bergsturz
Achtung Bergsturz
Frau L. verdutzt im Steinhagel
Frau L. verdutzt im Steinhagel

3) Das Auftreten einer Fata morgana ist nicht nur auf heisse Wüsten beschränkt. Das Phänomen wird auch in den Alpen beobachtet und kann Wanderer vom rechten Weg ab und in die Irre führen:

Fata Morgana in den Alpen
Fata Morgana in den Alpen

4) Lila Weidezäune bedeuten nicht unbedingt, dass auf der Weide lila Kühe anzutreffen sind. Die farbliche Ausbildung weidender Kühe ist oft enttäuschend eintönig und grau:

lila Weidezaunhalterung
lila Weidezaunhalterung
grau die Realität
grau die Realität

5) Das Auftreten von Alpenblumen am Wegesrand kann auch dem einfachen Wanderer als Sehtest für aufkommende Farbenblindheit dienen. Zulange sollte man sich aber nicht mit der Farb- und Namensbestimmung aufhalten, der Marschplan ist auf alpinen Wanderungen strikte einzuhalten, will man die letzte Seilbahn nicht verpassen.

gelber Enzian
gelber Enzian
blaue Alpenveilchen
blaue Alpenveilchen

6) In den Bergen können Hochgebirgspfade plötzlich und ohne Ankündigung gesperrt sein. Ärgerlich, wenn man 1 Stunde unterhalb des Piz Palü plötzlich ausgesperrt wird und unverrichteter Dinge wieder umkehren muss. Vorzuziehen sind deshalb einfache, breit angelegte, ebene Wegstrecken.

Wanderweg zum Gipfel gesperrt
Wanderweg zum Gipfel gesperrt
0 % Steigung
Viel bequemer: 0 % Steigung

7) Der ungeordnet herumliegende Steinreichtum der Berge wirkt verstörend. Würde jeder Wanderer (wie ich) nur ein paar wenige Steine aufheben und sie andernorts geordnet zu Türmchen aufschichten, sähe die Alpenwelt ordentlicher aus.

vom Chaos
vom Chaos
zur Ordnung
zur Ordnung

(8) Nach spätestens einer Stunde Wanderzeit ist ein Marschhalt auf einer geeigneten Sitzgelegenheit einzuplanen. Aussichtspunkte sind zu bevorzugen, die dann gegen zudringliche Fremde durch Auslegen von Rucksäcken und  Wurstpapieren  verteidigt werden müssen.
Nach spätestens zwei Stunden werden vernünftige Wanderer ein Ziel festgelegt haben, an welchem Kaffee und ordentliche Kuchen angeboten werden. Unscharfes Sehen ist ein Zeichen für Überanstrengung und bedarf zweier Tage Ruhe.

Sils
Europas zweitschönste Sitzbank: Sils
Patisserie bei Kochendörfer
Patisserie bei Kochendörfer

Wer seriöse Bergwanderungsbeschreibungen lesen möchte, liest besser bei der Genussmousse-Crew.

AddThis Social Bookmark Button

Fundsachen (3)

Fundsachen(3)_2008 06 27_3118
Chinesisches Plüschschwein

Fundort: Pozzolasco ob Poschiavo, 16. Juni 2008

Als Plüschbär wäre er glatt adoptiert worden, als Plüschschwein musste ich ihn schweren Herzens zurücklassen. Das gäbe Zoff mit den Bären auf dem Kanapee. Zudem litt er an Inkontinenz von weisser Füllwatte. Chinesische Billigproduktion. Wenn die Firma Steiff ihre Produktion wieder nach Europa zurückholt, heisst das noch lange nicht, dass man mir den nicht mehr erwünschten Ausschuss an den Strassenrand stellen kann. Alles kann ich beim besten Willen nicht einsammeln.

AddThis Social Bookmark Button

Fundsachen (2)

Fundsachen (2) 2008 06 17_3412
Fundsachen (2) Lollipop

Fundort: St. Moritz, Aufgangstreppe zum Segantinimuseum, 09. Juli 2008

Armes Kind (?) Zuerst der Museumsbesuch, dann fliegt der Lollipop in Regen und Dreck. Was wohl schlimmer war: der erdauerte Kunstgenuss oder der abrupt unterbrochene künstliche Genuss ?

AddThis Social Bookmark Button

Fundsachen (1)

Wo immer ich gehe, ich brauche nur auf den Boden zu blicken und finde etwas. Unglaublich, was alles verlorengeht, was alles weggeworfen wird und letztlich unter meine Augen kommt. Plüschbären und -Katzen sind meine bevorzugten Fundsachen. Die werden aufgehoben, gewaschen, getrocknet, mit einem Namen bedacht und in die bestehende Grossfamilie integriert. Andere Fundsachen, sofern sie sich durch Schönheit auszeichnen, registriere ich fotographisch und setze sie am Fundort wieder aus. Wie diese hier:
Fundsachen (1) Der französische Skalp

Fundort: Basel, 2. Juli 2008, Rheinweg. Ein makabrer Fund. Offensichtlich der Skalp eines massakrierten Franzosen. Der Skalp lag zertrampelt am Boden. Der oder die Täter ? Italiener ? Das Opfer ? Ob das Heftpflaster einen Bezug zur Tat hatte ? Ich weiss es nicht. Ich weiss überhaupt nichts, will nichts wissen und verweigere jede Aussage.

AddThis Social Bookmark Button

Ausgepiselt

Endlich wieder zuhause. Haus, Blog und Plüschkatzen habe ich fünf Wochen sich selbst überlassen, um den olfaktorischen, akustischen und sonstigen Zumutungen der Euro08 zu entkommen. Die Pisskabinen vor dem Hause sind eben wegtransportiert worden und mit meinem Favoriten England hat die Euro08 doch einen würdigen Europameister gefunden. Die habens doch geschafft, hoffe ich ?
Alptraum Euro
Fast 5 Wochen Ferien am nördlichen Eismeer (oder wars das südliche ?) haben wir uns gegönnt.
Nördliches Eismeer
Zunächst wars kalt, nebelverhangen, regnerisch, wunderschön, danach gabs Sonne, Eis- und Schneeschmelze. Kein Internetanschluss. Keine Zeitung. Kein Fernsehen. Aber Wald. Nordische Tannen.
Nebel Nebbio
Arven entlang des Nordic Highway, soweit das Auge reicht.
Arven, soweit das Auge reicht
Nun hat mich der geliebte Alltag wieder. Liest hier überhaupt noch jemand ?  Um das rauszufinden eine kleine Preisfrage: wer als erste/r den richtigen Namen des Fjords bzw. Meerbusens oder sonstigen Eisgewässers auf dem zweiten Bild errät und in den Kommentar schreibt, erhält von mir frei Haus ein Kilogramm Spaghetti. Die Pasta habe ich gekauft in der berühmten nordländischen Manufaktur, die sich etwa 10 km südlich des gesuchten Gewässers befindet. Um das Rätseln etwas spannender zu machen, habe ich in diesem Abschnitt mindestens 5 mal dick gelogen. Fotos, Manufaktur und der ausgesetzte Preis sind aber echt und so schwer ist die Frage auch wieder nicht. Ich habe über Gegend und Gewässer schon berichtet.

Ab Montag ist dann wieder Kochen angesagt. Ich bleibe im hohen Norden und werde mit einem Arvenknospenpesto zu Nudeln beginnen.

AddThis Social Bookmark Button

La dolce vita

Basel im Kriegszustand

Da wir mitten in der Fan-Hauptkampfzone der Fussballeuropameisterschaft wohnen, ist an ernsthaftes Kochen und Arbeiten nicht mehr zu denken: Das Viertel kann nur noch mit Badge betreten, die Wohnung nur noch durch Überklettern von NATO-zäunen erreicht werden. Die Strategie unserer Behörden und der UEFA, die Anwohner physisch und psychisch schon im Vorfeld mit Rambazamba rund um die Uhr zu zermürben, zeigt Wirkung. Mit dem Einbrechen von Hunnen und Janitscharen dürfte unsere Stellung verloren sein. Ich habe mich entschlossen, dem sinnlosen Wüten von Gewalt, Bier und Urin bis zum 6. Juli 2008 zu weichen und mich während dieser Wochen mit Bloggen zurückzuhalten…. Moment Frau L., ich setz mich gleich zu Ihnen auf die Bank.
Frau L. übt dolce vita

Kampfbereiter Recke Kampfbereites Heidi-Gretchen
Kampfbereiter Recke Kampfbereites Heidi-Gretchen

Die Kommentarfunktion ist temporär umgestellt. Kommentieren kann nur noch, wer schon mal kommentiert hat. Neuzugänger werden von mir sporadisch freigeschaltet.

Komparation im Deutschen

Ein grammatikalisch und politisch und sonstwie nicht ganz korrekter Beitrag zur Komparation. 

1) Positiv: „Wir sind Papst“. Älteres Zitat aus einer grossen deutschen Boulevardzeitung.
2) Komparativ: „Wir werden Fußballeuropameister“. Zitat aus einer grossen deutschen Boulevardzeitung.
3) Superlativ: „Wir deutschen Köche arbeiten hart daran, die italienische Küche zu verbessern“. Zitat eines deutschen Spitzenkochs, geäussert in einer Kochsendung.

Um zu retten, was noch zu retten ist, gebe ich hiemit zu Protokoll:
1) die anfängliche Skepsis habe ich abgelegt. Er ist liebenswürdig.
2) Fussball ist mir egal.
3) Ein harter Schlag. Ich halte mich nur noch an der Hoffnung aufrecht, dass er es ironisch gemeint haben könnte.

AddThis Social Bookmark Button

Gelesen: Tapas

Gelesen_Tapas0_2008_2117
Meine erste Kochbuchrezension: Das Büchlein ist nicht dick. Ganze 20 ed. 15 Rezepte umfasst es. Tapas, gekocht von Fabian, dem jungen, begabten Kochprofi. Und dennoch wiegt es schwer: Von Alin grafisch klar und ansprechend ausgestaltet, die Rezepte vernünftig, leicht nachkochbar, kurz gefasst und leicht zu lesen. Mein Favorit: Die Abondigas de Fabian, kleine Hackfleischbällchen an scharfer Tomatensauce. Und das Schönste: man kann das Büchlein gratis ausdrucken. Farbdrucker und etwas Geduld vorausgesetzt. Nur der Leineneinband ist nicht inbegriffen, der Drucker mag kein Baumwollgewebe im Papierschacht.  Ich habe das Büchlein (eines von zwei Exemplaren) an der fress:publica08 der jungen, sympathischen crew der Hüttenhilfe ausgerissen, sozusagen mit vorgehaltener Pistole. Ausgerechnet ich, der Schüchterne. Danke nochmals. bzw. nachträglich.