Und endlich wieder ein Brot: Das Weinheimer Zwirbelbrot, gesehen erst bei Eva Deichrunner, nachgebacken von Jutta Schnuppschnüss und Andrea Einfach Guad. Danke an Eva, die mir das Originalrezept der Bundesfachschule des Deutschen Bäckerhandwerks zugesandt hat, weil ich das Zwirbeln nicht ganz begriffen habe. Ich habe mich ziemlich genau an deren Vorgaben gehalten. Ein schmackhaftes, gutes Halbweissbrot, wie man es hier unter dem Namen Zwirbelbrot in Bäckereien auch findet. Beim Zwirbeln ist mir der sehr weiche Teig etwas in die Länge gelaufen, und ich hatte Mühe, den Teigling diagonal im Backraum unterzubringen. Das Brot wirds nochmals geben.
Zutaten
250 g Halbweissmehl Typ 550
175 ml kaltes Wasser
1 g Hefe
6 g Salz
Roggenvollkornmehl zum Bemehlen
Zubereitung
(1) Alle Zutaten mind. 10 Min. in der Küchenmaschine kneten. Nachmittags 15h.
(2) Teig in eine gut geölte rechteckige Frischhaltedose geben und mit Deckel lose abdecken. Dann etwa 12-18 Stunden im Kühlschrank (5°C) ruhen lassen.
(3) Teig danach aus dem Kühlschrank nehmen, Frischhaltedose in lauwarmem Wasser 15 Minuten anwärmen und anschliessend 6 Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen, bis sich das Teigvolumen um das zweieinhalbfache vergrössert hat.
(4) Teig auf eine mit Roggenvollkornmehl dick bemehlte Fläche stürzen, vorsichtig im Mehl wälzen, nicht mehr kneten, und mit beiden Händen von der Mitte aus zweimal um die Längsachse verdrehen und auf Backpapier legen.
(5) Ofen mit Pizzasteinen auf ca. 240° C vorheizen, ca. 10 Minuten backen, dann Hitze reduzieren auf 200°C, weitere 20 Minuten backen. Brot herausnehmen, Ofen auf 240°C stellen, nachdem die Temperatur erreicht ist, das Brot erneut in den Ofen geben und nochmals 5 Minuten backen.
Einback, der erstgeborne Bruder des Zwiebacks. In hiesigen Bäckereien findet man Einback nur noch selten. Umso grösser die Überraschung, als wir vor ein paar Wochen in der Auslage einer kleinen Bäckerei im Zürcher Weinland zufällig auf Einback stiessen. Gekauft und daraus zuhause wunderbare Erdbeerschnitten zubereitet. Wie einst. Das beste aller guten Desserts aus der Kinderzeit. Aber eben, das war vor ein paar Wochen. Reiseunfähig, wie wir derzeit sind, ist an Einbacknachschub nicht zu denken. Aber selbst ist der Mann: Selberbacken. Im Internet fanden sich mehrheitlich norddeutsche Einbackrezepte der protestantischen, frugalen Richtung. Reihenwecken, wie sie dort heissen. Mir stand der Sinn aber nach katholischem Einback mit dem genussfreudigen Einschlag. Bei Lucas Rosenblatt wurde ich im Buch Balsamico, Würzen mit edlem Essig, ISBN 3-03780-221-9,fündig. Zuweilen sind die Pfade der Erleuchtung verschlungen. Auch wenn meine Reputation als Bäcker gleich Null ist: nachbackwürdig. Das beste Brioche, das ich je gegessen habe.
Zutaten für den Vorteig:
50 ml lauwarme Milch
20 g Zucker
20 g Frischhefe
50 g Weissmehl Type 405
für den Hauptteig:
140 g Vorteig gegangen
50 ml Milch
1/2 Ei (die andere Hälfte zum Bestreichen)
2 Eigelbe (40 g)
250 g Weissmehl
80 g gute Butter (lamiacucina: 60 g, Konzession an die Protestanten)
10 g Salz ? (lamiacucina: 5 g, mit 10 g hat es mir bei einem früheren Backversuch zu versalzen geschmeckt, das kann aber auch an der elektronischen Waage gelegen haben)
KnetorgieRöllchen legen
Zubereitung
(1) Zutaten für den Vorteig verrühren, Schüssel mit Klarsichtfolie verschliessen und bei Raumtemperatur auf das doppelte gehen lassen, was etwa 40 Minuten dauert.
(2) Halbes Ei und Eigelbe mit der Milch verrühren, unter den Vorteig rühren, Mehl und Salz hinzusieben, etwa 10 Minuten zu einem festen Teig kneten. Früher habe ich die Butter immer gleich zugegeben, dann geht der Teig nicht mehr schön auf.
(3) Butter in Stückchen nach und nach unter den Teig kneten, in der Küchenmaschine weitere 5 Minuten kneten lassen. Schüssel mit Klarsichtfolie verschliessen und bei Raumtemperatur 30 Minuten gehen lassen.
Wecken abgebrochenSchnittfläche
(4) Backofen mit kleinem Gussgefäss auf 220°C vorheizen. Ausziehbare Cakeform (35cm)gut einbuttern. Teig nochmals kurz durchkneten und in Portionen von von ca. 80 g teilen. Aus diesen Portionen ca. 8 cm lange, 3 cm dicke Rollen formen und quer in die Cakeform setzen, wie wir das beim Toastbrot von Meister Süpke gelernt haben, möglichst so, dass zwischen jeder Rolle ein paar Millimeter Abstand bleiben, damit die Rollen erst beim Aufgehen an den Seiten zusammenstossen. Nochmals 20 Minuten mit Folie bedeckt gehen lassen. Mit dem verquirlten Ei bestreichen.
(5) Vor dem Einschiessen der Form das Gussgefäss mit 50 ml kaltem Wasser befüllen. Cakeform sofort in die Mitte des vorgeheizten Ofens schieben. Den Backofen anschliessend sofort auf 180°C zurückschalten und ca. 25 Minuten ausbacken.
für die Erdbeeren auf dem Einback: Erdbeeren putzen, vierteln, mit etwas Zucker bestreuen, dann vorweg auf frisch getoastetes Einback-Brioche legen und sofort essen.
Anmerkung
Ein früherer Backversuch war viel zu kompakt geraten. Durch die Verlängerung der Knetzeit vor der Zugabe der Butter habe ich den Stärkeproteinen mehr Zeit gegeben, Glutene auszubilden. Mein zweites Einback-Brioche zeigte einen tollen Ofentrieb, die Krume fluffig, flockig, fast wie bei einem panettone.
Bei Brot bin ich anspruchsvoll. Nur das Beste schmeckt mir. Schlimmer noch. Ich bin ein Brot-Chauvinist. Chauvinisten sind unangenehme Zeitgenossen. Brot-Chauvinisten glauben an die Superiorität ihres Brotes und ziehen es andern Broten vor. Wenn ich gutes Basler Brot habe, brauche ich kein anderes Brot mehr, will keine Abwechslung im Brotkorb, kann mich jahraus, jahrein von Basler Brot ernähren. Verständnislos gucke ich mir die von anderen Bloggern gebackene Vielfalt in Brotevents an: Ewig Suchende, wonach sucht ihr denn, es gibt doch Basler Brot ? Wenn es doch nur so wäre; leider gibt es in Basel nicht allzuviele gute Basler Brote, das beste kommt aus Bern und selbst dieses war das letzte Mal nicht über alle Zweifel erhaben.
Zorra, die Luzernerin, hat sich meiner Not erbarmt und für mich ein Basler Brot entwickelt und gebacken. Dazu machte ich meinen ersten Sauerteigstarter (auch dieser nach zorra) und nach 8 Tagen Kinderstube: Füttern, Nachtruhe, Blubbern, Windeln wechseln, gings los. Resultat: mein bisher bestes (allerdings auch erstes) Sauerteigbrot. Die Krume geschmackvoll, weich, sauerteigbetont, wie ich es mag, etwas mehr als typischerweise bei Basler Brot üblich, die Porung etwas zu gleichförmig geraten. Die Kruste knusprig, geht eher Richtung Luzerner Weggen, ich hätte besser bemehlen sollen, die Craquelierung fehlte bei mir. Peanuts: ich bin begeistert. Hat sich auf Anhieb einen Rang im obern Drittel der Basler Brote aus Basel erobert. Danke zorra. Und mein neuer Mitbewohner, der Dinkel-Weizen-Kalt-Warm-Sauer, der übrigens Dinky heisst, hätte Lust, einen Luzerner Weggen oder ein St. Galler Bürli zu backen.
Zutaten
für den Dinkel-Weizen-Kalt-Warm-Sauer:
Dinkelvollkornmehl Typ 1700 Bio (zwecks Mehlaufbrauch)
Halbweiss-Weizenmehl Typ 700 Bio von COOP
1 Elf. Biorosinen
Mineralwasser Evian nature
für ein Baslerbrot, genauer, zwei Basler Laibli zu ca. 300 g Vorteig
80 g Weizenmehl Type 1100 (L: 70 g)
80 g Mineralwasser Evian (L: 70 g)
10 g fester Sauerteig (L: 30 g von meinem flüssigen Dinky)
ganz wenig Frischhefe (ca. 2 g)
Hauptteig
330 g Weizenruchmehl Typ 1100 Migros IP
5 g Gluten (optional, weggelassen, hatte ich nicht)
170 g Vorteig (siehe oben)
13 g Hefe
11 g Salz
180-200 g Mineralwasser (L: 190 g)
Dinkel-Weizen-Kalt-Warm-SauerIm Licht der Basler Sonne
Zubereitung für den Dinkel-Weizen-Kalt-Warm-Sauer:
(Tag 1) Rosinen in 0,5 dl heissem Mineralwasser einweichen, nach ca. 1 Stunde die Rosinen entfernen. Dann in ein Halbliter-Konfiglas 50 g Dinkelmehl geben, mit dem Rosinenwasser mischen. Das Glas mit Folie abdecken, nicht luftdicht! 24 Stunden an einem nicht zu warmen (18-21 Grad!!!) Ort stehen lassen.
(Tag 2) Hälfte des Teiges wegschmeissen dann mit 50 g Dinkelmehl und 0,5 dl Mineralwasser mischen. Mit Folie zudecken und wieder 24 Stunden stehen lassen.
(Tag 3) wie Tag 2: weil er bereits brav blubbert und ihm im kühlen Keller so langweilig ward, darf er tagsüber für 6 Stunden zu mir aufs warme Fensterbrett: 25°C. Irgendwo habe ich gelesen, dass die Bäcker die Sauerteigführung zur Begünstigung thermophiler Bakterien bei höheren Temperaturen vornehmen…
(Tag 4) wie Tag 3: ab heute kriegte er Weizenmehl Typ 700 zu füttern, irgendwo habe ich gelesen, dass Dinkel sauer mache…
(Tag 5-8) wie Tag 4: trotz allem hin und her scheint der Sauerteig ein Gleichgewicht erreicht zu haben. Ein paar Stunden nach Fütterung verdoppelt er sich (bei 19°C), fällt dann zusammen, lebt in den warmen Zimmerstündchen nochmals leicht auf. Tag für Tag dasselbe.
Immer guter Getreidegeruch, keine Fremdgerüche wie Essigsäure oder Aceton, nach 4 Tagen kräftig milchsaurer Geschmack.
für das Basler Brot:
Vorteig: Alle Zutaten gut mischen und 15-20 Stunden bei Raumtemperatur stehen lassen. Man kann den Vorteig auch in den Kühlschrank geben und so einige Tage aufbewahren. Vor dem Gebrauch Zimmertemperatur annehmen lassen.
Hauptteig: Hefe in 0,5 dl Wasser auflösen. Vorteig ebenfalls mit etwas Wasser verdünnen. Alle Zutaten zu einem weichen, noch leicht klebrigen Teig kneten. In der Kenwood 10 Minuten kneten, anfangs langsam, dann schneller. Damit der Teigklumpen nicht nur, wie bei Kenwood üblich, rundherum Karussel fährt, hebe ich den Klapparm ganz leicht an. Teigtemperatur am Ende: 28°C. Der Teig muss sich von der Teigschüssel lösen, klebt aber beim Rausnehmen noch leicht an den Fingern.
Den Teig 60-90 Minuten (bei mir 90 Min. bei 25°C ) zugedeckt ruhen lassen, jeweils nach 30 Minuten ein stretch&fold machen.
Teig halbieren und vorsichtig zu länglichen Ovalen formen, gut bemehlen und auf einem Backpapier so zusammenlegen, dass sie an einem Ende zusammenstossen. Zugedeckt sehr gut gären lassen (ca. 60-75 Minuten bei 27°C). Die Laibe zeigen ganz leichte Abflachungstendenz: deshalb ein einmaliges push-up. Uff, diese englischen Brotbackfachbegriffe. Ofen mit kleinem Gussgefäss auf 240°C vorheizen. Vor dem Einschiessen des Brotes das Gussgefäss mit 100 ml heissem Wasser befüllen. Teiglinge mit Papier aufs Blech gleiten lassen, 20 Minuten backen, Temperatur auf 200°C reduzieren weitere 10 Minuten backen. Brot aus dem Ofen nehmen. Ofentemperatur auf 230 °C erhöhen. Nach ca. 5 Minuten, wenn der Ofen 230°C erreicht hat, das Brot nochmals ca. 10 Minuten backen, bzw. auf Sicht backen.
Heute ist mir eine grosse Freude zuteil geworden: Als Backlaie habe ich versucht, Bäcker Süpkes Wundertoastbrot nachzubacken. Und es ist, vielleicht nicht 100% perfekt, aber es ist gelungen. Ein rundes, in der nagelneuen Rundform und ein trapezförmiges, in der Kuchenform. Ich reihe mich deshalb stolz wie ein Spanier in die lange Reihe derer ein, die das Brot vor mir schon nachgebacken haben: EvaStefanUlrikeSivieCascabelChaosqueenJuttaHeidiPetraAstridZorra… noch wer? von stillen NachbäckerInnen nicht zu reden. Danke an Bäcker Süpke, aber auch an Stephan für den Trick mit umgekehrt backen und an Cascabel für die Tipps zur Rundform.
Rundes Toastbrot wird bei uns oft zugekauft, für belegte Brötchen, ausgehöhlt und gefüllt. Die runde 7cm Form habe ich im Internet bei einem schweizerischen Bäckereibedarfslieferanten gefunden. Anders als bei Cascabels Form, ist hier ein Klappverschluss an der Stirnseite angebracht. In der Schweiz ist eben alles anders. Die Cakeform ist meine 18cm Kuchenform. Die Mengen habe ich heruntergerechnet auf 800 g (je 400 g pro Form).
28°C auf der Küchenbeleuchtung
Zutaten für den Vorteig: 138 g Weissmehl
2.8 g Salz
2.1 g Frischhefe
103 g Wasser
für den Hauptteig:
Vorteig
335 g Weissmehl
7.6 g Salz
9.7 g Zucker
41 g Butter
21 g Frischhefe
145 g Milch
das runde mit zuwenig, das kuchenförmige mit zuviel Teig
Zubereitung
(1) Den Vorteig in einer Plasticbox 2h bei Raumtemperatur stehen lassen, dann mit einem feuchten Lappen bedeckt in den Kühlschrank für mindestens nochmal 16h. Dann 2 Stunden an Raumtemperatur angleichen.
(2) Mehl, Salz, Zucker mischen, Butter bei laufender Maschine in kleinen Stücken untermischen, Vorteig in Stücken und die in 35°C warmer Milch aufgelöste Hefe zugeben und 10 Minuten kräftig kneten.
(3) eine Rolle wirken, halbieren. Die eine Hälfte durch Wasser ziehen und in die gebutterte Rundform passen. Die andere Hälfte in 4 Stücke schneiden, ebenfalls durch Wasser ziehen und quer in die gebutterte Kuchenform einpassen. Die Kuchenform mit Folie bedecken, die Rundform zuklappen und beide 30 Minuten bei 28°C gehen lassen.
(4) Die Kuchenform auf ein mit Backpapier belegtes Rundblech stürzen und mit einem Gusseisen beschweren. Beide Formen in den auf 230°C vorgeheizten Ofen (Unter-/Oberhitze, Schiene 2) schieben, Temperatur auf 200°C zurücknehmen und 30 Minuten backen.
Trotz Beschwerung drückte der Teig in der Kuchenform etwas hoch, was immerhin die Beurteilung der Bräunung durchs Ofenfenster erlaubte. Was hier zuviel an Teig war, fehlte an den Enden der Rundform, nächstesmal 30 g Teig mehr in die Rundform geben.
Anmerkung
Das Toastbrot duftet und schmeckt selten gut, und wir sind doch in Sachen Bäckerbrote ziemlich verwöhnt. So Herr L.: Genug gefreut. Zurück auf den Boden der Realität. Ein Toastbrot macht noch keinen Bäcker (alte, chinesische Spruchweisheit 🙂 ).
Im Kanton Freiburg hat sich ein alter Brauch bis heute erhalten, die Bénichon. Ursprünglich das jährliche Fest der Kirchenweihe, oft zusammenfallend mit dem Patronatsfest, sind daraus ab dem 15. Jhdt. durch Einbezug profaner Feierlichkeiten wie Erntedank, Alpabzug, Weinlese etc. beliebte Volksfeste entstanden. Im Kanton Freiburg finden sie zwischen September und Anfang Oktober, in der Bergregion im Anschluss an Alpabfahrten statt, im Kanton Jura als Fête de Saint-Martin am 11. November.
Der Hintergrund des Dankes für die Ernte, über die der Segen gesprochen wird, mag zwar meist gänzlich aus dem Bewusstsein verschwunden sein, dennoch lässt sich der Name des Volksfestes (bénir = segnen, Benedictio = Schlußsegen) immer noch daraus ableiten. In der Schweiz sind sie jedoch in reformierten, „genussfeindlichen“ Gegenden lange Zeit gänzlich verschwunden und erst in der Neuzeit als Chilbi, Kirmes wiederbelebt worden.
Zum Auftakt des üppigen Erntedankfestes wird in Freiburg eine Cuchaule, ein Zopfbrot mit Safran serviert. Dieses wird erst mit Butter, danach dick mit süss-saurem Senf, dem Moutarde de Bénichon bestrichen. Danach folgen deftige Speisen wie etwa Pot-au-feu mit karamellisierten Birnen, geräucherter Beinschinken, Speck, Würste und Bohnen, gefolgt von einem Lammgigot. Und das ist noch lange nicht alles.
Mit thanksgiving und Truthahn kann ich nicht viel anfangen, ein nordamerikanischer Brauch. Auch wenn ihn die Amerikaner auf die Pilgerväter zurückführen, wird er seine Wurzeln letztlich am selben Ort haben wie der freiburgische Moutarde de Bénichon und die Cuchaule. Deshalb nehme ich mir die Freiheit, meinen Senf und mein Brot auf den thanksgiving-Beistelltisch von femnerd zu stellen.
Moutarde de Bénichon
Der Senf enthält in allen recherchierten Rezepten wie etwa hier Senfmehl, Wein, Vin cuit (Trauben- oder Birnendicksaft), Gewürze, teilweise auch Honig und ist mit Mehl zu einer dickflüssigen Konfitüre abgebunden. Gefällt mir nicht ganz. Ich will mein eigenes Rezept. Darin habe ich weiche, mehlige Medjool-Datteln verkocht, damit ich mit weniger Mehl/Stärke auskomme. Zudem habe ich den Zuckeranteil kräftig reduziert. Andere Verdickungsmittel Johannisbrotmehl, Guakernmehl wären auch in Frage gekommen, hatte ich aber nicht.
Zutaten ergibt ca. 4-500 g Senfkonfitüre
30 g Senfmehl (Colman’s)
0.5 dl Weisswein
2.5 dl Wasser
5 cm Zimtstange
1-2 Sternanis
1 Prise Nelkenpulver
1 Msp. Anissamen ganz
100 g Medjooldatteln, entsteint
50 g Kandiszucker
50 g Vin cuit aus Birnen (Birnendicksaft)
20 g Honig
15-20 g Speisestärke
Prise Salz
Gewürz und SenfpulverSenf mit eigens entworfenem Etikett
Zubereitung
(1) Senfmehl in einem verschliessbaren Glas mit Weisswein mischen und 24 Stunden im Kühlschrank stehen lassen.
(2) Tags darauf Datteln hacken und mit dem Wasser, Kandiszucker, Sternanis und den Gewürzen etwa 15 Minuten kochen, dann zugedeckt langsam erkalten lassen. Sternanis und Zimt herausfischen und den braunen Extrakt mit dem Stabmixer feinmixen. Durch ein Sieb passieren.
(3) Erneut erhitzen, etwas einkochen, dann den Vin cuit, den Honig und die Speisestärke zufügen, wiederum etwas einkochen und zuletzt das Senfpulver in Weisswein unterrühren. Von hier ab nur noch etwa 3 Minuten kochen und dann in Gläser abfüllen, die zuvor mit kochendem Wasser ausgegossen wurden. Haltbarkeit: wenn geöffnet, innert 10 Tagen verbrauchen.
Cuchaule
Bei der Cuchaule haben zwei Blogger aus meiner blogroll, Rosa von Rosas yummy-yums und Claude-Olivier 1001 Recettes erst kürzlich welche gebacken. In meinem Rezept halte ich mich jedoch an ein Familienrezept von Gérard Perriard , einem Greyerzer. Dessen Rezept liegt im Buttergehalt zwischen den Rezepten von Rosa und Claude-Olivier und liegt wegen seiner einfachen Zubereitung eher auf meinem Backniveau.
Zutaten
500 g Weissmehl (Zopfmehl)
65 g Butter
1/2 Würfel Frischhefe, 21 g
3 dl Milch
70 g Zucker (Original 6 Elf.)
1 Tlf. Salz
125 mg Safran
1 Eigelb mit wenig Rahm verrührt als Glasur
weicher buttriger TeigDouble
Zubereitung
(1) Weissmehl sieben. Zerbröselte Hefe mit dem Zucker, der Butter (65 g) und dem Safranpulver in 32°C warmer Milch auflösen. 10 Minuten stehen lassen. Wenn die Milch einige Blasen zeigt,eine Delle in die Mehlspitze formen, das Salz rundum streuen und die Hefemilch in die Grube giessen.
(2) Erst mit einer Gabel, dann mit einer Hand Mehl und Milch zu einem Teig vermischen. Diesen auf einer gut bemehlten Unterlage 15 Minuten weiterkneten. Das habe ich natürlich meine K-maschine mit ihrem Aluminiumfinger machen lassen. Der Teig ist dann kompakt und weich zugleich.
(3) Mit einem Tuch locker zugedeckt für 60 Minuten ruhen lassen.
(4) Backofen auf 190°C vorheizen. Den Teig kurz kneten und zu einer Kugel formen (ca. 1 min.). Auf ein Backblech legen. Mit einem Messer carréförmig einritzen und mit etwas Eigelb glacieren. In das untere Drittel des Backofens einschieben und ca. 40 Minuten backen.
Anmerkung
Ein wunderbar handhabbarer und kinderleichter Teig, das Ergebnis schmeckt gut, fast wie ein Brioche. Dazu die köstliche, süsse Bénichonkonfitüre, mit ihrem Geschmack nach all den winterlichen Gewürzen, Honig, Vin cuit, Datteln, Kandis. Und der sanfte Senfzwick im Gaumen schmeckt wirklich witzig.
Das erste und letzte Brotbackfiasko noch nicht ganz verdaut, blieb mein Blick an der dunkeln Ciabatta von Marcela im Blog La Majuluta hängen. Ihr Spanisch verstehe ich nicht, doch war ihr Beitrag zweisprachig, auch auf italienisch geschrieben. Und weil das Bild der Ciabatta so schön war, mich sofort angesprochen hat, musste ich einen neuen Brotbackanlauf wagen. Diesmal besser vorbereitet. Mit meinem Armentarium an wissenschaftlichem Gerät aus dem vorletzten Jahrhundert. Jetzt oder nie. Mein Beitrag zum World Day of Bread ’08.
Zutaten Total:
500 g Brotmehl diverse
365 g Wasser
10 g Salz
6 g frische Backhefe
für die Biga (Vorteig):
100 g Dinkelvollkornmehl Demeter (Fr. 5.80/kg)
60 g Wasser (Evian still)
0,2 g frische Backhefe
Hefe wägen wie im 19. Jhdt.weiche Teige schafft die K.
für den finalen Teig:
„La farina dovrebbe avere un buon contenuto di glutine“ steht bei Marcela, Sie nahm 30 g farina con aggiunta di glutine, 100 g farina 0, 270 g farina di farro.
Ich nahm: 300 g Dinkelvollkornmehl, 100 g Halbweissmehl Demeter Typ 700, 100 g Hartweizendunst
305 g Wasser (Evian still)
10 g Salz (besser 12 g)
5,8 g frische Backhefe
und den ganzen Biga von oben.
Zubereitung für die Biga:
(1) Hefe in der Teigschüssel vorlegen und im Wasser „lösen“. Mehl zumischen und gut mischen. Die klebrige Paste mit Folie zugedeckt bei 21°C (hab ich wirklich genau eingehalten) während 16 h stehen lassen.
für den finalen Teig:
(2) Hefe in der Teigschüssel vorlegen und im Wasser „lösen“. Mehle und Salz zugeben und mit dem Knethaken bei geringer Geschwindigkeit mischen. Anschliessend die Biga in „Stücken“ zugeben. Bei mir war die Biga eher pastös-klebrig als stückig. Weitere 4 Minuten bei höherer Geschwindigkeit mischen.
„L’impasto risulterà un po‘ apiccicoso“. Bei mir war er sehr klebrig. Hab ich etwas kopflos nochmals 50 g Halbweissmehl zugemischt. Am Ende des Misch/Knetprozesses soll die Teigtemperatur 24°C nicht überschreiten (25°C, na bitte)
(3) 1 Stunde mit Folie zugedeckt gehen lassen. Einmal stretch&fold. Danke Ulrike, dank Dir weiss ich endlich, was das ist.
(4) Und nochmals 1 Stunde gehen lassen und stretch&fold.
(5) Und nochmals 1 Stunde gehen lassen und stretch&fold. Aus dem ahnsehnlichen Teigklumpen habe ich 2 Stücke (statt 4) geformt, auf ein geripptes, bemehltes Kunststoffschneidbrett gelegt und mit Folie zugedeckt 1.5 Stunden gehen lassen. Danach war er lustig schwammig anzusehen.
FieberkontrolleAuch Wissenschafter können irrenstretch&foldschwammiger Teigling nach 1.5 h
(5) Ofen samt Pizzasteinen (Schiene 1) auf 240°C vorheizen. Nach Erreichen der Temperaturanzeige weitere 15 Minuten warten, bis die Steine auch soweit sind.
(6) Mit Hilfe eines Spachtels den weichen Laib auf ein langes, schmales, bemehltes Brettl (aus einer Weinkiste) abkippen, mit einem Sägemesser 3 Schlitze schneiden (macht zwar niemand bei Ciabatta) und in den heissen Ofen einschiessen. Mit 1 dl heissem Wasser in einem Gusspfännchen bedampfen.
(7) Den ersten Laib habe ich 10 Minuten bei 240°C angebacken, dann Temperatur auf 200°C gestellt und bei fallender Temperatur weitere 20 Minuten gebacken. Brot herausgenommen, Ofen wieder auf 240°C aufgeheizt und das Brot nochmals 10 Minuten nachgebacken. Gesehen bei Zorra.
Der Laib war mir dennoch zu hell gebacken. Den zweiten Laib wollte ich voll bei 240°C während 30 Minuten durchbacken. Nach dem Einschiessen bemerkte ich, dass die Teufelselektronik den Ofen abgestellt hatte und dieser nur noch 200°C warm war. Aufheizen. So tun als ob. Auch bleich, drum mit wenig Olivenöl eingestrichen und nochmals 5 Minuten im Ofen eingebrannt.
Laib No. Zwo
Anmerkung
ein sehr gutes, wohlschmeckendes Dinkelvollkornbrot wie man es hier (in der brotverwöhnten Schweiz) in mancher guten Bäckerei kaufen kann. Die Krume leicht strohig, die Kruste nicht ganz so braun-schwarz, wie ich sie gerne gehabt hätte. An meinem Goldstandard, dem Basler Brot von Glatz, wird aber nicht gerüttelt.
Halb- und Vollprofis der Backkunst bitte wegzappen. Butterzopf der Erste. Das Rezept von überall und irgendwo zusammengetragen. Die Zopftechnik geistig mehrfach im Kopf hin und her und zurechtgeflochten. Frau L., die als ehemalige Zopfträgerin in ihrem Leben noch nie einen Zopf gebacken oder verschlungen hat, glänzt mit hilfreichen Bemerkungen „Ich will lieber nochmals Müslicake“, „Dann mach Du Deinen Zopf, ich backe mir meinen Müslicake selbst !!“. Kurz: ich musste da ohne Hilfe hindurch. Die zunächst vorgesehene Einfachst-Zopftechnik (die Stränge erst spiralförmig flechten, zu einem U auslegen und dann die beiden Enden links-rechts-links verflechten) führte zu einem Desaster, Neubeginn nach Entwirrung, doch oh wehe: die memorierte Alternativ-Zopftechnik von hier und da ab Schritt 4 nicht mehr nachvollziehbar. Gewurstel. Mein Beitrag zum Breadbakingday #10 „Breakfast breads“, betreut durch Melissa von Baking a Sweet Life.
Zutaten
1/2 Würfel Frischhefe (20 g)
1 Tlf. Malzzucker
2.5 dl Milch
100 g Butter
500 g Mehl (Type 405)
2 Teel. Salz (10g)
zum Bestreichen:
1 Eigelb
1 Elf. Kaffeerahm
1 Tlf. Zucker Zubereitung
(1) Mehl und Salz in die Teigschüssel der Kenwood sieben. Mulde formen. Die Hefe und den Malzextrakt in 3/4 der lauwarmen Milch verrühren, und in der Mulde zu einem dünnen Vorteig verrühren. 20 Minuten zugedeckt gehen lassen. Danach unter langsamem Kneten die weichen Butterflocken zugeben, das Ei mit etwas der restlichen Milch verquirlen, ebenfalls zugeben, zuletzt mit soviel Milch ergänzen, dass ein glatter, weicher, elastischer Teig entsteht, der sich von der Schüssel löst, aber nicht klebrig ist. Den Teig etwa 5 Minuten kneten lassen, so gut das mit einer knetfaulen Maschine halt geht. Ich hab noch 5 Minuten von Hand nachgeholfen um mehr Luft reinzubekommen.
(2) 1 Stunde zugedeckt bei Raumtemperatur stehen lassen. Das Teigvolumen soll sich verdoppeln.
(3) Den Teig halbieren und zu zwei gleich langen Strängen formen (ca. 60cm lang) die in der Mitte etwas dicker sind.
(4) „Zu einem Zopf flechten“ 🙂 🙂 🙂 Nach dem vierten Anlauf das entstandene, lädierte Teiggewurstel auf ein Backtrennpaper legen und mit einem feuchten Tuch zugedeckt nochmals 30 Minuten gehen lassen, mit Eigelbrahm bestreichen, dann 15 Minuten in den Kühlschrank stellen. Nochmals mit Eigelbrahm bestreichen.
(5) Zopf im vorgeheizten Ofen bei 200°C (Unter-/Oberhitze, Schiene 2) etwa 10 Minuten backen, Hitze auf 180°C reduzieren und weitere 30-40 Minuten fertigbacken. Klopfprobe. Auf einem Gitter auskühlen lassen. Anmerkung
Gar nicht schlecht. Besonders mit viel Butter und Orange Marmelade drauf. Eine Spur fluffiger hätte er sein dürfen, eine Tendenz zur Breite ist unübersehbar und die Glutenstreifen ? sind vermutlich beim herumwursteln entstanden. Nachträglich habe ich bei Chili und Ciabatta ein ähnliches Rezept für ihre Butterlaible gefunden (ohne Ei). Beim nächsten Versuch vielleicht die Butter gekühlt zugeben. Und mit den von Frau L. versprochenen Seidenbändern (rot/weiss) zuerst Zopf flechten üben.
Mein erstes richtiges, selbstgebackenes Brot wäre beinahe an unüberwindlichen Hindernissen gescheitert. Die auf etwa 50 cm ausgezogenen Teigstücke liessen sich im 40 cm breiten Backraum partout nicht platzieren. Erst nach einigem hinundher-Geschiebe, lautstarken Flüchen und zwei verbrannten Fingern bequemten sie sich, in schwerstgekrümmter Form Platz zu nehmen. Dass aus dem 18-Stunden-Brot von ye olde bread blogge ein 72-Stunden-Brot geworden ist, hat mit plötzlich aufkommender Reiselust zu tun. Anstelle von Brotbacken war plötzlich eine Kaffeereise angesagt. Derweilen sich der Teig bei 5°C im Kühlschrank ausgeruht hat. Einen Tag. Zwei Tage. Und noch einen dritten Tag.
Zutaten
für 2 Baguettes
300g backstarkes Weissmehl (Ich hab Schweizer Halbweissmehl, Typ etwa 700, verwendet. Von backstark stund nichts auf der Packung)
210g Wasser (meines aus der Evian-flasche von Frau L.)
6g Salz
0.3g Frischhefe
später noch 10 g Malzmehl, vermischt mit 30 g Halbweissmehl
Zubereitung
(1) Die Zutaten in der Maschine zu einem weichen Teig kneten. Plötzlich unterbrochen durch den Beschluss, eine Ausreise zu machen. Also:
(2) Teig in eine Dose verpacken und ab in den Kühlschrank bei 5°C.
(3) Nach 24h: keine Zeit, andere Kochprojekte haben Vorrang.
(4) Nach 48h: keine Zeit, andere Kochprojekte haben Vorrang.
(5) Nach 72h: Entnahme der Dose aus dem Kühlschrank, frischer Geruch, 6 h Temperieren bei Raumtemperatur. Der Teig entwickelte sich recht zimperlich, ist dafür ziemlich klebrig.
(6) Einarbeiten von 10 g Malzmehl, vermischt mit 30 g Halbweissmehl, nochmals 4 h gehen lassen bei Raumtemperatur. Jetzt geht die Hefe los. Und da der Ofen von einer vorher gebackenen Pizza noch heiss ist, wird anschliessend Brot gebacken, egal was raus kommt.
(7) 2 Baguettes ziehen, zugedeckt eine halbe Stunde gehen lassen, dann 20 Minuten bei 240°C backen auf den Pizzasteinen mit etwas Wasser im Gusseisentopf. Wie sie in den Ofen gekommen sind, kann ich nicht mehr beschreiben.
Mein Urteil über mein Brot, einen Tag nach dem Backen gegessen: etwas flach geraten, dazu krumm, was aus der bedachtsam gewählten Fotoperspektive nicht hervorgeht, die Krume aber gar nicht so schlecht……die schönen Löcher gefallen mir, keine Ahnung was ich jetzt daraus schliessen muss, die Rinde etwas zäh. Frau L. dagegen knickt alle aufkeimenden Hoffnungen: Mein Brot erinnert Sie an das Aufgebackene aus dem Tankstellen-Shop! Bäckerei lamiacucina zurück auf das Ausgangsfeld, drei Runden aussetzen und 5 Strafpunkte !
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