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CH-7537 Müstair: Alpabtrieb

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Es gibt grössere Alpabtriebe, reichhaltiger geschmücktere Kühe, Abtriebe, bei denen die Sennen sich in Tracht statt in Bluejeans werfen. Es gibt aber auch Alpabfahrten, bei denen die Kühe auf den umliegenden Dorfweiden zusammengetrieben und hinter dem Schulhaus geschmückt werden, um dann vor dem Schulhaus den wartenden Touristen auf der Dorfstrasse vorgeführt zu werden. Und es gibt Alpabfahrten, die sich zu florierenden Chilbi-Märkten aufgeplustert haben, mit all dem Angebot an Nippes, Selbstgetöpfertem, Konfitüren, altem Handwerk und reisenden Feuerschluckern.

Der Alpabtrieb in Müstair gehört nicht zu diesen. Einfach, bescheiden: gelebte und lebendig gebliebene Tradition. In der Morgenfrühe brechen die Kühe mit ihrer Begleitung von der Alpe Mora (Nähe Ofenpass) auf, um in mehrstündigem Abstieg bei Santa Maria die Talebene zu erreichen. Eine Alpabfahrt kann bis zu sechs, acht Stunden dauern und bedeutet für die Tiere wie die Helfer eine grosse Anstrengung. Am Zielort ein bescheidenes Fest, von Dorfvereinen organisiert. Ein einziges Tischlein mit Alpkäseverkauf.

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Stolz tragen die Kühe ihren Kopfschmuck. Eine Alpabfahrt muss ruhig angegangen werden. Die Tiere spüren de Veränderung und sind nervös. Sie müssen beruhigt und gebremst werden, denn wenn sie zu schnell losrennen, werden sie zu rasch müde und könnten in steilem Terrain an den Vorderbeinen einknicken.

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Herde von vorne
Ferien 2013 2013 09 14_1682
und von hinten

Indes bereiten die Treichler die wartenden Zuschauer am Zielort Müstair in langsamem, rythmischem Gleichschritt mit ihrem urtümlichem Klang auf den Einzug der Kühe vor. Treicheln sind im Unterschied zu gegossenen Glocken aus gehämmertem Blech gefertigt. Sie sind leichter als Glocken gleicher Tonhöhe und dennoch bis zu 20 kg schwer. Dafür klingen sie tief dumpf-dröhnend.

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Auf der Wiese vor dem mittelalterlichen Kloster Müstair ist das Ziel erreicht. Einen Einblick in die Kirche gibt ein früherer Beitrag von mir.

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Die Ofenpass-strasse ist gesperrt. Tische und Bänke laden zu Käse und Wein (und Wurst) ein. Derweil bereiten die In der Schweiz unverzichtbaren Alphornbläser und Fahnenschwinger ihren Auftritt vor.

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Weitgehend unbeachtet von den durstigen Hauptpersonen des Alpabzuges.

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Durch die Sperrung der Pass-strasse konnte man sich das hübsche Dorf Müstair einmal ganz ohne Auto- und Motorradverkehr ansehen. Bis die Umfahrungsstrasse kommt, wird es leider noch einige Zeit dauern.

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CH-8450 Andelfingen: Im Gärtchen des Landvogts

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Gefühlte Tausendmal sind wir hier schon durchgefahren. Wer nicht über Schnellstrassen an den Bodensee will, den führt der Weg über diese einspurige Holzbrücke. Die schon vor 1324 bestehende Thurbrücke wurde mehrmals verändert und 1799 im Krieg zerstört. 1814 entstand eine gedeckte, zweijochige Holzbrücke. Da die Signalampel vor der Brücke auf Rot stand, entschloss ich mich, der Wärme und dem lockenden Bodensee zum Trotz, einmal richtig anzuhalten und nachzusehen, ob es ausser dem Schwimmbad noch anderes zu sehen gibt.

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Langweiliger Blick auf Klein-Andelfingen mit der gedeckten Holzbrücke über die Thur

Als kyburgisches Erbe gelangte Andelfingen im 13. Jahrhundert in habsburgischen Besitz. Das Habsburgische Urbar verzeichnet u.a. zwei Mühlen, einen Meierhof, zwei Kehlhöfe (Hofgüter, die einem Kloster zinspflichtig waren), ein Wirtshaus sowie das Fischereirecht in der Thur. Viel scheint sich hier seither nicht verändert zu haben. Ein paar Häuslein mehr, ein paar Fische weniger. Doch was ist denn das ? Sieht aus wie ein Schloss ? Tatsächlich. Ein Schloss.

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Schloss Andelfingen
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Schloss Andelfingen
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Ausschnitt der Wappentafel der hier regierenden Landvögte

Die Söhne des Habsburger Kaisers Albrecht verpfändeten Andelfingen 1377 den Herren von Landenberg. 1434 verkauften die Landenberger Andelfingen an Zürich. 1488 erwarb Zürich Zoll und Brücke. 1482 wurde die auf einem Hügelvorsprung gelegene Burg Andelfingen zum Sitz der Landvögte. 1614 wurde ein neues Landvogteischloss gebaut, das später, 1780 – 1782, durch das heutige Schloss, ersetzt wurde. 1832 wurde es an Baron Johann Heinrich von Sulzer-Wart (der Gründer des Industriekonzerns) verkauft, dessen letzte Erbin es der Gemeinde schenkte, die es bis 1999 als Altersheim nutzte. Heute wird es teilweise wieder als Amtssitz genutzt und für Anlässe vermietet.

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Schloss Andelfingen, Pförtnerhaus

Am Pförtnerhaus vorbei geht es in den öffentlich zugänglichen, grossen, schattenspendenden Schlosspark aus dem 18. Jahrhundert, den man hier nicht vermuten würde.

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Daselbst ist auch ein Kräutergarten und das im ehemaligen Tuffsteinbruch rauschende Mühlebächlein zu bewundern. Sonst kann man sich kurz halten: Von der unter der heutigen Kirche vermuteten Vorgängerkirche aus dem 8. Jahrhundert ist leider nichts mehr zu sehen.

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Die Kirche: Neu-Alt-Gotisch-Hässlich
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Hübsche Weinländer Riegelbauten

Kurz vor der Brücke an der Ampel steht eine alte Mühle, im Garten davor scharrende Hühner. In der 1306 erstmals urkundlich erwähnten Haldenmühle wird mit alten Maschinen und Transmissionen bis heute Mehl hergestellt. Seit zehn Generationen, also seit rund 300 Jahren, ist die Mühle im Besitz der Familie Arbenz. Der 70-jährige Kaspar Arbenz, der die Mühle ohne Angestellte betreibt, wird wohl der Letzte sein, der sich in Andelfingen noch mit der Herstellung von Mehl befasst.

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Haldenmühle
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Wassergetriebenes Antriebsrad
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Getreide in Pflichtlagersäcken der Kriegsvorsorge

Hier kauften wir Mehl und, da die im Hof scharrenden Hühner so gesund aussahen, frische Eier.

Quellen:
Andelfingen, Historisches Lexikon der Schweiz
Schloss Andelfingen

CH-5466 Kaiserstuhl: wo sitzt der Kaiser ?

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Das Zwergenstädtchen Kaiserstuhl liegt am Rhein zwischen Basel und Schaffhausen und zählt zu den zwei kleinsten Gemeinden der Schweiz. Einen richtigen Kaiserstuhl wie in Goslar gibt es hier nicht zu besichtigen, und ob sich hier einmal ein deutscher Kaiser auf einen Gerichtsstuhl gesetzt hat, wie etwa Otto III. im badischen Kaiserstuhl, weiss die Geschichtsschreibung nicht zu berichten.

Name und Wappen gehen auf die Freiherren von Kaiserstuhl (Keisuresstuol) zurück. Im «Kleinen Urbar» des Klosters Wettingen wird die Ortschaft 1227 erwähnt. Die Stadtgründung geht auf das Jahr 1254 zurück. Ende des 13. Jahrhunderts war das habsburgische Lehen im Besitz der Regensberger, diese, in Geldnöte geraten, mussten es letztlich samt Brücke, Burg und weiteren Rechten in den umliegenden Dörfern  an den Bischof Heinrich II. von Konstanz verkaufen. Kaiserstuhl diente danach bis 1798 als Zentrum der konstanzischen Landesverwaltung. Kaiserstuhl hatte dadurch den Rang einer Landstadt des Heiligen Römischen Reichs. Die Konstanzer Landvögte residierten auf der Burg Rotwasserstelz (Rötteln).

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Blick in die stotzig abfallende Hauptgasse

Kaiserstuhl liegt am südlichen Brückenkopf einer mutmasslich schon seit Römerzeiten bestehenden Brücke über den Fluss. 1294 ist eine hölzerne Rheinbrücke verbürgt. Das Städtchen liegt in Form eines Dreieckes am steil abfallenden Rheinufer. Überragt wird es durch den Oberen Turm, der Mitte des 13. Jahrhunderts als südlicher Eckpfeiler der Stadtbefestigung erbaut wurde. Die Stadtmauern und die zwei unteren Türme am Rheinufer existieren nicht mehr. Am nördlichen Rheinufer (heute auf deutschem Gebiet) steht das Schloss Rotwasserstelz.

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Burg Rotwasserstelz

1415 eroberten Berner und Eidgenossen weite Teile der habsburgischen Gebiete im heutigen Aargau. Die Landeshoheit ging damit an die gemeineidgenössische Grafschaft Baden über. Verwaltet wurde Kaiserstuhl weiterhin durch Konstanzer Landvögte, die bischöfliche Herrschaft war durch die neuen Landesherren aber entscheidend geschwächt.

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Widderbrunnen an der Hauptgasse

Als katholischer Ort an der konfessionellen Grenze gelegen, bildete Kaiserstuhl einen wichtigen Vorposten für die katholischen Orte. In beiden Villmergerkriegen 1655/56 und 1712 wurde der Ort durch die reformierten Zürcher besetzt. Durch gezielte Verlagerung des rheinquerenden Landverkehrs auf eigenes Gebiet (über die Brücke von Eglisau) versuchten die Zürcher erfolgreich, dem Städtchen Kaiserstuhl die Zolleinnahmen abzugraben. Von der Schifffahrt auf dem Rhein profitierte Kaiserstuhl kaum, da es kein Stapelrecht (das Recht einer Stadt, von durchziehenden Kaufleuten zu verlangen, dass sie ihre Waren in der Stadt für einen bestimmten Zeitraum anboten). Dennoch gelangte die Stadt zu erstaunlichem Wohlstand, den die Bewohner durch Fleiss, Weinbau und Viehzucht, in bischöflichen Ämtern, fremden Sold-Diensten und im Kreditwesen erzielten. Davon zeugen heute noch die prachtvollen historischen Bauten.

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ehemaliges Wirtshaus zur Krone, um 1550

1563 erbaut, diente das St. Blasieramtshaus dem Benediktinerkloster St. Blasien, das mehrere Gutshöfe um Kaiserstuhl besass, als Sitz des Klosterschaffners und als Zehntenscheuer.

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Ehemaliges Amtshaus des Klosters St. Blasien, 1563
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Ehemaliges Amtshaus des Klosters St. Blasien, 1563

An ein französisches Stadtpalais erinnert die repräsentative Dreiflügelanlage mit Ehrenhof, die 1764 für Marschall Johann Jakob Mayenfisch, der im Solddienst Frankreichs zu grossem Vermögen gekommen war, erbaut wurde.

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Mayenfisch- oder Marschallhaus 1764

Südlich angrenzend an den oberen Turm liegt das 1764 im Auftrag des Schultheissen Moritz Buol als Gasthaus erbaute Haus zur Linde. Heute als Wohnsitz genutzt.

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ehemaliger Gasthof „Weisses Kreuz“. Heute Haus zur Linde.
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Hauseingang zur Linde

Mit der Errichtung der helvetischen Republik und durch den Friedensschluss von Lunéville zwischen Frankreich und Oesterreich verlor Kaiserstuhl 1798 das gesamte rechtsrheinische Gemeindegebiet an das 1806 gegründete Grossherzogtum Baden. Die verlorenen Gebiete umfassten die fünffache Fläche des Städtchens  (u. a. das Dorf Hohentengen mit der ehemaligen Pfarrkirche). Vorerst blieben grosse Teile des Rebbergs in Hohentengen in Besitz von Kaiserstuhler Einwohnern. Die Bewirtschaftung über die Grenze hinweg stiess aber auf unüberwindbare Probleme, ab 1910 war Schluss mit Weinbau. Ab 1983 wurden die ehemaligen Reblagen wieder neu bepflanzt,  Heute ist mit dem Engelhof wieder ein blühendes Weingut entstanden, das sich mit seinen südlichsten Weinen Deutschlands im untern Preissegment eines guten Rufes erfreut. Da der Kofferraum schon mit Wein gefüllt war, beliess ich es dabei.

Quellen:

Kaiserstuhl wiki
Historisches Lexikon der Schweiz

CH-8253 Diessenhofen: am Hochrhein

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Hauptstrasse mit Zeitglockenturm (1545)

Gute 20 Fussminuten oberhalb der ehemaligen Klosteranlage Paradies, Nähe Schaffhausen, liegt Diessenhofen am Hochrhein.
In Zeiten des Rhein-Iller-Donau-Limes stand hier auf dem Sporn der Burg Unterhof ein römischer Wachturm. Als Nachfolger der abziehenden römischen Truppen besiedelten Alemannen die Gegend. Im Jahr 757 gelangte die Siedlung als Schenkung in Besitz des Klosters St. Gallen. Graf Hartmann III. von Kyburg erhob den Ort 1178 zur Stadt, die er Truchsessen zur Verwaltung übergab.

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Burg Unterhof, Sitz der Ministerialen von Kyburgern und Habsburgern
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Burg Unterhof und Schifflände von der deutschen Rheinseite aus gesehen
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Bannerherr (mit blauem Auge ?) und dem (Kyburger) Stadt-Wappen.

Verglichen mit Schaffhausen und Stein am Rhein blieb Diessenhofen aber immer ein bescheidener Marktort. Die Stadt diente den Machthabern vor allem zur Sicherung ihrer Besitzungen beidseits des Rheines und genoss deshalb wenig Freiheiten. Das Gewerbe deckte wohl die einfachsten Bedürfnisse der Stadt und ihres kleinen Marktgebiets, war aber zahlenmässig zu klein, um sich in Zünften zu organisieren. Die Bevölkerung lebte von Landwirtschaft und Fischerei. Die Stadt bezog ihre Einnahmen aus der Besteuerung des Salzhandels, Brücken- und Durchgangszöllen. 1264 gingen mit dem Aussterben der Kyburger deren Besitzungen an Habsburg über, die damit ihre Vorlande hübsch arrondieren konnten.

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Stadtsicht von der deutschen Seite her
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Oberes Amtshaus und Blick auf deutschen Badestrand

Seit 1292 führt eine Holzbrücke über den Rhein, die 1814 überdacht wurde. Nach einem Grossbrand 1371 wurde das meist aus Holzhäusern bestehende Städtchen neu aufgebaut. Grosszügig erliessen die Habsburger für ein paar Jahre die Steuern. Nach den militärischen Niederlagen gegen die Eidgenossen verloren die Habsburger allmählich ihren Einfluss. Den Bürgern gelang es, ihre Rechte auszuweiten. Ab 1415 wurde Diessenhofen reichsfrei. Bei der Eroberung des Thurgaus durch die Eidgenossen, 1460, wurde das Städtchen belagert und eingenommen, durfte jedoch seine Stadt- und Zollrechte weitgehend behalten.

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Wohnhaus Oberhof
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Rathaus (1760)

In der Zeit der Helvetischen Republik wurde der Bezirk Diessenhofen 1798 dem Kanton Schaffhausen angegliedert. Zwei Jahre später kam der Bezirk dann definitiv zum Kanton Thurgau. Um 1830 setzte die Industrialisierung mit den ersten Stofffärbereien und -druckereien sowie zwei Ziegelfabriken ein.

Direkt am Rhein findet sich ein ehemaliger Verteidigungsturm aus dem Jahre 1391. Ab 1616 als Gefängnis, im 19. Jahrhundert von einer Stoffärberei zum Aufhängen und Trocknen von Textilien  genutzt.

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Hänkiturm

Zwischen Diessenhofen und Schaffhausen liegen die im 13. Jahrhundert gegründeten Klosteranlagen St. Katharinental und Paradies, die bis zu ihrer Aufhebung im 19. Jahrhundert von Frauenkonventen besetzt waren. Nachdem das Kloster Katharinental die existenzgefährdenden Wirrungen des Reformationszeitalters überstanden hatte, erlebte es unter der Priorin Josepha Dominica von Rottenberg eine neue Blütezeit. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ließ die Priorin durch Vorarlberger Baumeister anstelle des alten Klosters die heutige barocke Klosteranlage errichten; Sie gilt als ein bedeutendes Beispiel des süddeutschen Barocks.

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Klosterkirche St. Katharinental
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In der Cafeteria der Anstalt gibts Automatenkaffe und schöne Aussicht
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Eingangsportal der barocken Klosteranlage
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Auch an Schatten haben die Barock-Architeken gedacht

Gleich gegenüber, auf der deutschen Seite thront das Schlösschen Rheinburg, eine 1866 im Stil der Neo-Renaissance erbaute Privatvilla eines Schaffhauser Unternehmers. Nach einer wechselvollen Geschichte als vegetarische Kolonie, Erziehungsanstalt für Töchter aus höheren Ständen, Klinik, Sanatorium, Unterkunft für Kriegsevakuierte, Kinderheim, Kibbuz für Überlebende des deutschen Albtraums und letztlich als neurologische Klinik, wurde die baufällige Anlage durch die deutsche Unternehmerfamilie Gross erworben und mustergültig renoviert. Ehemalige Rebberge unterhalb des Landgutes wieder angepflanzt und in 20-Jähriger Aufbauarbeit hervorragende Weine gekeltert, an die ich mich heute noch mit Vergnügen erinnere. 2003 wurde das Weingut an den Markgrafen von Baden verpachtet, der die Gailinger Weine separat ausbauen lässt. Da ich mich seither vermehrt den Schweizer Weinen zugewandt habe, ist der Draht zu den Gailinger Weinen leider abgerissen.

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Klostergarten am Rhein und Blick auf die Rheinburg in Gailingen (D)
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passt genau ! Bei hohem Wasserstand muss umgestiegen werden

Quellen:
wiki Diessenhofen
wiki St. Katharinental

CH-8500 Frauenfeld: Hip-hop, Energiewende, Kunst und Häuser

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Kühlturm der Thurgoil ?

Nein, wir waren nicht am Frauenfelder hip-hop-open-air-festival. Viel mehr als hippiges Gehoppe interessierten mich die Bemühungen der Schweiz, die Energiewende doch noch zu schaffen. Angekündigt war die Energiewende nach Fukushima von den Damen im Bundesrat ja sehr schnell. Mit der Umsetzung scheint es jedoch 2 Jahre später zu harzen. In Warth, gleich hinter Frauenfeld, versucht man das Problem mit einem Turm aus Holzscheiten zu lösen. Der wurde im Auftrag des Thurgauer Kunstmuseums vom japanischen Künstler Tadashi Kawamata aus Oil of Thurgau (Thurgauer Holzscheiter, D: Scheite) kunstvoll hoch geschichtet.

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würde meinen Energiebedarf im Jura für die nächsten zehn Jahre decken

Daselbst assen wir zu Mittag. Eingekesselt von lauter Assekuranzvertretern der Basler Versicherung, die hier an einer Tagung der Versicherungsvertreter zwei Tage Ferien vom Vertreten machten. Bei Wasser. Ganz im Gegensatz zu uns, die wir uns ein halbes Fläschchen Wein gönnten. Danach noch ein paar Schrittchen durch den Rosengarten an den ehemaligen Klausen der Kartäusermönche vorbei. Siehe auch meinen früheren Bericht über das Kloster Warth.

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Kloster Warth, jedem Mönch sein Häuschen
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Fischweiher und Rebberg des Klosters

Nach dem essen ins nahegelegene Frauenfeld, der Hauptstadt des Thurgau, erbaut auf „unserer lieben Frau [Maria]“ geweihter Flur. Hier in einer Ansicht aus „Gemeiner loblicher Eydgnoschafft Stetten, Landen und Voelckeren, Chronick wirdiger thaaten Beschreybung“ (Stumpfsche Chronik, aus wiki). Heute sieht die „geweihte Flur“ jedoch eher „entweiht“ aus:  Bild NZZ

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Frauenfeld, Holzschnitt aus der Stumpfschen Chronik, 1547/48

Die Siedlung „frowinfelt“ entstand im zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts in unmittelbarer Nachbarschaft zum Jahrzehnte zuvor erbauten Turm des Frauenfelder Schlosses. Ab 1286 ist Frauenfeld als Stadt bezeugt, die damals unter habsburgischer Landesherrschaft stand.

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Schloss Frauenfeld, so sah es schon vor  beinahe 500 Jahren aus

Während einer kurzen Periode der Reichsunmittelbarkeit des Thurgaus zwischen 1415 und 1442 stand Frauenfeld unter der Schirmherrschaft eines Reichslandvogts, danach gehörte es bis 1460 zu Österreich. 1460 wurde die Landgrafschaft Thurgau von den sieben eidgenössischen Orten Zürich, Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug und Glarus erobert und als „gemeine Herrschaft“ verwaltet. Ab 1504 residierte der von den Eidgenossen gewählte Thurgauer Landvogt in Frauenfeld.

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Katholische Stadtkirche St. Nikolaus, Frauenfeld

Frauenfeld trat bis 1531 überwiegend zum reformierten Bekenntnis über. Ab 1720 wurden die Katholiken nicht mehr in städtischen Ämtern geduldet. Pfarrkirche der Stadt Frauenfeld war ursprünglich die Laurentiuskirche in Oberkirch. In der Stadt gab es nur die bei dem Stadtbrand 1771 abgebrannte St. Nikolauskapelle. Die heutige Kirche wurde 1904–06 erbaut und bestimmt mit neo-barockem Pomp die heutige Stadtsilhouette.

Von der eidgenössischen Tagsatzung genehmigt, der Thurgau war ja gemeine Herrschaft, wurde 1641 an der jetzigen Stelle die evangelische Kirche erbaut. Das Kirchenschiff und der obere Teil des Turmes wurden wegen Baufälligkeit 1927 abgebrochen und durch einen im Bauhaus-stil gehaltenen, langweiligen Neubau ersetzt. Das rot leuchtende Chorfenster stammt von unserem Lieblingsmaler, Augusto Giacometti (1877 – 1947) und zeigt den Weg Christi von der Geburt bis zur Erhöhung.

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Kirchenfenster Augusto Giacometti

Seit 1712 wurden in Frauenfeld mehrmals Tagsatzungen abgehalten (in regelmässigem Wechsel mit Baden), von 1742 bis 1797 tagten die Eidgenossen schliesslich ständig hier.
In den Jahren 1771 und 1788 wurde die Stadt von verheerenden Feuerbrünsten heimgesucht, bei denen die meisten alten Häuser zerstört wurden. Das heutige Stadtbild wird daher durch spätbarocke und klassizistische Repräsentationsbauten geprägt, die teils durch die an den Tagsatzungen teilnehmenden Stände erbaut wurden  (Luzerner Haus, Berner Haus).

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Haus zum Schwert
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Berner Haus (zur Gedult)
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Luzernerhaus
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Noch mehr Autos als in der Altstadt gibts vor dem Postamt zu sehen

CH-5643 Sins: Hitzetag

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Zugersee, zwischen Arth und Walchwil

In unserer Dachklause war und ist es unerträglich heiss. Also flügelten wir im geflügelten Automobil luftgekühlt an den Zugersee aus. In den Sternen in Walchwil. Frau L. verträgt weder Hitze noch friert sie gern, konnte sich nicht entscheiden, ob sie im Hause oder draussen sitzen will. „Gut“ sagte ich ihr, „dann machen wir einmal, was ich will“ 😉 und bat sie an einen Platz unter schattigen Kastanien direkt am See.

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Flügeltürenflitzer [Symbolbild]

Hier ass es sich angenehm, wie in den Ferien. Die Familie Weder pflegt hier noch die alte Schule der Gastlichkeit, von der mancher Jungkoch noch etwas lernen könnte.

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Hinten der Innerschweizer Aetna, die Rigi
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Rartaouillesalat auf Auberginenkaviar, Peperoniterrinen und Mozzarella.
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Kartoffelrosen, von der Sonne geküsst

Wer wieder nach Basel will, muss irgendwo über die Reuss. Da es über die Reuss nicht allzuviele Stege gibt, kreuzen sich manche Wege in Sins. Der Ortsname Sins stamme vom gallo-römischen Sentias und bedeute «bei den Wegen», weiss wiki. Sins war schon in früheren Jahrhunderten ein wichtiger Brückenort; noch heute steht hier eine der bedeutendsten, gedeckten Holzbrücken. 1640-41 von Zug erbaut. Gegen Widerstand der Stadt Luzern, die in Gisikon eine eigene Brücke besass und ihre Zolleinnahmen gefährdet sah.

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Sinser Reussbrücke (Aufnahme April 2013)
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100 Meter nebenan können Eilige über eine moderne Betonbrücke fahren

Um 1230 gründeten die Habsburger nordwestlich des heutigen Ortes Sins das Städtchen Meienberg. Dieses befestigte Städtchen (noch heute ist ein von Schafen beweideter Mauergraben zu sehen) wurde 1386 nach der Schlacht bei Sempach von den Eidgenossen geplündert und völlig niedergebrannt. Meienberg konnte sich mangels wirtschaftlicher Kraft nie mehr von diesem Schlag erholen und sank zu einem Weiler herab, blieb aber Gerichtsort. Das wirtschaftliche und politische Zentrum der Gemeinde verlagerte sich an die Reuss hinunter. Hier gab es seit Mitte des 13. Jahrhunderts eine Fähre über den Fluss. 1415 eroberte Luzern das Amt Meienberg, musste es aber 1425 an den gemeinsamen Besitz der Eidgenossen zurückgeben. Aus den eroberten Gebieten wurden die Freien Ämter gebildet, eine Gemeine Herrschaft. „Neu-Meienberg“ wurde erst später zu Sins umgetauft.

Das aus dem Mittelalter stammende Amtshaus im Weiler Meienberg wurde 1575 wieder aufgebaut:

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Amtshaus Meienberg

Die Transkription gotischer Kursiven habe ich auch beim dritten Anlauf nicht geschafft. Die modernen Einfamilienhäuser, die den alten Dorfplatz rekonstruieren sollen, störten mich beim Übersetzen. Vielleicht wars auch die Hitze oder der Ligornetto.

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Während des Zweiten Villmergerkriegs, einem der unseligen Religionskriege, kam es im Juli 1712 zu einem Gefecht rund um die Brücke und die Pfarrkirche. Den katholischen Innerschweizern gelang es um den Preis von 500 Toten, die reformierten Berner zu vertreiben.  5 Tage später gewannen die Berner jedoch die entscheidende Schlacht in Villmergen. 1847 im Sonderbundskrieg zerstörten die Zuger „ihre“ Brücke zur Hälfte, um den Vormarsch von Dufours Truppen zu stoppen. mussten dann 2 Wochen später trotzdem kapitulieren.

Etwas nördlich des modernen Dorfzentrums von Sins befindet sich auf einer erhöhten Geländestufe der frühere Kirchenbezirk. Erhalten geblieben sind die barocke Pfarrkirche Maria Geburt (1748) und das im Jahr 1726 errichtete Gemeindehaus, das bis 1953 als Pfarrhaus diente.

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Quelle:
wiki

CH-4058 Basel: Aida. By the life guard cavalry of Her Majesty

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Wenn ich schon nicht mehr nach London Knightsbridge komme, so kommt doch wenigstens die Militärkapelle der Queens Life Guard nach Basel. Vor meine Haustüre. Mit 29 Rossen, grossen Pferdetransportern, Hufschmid, Veterinär, Stallburschen und Stallburschinnen im Kampfanzug. Um hier am alljährlichen Basel Tattoo (die achte Ausgabe) aufzuspielen. Den Triumphmarsch aus Verdis Aida. Nebst anderem. Hier ein paar Impressionen.

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Die Kleinsten haben immer die grössten Pferde

Dann ist es soweit. Aufmarsch vom Quartier in die Area de Basler Kaserne.

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The Queens Lifeguard Cavalry vor der Claramatte
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Major Paul Wilman sitzt erst später auf

Gleich hinter den Engelländern marschieren die Italiener:

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Auf 4 Rädern marschiert es sich leichter

Dann kommen noch mal soviele Pferde, die Fanfara a cavallo dei Carabinieri. Mit Tressen, Troddeln, Kokarden und Federbüschen (die rot-weissen Staubwedel am Nebelspalter).

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Die italienischen Pferde mit lackierten Hufen
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Il commandante. Ordensbehängt.

Dann heisst es warten bis zum Auftritt:

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ob weiss…
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ob braun…
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ob grau…
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Auch ein Officer hat Durst
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Der rote Haarbusch wird gegen den gelben ausgewechselt
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Der güldene Helm gibt bei 33°C recht warm
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Ebenso die wollenen Gamaschen der Pferde
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Auf das königliche Motto wird getrommelt: Dieu et mon droit, Gott und mein Recht

Während sich die Engelländer mit Rossini und leichter Kavallerie befassen, konzentriert man sich am Eingang auf den italienischen Auftritt.

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Tä täterää, Tä täterää Die italienische Nationalhymne „Fratelli d’Italia“

Nach den Fratelli gibts noch italienische Schlager, wie O Sole Mio, Funiculì Funculà und volare. Italiener und Engelländer dürfen sich mit dem Gefangenenchor aus der Oper Nabucco noch einem militärischen Thema widmen. Dann gehts für alle 60 Rosse wieder an den Schatten und in die Hafersäcke.

Selbst die Aufwischaktion ist choreografiert

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Tanz der Wischfahrzeuge
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Vollbesetzte Tribüne am Basel Tattoo

CH-6000 Luzern: Ein Mann sieht Rot

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Der Besuch in Luzern Mitte Juli galt (schon wieder) einem Kochkurs bei Lucas Rosenblatt. Vorab besuchte ich, wie immer, den Markt. Alles wie immer. Bunt geblümelt, wie jeden Sommer.

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Der Markt an den Juli- Samstagen strahlt in allen Farben

Auffallend, wie sich die dominierenden Farben auf Märkten je nach Saison verändern.

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Beschattungsrot am Käsewagen
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Ferrarirot beim Olivenschmid

Ein paar Wochen zuvor dominierte noch Grün. Nun hat sich die Farbtemperatur des Marktes eindeutig ins Rote verschoben. Nicht nur bei Produkten, auch bei der Infrastruktur. Wie war das schon in der Astronomie mit dem Phänomen der Rotverschiebung ?

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Nachrötungsrot am Ufer der Reuss
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Herzblutrot in Holzwolle gepackt
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Erdbeerrot, die Letzten
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Walderdbeerrot, eine Steigerung
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Schweizer Wäschekorb-Rot, was damit wohl transportiert werden soll ?
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Sonnenstorenrot der Frau Gössi

Ach so, bald ist erster August. Die Pistole bleibt im Holster.

CH-5400 Baden: Treppensteigen statt Baden

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Stadtturm Baden 15. Jhdt.

Im Jahr 14 n. Chr. bauten die Römer etwa fünf Kilometer westlich von Baden das Legionslager Vindonissa. An der Flussbiegung der Limmat fanden die wärmehungrigen Südländer Thermalwasser und begannen, die warmen Quellen zu nutzen (Aquae Helveticae).
Noch vor der Jahrtausendwende entstand auf dem Felsgrat des Schlossbergs die Burg- und Wehranlage Stein, die im Besitze namhafter Geschlechter wie der Nellenburger und Lenzburger war, und im 13. Jahrhundert in die Hände der Habsburger fiel. Im Jahr 1297 erfolgte die formelle Stadtgründung durch die Habsburger.

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Ruine Stein

Albrecht I. von Habsburg erkannte das strategische Potenzial der Siedlung an der engsten Stelle zwischen Burg Stein und dem Lägerngrat. Durch den Bau einer Holzbrücke entwickelte sich Baden zum Verkehrsknotenpunkt. Gleichzeitig liess er Baden als Sperrfestung gegen Zürichs Expansionsdrang ausbauen.

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Brücke und Landvogteischloss. Hinten der Lägerngrat.
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Landvogteischloss und Brückendurchlass, Bergfried aus dem 12. Jhdt.

1303–1307 entstand der Habsburger Urbar, eine Inventarliste sämtlicher rechtlichen Ansprüche (Rechtstitel, Besitztümer und Zinsabgaben), welche die Habsburger anfangs des 14. Jahrhunderts in ihren Vorlanden (Vorderösterreich, Elsass und Schweiz) für sich in Anspruch nahmen. Dessen Aufbewahrungsort war die Burg Stein, die sich zum Verwaltungssitz und zentralen Archiv Vorderösterreichs entwickelte.

Die Eidgenossen eroberten die Stadt 1415 im Auftrag von König Sigismund, beschlagnahmten das Urbar (ein Konvolut meterlanger Pergamentrollen) und schleiften die Festung. Von diesem Verlust des Gedächtnisses (einem Computercrash ohne Backup vergleichbaren Super-GAU) sollte sich das habsburgische Vorderösterreich nie mehr erholen.

De facto übernahmen die Eidgenossen die Landesherrschaft. Baden und die nähere Umgebung wurden als Grafschaft Baden zu einer Gemeinen Herrschaft, einem gemeinsam verwalteten Untertanengebiet der Acht Alten Orte. Jeder Ort stellte im Zweijahresrhythmus einen Landvogt, der im Landvogteischloss residierte.

Schon zu habsburgischer Zeit war Baden wegen der Bäder und der damit verbundenen, nackigen Lustbarkeiten und Zerstreuungen ein beliebter Verhandlungsort gewesen. Die Eidgenossen setzten diese Tradition fort. Zur Verwaltung der gemeinsam eroberten Gebiete trafen sich die Abgesandten ab 1416 im Badener Rathaus zu Tagsatzungen.  Dabei wurde, neben der Abnahme der Jahresrechnungen aller Gemeinen Herrschaften, auch über Bündnisse, Krieg und Frieden entschieden.

Nachdem ich bei früheren Besuchen wegen schlechter Witterungsverhältnisse nie fotografieren konnte, war endlich schönes Wetter, die Altstadt diesmal aber von Baufirmen vollständig umgepflügt. Das Rathaus und der Tagsatzungssaal wegen Renovation geschlossen.

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Obere Gasse
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Das Berner Haus. Sitz der Berner Delegation an Tagsatzungen. Heute Kaffeeshop.
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Hinab an die Limmat

Die lateinische Inschrift an der Nepomuk-Statue bei der Holzbrücke liest sich beeindruckend:

Des heiligen römischen Reiches Graf von und in Trautmannsdorf, Freiherr von Tossenbach, Herr in Klein Karlowitz und Glasendorf, Oberster Feldherr von Steiermark, Erblicher Bannerherr Ihrer Kaiserlichen Majestät, Geheimer Rat und Kammerherr, Stellvertretender Vorsteher der Oesterreichischen Kammer und zur Zeit auch ausserordentlicher Gesandter bei den Eidgenossen liess dieses Standbild zu Ehren des heiligen Johannes Nepomuk aus persoenlicher Ehrerbietung oeffentlich aufstellen im Jahre 1707.

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Nepomuk, Historisches Museum, Lägern und Gartenschlauchkunst
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Die alte Holzbrücke über die Limmat

Einmal unten, an der Limmat angelangt, wollte ich zur Burg Stein hochsteigen. Für mich eine beinahe alpinistische Leistung. Gut, war Frau L. nicht dabei.

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alle 10 Stufen ein Zwischenhalt zum verschnaufen

Langsam, mit vielen Pausen stieg ich hoch. Eine kaputte Herzklappe lässt sich halt nicht mehr gesund trainieren. Wurde von einer lärmenden Schulklasse locker überholt. Eine Katze, durch Freundlichkeiten angelockt, begleitete mich eine Weile. Eidechsen sind interessanter.

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Wo Eidechse ?

Endlich kam auch ich oben an. Schweissgebadet. Und das in Baden. Die Burgmauer war von der Schar schnatternder und quietschender Jugendlicher längst erobert. Der Lehrer dozierte aus der Geschichte Badens. Ausser mir hörte niemand zu. Alle waren mit ihren Smart-Phones beschäftigt. Swipe ’n Tap n‘ SMS. Spielchen spielen. Facebook-Freunde abgleichen. Freunde ? Das alles macht mich in Bezug auf die eigenen Blog-Aktivitäten nachdenklich. Wie hat 1949 Theodor Adorno gesagt: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Oder aktueller Bolli in ihrem so treffenden Abschieds-Beitrag:  Das wahre Leben spielt sich anderswo ab. Was will ich hier überhaupt mit Geschichte ? Keine Generation ist bereit, aus der Geschichte zu lernen. Jede Generation wiederholt die Fehler früherer Generationen, und macht dabei ihre eigenen Erfahrungen. Was will ich hier mit Kochrezepten, die es in gleicher oder ähnlicher Form im Netz bereits in tausend Varianten gibt ?

Verunsicherung. Ich wäre besser baden gegangen. Immerhin ist die Aussicht von hier oben schön:

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Aussicht von der Burgterasse auf Baden und die Lägernkette

1526 entschieden sich die Badener Bürger anlässlich einer öffentlichen Glaubensdisputation zwischen Katholiken und Reformierten für den alten Glauben. Nach der Niederlage der Reformierten im Ersten Villmergerkrieg von 1655/1656 begann Baden in Missachtung der Friedensverträge mit dem Wiederaufbau der Burg Stein als Festung und verstärkte die Stadtmauern. Zürich protestierte gegen den Festungsbau und verbot seinen Bürgern für sechs Jahre den Besuch der Bäder. Baden berief sich auf seine Stellung als Freie Reichsstadt.

Im 2. Villmergerkrieg 1712 unterlagen die Katholiken den Reformierten. Baden wurde von Bern und Zürich belagert,  kapitulierte und Schloss wie Stadtbefestigung wurden geschleift. Als besondere Demütigung wurde den Badenern im neuen Friedensvertrag auferlegt, aus dem Abbruchmaterial der Burg eine reformierte Stadtkirche zu erbauen. Baden wurde fortan nur noch sporadisch als Tagsatzungsort benutzt und musste schliesslich auch noch die Kriegswirren der Französischen Revolution und Napoleons über sich ergehen lassen, von denen sich die Stadt nur langsam erholte. Nach der Gründung des eidgenössischen Staatenbundes 1815 erholte sich Baden jedoch zunehmend. Das Kurgebiet wurde erneuert. Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung Fuss zu fassen, insbesondere mit der 1891 erfolgten Gründung der Firma Brown Boveri. 1847 wurde Baden Endpunkt der ersten schweizerischen Eisenbahnlinie Zürich—Baden (Spanischbrödlibahn).

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Reformierte Stadtkirche aus Abbruchmaterial der Festung erbaut

Sommer. Gekocht wird hier erst wieder, wenns regnet. Oder wenn die Sonne scheint. Spärlicher oder gar nicht. Ohne festen Plan. Wie es sich ergeben wird. Carpe diem.

Quellen:

Baden Geschichte
wiki Baden

CH-6000 Luzern: Wo sich die grossen Fische treffen

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Endlich wieder einmal ein Samstagskochkurs bei Lucas Rosenblatt. Der letzte Fischkurs liegt ja nun schon ganze 3 Jahre zurück. Kurz vor 11 Uhr bin ich noch über den Markt gehuscht. Das war für einen Marktbesuch definitiv viel zu spät. Die leeren Kisten geben nur noch einen schwachen Anhaltspunkt über die sommerliche Farbenpracht ihres Inhalts.

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Alles verkauft

Deshalb gibts vom Markt nur ein Bild mit Blümchen und Ungeniessbarem.

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Schwan mit Tagetes

Um 13 Uhr gehts los in Lucas Rosenblatts Genusswerkstatt. Die 8 Kursteilnehmer dürfen erst mal die wertvollen Kisten auspacken. 500 € liegen dadrin auf Eis:

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Blick in die Kiste mit 6 Hummer, 8 Seezungen und 2 Steinbutte
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von oben: 1 Zander, 2 Lachsforellen und 2 Loup de mer

Und schon gehts los, die Fische werden nach unterschiedlichen Garmethoden zubereitet: Der kleine Felix zeigt dem Papa, wie der Steinbutt frisiert werden muss:

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Steinbutt

Nach 4 Stunden konzentrierter Arbeit sind wir fertig und es wird angerichtet:

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Melonenkugeln selber ausgestochen und angerichtet

Amuse bouche: Loup de mer im Salzmantel gegart mit ligurischen Aromen

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Loup de mer im Salzmantel gegart

Lachsforelle mit Fischfarce am Stück gefüllt. Dazu Knackerbsen, Pfefferminz-Dressing und Raita.

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Lachsforelle ohne Skelett im Ganzen gefüllt und in Fischfond pochiert

Steinbutt auf Melonenchutney mit fritiertem Rucola:

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Steinbutt im Ofen geschmort

Snapper begleitet von Sepiasteaks, Sepiasugo, gelben Zucchini und Tomatenjus:

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Snapper in Fischfond pochiert, Sepiasteaks gegrillt

Klassisches Seezungen-Pavé mit Hummer an leichter Bisque und Blätterteigfleuron:

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Seezunge pochiert, Hummerschere in Court-Bouillon gekocht

Allein die Hummerbisque war die Reise wert:

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Hummer verflüssigt

Und zuletzt: Gebratener Zander „Meunière“ an Beurre blanc vanillée mit Erbsen und jungen Rüebli

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Zander gebraten

CH-5200 Brugg: Verhinderte Schneeballschlacht vor der Lateinschule

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Brugg liegt etwas westlich des Wassertores der Schweiz, dem Zusammenfluss von Limmat, Reuss und Aare. Das Städtchen verdankt seinen Namen der Brücke, die zum Schutz des von Süddeutschland über die Jurahöhen in Richtung Alpenpässe führenden Handelsweges über die Aare gebaut wurde. Der sonst bis zu 130 Meter breite Fluss verengt sich hier in einer Schlucht auf lediglich zwölf Meter. An dieser Stelle entstand bereits vor 2000 Jahren eine erste, befestigte Holzbrücke, erbaut durch römische Truppen der nahegelegenen Garnison Vindonissa.

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Brugg: Schwarzer Turm und Brücke über die Aare

Im heutigen Stadtteil Altenburg entstand um 370 n. Chr. ein Kastell (heute eine Jugendherberge) als Teil des Donau-Iller-Rhein-Limes. Anfangs des 5. Jahrhunderts zogen sich die Römer endgültig zurück. Später wurde die Gegend durch Alemannen besiedelt.

Die Stadt Brugg wurde im frühen 13. Jahrhundert gegründet. Ende des 12. Jahrhunderts entstand auf Befehl Graf Albrechts III. von Habsburg der Schwarze Turm, das älteste erhalten gebliebene Gebäude der Altstadt.

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der schwarze Turm, daneben das alte Rathaus

An den schwarzen Turm angebaut ist das im Jahr 1579 im spätgotischen Stil errichtete, alte Rathaus.

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ehemaliges Rathaus mit Brunnen

Im 13. Jahrhundert nahm die befestigte Brückensiedlung immer mehr kleinstädtische Züge an. Ab 1232 wurden Münzen geprägt, 1273 war eine Zollstelle in Betrieb, ab 1278 gab es einen Schultheiss und 1283 wurde erstmals der Markt erwähnt. Rudolf I. von Habsburg, der vor seiner Wahl zum römisch-deutschen König oft in Brugg geweilt hatte, verlieh dem Ort 1284 das Stadtrecht. Obwohl sich das Herrschaftszentrum der Habsburger inzwischen nach Wien verlagert hatte, blieb Brugg eine wichtiges regionales Machtzentrum in den österreichischen Vorlanden. Dennoch gelang es den Stadtvätern, ansatzweise eine eigenständige Politik zu betreiben.

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Altstadthäuser am Spitalrain

Nach der Aufforderung von König Sigismund an die Eidgenossen, den habsburgischen Aargau im Namen des Reiches zu erobern, zögerte Bern nicht lange und entsandte umgehend Truppen. Die Brugger liessen die Berner am 29. April 1415 kampflos in ihre Stadt einmarschieren. Als Gegenleistung blieben die überlieferten Rechte der Stadt unangetastet.

Unter der Herrschaft Berns liess die wirtschaftliche Dynamik aufgrund der Grenzlage nach. Die Brugger hätten sich gerne wieder unter die Fittiche der österreichischen Herrschaft begeben, daraus wurde aber nichts. Dem Berner Untertanenstatus zum Trotz, versuchte die Stadt immer wieder, den eigenen Einfluss auf umliegende Gebiete auszudehnen. Jeder Machtzuwachs wurde jedoch von Bern blockiert.

Im Januar 1528 beschloss Bern die Einführung der Reformation. Gegen den Willen der Bevölkerung von Brugg, die sich bei einer Abstimmung zum Katholizismus bekannte. Die mindestens seit 1396 bestehende städtische Schule auf dem Kirchplatz wurde nach der Reformation in eine obrigkeitliche Lateinschule (eine Art Gymnasium) umgewandelt. Sie diente hauptsächlich zur Vorbereitung auf die theologische Akademie in Bern. Brugg erhielt deshalb den Spitznamen „Prophetenstadt“.

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Das Rad an der Wand stammt vermutlich aus der Neuzeit

Die Monumentalmalerei aus dem Jahre 1640 war ursprünglich in Grisaille gehalten, im 19. Jahrhundert wurde sie rotbraun koloriert. Die acht allegorischen Frauengestalten stellen die sieben freien Künste (Grammatica, Aritmetica, Geometrica, Rhetorica, Dialectica, Astronomia, Musica sowie die Theologia dar. Die Kartuschen unter den Fenstersimsen sind mit Bibelsprüchen in deutscher, lateinischer, griechischer und hebräischer Sprache verziert.

In einem der Fenster der Lateinschule findet sich ein biblisches Gebot, das von Urvater Abraham stammen könnte:

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woher hätte ich auch den Schnee nehmen sollen ?

Quer durch die Gassen führt der Weg zur Hofstatt, dem einzige grösseren Platz der Altstadt:

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Treppengiebel des Salzhauses

Die Südseite der Hofstatt wird dominiert durch das Salzhaus (erbaut 1732), in dem bis Mitte des 19. Jahrhunderts Salz gelagert wurde; abgesehen vom Dachboden gibt es nur einen einzigen Raum mit zwölf tragenden Säulen. Auffallend auch die Landschreiberei der Vogtei Schenkenberg (1606) und das Kornhaus (1697).

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Salzhaus

An der Nordseite de Hofstatt steht das ehemalige, barocke Zeughaus (erbaut 1673). Der Gassenfront vorgelagert ist der Treppenturm mit welscher Haube.

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ehemaliges Zeughaus und Hofstattbrunnen
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Eingangsportal Zeughaus

Wieder auf dem Weg zum Bahnhof passiert man das erste Haus, das ausserhalb der Stadtmauern entstanden ist: das mit Rokoko-Elementen verzierte Stadthaus. Erbaut 1748/49 im Auftrag von Johann Jakob Frölich, der als Privatsekretär von Lord Sandwich zu Reichtum gelangte. Rund um den Bahnhof feiert die Betonwüste der Neuzeit am Neumarkt ihre öden, aber vergänglichen Triumphe.

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Stadthaus

Quelle:
wiki