Archiv der Kategorie: Wein

Weinrallye 50: Naturweine und Konsorten, grüner Wein vom blauen Rhein

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Der Rhein zwischen Teufen (ZH) und Rüedlingen

Schon Bioweine haben es in der Schweiz nicht einfach. Auf nur etwa zwei Prozent der Schweizer Rebfläche werden Trauben unter kontrolliert biologischen Bedingungen angebaut. Der Absatz stagniert. Für Weingeniesser steht angeblich der Genuss im Vordergrund, Bio ist Nebensache. Die grossen Anbieter von Bioweinen (COOP, Delinat, Weinhandlung am Küferweg) haben dennoch Mühe, von den zumeist kleinen Produzenten überhaupt genug Ware für die Vermarktung geliefert zu bekommen. Die kleinen Produzenten verkaufen ihre Weine meist im Direktverkauf.

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Rebparzelle der Familie Stucki, unten läuft die Töss in den Rhein

Für die Weinrallye habe ich einen Wein eines mir bis anhin unbekannten, kleinen, jungen Schweizer Produzenten ausgesucht: Peter Stucki. Er gehört zu den wenigen Deutschschweizer Winzern, die ihre Rebberge nach biodynamischen Prinzipien (Demeter) bewirtschaften.

Demeter ? Die Dame kennen wir doch. Dornach, das Zentrum eines weltweit tätigen Netzwerks spirituell engagierter Menschen, liegt unweit von Basel. Dort wird der Anthroposophie gehuldigt, eine esoterische Weltanschauung, deren Quellen wohl nur „geistig Eingeweihten“ erschliessbar sind. Als rational denkender Mensch habe ich mit dieser Heilslehre meine liebe Mühe. Längst hat sich der Tempel der Anthroposophie zu einem geschäftstüchtigen Imperium gewandelt. Der Name Rudolf Steiner öffnet Raum für immer neue Geschäftsfelder, in denen jeder sein Auskommen finden kann, der seine Ideen und Waren der Menschheit als transzendental-ganzheitliches Mysterium verkaufen kann. Dazu gehört letztlich auch die Biologisch-dynamische Landwirtschaft. Ich muss zugeben, dass ich dem esoterischen Brimborium wenig abgewinnen kann. Aber wenn man sich  transzendentale Übertreibungen wie: „Sensibilisierung kosmischer Lebenskräfte“, „Speicherung kosmischer Kräfte in mit Kuhdung gefüllten, in Erde vergrabenen Kuhhörnern“ und die „Dynamisierung mit Wasser homöopathisch verdünnter, mit einem Reisigbesen während einer Stunde gerührter Lösungen“ mal einfach wegdenkt, bleiben durchaus vernünftige Anbauideen übrig. Die in der Summe betrachtet, sich auf das Leben der Pflanze und ihre Qualität positiv auswirken. Vieles ist in der Biodynamie letztlich Glaubenssache, die wissenschaftlich kaum bewiesen werden kann.

Ein Winzer, der die Mühe der biologisch-dynamischen Landwirtschaft auf sich nimmt, wird versuchen, die daraus entstandene Qualität im Keller zu erhalten und auf den Einsatz von Hilfs- und Zusatzstoffen so weitgehend wie möglich zu verzichten. Wieweit das in unserem Klima für einen Kleinbetrieb zu schaffen ist, weiss ich nicht.

Solange die Kellertechniken nicht in die Biozertifizierung einbezogen sind, ist auch bei Weinen mit dem Label „Biologisch-dynamisch“ vermutlich nur eine Annäherung an echte Naturweine möglich.

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Teufen liegt nicht teuf unten in der Tiefe sondern oben

Aber lassen wir das. Leben und Leben lassen. Wer sich an die Regeln der Biologisch-dynamischen Landwirtschaft hält, der macht in meinen Augen zwar Umwege. Wer seinen Boden und die Natur als Arbeitgeber, Kapital und Lebensgrundlage betrachtet, macht aber auch nichts Falsches.  Halten wir uns an den Wein.

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Wo die Töss in den Rhein fliesst. Im Vordergrund Töss, hinten und rechts der Rhein

Unweit der Stelle, wo die Töss in den Rhein fliesst, hat P. Stucki 2003 einen gut etablierten Weinbaubetrieb von 3.5 Hektaren Grösse übernehmen können und ihn ab 2008 von bio-organisch auf bio-dynamisch umgestellt. Das verdient Respekt. Eine schöne Gegend, wie die Bilder oben belegen.

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zwei Höger wiis

mein Wein: Zwei Höger wiis Teufen, 2010

Federweiss nennt man in der Schweiz den aus Blauburgunder Trauben gekelterten Weisswein. Die Pressung ganzer Trauben löst die nur in der Beerenhaut eingelagerten Anthozyane kaum heraus. Somit entsteht ein feiner Weisswein, oft mit einem Hauch Lachsfarbe. Mein Wein besteht aus weiss gekeltertem Blauburgunder und Gewürztraminer. Helles Gelb, Lachsreflexe, klar. Nase Gewürztraminer, fruchtig, am Gaumen frische, gute Säurestruktur, Pinot noir-Basis, Honig, Quitte und das typische Gewürztraminerbouquet. Mit 10.6% Alkohol ein erstaunlich leichter Wein, der meinem Geschmack für Aperitiv- und Sommerweine ideal entgegen kommt. Ganz im Gegensatz zu dem reinen Federweissen Zwei Flüss wiis, 2009, der mir mit 13.6% Alkohol als Sommerwein zu schwer ist.

Produzent:
Peter & Karin Stucki
Irchelstrasse 29
CH-8428 Teufen

mein Beitrag an das Weinrallye #50, betreut von Iris vom Winzertagebuch Weingut Lisson:
Weinrallye

Weinrallye 49: Müller-Thurgau vom Schlipf

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Der Tüllinger Hügel, rechts das Beyeler Museum

Nathalie und anderen ist es zu danken, dass das im Sommer eingeschlafene Weinrallye zu neuem Leben erweckt worden ist.  Die Rebsorte Müller-Thurgau, in der Schweiz nach wie vor, und nur zur Hälfte richtig als Riesling-Sylvaner bezeichnet, belegt in der Schweizer Weisswein-Rebsortenstatistik hinter dem Chasselas immerhin den zweiten Platz. Ein typischer Einsteigerwein, der in passenden, guten Lagen aber sehr gut schmecken kann.

Vor den Toren der Stadt Basel, im Bann der Gemeinde Riehen, liegt ein Hügel: der Tüllinger Hügel, dessen unterer Teil zur Schweiz gehört und als „Schlipf“ bezeichnet wird. Ein Name, von Erdrutschen abgeleitet, der seit dem Althochdeutschen beinahe unverändert im heutigen Alemannisch erhalten geblieben ist. Der obere und grössere Teil des Hügels nennt sich in Deutschland, etwas weniger bescheiden, „Tüllinger Berg“ und ist ein Stadtteil von Lörrach (D). Der Hügelberg ist mit Streuobstwiesen, Gehölzen und Rebparzellen abwechslungsreich bepflanzt und bietet seltenen Vogelarten Unterschlupf. Weite Teile des Tüllinger Hügels sind deshalb auch als Landschaftsschutzgebiet ausgeschieden. Im milden Klima des Tüllingers gedeihen neben-, bzw. untereinander Markgräfler und Schweizer Weine. Hier besitzt die Gemeinde Riehen eigene Rebparzellen, die von einem Rebmeister bearbeitet und bei CO.OP als Riehemer Schlipf ausgebaut werden.

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Staatsgrenze. Deutschland liegt oben, das kennt man schon vom Fussball

Von der Tramhaltestelle Museum Beyeler aus führt ein Wanderweg bis auf den Tüllinger Hügel. Stotziger als ich erwartet hatte. An der Staatsgrenze mit echtem Schlagbaum musste ich erst mal verschnaufen, bevor ich den oberen Teil in Angriff nahm. Gut war Frau L. nicht dabei.

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St. Ottilien

Zuoberst auf der Hügelkuppe liegt malerisch die St. Ottilienkirche. Die Kirche existierte schon im 12. Jahrhunder als Besitz des Klosters St. Blasien. Sie wurde im 17. Jahrhundert umgebaut und erweitert. Hier oben befindet sich einer der schönsten Aussichtspunkte der Region Basel mit Blick über die Agglomeration und in den Jura. Schön ist auch der Wanderweg nach Oetlingen durch Rebberge und Wiesen.

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Die Schweiz, von Deutschland aus betrachtet

Die Herren, deren Andenken mit diesem Stein geehrt wird, hätten wohl lieber ein Gläschen Tüllinger getrunken, als ihr Leben im Krieg gegen Frankreich auszuhauchen. Weinsicht, Weitsicht und Einsicht kommen halt manchmal zu spät.

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Pickelhaube mit gekreuzten Gewehren und Eichenlaub, beschwert mit Kanonen und Munition
Der Rebbau in Riehen blickt auf eine Tradition von über 1200 Jahren zurück. Reiche Basler des 16. bis 18. Jahrhunderts hielten sich hier vor den Toren der Stadt Landgüter, die sie im Sommer bewohnten. 1770 betrug die Rebfläche rund 70 Hektaren; sie diente vor allem der Versorgung der Stadt Basel mit Wein, einem Grundnahrungsmittel. In der Neuzeit ging die Rebfläche in Riehen auf 0.4 Hektaren zurück. 1979 beschloss der Gemeinderat von Riehen, im Schlipf einen gemeindeeigenen Rebberg anzulegen. Dessen Rebfläche beträgt heute rund 4 Hektar und ist grösstenteils mit den Hauptsorten Blauburgunder und Riesling-Sylvaner bestockt. Durchschnittlich werden 30 Tonnen Trauben pro Jahr gekeltert werden. Etwa 20’000 Flaschen pro Jahr.
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Winzer am Tüllinger Hügelberg

Der Riesling-Sylvaner der Gemeinde Riehen holte sich mit dem Jahrgang 2008 im Grand Prix du Vin Suisse 2009 unerwartet den ersten Platz in der Kategorie Müller-Thurgau. Der Jahrgang 2010 präsentiert sich als ausserordentlich eleganter, schlanker, frischer, finessenreicher, sehr sauber vinifizierter Wein mit dem sortentypischen Muskataroma. Gegenüber dem 2008-er hat er den Vorzug, dass es ihn noch zu haben gibt. Die bei manchen Riesling-Sylvanern der deutschen Schweiz sonst festgestellte „Rässe“ fehlt. Schön, dass ich dank Weinrallye auf einen zahlbaren, hervorragenden und äusserst süffigen Wein gestossen bin. Und dann erst noch aus Basel !

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Schlipfer Riesling-Sylvaner

NB: meine ironischen Bemerkungen über den „Berg“ nehme ich zurück. Der Tüllinger Hügel ist ein Berg. Das bestätigt einer, der ihn bestiegen hat.

Quellen
Gemeinde Riehen
St. Ottilien wiki

mein Beitrag an das Weinrallye #49, betreut von Nathalie von Cucina Casalinga:
Weinrallye

Weinrallye 45: Reifer Wein, Chateau Margaux 1995

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Margaux 1995: weinrot

weinrallye_200 Weinrallye. Vinophil von originalverkorkt spricht das Herz alter Knaben an. Reife Weine. Älter als Jahrgang 2000.

Obwohl ich gerne noch ein paar Jährchen erleben würde, habe ich doch vor einiger Zeit damit angefangen, die ältesten meiner Weine auszutrinken. Auf dass sie nicht in die Hände von Weinspekulanten fallen. Junge Erben haben ja meist keine Ahnung und noch weniger Verständnis vom Wert der Flaschen, die alte Herren in ihren Kellern horten. Mit den alten Jahrgängen bin ich weitestgehend durch, nun kommt das Mittelalter an die Reihe. So durfte für den event eine Flasche Margaux dran glauben. Ein Wein, den man auch in 5 Jahren noch gut trinken könnte, ja wenn…, hierin liegt eben der Haken.

Glücklicherweise konnte ich den Wein 1996 zu fairem Preis in Subskription kaufen. Nachdem Russen und Chinesen und Nordkoreaner (nicht das Volk, die herrschende Clique und die Biznesmen) die bekanntesten Renommier-Bordeauxweine zu jedem Preis aufkaufen um ihr Coke damit zu verdünnen, sind die Preise auf einem astronomischen Niveau angekommen (600 € pro Flasche im vorliegenden Fall). Weine, deren Preise weitab von den Gestehungskosten (ca. 15 €) liegen, kann und will ich mir nicht mehr leisten. Wenn sich fernöstliche Potentaten ihre Keller damit füllen wollen, fliesst wenigstens wieder etwas Geld zurück auf den alten Kontinent. Es gibt noch andere gute Weine.

Der geliebte Führer Kim Jong-Il beim Betrachten reifen (?) Weines. Foto: http://kimjongillookingatthings.tumblr.com/

Château Margaux verfügt über 265 ha Grundbesitz; die Anbaufläche für Wein beträgt insgesamt 99 ha. Davon sind 87 ha für den Rotwein reserviert. Der Anteil des Cabernet Sauvignon liegt bei 75 %, 20 % entfallen auf Merlot, den Rest teilen sich Cabernet Franc und Petit Verdot. 12 ha sind mit Sauvignon Blanc bestockt, hieraus wird der Weißwein Pavillon Blanc gekeltert. (wiki)

mein Wein:

Chateau Margaux, Appelation Margaux, 1995

Weinrot mittlerer Tiefe. Tiefes Bouquet, beeriges Parfum, Korinthen, Rauch, Spur Eukalyptus, zurückhaltend. Im Gaumen kraftvoll, konzentriert, viel reife, velourshafte Gerbstoffe. Lang. Ein eleganter, trotz dem Gerbstoffkorsett sehr gut balancierter Margaux.  Könnte mit weiterer Lagerung noch zulegen. 12.5 % Alkohol, wo gibts das noch bei jüngeren Bordeauxweinen ?

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Weinrallye 44: Die Rhône – der Fluß, der Wein, die Winzer

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Gigondas 2007, Tardieu-Laurent, im Glas

weinrallye_200 Weinrallye. Christoph von originalverkorkt sammelt Beiträge über Rhoneweine, das älteste Weinanbaugebiet Frankreichs. Kaum ist die Rhone im Oberwallis ihrem Gletscher entsprungen, darf sie schon an Reben vorbeifliessen. Obwohl auch im Wallis erfreuliche Rhôneweine erzeugt werden, zählen sie nicht zur Appellation Côtes du Rhône. Die Weine der Côtes du Rhône begleiten den Fluss an beiden Ufern auf seinem rund 200 km langen Lauf von Lyon bis Avignon. Tief unten, hinter Orange, kurz vor Avignon, liegt Gigondas, ein Ort im südfranzösischen Département Vaucluse. Im 1958 erschienen Buch von André Simon: „Die grossen Weine von Frankreich“ sucht man Gigondas vergeblich. Vor 50 Jahren mag man Gigondas tatsächlich zum aufhübschen von Bordeauxweinen verwendet haben. Mittlerweile hat sich hier aber einiges geändert. 1966 errang der Wein den Status der Côtes du Rhône Villages. 1971 erhielt die Gemeinde eine eigene Appellation d’Origine Contrôlée Gigondas AOC. Die Rebfläche erstreckt sich auf rund 1300 Hektar. Die Weine sind einem guten roten Châteauneuf-du-Pape recht ähnlich. Obwohl (oder weil ?) die Reben auf einer dünnen Erdschicht mit vielen Steinen wachsen, haben sie eine tiefe Farbe und einen charakteristischen Auftritt; sie halten jahrelang, ohne viel von ihrer Qualität einzubüssen. Weswegen ich Rhoneweine  selten trinke, liegt an ihrem Alkoholgehalt, der in der Rhône-Ebene aufgrund heisser und trockener Sommer und  gütiger  Mithilfe der Winzer bis zu 15% erreichen kann.

Seit Jahren benutze ich einen roten Gigondas als meinen Allerwelts-Kochwein. 13.5% Alkohol. Der steht mit dem Zapfen verschlossen oft wochenlang im Kühlschrank, wird mit öffnen und schliessen der Kühlschranktüre kräftig geschüttelt, ohne mir das übel zu nehmen. Die Flasche kostet (in Aktion) sFr. 9.90. Importiert als Fassware, wird er in Basel vom Konsi, dem orangenen Riesen, abgefüllt. Das Chateau St. André (die Ernte wird m.W. an Händler verkauft) gibt sich diskret. Internetauftritt besitzt es keinen.

Da ich aber an einem Weinrallye keinen Kochwein vorstellen kann, habe ich mir eine Flasche eines edleren Gigondas gekauft.

mein Wein:

Gigondas AOC Vieilles Vignes Tardieu Laurent, 2007
Rebsorten: 75% Grenache, 20% Syrah, 5% Mourvèdre und Cinsault
Das Alter der Reben beträgt: Grenache: 60 Jahre. Syrah, Mourvèdre und Cinsault : 35 Jahre
Alkohol: 14,5 %
Ausbau: neue und einmal gebrauchte Eichenfässer
Preis: um die 45 sFr.

Ausgeprägtes Rubin. Himbeeren und Zwetschgen in der Nase, dahinter ein verhaltenes Toasting. Würziger Auftakt, viel schwarze Frucht, Aromen der provenzalischen Garrigue, gut eingebundene, feine Tannine, druckvolles, langes Finale.

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Und dann hat mich der Teufel geritten. Ich konnte nicht widerstehen zum Kühlschrank zu gehen, ein halbes Glas meines Kochweines danebenzustellen. Etwa vor einer Woche mag er geöffnet worden sein. Kühlschrankkalt. Ein unfairer Vergleich. Dazwischen liegt eine Welt, gewiss, aber nur eine kleine. Mein Kochwein ist weder schlecht, noch fällt er gegenüber dem Spitzenwein dramatisch ab. Er hat einfach von allem etwas weniger. Kein schlechtes Zeichen für einen Kochwein.

Heute Samstag, 30. April und Morgen, 1. Mai findet übrigens in der Deutschschweiz zum dritten Male der Tag der offenen Weinkeller statt.  Dabei lassen sich bestimmt die meisten der Weine unter 15% Alkohol einordnen, auch wenn das Signet der Veranstaltung anderes suggeriert.

Weinrallye 43: Riesling Spätlese

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Der Fund

weinrallye_200 Weinrallye. Ralf Kaiser von Weinkaiser sammelt Beiträge über Riesling Spätlese, die „Königsklasse“ der deutschen Weine. Spätlesen sind Prädikatsweine, die nicht chaptalisiert (gezuckert) werden dürfen. Mit relativ wenig Alkohol (um ca. 8 vol-%), einer mehr oder minder ausgeprägten Restsüsse, dem tänzerischen Spiel zwischen fruchtiger Süsse und feiner Säure sowie ihren wundervollen Aromen sind es einzigartige Weine, die die Seele ansprechen.

Ich selbst trinke gerne ein Glas Riesling als Abendtrunk. Ohne alles. Da mein Weinkeller 15 km ausser Hauses  liegt,  kann es schon mal vorkommen, dass ich auf dem Trockenen sitze.  Für den event musste ich tatsächlich Nachschub besorgen. Im Weinkeller angekommen, packte mich leise Scham ob der hier herrschenden Unordnung. Bei der Sommelière Susa im 180°-Blog gelten andere Sitten. Wenn ich mich schon nicht zu einem Kellerbuch aufraffen kann, dann doch wenigstens Lagerung nach dem first-in, first-out Prinzip. Nach 2 Stunden war Ordnung. Konfitüre habe ich keine entdeckt. Dafür ein paar Flaschen vergessene 1995er Burgunder von Leroy sowie einen 12-er Karton Maximin Grünhaus 05er Spätlese, der wohl, weil aus stabilem Material gefertigt, in der hintersten Ecke das Fundament für einen Turm anderer Weine bildete.

Die 34 ha Weinberge von Maximin Grünhaus befinden sich in Mertesdorf auf der linken Seite der Ruwer. Die drei Teile der Lage:  Bruderberg, Herrenberg und Abtsberg sind im Alleinbesitz von Carl-Ferdinand von Schubert. Bis zum Jahre 1802 wurde Maximin Grünhaus von der Benediktiner-Abtei Trier bewirtschaftet.  Das Benediktiner-Kloster St. Maximin besass hier, in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 966 erwähnt, bereits bereits im 7. Jhdt. Gebäude, Weinberge und Ländereien. Nach der Säkularisation war der Betrieb bis 1810 unter französischer Verwaltung. In diesem Jahre gelangte das Gut nach einer Versteigerung in Privatbesitz, der 1882 vom Ur-Urgroßvater des jetzigen Besitzers erworben wurde.

Die Grünhäuser-Rieslinge, obwohl sie Weinen von der Mosel oder der Saar ähnlich sind, besitzen ihren eigenen, unverwechselbaren Charakter. Gerade Jungweine sind durch ihre markante Säure und die grünkräuterige Aromatik von einer dezenten Strenge und werden dadurch gern unterschätzt.

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mein Wein
Maximin Grünhäuser Abtsberg, Spätlese 2005,
C. von Schubert’sche Gutsverwaltung, Ruwer
Alkohol: 8,5%

Klares Gelb, fruchtiger, reifer Duft nach Zitrusfrüchten. Im Mund immer noch die Aromen von Spontanvergärung (Gärung mit wilden Hefen). Rein und saftig, filigrane und subtile Frucht mit gut stützender Säure. Mittellanger Abgang.

Anmerkung
Wer asiatische Gerichte liebt, sollte unbedingt mal eine gute Riesling Spätlese dazu versuchen. Je schärfer das Gericht, desto mehr Restsüsse braucht der Wein.

Weinrallye 42: PIWI-Weine

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Solaris in voller Sonne

weinrallye_200 Heute ist (schon wieder) Weinrallye. Das Weinhaus Fabio will einen Beitrag über PIWI-Weine. Mich erinnert der Name PIWI immer an HIWI. Ich bin kein Marketingfachmann, aber wie man Weine unter diesem Oberbegriff vermarkten kann, soll mir erst mal einer erklären, das verstehe ich nicht. PIWI ist das Kürzel für Pilz-widerstandsfähige Rebsorten.

Mancher Winzer wäre daran interessiert, seine Weine umweltschonend auszubauen, auf chemisch-synthetische Spritzmittel und Kunstdünger zu verzichten. In den meisten Gebieten der niederschlagsreichen Schweiz machen jedoch Mehltau und andere Krankheiten der Rebe zu schaffen.  Die Umstellung auf pilzwiderstandsfähige Züchtungen sind eine mögliche Lösung dieses Problems.  Auch Bioweinbau kommt hierzulande nicht ganz ohne Spritzungen aus.  In der Schweiz gibt es ein paar Dutzend Winzer, die solche Weine anbieten. Gemäss Erhebungen der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil sind in der Deutschschweiz etwa 4 % der Rebfläche damit bestockt, gesamtschweizerisch gut 1 % und fristen damit ein Nischenproduktdasein. Eine  unvollständige Liste der Produzenten findet man hier. Die Stiftung Biovitis zur Förderung pilzresistenter Rebsorten berät umstellungswillige Weinbauern mit fachlicher Erfahrung über Chancen und Risiken der neuen Sorten.

Ich habe mir das kleine, erst seit 2005 bestehende Weingut Sitenrain  in Meggen ausgesucht. Winterpause auf Sitenrain. Der Laden geschlossen bis Anfang März. Meggen ? Das ist doch dort, wo Lucas Rosenblatt seine Kochwerkstatt hat und ich dem Wein erstmals begegnet bin ?  Er tischt die Weine zuweilen bei seinen Menus auf und führt sie in seinem Lädchen. Auf zu Lucas,  Tee getrunken, etwas zugeschaut bei seinen Vorbereitungen für ein grosses Entenessen und mit zwei Flaschen Sitenrain nach Hause gedudelt.

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Rebgut Sitenrain, Meggen, rechts der Pilatus... bewölkt

Auf 1.5 ha gedeihen hoch über dem Meggenhorn drei verschiedene Traubensorten: 0,75 ha Solaris, eine sehr resistente weisse Traubensorte, aus der der Solaris-Weisswein gekeltert wird. Zudem wachsen 0.38 ha der roten Traube Maréchal Foch und Cabernet Cortis. Daraus wird der Sitenrainer Rotwein gekeltert. Wenn es nicht regnet, sieht man auf die Alpen und den nahen See. Das Rebgut ist noch jung, die Reben werden von einem vollamtlichen Rebmeister gepflegt und ausgebaut im Weingut Rosenau in Kastanienbaum am Vierwaldstättersee.

Mein Wein
Solaris Sitenrain, 2009 (ausverkauft)
Produzent: Bioweingut Sitenrain, Meggen
Alkoholgehalt: zirka 13.0 %

In der Nase Noten von Ananas. Im Gaumen frisch, eine wahre Fruchtbombe von Ananas, Pfirsich und Zitrus. Ein gut gemachter Wein, der Freunden aromatischer Weine bestimmt gefallen wird. Mir persönlich ist er jedoch etwas zu füllig.  Nach einem Glas bin ich gesättigt. Ich bleibe bei meinen filigraneren Rieslingen. Ohne Bio.

Weinrallye 41: Sandwichweine

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Wer ist der Schönste im ganzen Land ?

weinrallye_200 Heute ist Weinrallye. Bernhard von Bernhard Fiedlers We(in)blog widmet „sein“ Weinrallye Weinen, die mindestens zwei, nicht aber älter als 5 Jahre sind. Also Weinen dazwischen. Wie steht es um diese Weine ?

Die weissen Hauptrebsorten der Schweiz, Chasselas und Müller-Thurgau (Riesling&Sylvaner), werden in der Regel als Jungweine getrunken. Seit einigen Jahren ist aber den Lokalfavoriten mit neuen (alten) Sorten eine ernstzunehmende Konkurrenz erwachsen. Zum Beispiel im Kanton Wallis mit dem Petit Arvine. Eine  autochthone Rebsorte, die hier seit rund 400 Jahren angepflanzt wird. Die aufgrund ihrer kapriziösen Ansprüche  gegen Ende der Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts aber beinahe ganz aus den Weinlagen verschwunden war. Ganze 14 Hektaren waren im Wallis  noch damit bepflanzt. Sie gedeiht nur auf besten Lagen, der Boden darf nicht zu feucht, aber auch nicht zu trocken sein.  Sie verlangt nach mageren Böden, reagiert empfindlich auf Herbizide. Mag weder allzuviel Wind noch allzuviel Hitze, reift spät, gebärdet sich im Keller wie eine Mimose.

Mittlerweile sind im Wallis wieder 150 Hektaren mit der Petit Arvine angepflanzt. Die besten Weine daraus gehören zu den ganz grossen Weissweinen der Welt, intensive, vollmundige, trockene Weissweine mit lebendiger Säure und einer wundervollen Aromatik. Glyzinienblüten, Honig, Grapefruit, Limone und Ananas. werden bei Degustationen oft zitiert. Im Gaumen bestechen sie im Abgang durch eine charakteristische, leicht salzige, (eher) mineralische Note. Auch diese Weine werden meist jung getrunken, vertragen jedoch durchaus ein paar Jahre Lagerung.

Seit bald 2 Jahren lagere ich einen kleinern Bestand an 2007-er Petit Arvine in meinem Keller. Ich hätte ihn schon längst austrinken sollen, aber immer kamen wieder neue, andere Weine dazwischen. Nun kommt mir der event gerade recht, je ein Muster davon zu öffnen.

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Meine Weine

Petite Arvine, Clos de Cochetta, Robert Gilliard, 2007
Produzent: Maison R. Gilliard, Sion
Alkoholgehalt: 12.8 %

Petit Arvine, Chateau Lichten, Loèche, 2007
Produzent: Rouvinez Sierre
Alkoholgehalt: zirka 13.5% Vol.

Petit Arvine, Flaction, Saillon, 2007
Produzent: Cédric Flaction, Cave des Cailles, Sion
Alkoholgehalt: zirka 13.5 %

Alle drei Weine bewegen sich auf ähnlichem Qualitätsniveau. Der Clos de Cochetta ist mit einer Silbermedaille am Concours Mondial de Bruxelles ausgezeichnet worden, der Chateau Lichten mit der Silbermedaille an der Expovina Zürich.
Alle drei weisen eine helle grünliche bis goldgelbe Farbe auf, einen zarten floralen Duft nach Aprikosen, Melone. Im Gaumen Grapefruit, kräftig und fruchtig, lebhafte, aber nicht aggressive Säure, langanhaltende Aromen mit mineralisch-salzigem Abgang.
Einzig der Cochetta wirkt etwas weniger frisch, öliger als die beiden andern. Sieger meiner Vergleichsdegustation ist derjenige ohne Medaille: von Flaction.

Chateau Lichten und  der Flaction haben noch kaum von ihrer ursprünglichen Frische eingebüsst, keine Eile, sie auszutrinken.

Weinrallye 40: Autochthone Rebsorten

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Lagrein Riserva Abtei Muri 2007

weinrallye_200 Heute ist Weinrallye. Wolf von Hausmannskost widmet „sein“ Weinrallye authochthonen Rebsorten. Rebsorten, die dort, wo sie heute  angepflanzt werden, auch ihren botanischen Ursprung haben. An solchen Weinen herrscht bei mir kein Mangel. Aus der Schweiz wären einige zu vermelden. Viele sind jedoch so rar, dass sie praktisch ausschliesslich im Lande getrunken werden. Deshalb widme ich meinen Beitrag zwei italienischen Weinen, dem Lagrein (Südtrol) und dem Nerello Mascalese (Sizilien).

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Lagrein Riserva Abtei Muri 2007

An der Etsch ist mangerley weinreb als Muskateller, Vernetzer, Lagreiner, die seyn die besten wussten Klosterbrüder schon im 15. Jahrhundert. Lagrein ist die älteste autochthone Rebsorte Südtirols. Sie gedeiht sehr gut auf tiefgründigen, warmen, sandigen Lehmböden, die aus Ablagerungen von Flüssen und Bächen entstanden sind. Das Hauptanbaugebiet liegt im Bozner Talkessel mit der bekanntesten Lage Gries. Der Lagrein ist ein heikler Geselle. Passt ihm die Lage nicht, verdankt er das mit bitteren, harten und säurebetonten Weinen. Vor Jahren entschied ich mich für den Lagrein des Klosters Muri (Bozen, Gries) und dabei ist es bis heute geblieben. Obwohl es auch im Alto Adige und Terlanergebiet gute Produzenten gibt. Vielleicht spielt bei meiner Vorliebe auch die Tatsache eine Rolle, dass das Grieser Kloster von einem Teil des Konvents vom Kloster Muri (Aargau) 1845 als Exil gewählt wurde. Über das Kloster Muri habe ich unlängst einen Reisebericht verfasst.

Mein Wein:
Lagrein Riserva Abtei Muri, 2007

schwarzes, undurchdringliches Rot. Aromen von dunkeln Früchten, Kirschen, Kaffee. Im Gaumen körperreich, präsentes Tannin, langer Abgang.
Rebsorte: Lagrein dunkel
Alkohol: 13.5%

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Etna Rosso Guardiola 2007 Terre Nere

Hinzu füge ich noch eine Entdeckung, die ich kürzlich und  über die Weihnachtstage entkorkt habe. Die rote Rebsorte Nerello Mascalese. Auf Sizilien ist sie die zweitmeist angebaute Rebsorte. Bislang kannte ich von dieser Insel nur die meist breit-marmeladigen Nero d’Avola Weine.  Was in der Rebsorte Nerello Mascalese an Qualität steckt, zeigt sie an den Nordhängen des Vulkans Ätna in höheren, kühleren Lagen (DOC-Region Etna).

Im Cru Guardiola (2.1 ha) steht fast der gesamte Rebbestand auf 800 bis 900 Metere über dem Meeresspiegel. Der grösste Teil stammt noch aus Prephylloxera (Vorreblaus)-Zeiten und ist 40 bis weit über 100 Jahre alt. Die Vinifikation erfolgt nach burgundischem Vorbild. Das wird auf dem Etikett auch stolz vermerkt: Il Borgogna del Mediterraneo.

Mein Wein:
Etna Rosso Guardiola 2007 Tenuta Terre Nere

Dunkles rubinrot. Duft nach Kräutern, Minze, Thymian, dunkle Beeren. Am Gaumen druckvoll und doch sehr elegant, viel reifes Tannin, Lakritze, Tabak. So ganz anders, als man das von einem sizilianischen Wein erwarten würde. Mich erinnert er an einen grossen Barolo.
Rebsorte: 98 % Nerello Mascalese und 2 % Nerello Cappuccio
Alkohol: 14.0%

Weinrallye 39: Wein und Humor

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weinrallye_200Humor auf Bestellung. Heute ist Weinrallye. Carsten Henn vom Vinum Blog widmet „sein“ Weinrallye dem Humor. Bild-Manipulationen, Zeichnungen, Berichte von komischen Erlebnisse mit Weinen, mit Winzern, in Weinrunden, alles ist erlaubt. Wein soll Spaß machen – in diesem Fall wortwörtlich.

Frau L. verlangt jeden Abend von mir eine Gutenachtgeschichte. Seit Jahren. Meist lese ich aus einem Buch vor, die gesammelten Werke Gotthelfs sind jedoch längst erschöpft, die Geschichten Konrad Ferdinand Meyers sind oft und oft erzählt, Gottfried Keller und Rudolf von Tavel sind ausgebeutet und selbst Giovanno Bocacccio wäre verlegen, was er mir nach dem Decamerone an passenden Abenteuern zum Vorlesen noch erzählen könnte.
Da muss ich denn einen tieferen Griff in die deutsche Dichtung tun, um den Bedarf einigermassen decken zu können. In schlichtes Deutsch zurückversetzt, eignen sich Gedichte und Balladen sehr gut, von mir nacherzählt zu werden.
Als ich ihr Uhlands Ballade von des Sängers Fluch vorsetzte, stiess ich auf unerwartete Widerstände.
Mein König liess alles weit hinter sich, was je blutig und finsterbleich auf einem Thron gesessen hatte. Denn, sagte ich mir, wenn ihre Majestät das Schicksal später ereilt, muss es ein klarer Sieg des Guten über die Niedertracht werden. Aber Frau L., die sich früher am Fernseher so gerne Fürstenhochzeiten angesehen hatte, zeigte eine schwer zu bekämpfende Liebe zum monarchischen Prinzip oder mindestens zu gut aussehenden, regierenden Monarchen.
Aufs schönste stellte ich ihr das Sängerpaar vor, den würdigen, greisen Spielmann im schneeweissen Bart und den herrlichen Jüngling im blonden Lockenhaar, wie sie ihr Lied von Lenz und Liebe vor dem finsteren König ertönen liessen. Und gleich darauf liess ich das Blut des von des Königs Schwert durchbohrten Jünglings spritzen.
Vielleicht, wandte Frau L. ein, mochte der König keine Lieder ?
Aber Frau L. widersprach ich, da braucht er doch nicht gleich mit dem Schwert nach dem armen Knaben zu werfen.
Vielleicht, meinte Frau L. zweifelnd, hat er ihn gar nicht treffen wollen, oder der Jüngling wollte vor den Augen des Königs mit der Königin anbandeln ? Armer König.
Aber Frau L. ! der König war und ist ein böser Fiesling, der muss seine Strafe haben ! warnte ich eindringlich.
Lass doch bitte den König sagen, dass er es nie wieder tun will ! war ihre schlaftrunkene Antwort.
Ich wurde weich. Mit Donnerstimme liess ich den alten Harfner fragen, ob der König von nun an brav sein wolle. Und er versprachs hoch und heilig. Und so oft seither wieder Musikanten ins Schloss kamen, endete ich meine Geschichte, ging der König selbst an die Haustüre, machte ihnen auf, und die Königin fragte gleich, ob sie Durst hätten und was sie trinken wollten. Und da sagten sie…
Bordeaux murmelte Frau L. schon halb in den Armen Morpheus‘ und wir waren beide glücklich, dass einmal mehr in der Welt etwas besser ausgegangen war, als es die düsteren Gesänge deutscher Dichter wahrhaben wollen.

Für diese nicht ganz ernst zu nehmende Kurzgeschichte habe ich die Anekdote „Des Sängers Fluch“ von Eugen Roth rücksichtslos geplündert.

Canon La Gaffelière 0_2010 11 07_0727

für den Wein plünderte ich, ebenso rücksichtslos, meinen Keller. Bei trübem Regenwetter.
Bordeaux, St. Emilion, Chateau Canon La Gaffelière 1999
Besitzer: Stephan, Graf von Neippberg (Noch einer vom gut aussehenden Adel)

einer meiner besseren Bordeauxweine, die ich derzeit in meinem Keller hüte. Das muss reichen als Beschreibung. Weinbeschreibungen liest ja doch niemand.

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Weinrallye 38: Scheurebe aus Dardagny, GE

Scheurebe 0_2010 10 29_0415

weinrallye_200Heute kein Sonntagsauflug. Heute ist Weinrallye. Marqueee von Allem Anfang… widmet „sein“ Weinrallye einer „Neu“-züchtung aus dem Jahre 1916, die in Deutschland zunehmend durch „höherwertige“ Sorten bedrängt wird und auch in Österreich und der Schweiz nur ein Nischenprodukt-Dasein fristet: der Scheurebe.

Erst wollte ich zu einer Spätlese von Alois Kracher greifen, die ich vor Jahren mal probiert hatte, liess das aber gerne sein, nachdem ich in der Schweiz fündig geworden bin. Die Schweizer Weissweine wurden noch vor wenigen Jahren beinahe ausschliesslich von Chasselas (Gutedel), Riesling-Sylvaner (Müller-Thurgau) und Johannisberg dominiert. Seit einigen Jahren experimentieren Nischenbewusste Winzer mit andern Sorten. u.a. der Scheurebe, einer Zufallsentdeckung des deutschen Rebzüchters Dr. Georg Scheu. 1916 gelang ihm die Kreuzung aus  einer unbekannten Wildrebe und der noblen Sorte Riesling. Deutschland, als das Geburtsland der Züchtung, ist nach wie vor Hauptproduzent, in Österreich hat sie am Neusiedlersee und in der Steiermark Fuss gefasst. In der Schweiz kann man die Winzer, welche die Scheurebe reinsortig ausbauen, an zwei Händen abzählen. Kleinere Bestände findet man in der Bündner Herrschaft (Andrea Davaz und Markus Stäger, die Süssweine, durch den Traubenkocher Föhn begünstigt, herstellen). Auch am Zürich- und am Walensee wachsen auf einigen Parzellen Scheurebe. Meist trockene Weine, nur in Ausnahmejahren gelingt es, daraus Süssweine herzustellen.

Auf geringfügig breiterer Basis Fuss gefasst hat die Scheurebe bei wenigen Winzern in der Genfer Region.  1994 hat sie Claude Ramu von der Domaine du Centaure als Erster angepflanzt. Ihm folgten die Familie Mistral-Monnier, Domaine des Faunes, und Marc Ramu, Clos des Pins, sowie Raymond Meister im benachbarten Satigny. Die vier Winzer belassen dem Saft der Scheurebe einen Restzuckergehalt von etwa fünf Gramm Zucker pro Liter. Dieser Hauch Restsüsse verleiht dem aromatischen Wein Finesse und Eleganz.

mein Wein:

Scheurebe 2009
Domaine les Faunes
1283 Dardagny GE

Hellgelbe Farbe, klar, nicht ganz brillant, in der Nase  schwarze Johannisbeeren, im Gaumen viel Grapefruit. Angenehme Säure, die sich gut mit der minimalen Restsüsse verbindet. Ein Wein, der auch für trockene Schweizer Gaumen gut zu trinken ist. In der Aromatik liegt er näher bei einem Sauvignon blanc als bei einem Müller-Thurgau. Ein idealer Aperitivwein und als Sorte für mich eine positive Entdeckung.

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Weinrallye 36: Wein und Musik

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Logo-211x300Heute ist wieder Weinrallye. Das Weinreich Rheinland Pfalz (hinter dem Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH steckt) möchte wissen, zu welchen Weinen wir bei welcher Art von Musik greifen, oder ob es sich umgekehrt verhält ! Ob wir uns auf unsre Lieblingsmusik freuen und dazu einen entsprechend en Wein wählen ? Welchen ?

Da ich eh nur Opern höre, ist die Antwort einfach: Im Winter Rotwein, Bordeaux zu Oper. Im Sommer deutscher Riesling zu Oper. Und weil im Moment Sommer ist… richtig.

Wenn Don Giovanni in der Champagner-Arie Fin ch’han dal vino (Auf denn zum Feste, Froh soll es werden) anstelle des üblichen Glases Schaumwein, einen Gesöff-Kelch mit rotem, ab 0:46 gelbem Dry Martini und einer Scheibe Orange in Fingern hält, so kann das nur in einer Katastrophe enden. Recht geschieht ihm, wenn dieser Mensch am Ende des zweiten Aktes von der Hölle verschlungen wird.

Ich hingegen will ins Himmelreich und habe mir eine Flasche

Joh.Jos. Prüm, Graacher Himmelreich, Auslese, 2005

geöffnet. Ein unbestrittenes Ausnahmegut in Deutschland. Dessen Weine kommen immer Monate später als die vergleichbare Konkurrenz auf den Markt. Man lässt sich und den Weinen Zeit auf dem Weingut J. J. Prüm. Schönungen, um die Weine rasch verkaufsfertig zu machen, werden unterlassen.  Diese Weine sind für ein langes Leben gemacht.

Helles, klares Zitronengelb, ein sinnliches Fruchtelixier in der Nase, Pfirsich,  Agrumen, ein Hauch Botrytis, Honig. Im Gaumen weich und gleichzeitig präsente Säure. Langanhaltend. Ein starkes Erlebnis.

Da ich noch ein paar Flaschen davon besitze, halte ich mich gerne an die Überlebenden und stimme in den Schlussgesang der Oper Don Giovanni mit ein:

In der Hölle tiefstem Schlund
Wird des Frevlers Wohnung sein.
Aber wir, ihr guten Leute,
Stimmen froh zusammen heute
In die alte Weise ein:
Also stirbt, wer Böses tat.
Ja, dem Sünder wird Vergeltung,
Wenn die letzte Stunde naht!

[Im Video singt Simon Keenlyside: Don Giovanni, im Hintergrund Anton Scharinger: Leporello. Zürich 2006]

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Weinrallye 35: Stein und Wein

Wein und Stein 0_2010 06 27_7763

weinrallye_200Heute ist wieder Weinrallye. Andreas von Der Weinfreak will von uns Aufschluss über die Wortverbindung “Stein und Wein”. Weine, die im Namen den Begriff „Stein“ tragen, die von Reben stammen, die auf bestimmten Bodenformation wachsen und deshalb nach Stein und Boden schmecken. Weine die nur an bestimmten Bodenformationen diesen Ausdruck zeigen, oder die ganz einfach zeigen, dass die Verbindung “Stein und Wein” nicht willkürlich ist.

Meine Gedanken gingen erst in Richtung trockener, mineralisch-steinig schmeckender Weine, wie z.B Chablis, gewisse Sancerre, Pouilly-Fumé (Silex, Feuerstein). Doch gibt es auch in der Schweiz trockene Chasselas-weine mit  Feuersteingeschmack. Zwei, drei Weine tragen den Namen pierre à fusil, Feuerstein, sogar in ihrem Namen. Gerade die Chasselasweine erlauben Kennern (ich zähle mich nicht dazu) die Herkunft, das Klima und den Boden deutlich herauszuschmecken.

Zu den Weinen mit ausgeprägt mineralischem Geschmack zählen die Weine der Gemeinde Yvorne (im Chablais). Die Weinbauregion des Waadtländer Chablais erstreckt sich von Villeneuve am obern Seeende des Genfersees bis zur Walliser Grenze. Sie ist geprägt durch ihre steinigen Böden, aber auch durch den Einfluss des Föhns. Manche Rebberge von Yvorne sind auf dem Schuttkegel eines Bergsturzes von 1584 angelegt, der den Weinen angeblich ihre spezielle Würze mit dem Feuerstein-Geschmack verleiht. So auch meinem Wein, dem Clos du Rocher.  Ein  traditionell ausgebauter Wein, den man auf der Karte vieler Restaurants findet. Das Gut umfasst 10 ha steinig-lehmig-schiefrige Böden (Kalkgehalt 15 – 20 %) unterhalb grosser Felswände (rocher) und gehört Obrist, einem der grossen Weinproduzenten und -Händler der Schweiz.

Yvorne Grand Cru Clos du Rocher 2009
Drehverschluss
Ausbau: Inox Stahltank, grosse Holzfuder ?  je nach Quelle unterschiedliche Angaben
Alkohol: 12.5 % Vol.
Säuregehalt : 3.13 g/l

Hellgelb, klar, Noten von Steinobst. Lebhafter Auftakt durch frische Kohlensäure, einem Nebenprodukt des Säureabbaus. Saftige, dichte, mineralische Struktur, Honigton, jedoch für meinen Geschmack etwas zu gastronomisch, zu wenig Säure. Das kommt vom hier traditionellen, malolaktischen Säureabbau, mit dem dieser Wein auf den durchschnittlichen Schweizer Weingeschmack abgestimmt wird. Ursache und Kehrseite seines Erfolgs. Und der Feuerstein ? Vielleicht ist es zu lange her, dass ich mit Feuersteinen Funken geschlagen habe. Wie schmeckt Feuerstein ? Ich weiss es nicht mehr. Ich muss es andern überlassen, sich an diesem Thema die Zähne auszubeissen bzw. den Stein des Weisen zu finden.

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