Noël…Noël…

Saint Ursanne, collégiale dans la nuit

Soll ich? Mag ich? Oder besser nicht? Wer wird in einem vorwiegend vegetarischen Haushalt überhaupt Fleischpasteten essen wollen?Pasteten haben in der alltäglichen Küche an Bedeutung verloren, ihre Herstellung gilt als zu aufwändig, altmodisch, aus der Zeit gefallen. Meine letzten, eigenen, klassischen Pasteten habe ich vor mehr als 10 Jahren zuhause hergestellt. Persönliches Highlight: die Pâté en croûte Richelieu. Inzwischen ist jedoch eine Renaissance der Pasteten in Gang gekommen. Spezialisierte Manufakturen und Wettbewerbe fördern diesen Trend, Besternte Häuser bemühen sich um Pasteten, wie etwa Karen Torosyan in Brüssel.

Gut, ich habs wieder einmal probiert. Einfach. Fast rustikal. Eigentlich keine Hexerei und doch ist sie mir teilweise missraten. Ich hatte an der Teigmenge geknausert, so dass der Teig für den Deckel kaum mehr reichte. Das geht gar nicht. Pasteten verlangen verschwenderische Grosszügigkeit. Die Füllung war sehr gut, daran wurde nicht gespart, eine meiner besten. Doch der Teighülle sieht man Knausrigkeit und verlorene Übung an. Rezept am Ende des Beitrags.

Abends Frustabbau in einem Konzert mit Weihnachtsliedern in der Collégiale, der Stiftskirche im nahen St. Ursanne. Weihnachtslieder sind nicht gerade unser Ding. Irrtum. Schon das erste „Weihnachtslied“ weckte unsere Begeisterung: Das Ehepaar Magda Krysztoforska-Beucher und David Beucher, freischaffende Opernsänger, füllten die Collégiale u.a. mit Verdi:

Im Verlauf wurde es noch weihnächtlicher, u.a. mit Adolphe Adams Minuit, chrétiens, c’est l’heure solennelle..., leider nicht aufgenommen, deshalb lasse ich hier den wunderbaren Georges Thill einspringen, einer der grössten Tenöre seiner Zeit. Eine Aufnahme aus dem Jahre 1932:

Damit wünsche ich meinen Leser/innen schöne Festtage und ein gutes, neues Jahr.
Im ersten Quartal wird es hier sehr ruhig werden, meine Sehfähigkeit ist in den letzten Monaten so schlecht geworden, dass ich die Linsen in den Augäpfeln austauschen lassen muss.

Zum Schluss liste ich das Rezept zu meiner Pastete auf. Die Teigmenge habe ich ausreichend erhöht.

Pâté en croûte

Mengen für eine Pastete von ca. 2.2 kg für eine aufklappbare Kastenform 7x30x8 cm

Zutaten

für den Pastetenteig:
500 g Weissmehl
120 g zimmerwarme Butter
100 g zimmerwarmes Schweinefett
1 ganzes Ei, verquirlt
4 Eigelb
ca. 130-50 ml Wasser
12 g Salz

für die Füllung:
380 g Kalbfleisch (Nierstück)
2 dl Geflügelfond
Salz, Gewürzmischung

300 g Schweinehals
1 Schalotte, 40 g
ca. 60 ml trockener Weisswein (Vin jaune)
30 ml Calvados
Salz, Gewürzmischung

120 Gramm Speck (ungeräuchert, fett und grün, vorzugsweise Nackenspeck)
ca. 1 dl Rahm
Prise Salz
120 g Koch-Schinkenwürfel, 1 cm
100 g Aepfel, geschält, Kernhaus entfernt, 8 mm Würfel
40 g getrocknete Pilze (Morcheln, Totentrompeten), eingeweicht, gut ausgedrückt, klein geschnitten
25 g Périgordtrüffel, fein gewürfelt
50 g Pistazien, geschält

8 hauchdünne Scheiben San Daniele Rohschinken zum Auslegen des Teiges
1 Ei, getrennt, Gelb zum bestreichen bzw. Eiweiss zum kleben

für die Gewürzmischung:
30 Körner rosa Pfeffer
15 Zimtblüten
10 Blütenblätter Muskatblüte
15 Körner wilder Assampfeffer
1 Gewürznelke
30 Körner Koriander
15 Körner Nelkenpfeffer
20 Körner schwarzer Pfeffer
1 Tlf. Thymian getrocknet
2 Blätter Lorbeer
Zutaten mischen, in einer Pfanne trocken kurz anrösten und in der Gewürzmühle mahlen.

für den Gelee:
5 dl klare (!)  Kalbsbrühe
1 dl Portwein
max. 1 Blatt Gelatine pro 1 dl oder
ca. 1 g Agar-Agar pro 1 dl
Je nach Gelierungsgrad des Fond muss diese Menge heruntergesetzt werden.

Zubereitung
für den Pastetenteig:
(1) Mehl mit dem Salz mischen. Die Butter und das Schweinefett mit dem Mehl verreiben, von Hand oder mit dem K-Haken der Küchenmaschine.
(2) Eier und Eigelb langsam in das Mehlgemisch einarbeiten, Wasser in die krümelige Masse geben bis die Masse klumpt (zusammenfügen, auf keinen Fall kneten).
(3) den Teig mindestens 30 Minuten oder besser über Nacht in Klarsichtfolie eingewickelt oder vakuumiert im Kühlschrank ruhen lassen.
für die Füllung:
(4) Das parierte Kalbfleisch in feine Würfelchen, ca. 1 cm, schneiden. In einer heissen Pfanne in wenig Olivenöl allseitig kurz! anbraten. Fleisch entnehmen, beiseitestellen und den Bratsatz mit Geflügelfond auf etwa 50 ml einkochen, etwas abkühlen lassen, mit dem Fleisch, wenig Salz und knapp der Hälfte der Gewürzmischung mischen. Zugedeckt über Nacht kalt stellen.
(5) Schweinehals in 1-2 cm grosse Würfel schneiden. Schalotte hacken, in Butter glasig dünsten, mit Vin jaune und Calvados ablöschen, etwas einreduzieren. Erkalten lassen. Den Schweinehals untermischen. Abschmecken mit der Hälfte der Gewürzmischung und Salz. Zugedeckt über Nacht kalt stellen.

am nächsten Tag:
(6) Speck in Würfel schneiden.
(7) Die marinierten (gelierte) Schweinehalswürfel dazugeben und 15 Minuten in den Gefrierer stellen, danach im Cutter mit eiskaltem Rahm und etwas Salz zu einer feinen Farce cuttern.
(8) Die Farce mit den marinierten Kalbfleischwürfeln, Aepfelwürfel, Schinkenwürfel, Waldpilzen, Trüffel und Pistazien in der Küchenmaschine mit dem K-Haken mischen. Abschmecken mit dem restlichen Gewürz und Salz.

für die Pastete:
(9) Den Pastetenteig 3-4 mm dick ausrollen und in die gebutterte Form auslegen, so dass auf dem Rand der Form noch etwa 1-2 cm überlappt. Die Teigwülste, die sich beim Auslegen bilden, keilförmig ausschneiden und mit Eiweiss überlappend verkleben. Der lockere Teig muss schonend in die Form gedrückt werden. Profis nehmen dazu ein Stück Teig, das sie vorher in Mehl gewälzt haben.

(10) Die kalte Fleischfarce einfüllen, gut festdrücken.
(11) Einen Teigstreifen, etwas grösser als die Pastetenformöffnung zurecht schneiden. Eine Kaminöffnung ausstechen und mit der Platte die Pastete zudecken. Mit einer Teigzwicke die Ränder des Deckel mit dem Teig der Wände verbinden.
Den Dampfabzug mit einem Teigring erhöhen. In die Öffnung einen Kamin aus Alufolie stecken. Deckel mit Eigelb überstreichen.

Die Pastete im vorgeheizten Ofen bei 230°C 15 Minuten anbacken (U-/O-hitze Schiene 1). Danach Hitze auf 180°C reduzieren und während 40-50 Minuten fertigbacken. Ich habe auf Kerntemperatur 65 °C gebacken.
(12) Pastete herausnehmen, etwas abkühlen lassen, dann aus der Form nehmen und auf einem Gitter auskühlen lassen. Über Nacht mit einem Tuch bedeckt im Kühlschrank lagern.

für den Gelee:
(13) Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Ausdrücken und zusammen mit dem Cognac in den Fond geben. Kurz aufkochen, evt. nachwürzen und erkalten lassen.
(14) Die kalte Pastete mit dem erkalteten, noch nicht angezogenen Gelee ausgiessen und über Nacht durchkühlen. Einen Tag durchziehen lassen.

Seezunge mit Portwein-Vin jaune Hollandaise

Der Vin Jaune aus der französischen Region Jura ist bekannt für sein einzigartiges, an Sherry erinnerndes Aroma. Er eignet sich hervorragend für komplexe Saucen, insbesondere zu Geflügel, Fisch und Pilzen. Da der Wein oxidativ ausgebaut wird, ist er sehr lange haltbar; selbst in einmal geöffneten Flaschen hält sich der Wein (vakuumiert) über Tage und Wochen. Sein Geschmack ist gewöhnungsbedürftig, manche mögen ihn überhaupt nicht. Vin Jaune schmeckt knochentrocken, nussig mit einer lebhaften Säure und minutenlangem Nachgeschmack. „Weinexperten“, was immer das für Experten sind, sprechen von Aromen wie Mandeln, Walnüssen, einem Hauch von Curry und Burgundertrüffel sowie geröstetem Getreide und viel Mineralität. Der Alkoholgehalt ist im Vergleich zu Sherry, der aufgespritet wird, mit rund 12% relativ tief.

Vin jaune findet man, mindestens bei uns, nicht im Supermarkt. Man muss ihn schon suchen. Während meiner Jura-Reisen habe ich mir einen kleinen Vorrat angelegt, der mir bis an mein Lebensende reichen sollte. Mittlerweile bin ich bei Jahrgang 2011 angelangt.

Zutaten

Seezunge:
1 Seezunge, enthäutet (360 g)
Butter
Kräutersalz
weisser Pfeffer

Portwein-Vin jaune Hollandaise:
80 g Butter
2 Eigelb
50 ml Fischjus (Le Saucier)
25 ml weisser Portwein
25 ml Vin jaune
Salz
weisser Pfeffer
1 EL Zitronensaft

Zubereitung

Portwein-Vin jaune Hollandaise:
(1) Butter aufkochen und klären. Lauwarm abkühlen lassen.
(2) Portwein, Vin jaune und Fischjus in einer Saucenpfanne auf die Hälfte einkochen, etwas abkühlen.
(3) Eigelbe und Zitronensaft zugeben und in einem Wasserbad von 85°C unter ständigem Schlagen mit dem Schwingbesen vorsichtig erhitzen. (L.: mit Mut und Vorsicht geht das auch direkt auf unserm Holzherd, da hat man auf der grossen Herdplatte Stellen, die weniger heiss sind). Geklärte Butter nach und nach unter ständigem Rühren dazugeben und kräftig weiter schlagen bis die Sauce dicker wird und die gewünschte, luftige Konsistenz angenommen hat. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Bei 60°C warm stellen.

Seezunge:
(4) Fisch mit kaltem Wasser waschen, trockentupfen. Mit Butter einpinseln. Leicht mehlieren.
(5) In einer beschichteten Bratpfanne in wenig Olivenöl oder Bratbutter beidseitig anbraten.

Serviert mit Petersilienkartoffeln und grünen Kefen (aus dem TK)

Wegen solcher Saucen bin ich Vin jaune Fan 🙂

Zarte Amaretti mit Mandeln und Pistazien

Seit der Kommerz die Deutungshoheit über Weihnachten an sich gerissen hat, habe ich mich weitgehend aus der Weihnachtsbäckerei verabschiedet.

Die Strategie des Einzelhandels zielt darauf ab, die Verkaufsperiode für Saisonartikel zu verlängern, um Umsatz und Gewinn zu maximieren. Die Produktion von Weihnachtsgebäck beginnt deshalb bereits im Hochsommer, um die Lagerbestände für die Saison aufzubauen. 
Lebkuchen und Panettoni trocknen bereits im Herbstsortiment in Supermärkten neben Magenbrot und Zuckermandeln vor sich hin. Spätestens im Oktober wird der Kosument mit Dekor, Glitzer und dem rotnasigen Rudolph in Weihnachtsstimmung gebracht. Die Kassen beginnen zu klingeln.

Freuen wir uns doch lieber an den kleinen, frisch zubereiteten Dingen, die das Leben in dieser wirren Zeit noch lebenswert machen:

Amaretti morbidi alle mandorle e pistacchi

Zutaten:

150 g Mandeln, geschält
125 g Pistazien
140 g Zucker
1 Prise Salz
60 g Eiweiss (von 2 Eiern)
2-3 TL Amaretto Likör
ca. 50 g Puderzucker zum Wenden

Zubereitung:

(1) Ofen auf 180°C aufheizen. Puderzucker in einer Schüssel bereitstellen. Mandeln und Pistazien im Kühlschrank kalt stellen, dann im Cutter kurz fein hacken. Amaretto unterrühren.
(2) Eiweiss mit dem Zucker und Salz nicht ganz steif schlagen.
(3) Geschlagenes Eiweiss unter das Nussmehl heben, bis ein klebriger Teig entsteht.
(4) Mit einem Löffel 20 g schwere Portionen abstechen und zwischen befeuchteten Händen walnussgrosse Kugeln formen.
(5) Die feuchten Kugeln in Puderzucker wälzen und mit Abstand auf ein mit Backpapier oder Silikonmatte belegtes Backblech legen.
(6) Im vorgeheizten Ofen 12 +/- Minuten backen. Auf einem Gitter auskühlen lassen.

Amaretti stammen ursprünglich aus der Lombardei (Saronno, Nähe Mailand), werden inzwischen aber in vielen Regionen Italiens in lokalen Variationen hergestellt. So z.B. mit Pistazien in Kalabrien, und Sizilien. Oft dient Honig als zusätzlicher Weichmacher. Das Bittermandelaroma kann aus natürlichen Quellen stammen (Aprikosenkerne, Bittermandeln) oder wird als synthetisches Aroma zugesetzt. Ein guter Amarettolikör wird mit natürlichen Podukten hergestellt.

Rezeptquellen:

Lukas Rosenblatt
Nicole Stich: Reisehunger, GU, 2015

Überdrusskürbis, Noterbs und Ausgleichsrosenkohl.

Überschussverwertung oder Überdrussabbau? Wer im Frühsommer zuviele Kürbisse anpflanzt (eines der Lieblingsgemüse von Frau H.), darf sich nicht wundern, wenn sich die Kürbisse im Spätherbst in der Remise quer und hoch stapeln.
Ich darf, sollte, muss kochen. Alles, nur keine Kürbissuppe. Aber was nur? Nachdenken….. etwas mit meinem Lieblingsgemüse, Rosenkohl, als Kompensation für den Kürbis.
Und wo ist das Protein? weckt mich Frau H. aus meinen Gedanken und drückt mir getrocknete Gelberbsen aus dem hierzulande so beliebten Notvorrat in die Hand. Erbsen ohne Speck, da können wir das Verbrauchsdatum grosszügig übergehen.

Also gut:

Kürbis, Gelberbs und Rosenkohl

Aus dem Kürbis und den Gelberbsen mache ich ein Püree, das an Hummus erinnert. Den Rosenkohl gibts gebraten mit Haselnüssen. Wir waren erstaunt, wie gut das alles zusammen harmoniert. Die Gelberbsen ersetzen (mir) die Speckwürfel, zudem halten sie die Süsse des Kürbis in Grenzen.

Kürbis-Gelberbs-Püree:

ca. 800 g Kürbis Typ oranger Riese (Hokkaido), geschält, entkernt, gewürfelt
ca. 400 g Gelberbs, ungeschält, über Nacht eingeweicht und 3 Stunden ohne Salz weichgekocht
2 EL Olivenöl
Spritzer Zitronensaft
1 TL Salz
Gewürzmischung aus:
2 TL Kreuzkümmel
1 TL Koriander
1 TL Kardamomsamen
1 TL Nelkenpfeffer
1/2 TL Zimtblüten


(1) Kürbiswürfel auf ein emailliertes Backblech ausbreiten und im Ofen (UL) bei 170°C etwa 30 Minuten weich rösten. (Ofen nicht ausschalten, wird noch für die Haselnüsse benötigt)
(2) Indessen die ganzen Gewürze in einer Pfanne trocken anrösten, bis sie duften, dann fein mörsern.
(3) weichgekochte Kürbiswürfel und Gelberbsen in einem starken Cutter (L.: Vitamix) mit etwas Wasser zu einer feinen Crème mixen. Abschmecken mit Salz, Gewürzpulver und Zitronensaft, Olivenöl zugeben und kurz glatt mixen. Warm stellen

Rosenkohlgemüse:

1 Handvoll Haselnüsse

350 g Rosenkohl geputzt
Zitronenabrieb
Zitronensaft
Salz
schwarzer Pfeffer

(4) Haselnüsse im Ofen (nach den Kürbiswürfeln) bei 180°C etwa 15 Minuten anrösten. Herausnehmen, 5 Minuten erkalten lassen dann in einem Frottiertuch gegeneinander reiben, um die Schalen abzulösen. Grob zerdrücken.

(5) kleine Röschen ganz belassen, grosse Röschen halbieren, Strunk einschneiden. Jeweils 2-3 Blättchem abzupfen und als Garnitur beiseitestellen. Die Röschen im Dampfgarer 1 Minute bei 110°C vorgaren. Herausnehmen, Abtropfen lassen und in einer Pfanne in wenig Olivenöl anbraten. Abschmecken mit Salz, Pfeffer und Zitronenschale. Am Schluss mit einem Spritzer Zitronensaft.
(6) Die reservierten Rosenkohlblättchen mit den Haselnüssen unter die Röschen mischen.

Anrichten:

das Püree auf vorgewärmte, flache Teller ausstreichen. Das Rosenkohlgemüse darauf verteilen.