Das Basel Tattoo ist einzigartig in der Schweiz und weltweit eines der grössten und erfolgreichsten Open Air Tattoos überhaupt. Seit 2006 wird es heuer zum fünften Male durchgeführt. Da ich gleich neben dem historischen Kasernenareal wohne, kam ich allabendlich bei offenem Fenster in den Hörgenuss des ganzen Programms. Die 85’000 Tickets sind letzten Dezember innert 36 Stunden verkauft worden. Am letzten Tag des Tattoos wird in der Stadt eine Parade der über 1‘300 Mitwirkenden durchgeführt. Hier ein paar Stimmungsbilder von der Parade.
Pipes & Drums Royal Corps of SignalsFanfarekorps Koninklijke Landmacht NL
Farbtupfer mit lateinamerikanische Rhythmen und Tänzen der Aguiluchos Marching Band & Compãnia De Danza Tenochtitlan aus Mexiko.
Aguiluchos Marching Band MexicoZugehörige Mexikanische Tanzgruppe
Neben den Mexikanern wirken die Uniformen des Garmisch-Partenkirchener Gebirgsmusikkorps und der Schweizerischen Kavallerie 1972 ausgesprochen farblos.
Gebirgsmusikkorps Garmisch in FeldgrauOffizier Schweizer Kavallerie Schwadron
Nicht dass ich jedem Rock hintennach schauen würde, aber wenn er so schön farbig ist…
Pipes and Drums of the Royal Corps of Signals
Ein weiteres Highlight, HM King’s Guard Band and Drill Platoon aus Norwegen, die mit einer stupend präzisen Gewehrartistikshow aufwarteten.
HM King's Guard Band & Drill Platoon NORoyal Air Force Pipes and DrumsBerittene Artilleriemusik SolothurnZuschauer
Basel – die unbestrittene Trommelmetropole der Schweiz. Da erstaunt es wenig, dass sich vor rund 20 Jahren eine Gruppe junger, ehrgeiziger Trommler nach einer neuen Herausforderung umgesehen hat, um ihre Trommelkünste zu perfektionieren. Durch das Vermischen verschiedener Trommelstile entstand ein neuer, eigener Stil aus schnellem und anspruchsvollem Trommeln, gepaart mit präzise ausgeführten, visuellen Effekten.
sicht- und hörbare Präzision der Basler Tambourengruppe Top Secret
Diesmal durften auch Trommler und Pfeifer verschiedener Basler Cliquen mitmachen. 240 kostümierte Trommler und Piccolospieler aus mehreren Basler Fasnachts-Cliquen traten bei sommerlichen Temperaturen am Tattoo auf.
Im Takt von 12 TambourmajorenPfeiferinnen, die Trommler sind vorbei
Das Personal der Tattoo Security Organisation Basel mit Hellebarden.
Basler Hellebardiere
Einmal mehr ein schöner Anlass.
Band of HM Royal Marines
Zum Abschluss die Publikumslieblinge mit dem Alpaufzug:
Das war ausgesprochen nett von den Greyerzer Sennen. In meinen Besuchsberichten habe ich schon über Appenzeller und Glarner Alpaufzüge berichtet. Da wir derzeit keine weiten Ausflüge machen können, sind sie für uns nach Basel gekommen, sozusagen vor unsere Haustüre und haben uns mit ihrem Alpaufzug eine grosse Freude gemacht.
Paarhufer in Tramschienenich komm ja schon !das Hütchen keck auf dem Hauptwo ist denn die Wiese ?
Auch für die laufende Entfernung der hinterlassenen Alpen-Pizzen war gesorgt.
Aufnahmen vom Aufmarsch zum friedlichen Basel Tattoo Ende Juli. Mehr darüber Morgen. Falls ich die 18 Tonnen Feuerwerkskörper, welche die ach so grüne, umweltfreundliche Stadt Basel heute Nacht über mir detonieren lässt, heil überstehe.
Ungern, höchst ungern überschreite ich die Grenze nach Deutschland. Hier ist alles anders als bei uns, die Architektur, die Sprache, die Preise, das Geld, die Polizeimützen. Ich, Schweizer Kleinvariante des Ilja Iljitsch Oblomow, jeder Änderung des gewohnten Lebens abhold, dem alles Fremde fremd erscheint, bleibe am liebsten zuhause. Wenigstens bei Hitze. Samstag morgen vor einer Woche habe ich mich aufgerafft, ja übermannt, habe die Grenze überschritten. Ganz in der Frühe, damit mich niemand als Ausländer erkennt. Wenigstens kann ich vom Badischen Bahnhof Basel aus, in einer durch die Schweizerischen Bundesbahnen betriebenen S-Bahn, in Schweizer Wagen, mit funktionierender Klimaanlage bis direkt ins Herz von Lörrach fahren.
StadtkircheBurghof, Kulturzentrum
Lörrach ist eine Kreisstadt im Südwesten Baden-Württembergs. Knapp 50’000 Einwohner. Knapp 5 km von Basel entfernt. Aufgrund der geschichtlichen Entwicklung ist Lörrach eine vergleichsweise junge Stadt. Einer der Gründe, wieso Lörrach im Vergleich zu anderen Städten weder architektonisch außerordentlich prägnante Gebäude, noch eine homogene Altstadt aufweist. Was Lörrach jedoch vor Basel auszeichnet, das ist sein Bauernmarkt, der seinen Namen verdient. Mehrere Dutzend Marktteilnehmer, wovon die überwiegende Anzahl Selbsterzeuger aus dem umliegenden Markgräflerland sind. Das ist ein Mehrfaches des Basler Marktes.
Zucchiniblüten im MorgenlichtKäsekuchen à l'orange nix für michGurken in gelben Kistenselbst die Kirschen sind gelb
Frau L. will nämlich kleine Zwiebelchen einmachen. Nach eingehender Befragung verschiedener Basler Marktfrauen, die kleine Zwiebelchen offensichtlich nur noch vom Hörensagen kennen, ein letzter Versuch auf dem Markt in Lörrach. Und siehe da. Hier gibt es sie. Darüberhinaus Gurken und Gürkli in allen Grössen, Dillblüten, die es bei uns in Basel kaum mehr gibt (weil sie keinen Platz in den Plastiktütchen haben) in Hülle und Fülle.
Dill in voller Blüteirgendetwas Disteliges, bin botanisch wieder mal überfordert
Mit vollen Taschen, einem Gladiolen-ähnlichen Festbukett von Dill sowie einem Kilogramm Sauerkirschen war ich morgens um 10 Uhr rechtzeitig zum Kaffee wieder zuhause. Vielleicht gebe ich mir einen Stoss und ziehe die Planung eines erneuten Marktbesuchs ernsthaft in Erwägung 🙂
In einer tiefen Mulde am Nordfuss des Farnsbergs liegt das kleine Dorf Buus mit knapp 1000 Enwohnern. Mitten im Dorfzentrum der Gasthof zum Stab. Vor 40 Jahren wohnten wir im Dorf ennet dem Hügel und assen hier öfters die guten Wienerschnitzel mit Pommes frites. Damals noch von der Schwester des damaligen Besitzers zubereitet. Serviert von Vreni, der fröhlichen Serviertochter. So nannte man die Servierfachkräfte in jener Zeit. Die damaligen Besitzer haben längst aufgehört, das Wirten wurde ihnen zu beschwerlich. Frau Vreni, ausgebildete Köchin, hat den Betrieb vor etwa 30 Jahren übernommen, ihr Mann kocht, aufs Beste angelernt. Die Jahre kamen und gingen. Wir sind in die Stadt gezogen, haben den Stab etwas aus den Augen verloren, und wiedergefunden. Wenn schon keine Ausreisen in fernere Gegenden, dann halt in die Nähe.
Mühle, schon 1459 erwähntGasthaus zum Stab
Das Innere sieht unverändert aus, immer wieder mal gestrichen, gepflegt, der Blumenschmuck aus dem Bauerngarten wird von Frau Vreni zusammengesteckt. Und das Schönste: Das Wienerschnitzel und die Pommes schmecken noch gleich gut, wie vor 40 Jahren. Kleine Speisekarte: Speckplättchen, Salami-, Schinkenbrot, Wienerschnitzel, Cordon-bleu, Rahmgeschnetzeltes mit Rösti, alles traditionell zubereitet. Tischtuch gibts bei à la carte Bestellungen, sonst Papiersets. Selbst das war schon vor 40 Jahren so. Frischer Salat ohne braune Ränder vom Herumstehen, tadellose Fleischqualität, gut und liebevoll zubereitet. Und das zu höchst anständigen Preisen.
Wienerschnitzel, PommesMeringues mit Glace
Die Ortschaft gehörte im Mittelalter zum Kloster Beromünster, wobei die Kastvogtei zunächst an die Grafen von Lenzburg, später die Grafen von Frohburg, ab 1323 an die Grafen von Habsburg-Laufenburg und schliesslich an die Thiersteiner überging. 1461 wurde Buus an Basel verkauft und war 300 Jahre lang unter der Herrschaft der Basler Landvögte.
Dorfkirche St. Michael, 1860baufälliger Zeuge des Weinbaus
Der Weinbau ist bereits 1274 urkundlich bezeugt. Buus verfügt über eine Rebfläche von knapp 8 ha, wovon rund die Hälfte von Kleinproduzenten, welche im Weinbauverein zusammengeschlossen sind, bewirtschaftet werden.
Ein für den Baselbieter Tafeljura typisches Landschaftsbild, Hügel, Wiesen, Äcker mit leider zunehmend verschwindenden Hochstammbäumen (Kernobst und Tafelkirschen).
Ausreisen sind derzeit gestrichen. Keine Ausreise = Kein Reisebericht. Die Durchfahrt durch einen der hässlichsten Vororte der Schweiz kann man denn auch nicht als Ausreise benennen. Wenige Kilometer von Basel, Rheinaufwärts, liegt Schweizerhalle. Obwohl sich hier freiwillig kein Schweizer niederlassen würde. Schweizerhalle ist Standort der Schweizer Grosschemie, die sich heute aber teilweise in deutschem und amerikanischem Besitz befindet. 1837 wurden hier Salzvorkommen entdeckt. Für die chemische Industrie ist Salz ein wichtiges Rohprodukt. Wir fahren hier oft durch, weil wir durch müssen. Mitten drin an der Durchgangsstrasse liegt ein Gasthof, Frau L. war durstig, ein Schattenplatz fürs Auto war vorhanden. Also Rast. Überraschung: hinter dem Haus erwartete uns ein zauberhafter, halbschattiger Garten mit Blick auf den Rhein.
Gasthof SolbadSolbad Sommergarten
Der Garten befindet sich direkt an der Schiffanlegestelle Basel-Rheinfelden. Die in den Garten integrierten Tonamphoren stammen nicht aus römischer Zeit, sondern sind banale, ausgemusterte Steinzeug-Tourils, in denen die Säurefabrik früher Salzsäure aufkonzentrierte. Im Hintergrund sichtbar ist die Christoph Merian, das Linienschiff der Basler Personenschiffahrt beim Anlegen.
Tourils, Schiff und RheinVilla Glenck
Hier haben wir im Pavillon des Sommerrestaurants gegessen, ganz ordentlich, freundliche Bedienung, Ruhe, erholsam. Der Wanderweg verläuft hier direkt am Rheinufer, nicht immer ganz idyllisch und jetzt ohnehin viel zu heiss.
Rheinabwärts Rheinhafen BirsfeldenRheinaufwärts
Wenige Schritte rheinaufwärts ereicht man die Villa von Glenck. Carl Christian Friedrich Glenck (1779 -1845) aus Schwäbisch Hall, war ein deutscher Salinist und Bohrtechniker, der in der Schweiz ab 1821 aufgrund von Hinweisen des Basler Geologieprofessors Peter Merian intensiv nach Salzlagerstätten bohrte. Nach mehreren Jahren und insgesamt 17 ergebnislosen Bohrversuchen war er beinahe pleite, als er einen letzten Versuch in der Nähe Basels unternahm. Am 18. Mai 1836 stiessen er und seine Mitarbeiter in 107 Meter Tiefe auf ein Salzlager. Ein Jahr danach, wurde die erste Saline, bestehend aus drei Siedhäusern, einer Schmiede und dem Pumpenhaus, feierlich eingeweiht. Sie erhielt den Namen Schweizer-hall – die zur Schweiz gehörende «Hall», das keltische Wort für Salz und Saline. Weitere durch Glenck vorgenommene Salinengründungen in Deutschland waren Ernsthall, Louisenhall und Heinrichshall.
Restaurierte historische Bohrtürme aus dem 19. Jhdt bei Kaiseraugst
Der Fund zog weitere Konkurrenten, die chemische Industrie, die hier einen Industriekomplex errichtete, sowie Badebetriebe an. Aus vier sich konkurrenzierenden privaten Salinen entstand 1909 ein einziges Unternehmen, das heute in Schweizerhalle BL und Riburg AG insgesamt pro Jahr 400’000 – 500’000 Tonnen Salz gewinnt. Die Schweizer Rheinsalinen sind heute im Besitz der Mehrzahl der Schweizer Kantone, des Fürstentums Liechtenstein und der Südsalz GmbH Heilbronn, Deutschland. Der Fund beendete die jahrhundertelange Abhängigkeit von ausländischen Salzlieferungen aus Österreich, Deutschland und vor allem Frankreich.
Im Industriegebiet gibts übrigens einen Fabrikladen, der Salz von hier und aus aller Welt führt, auf dass ein jeder sein Spaghettiwasser mit teurem Himalayasalz kochen darf. Meine Meinung hiezu habe ich unter Fleur de Sel, Badesalz für Gewürzesoteriker, bereits kundgetan.
Und es war wirklich keine Ausreise. Ich wollte nur schnell ein paar Flaschen Weisswein aus dem externen Keller holen.
Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben… ihr kennt bestimmt alle das Märchen vom Mädchen mit den Sterntalern… und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, nicht mal mehr ein ganzes, dünnes Hemdchen… wollte das Mädchen neue Hemdchen. Also nahm ich das Mädchen bei der Hand und suchte die Hemden-Hexe auf, die tief im Süden des Landes ennet dem hohen Berg einen Fabrikladen hat, in welchem sie ihre dünnen Hemdchen von allerfeinsten Linnen um einen Drittel des Preises an arme, bedürftige Mädchen verschenkt… usw.
Vor Coldrerio, nahe der italienischen Grenze, kommt aber erst Lugano. Die funivia, eine Standseilbahn, führte uns wie ehedem vom Bahnhof im Nu mitten in die Altstadt. Mindestens 25 Jahre ist es her, dass wir hier in Ferien weilten. Das Petrarca, unser damaliges Lieblingsrestaurant, ist längst verschwunden. Wenigstens hängen die Salami der Firma Gabbani seit 1937 unverändert von den Laubengängen der Via Pessina. Überraschend, dass Gabbani seit März 2010 mitten in seinem neu umgebauten Delikatessparadies ein Restaurant (atelier della gastronomia) eröffnet hat. Hier haben wir ganz nett und leicht gegessen: Ein guter Salat, Gnocchi an Cherrytomatensauce mit Rucola und Parmesanspänen. Kokosspuma mit Rumeis. Danach Füsse vertreten in der Via Nassa, der Flaniermeile von Lugano.
Gabbani, SalumeriaGabbani, il FornaioHobelbank als Anrichte im GabbaniKuchen im Grand Cafè
Und der Himmel hängt voller Schinken
Via NassaVia NassaGrand Cafè Via NassaSonnenwarmer Balkon
Wenige Schritte nur sind es zum See oder auf den Piazza Riforma, allwo man bei Vanini oder im Federale seinen Kaffee einnimmt. Wesentlich gepflegter ist er jedoch im Grand Cafè in der Via Nassa zu kriegen.
Piazza RiformaSeepromenade
Postkartenidylle Richtung Monte Bre
Nach dem sich Frau L. mit ein paar 🙂 neuen Hemdchen bei der Hexe eingedeckt hatte, gönnten wir uns eine Ruhepause mit perlendem Getränk am See, in Bissone, direkt am Seedamm von Melide. Anschliessend tauschten wir den gemachten Gewinn gegen Treibstoff um, schliesslich wollten wir ja wieder nach Hause. Wie gewonnen, so zerronnen. Oder doch Hans im Glück ?
Jedes Jahr packt es uns einmal. Die Lust auf eine Passfahrt in den Zentralalpen. Typisches Seniorenvergnügen 🙂 Erst über den Brünig, durch das Haslital auf den mächtigen Grimsel (2163 m), hinunter nach Gletsch, dann ins Goms, hinauf auf den Nufenen. Hinunter nach Airolo. Das letzte Ziel ist der Gotthardpass (2106 m), der König der Pässe. Er ist auch heute noch die am meisten befahrene Nord-Süd-Verbindung Europas. Danach wieder an den Ausgangspunkt zurück. So früh im Jahr wie möglich, sobald alle Pässe befahrbar sind. Sehr wenig Verkehr, oft noch schlechtes Wetter, zu keinem Zeitpunkt im Jahr präsentieren sich die Berge für uns so wild wie jetzt. 1. und 9. Juni 2010.
An der Brünig Nordrampe windiges, aber schönes Föhnwetter.
LungernseeBlick von der Brünig-Nordrampe
Nach dem Mittagessen (in Guttannen, keine Erwähnung wert) die Fahrt auf den Grimsel. Vorbei an den Staumauern des Grimselsees, mit einem effektiv genutzten Volumen von 95 Mio. m³ der grösste Speichersee im Grimselgebirge. Auf dem Grimselpass ist es herrlich kalt, Regen und Sturm.
Grimselstaudamm aus dem Jahre 1932Gratis-Eistee im Tea-Room
Von Oberwald im Goms hinauf auf den passo della Novena. Der Nufenen ist mit (2478 m) der höchste befahrene Alpenübergang der Schweiz und verbindet das Wallis mit dem Tessin. Kleine Schneeballschlacht. Danach durchs Val Bedretto nach Airolo.
Blick von der Nufenenpasshöhe
In Airolo scheint wieder die Sonne. Kaffeehalt mit 2 espressi in der Schaukäserei Caseificio Dimostrativo del Gottardo. Dann der Aufstieg zur Gotthardpasshöhe. Die Tremola ist noch nicht frei geräumt.
Airolo und Leventinagefrorener Gotthardsee
Beeindruckend jedes Mal die Höhe der Schneemauern durch die sich emsige Schneefräsen fressen müssen. In der Abfahrt durch die Schöllenenschlucht wieder Föhnwetter.
Schneemauern auf der GotthardpasshöheAndermatt, Teufelsschlucht
Die Strecke Meiringen-Grimsel-Nufenen-Gotthard-Susten wird den Sommer über von der PostAuto Schweiz (Schweizer Alpenpost) befahren, mehr Infos über die berühmte 4-Pässefahrt hier.
Am ersten, sonnigen Juniwochenende war ich im Jurahäuschen. Als Lohn für vollbrachte Gartenarbeit gabs die obligate Wanderung um den Étang de Gruère, einem gestauten Moorsee, der sich in einer Mulde auf dem Hochplateau der Freiberge, an der Strasse zwischen Saignelégier und Tramelan befindet. Der See ist 600 m lang, im Minimum 60 m breit und rund 4.5 m tief. Der natürliche Weiher wurde bereits Mitte des 17. Jahrhunderts durch einen Erddamm gestaut und vergrössert, um damit eine Mühle betreiben zu können. Heute steht er unter Naturschutz. Die Rundwanderung um den See dauert 30 Minuten (ohne) bis eine Stunde (mit Fotografieren) auf federndem Moorboden oder Holzsteigen durch das Moor. Ein Wohltat für den müden Rücken. Parkplätze bei der Sägerei, die heute anstelle der Mühle steht.
Étangwas blüht denn da ?wachsender SchilfIndiskreter Blick in das Kinderzimmer
Das Hochmoor weist eine einzigartige Vegetation mit Torfmoosen, Moos- und Moorbeere, Heidelbeersträuchern und Rosmarinheide auf. Die angrenzenden Wälder bestehen zur Hauptsache aus Fichten, Bergföhren sowie Moor- und Zwergbirken. Die Natur ist hier noch weit zurück. Derzeit blühen Knabenkraut, Kirschblüten und Trollblumen. Die einzigen, die ich identifizieren konnte.
Knabenkraut, eine Orchideeunbekannte Wasserschönheit
1384 stellte der damalige Fürstbischof Imer von Ramstein einen Freibrief für die bislang kaum besiedelte, karge Region aus. Damit erhielten Einwanderer und ihre Nachkommen aussergewöhnliche Freiheiten, denn sie sollten für alle Zeiten von Zinsen und Zehnten auf ihrem gerodeten Grund und Boden befreit sein. Daher der Name Franches Montagnes (Freiberge). In der Folge wurde das Gebiet von Neuansiedlern gerodet, urbar gemacht und nach und nach die heutigen Siedlungen gegründet.
Die Freiberge sind eine leicht gewellte Naturlandschaft. Etwa ein Drittel der Waldfläche sind sogenannte Waldweiden (pâturages boisés), typische Weiden des Hochjura mit einzeln oder in Gruppen stehenden mächtigen Fichten. Da das Nutzvieh die ihnen erreichbaren, unteren Äste der Fichten abfrisst, entsteht die charakteristische Form dieser Bäume. Ursprünglich bestanden die Waldgebiete aus Mischwald, der Reichtum an Holz fiel aber in vergangenen Jahrhunderten dem Bedarf an Holzkohle für die Eisen- und Glasschmelzen zum Opfer.
Rinnsal im WaldTypische Landschaft der Freiberge
Zum Schluss der kulinarische Rank: Im Gärtchen habe ich Lattich gepflanzt, den besten aller Kopfsalate. Dank Jutta Lorbeerkrone wissen wir, dass unser Lattich in Deutschland Bindesalat heisst. Was hier wie allerbeste Gartenerde aussieht, ist nur das, was ich drübergeschüttet habe. Unten ist Lehm, noch tiefer verkarstetes Kalkgestein.
N.B. die Schnecken waren wieder einmal schneller.
Städtchen am Rhein mit Kloster St. Georgen und Klosterkirche
Stein am Rhein, am Ausfluss des Bodensees in den Rhein gelegen, besucht man am besten im Winter, oder vor der Ferienzeit. Bevor unabsehbare Touristenströme das Städtchen besetzt halten. Alex von foto & fornelli war schon hier. Nun habe auch ich (wieder einmal) an einem der wenigen Sonnentage Ende Mai den Weg hieher gefunden.
Wie alle dem Rhein entlang gelegenen Orte ist auch die Geschichte von Stein am Rhein durch seine Lage am Fluss geprägt. Aufgrund archäologischer Funde ist bereits in der Spätantike eine kleine, römische Befestigung belegt, welche den Rheinübergang vor den Überfällen der Alemannen schützen sollte.
Im Mittelalter und der frühen Neuzeit kam Stein vor allem strategische Bedeutung zu, da es über eine der wenigen Brücken über den Rhein verfügte. Die spätmittelalterliche Rheinbrücke wurde bei Kämpfen zwischen Russen und Franzosen während der Franzosenzeit zerstört.
Haus zur vorderen Krone, Rother Ochsen, Steinerne Traube am Rathausplatz
Im Jahre 1007 verlegte König Heinrich II. das Benediktinerkloster St. Georgen von Hohentwiel/Singen hieher, um den Verkehrsknotenpunkt abzusichern. Stein am Rhein wird 1267 erstmalig als Stadt urkundlich erwähnt. Grund- und Marktherr der Stadt war das in der Altstadt am Rhein gelegene Kloster. Die hohe Gerichtsbarkeit gehörte zuerst den Herzögen von Zähringen, später den Kastvögten des Klosters St. Georgen, den Freiherren von Hohenklingen, schliesslich der süddeutschen Adelsfamilie Klingenberg.
1457 gelang es den Stadtbehörden, die Vogteirechte mit einem finanziellen Kraftakt von der überschuldeten Familie Klingenberg zu erwerben und so den Status der Reichsfreiheit zu erlangen.
Das gut erhaltene, neulich renovierte Schloss dominiert auf einem schmalem Bergsporn das Städtchen und stammt etwa aus der Mitte des 13. Jhdt. Die Freiherren von Hohenklingen, Vögte des Klosters St. Georgen, erweiterten die Anlage mit Ringmauer, Palas, Kapelle und Wirtschaftsgebäuden. Nach 1484 bezogen die Zürcher die Burg in ihr Hochwachtennetz ein. Seit 1863 besteht hier eine beliebte Gastwirtschaft.
Altstadt mit Burg Hohenklingen
1459 verbündete sich Stein mit Zürich und Schaffhausen, um sich vor Übergriffen der Habsburger zu schützen. Stein am Rhein versuchte in dieser Zeit, seine Stellung als Handelsort und Marktzentrum durch den Erwerb umliegender Orte zu entwickeln. Es gelang der Stadt aber nicht, die Schirmherrschaft über das Kloster St. Georgen zu erwerben, da Zürich ihr zuvorkam. Danach geriet sie aber mehr und mehr unter die Oberhoheit des mächtigen Zürichs, das seine Nordgrenze am Rhein sichern wollte.
1484 begab sich Stein aus finanziellen und politischen Gründen vollständig unter die Schutzherrschaft Zürichs und kam so definitiv zur Eidgenossenschaft. Nach der Aufhebung des Stifts in der Reformation baute Zürich als Rechtsnachfolger des Klosters schrittweise seine Landesherrschaft über Stein auf.
Die Zugehörigkeit zu Zürich endete in der Helvetik, als Stein im Mai 1798 an Schaffhausen angeschlossen wurde. Zwar versuchte Stein 1802 wieder zu Zürich zurückzukehren, musste aber schliesslich mit der Inkraftsetzung der Mediationsverfassung 1803 seine Zugehörigkeit zu Schaffhausen akzeptieren.
In den malerischen Gassen und auf dem Rathausplatz bezaubern zahlreiche Bürgerhäuser den Betrachter mit ihren Erkern und Fassadenmalereien aus verschiedenen Epochen. Das im 16. Jahrhundert erbaute Rathaus diente früher als Kaufhaus.
Blick von der Brücke auf das RathausGasthof zur Sonne am Rathausplatzreich bemalte BürgerhäuserKrieger auf dem Stadtbrunnen 16. Jhdt.Rathaus im HintergrundRiegelhaus am Rathausplatz
Beeindruckend das Kloster St. Georgen, eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Klosteranlagen der Schweiz. Die Abtei war bedeutend für die Entwicklung der Stadt Stein am Rhein. Das Kloster wurde in romanischer Zeit gegründet und in der Zeit vom 15. bis zum frühen 16. Jahrhundert mehrfach umgebaut. Das Kloster wurde in der Reformation aufgehoben. Heute ist es ein Museum.
Eckgebäude des Klosters am Rhein Blick auf die Rheininsel Werdt
Zu Mittag gegessen haben wir im modernen Restaurant Chlosterhof (das Restaurant Sonne hatte Schliesstag). Sehr schöner Ausblick auf den Rhein, freundlicher Service, ordentliches Essen. Teuer. Kalbsschnitzel mit Serrano-Schinken und Frischkäse gefüllt an leichter Trüffelsauce, Basilikumlinguine und Spargelspitzen.
Blick aus dem Chlosterhof auf den RheinBlick in einen Teller des Chlosterhof
Mit vollem Magen nimmt das Interesse an Kultur ab. Fortsetzung des Spaziergangs. Interessant das Bürgerasyl, ehemaliges Spital zum Heiligen Geist, das fünf um einen Hof versammelte Gebäude umfasst, welche die historische Entwicklung vom mittelalterlichen Klosterspital zum städtischen Spital und zum Armen- und Waisenhaus spiegeln.
Holzbaukunst an der ObergassHausteil im Bürgerasyl
Bevor wir die Heimreise antraten, noch den unvermeidlichen, kleinen Abstecher an den Untersee, nach Mammern, allwo die kleine Dorfbäckerei des Jakob Weber die besten (und teuersten) Salzstangen der Welt herstellt.
Kalt und unfreundlich war das Wetter in Luzern, als ich mich mit Regenschirm auf den mir nun schon zur Tradition gewordenen Marktbesuch aufmachte. Frühere Besuche siehe hier und hier und hier.
Vor der Jesuitenkirche gings ruhiger zu, als an sonnigen Tagen. Auf dieser Reuss-Seite habe ich mich mit Sauerteig-Brot vom Eigenbrötler eingedeckt. Ab sofort ein Muss bei jedem Luzernbesuch.
Jesuitenkirche und Markttreiben
knack-knackiger Kopfsalatdie hättens gerne wärmerGummibänder schützen nicht vor Kälteein caffè Borgia im da Emilio wärmt hingegen
Am Löwendenkmal schnell noch ein Münze über die linke Schulter ins Wasser geworfen, jaja, gleich wie am Fontana di Trevi in Rom, mit derselben wundertätigen Wirkung, der nächste Kurs bei Rosenblatt (Gemüseküche) findet am 14. August statt und dazu möchte ich wiederkommen.
Das Löwendenkmal erinnert in der Allegorie eines sterbenden Löwen an die 1792 beim Tuileriensturm in Paris rund 760 gefallenen Schweizergardisten. Das Mal ist in einen ehemaligen Sandsteinbruch gehauen. Als Kind besass ich schon ein kleines Exemplar des Löwen in Gips. Entworfen wurde es vom dänischen Bildhauer B. Thorvaldsen.
Bahnhofstrasse mit kupfernem Standbild des Erbauers der Gotthardbahn
Wieder ein Jahr um. Wieder freue ich mich, am alljährlichen Schokitag Ende April, die Naturalauschüttung der Schokoladen-Dividende abholen zu dürfen. Ein halber Tag Zürich für mich allein.
Brunnenidyll an der SchipfeMittagessen in der Bierhalle Kropf
Ein paar Schritte durchs Niederdorf, zur Kolonialwarenhandlung Schwarzenbach. An Rösttagen kann man durchs offene Fenster zusehen und mitriechen, wie Kaffee geröstet wird. Der grüne, vietnamesische Reis hätte mich gereizt, da ich nicht wusste, was ich damit kochen könnte, liess ich es bleiben.
Blick durchs offene FensterGrüner Reis aus Vietnam
Eine Häuserverzierung erinnert mich an die Schneckenkörner, die ich noch einkaufen muss.
Slow-food im Oberdorf, Haus zur blauen Schnecke
Seitlich am Café Schober vorbei, gelangt man zum Brunnenturm, ein spätmittelalterlicher Wohnturm, der um das Jahr 1250 inmitten der Altstadt errichtet wurde. Von 1357 bis 1429 war er im Besitz von lombardischen Händlern und Geldausleihern, deshalb hiess er damals „Lamparterturm“.
Brunnenturm an der SpiegelgasseHans Waldmann und Grossmünster
Am Neumarkt 5 steht das 1742 für die Zunft der Schuhmacher erbaute Gesellschaftshaus. 1888 ging das Haus in den Besitz des Deutschen Arbeiterbildungsvereins über und war lange Zeit Treffpunkt linker Gruppierungen. Wladimir I.U. Lenin hielt sich während seines Zürcher Exils hier oft auf. Heute ist daraus ein Theater geworden.
Theater am Neumarkt
Auf der anderen Limmatseite, durch die vom vergangenen Sächsilüüte immer noch festlich beflaggten Gassen zurück zum Bahnhof und heim. Auslandaufenthalten sind ermüdend.
Augustinergasse, fahnenbekränztÜberreste des Sechseläuten
Seit Wochen die erste Ausfahrt, während der keine Wolken die Sonne verhüllten. Nach Neuenstadt am untern Ende des Bielersees. Erst mal gut gegessen in Lüscherz, auf der andern Seite des Bielersees: Felchenfriture mit 3 Saucen und…, es kam einfach über mich, pommes frites.
La Neuveville wurde 1312 vom damaligen Basler Fürstbischof als neue Stadt an der Grenze zum befehdeten Fürstentum Neuenburg gegründet, um Flüchtlinge aus dem Val de Ruz aufzunehmen, die kurz zuvor durch Rudolf IV. von Österreich vertrieben wurden. Erste Rechte erhielt der Ort im Jahr 1318, ein Friedensbündnis wurde 1342 unterschrieben. Im Jahre 1388 wurde ein Burgrechtsvertrag mit der Stadt Bern geschlossen, 1395 auch mit Biel, weil es seine Eigenständigkeit gegenüber dem Fürstbistum wahren und erweitern wollte.
Die quadratische, historische Stadtanlage aus dem 14. Jahrhundert weist drei parallele Gassen (quer zum See und zum Hang angelegt) sowie eine moderne Durchgangsquerung auf. Die Stadtmauer besitzt sieben Türme, die meisten entstanden zur Zeit der Stadtgründung 1312.
Rue du marché mit der fontaine du Banneret (1550) und hinten dem Tour rouge
Spielet nicht mit Schiessgewehren ! Hund des Bannerherrn mit einem Radschlossgewehr im Anschlag.
Bannerherr mit Hund und SchiessgewehrDie Rue du marché vom roten Turm aus
Von 1798 bis 1815 gehörte La Neuveville zu Frankreich und war anfangs Teil des Département du Mont Terrible, das 1800 mit dem Département Haut-Rhin verbunden wurde. Durch den Entscheid des Wiener Kongresses kam das Städtchen 1815 an den Kanton Bern zum Amtsbezirk Erlach. 1846 wurde es Hauptort des neu gegründeten Distrikts La Neuveville.
Rue du Collège
Seilzug für das Hochziehen von BrennholzLa Grenette (Kornhaus) 18. Jhdt.La Tour Rive, 1318Tour BaillifLa maison de Berne, 1631am See sitzen und ins Wasser gucken
Das Maison des Dragons hat seinen Namen von den Drachenköpfen an den Dachtraufen. Architektonisch ein reiner Louis XV-Bau. 1757-58 erbaut für den Stadtkanzler David François Tschiffeli aus einem Berner Aristokratengeschlecht.
Maison des Dragons
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